Wenn heute von ökonomisch tragfähigen Zukunftsmodellen für europäische Großstädte die Rede ist, fällt meist der Begriff Kreativität. Die Schaffung kreativer Milieus wird als substantiell dafür angesehen, ökonomische Krisen im urbanen Raum zu überwinden. In dieser Arbeit möchte ich untersuchen, inwieweit in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen die Weichen zur Begünstigung kreativen Wirkens gestellt sind. In einem ersten Abschnitt möchte ich in die allgemeine Thematik einführen und einige Begrifflichkeiten klären. Es folgt ein Kapitel zu den politischen und strukturellen Gegebenheiten im Großraum Kopenhagen, ohne deren Kenntnis eine stadtplanerische Untersuchung wie diese kaum Sinn macht. Bevor ich zwei Stadtteile – Indre Nørrebro und Vesterbro – detaillierter auf ihre Tauglichkeit, sich zu kreativen Vierteln zu entwickeln, untersuchen möchte, werde ich zunächst auf den deutlichen Imagewandel, den Kopenhagen in den letzten Jahren erlebt hat, und die daraus resultierende Diskussion um die Notwendigkeit zur Schaffung kreativer Räume eingehen. Der genaueren Betrachtung der genannten Stadtteile ist ebenfalls ein Abschnitt über den demografischen und sozialen Wandel innerhalb der Kopenhagener Innenstadtbezirke in den zurückliegenden Jahrzehnten vorangestellt, der für die spätere Detailanalyse bedeutsam ist. Schließlich möchte ich – nicht ohne eigenen Kommentar – einen Ausblick wagen und versuchen, eine Antwort auf die Frage zu finden, ob es Kopenhagen in den kommenden Jahren gelingen wird, sich seinen Platz auf der kreativen Weltkarte zu sichern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Zielsetzung
1.2. Hinführung zum Thema
2. Die Verwaltungsstruktur Kopenhagens
2.1. Die Gemeinden im Großraum Kopenhagen
2.2. Die Stadtteile Kopenhagens
3. Das Image Kopenhagens im Wandel der Zeit
3.1. Der skandinavische Sündenpfuhl
3.2. Neue Brücken und ein neues Image
3.3. Gründe für den Imagewandel
3.4. Kopenhagen – zu sauber für neue Kreativität?
3.5. Voraussetzungen für die Schaffung kreativer Milieus
4. Demografischer und sozialer Wandel in Kopenhagens inneren Bezirken
4.1. Die Entstehung der Brückenviertel im Zuge der Industrialisierung
4.2. Die neuen Wohlstandsviertel im Norden
4.3. Der soziale Wohnungsbau des Wohlfahrtsstaates
4.4. Bevölkerungsaustausch in Nørrebro und Vesterbro
4.5. Stadterneuerungsmaßnahmen und Straßenkämpfe in den Brückenvierteln
5. Die potentiellen kreativen Viertel
5.1. Beispiel: Indre Nørrebro
5.2. Beispiel: Vesterbro
6. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, kreative Milieus zu etablieren und damit ökonomische Krisen im urbanen Raum zu bewältigen. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob die aktuellen stadtplanerischen und politischen Weichenstellungen ausreichen, um Kopenhagen als einen dauerhaften Standort für kreatives Wirken und Innovation zu etablieren.
- Strukturelle Analyse der Verwaltung von Großkopenhagen.
- Untersuchung des Imagewandels Kopenhagens von der krisengebeutelten Stadt zum Lifestyle-Hotspot.
- Analyse des demografischen und sozialen Wandels in den zentralen Bezirken Nørrebro und Vesterbro.
- Kritische Reflexion über Gentrifizierung und ihre Auswirkungen auf das kreative Potenzial der Stadt.
Auszug aus dem Buch
3.1. Der skandinavische Sündenpfuhl
Die Stadt Kopenhagen, im Osten der Insel Sjælland und somit eher am Rande Dänemarks gelegen, hat gerade in den vergangenen zehn Jahren einen bedeutenden Imagewechsel erlebt. Bis in die frühen Neunziger Jahre hinein galt Kopenhagen schlichtweg als der Sündenpfuhl nicht nur Dänemarks, sondern ganz Skandinaviens. Mit Kopenhagen verband man offene Bandenkriminalität und Gewalt auf der Straße, autonome Häuserkämpfe und die Besetzung des Viertels Christiania, Prostitution, die in Schweden zum Beispiel illegal ist, und eine offene Drogenszene. So lassen sich in der skandinavischen Literatur eine ganze Reihe Beispiele finden, bei denen es darum geht, dass junge Menschen aus der Provinz nach Kopenhagen ziehen und sich dort durch Drogen, Alkohol und Exzesse selbst zu Grunde richten.
Dieses Thema findet sich, um nur zwei Beispiele zu nennen, in dem Jugendroman Yesterday des Norwegers Lars Saabye CHRISTENSEN ebenso wie in dem norwegischen Aufklärungsfilm Himmel og Helvete aus dem Jahr 1969. Aus heutiger Sicht betrachtet, dient letzterer aufgrund seiner völlig unkundigen und altväterlichen Herangehensweise – die Jugendlichen in dem Film spritzen sich zum Beispiel Marihuana – mehr der kultverdächtigen Realsatire als der Aufklärung norwegischer Jugendlicher.
Doch zeigt die Existenz des Filmes und der anderen literarischen Quellen, dass Kopenhagen bis vor einigen Jahren noch berüchtigt für seine sozialen Probleme war, und die Vorstellung, das eigene Kind könnte in Kopenhagen studieren, für viele skandinavische Eltern ein Grauen. Ein Rest dieses Images wohnt Kopenhagen heute immer noch bei, so dass Pernille STENSGAARD durchaus pointiert schreibt: „Leute aus Nørrebro können sicher sein, dass wenn sie irgendwo in der Provinz bei Kaffee und Kuchen sitzen und erzählen, wo sie wohnen, den Ausruf ´Das traust du dich?´ hören werden. Das ist schon immer so gewesen [Ü.d.A].“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert das Ziel der Arbeit, kreative Potenziale in Kopenhagen zu analysieren und führt in die theoretische Diskussion um Urbanität und Kreativität ein.
2. Die Verwaltungsstruktur Kopenhagens: Beschreibt die komplexe politische Aufteilung des Großraums Kopenhagen in eigenständige Gemeinden und die Stadtteilstruktur.
3. Das Image Kopenhagens im Wandel der Zeit: Beleuchtet den Imagewandel von einer problembehafteten Stadt zu einem attraktiven Standort und hinterfragt, ob die zunehmende Sauberkeit die kreative Entfaltung behindert.
4. Demografischer und sozialer Wandel in Kopenhagens inneren Bezirken: Analysiert die historische Entwicklung der Brückenviertel und den Einfluss von Gentrifizierung sowie wohlfahrtsstaatlicher Planung.
5. Die potentiellen kreativen Viertel: Untersucht die Stadtteile Nørrebro und Vesterbro hinsichtlich ihrer Eignung als kreative Zentren unter Berücksichtigung lokaler Projekte.
6. Ausblick: Fazit zur aktuellen Lage Kopenhagens mit der Schlussfolgerung, dass eine restriktive Politik die Ansiedlung kreativer Geister gefährden könnte.
Schlüsselwörter
Kopenhagen, Kreative Milieus, Gentrifizierung, Urbanität, Stadtplanung, Nørrebro, Vesterbro, Stadtmarketing, Soziale Stadtentwicklung, Wohlfahrtsstaat, Kreativwirtschaft, Christiania, Kulturelles Kapital, Demografischer Wandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob Kopenhagen erfolgreich kreative Milieus schaffen kann, um ökonomische Krisen zu überwinden und ein urbanes, attraktives Image zu festigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung umfasst die politische Verwaltungsstruktur, den historischen Wandel des Stadtbildes, soziale Entwicklungen in den Brückenvierteln sowie die Herausforderungen der Gentrifizierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Untersuchung, inwieweit die dänische Hauptstadt Kopenhagen die notwendigen Rahmenbedingungen für die Begünstigung kreativen Wirkens geschaffen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Analyse stadtplanerischer Konzepte, soziologischer Theorien zum Wandel urbaner Räume sowie der Auswertung aktueller dänischer Medienberichte und Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Entstehung der Stadtviertel Nørrebro und Vesterbro, den Wandel ihres Images und die Auswirkungen staatlicher Sanierungsmaßnahmen auf die dort ansässige kreative Szene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kreative Milieus, Gentrifizierung, Kopenhagen, Stadtentwicklung, Urbanität und soziale Integration sind die prägenden Begriffe.
Warum ist die Verwaltungsstruktur für die Untersuchung relevant?
Da Kopenhagen aus 20 unabhängig agierenden Gemeinden besteht, ist die politische Koordination entscheidend für die Ghettoisierung oder den Erfolg kreativer Quartiersentwicklungen.
Welche Rolle spielt das Viertel Christiania für die Autorin/den Autor?
Die Autorin/der Autor betrachtet Christiania als einen essenziellen, ökologisch und kulturell inspirierenden Ort, der weit mehr Potenzial bietet, als die aktuelle Regierungspolitik wahrnimmt.
Wie bewertet der Text die Gentrifizierung in Vesterbro?
Der Text sieht die Gentrifizierung kritisch, da sie zwar das optische Image verbessert, aber die ursprüngliche soziale Mischung verdrängt und die Mietkosten für Kreative in die Höhe treibt.
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- Ebbe Volquardsen (Author), 2004, Potentiale zur Schaffung kreativer Milieus in Kopenhagen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40745