Einstellungen und Verhalten bezüglich Behinderten


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2004
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Problemzusammenhang

2. Einstellungen zu Behinderten

3. Erklärungsansätze
3.1 Psychoanalytische und psychologische Ansätze
3.2 Sozialpsychologische Ansätze
3.3 Soziologische Ansätze
3.3.1 Behinderung und Gesellschaftsstruktur
3.3.2 Behinderung als abweichendes Verhalten
3.3.3 Stigmatheorie
3.3.4 Theorie des normativen Konflikts

4. Möglichkeiten der Einstellungsänderung
4.1 Information und Aufklärung
4.2 Simulation und Rollenspiel
4.3 Einstellungsänderung über Kontaktmöglichkeiten
4.4 Gesamtgesellschaftlichen Veränderungen

Schlussbemerkung

Literatur

Einleitung

In der vorliegenden Arbeit geht es um Einstellungen und Verhalten bzgl. Behinderten. Dies ist von besonderer Wichtigkeit, wenn das allgemeine Ziel jeglicher rehabilitativer Bemühungen, die soziale Integration von Menschen mit Behinderungen, erreicht werden soll.

Derzeitig sind zwar integrative Bemühungen vorzufinden, allerdings relativ schwer durchzusetzen, so dass die Segregation überwiegt und die soziale Teilhabe deutlich erschwert ist. Dieser diskriminierende Umgang mit behinderten Menschen wird durch sehr starre Haltungen der Bevölkerung gefördert.

Aus diesem Grund werden zunächst die Haltungen gegenüber Behinderten beschrieben, daraufhin unterschiedliche Erklärungsansätze dafür und zum Schluss werden die drei gängigsten Maßnahmen zur Einstellungsveränderung betrachtet und anhand von Forschungsergebnissen bewertet. Als letztes werden noch mögliche Perspektiven genannt, die gesamtgesellschaftliche Veränderungen umfassen.

1. Problemzusammenhang

In der vorliegenden Arbeit geht es um soziale Einstellungen und Verhaltensweisen bezüglich Menschen mit Behinderungen.

Der Begriff Behinderung umfasst drei Ebenen. Die erste Ebene umfasst die konkrete Schädigung. Die zweite Ebene bezieht sich auf die dadurch verursachte Funktionsbeeinträchtigung (disability). Die dritte Ebene umfasst die soziale Benachteiligung der Person, die sich hieraus ergibt (handicap). Aus dieser mehrdimensionalen Sicht heraus sind aktuelle Definitionen entstanden:

Cloerkes (2001) definiert Behinderung als „eine dauerhafte und sichtbare Abweichung im körperlichen, geistigen oder seelischen Bereich, der allgemein ein ausgeprägt negativer Wert zugeschrieben wird. Ein Mensch ist „behindert“, wenn erstens eine solche Abweichung von wie auch immer definierten gesellschaftlichen Erwartungen vorliegt und wenn zweitens deshalb negativ auf ihn reagiert wird“.

Hier wird deutlich, dass die soziale Reaktion ein bedeutsamer Faktor ist. Erstens schafft sie Behinderung und darüber hinaus verhindert sie zusätzlich die Integration behinderter Menschen, was das eigentliche Ziel rehabilitativer Bemühungen ist.

Die soziale Reaktion umfasst dabei zunächst formale Definitionsvorgänge, zum anderen bezieht sie sich auf die informelle Ebene der zwischenmenschlichen Interaktion, auf die Gesamtheit der Einstellungen und Verhaltensweisen.

Unter Einstellung wird dabei nach Cloerkes (ebd.) ein stabiles System von positiven oder negativen Bewertungen, gefühlsmäßigen Haltungen und Handlungstendenzen in bezug auf ein soziales Objekt verstanden, was 3 Komponenten umfasst: Die affektive Komponente meint die gefühlsmäßige Wertschätzung eines Menschen. Die kognitive Komponente bezieht sich auf die Ansichten, Meinungen, Gedanken und Vorstellungen über Behinderte. Die konative Komponente ist das offene Verhalten bzw. die Verhaltensintention oder Handlungstendenz. Da eine Behinderung ein sozial konfliktgeladenes Einstellungsobjekt darstellt, kommt hier der affektiven Komponente maßgebliche Bedeutung zu.

Zwischen der Einstellung und dem beobachtbaren Verhalten besteht ein enger Zusammenhang, welcher jedoch nicht linear ist, was an späterer Stelle genauer ausgeführt wird. Die Einstellungsstruktur ist zudem abhängig von zentraleren Werten, die die Person vertritt. Eine Einstellung bezieht sich dabei auf konkrete soziale Objekt, ein Wert bezeichnet eine Einstellung zu mehr symbolischen und abstrakten Konzepten.

2. Einstellungen zu Behinderten

Untersuchungen zeigen, dass eine ablehnende Haltung gegenüber Behinderten in verschiedenen Lebensbereichen (z.B. Beruf, Schule) und bei verschiedenen Gruppen von Menschen überwiegt. Hier zeigen sich z.T. äußerst negativ gefärbte stereotype Vorstellungen, die für die behinderten Menschen gravierende Folgen in Form von Meidung, Verhaltensunsicherheit und Segregation haben. Einstellungen bzgl. Behinderten sind insgesamt sehr starre, grundlegende Haltungen. Insgesamt kann jedoch nicht von einer krassen Behindertenfeindlichkeit ausgegangen werden, allerdings gibt es auch keine Anzeichen für eine gewachsene Behindertenfreundlichkeit in den letzten 25 Jahren. Studien zeigen hier keine Veränderung. Das vorherrschende Merkmal in den Einstellungen zu Behinderten ist Ambivalenz.

Diese zeigt sich ebenfalls in den Reaktionsformen. Sie bestehen zum einen aus originären Formen wie Anstarren, Ansprechen, Ärgern, Aggressivität bis hin zu Vernichtungstendenzen. Zum anderen zeigen sich auch eher positive Reaktionen, die allerdings einen ausgrenzenden Charakter besitzen, wie z.B. Mitleidsäußerungen, aufgedrängte oder unpersönliche Hilfe und Schein-Akzeptierung. Sichtbar werden die Faktoren oft in Interaktionsstörungen, bei denen es aufgrund von Angstgefühlen oder Unbehagen zu Verhaltensunsicherheiten und Ambivalenzempfindungen mit antizipatorischer Vermeidung solcher Situationen kommt.

Auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene finden sich zwar integrative Bemühungen, aber Integration ist schwer durchzusetzen und Segregation von Behinderten überwiegt.

Die Einstellung zu Behinderten ist abhängig von verschiedenen Bedingungen. Besonders wichtig ist die Art der Behinderung. Eine Rolle spielt hier das Ausmaß der Sichtbarkeit und vor allem der Abweichung von gesellschaftlich hochbewerteten Funktionsleistungen. Hier kann eine Hierarchie der Werte ausgemacht werden. An höchster Stelle steht die Intelligenz, ihr folgt die Sprachfähigkeit, dann die Sinnestüchtigkeit, daraufhin die Handgeschicklichkeit und an letzter Stelle ist die Fortbewegungsfähigkeit zu finden. Ein weiterer wichtiger Faktor ist eine angenommene Bedrohlichkeit für andere. Diese Aspekte führen dazu, dass geistige und psychische Beeinträchtigungen am ungünstigsten bewertet werden, Sinnesbehinderungen im Mittelfeld liegen und Abweichungen im körperlichen Bereich am günstigsten bewertet werden. Die Schwere einer Behinderung spielt insgesamt keine wesentliche Rolle. Zusammenhänge bestehen auch zum Geschlecht und Alter. Frauen akzeptieren Behinderte eher, ältere Personen weniger. Keine Zusammenhänge bestehen zu der Höhe des Bildungsgrads, dem sozio-ökonomischen Status und dem Faktenwissen über Behinderungen. Was Persönlichkeitsmerkmale betrifft, bestehen unterschiedliche Meinungen.

Es gibt jedoch Hinweise auf Zusammenhänge zwischen negativen Einstellungen zu Behinderten und ich-schwachen, ängstlichen, dogmatischen, ambiguitätsintoleranten Personen, sowie zu egoistischer Nützlichkeitsorientierung, Autoritarismus und Hilfsbereitschaft. Kontakte zu Behinderten sind ein wichtiger Einflussfaktor, der allerdings nicht zwangsläufig zu positiven Einstellungen führt. Studien (vgl. Tröster 1996) haben festgestellt, dass eine mit der Enge der sozialen Beziehungen abnehmende Akzeptierungsbereitschaft besteht, so dass negative Einstellungen wahrscheinlich besonders in engen sozialen Kontakten zur Geltung kommen. Eine wichtige Determinante ist die kulturelle Bedingtheit. Einstellungen unterscheiden sich kulturabhängig, je nach dem vorherrschenden Wertesystem. Nur universell physisch und psychisch eindeutig abweichende Personen werden überall ungünstiger bewertet.

Insgesamt kann gesagt werden, dass es kaum eindeutige Bestimmungsgründe gibt. Das entscheidende Kriterium scheint dabei die Verletzung sozio-kulturell bedingter Standards oder Werte zu sein.

Im Folgenden sollen Ansätze beschrieben werden, die die Einstellungen und Reaktionsformen zu erklären versuchen.

3. Erklärungsansätze

In der Literatur befinden sich überwiegend psychoanalytisch, psychologisch, sozialpsychologisch und soziologisch orientierte Erklärungsansätze. Diese sollen hier überblicksartig mit Schwerpunkt auf den soziologischen dargestellt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Einstellungen und Verhalten bezüglich Behinderten
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (Sondererziehung und Rehabilitation bei Behinderungen)
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V40911
ISBN (eBook)
9783638393089
ISBN (Buch)
9783638894364
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einstellungen, Verhalten, Behinderten
Arbeit zitieren
Sandra Kleine (Autor), 2004, Einstellungen und Verhalten bezüglich Behinderten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40911

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