In der vorliegenden Arbeit geht es um Einstellungen und Verhalten bzgl. Behinderten. Dies ist von besonderer Wichtigkeit, wenn das allgemeine Ziel jeglicher rehabilitativer Bemühungen, die soziale Integration von Menschen mit Behinderungen, erreicht werden soll.
Derzeitig sind zwar integrative Bemühungen vorzufinden, allerdings relativ schwer durchzusetzen, so dass die Segregation überwiegt und die soziale Teilhabe deutlich erschwert ist. Dieser diskriminierende Umgang mit behinderten Menschen wird durch sehr starre Haltungen der Bevölkerung gefördert.
Aus diesem Grund werden zunächst die Haltungen gegenüber Behinderten beschrieben, daraufhin unterschiedliche Erklärungsansätze dafür und zum Schluss werden die drei gängigsten Maßnahmen zur Einstellungsveränderung betrachtet und anhand von Forschungsergebnissen bewertet. Als letztes werden noch mögliche Perspektiven genannt, die gesamtgesellschaftliche Veränderungen umfassen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Problemzusammenhang
2. Einstellungen zu Behinderten
3. Erklärungsansätze
3.1 Psychoanalytische und psychologische Ansätze
3.2 Sozialpsychologische Ansätze
3.3 Soziologische Ansätze
3.3.1 Behinderung und Gesellschaftsstruktur
3.3.2 Behinderung als abweichendes Verhalten
3.3.3 Stigmatheorie
3.3.4 Theorie des normativen Konflikts
4. Möglichkeiten der Einstellungsänderung
4.1 Information und Aufklärung
4.2 Simulation und Rollenspiel
4.3 Einstellungsänderung über Kontaktmöglichkeiten
4.4 Gesamtgesellschaftlichen Veränderungen
Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zugrunde liegenden Ursachen für Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber behinderten Menschen, mit dem Ziel, Möglichkeiten zu deren positiven Veränderung und zur Förderung der sozialen Integration zu identifizieren.
- Analyse psychologischer und soziologischer Erklärungsansätze für ablehnende Einstellungen.
- Untersuchung der Rolle von Angst, Stigmatisierung und normativen Konflikten.
- Bewertung gängiger Interventionsmaßnahmen wie Aufklärung, Simulation und Kontaktmöglichkeiten.
- Diskussion der Bedeutung gesamtgesellschaftlicher Veränderungen für den Abbau von Segregation.
Auszug aus dem Buch
3.3.3 Stigmatheorie
Es entstand die Forderung nach einer Trennung von Theorien abweichenden Verhaltens und einer eigenständigen Stigmatheorie, da der Stigmatisierte keinen aktiven Normverstoß vornimmt, lediglich durch sein „Sosein“, allerdings ohne dass ihm dies angelastet werden kann.
Unter einem Stigma wird eine zutiefst diskreditierende Eigenschaft einer Person verstanden, die von anderen negativ bewertet wird. Ein Stigma wirkt sozusagen auf der Ebene der Einstellung gegenüber Behinderten. Stigmatisierung hingegen ist das Verhalten, welches als Reaktion auf das Stigma entsteht. Ein Stigma ist sozusagen ein Sonderfall eines Vorurteils, welches sich allerdings auf Merkmale von Personen bezieht und oftmals generalisiert wird. Das heißt, dass der Person weitere Unvollkommenheiten unterstellt werden, z.B. werden Stotterer oft als gehemmte, schüchterne Menschen angesehen, die langsam in ihrem Handeln sind. Dadurch entstehen Diskriminierungen, die über Rationalisierungen begründet werden und deren Durchsetzung von der Macht von Stigmatisierer und Stigmatisiertem abhängen.
Die Folgen für den Stigmatisierten können gravierend sein. Bisherige Rollen und Kontakte werden häufig verloren, bis hin zur Isolation. Interaktionen sind am Stigma orientiert und deshalb durch Spannungen, Unsicherheit und Angst erschwert. Insgesamt besteht eine Gefährdung der Identität.
Stigmatisierungen besitzen wichtige Funktionen auf der Mikro- und auf der Makroebene. Für das Individuum haben sie eine Entlastungsfunktion. Soziale Situationen werden vorstrukturiert, wodurch Unsicherheiten verringert werden. Verdrängte Triebe, z.B. Aggressionen, werden mit Hilfe selektiver und verzerrter Wahrnehmung auf Sündenböcke projiziert. Über betonte Abgrenzung wird das gefährdete seelische Gleichgewicht wieder hergestellt, da im Grunde jeder gefährdet ist stigmatisiert zu werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung umreißt die Relevanz der Untersuchung von Einstellungen gegenüber behinderten Menschen für deren soziale Integration und stellt die methodische Vorgehensweise vor.
1. Problemzusammenhang: Dieses Kapitel definiert den Begriff Behinderung auf drei Ebenen und legt die psychologischen Komponenten von Einstellungen sowie deren Zusammenhang mit beobachtbarem Verhalten dar.
2. Einstellungen zu Behinderten: Hier werden die überwiegend ablehnende Haltung und die ambivalenten Reaktionsformen der Gesellschaft sowie deren Einflussfaktoren wie Sichtbarkeit und Art der Behinderung analysiert.
3. Erklärungsansätze: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über verschiedene theoretische Ansätze, wobei der Fokus auf soziologischen Erklärungen wie Stigmatheorie und normativen Konflikten liegt.
4. Möglichkeiten der Einstellungsänderung: Hier werden Interventionsmaßnahmen wie Aufklärung, Simulation und Kontaktmöglichkeiten kritisch im Hinblick auf ihre Wirksamkeit und Voraussetzungen diskutiert.
Schlüsselwörter
Behinderung, Einstellungen, Soziale Integration, Stigmatisierung, Vorurteile, Normativer Konflikt, Sozialpsychologie, Soziologie, Verhaltensänderung, Kontakthypothese, Segregation, Diskriminierung, Soziale Reaktion, Individuum, Gesellschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den sozialen Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber behinderten Menschen, die häufig von negativen Stereotypen und einer gewissen Ambivalenz geprägt sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung der Einstellungen, die Analyse von Ursachen wie Stigmatisierung und Angst sowie die Evaluation von Strategien zur Einstellungsänderung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Mechanismen hinter den negativen Einstellungen zu verstehen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie durch gezielte Maßnahmen eine bessere soziale Teilhabe und Integration erreicht werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die psychoanalytische, psychologische und insbesondere soziologische Erklärungsmodelle zusammenführt und diskutiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Beschreibung der Einstellungsstruktur, die theoretische Analyse der Ursachen von Diskriminierung und eine kritische Diskussion von Interventionsansätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Behinderung, soziale Integration, Stigmatisierung, Vorurteile, der normative Konflikt und die Kontakthypothese.
Wie wirkt sich die Stigmatheorie auf die Wahrnehmung von Behinderten aus?
Die Stigmatheorie erklärt, dass behinderte Menschen durch eine diskreditierende Eigenschaft in eine abweichende Rolle gedrängt werden, was zu generalisierten Vorurteilen und sozialer Isolation führen kann.
Warum sind Aufklärungskampagnen oft wenig erfolgreich?
Die Arbeit zeigt, dass Aufklärung oft am "Bumerang-Effekt" scheitert, da Menschen mit negativen Einstellungen diese Informationen aufgrund selektiver Wahrnehmung ausblenden oder sogar in ihrer Haltung verhärtet werden.
Welche Rolle spielt der "normative Konflikt" in der Gesellschaft?
Der normative Konflikt beschreibt den Widerspruch zwischen gesellschaftlich geforderter Integration und erlernten, teilweise tief verankerten ablehnenden Einstellungen, was bei vielen Menschen zu Unsicherheit und Distanzierung führt.
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- Sandra Kleine (Author), 2004, Einstellungen und Verhalten bezüglich Behinderten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40911