J.W. v. Goethe: Prometheus - Dramenfragment und Ode


Hausarbeit, 2002

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Entstehungsgeschichte

III. Interpretation des Dramenfragments

IV. Interpretation der Ode

V. Wirkungsgeschichte

VI. Schlussbetrachtung

VII. Bibliographie

I. Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit Johann Wolfgang von Goethes 1773 entstandenem Dramenfragment Prometheus und der kurz danach verfassten gleichnamigen Ode.

Nachdem in der Goethe-Forschung lange Zeit unklar war, ob zuerst das Dramenfragment oder die Prometheus -Ode verfasst wurde, wird zu Anfang dieser Arbeit die Entstehungsgeschichte der beiden Werke unter Berücksichtigung neuerer Forschungserkenntnisse beleuchtet werden.

Im Anschluss hieran wird eine Interpretation des Dramenfragments und der Ode erfolgen, wobei der Schwerpunkt auf der Deutung der Ode, auch im Hinblick auf inhaltliche Unterschiede zum fragmentarischen Drama, liegen wird.

Die 1785 von Fritz Jacobi ohne Goethes Wissen veröffentlichte Ode ist nicht nur wegen ihres revolutionären Inhalts, sondern auch wegen ihrer interessanten und spektakulären Rezeptionsgeschichte eine der berühmtesten Dichtungen des jungen Goethe, was ich zum Anlass nehme, die Rezeptionsgeschichte der Ode als Abschluss der vorliegenden Arbeit zu skizzieren.

II. Entstehungsgeschichte

Die Prometheus -Ode entstand während der Arbeit an dem gleichnamigen Drama innerhalb des Zeitraums zwischen Sommer und Herbst 1773. Wenngleich sie in der Rezeptionsgeschichte zeitweise als Eingangsmonolog des geplanten III. Aktes angesehen wurde, ist diese These heute widerlegt und die Ode wird eigenständig betrachtet.

Der Grund für die ursprüngliche These war, dass Goethe selbst 1820 in einem Brief an seinen Freund Zelter die Ode als Monolog zu Beginn des dritten Aktes bezeichnet[1] und 1830 selbige in der Ausgabe letzter Hand auch als Eingangsmonolog des fragmentarischen Dramas gedruckt wird. Dies führt allerdings zu einigen Wiederholungen innerhalb des Dramas, so dass man heute eher von einem „Erinnerungsfehler“[2] Goethes ausgeht und die Ode tatsächlich während oder vielmehr nach der Arbeit am Drama entstand. Obwohl die Reihenfolge der Entstehung von Fragment und Ode lange Zeit sehr umstritten war, gelingt es Rolf Christian Zimmermann schlüssig zu belegen, dass Goethe offenbar zuerst das Drama und nach dessen Scheitern die Ode schrieb, in welcher er die Essenz des Dramas rettete.

Zimmermann begründet die zeitliche Priorität des Dramenfragments mit einem Brief, den Goethe 1819 an den Finder einer Kopie des Prometheus-Fragments, die Goethes Jugendfreund Lenz angefertigt hatte, schrieb: „Nur zwei Acte können es sein; der Monolog Prometheus, der durch Jacobis Unvorsichtigkeit so vielen Lärm machte, gehörte eigentlich hierher, kann aber nicht in dem Manuscript stehen, welches sich bei Lenz gefunden.[3] “ Da Goethe nach fast fünfzig Jahren sofort wusste, dass Lenz keine Gelegenheit zur Abschrift der Ode gehabt haben kann, geht Zimmermann davon aus, dass die Ode zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht geschrieben worden war, denn sonst hätte Goethe sie Lenz ebenfalls vorgelegt[4].

Auch das Schicksal des Hymnenpaares Prometheus und Ganymed lässt darauf schließen, dass das Fragment als Vorstufe der beiden Hymnen zu betrachten ist, denn in der Sammlung, die Goethe 1789 für den Verleger Göschen zusammenstellt, sind zwar beide Hymnen, aber nicht das Dramenfragment vorhanden[5].

Da teilweise ganze Verse der Ode mit denen des Dramas übereinstimmen, muss Goethe von vornherein eines der Werke als „Steinbruch“ für das andere verwendet haben und eben diese parallel verlaufenden Verse geben Zimmermann weitere Argumente für die zeitliche Priorität des fragmentarischen Dramas. Denn während sich Prometheus im Drama an den Götterboten Merkus als „Abgesandten einer ganzen Götterfamilie[6] “ wendet, spricht er in der Ode allein zu Zeus. Dies wiederum hat zur Folge, dass im Drama durchgehend von den Göttern im Plural und in der Ode von Zeus im Singular die Rede ist. Allerdings existiert ein Entwurf der Ode, in dem Goethe unmotiviert vom Singular in den Plural verfällt, was Zimmermann als Rückfall zu dem Götter-Plural des - demzufolge zwangsläufig vorher verfassten – Fragments interpretiert.[7]

Diese Argumente erklären zusammengenommen schlüssig, warum Goethe das Fragment verschwinden ließ und letztlich auch vergessen hat, wurde doch „das ursprüngliche Unternehmen eines Prometheus- Dramas tatsächlich liquidiert und geplündert“ und die beiden Hymnen Prometheus und Ganymed gingen daraus hervor.

III. Interpretation des Dramenfragments

Das Dramenfragment besteht aus zwei Akten und ist ohne Versmaß geschrieben. Inhaltlich behandelt es Prometheus’ Lossagung von seinem Göttervaters Jupiter und die Schöpfung seiner eigenen „Kinder“, die er mit Minervas Hilfe zum Leben erwecken kann.

Erster Akt

Der erste Auftritt zeigt Prometheus im Gespräch mit dem Götterboten Merkur, welcher versucht, Prometheus Einstellung gegenüber dessen Eltern Jupiter und Juno zu beeinflussen. Dass Jupiter und Juno entgegen der antiken Mythologie Prometheus’ Eltern sind, erweitert den Konflikt auch um den Vater-Sohn Konflikt, der in der Sturm und Drang Zeit besonders große Bedeutung hatte.

Prometheus sieht keinen Grund, diesen Göttern Respekt zu zollen (D. 35ff.:[8] „Unendlich! Allmächtig! / Was könnt ihr? / Könnt ihr den weiten Raum / Des Himmels und der Erde / Mir ballen in meine Faust?“), zudem erkennt er sie noch nicht einmal als seine Eltern an (D. 8f. : „Was Vater! Mutter! / Weißest du woher du kommst?“). Somit gibt es für ihn weder auf rationaler noch auf emotionaler Ebene Grund, eine auf Respekt basierende Beziehung zu seinen Eltern aufzubauen. Auf Merkurs Einwände, dass seine Eltern ihm doch in der Kindheit geholfen und ihn geschützt hätten, erwidert Prometheus, dass dies nur aus eigennützigen Motiven statt gefunden habe und dass er durch die Zeit zum Mann geworden sei. Hierbei wird von Goethe fast exakt die selbe Formulierung verwendet, wie in der gleichnamigen Ode: (D. 28-30) „ Hat nicht mich zum Manne geschmiedet / Die allmächtige Zeit / Mein Herr und eurer?“ Gegen Ende des Gesprächs mit Merkur kommt dieser auf das Schicksal zu sprechen, dessen Macht Prometheus ebenfalls anerkennt (vgl. D. 44 ff.) Wie auch in der Ode stellt die Figur des Prometheus die Macht des Schicksals und der Zeit über die Macht der Götter.

Sobald Merkur verschwunden ist, widmet sich Prometheus seinen „Statuen“, die er als seine „Kinder“ (D. 53) bezeichnet. Außerdem äußert er den Wunsch, daß diese Statuen „fühlen“ könnten, denn noch sind sie ohne Leben.

Nun kommt Epimetheus, Prometheus Bruder, hinzu und spricht sich für den Vorschlag der Götter aus, die den Olymp für Prometheus räumen würden, so dass dieser von dort aus über die Erde herrschen könnte. Prometheus begründet seine Absage damit, dass er nicht „ihr Burggraf“ sein wolle und er nichts mit ihnen zu teilen habe (vgl. D. 67-71). Vielmehr besteht er auf einer klaren Trennung von ihnen, und darauf, dass alles, was in seine „Würksamkeit“ falle, auch sein eigen sei. Epimetheus kritisiert hierauf den „Eigensinn“ seines Bruders, durch den er die Wonne, sich mit den Göttern, „Welt und Himmel all“ als „ein innig ganzes [zu] fühl[...]en“ nicht erfahren könne (vgl. D. 76-86).

[...]


[1] Borchmeyer, Dieter (Hrsg.): Goethe - Sämtliche Werke. Band IV, Frankfurt am Main 1985. S. 846: Goethe in einem Brief an K. F. Zelter von 11. Mai: „Der bekannte Monolog, der in meinen Gedichten steht, sollte den dritten Akt eröffnen.“

[2] Wild, Inge: „Jünglingsgrillen“ oder „Zündkraut einer Explosion“?. In: Witte, Bernd (Hrsg.): Interpretationen – Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe. Stuttgart 1998. S.45

[3] vgl. Goethe, Johann Wolfgang: Sämtliche Werke, an Th. J. v. Seebeck , 30.12.1819 S. 845

[4] Zimmermann, Rolf Christian: Das Weltbild des jungen Goethe, Band II, München 1979. S. 122

[5] ebd. S.122 f.

[6] ebd. S.123

[7] vgl. ebd. S. 124 f.

[8] Textgrundlage dieser Arbeit ist: Borchmeyer, Dieter (Hrsg.): Goethe - Sämtliche Werke. Band IV . Frankfurt am Main 1985. S.407-419. Im folgenden steht die Sigle D. für Zitate aus dieser Ausgabe; die Ziffern verweisen auf die entsprechenden Verszeilen.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
J.W. v. Goethe: Prometheus - Dramenfragment und Ode
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Veranstaltung
Prometeus-Motiv
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V41037
ISBN (eBook)
9783638393911
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Schwerpunkt der Interpretation liegt auf der Ode, auch im Hinblick auf inhaltliche Unterschiede zum fragmentarischen Drama. Arbeit beinhaltet auch die Wirkungsgeschichte und Rezeptionsgeschichte.
Schlagworte
Goethe, Prometheus, Dramenfragment, Prometeus-Motiv, Thema Prometheus
Arbeit zitieren
Kerstin Orth (Autor), 2002, J.W. v. Goethe: Prometheus - Dramenfragment und Ode, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41037

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