Corporate Governance Vorschriften zur Zusammensetzung der Aufsichtsräte börsennotierter Gesellschaften im Deutschen Aktienindex


Hausarbeit, 2017
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalts

1 Einleitung

2 Struktur einer börsennotierten Gesellschaft

3 Corporate Governance
3.1 Deutsche Corporate Governance Kodex
3.2 Zusammensetzung des Aufsichtsrates
3.3 Praktische Umsetzung der Zusammensetzung im Deutschen Aktienindex

4 Fazit

I Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Rahmen der Ausarbeitung soll dargestellt werden, welche Vorteile eine adäquate Besetzung des Aufsichtsrates mit sich bringt bzw. warum diese oftmals von verschiedenen Interessensgruppen gefordert wird. Speziell wird dieses Thema im Hinblick auf die fachliche und berufliche Eignung, sowie auf die ethische und geschlechtliche Vielfalt eines Aufsichtsrates fokussiert.

In den Medien werden die Unternehmen regelmäßig hinsichtlich ihrer Zusammensetzung überprüft. Dabei sticht die Frauenquote heraus, welcher sich die Unternehmen verschrieben haben.

Auch die Eingliederung des Aufsichtsrates ist zu erläutern, denn erst im Anschluss ist eine fachliche und berufliche Eignung zuzuordnen.

Einige Aufsichtsräte betreiben mehrere Tätigkeiten als Aufsichtsrat. Haben diese trotz mehrerer Engagements noch die fachliche Qualifikation in verschiedenen Branchen?

2 Struktur einer börsennotierten Gesellschaft

Um die Auswirkungen des Corporate Governance im weiteren Verlauf nachvollziehen zu können, ist es sinnvoll den Aufbau einer börsennotierten Gesellschaft zu betrachten.

„Bei den Kapitalgesellschaften wird die Trennung von Eigentum und Leitungsbefugnis deutlich.“[1] Grundsätzlich wird bei Gesellschaften zwischen einer Selbstorganschaft und Fremdorganschaft unterschieden. Entgegen den Strukturen einer offenen Handelsgesellschaft wird das Vermögen der Aktiengesellschaft vom Vorstand verwendet, obwohl das Kapital ihm selber nicht zusteht. Dieses entgegengebrachte Vertrauen wird mittels einer Unternehmensstruktur kontrolliert, so dass die zur Verfügung gestellten Mittel sinngemäß investiert werden.

Eine Aktiengesellschaft besteht grundsätzlich auf drei Organen – Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung.

Die Basis des Unternehmens sind die einzelnen Aktionäre der Gesellschaft (vgl. §§ 118 bis 149 AktG). Jeder stimmberechtigte Aktionär (=Stammaktie) besitzt das Recht, seine Aktionärsrechte auf der jährlich stattfindenden Hauptversammlung auszuüben. Das Stimmrecht bestimmt sich anhand der Aktienanzahl bzw. deren Nennbetrag vgl. §§ 133 bis 137 AktG).

Die Hauptversammlung wählt den Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung. Er wird mit der Aufgabe betraut die Aktiengesellschaft gegenüber dem Vorstand zu vertreten und deren Interessen zu wahren (vgl. §§ 95 bis 116 AktG). „Der Aufsichtsrat bestellt, überwacht und berät den Vorstand und ist in Entscheidungen, die von grundlegender Bedeutung für das Unternehmen sind, unmittelbar eingebunden.

Der Aufsichtsratsvorsitzende koordiniert die Arbeit im Aufsichtsrat.“[2] „Der Aufsichtsrat besteht aus mindestens drei und maximal 21 Mitgliedern, wenn das Grundkapital mehr als 10 Millionen beträgt (vgl. § 95 AktG). Die Zusammensetzung des Aufsichtsrats wird in § 96 AktG geregelt.“[3]

3 Corporate Governance

Eingangs ist zu klären, wofür Corporate Governance in seiner Kernaussage steht. „Corporate Governance ist die Gesamtheit von grundsätzlichen Regelungen, die das Unternehmen nach innen und außen konstituieren.“[4] Dabei interagieren „Unternehmen (..) mit verschiedenen Interessensgruppe. Die Interaktion des Unternehmens mit den Interessensgruppen wird dabei im Rahmen der Corporate Governance geregelt (...).[5]

Seit 1930 haben sich Unternehmen mit dem Thema des Corporate Governance in Großbritannien auseinandergesetzt.[6] Die Auseinandersetzung mit diesem Thema beginnt mit den Interessenskonflikten der einzelnen Zielgruppen eines Unternehmens. Stark vereinfacht gibt es vier Gruppen, welche mit einem Unternehmen in Verbindung stehen: Kapitalgeber, Bezugsquellen, Abnehmer und die Öffentlichkeit.[7] Bevor der Deutsche Corporate Governance Kodex vorgestellt wird, werden die einzelnen Gruppen dargestellt.

Die Kaptalgeber sind die Eigenkapitalgeber des Unternehmens. Bei den Aktiengesellschaftern sind dies die Aktionäre. Dabei ist es unerheblicher welchen rechtlichen Charakter der Aktionär hat. So können natürliche Personen, als auch juristische Personen (z.B. Fondsgesellschaften, gewerbliche Unternehmen, öffentliche Institutionen, Banken, Versicherungen) und auch der Staat Aktien besitzen. Die enthaltenen Stimmrechte werden von Ihnen ausgeübt.

Auch die Banken, sowie Risikokapitalgeber gehören zu dieser Gruppe, da ein Unternehmen auch Fremdkapital benötigt. Dieses wird nach der Darlehensaufnahme verzinst und getilgt. An einem Unternehmenserfolg sind die Kapitalgeber interessiert, da sie zum einen am Gewinn partizipieren möchten. Das Risiko des Kapitalverlustes möchten sie jedoch verhindern.

Als Bezugsquelle werden die Lieferanten des Unternehmens gesehen. Sie werden für den Wertschöpfungsprozess benötigt werden. Neben den Lieferanten gehören auch die Arbeitnehmer, sowie die Führungskräfte der Gesellschaft zu dieser Kategorie.[8] Grundsätzlich erhoffen sich Lieferanten, analog zu den Arbeitnehmern eine langjährige Zusammenarbeit. Die Bereitstellung der Arbeitskraft bzw. der benötigten Rohstoffe soll möglichst attraktiv vergütet werden. Auf diese Weise ergibt sich ein stets fortlaufender Zahlungsfluss. Auch diese Gruppe ist an einem möglichst hohen Gewinn interessiert.

Die Führungskräfte des Unternehmens verfolgen das gleiche Ziel. Ein möglicher erfolgsabhängiger Bonus kann die Gehaltskomponente ausbauen. Eine Reduzierung der Kosten ist aus diesem Grund oftmals ein Thema, dass seitens der Führungskräfte angestrebt wird. Das Kostenersparnis soll sich überproportional auf den Gewinn auswirken. In dieser Gruppe kann folglich ein Zielkonflikt entstehen. Die Führungskräfte versuchen daher ihre Verhandlungsmacht gegenüber den Lieferanten auszubauen, aber gleichzeitig soll keine Abhängigkeit geschaffen werden.[9]

Die Abnehmer können sowohl Privatkonsumenten sein, oder auch weitere Unternehmen. Diese Gruppe ist an einer möglichst hohen Qualität interessiert. Die Preisbereitschaft kann dabei bei einem niedrigen oder hohen Niveau liegen. Entscheidend ist hierbei das verfolgte Ziel des Abnehmers. Ein Zielkonflikt zum Unternehmen kann hier das Preis-Leistungsverhältnis sein. Kosteneinsparungen können sich unmittelbar auf die Produktqualität auswirken.

Eine weitere Gruppe ist die Öffentlichkeit. Sie besteht aus Gewerkschaften und dem Staat. Beide Kategorien sind an einem Fortbestehen des Unternehmens interessiert. Der Staat bezieht sein Steueraufkommen aus dem Gewinn des Unternehmens. Gleichzeitig sorgt er für eine entsprechende Infrastruktur. Die Gewerkschaft versucht eine Kultur im Unternehmen zu erzeugen, die verfolgten Ziele und Rechte umzusetzen. Auch für eine ansprechende Vergütung ist sie zuständig. Im Gegenzug erhält sie die entrichteten Gewerkschaftsbeiträge.

„Jede Gruppe besteht aus einzelnen Individuen, die eigene Ziele verfolgen. Für das Unternehmen ist daher entscheidend, über die Schaffung entsprechender Anreize die Individuen beziehungsweise in aggregierter Form die Gruppen zu Beiträgen zu bewegen (...).“[10]

„Die Hauptaufgabe des Corporate Governance besteht dabei einerseits darin, Anreize so zu setzen, dass das Top-Management im Interesse der Eigentümer handelt und andererseits Kontrolle so auszuüben, dass die Flexibilität der Top-Manager bei ihren Entscheidungen erhalten bleibt.“[11] Die Struktur der börsennotierten Gesellschaften ist auf diese Flexibilität ausgerichtet. Um dennoch die benötigten Informationen zu beziehen, bzw. die Regelungen nachvollziehen zu können, gibt es den Deutschen Corporate Governance Kodex. Dessen Inhalte werden im nächsten Abschnitt dargestellt.

3.1 Deutsche Corporate Governance Kodex

Die allgemeinen Vorgaben einer guten Corporate Governance regelt der Deutsche Corporate Governance Kodex. Zunächst wird dessen Inhalt zusammengefasst.

„Der Deutsche Corporate Governance Kodex (..) stellt wesentliche gesetzliche Vorschriften zur Leitung und Überwachung deutscher börsennotierter Gesellschaften (...) dar und enthält international und national anerkannte Standards guter und verantwortungsvoller Unternehmensführung. Der Kodex hat zum Ziel, das deutsche Corporate Governance System transparent und nachvollziehbar zu machen. Er will das Vertrauen der internationalen und nationalen Anleger, der Kunden, der Mitarbeiter und der Öffentlichkeit in die Leitung und Überwachung deutscher börsennotierter Gesellschaften fördern.“[12]

Der Kodex thematisiert auch die Aufstellung der Rechnungslegung des Unternehmens. Die Finanz-, Vermögens- und Ertragslage des Unternehmens soll gegenüber den Interessentengruppen die tatsächlichen Verhältnisse wiederspiegeln. Auf diese Weise entsteht ein reales Bild vom Unternehmen, so dass die zukünftigen Perspektiven möglichst zutreffend abgeleitet werden können.[13]

„Der Kodex richtet sich in erster Linie an börsennotierte Gesellschaften und Gesellschaften mit Kapitalmarktzugang im Sinne des § 161 Absatz 1 Satz 2 des Aktiengesetzes. Auch nicht kapitalmarktorientierten Gesellschaften wird die Beachtung des Kodex empfohlen.“[14] Somit ist in seiner Gesamtheit nicht bindend. Einige Komponenten des Kodex stellen jedoch eine verbindliche Vorgabe dar. Um eine Verbindlichkeit für die Unternehmen auf breiterer Basis zu erzeugen, dienen einige gesetzliche Komponenten übergreifend als Unterstützung.

Das deutsche Handelsgesetzbuch schreibt beispielsweise die Darstellung der Finanz-, Vermögens- und Ertragslage des Unternehmens den deutschen bilanzierenden Unternehmen vor, um eine vergleichbare Basis zu schaffen (vgl. § 264 HGB).

Die Aufgabengebiete des Vorstandes und des Aufsichtsrates werden ebenfalls im Deutschen Corporate Governance Kodex erläutert. Diese Ausführungen stimmen mit der Struktur einer börsennotierten Gesellschaft (Vgl. Kapital 2) überein.

Neben dieser Grundstruktur werden die einzelnen Aufgaben noch detaillierter formuliert.

„Der Vorstand informiert den Aufsichtsrat regelmäßig, zeitnah und umfassend über alle für das Unternehmen relevanten Fragen (...). Er geht auf Abweichungen des Geschäftsverlaufes von den aufgestellten Plänen und Zielen unter Angabe von Gründen ein. Berichte des Vorstands an den Aufsichtsrat sind in der Regel in Textform zu erstatten. Entscheidungsnotwendige Unterlagen werden den Mitgliedern des Aufsichtsrats möglichst rechtzeitig vor der Sitzung zugeleitet.“[15] Dies zeigt, dass der Vorstand die Unternehmensführung und der Aufsichtsrat die Kontrollfunktion für die Gläubiger einnimmt. Sofern eine Entscheidung von grundlegender Bedeutung für die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage ist, hat der Aufsichtsrat ein Zustimmungsrecht.[16]

Um eine unabhängige Kontrolle des Vorstandes zu gewährleisten, finden die Aufsichtsratssitzungen in der Regel ohne den Vorstand statt.[17] Sofern es allerdings notwendig ist, können einzelne Mitglieder des Vorstandes vorsprechen und einzelne Themenkomplexe erörtern.

Ein Engagement im Aufsichtsrat oder Vorstand stellt jedem Mitglied vertrauliche Informationen zur Verfügung. Daher ist eine Verschwiegenheitspflicht einzuhalten.[18] Wird dieser Regelung schuldhaft nicht nachgekommen, so kann ein Schadensersatzanspruch gegen den Beschuldigten entstehen. „Bei unternehmerischen Entscheidungen liegt keine Pflichtverletzung vor, wenn das Mitglied von Vorstand oder Aufsichtsrat vernünftigerweise annehmen durfte, auf der Grundlage angemessener Information zum Wohle der Gesellschaft zu handeln.“[19]

Beide Unternehmensorgane berichten an die Öffentlichkeit und Interessensgruppen über die Einhaltung der Corporate Governance Vorschriften in einem entsprechendem Corporate Governance Bericht, der mit den Unternehmensberichten veröffentlicht wird.[20]

Aufgrund der gesammelten Erkenntnisse wird deutlich, dass der Aufsichtsrat ein umfangreiches Aufgabengebiet besitzt. Um eine angemessene und qualitative Kontrolle – im Sinne der Kapitalgeber – zu gewährleisten, muss er sich umfangreich mit dem Geschäftsmodell des Unternehmens und seinen einzelnen Beziehungen, Marktentwicklungen und internen Prozessen auseinandersetzen. Eine entsprechend hochwertige Kontrolle kann nur dann gegeben sein, wenn sich der Aufsichtsrat vollends mit dem Unternehmen auseinandergesetzt hat. Dabei ist eine intensive Einarbeitung bei der Mandatsübernahme, als auch eine stetige Auseinandersetzung gemeint. Dies benötigt ein großes zeitliches Engagement.

Im folgenden Abschnitt wird erläutert, woraus sich der Aufsichtsrat in einem Unternehmen zusammensetzt.

3.2 Zusammensetzung des Aufsichtsrates

Neben einer gesetzten Quote hinsichtlich der Geschlechterbesetzung und der Anzahl der gesamten Mitglieder im Aufsichtsrat sind auch einzelne Quoten bei der Verteilung von Sitzen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu berücksichtigen. Diese sind jedoch nicht Teil des Corporate Governance. Das Drittelbeteiligungsgesetz (DrittelbG) und das Mitbestimmungsgesetz (MitbestG) geben die Vorgaben der Mitbestimmung im Aufsichtsrat dar.

Das Drittelbeteiligungsgesetz kommt bei einer Arbeitnehmeranzahl von 500 – 2000 zum Tragen (vgl. §1 DrittelbG).

Ein Aufsichtsrat wird gegründet mit mindestens 3 Mitgliedern (vgl. §95 AktG). Die Mitgliederzahl kann nach oben verändern werden, allerdings muss die Mitgliederzahl durch 3 teilbar sein. Eine obere Begrenzung ist ebenfalls gegeben. Die Höchstzahl der Aufsichtsratsmitglieder bemisst sich am Grundkapital der Gesellschaft. Ab einem Grundkapital von 10 Millionen Euro ist der Aufsichtsrat auf 21 Mitglieder beschränkt (vgl. §95 AktG).

Innerhalb der Bandbreite von 500-2000 Arbeitnehmern werden 1/3 der Aufsichtsratsmandate von Arbeitnehmervertretern ausgeübt. Diese Aufsichtsratsmitglieder müssen einem Arbeitsverhältnis mit dem jeweiligen Unternehmen nachgehen, oder sie stammen aus einer Gewerkschaft. Sofern die Anzahl der Arbeitnehmervertreter über 3 Mandaten liegt, müssen mindestens zwei dieser Mandate unmittelbar aus dem Unternehmen gewählt werden.

Das Mitbestimmungsgesetz wird ab einer Größenordnung von 2000 Arbeitnehmern angewendet. Im Vergleich zum Drittelbeteiligungsgesetz wird die Anzahl der Mitglieder im Aufsichtsrat an der Anzahl der Arbeitnehmer festgesetzt (vgl. §7 MitbestG). Die Größe des Aufsichtsrates beginnt bei 12 Mitgliedern (bis 10.000 Arbeitnehmer) und kann sich auf 16 Mitglieder (bis 20.000 Arbeitnehmer) bzw. 20 Mitglieder (über 20.000 Arbeitnehmer) erhöhen.

Die genaue Verteilung der zur Verfügung stehenden Plätze für die Arbeitnehmer werden ebenfalls im §7 des MitbestG geregelt. Der zweite Absatz dieses Gesetzes regelt die Verteilung zwischen Unternehmensvertretern (= Angestellte des Unternehmens) und den Gewerkschaftsvertretern. Die folgende Grafik stellt die Verteilung dieser Plätze dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Mitbestimmung im Unternehmen nach dem Mitbestimmungsgesetz (Quelle: https://www.ifb.de/arbeitnehmervertreter-im-aufsichtsrat/uebersicht-zur-wahl.html)

Die Abbildung zeigt, dass die Unternehmensvertreter stets die Überhand auf der Arbeitnehmerseite einnehmen. Die Seite der Arbeitnehmer erhält in allen drei Größenkategorien jeweils 50% der Mandate. Die Gewerkschaften stellen zwei Mandate bei Unternehmen von bis zu 20.000 Arbeitnehmern. Erst ab einer Größenordnung über 20.000 Arbeitnehmern dürfen sie 3 Mandate besetzen.

Diese Vorgaben stellen dar, dass die Organe viele Details bei der Besetzung der Positionen beachten müssen. Jedes Mitglied dieses Organs wird höchstens für vier Jahre gewählt, wobei das anteilige Wahljahr nicht auf diese Laufzeit angerechnet wird (vgl. §102 AktG). Somit kann der Aufsichtsrat sein Amt bis zu fünf Jahre lang ausüben.

„Bei der Zusammensetzung des Vorstandes soll der Aufsichtsrat auch auf Vielfalt (Diversity achten.“[21] Damit ist unter anderem das Know How der einzelnen Mitglieder, das Alter und die Branchenerfahrung gemeint. In 2015 wurde darüber hinaus „eine verbindliche Frauenquote von 30 Prozent bei der Neubesetzung von Aufsichtsräten von 108 börsennotierten und mitbestimmungspflichtigen Unternehmen eingeführt.“[22] Diese Vorgabe gilt neben dem Aufsichtsrat auch für die Vorstandspositionen und höheren Managementpositionen.[23] In umgekehrter Folge ist auch eine Quote von mindestens 30% Quote für männliche Mandate bei einer dominierenden weiblichen Quote in den entsprechenden Organen einzuhalten.[24] Ob diese Quote richtig ist oder nicht, wird in dieser Ausarbeitung nicht weiter ausgeführt. Auch andere Länder haben sich mit der Frauenquote bereits beschäftigt. Die Erfolge einer solchen Vorgabe sind noch nicht qualitativ messbar.[25]

Wie können nun geeignete Aufsichtsratsmandate vergeben werden? Die Aktionäre müssen sich über die potentiellen Mitglieder ausgiebig erkundigen können.

„Der Aufsichtsrat soll sich für seine Vorschläge zur Wahl neuer Aufsichtsratsmitglieder an die Hauptversammlung bei dem jeweiligen Kandidaten vergewissern, dass er den zu erwartenden Zeitaufwand aufbringen kann. Der Aufsichtsrat soll bei seinen Wahlvorschlägen an die Hauptversammlung die persönlichen und die geschäftlichen Beziehungen eines jeden Kandidaten zum Unternehmen, den Organen der Gesellschaft und einem wesentlich an der Gesellschaft beteiligten Aktionär offenlegen. Die Empfehlung zur Offenlegung beschränkt sich auf solche Umstände, die nach der Einschätzung des Aufsichtsrats ein objektiv urteilender Aktionär für seine Wahlentscheidung als maßgebend ansehen würde.“[26]

Nun ist nicht leicht einen geeigneten Kandidaten für den Aufsichtsrat zu finden. „Um die Führung eines Unternehmen(s) wirklich wirksam kontrollieren zu können, sollte ein Aufsichtsrat als Ganzes mit einer hohen Branchenkenntnis ausgestattet sein – wobei verschiedene Blickwinkel zweifellos sehr wünschenswert sind, also nicht jedes einzelne Mitglied des Kontrollgremiums dieselben Kompetenzen mitbringen muss. Gerade die Kombination aus wissenschaftlicher, betriebswirtschaftlicher, auch politischer Expertise, erweist sich oft als bester Garant für eine kritische Begleitung des Managements. Prominente Bilanzierungsskandale und auch die Finanzkrise sollten jedoch das Bewusstsein dafür geschärft haben, dass Kontrolleure über ein Mindestmaß an rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Kompetenzen verfügen sollten.“[27] Diese Aussagen stellen dar, dass sich ein Aufsichtsratsmitglied im Detail mit den Abläufen des Unternehmens auseinandersetzen muss. Daher ist es naheliegend, dass die kontrollierende Person entweder bereits Managementerfahrungen bei anderen Unternehmen gesammelt hat, oder die Abläufe aus dem eigenen Unternehmen heraus im Detail kennt, diese versteht. Und kritisch hinterfragen kann. Vielleicht können hier ehemalige Vorstandsmitglieder bzw. Manager aushelfen?

Um Interessenskonflikte zu verhindern, ist es ehemaligen Vorstandmitgliedern untersagt binnen 24 Monaten nach dem Austritt beim Vorstand ein Mandat beim Aufsichtsrat des gleichen Unternehmens auszuüben. Es darf von dieser Regelung aber abgewichen werden. Dafür werden auf der Jahreshauptversammlung 25% der Stimmrechte benötigt.[28] Stattdessen können diese Experten aber ihr Wissen in anderen Unternehmen verwenden. Diese gleichzeitige Ausübung ist sowohl einem ehemaligen, als auch einem aktiven Vorstandsmitglied gestattet: „Wer dem Vorstand einer börsennotierten Gesellschaft angehört, soll insgesamt nicht mehr als drei Aufsichtsratsmandate in konzernexternen börsennotierten Gesellschaften oder in Aufsichtsgremien von konzernexternen Gesellschaften wahrnehmen, die vergleichbare Anforderungen stellen.“[29]

[...]


[1] Hutzschenreuter Seite 49

[2] Deutsches Aktieninstitut e.V - Präaembel http://www.dcgk.de/de/kodex/aktuelle-fassung/praeambel.html

[3] http://www.grundmann-norderstedt.de/uebw06.htm

[4] Hutzschenreuter Seite 55

[5] Hutzschenreuter Seite 55

[6] Vgl. Lewis, Myrddin John/ Lloyd-Jones, Roger Seite 166 https://books.google.de/books?id=RrcoDAAAQBAJ&pg=PA166&lpg=PA166&dq=seit+wann+gibt+es+corporate+governance+1930&source=bl&ots=vLcSMVj7Gf&sig=nwp0M6IiVXXFRD7F1XgKT4dVq4g&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiorLWkxbTQAhUE8ywKHUp7AncQ6AEIKzAD#v=onepage&q=seit%20wann%20gibt%20es%20corporate%20governance%201930&f=false

Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex – Deutscher Corporate Governance http://www.dcgk.de/de/kodex/aktuelle-fassung/praeambel.html

[7] Vgl. Hutzschenreuter Seite 55f.

[8] Vgl. Hutzschenreuter Seite 55

[9] Vgl. Haufe https://www.haufe.de/unternehmensfuehrung/profirma-professional/working-capital-management-leitfaden-fuer-die-nachhaltig-334-zielkonflikte_idesk_PI11444_HI4332104.html

[10] Vgl. Hutzschenreuter Seite 57

[11] Hutzschenreuter Seite 55

[12] Deutsches Aktieninstitut e.V- Präaembel http://www.dcgk.de/de/kodex/aktuelle-fassung/praeambel.html

[13] Vgl. Deutsches Aktieninstitut e.V - Präaembel http://www.dcgk.de/de/kodex/aktuelle-fassung/praeambel.html

[14] Deutsches Aktieninstitut e.V http://www.dcgk.de/de/kodex/aktuelle-fassung/praeambel.html

[15] Deutsches Aktieninstitut e.V - Zusammenwirken von Vorstand und Aufsichtsrat http://www.dcgk.de/de/kodex/aktuelle-fassung/zusammenwirken-von-vorstand-und-aufsichtsrat.html

[16] Vgl. Deutsches Aktieninstitut e.V - Zusammenwirken von Vorstand und Aufsichtsrat http://www.dcgk.de/de/kodex/aktuelle-fassung/zusammenwirken-von-vorstand-und-aufsichtsrat.html

[17] Vgl. Deutsches Aktieninstitut e.V - Zusammenwirken von Vorstand und Aufsichtsrat http://www.dcgk.de/de/kodex/aktuelle-fassung/zusammenwirken-von-vorstand-und-aufsichtsrat.html

[18] Vgl. Deutsches Aktieninstitut e.V - Zusammenwirken von Vorstand und Aufsichtsrat http://www.dcgk.de/de/kodex/aktuelle-fassung/zusammenwirken-von-vorstand-und-aufsichtsrat.html

[19] Deutsches Aktieninstitut e.V - Zusammenwirken von Vorstand und Aufsichtsrat http://www.dcgk.de/de/kodex/aktuelle-fassung/zusammenwirken-von-vorstand-und-aufsichtsrat.html

[20] Vgl. Deutsches Aktieninstitut e.V - Zusammenwirken von Vorstand und Aufsichtsrat http://www.dcgk.de/de/kodex/aktuelle-fassung/zusammenwirken-von-vorstand-und-aufsichtsrat.html

[21] Deutsches Aktieninstitut e.V. (o.J.): Deutscher Corporate Governance Kodex - Aufsichtsrat http://www.dcgk.de/de/kodex/aktuelle-fassung/aufsichtsrat.html

[22] Kailitz

[23] Vgl. Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V https://www.diw.de/de/diw_01.c.412682.de/presse/diw_glossar/frauenquote.html

[24] Deutsches Aktieninstitut e.V. (o.J.): Deutscher Corporate Governance Kodex - Aufsichtsrat http://www.dcgk.de/de/kodex/aktuelle-fassung/aufsichtsrat.html

[25] Vgl. Kaiser/ Michler

[26] Deutsches Aktieninstitut e.V. (o.J.): Deutscher Corporate Governance Kodex - Aufsichtsrat http://www.dcgk.de/de/kodex/aktuelle-fassung/aufsichtsrat.html

[27] Grabitz https://www.welt.de/wirtschaft/article115897678/So-sichern-Sie-sich-einen-Posten-als-Aufsichtsrat.html

[28] Deutsches Aktieninstitut e.V. (o.J.): Deutscher Corporate Governance Kodex - Aufsichtsrat http://www.dcgk.de/de/kodex/aktuelle-fassung/aufsichtsrat.html

[29] Deutsches Aktieninstitut e.V. (o.J.): Deutscher Corporate Governance Kodex - Aufsichtsrat http://www.dcgk.de/de/kodex/aktuelle-fassung/aufsichtsrat.html

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Corporate Governance Vorschriften zur Zusammensetzung der Aufsichtsräte börsennotierter Gesellschaften im Deutschen Aktienindex
Hochschule
Rheinische Fachhochschule Köln
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V411880
ISBN (eBook)
9783668630147
ISBN (Buch)
9783668630154
Dateigröße
4190 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aufsichtsrat, DAX, Corporate Governance
Arbeit zitieren
Tobias Schmidt (Autor), 2017, Corporate Governance Vorschriften zur Zusammensetzung der Aufsichtsräte börsennotierter Gesellschaften im Deutschen Aktienindex, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/411880

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