Der Österreichische Staatsvertrag betreffend die Wiederherstellung eines unabhängigen und demokratischen Österreich, gegeben zu Wien am 15. Mai 1955, stellt die Republik nach dem 2. Weltkrieg wieder her, und erneuert die Souveränität, Demokratie und Freiheit die unter nationalsozialistischer Herrschaft verloren gegangen sind. Im Mai 1955 von den Siegermächten Frankreich, Großbritannien, UDSSR, USA einerseits, und der Österreichischen Regierung andererseits unterschrieben, und im Juli desselben Jahres in Kraft getreten, ist dieser Text die Konsequenz langer Verhandlungen und verschiedener Motivationen die heute noch bei dem Österreichischen Volk an einer gewissen Bedeutung haben.
Die Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs waren für die Österreichische Geschichte bestimmend und schwerwiegend, da sie die Alpenrepublik in allen Aspekten, von der Geographie bis zu dem politischen Spektrum, neu definierten. Bis heute wird der Staatsvertrag gefeiert, und dessen politischen Akteure anerkannt und geschätzt; doch der Stellenwert und das Ansehen hat sich mit der Zeit verändert.
In dieser Hausarbeit wird die Zeitspanne 1945 - 1955 vor der Unterzeichnung des Staatsvertrag näher analysiert, sowie auch dessen Auswirkungen in den Jahren nach 1955 auf das Österreichische Innen- und Außenpolitische Wesen. Diese Analyse wird sich hauptsächlich mit den großen Akteuren und Ereignissen in der Österreichischen Politik befassen, deren Beeinflussung auf internationale Dynamiken zwischen den Westmächten und der Sowjetunion, sowie den Einfluss des Kalten Kriegs auf den Verhandlungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Fragestellung
1.2. Forschungsstand
2. Karl Renner und der Traum eines unabhängigen Österreich
2.1. Die Proklamation über die Selbstständigkeit Österreichs
2.2. Die Unabhängigkeitserklärung
3. Entstehung, Verhandlungen und Inhalt des Staatsvertrags
3.1. Figl als neue Hoffnung
3.2. Die Frage der “immerwährenden” Neutralität
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die politische Metamorphose Österreichs im Zeitraum von 1945 bis 1955 und untersucht die Rolle des Österreichischen Staatsvertrags bei der Transformation vom besetzten, gespaltenen Land hin zu einer unabhängigen, freien und neutralen Nation im Kontext des Kalten Krieges.
- Die Rolle und Visionen von Karl Renner bei der Wiederherstellung der Zweiten Republik.
- Die Auswirkungen der internationalen Machtdynamiken und des Kalten Krieges auf die Verhandlungsdauer.
- Die Bedeutung von Schlüsselakteuren wie Leopold Figl in den diplomatischen Verhandlungen.
- Die rechtliche und politische Definition der "immerwährenden" Neutralität und deren Interpretation.
- Der Einfluss des Staatsvertrags auf das innen- und außenpolitische Selbstverständnis Österreichs nach 1955.
Auszug aus dem Buch
3.1. Figl als neue Hoffnung
Wie zuvor gesehen kam Leopold Figl als “Ersatz” für Leopold Kunschak zuerst als Unterstaatssekretär (heute Vizeminister) im Ministerium für soziale Verwaltung und Später als Leiter der Volkspartei in die Politik und somit in das erste Kabinett Renner in den politischen Vordergrund (der Historiker Ernst Trost meint: “So können Zufälle und wenige Minuten fuer sehr weittragende Entscheidungen von Bedeutung werden”15. Figl, Bauernsohn und Ingenieur, wird somit bald in seiner Karriere funktionär. Noch vor der Befreiung wird er am 12. März verhaftet und mit dem Prominententransport in das Konzentrationslager nach Dachau deportiert, wo er an Typhus erkrankt und an die Prügelstrafe sowie 6 Monate Dunkelhaft verurteilt wurde. Im Mai 1943 wird Figl entlassen und bekommt den Auftrag die Wiener Bevölkerung mit Lebensmittel zu versorgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Bedeutung des Staatsvertrags als Wiederherstellung der Souveränität Österreichs und formuliert die zentrale Fragestellung hinsichtlich der Transformation des Landes zwischen 1945 und 1955.
2. Karl Renner und der Traum eines unabhängigen Österreich: Das Kapitel beleuchtet die Rolle Karl Renners bei der Bildung der provisorischen Regierung und die Bedeutung der Proklamation über die Selbstständigkeit Österreichs im April 1945.
3. Entstehung, Verhandlungen und Inhalt des Staatsvertrags: Hier wird der diplomatische Prozess des Staatsvertrags beschrieben, wobei der Fokus auf Leopold Figl als Akteur und der komplexen Verhandlung über die "immerwährende" Neutralität liegt.
4. Schluss: Der Schluss reflektiert die Jubiläumsfeiern zum Staatsvertrag und diskutiert die Entwicklung der Relevanz des Vertrages im kollektiven Gedächtnis Österreichs nach 50 Jahren.
Schlüsselwörter
Österreichischer Staatsvertrag, Zweite Republik, Karl Renner, Leopold Figl, Alliierte Besatzung, Neutralität, Kalter Krieg, Moskauer Deklaration, Souveränität, Unabhängigkeitserklärung, Diplomatie, Außenpolitik, Zeitgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung Österreichs zwischen 1945 und 1955, insbesondere dem Weg zur Wiederherstellung der staatlichen Unabhängigkeit durch den Staatsvertrag.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit fokussiert sich auf die politischen Neuanfänge nach dem Zweiten Weltkrieg, die Besatzungspolitik der Alliierten, die Rolle österreichischer Staatsmänner und die Etablierung der Neutralität.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Forschungsfrage untersucht, welche Rolle der Staatsvertrag bei der Umformung Österreichs von einem besetzten, gespaltenen Land zu einer unabhängigen, freien und neutralen Nation einnahm.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer Auswertung von Fachliteratur, Biografien, diplomatischen Dokumenten und zeitgenössischen Quellen basiert.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt chronologisch die Ära Renner, die Regierungsbildung, die langwierigen Verhandlungen mit den Siegermächten sowie die schlussendliche Einigung über die Neutralität im Jahr 1955.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse am besten?
Staatssouveränität, Neutralitätsverfassung, diplomatisches Scheitern und Erfolg, politischer Neuanfang und die Rolle der Alliierten während des Kalten Krieges.
Warum war der Begriff der "immerwährenden Neutralität" bei den Verhandlungen so umstritten?
Es bestand ein Dissens zwischen der sowjetischen Forderung, die Neutralität direkt im Staatsvertrag zu verankern, und dem österreichischen Wunsch nach größerer außenpolitischer Bewegungsfreiheit.
Welche Rolle spielte Leopold Figl konkret für den Staatsvertrag?
Figl agierte als maßgeblicher Chefverhandler und Symbolfigur der österreichischen Souveränitätsbestrebungen, dem es gelang, in den letzten Schlussverhandlungen zentrale Forderungen wie die Streichung der Mitschuldsklausel durchzusetzen.
Inwiefern beeinflusste der Kalte Krieg den Verhandlungsprozess?
Die Spannungen zwischen den Westmächten und der Sowjetunion verzögerten den Abschluss des Vertrages erheblich, da Österreich als geostrategischer Puffer und potenzielles Einsatzgebiet militärischer Interessen instrumentalisiert wurde.
- Arbeit zitieren
- B.A. Julian Riedel (Autor:in), 2017, Der Österreichische Staatsvertrag. 1945 - 1955, der Weg zur Freiheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/411995