"Innogy goes IPO". Eigenfinanzierung für kapitalmarktorientierte Unternehmen. Der Börsengang der "Innogy SE"


Akademische Arbeit, 2017

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Abgrenzung und Definitionen
2.2 Kapitalgesellschaften: Europäische Aktiengesellschaft
2.3 Initial Public Offering
2.3.1 Motive
2.3.2 Prozess
2.3.3 Platzierungsmethoden

3. Innogy SE
3.1 Unternehmen
3.2 Börsengang
3.3 Ergebnis

4. Nachhaltigkeitsaspekte

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: System der Finanzierungsarten

Abb. 2: Der IPO-Prozess

1. Einleitung

„Die Moral des Kapitals liegt begraben in der Logik seines Kreislaufs.“1 Die wenn überhaupt sozialistischste Form des Kapitalbegriffs findet sich im Wesen derKapitalbeteiligung kapitalmarktorientierter Unternehmen wieder. Gemäß der bislangunwiderlegten Hypothese des Systemkritikers Karl Marx, der privat selbstAktienanleger war, fallen die materiellen Vorteile in kapitalistischen Systemenüberwiegend auf der Seite der Eigentümer von Produktivkapital an. Im Sinne deskommunistischen Grundgedankens einer Miteigentümerschaft ermöglichen esUnternehmensbeteiligungen daher an der Wohlstandsgenerierung wertschöpfenderUnternehmen teilzuhaben.2 Diese Eigentümerposition ist mit unternehmerischenMitgliedschaftsrechten, wie beispielsweise dem Recht zur Bestellung derGeschäftsleitung, dem Recht zur Entscheidung über die Gewinnverwendung, demRecht zur Information über alle wichtigen Vorgänge und Ergebnisse sowie dem Rechtzur Kontrolle der Unternehmensführung und mit dem Recht zur Beteiligung am Gewinnbzw. Liquiditätserlös verbunden.3

Kapitalgebern wird es somit ermöglicht, durch ihre Kapitaleinlage sowohl direkten alsauch indirekten Einfluss auf die Unternehmenssteuerung auszuüben. DieseEinflussnahme spielt auch in Hinblick auf gesellschafts- und umweltrelevante Themeneine wichtige Rolle. Dementsprechend können Kapitalgeber bereits indirekt bei ihrenInvestitionsentscheidungen durch die Berücksichtigung von sozialen, ökologischen undgovernancebezogenen Kriterien Unternehmen, die auf den Zugang zum Kapitalmarktangewiesen sind, dazu bewegen verstärkte Anstrengungen im Nachhaltigkeits-management zu vollbringen.4 Gesellschaftlich schwer vertretbare Geschäftsfelder, wiezum Beispiel Alkohol, Glücksspiel, Pornografie, Tabak und Waffen, die man auch alsklassische „sin stocks“ bezeichnet werden auf diese Weise geächtet und infolgedessenin ihren Finanzierungsmöglichkeiten beschränkt.5

Angesichts des mit der Energiewende - vollständige Transformation desEnergiesystems von einer kohlenstoffbasierten Versorgung mit Energie auf einenachhaltige, regenerative Basis der Energieversorgung - verbundenenFinanzierungsbedarfs für Investitionen im Bereich regenerativer Energiequellen undInfrastruktur sind Energiekonzerne zur Deckung ihres Investitionsbedarfs auf einen uneingeschränkten Zugang zum Kapitalmarkt angewiesen.6 Doch das schlechte Image der großen Energieunternehmen und die verringerten Margen durch die sinkendenStrompreise verunsichern viele Investoren. Der Umsatz des zweitgrößtenEnergieversorgers Deutschlands, der RWE AG, stagnierte 2015 bei 48,6 Mrd. Euround es wurde erstmals seit den 50er-Jahren keine Dividende auf die Stammaktienausgezahlt. Auch die von Greenpeace öffentlich kritisierte Greenwashing-Kampagne -ein RWE -Riesen stapft durch das Land und stellt Windräder auf - hat dieGlaubwürdigkeit des Konzerns in Bezug auf nachhaltige Investitionskriterienherabgesetzt.7 Der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung lag 2015konzernweit lediglich bei 5 Prozent.8

Zur Ansprache neuer Investoren und zur Deckung des dringend benötigtenKapitalbedarfs vollzog Deutschlands größter Kohlestromproduzent RWE Anfang 2016einen drastischen Strategiewechsel zur Verbesserung des angeschlagenen Images.Noch im Herbst desselben Jahres erfolgten zur Umsetzung des neuen Kurses dieMarktneueinführung und der Börsengang des europäischen Unternehmens Innogy SE.9 Mit einer Marktkapitalisierung von 20 Milliarden Euro und einemEmissionsvolumen von 5 Milliarden Euro ist dies die größte Aktienerstemission inDeutschland seit dem Initial Public Offering (IPO) der Infineon Technologies AG imJahr 2000.10 Der erfolgreiche IPO der Innogy SE steht somit beispielhaft für eineeffiziente Eigenfinanzierungsmaßnahme eines kapitalmarktorientierten Unternehmens.

Der Gegenstand vorliegender Arbeit widmet sich vor diesem Hintergrund dem Emissionsprozess sowie den Ergebnissen dieses historischen Börsengangs. Nach einem Einblick in theoretische Grundlagen der Finanzierungslehre wird die Aktienerstemission der Innogy SE ausführlich dargestellt und abschließend anhand von Nachhaltigkeitsaspekten bewertet.

2. Theoretische Grundlagen

Die Unternehmensfinanzierung befindet sich bedingt durch die anhaltenden Problemedes Bankensystems und durch Veränderungen im Unternehmenssektor im Wandel.Die Bankenkrise, die unsichere Zinspolitik sowie veränderte Wachstumsstrategien undInvestitionserfordernisse, die einen Fokus auf Produkt- und Verfahrens-innovationenlegen, führen zu einer wachsenden Bedeutung der Eigenfinanzierung. Dies lässt sichan einer seit Jahren steigenden durchschnittlichen Eigenkapitalquote deutscherUnternehmen feststellen. Eine hohe Ausstattung mit Eigenkapital wird gerade inHinblick auf die Abfederung krisenbedingter Geschäftseinbrüche, wie siebeispielsweise während der Weltwirtschaftskrise 2009 eingetreten sind, unverzichtbar.Eine zentrale Finanzierungsmaßnahme zur Steigerung des Eigenkapitals stellt indiesem Zusammenhang nicht nur die Gewinnthesaurierung sondern auch dieAktienemission in Form einer Erstemission oder Kapitalerhöhung dar. Im Jahr 2015flossen 15 Neuemittenten finanzielle Mittel in Höhe von circa 7 Milliarden Euro zu; diesentspricht einem doppelt so hohen Wert im Vergleich zum Vorjahr und einen dreifachso hohen Wert im Vergleich zum Jahr 2013. Zusätzlich realisierten im Jahr 2015 knapp 90 bereits börsennotierte Firmen insgesamt 7,5 Milliarden Euro im Zuge von Kapitalerhöhungen.11

Zu einem besseren Verständnis über grundlegende Prozesse der Eigenfinanzierungkapitalmarktorientierter Unternehmen wird im folgenden Kapitel eine Abgrenzung undDefinition wichtiger Finanzierungsbegriffe vorgenommen. Des Weiteren wird dasWesen von Kapitalgesellschaften und insbesondere der EuropäischenAktiengesellschaft als Voraussetzung einer Börsennotierung dargestellt. Im Anschlussdaran werden die Motive, der Prozess und die Platzierungsmethoden eines IPOerläutert.

2.1 Abgrenzung und Definitionen

Im Rahmen der Finanzierung, der Beschaffung von Geld mittels Bar- und Buchgeldsowie mittels geldwerter Güter wie beispielsweise Sacheinlagen oder Patente, wirdzwischen Innen- und Außenfinanzierung unterschieden.12 Während dem Unternehmenbei der, auch als Kapitalfreisetzung bezeichneten Innenfinanzierung vor allem Gelderdurch die Selbstfinanzierung aus Unternehmensgewinnen zufließen, unterteilt man dieAußenfinanzierung im Sinne einer Kapitalzuführung nach der rechtlichen Stellung desKapitalgebers weiter in Eigenfinanzierung, in Mischformen und in Fremdfinanzierung bzw. Kreditfinanzierung (vgl. Abb. 1).13 Dementsprechend ist die Eigenfinanzierung als Außenfinanzierung in Form der Beteiligungsfinanzierung sowohl kapitalmarktorientierter als auch nicht-kapitalmarktorientierter Unternehmen definiert. Im Fokus der Eigenfinanzierung durch Aktienemission stehen kapitalmarktorientierte Unternehmen wie die Aktiengesellschaft (AG) und die Europäische Aktiengesellschaft (SE), die sich zur Aufbringung von Eigenkapital an den Kapitalmärkten bedienen. Zentrale Aspekte dieser Rechtsformen werden in Kapitel 2.2 näher betrachtet.14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: System der Finanzierungsarten

(Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Becker [2009], S.117)

Der Kapitalmarkt bildet als Markt für längerfristige Kapitalanlagen und -aufnahmenzusammen mit dem Geldmarkt, der die kurzfristigen Geldanlagen und -aufnahmenumfasst, den Finanzmarkt. Im Speziellen versteht man unter dem Kapitalmarkt denMarkt für verbriefte Finanztitel, die auch als handelbare und vertretbare Wertpapierebezeichnet werden. Nimmt man eine weitere Untergliederung vor, so kann manzwischen dem Primärmarkt, dem Markt für Neuemissionen von Wertpapieren, und demSekundärmarkt, dem Markt für bereits emittierte Papiere, unterscheiden. Die aufdiesen Finanzmärkten getätigten Geschäfte können ferner unmittelbar nach Abschlussals Kassageschäft oder zeitlich versetzt als Termingeschäft erfüllt werden.

Es existieren verschieden regulierte Zugänge zum Kapitalmarkt und somit auch zumAktienmarkt. Die Zulassungsvoraussetzungen, die Folgepflichten der Teilnehmer unddie generelle Organisation des Handels sind insbesondere im Börsengesetz (BörsG),in der Börsenzulassungsverordnung und im Wertpapierprospektgesetz gesetzlichgeregelt. Die deutsche Börse in Frankfurt nimmt eine mit jeweils unterschiedlichen Zulassungsanforderungen versehene Einteilung in General Standard und Prime Standard als EU-Regulierter Markt sowie in Entry Standard und First Quotation Boardals nicht regulierter Freiverkehr im Sinne von § 48 BörsG vor (vgl. Abb. 2). DieZulassungskriterien für den Regulierten Markt umfassen ein Mindestalter desUnternehmens von drei Jahren, eine Mindesteinführung an Aktienkapital von 1,25 Mio.Euro Kurswert, eine Mindestaktienstückzahl von 10.000 sowie ein Streubesitzanteilvon mindestens 25 Prozent. Während Unternehmen im Segment General Standard nurdie gesetzlichen Mindestanforderungen des Regulierten Marktes erfüllen müssen,werden Unternehmen im Prime Standard dazu verpflichtet über diese hinausinternationale Transparenzstandards zu erfüllen. Beispielhaft hierfür sind dieQuartalsberichterstattung in deutscher und englischer Sprache, die Veröffentlichungeines Unternehmenskalenders, die Durchführung von mindestens einerAnalystenkonferenz pro Jahr, die Veröffentlichung von Ad-hoc Mitteilungen und einelaufende Berichterstattung auch in englischer Sprache sowie die Einhaltung derZulassungspflichten des General Standard zu nennen.15

2.2 Kapitalgesellschaften: Europäische Aktiengesellschaft

Für Aktiengesellschaften sind die Kapitalbeschaffung in Form von Eigenkapital und derdamit verbundene Einfluss der Kapitalgeber auf die Gesellschaft wesentlich.Kapitalgesellschaften sind selbstständige juristische Personen mit einer eigenenRechtspersönlichkeit und einer eigenen Rechtsfähigkeit, wobei die Haftung derGesellschafter auf ihre Einlage beschränkt ist. Die Generierung von Beteiligungskapitaldurch die Aufnahme neuer Gesellschafter wird kraft dieser Risikobegrenzungerleichtert.16 Wesentliche Rechtsformen aktienemissionsfähiger Unternehmen, die sichdurch einen hohen Bedarf an Beteiligungskapital auszeichnen, sind vor allem dieAktiengesellschaft (AG), die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) und dieSocietas Europaea (SE).17 Letztere bietet besonders für Unternehmen, die in mehrerenMitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) Geschäfte tätigen bzw. tätigen wollen,eine neue Form der Unternehmensorganisation mit einer Vielzahl an Vorteilen. DieseVorzüge sind auch im Rahmen des Börsengangs der Innogy SE von zentralerBedeutung.18

Die SE ist eine supranationale Gesellschaftsform der EU und beruht auf EU-Recht mitnationalen Ausführungsvorschriften. Liegt der Unternehmenshauptsitz in Deutschlandsind die Rechtsvorschriften dem Gesetz zur Einführung der Europäischen Gesellschaft (SEEG) in Verbindung mit dem Aktiengesetz (AktG) zu entnehmen. Im Vergleich zur nationalen AG kann die SE nicht durch eine natürliche sondern nur durch einejuristische Person geschaffen werden. Dies ist beispielsweise durch die Gründungeiner Holding oder einer gemeinsamen Tochtergesellschaft, durch AGs oder GmbHs,durch Verschmelzen von AGs aus mindestens zwei Mitgliedsstaaten der EU oderdurch Umwandlung einer nationalen AG möglich. Wie bei einer AG ist dasGrundkapital einer SE in Aktien aufgeteilt; jedoch ist der Mindestnennbetrag ihresgezeichneten Kapitals mit 120.000 Euro wesentlich höher als der nur 50.000 Eurobetragende Mindestnennbetrag bei einer AG. Hinsichtlich der Organisationsform derSE kann zwischen zwei unterschiedlichen Führungsmodellen gewählt werden. GemäßEU-Recht lassen sich die Organe einer SE entweder als dualistisches odermonistisches Führungssystem strukturieren. Das dualistische System gleicht dem derdeutschen AG und trennt das Leitungs- und Verwaltungsorgan in Vorstand und Aufsichtsrat. Demgegenüber bündelt das monistische System die Unternehmensorgane nach angloamerikanischem Vorbild in einem einheitlichenVerwaltungsorgan, dem Verwaltungsrat bzw. Board. Diese Wahlmöglichkeit begünstigteine einheitliche Organisationsstruktur in allen EU-Ländern ohne Rücksicht auf diejeweiligen nationalen Rechtsformbestimmungen. Die supranationale Gesellschaftsformerhöht somit grenzüber-schreitend die Flexibilität sowie Mobilität vonGeschäftsprozessen innerhalb der EU und bringt aus Unternehmenssichtverschiedene weitere Vorteile mit sich.19 So können Mutter- und Tochtergesellschafteneines Konzerns EU-weit beispielsweise als rechtliche Einheit auftreten, wodurch auchgrenzüberschreitende Unternehmenskäufe und Unternehmensfusionen vereinfachtwerden. Des Weiteren kann der Unternehmenssitz leichter in einen anderen EU-Staatverlegt und zum Beispiel die Regelungen über die Mitbestimmung der Arbeitnehmerflexibler gestaltet werden. 20

2.3 Initial Public Offering

Finanzierungsmaßnahmen kapitalmarktorientierter Unternehmen zielen auf eineVeränderung der Höhe oder der Zusammensetzung des Grundkapitals einer AG,KGaA oder SE ab. Mittels Kapitalerhöhung, die einer Erhöhung des Nominalkapitalsder Gesellschaft entspricht, lässt sich der Bedarf an liquiden Mitteln für dasUnternehmen durch neues Eigenkapital decken. Nach §§ 182 bis 206 AktG wirdgrundsätzlich zwischen verschiedenen Typen von Kapitalerhöhungen unterschieden.Mögliche Formen sind die Ordentliche Kapitalerhöhung, die Bedingte Kapitalerhöhung,die Genehmigte Kapitalerhöhung und die Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln. Im Fall der Kapitalerhöhung börsennotierter AGs findet eine Emission von neuen Aktien als Folgeemission auf dem Primärmarkt unter Berücksichtigung des Bezugsrechtsgegenüber Altaktionären statt.21 Ist noch keine Börsennotierung erfolgt, so handelt essich bei der erstmaligen Hinwendung eines Unternehmens an einen geregeltenHandelsplatz mit dem Ziel der Platzierung von überwiegend einer Kapitalerhöhungdienenden Aktien um einen Initial Public Offering (IPO). Bei einem IPO - deutschBörsengang - erfolgt die Emission der Aktien als Erstemission bzw. Going Public amPrimärmarkt (vgl. Kapitel 2.1). Durch die damit verbundene Öffnung des Zugangs zumanonymen Markt für Eigenkapital wird eine bisher nicht öffentliche AG in einePublikumsgesellschaft umgewandelt und infolgedessen eine Kapitalquelle mit großemAusmaß erschlossen.22

2.3.1 Motive

Im Kern der Entscheidung zu einem erstmaligen Börsengang steht das Motiv derKapitalbeschaffung für das Unternehmen durch den Zufluss des Gegenwertes desEmissionskurses. So sprechen beispielsweise Motive der Beteiligungsfinanzierung mitdem Ziel Aktien bei einem breiten Aktionärskreis dauerhaft zu platzieren, für einen IPO.Die Aufnahme von Eigenkapital durch externe Kapitalgeber versorgt das Unternehmenmit neuen Finanzierungsquellen für die Finanzierung von Wachstum undausstehenden Verbindlichkeiten. Daneben kann der Bekanntheitsgrad desUnternehmens mit einem Going Public gesteigert und die Marktposition hierdurchdeutlich verbessert werden. Ein erhöhter Bekanntheitsgrad wirkt sich wiederum positivauf die Personalpolitik durch Synergieeffekte bei der Rekrutierung von Fach- undFührungskräften aus. Zusätzlich können Mitarbeiterbeteiligungsprogramme diePersonalgewinnung und -entwicklung mithilfe von Belegschaftsaktien oderAktienoptionen unterstützen. Mitarbeitern wird somit eine unmittelbare Partizipation ander Wertsteigerung des Unternehmens ermöglicht. Über diese Motive hinaus könnenÜberlegungen zu Nachfolgeregelungen eine Rolle spielen. Die mit einem IPO bewirkteTrennung der Führungs- und Kapitalgeberfunktion gewährt Altgesellschaftern dieWahrung der Unternehmenskontinuität und die Regelung ihrer Nachfolge. Zusätzlichkönnen Unternehmen im Zuge eines Spin-offs Teilbereiche, die nicht demKerngeschäft entsprechen, mittels Börsengang abspalten und veräußern. Für Venture-Capital- und Private-Equity-Gesellschaften stellt das Going Public darüberhinaus einebevorzugte Methode dar ihre finanziellen Anteile an einem Unternehmen zuverkaufen.23

2.3.2 Prozess

Der Ablauf eines IPO ist ein komplexer, sich für jedes Unternehmen anders gestaltender Prozess mit der durchschnittlichen Dauer von einem Jahr und einer durchschnittlichen Spannbreite der Gesamtkosten von rund vier Prozent bis zu in Einzelfällen über zehn Prozent des Emissionsvolumens.24 Im Folgenden werden die charakteristischen Phasen, die ein jedes Unternehmen auf seinem Weg zur Börse durchläuft, dargestellt (vgl. Abb. 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Der IPO-Prozess

(Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Becker [2009], S.17164-166)

1..Gestaltung.der.Voraussetzungen

Zu Beginn der IPO-Überlegungen steht neben der Willensbildung der bisherigenEigentümer die eindeutige Definition der Ziele, die das Unternehmen mit demBörsengang erreichen will sowie eine damit verbundene Überprüfung der Börsenreife.Die rechtliche Börsenreife besteht, wenn alle Zulassungsvoraussetzungen gemäßBörsenrecht erfüllt sind. Falls das Unternehmen noch nicht als AG, KGaA oder SEfirmiert ist, muss eine rechtliche Umgestaltung der Gesellschaft vorgenommen und imRahmen eines Rechtsformwechsels eine geeignete Rechtsform gewählt werden. ZurGestaltung der Voraussetzungen gehört schließlich auch die Bestimmung desvoraussichtlichen Emissionsvolumens und im Sinne der ökonomischen Börsenreifeeine Überprüfung der Wahrscheinlichkeit einer problemlosen Platzierung der Aktie.25

1 Karl Marx [o.J.], deutscher Philosoph, Ökonom, Gesellschaftstheoretiker, politischer Journalist,Protagonist der Arbeiterbewegung sowie Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft und der Religion(1818-1883).

[...]


2 Vgl. Bruns [2014], o.S.

3 Vgl. Becker [2009], S.121-123.

4 Vgl. Oekom Research [2013], S.6.

5 Vgl. Oekom Research [2013], S.9-10.

6 Vgl. Maubach [2014], S.1-6.

7 Vgl. Hermann [2016], S.52-56.

8 Vgl. RWE AG [2015a], S.44.

9 Vgl. Flauger [2016], S.34.

10 Vgl. Köhler [2016], S.28.

11 Vgl. Demmer/ Kann [2016], S.1214.

12 Vgl. Becker [2009], S.113-115.

13 Vgl. Zantow/ Dinauer [2011], S.43-46.

14 Vgl. Gusen/ Pernsteiner [2015], S.365-371.

15 Vgl. Perridon/ Steiner/ Rathgeber [2012], S.173-180.

16 Vgl. Zantow/ Dinauer [2011], S.65-68.

17 Vgl. Becker [2009], S.139.

18 Vgl. Gusen/ Pernsteiner [2015], S.10.

19 Vgl. Zantow/ Dinauer [2011], S.69-70.

20 Vgl. Becker [2009], S.143-144.

21 Vgl. Gusen/ Pernsteiner [2015], S.386-389.

22 Vgl. Gusen/ Pernsteiner [2015], S.391.

23 Vgl. Becker [2009], S.163-164.

24 Vgl. Bösl et al [2007], S.29-31.

25 Vgl. Gusen/ Pernsteiner [2015], S.393-396.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
"Innogy goes IPO". Eigenfinanzierung für kapitalmarktorientierte Unternehmen. Der Börsengang der "Innogy SE"
Hochschule
Hochschule Fresenius München
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
26
Katalognummer
V412230
ISBN (eBook)
9783668634060
ISBN (Buch)
9783668634077
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inoogy, eigenfinanzierung, unternehmen, börsengang, innogy
Arbeit zitieren
Maximilian Pinegger (Autor), 2017, "Innogy goes IPO". Eigenfinanzierung für kapitalmarktorientierte Unternehmen. Der Börsengang der "Innogy SE", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412230

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