Die Südslawen und ihre Identität(en) - Eine Untersuchung in Deutschland lebender Bosnier, Kroaten und Serben


Fachbuch, 2010
215 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitun.

1. Geschichte und Politik der Südslawen
1.1.Die Südslawen auf dem Balkan
1.2 Der erste Weltkrieg, das Königreich SHS und Jugoslavija I
1.3 Der zweite Weltkrieg und Jugoslavija II
1.4 Der Zerfall Jugoslawiens ab 1991
1.5 Die jugoslawischen Nachfolgestaaten
1.6 Sprachen und Religionen der Südslawe.

2. Nationale Identität und Jugoslawismus
2.1 Identitätstheorien
2.2 Nation und Nationalität
2.3 Jugoslawismus und nationale Identitäten der Südslawe.

3. Migrationsbewegungen der Südslawen nach Deutschland
3.1 Klassische Migration
3.2. Migration während Jugoslavija II
3.3 Aktuelle Migrationsformen seit 199.

4. Südslawische Diaspora in Deutschland
4.1. Definitionen
4.2 Größe und Dauerhaftigkeit der Diaspora
4.3 Charakteristika der Diaspora
4.4 Integration in Deutschland und Bezug zur Heimat
4.5 Institutionen und Netzwerke innerhalb der Diaspor.

5. Empirische Erhebungen
5.1 Methodik und Vorgehensweise
5.2 Analyse der Erhebungen
5.3 Fazit der Erhebunge.

6. Schlussbetrachtunge.

7. Literaturverzeichni.

8. Anha.

A Tabellen und Graphiken zu Kapiteln 1, 3, 4

B Transkribierte Intervie.

C Fragebogen der schriftlichen Erhebu.

0. Einleitung

"Ich bin jetzt Slowene, geboren bin ich jedoch in Jugoslawien". So definierte ein Student der Universität Ljubljana seine nationale Zugehörigkeit. In der vorliegenden Arbeit soll nun untersucht werden, inwieweit dieser Satz für die Südslawen allgemein gültig ist und sich auf in Deutschland lebende Südslawen anwenden lässt. Bestand oder besteht eine jugoslawische, bzw. südslawische Identität? Vollzog sich in den 90er Jahren durch den Zerfall Jugoslawiens ein Wandel dieser und anderer Identitäten? Besteht heute noch ein übergreifendes südslawisches Gefühl der Zugehörigkeit? Diesen Fragen wird in einer empirischen Studie unter in Deutschland lebenden Südslawen, basierend auf geschichtlichen, politischen und gesellschaftlichen Grundlagen, nachgegangen. Die empirische Untersuchung wurde 2004 durchgeführt. Dies hat zwar keine Auswirkungen auf die Relevanz der Ergebnisse, birgt jedoch Einschränkungen bezüglich der Berücksichtigung aktuell politischer Entwicklungen (z.B. Auflösung des Staatenbundes Serbien und Montenegro.

Obgleich die einzelnen Teilbereiche der vorliegenden Arbeit in unzähligen Quellen behandelt sind, ist eine Verknüpfung verschiedener Faktoren selten vorzufinden. Die Frage nach der Identität der Südslawen ist nur bis 1991 in Jugoslawien selbst dokumentiert. Spätere Aspekte und die Situation in der Diaspora1 sind selten berücksichtigt. Diese Arbeit hat daher den Anspruch, diese Lücke etwas zu verringern und eventuell Anstoß zu einer genaueren Betrachtung der Problematik zu geben. Es wird versucht, die vier behandelten Bereiche in Abhängigkeit voneinander unter dem Blickwinkel der Identitätsfindung darzustellen. Identität wird von vielen Faktoren bestimmt und von verschiedenen Einflüssen geprägt. Fragen nach dem geschichtlichen Hintergrund, der politischen Situation, der Migration und der Gestaltung des Lebens in Deutschland wird große Bedeutung beigemessen und sie werden dementsprechend ausführlich behandelt. In der empirischen Untersuchung wird diese Gewichtung durch gezielte Fragen nach der Prägung von der Kindheit bis heute und in verschiedenen Umgebungen deutlic.

Grundlegend werden in Kapitel 1 zunächst die geschichtliche Entwicklung der südslawischen Völker und die politische Situation der Staaten auf dem Balkan betrachtet, da eine Analyse der Identität nicht ohne diese Vorkenntnisse möglich ist. Besonderen Wert wird dabei auf die Sprachen und Religionen der Südslawen gelegt. .

Kapitel 2 werden die Konzepte Identität, Nation und Jugoslawismus erläutert, welche zum Verständnis der Identitätsentwicklung beitragen. Kapitel 3 und 4 befassen sich mit den Südslawen in Deutschland: dem Verlauf der Migration und dem Leben in der Diaspora. Dazu werden grundlegende Theorien mit praktischen Beispielen verbunden und die ganzheitliche Entwicklung und Situation dargestellt. Kapitel 5 führt die praktischen Beispiele anhand exemplarischer Erfahrungen von Einzelpersonen weiter und verbindet somit die ersten vier Kapitel mit individuellen Schicksalen und Ansichten. In Form empirischer Untersuchungen wurden insgesamt 61 Südslawen in Deutschland zu ihrem Leben und ihrer Identität befragt. Die Ergebnisse werden analysiert und analog zu den ersten vier Kapiteln dargestell.

Einige Begriffe sollen hier zum besseren Verständnis vorab definiert werden. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit in Deutschland lebenden Menschen aus Bosnien-Herzegovina, Kroatien, sowie Serbien und Montenegro. Die beiden jugoslawischen Nachfolgestaaten Slowenien und Makedonien werden nicht behandelt, sondern nur im Zusammenhang erwähnt. Ausgespart werden auch die besondere Situation des Kosovo und die politischen Institutionen Montenegros; Montenegro wird somit ausschließlich als Mitglied des Staatenbundes mit Serbien genannt. Die politische Unabhängigkeit beider Staaten seit 2006 wird im Zuge der aktuellen politischen Entwicklungen (Kapitel 1) genannt, hat auf die vorliegende Untersuchung und Ergebnisse jedoch keinen Einfluss. Südslawen und der südslawische Raum werden als Überbegriffe dieser drei Staaten verwendet, ohne Slowenen, Makedonier oder Bulgaren einzubeziehen. Ist von Jugoslawen oder Jugoslawien die Rede, sind damit die Menschen und die Staaten der Südslawen von 1918 bis 1991 gemeint. Alternativ werden für Jugoslavija II (1946-1991) der Begriff zweites Jugoslawien und die Abkürzung SFRJ verwendet. Obwohl Jugoslawien, als Restjugoslawien bezeichnet, noch bis 2003 als politischer Begriff bestand, wird hier ab 1991 zur einfacheren Darstellung die später offizielle Benennung Serbien und Montenegro gewählt. Die häufig irreführende Bezeichnung ´Bosnier´ wird eindeutig auf alle Bürger Bosnien-Herzegovinas festgelegt, unabhängig von ihrer ethnischen Zuordnung. Bosnier teilen sich somit auf in Bosnijaken (muslimische Bosnier), kroatische und serbische Bosnier. Als Abkürzung der heutigen südslawischen Staaten, in Bezug auf Referenzen werden die Länderkennzeichen BiH, HR, und SCG genutzt.

1. Geschichte und Politik der Südslawen

In diesem Kapitel wird ein Überblick über Geschichte und Politik des südslawischen Raumes gegeben. Die Sprachen und Religionen werden, angemessen ihrer Bedeutung in der Region, erläutert. In Anhang A ist zur besseren Übersicht eine Zeittafel zur Geschichte der Südslawen enthalten. Die Geschichtsdaten sind, sofern nicht anders gekennzeichnet dem Buch "Balkanchronik" von Michael W. WEITHMANN (2000) entnomme.

Im Laufe der Jahrhunderte lebten die südslawischen Völker meist in friedlicher Nachbarschaft, waren jedoch auch häufig in Feindseligkeiten und Kriegen verwickelt. Der erste Versuch (Jugoslavija I), alle Südslawen in einem Staat zu einen, entwickelte sich zu einer Vorherrschaft Serbiens über die anderen Völker. Auch der zweite Versuch (Jugoslavija II), welcher über 40 Jahre anhielt, scheiterte schließlich an Nationalismus und Rückbesinnung auf die Jahrhunderte lang erhaltenen Feindschaften zwischen den Völkern. So wurde den Serben die Machtergreifung im Königreich vorgeworfen und den Kroaten die Unterstützung der Besatzungsmächte durch die Ustaše im II. Weltkrie.

Der Zerfall Jugoslawiens begann 1981 mit dem albanischen Aufstand im Kosovo und setzte sich in den Bürgerkriegen in Slowenien (1991) und Kroatien (1991-1992) fort, bis er schließlich im Bürgerkrieg in Bosnien (1992 - 1995) und im Kosovokonflikt und dem damit verbundenen NATO Angriff (1999) auf Serbien eskalierte. Bedingt wurde diese Entwicklung von mehreren Faktoren, vornehmlich jedoch von außen durch das Wegfallen der Bedrohung durch die Sowjetunion sowie von innen durch das Auseinanderbrechen der Staatspartei und durch die schlechte wirtschaftliche Lag.

1.1.Die Südslawen auf dem Balkan

Die Südslawen bewohnten ursprünglich die Gebiete der heutigen Nordukraine und Ostpolens. Die Abwanderung begann etwa zu Mitte des 6. Jahrhunderts, die Einwanderung der Kroaten und Serben auf dem Balkan ist auf Anfang des 7. Jahrhunderts datiert (Vgl. WEITHMANN 2000:54ff). Fast drei Jahrhunderte lebten die Slawen auf dem Balkan in Stammesverbänden ohne Bildung einer ausgeprägten staatlichen Ordnung. Die Ausbildung und Untergang der jeweils einzelner südslawischen Staaten erfolgte in historisch unterschiedlichen Zeiträumen. So bildet.

Kroatien unter Tomislav2 ab 925 und unter Zvonimir (1076-89)3 ein Königreich. In Serbien entstand 1217 das Königreich der Serben und erfuhr unter Dušan seinen Höhepunkt (1346 - 55). Unter beiden Völkern sollten diese Zeiten noch lange als Basis großkroatischer, bzw. großserbischer Ansprüche gelten. In Bosnien-Herzegovina gestaltete sich die Situation hingegen grundlegend ander.

"Selbst für balkanische Verhältnisse blieb Bosnien - Herzegovina für Jahrhunderte im Windschatten der Geschichte. Als ´ Zahumlija ´ , Land hinter den Bergen. wurde es zutreffend bezeichnet “ (W EITHMANN 2000:99).

Als es in den umgebenden Gebieten schon staatliche Zusammenschlüsse gab, lebten die Bosnier abgeschottet4, geprägt durch sehr starke archaische Strukturen und einer eigenen Religion („Bogumilen“). Durch die Christianisierung der Bosnier, orthodox durch die Serben im Osten, sowie katholisch durch die Kroaten im Westen und Südwesten, entwickelte sich ab dem 12. Jahrhundert ein Staatsgebilde unter dem Namen ´Bosna´. Erst im 16. Jahrhundert wurden unter türkischen Herrschaft die Paschaluks5 (Vgl. AUSWÄRTIGES AMT 1 2004) Bosna und die Herzegovina gebildet, welche territorial in etwa dem heutigen Bosnien und Herzegovina entsprache.

Jahrhunderte lange Fremdherrschaft, vor allem unter dem Habsburger- und dem Osmanischen Reich, sowie Italien und Ungarn prägten ab dem 12. Jahrhundert die Völker des Balkans nachhaltig6. Durch verschiedene weltpolitische Ereignisse veränderten sich die sozialen und gesellschaftlichen Strukturen, die Staatsformen und die Grenzen der südslawischen Bevölkerung mehrmals. Die Interessen und Bündnisse der Großmächte waren dabei sehr unterschiedlich und änderten sich, meist auf Kosten und ohne Beteiligung der Balkanvölker, wiederholt. Mit dem Vordringen der Osmanen auf den Balkan ab Mitte des 14. Jahrhunderts waren große Migrationsbewegungen der Balkanvölker zu verzeichnen, welche die während des Mittelalters entstandene Ordnung nachhaltig veränderten. Diese sind auf zwei Hauptursachen zurückzuführen. Zum einen sind hier die Fluchtbewegungen der Bevölkerung vor türkischen Eroberungszügen zu nennen. Diese verliefen meist von Süden nach Norden und von Osten nach Westen. Dazu kamen Massenansiedlungen und Kolonisierungsaktionen seitens der osmanischen und später auch der habsburgerischen Herrscher (Vgl. IRKOVI 1999:24). So siedelten viele Kroaten in Gebieten Ungarns und Österreichs. Serben und Bosnier flohen nach Kroatien, Serben auch in die südlichen Gebiete Ungarns. Montenegriner und Bosnier wurden in den nördlicheren Teilen Serbiens angesiedel.

Das Osmanische Reich erhielt mit dem Sieg über die vereinten südslawischen Truppen7 auf dem Amselfeld (Kosovo Polje) ab 1389 endgültig Einzug auf dem Balkan. Der Tag der Niederlage, Vidovdan (Veitstag- 28. Juni 1389) genannt, wurde in Serbien wie ein Sieg gefeiert8 und steht für die Macht, die Serbien einmal besaß. Der 28. Juni sollte einer der bedeutungsreichsten Tage der weiteren Geschichte werde.

Vor allem in Bosnien-Herzegovina haben sich durch die osmanische Herrschaft größte gesellschaftliche Veränderungen vollzogen. In den folgenden 200 Jahren traten über die Hälfte der Bevölkerung zum islamischen Glauben über9 und die sozialen Strukturen sowie die Sprache erfuhren eine tief greifende Prägung. Auch in Serbien wurden durch die osmanische Eroberung die gesellschaftlichen Strukturen weitgehend erschüttert und nachhaltig verändert. Der gesamte weltliche Teil der Entwicklung wurde unterbrochen, allein die Kirchen konnten sich durch relative Großzügigkeit in Glaubensangelegenheiten seitens der Osmanen kontinuierlich weiter entwickeln. Dies führte zu einer mächtigen Stellung der Kirchen, als Bewahrer der nationalen Traditio.

An der Schnittstelle des osmanischen und des habsburgerischen Reiches, entstand im Westen Bosniens eine militärische und vor allem auch kulturelle Grenze, die ´vojna krajina´ (Militärgrenze). Sollte ein osmanischer Teil des Balkans als Bollwerk gegen den Westen Europas sowie als Grenzland zu den ´Ungläubigen´ dienen (Vgl. IMAMOVI 1999:69), entstand auf der anderen Seite der Grenze ein "Bollwerk der Christenheit" (WEITHMANN 2000:192), gesichert ab dem 16. Jahrhundert durch die Militärgrenze10

1.2 Der erste Weltkrieg, das Königreich SHS und Jugoslavija I

Anfang des 20. Jahrhunderts kam es in allen Teilen des südslawischen Raumes zu Aufständen: In Bosnien-Herzegovina durch Okkupation (1903) und Annexion (1908) durch Österreich-Ungarn. In Serbien, das eigene Interessen in Bosnien verfolgte, zur Radikalisierung und Mobilmachung (Vgl. PEROVI 1999:106). In Kroatien kam es ab 1903 zu Aufstand und zu Demonstrationen, die aufgrund der Besatzungspolitik von Österreich-Ungarn auch nicht mehr nachließen. Der erste Balkankrieg (1912 - 1913), in welchem Montenegriner, Serben, Griechen und Bulgaren als Verbündete gegen die Osmanen kämpften, endete mit der endgültigen Befreiung großer Teile Serbiens, Montenegros und Griechenlands. Auf der Londoner Konferenz 1913 (Londoner Friedensvertrag) wurden nach Beendigung des I. Balkankrieges große Gebiete mit mehrheitlich albanischer Bevölkerung Montenegro, Serbien und Griechenland zugesprochen (Vgl. PEROVI 1999:107). Kosovo11 wurde wieder serbisches Staatsgebiet, was bis heute weitreichende Folgen hat. Der zweite Balkankrieg (1913), in welchem Bulgarien gegen Serbien, Griechenland und Rumänien kämpfte, endete mit dem Hinausdrängen des Osmanischen Reiches aus Südosteuropa. Makedonien wurde im Frieden von Bukarest zugunsten von Serbien und Griechenland aufgeteilt. Wieder ist der Balkan zum Gegenstand machtpolitischer Spiele der Großmächte geworden. Willkürliche Grenzziehungen und unhaltbare Staatsgebiete wurden ohne Rücksicht auf kulturelle, religiöse, sprachliche oder nationale Unterschiede über die Köpfe der Bevölkerung hinweg geschaffen (Vgl. WEITHMANN 2000:327.

Die Ermordung des Habsburger Thronfolgers Franz Ferdinands und seiner Frau Sophie am 28.06.1914, dem 525. Jahrestag des Vidovdan durch Gavrilo Princip in Sarajevo, wurde von österreichischer Seite als direkte Schuld Belgrads gesehen und verurteilt. Die ungeklärte Rolle Belgrads in der Verschwörung und das Attentat selbst wurden von Österreich und Deutschland als Kriegsgrund gegen Serbien dargestellt (Vgl. WEITHMANN 2000:339). Ende Juni 1914 erklärte Österreich - Ungarn mit Unterstützung Deutschlands Serbien den Krieg, was wiederum Russland und dessen Bündnispartner England und Frankreich auf serbischer Seite hervorrief. Die Auflösung der Monarchie Österreich-Ungarn war in den ersten Kriegsjahren weder das Ziel der Südslawen innerhalb der Monarchie, noch das der Westmächte. Durch den auch auf dem Boden der Südslawen ausgetragenen Krieg änderte sich dies jedoch bald, das Ende der Monarchie auf slawischen Gebieten begann (Vgl. WEITHMANN 2000:345f.

Im Januar 1918 stellte Woodrow Wilson in einer Rede 14 Punkte vor, welche "nach dem Zusammenbruch der Balkanfront von Wien als Grundlage für Friedensverhandlungen anerkannt werden mussten" (WEITHMANN 2000:346). Er sicherte den Balkanvölker "Freie und autonome Entwicklung für die Völker Österreich-Ungarns!" (WEITHMANN 2000:346) und Selbstbestimmungsrecht allgemein12 zu. Im Zuge der Neugestaltung der politischen Verhältnisse auf dem Balkan wurde am 6.10.1918 der "Nationalrat der Slowenen, Kroaten und Serben" innerhalb der Monarchie gegründet. Am 29.10.1918 wurde in Zagreb daraufhin die vollständige Loslösung von Österreich und Ungarn und die Vereinigung Dalmatiens, Kroatiens und Rijeka mit dem neuen südslawischen Staat der Slowenen, Kroaten und Serben proklamiert (Vgl. GOLDSTEIN 1999:59). Diesem vorausgegangen war 1917 unter anderem die Deklaration von Korfu, welche eine Vereinigung der Südslawen unter serbischer Ägide vorsah. Bei diesem Treffen des ´slawischen Ausschusses´ und der serbischen Exilregierung auf Korfu wurde die Gründung des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen unter der serbischen Dynastie der Kara or evi s vereinbart. Obwohl die Deklaration sehr vage die Form des Zusammenhaltes beschrieb, war von einem "dreinamigen Volk" die Rede, d.h. von einer gemeinsamen Nation unter drei verschiedenen Namen (Vgl. WEITHMANN 2000:370). Am 01.12.1918 konstituierte sich der unabhängige Staat der Slowenen, Kroaten und Serben, bestehend aus Kroatien, Dalmatien, Istrien, Bosnien-Herzegovina und Slowenien mit dem Königreich Serbien, dem im November Montenegro und die Vojvodina beigetreten waren. Prinzregent Aleksandar proklamierte das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (Kraljevina Srba, Hrvata i Slovenaca, kurz Königreich SHS), welches im Mai 1919 international anerkannt und bestätigt wurde (Vgl. GOLDSTEIN 1999:59 und WEITHMANN 2000:371.

"Das ethnisch, religiös, national und mentalitätsm äß ig völlig heterogene Staatsgebilde wird - in der Nachfolgeösterreich - Ungarns - der neue Vielvölkerstaat Südosteuropas" (W EITHMANN 2000:354f).

Im Königreich SHS bestanden gravierende Unterschiede in der Bevölkerungs- und Sozialstruktur. Geschichtlich gesehen setzte es sich zusammen aus Slowenien (altösterreichischer Hintergrund), Dalmatien (venezianische Vergangenheit), Kroatien, Slawonien und Vojvodina (Ungarische Stephanskrone), Bosnien-Herzegovina (Osmanisches Reich) und Serbien mit Montenegro und den Konfliktgebieten Kosovo (islamisch - albanisch) und Makedonien (bulgarisch). 1921 waren von den ungefähr 12 Millionen Einwohnern des Königreichs circa 83% Serben, Kroaten und Slowenen. Diese teilten sich folgendermaßen auf: 45% Serben, 30% Kroaten und 8% Slowenen. Weitere Bevölkerungsgruppen waren gebietsweise aufgeteilt in Deutsche, Ungarn, Albane.

Italiener, Türken, Rumänen, Sinti und Roma. Es lebten etwa 47% Orthodoxe, 39% Katholiken und 11% Muslime im Königreich (Vgl. WEITHMANN 2000:373). Diese Zahlen müssen jedoch mit Vorsicht betrachtet werden, wurden bosnische Muslime beispielsweise als Kroaten und Serben aufgenommen. Auch wirtschaftlich und kulturell waren extreme Unterschiede vorhanden: Das soziale und kulturelle Nord - Südgefälle im Königreich reichte vom zentraleuropäisch geprägten und ausgerichteten Slowenien bis hin zum rückständigen Makedonien13

"Die Geschichte des Jugoslawiens der Zwischenkriegszeit war von großen Vorhaben und gewaltigen Enttäuschungen geprägt. Das Hauptproblem lag in der Unfähigkeit, die richtige Mischung zwischen wirklichen Unterschieden und gemeinsamen Punkten zu finden" (B ANAC 1999:163).

1920 fanden die ersten Wahlen für das nun gemeinsame Parlament (Skupština) in Belgrad statt, in welchen die zentralistischen, proserbischen, die föderalistischen slowenisch-kroatischen, sowie die übernational tätigen Kommunisten14 zu den Gewinnern zählten. 1921 wurde die zentralistische ´Vidovdan´ Verfassung15 in Abwesenheit mehrerer slowenischer und kroatischer Abgeordneter aus Protest, verabschiedet. Diese proserbische Verfassung legte als Ziel die Schaffung eines von Belgrad regierten Einheitsstaates fest und teilte das gesamte Land in Departements auf, welche ohne Rücksicht auf nationale oder konfessionelle Grenzen gebildet wurden. (Vgl. WEITHMANN 2000:375). Die heftigen Proteste, die der Verfassung vor allem in Kroatien folgten, beruhigten sich nur wenig. "Ein gemeinsamer Konsens ist zwischen der serbischen Machtpolitik und der kroatischen Verweigerungspolitik nicht in Aussicht" (WEITHMANN 2000:377.

Die Führung der regierenden Zentralisten brach aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zwischen den verbündeten Serben der ehemaligen Monarchie und ´Altserbiens´ 1926-28 auseinander. Am 20.06.1928 eskalierte die Situation, indem ein Montenegriner den kroatischen Oppositionsführer Radi erschoss. "Das Blutbad in der Skupština vergiftet die politische Atmosphäre zwischen Kroaten und Serben unwiderruflich" (WEITHMANN 2000:378). Eine parlamentarische Lösung war nicht mehr möglich; die einzig allgemeingültige Instanz waren König und Armee. Dies führte ab 1929 zur Königsdiktatur. Die Vidovdan Verfassung wurde außer Kraft gesetzt, alle Parteien mit nationalem oder konfessionellem Hintergrund verboten. 1929 wurde der Staat offiziell in Jugoslawien (Jugoslavija I) umbenann.

Am 9. Oktober 1934 wurden König Aleksandar und der französische Außenminister in Marseille ermordet. Des Königs letzte Worte waren angeblich: " uvajte Jugoslaviju!" (Bewahrt Jugoslawien) (Vgl. WEITHMANN 2000:380). Der von den Tätern gewünschte Zusammenfall Jugoslawiens trat jedoch nicht ein, denn Aleksandars Bruder Paul Kara or evi "führte das autoritäre System bruchlos fort" (WEITHMANN 2000:381.

1939 kam durch Druck der internationalen Situation ein serbisch - kroatischer Ausgleich zustande (Sporazum). Er beinhaltete eine "weitgehende innere Selbstverwaltung des wiederhergestellten kroatischen Territoriums" (WEITHMANN 2000:385) und die Teilung Bosniens in einen kroatischen und einen serbischen Teil, war jedoch nur ansatzweise durchdacht. Er kam viel zu spät und stieß bei der Bevölkerung und in nationalistischen Kreisen auf Ablehnung. Der Ruf nach einem Zusammenschluss aller Serben in einem großserbischen Reich wurde wieder laut, während in Kroatien nationalistische Kräfte die Zersplitterung Jugoslawiens forderten. In diesem zerbrechlichen Staatsgebilde war es unmöglich, dem Druck von außen standzuhalten, welcher sich mit Ausbruch des II. Weltkrieges vervielfachte, ein über den nationalen Bedürfnissen stehendes Einheitsgefühl hatte sich in den 23 Jahren des Bestehens nicht entwickelt. Jugoslawien I fiel 1941 fast kampflos auseinande.

1.3 Der zweite Weltkrieg und Jugoslavija II

Bis 1941 war Jugoslawien offiziell neutral, tendierte jedoch verstärkt durch wirtschaftliche Abhängigkeit von Deutschland in Richtung der Achsenmächte. Die Forderung Hitlers zur Aufgabe der Neutralität Jugoslawiens und zum Beitritt zur Achse rief heftige Proteste der serbischen Öffentlichkeit hervor, die Deutschland auf Seite der Kroaten und als Verursacher des ungewollten Sporazums sah. Am 25.03.1941 musste die Regierung in Belgrad dem Druck nachgeben und den Achsenmächten beitreten. Die Bevölkerung widersetzte sich diesem Vorhaben, woraufhin es zwei Tage darauf zum Putsch kam und die Regierung gestürzt wurde. Der Schlachtruf: "Bolje rat nego pakt!" (Lieber den Krieg als den Pakt) ertönte auf den Strassen (Vgl. WEITHMANN 2000:386). Hitlers Reaktion erfolgte umgehend; er beschloss die Zerschlagung des Militärs und des Staatsgebildes Jugoslawien.

Der Widerstand während des deutschen Blitzkrieges mit dem Ziel Jugoslawien zu zerschlagen, war durch desolate Staatstrukturen und allgemein herrschende Unzufriedenheit mit der politischen Situation sehr schwach. Nur ein Drittel der Armee kämpfte überhaupt, was dazu führte, dass Jugoslawien nach elf Kriegstagen besetzt wurde. Die Achsenmächte zerstückelten Jugoslawien in Form von Annexion, Gründungen neuer Staaten und Unterstellung unter deutsche Militärsverwaltung. Italien annektierte den südlichen Teil Sloweniens, Teile Dalmatiens, kroatisches Küstenland sowie die Bucht von Kotor, während Kosovo und der westliche Teil Makedoniens unter italienische Verwaltung gesetzt wurden. Der nördliche Teil Sloweniens wurde von Deutschland und das restliche Makedonien von Bulgarien annektiert. Die Gebiete entlang der ungarischen Grenze (Ba ka, Baranja, Murgebiet) wurden Ungarn zugesprochen. Das restliche Serbien und Banat wurden unter deutsche Militärverwaltung gestellt und der neue ´Unabhängige Staat Kroatien´ (Nezavišna Država Hrvatska, kurz NDH)16 wurde gegründet. Dieser umfasste Kroatien, Sirmien und Bosnien-Herzegovina, mit Ausnahme der annektieren Gebiete (Vgl. WEITHMANN 2000:408ff) Jugoslawien als Staat hörte auf zu existieren. Die Besatzungsmächte verfuhren sehr unterschiedlich mit den ihnen zugeteilten Gebieten, zielten jedoch alle auf eine Schwächung des nationalen Gefühles und der Traditionen17

Die Ausrufung des NDH und die plötzlich zur "allmächtigen Staatspartei" avancierten (Vgl. WEITHMANN 2000:410) Ustaša18 Partei wurde von großen Teilen der kroatischen Bevölkerung bejubelt. Der laute Beifall der Bevölkerung wurde schnell leise, als die Bedingungen, vor allem die Abtrennung weiter Teile Dalmatiens und das radikale und die grausam-faschistische Vorgehensweise der Ustaše deutlich wurden. Die Ustaša Führung folgte dem "deutschen Modell der ´neuen Ordnung´ und huldigte dem Kult von Nation, Staat und Führer" (Vgl. GOLDSTEIN 1999:170). Sie betrachteten die Muslime des NDH19 als Angehörige der kroatischen Nation, wogegen mit Juden, Serben und Roma radikal umgegangen wurde. Circa 31.000 der 39.000 Juden, die auf dem Gebiet der NDH zu Hause waren, wurden in kroatischen und deutschen Lagern ermordet. Fast alle Roma (circa 30.000) fielen den Verfolgungen zum Opfer. Da die Ustaša seit ihrer Gründung das Feindbild Serbien als Basis ihrer gesamten Ideologie sahen, musste eine ´Lösung´ für die circa zwei Millionen Serben auf NDH Territorium gefunden werden. Diese erfolgte durch Massendeportationen, Konvertierung zum Katholizismus und Ermordung. Seit 1942 wurden die Serben auf NDH Gebiet als ´Kroaten orthodoxen Glaubens´ bezeichnet und in Form von Zwangstaufen katholisiert und zu ´echten Kroaten´ erklär.

Während des II. Weltkrieges entstanden in Jugoslawien zwei von einander unabhängige und sich gegenseitig bekämpfende Widerstandsgruppen. Die etniks20 und die Partisanen. Die etniks, eine serbisch nationalistische Vereinigung, verschrieben sich der Befreiung Jugoslawiens mit dem Ziel der Bildung eines ´ethnisch reinen Großserbiens´21. Die aus der 20 Jahre lang verbotenen KPJ22 entstandene Partisanenbewegung unter Josip Broz, Deckname Tito23, war wie die KPJ selbst, gut organisiert und im gesamten jugoslawischen Gebiet aktiv. Sie arbeitete mit Sabotageakten und der Eroberung kleinerer Städte und fand unter allen jugoslawischen Völkern Zuspruch. Der klare Auftrag nach Befreiung der Gebiete war von Anfang an die Bildung von "Volksbefreiungskomitees", die "durch korrekte Arbeit die Bevölkerung auf ihre Seite ziehen sollten" (WEITHMANN 2000:417). Erklärtes Ziel war es, sich an die Spitze des Widerstandes zu bringen und ein demokratisches Jugoslawien, sowohl in Staatsform wie auch in zwischenethnischen Beziehungen gerechter als das Vorherige, zu schaffen. Im Gegensatz zu der kommunistischen Idee des absoluten Zentralismus, entwickelte Tito bald eigene Vorstellunge.

"Sein Konzept für Jugoslawien nach der Befreiung sieht nämlich eine nach Nationen gleichberechtigt gegliederte Föderationsstruktur vor, einen Bundesstaat mit autonomen, nach Nationen gegliederten Republiken" (W EITHMANN 2000:418).

Der 1942 gegründete Antifaschistische Rat der Volksbefreiung Jugoslawiens (AVNOJ), die höchste politische Instanz der Widerstandsbewegung, rief sich am 29.11.194324 in Jajce zum höchsten gesetzgebenden Organ Jugoslawiens aus. Dabei definierte er den jugoslawischen Nachkriegsstaat als Föderation gleichberechtigter Republiken, legte deren gemeinsame Grenzen fest und forderte die Selbstbestimmung der Südslawen ein. Zitat Tito: "Wir sind nicht einfach Bauern auf dem Schachbrett!" (WEITHMANN 2000:446). Im weiteren Kriegsverlauf nach 1943 unterstützte vor allem Großbritannien die Partisanen. 1943 wurde Marshall Tito als ´selbständiger alliierter Befehlshaber´ von den USA, Großbritanien und Russland anerkannt und danach vor allem von englischer und russischer Seite unterstützt, was sich in den 50 - 50 Vereinbarung Churchills und Stalins im Oktober 1944 niederschlu.

Noch während des Krieges erreichte Tito den Abzug der russischen Truppen aus Jugoslawien. Jugoslawien wurde somit das einzige Land Südosteuropas, das nicht direkt unter sowjetischer Vormundschaft stand. Nach dem Sieg der Partisanen wurden dennoch Tausende Anhänger und Kollaborateure der Ustaše, der etniks und der Besatzungsmächte verschleppt oder ermordet (Vgl. WEITHMANN 2000:418). Die Bilanz des Krieges 1945 war erschreckend: circa zwei Millionen Tote in Jugoslawien, meist an innerjugoslawischen Bürgerkriegsfronten. Das Land war nach vier Jahren Krieg ruiniert. Eine Aufarbeitung der Vergangenheit, eine offizielle Klärung der Zahlen von Ermordeten gab es nicht. "Es folgten im Nachkriegsjugoslawien keine Vergangenheitsbewältigung, keine neutralen Untersuchungen und keine objektiven Gerichtsverhandlungen über Kriegsverbrechen" (WEITHMANN 2000:412.

Nach Ende des II. Weltkrieges befürworteten alle südslawischen Regionen die Einbindung in einen gleichberechtigten südslawischen Staat25. Im November 1945 errang die überparteiliche ´Volksfront´, mit Kommunisten in Schlüsselpositionen 90,4% der Stimmen für den direkt gewählten Bundesrat und 88,4% für den Nationalitätenrat. Die regierende Kommunistische Partei Jugoslawiens (KPJ) benannte sich 1952 in Bund der Kommunisten um (Vgl. DŽAJA 2002:75). Am 29.11.1945 wurde die Monarchie vom neuen Parlament aufgehoben und die Föderative Volksrepublik Jugoslawien (Federativna Narodna Republika Jugoslavija, kurz FNRJ)26, das zweite Jugoslawien (Jugoslavija II) mit Josip Broz Tito als Regierungschef proklamier.

"Ich regiere ein Land mit zwei Alphabeten, drei Sprachen, vier Religionen und fünf Nationalitäten, die in sechs Republiken leben, von sieben Nachbarn umgeben sind und mit acht Minderheiten auskommen müssen." (Tito nach Goethe Institut).

Die Nationalitätenvielfalt des I. Jugoslawiens hatte sich nicht vermindert, die Konflikte waren durch den II. Weltkrieg eher verstärkt worden. Tito hat es jedoch verstanden, die einheitliche und einigende Partisanenbewegung zur gemeinsamen Basis zu machen, jedes Volk in die föderale Struktur einzubinden und ein Gleichgewicht zu finden, welches die meisten zufrieden stellte. Die Abkehr vom serbischen Zentralismus erreichte Tito durch rigorose Ausschaltung der Kollaborateure und durch die Teilung Serbiens, Montenegros und Makedoniens in eigene Republiken, sowie die Abtrennung der Vojvodina und des Kosovo mit Autonomiestatus von Serbien. Die mehrheitlich serbisch besiedelten Gebiete Kroatiens wurden in der ´Republik der Kroaten und in ihr lebenden Serben´ bedacht. Für Tito waren dies jedoch nur formale Grenzen, er träumte von einem friedlichen Zusammenleben aller Völker Jugoslawiens. Ein Auszug aus Milovan DJILAS27 ´Krieg der Partisanen´ zur Diskussion des Status der in Slawonien lebenden Serben macht dies deutlic.

"Das abgesteckte Territorium sei unnatürlich, ohne Zentrum und ohne hinreichende Lebensbedingungen. Obendrein gieße manöl ins Feuer des kroatischen Nationalismus. [ … ]Tito schloss sich in aller Ruhe unserer Meinung an und steuerte noch eine marxistische Interpretation bei: ´ bei uns wird es keine `Grenzen` wie bei der Bourgeoisie geben …´ ." (D JILAS nach JäGER 2001:372).

Die "Weichen in Richtung nationaler Gleichheit" (JÄGER 2001:372) wurden gestellt und Maßnahmen zur Erreichung der Maxime ´Brüderlichkeit und Einheit´ ergriffen28. Diese Gleichberechtigung wurde dann auch in der multinationalen Zusammensetzung des Politbüros deutlich29. 1954 wurde im Abkommen von Novi Sad die gemeinsame serbokroatische oder kroatoserbische Sprache als zwei Varianten einer Schriftsprache definiert, womit Jugoslawien drei offizielle Sprachen (serbokroatisch, makedonisch und slowenisch) besaß. Wie in allen Friedensschlüssen zuvor30 auf dem Balkan, wurde jedoch auch in den Pariser Friedensverträgen 1947 keine Lösung des Nationalitätenkonfliktes gefunden, die Krisensituationen sogar noch verstärkt31. Ziel der kommunistischen Führung war es, die sozialistische Lebensform, den einheitlichen Staat und die gemeinsamen Ziele in den Vordergrund zu stellen und somit nationale Strömungen aufzufangen. Die kategorische Verneinung und Unterdrückung des existenten Nationalismus der einzelnen Ethnien durch den Kommunismus, vergiftete jedoch in den Jahren Jugoslawiens die Beziehungen der Volksgruppen untereinander nachhalti.

Die föderative Verfassung der Volksrepublik Jugoslawien von Januar 194632 legte fest, dass Jugoslawien eine Föderation aus sechs gleichberechtigten Republiken (Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegovina, Montenegro, Makedonien33 ) sein sollte, wobei innerhalb Serbiens zwei autonome Gebiete (Vojvodina, Kosovo - Metohija) bestanden. Die Grenzen waren größtenteils historisch fundiert und beschrieben die Grenzverläufe von 1918. Mit Ausnahme Bosnien-Herzegovinas war in den Republiken die jeweilige Nation in der absoluten Mehrheit, das heißt jede Nation hatte eine ihr zugehöri.

Republik. 1971 lebten 20,5 Millionen Menschen in der SFRJ, davon erklärten sich 39,7% als Serben, 22,1% als Kroaten und 8,4% als Moslems34. In Bosnien-Herzegovina lebten Moslems (39,6), Serben (37,2%) und Kroaten (20,6%). In Kroatien bildeten Kroaten (79,4%) und Serben (14,2%), in Serbien35 Serben (71,3%) und Albaner (11%) die mehrheitliche Bevölkerung (Vgl. GROTHUSEN 1975:331ff und FURTAK 1975 nach MIHELI 1984:293). Offiziell wurden Slowenien, Kroatien, Vojvodina und Serbien zu den entwickelten und Bosnien-Herzegovina, Makedonien, Montenegro und Kosovo zu den weniger entwickelten Gebieten gezählt. Alle Republiken und Provinzen besaßen eine eigene Verfassung, eigene politische Instanzen und Vertreter (Parlament und Präsident), eigene Rechtssprechung und Kulturhohei.

Die oberste Instanz auf Bundesebene war seit 1971 das Präsidium, welches die Stelle des Staatspräsidenten36 ersetzte. Es setzte sich aus sechs Mitgliedern, je einem jeder Republik und Provinz, zusammen. Tito wurde auf Lebenszeit zum Präsidenten ernannt; nach seinem Tod im Jahr 1980 wechselte der Vorsitz jedes Jahr in vorgegebener Reihenfolge, was von Tito ´testamentarisch festgelegt´ worden war (Vgl. JÄGER 2001:373). Das Präsidium hatte die Macht das Parlament aufzulösen und war oberster Befehlshaber der Streitkräfte. Die Volksvertretung bildeten ab 1946 der Bundesrat (Savezno Ve e) und der Nationalitätenrat (Ve e Republika i Pokrajna)37, die beiden gleichberechtigten Häuser des Parlaments (Legislative). Verfassungsänderungen waren nur durch Zustimmung aller Republiken möglich. Die Regierung mit dem vom Parlament bestimmten Ministerpräsidenten als Regierungschef stellte die Exekutiv.

Außenpolitisch kam der FSRJ eine Sonderrolle zu, welche 1948 mit dem Bruch Moskau - Belgrad und dem damit verbundenen Ausschluss aus der 1947 gegründeten Kominform38 deutlich wurde. Die darauf folgende politische Isolierung und Wirtschaftsblockade aus dem Osten führte zur wirtschaftlichen Orientierung nach Westen und zunehmender wirtschaftlicher Abhängigkeit. Innenpolitisch ließ der Westen Jugoslawien gewähren, entsprach die Staatsform nicht westlichen Idealen, wurde Tito jedoch Garant für Frieden und Stabilität auf dem Balkan gesehen. Diese Sonderolle stärkte die Verehrung Titos im Land und führte zum eigenständigen ´jugoslawischen Weg der Blockfreiheit´, welcher in der Belgrad Deklaration 1955 festgelegt wurd.

Einem liberalen Aufschwung der 60er Jahre, wie zum Beispiel eine junge, liberal eingestellte Führung39 in Serbien, die jedoch 1972abgesetzt und durch Draža Markovi40 ersetzt wurde, folgten Unruhen in ganz Jugoslawien. Die stagnierende wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes gab den Anlass zum Überdenken des sozialistischen Systems. Dies zeigte sich deutlich 1971 im ´Kroatischen Frühling´. Dieser wurde jedoch durch Absetzung und Verhaftung der politischen Führer der Bewegung41 zerschlagen. Aus einem "eher sprachlich-kulturellem Anlass" (WEITHMANN 2000:454)42 bildete sich eine Nationalbewegung, welche die Massen mobilisierte. Dessen Zerschlagung verstärkte das Gefühl der Unterdrückung vieler Kroate.

Der liberale Aufschwung war somit Mitte 1972 in allen Teilen Jugoslawiens ins Gegenteil umgeschlagen. Die 70er Jahre waren allgemein geprägt von Stagnation und außenpolitischen Schwankungen, vor allem Kroatien verfiel nach 1971 bis Ende der 80er Jahre in ein ´politisches Vakuum´. Die Erinnerung an den Aufstand und an die Opfer spielt in der kroatischen Identitätsdefinition jedoch eine große Rolle. Erreichten die Slowenen die kulturelle und sprachliche Eigenständigkeit43 bis zu einem gewissen Grad, blieb dies den Kroaten verwehrt. Selbst harmlose kroatische Äußerungen wurden in der jugoslawischen Zentrale mit ´nationalistischem Extremismus´ gleichgesetzt (Vgl. WIMMER 1991:86). Als Zerstörer des ersten Jugoslawiens dargestellt, lieferte die Existenz des Ustaša Staates (NDH) den Grund zur Ausschaltung kroatischer Sondergedanken. Die erweiterte föderative Verfassung in Jugoslawien 197444 sollte "wohl vor allem eine Charta der Selbstverwaltung werden. Tatsächlich wurde sie mehr zu einem ideologischen Traktat statt zu einem brauchbaren Staatsgrundgesetz" (MEIER 1999:201). Sie wandelte Jugoslawien in eine vollständige Föderation, teilweise sogar Konföderation um, definierte erstmals die Republiken konkret als Staaten (Artikel 3) und garantierte deren Grenzen. Es war eine Chance zur Föderation und Demokratie, die durch Mangel an Akzeptanz in den Republiken scheiterte (Vgl. JÄGER 2001:375.

Trotz fortschrittlicher Politik und Sonderweg versuchte Jugoslawien durch Nichtbeachtung der nationalen Unterschiede, deren Unterdrückung und Angleichung zu erreichen. Schon 1953, mit der Umwandlung des Nationalitätenrates in den "ökonomisch orientierten Produzentenrat" (WEITHMANN 2000:452), erschien die kollektive Wirtschaft wichtiger als die Nationalitätenfrage. Auch die wirtschaftliche Situation war einer der Hauptstreitpunkte unter den Nationen. Der alte Vorwurf von Slowenien und Kroatien, sie finanzierten die Südteile des Landes mit, was somit ihre eigene Wirtschaft bremse, war genauso vorhanden wie die Beschwerde der südlichen Teile, ständig benachteiligt zu werden. Auch in 45 Jahren gemeinsamen Zusammenlebens innerhalb eines Staates vermochten die Südslawen es nicht, die Nationalfrage ausreichend und zukunftsichernd zu klären. Vor allem konnte jedoch das wirtschaftliche Gefälle von "mitteleuropäischem Standard in Slowenien bis hinunter zum Dritte - Welt - Standard in Makedonien und im Kosovo" (WEITHMANN 2000:452) nicht angeglichen werde.

Tito hatte mit der Gründung des sozialistischen und föderativen Jugoslawiens etwas Unglaubliches erreicht; die Vereinigung aller Südslawen unter Abkehr der großserbischen Idee. Nicht, wie im SHS eine Vereinigung unter serbischer, zentralistischer Führung, sondern ein friedliches Zusammenleben im Sinne von ´Bratstvo i Jedinstvo´45. "Nicht das System hat funktioniert, Tito hat funktioniert!" (WEITHMANN 2000:453). Mit dem Tod von Josip Broz Tito am 4.05.1980 endete eine Ära, in welcher die Person Tito als Integrationsfigur Jugoslawien geschaffen und zusammengehalten hatte. Tito hatte seit der Gründung der SFRJ eine Sonderposition inne; besonders in seinen letzten Lebensjahren entstand ein Kult um seine Person, die teilweise mit der realen Person nicht übereinstimmte. Er wurde zur fiktiven Gestalt, die alles Jugoslawische verkörperte, vom Volksbefreiungsmythos bis zur Sonderrolle Jugoslawiens in der Welt. Durch seinen Tod hinterließ er neben der politischen "auch eine gewisse Leere im gesamtjugoslawischen Gefühl" (MEIER 1999:203). Er hatte es durch ein kompliziert ausgeklügeltes System, mit taktischem Geschick und Hilfe seiner Persönlichkeit erreicht, alle Südslawen in einem Staat zu vereinen und seine kommunistische Partei als Klammer fungieren zu lassen. Er hatte erreicht, dass die nationalistischen Strömungen in den einzelnen Republiken schwach blieben und nicht zur Gefahr für den Zusammenhalt wurden. Tagelange Trauerfeierlichkeiten folgten seinem Tod. Niemand hätte bei diesen Feierlichkeiten, bei denen alle Völker Jugoslawiens trauerten vermutet, dass sie sich elf Jahre später im Bürgerkrieg gegenüber stehen würde.

Eine weitere Chance, Jugoslawien wirtschaftlich zu reformieren und zu demokratisieren, wurde nach Titos Tod vertan. Anstatt in diese Richtung zu agieren, setzten Titos Nachfolger auf Härte, verhafteten führende Persönlichkeiten und dämmten die Rufe nach Demokratie gewaltsam ein. Ein großes Problem waren dabei die verschiedenen politischen Ausrichtungen der Republiken. Die südlichen Republiken waren traditionell reformscheu, während Slowenien und Kroatien eine Modernisierung und Veränderung des Systems und der Wirtschaft anstrebten. Angedacht wurde von Slowenien und Kroatien eine auf souveränen Staaten beruhende Föderation, welche nur durch eine gemeinsame Währung, Verteidigungs- und Außenpolitik verbunden ist. Die serbische Regierung lehnte dies a.

Im ´Jugoslawien nach Tito´ nutzten zunehmend viele Politiker die schlechte wirtschaftliche Situation und Unzufriedenheit der Bevölkerung aus, um durch nationalistische Propaganda eine Richtung einzuschlagen, die von Jugoslawien weg führt.

"1985 betrug die Auslandsverschuldung 21,5% des Bruttoinlandsprodukts, bei einer Inflationsrate von 70% (International Herald Tribune, 20.02.1980). Dazu kam eine gewaltige Arbeitslosigkeit und eine hohe Gastarbeiterquote." (JäGER 2001:371).

In vielem gab man die Schuld dem Vielvölkerstaat und war der Meinung, es in der eigenen Nation besser machen zu könne.

Ante Markovi , der letzte jugoslawische Regierungschef kam 1988, nach heutiger Sicht viel zu spät an die Macht. Obwohl viele Menschen sowohl im In- als auch im Ausland den kroatischen Politiker als große Hoffnung für Jugoslawien sahen, konnte er das Land nicht mehr retten. Er trat für den Erhalt Gesamtjugoslawiens ein, leitete Reformen in Politik und Wirtschaft ein und warnte vor Nationalismus und Separatismus. Er sah in den fortschreitenden separatistischen Bewegungen die Gefahr, Jugoslawien "zu einem Faktor der Balkanisierung Europas machen, anstatt zu einem aktiven Faktor der Europäisierung des Balkans" (Süddeutsche Zeitung 16.11.1990 nach WIMMER 1991:109). Am 20.09.1991 trat Markovi zurück. Zum zweiten Mal in der Geschichte war das jugoslawische Zusammengehörigkeitsgefühl nicht stark genug, jedoch kam der Anstoß diesmal weitgehend von inne.

Der Bund der Kommunisten (BdKJ), die regierende Partei Jugoslawiens, teilte sich 1990 nach einem Streit in zwei Lager und brach auseinander. Die daraufhin folgenden Wahlen brachten weitreichende Veränderungen in den einzelnen Republiken mit sich. In Slowenien wurde im April eine DEMOS Mehrheit unter Milan Ku an gewählt, im Mai in Kroatien die Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ) unter Präsident Franjo Tu man, in Bosnien-Herzegovina im November ein Präsidium mit sieben Mitgliedern unter dem Vorstand von Alija Izetbegovi und in Serbien die Sozialistische Partei Serbiens (SPS)46 unter Präsident Slobodan Miloševi.

Am 23.12.1990 stimmten im Volksentscheid zur Zukunft Sloweniens 88,5% für eine Trennung von Jugoslawien (Vgl. WIMMER 1991:114). Die beschlossen Referenden zur Zukunft Jugoslawiens aller Republiken scheiterten in Serbien47. Die Regierungen Bosnien-Herzegovinas und Makedoniens waren für einen Staatenbund, jedoch auf jeden Fall innerhalb Jugoslawiens. Die Unabhängigkeit Kroatiens von Jugoslawien wurde dagegen von der Mehrheit der Kroaten (94%), unter Boykott der serbischen Bevölkerung Kroatiens in einem Referendum befürwortet (Vgl. JÄGER 2001:381). Die Präsidenten Serbiens und Kroatiens, Miloševi und Tu man sollen am 25.03.1991 in Kara or evo über einen serbisch-kroatischen Ausgleich verhandelt haben. Hauptgegenstand der Verhandlungen soll die Teilung Bosnien-Herzegovinas gewesen sein, wobei Miloševi bereit war, auf die serbische Krajina zu verzichten, im Ausgleich dafür serbische und muslimische Gebiete Bosnien-Herzegovinas erhalten sollte (Vgl. WEITHMANN 2000:498f.

Im Folgenden wird auf die drei betrachteten Republiken im Einzelnen eingegange.

Bosnien-Herzegovi.

In Bosnien-Herzegovina gab es vor 1991 kaum ethnische Konflikte, obwohl gerade in dieser Republik viele Nationalitäten lebten, keine jedoch in der absoluten Mehrheit war. Jahrhunderte langes Zusammenleben unter verschieden Herrschaften, der Schock des II. Weltkrieges und Jugoslawiens vereinheitlichender Kommunismus verhinderten diese. "In den Institutionen regierte auf allen Ebenen die ethnische Proporz, überdeckt von der Macht der kommunistischen Partei." (JÄGER 2001:123). Gegensätze waren vereinzelt bemerkbar, jedoch nicht betont und führten nicht zu Feindseligkeiten. Ein bedeutsamer Unterschied war jedoch zwischen der Stadt- und Landbevölkerung zu verzeichnen. Da die Menschen auf dem Land eher in ethnisch homogenen Dörfern lebten und wenig Kontakt zu anderen Völkergruppen hatten, konnte sich dort kein "inter - ethnisches Gemeinschaftsgefühl" (JÄGER 2001:123) bilden. Das frühere Nebeneinander in den Städten wurde jedoch durch ein multikulturelles Miteinander ersetzt. Die Mehrheit der Bevölkerung Bosnien-Herzegovinas verfügte sogar noch nach Ausbruch der Kriegshandlungen über ein übergeordnetes Bosniengefühl und wollte den Erhalt des von Toleranz geprägten Zusammenlebens (Vgl. JÄGER 2001:125). Nach Umfragen wünschte 1990 die Mehrheit der Bosnier den Erhalt Jugoslawiens. Dies stellt nach JÄGER (2001:125) ein typisches Verhalten von ethnisch gemischten Gebieten dar, in welchen keine der Volksgruppen über eine absolute Mehrheit verfügte. In den Wochen vor Kriegsausbruch fanden wiederholt Demonstrationen vor dem Parlament in Sarajevo statt, welche den Erhalt der multikulturellen Einheit Bosnien-Herzegovinas forderten. Auch als die ersten Schüsse schon gefallen waren und Nationalisten begonnen hatten, Barrikaden um ´ihre Stadtteile´ zu bauen, demonstrierten zehntausende Jugoslawen für ein Zusammenleben der Völker in ihrer Stadt Sarajevo und für die Integrität Bosniens und räumten die Barrikaden wieder weg. Sie dachten, nach HOFBAUER (2001:46), die Zerschlagung in nationale Einheiten würde sich in ihrer multikulturellen Stadt nicht durchsetzen lassen. Die Radikalisierung und Aufhetzung der Bevölkerung dauerte in Bosnien-Herzegovina somit verhältnismäßig lange im Vergleich zu den anderen Republike.

Kroati.

Seit 1945 stauten sich nationalistische und separatistische Gedanken in Kroatien an, die jedoch bis in die 70er Jahre immer wieder mit dem nicht offiziellen Argument der Kollektivschuld und dem Beispiel des Ustaša Staates unterdrückt wurden. Sie machten sich im ´kroatischen Frühling´ 1971 Luft, welcher bis zur Reaktion auf das unverhohlene Vormachtsstreben Serbiens ab Mitte der 80er Jahre zu einem ´politische Vakuum´ führte. Nationalistische Hauptargumente waren die wirtschaftliche Ausbeutung Kroatiens48 zugunsten von Belgrad und den südlichen Landesteilen, die eigentliche Zugehörigkeit der Herzegovina zu Kroatien, die Infragestellung der Autonomierechte der serbischen Minderheit in Kroatien und mündete unweigerlich in der Forderung nach einem kroatischen Nationalstaat. Als Problem bestand jedoch: "Verlässt Kroatien Jugoslawien, lässt es circa 1 Million Kroaten in Bosnien-Herzegovina zurück" (WIMMER 1991:113.

Freie Wahlen in Kroatien brachten 1990 F. Tu man, Vorsitzender der konservativ -nationalistischen Sammelbewegung ´Kroatische Demokratische Gemeinschaft´ (HDZ) an die Macht. Tu man sprach sich offiziell für einen Verbleib Kroatiens in einer jugoslawischen Konföderation aus, schlug jedoch einen eindeutig separatistischen Kurs ein und schürte den kroatischen Nationalismus. Noch vor der Unabhängigkeitserklärung wurde die kroatische Republikverfassung in entscheidenden Punkten geändert. Der offizielle Name der Republik wurde von ´Staat der Kroaten und der in Kroatien lebenden Serben´ zu ´Staat der Kroaten und anderer Völker´ geändert. Dies hob den gleichberechtigten Status der serbischen und kroatischen Bevölkerung auf und deklarierte die Serben als Minderheit in Kroatien. Änderungsvorschläge zur Verfassung, wie z.B. die Bestimmung, die kyrillische Schrift nur noch da verwenden zu dürfen, wo mehr als die Hälfte der Einwohner sie benutzen (Vgl. WIMMER 1991:88), trugen nicht gerade zur Entschärfung der Situation be.

Serbi.

Im wiedererwachten Nationalismus vor allem ab Mitte der 80er Jahre sahen sich die serbischen Nationalisten als Verlierer der jugoslawischen Idee. Die Serbische Akademie der Wissenschaften49 verfasste 1986 ein offiziell nie veröffentlichtes Memorandum mit der These, Serbien sei in den 45 Jahren Jugoslawiens der Hauptverlierer gewesen und dem Fazit, aus dem sich abzeichnenden Zerfall Jugoslawiens müssten deutliche Vorteile für Serbien entstehen. Titos föderalistische Politik wurde als antiserbisch bezeichnet50, die Aufteilung Serbiens in zwei zusätzliche autonome Gebiete und die Bevorzugung Kroatiens wurden als Hauptargumente genutzt. In ihren Augen ging die Gründung der Föderation auf Kosten Serbiens (keine bevölkerungszahlgemäße Repräsentation und Führungsrolle), wobei sie verdrängten, dass die hohen Positionen sowohl in der politischen Führung, wie auch in der Armee und der Polizei meist von Serben besetzt waren. Dieser Vorwurf, gepaart mit der über die Jahre hinweg mystifizierter Geschichte und den Erzählungen über das großserbische Reich und Kosovo Polje, führte schließlich zur Radikalisierung der öffentlichen Meinung. Ermöglicht wurde dies vor allem durch inzwischen gleichgeschaltete Medien und machte es Miloševi leicht, das serbische Volk von seiner ´eigentlichen, jedoch zu kurz gekommenen Überlegenheit´ zu überzeugen. Die Angst um die eigene Existenz, gepaart mit der Vorstellung, in der Geschichte immer zu kurz gekommen zu sein, war eine brisante und gefährliche Mischung. Die wiederholte Betonung dieser beiden Traumata schaffte es Ende der 80er Jahre, ein "gemeinsames Wir - Gefühl" (WIMMER 1991:93) aller Serben in Abgrenzung zu den anderen jugoslawischen Völkern zu erwecken. Möglich gemacht wurde diese einflussreiche Manipulation durch eine unglaubliche Inflationsrate und der damit verbundenen schlechten wirtschaftlichen Situation und Unzufriedenheit der Bevölkerung. Am 28.06.1989, zur 600-Jahrfeier des Vidovdan ließ sich Miloševi in Kosovo Polje, dem Ort der folgenreichen Schlacht gegen die Osmanen, mit großer Show feiern und verkündete, wenn auch indirekt, die Abkehr vom jugoslawischen zu Gunsten des nationalen, serbischen Gedankens seiner Partei und Politi.

1.4 Der Zerfall Jugoslawiens ab 1991

Zum 15.05.1991 sollte Stipe Mesi51 aus Kroatien den jährlich rotierenden Vorsitz im Staatspräsidium übernehmen, erhielt jedoch keine Mehrheit im Präsidium, da Serbien, Montenegro, Kosovo und Vojvodina gegen ihn stimmten52. Jugoslawien, das zu dieser Zeit politische Einheit gebraucht hätte um die Krisensituationen zu bewältigen, steckte ohne politische Führung, inmitten einer Verfassungskrise. Da das Staatpräsidium unter dem jeweiligen Vorsitzenden die Macht über die Armee innehatte, war die Situation besonders gefährlich, einige sprachen von politischem Selbstmord. Erst im Juli konnte Stipe Mesi Vorstand des Staatspräsidiums werde.

Mit den Unabhängigkeitserklärungen Sloweniens und Kroatiens am 25.06.1991, die noch im selben Monat von der jugoslawischen Regierung zurückgewiesen wurden, brach der jugoslawische Bürgerkrieg aus. Die jugoslawische Armee (JNA) rückte ohne Schießbefehl in Slowenien ein, sie sollte Slowenien nur einschüchtern und die jugoslawischen Außengrenzen wieder einnehmen. Nachdem sich die JNA bereits im Juli auf Beschluss des Staatspräsidiums aus Slowenien zurückgezogen hatte, beschränkte sich der Krieg auf Kroatien. Durch Provokation und Aufstand der serbischen Bevölkerung, vor allem in der Krajina, entzündete sich der Bürgerkrieg sehr schnell. Trat die JNA bis September 1991 noch als schlichtendes Element für ganz Jugoslawien auf, war sie jedoch bald parteiisch. "Die Führung der JNA korrigierte ihren ´Jugoslawismus´ dahin, den Schutz aller Serben außerhalb Serbiens zu übernehmen" (JÄGER 2001:386.

Die Situation am 26. Juni 1991 beschreibt HOFBAUER (2001:11,35) folgendermaße.

"Während von Zagreb bis Split und vom Triglav bis Istrien neugeschneiderte Fahnen wehen [ … ], geht Belgrad emotionslos dem Ende eines schwülen Wochentages entgegen. Keine Demonstrationen in den Strassen, keine serbischen oder jugoslawischen Symbole an den Häuserfassaden"

"Seit dem Wahlsieg der ´ Kroatischen Demokratischen Union ´ (HDZ) im April 1990 lag Zagreb im nationalen Taumel. [ … ] Poster des Usta š a Führers Ante Pavli lachten einem in Geschäften und Wirtsstuben entgegen, auf Anstecknadeln prangte die Schachbrettfahne der faschistischen 40er Jahre."

Der Anerkennung Sloweniens und Kroatiens durch die EG auf Druck Deutschlands53 gingen viele Warnungen voraus. So warnte UN Generalsekretär Javier Perez de Cuell.

Deutschland vor einer Anerkennung Kroatiens, da sonst "ein dramatischer Kampf um jugoslawische Territorien ausbrechen" würde. (Vgl. HOFBAUER 2001:32). 1991 gab es für die internationale Gemeinschaft54 laut HATSCHIKJAN (2001:19ff) drei Optione.

"a) Vorrang des Prinzips der staatlichen Souveränität und der territorialen Integrität
b) Vorrang des Prinzips der Selbstbestimmung
c) pragmatische Mischung aus Diplomatie, Druck durch koordinierte Aktion der internationalen Organisationen sowie Geduld und hartnäckigem Bestehen auf Verhandlungen"

Im Idealfall wäre die dritte Option gewählt worden, offiziell wurde keine der beiden anderen Möglichkeiten bevorzugt, um eine Kettenreaktion zu vermeide.

"Statt dessen wurde in der Realität und vor allem an den wichtigsten Wendepunkten 55 die Selbstbestimmungsoption bevorzugt, auch wenn dies offiziell nie erklärt, manchmal sogar geleugnet wurde." (H ATSCHIKJAN 2001:19ff)

Aber auch dieses Prinzip wurde, vielfach bedingt durch Uneinigkeit innerhalb der EG, nicht konsequent angewand.

Im März 1992 folgte die Unabhängigkeitserklärung Bosnien-Herzegovinas. Das bosnische Referendum, das Bosnien-Herzegovina als Einheitsstaat erhalten wollte, wurde von den bosnischen Serben boykottiert56, welche im Gegenzug eine bosnisch -serbische Republik unter Führung Radovan Kara i s in Pale ausriefen. Der Anerkennung Bosnien-Herzegovinas durch die EG in April 1992 folgte die Ausweitung des jugoslawischen Krieges auf Bosnien-Herzegovina. Die Ziele der einzelnen Parteien in Bosnien-Herzegovina lassen sich nach STEINDORFF (2001:220) wie folgt zusammenfasse.

Serbien strebte die Abtrennung einer möglichst großen homogen bevölkerten Republika Srpska an. Eventuell mit folgendem Anschluss an Serbien oder an Rest - Jugoslawien unter Zusammenschluss mit der serbischen Krajina. Kroaten setzten sich für den Anschluss der kroatisch bevölkerten Teile an Kroatien oder - da eine Aufteilung in drei Gebiete die Vertreibung der Kroaten österreichische Berichterstattung im Sommer 1991 nicht verbergen [..] gab es mehrseitigen, oft serienmäßig aufgemachten Nachhilfeunterricht in antijugoslawischer bzw. antiserbischer Geschichte." (HOFBAUER 2001:12) (durch Homogenisierung) aus Mittelbosnien zur Folge gehabt hätte - den Erhalt des Gesamtstaates Bosnien-Herzegovina ei.

Bosnijaken erklärten sich für den Erhalt des Gesamtstaates unter gemischt nationaler bosnischer Identität, tendierten jedoch immer mehr dazu, "sich selbst als Mehrheits-, und Staatsnation zu verstehen und Kroaten und Serben als Minderheiten zu betrachten.

Vor Ausbruch des Krieges war Bosnien-Herzegovina "ethnisch bunt durcheinander gewürfelt" (JÄGER 2001:130). Eine klare Aufteilung des Landes auf ethnischer Grundlage war unmöglich ohne hunderttausende Bosnier umzusiedeln57. Zum zweiten Mal in der Geschichte58 fanden jedoch in dem Jahrhunderte lang von Toleranz geprägten Bosnien-Herzegovina, die schlimmsten und erbittertsten Kämpfe der Region statt (Vgl. JÄGER 2001:130f). Identifikation mit der Religion war bei Serben und Kroaten traditionell vorhanden und manifestierte sich in vielen kirchlichen Tagen und Festlichkeiten. Bei den Bosnijaken war der direkte Bezug zur Religion zwar etwas schwächer, aber deren Alltag war dennoch sehr stark von islamitischen Traditionen gepräg.

Die serbische Regierung unter Miloševi distanzierte sich offiziell von der politischen und militärischen Führung der Republika Srpska, unterstützte sie jedoch logistisch und ideologisch. Sowohl Belgrad als auch Zagreb wurden durch die internationale Gemeinschaft erst spät gezwungen, ihre Unterstützung der Kriegsparteien in Bosnien-Herzegovina offen zuzugeben und die Verantwortung für diese zu übernehmen. 1992 wurde ein militärisches Interventionsverbot, verbunden mit einem Waffenembargo für Bosnien-Herzegovina erlassen. Die Weltmächte59 konnten sich, wie schon im kroatisch - serbischen Krieg auf kein einheitliches Konzept für Bosnien einigen. Endlose Jugoslawien Verhandlungen, Resolutionen, Ultimaten und verschiedene Einzelaktionen führten dazu, dass 70% Bosnien-Herzegovinas unter serbischer Militärkontrolle standen. Das 1992 verhängte Handels-, Öl-, und Luftfahrtsembargo der UNO über Restjugoslawien, der Ausschluss der SRJ60 aus der Weltgemeinschaft61 und das "totale Embargo" ab Ende 1992 erfüllten ihre Zwecke nicht. Als eine Folge der Unentschlossenheit eskalierten die Spannungen zwischen den "pro forma Verbündeten" (WEITHMANN 2000:513) Bosnijaken und bosnischen Kroaten, was in der Vertreibung der Muslime aus der selbsternannten bosnisch - kroatischen Republik ´Herceg-Bosna´ endete. Somit gingen Serben und Kroaten gegen die Muslime vor, was wiederum zur Vertreibung von Nicht-Muslimen in bosnijakisch dominierten Gebieten führte. Der Krieg im Krieg; alle gegen alle war ´perfekt´. Vor allem in der Stadt Mostar62, in der viele Bosnijaken im Ostteil der Stadt eingekesselt starben und die alte, weltberühmte Hairuddin Brücke über die Neretva bei einem kroatischen Angriff zerstört63 wurde, eskalierte der muslimisch - kroatische Konflik.

Der nach dem Vance Plan beschlossene UNPROFOR Einsatz, die Stationierung von UN Truppen in der Krajina und Slawonien wurde bis 1995 immer wieder jährlich verlängert und auch der Waffenstillstand hielt weitgehend. 1995 wurde das UN- Mandat für die Krajina durch Ablehnung Kroatiens aufgekündigt, was zur Rückeroberung der Krajina durch Kroatien führte. Im Mai besetzte Kroatien Westslawonien in einer Blitzaktion und im August in einer weiteren, "spektakulären Operation" (WEITHMANN 2000:507) innerhalb einer Woche die Krajina. In Verbindung gebracht wurden diese Erfolge mit der heimlichen Unterstützung Kroatiens durch die USA (Vgl. WEITHMANN 2000:508), die bewaffnete Bevölkerung leistete kaum Widerstan.

"Der kroatische Vorstoßlöst die gr öß te Massenflucht im jugoslawischen Krieg aus, fast die gesamte Bevölkerung flieht in den Raum Banja Luka und weiter nach Serbien" (W EITHMANN 2000:508).

Zeitgleich mit dem kroatischen Vordringen in der Krajina rückte die bosnische Regierungsarmee in den letzten Kriegstagen gemeinsam mit der kroatischen Armee immer weiter in Westbosnien vor, was durch den Waffenstillstand64 erst kurz vor Banja Luka gestoppt wurde. Die USA begann gleichzeitig eine "Pendeldiplomatie" (WEITHMANN 2000:518) zwischen den Führungen in Sarajevo, Belgrad und Zagreb, begleitet von Luftangriffen der US - Air Force und NATO gegen Stellungen der serbischen Bosnier. Die Operation ´Deliberate Force´ wurde zum ersten ´out-of-area´ Einsatz der NATO. Am 21.11.1995 wurde der Präliminarfriede von Dayton/Ohio von Vertretern der Kriegsparteien65 unter US amerikanischer Regie ausgehandelt, welcher dann zum Friedensvertrag von Paris im Dezember führte. Beschlossen wurden schließlich der Waffenstillstand und die Erhaltung der gesamtstaatlichen Einheit Bosnien-Herzegovina mit Teilung in zwei Einheiten: Die Muslimisch-Kroatische Föderation und die Republika Srpska im Verhältnis 51% zu 49.

"Die innere Widersprüchlichkeit dieser Konstruktion liegt auf der Hand. Sie wird durch den mühsam verdeckten Gegensatz innerhalb der Muslimisch - Kroatischen Föderation noch verschärft" (WEITHMANN 2000:519).

´Zum Frieden gebombt´, so rechtfertigten Teile der Weltöffentlichkeit den NATO Einsatz, die Wirkungen sind unübersehbar, Frieden ist daraus jedoch immer noch nicht geworden. Die Absicherung zur Einhaltung des Waffenstillstandes wurde durch IFOR Truppen (Peace - Implementation Force), zusammengesetzt aus NATO Partnern und Russland unter US Kommando, gewährleistet, welche überall in Bosnien-Herzegovina stationiert wurden. "Dies kommt faktisch einer militärischen Besetzung des Landes gleich" (WEITHMANN 2000:519). Die IFOR wurde 1996 von der SFOR (Stabilisation Force) ersetz.

1.5 Die jugoslawischen Nachfolgestaaten

Offiziell fünf jugoslawische Nachfolgestaaten (Slowenien, Kroatien, Serbien und Montenegro, Bosnien-Herzegovina und Makedonien) entstanden nach der Auflösung Jugoslawiens. In der Realität ähnelte die Staatenstruktur in Südosteuropa "einem chaotisch sortierten Gemischtwarenladen: zwei NATO - Protektorate, das eine davon ein Staat auf dem Papier (Bosnien und Herzegovina), der zwei staatsähnliche Gebilde (die Bosniakisch - kroatische Föderation und die Republika Srpska) beherbergt, das andere (Kosovo) eine de jure zu Jugoslawien und Serbien gehörende Entität, derenüberwältigende Bevölkerungsmehrheit die Unabhängigkeit wünscht; ein Torso von Föderation (Jugoslawien), aus dem nicht nur das Kosovo, sondern auch die politische Führung und ein Teil der Bevölkerung Montenegros hinausstreben; zwei Staaten (Albanien vor allem, aber auch Kroatien), die den außerhalb ihrer Grenzen lebenden Ko-Nationalen besondere Aufmerksamkeit widmen; ein Staat (Makedonien), der infolge der fast vollständigen Trennung zwischen slawischen und albanischen Makedoniern immer noch ein Staat ohne Gewähr ist. [..] Aus der vorher eherüberstrukturierten Region ist ein ungeordnetes Jedermanns- und Niemandsland geworden." (H ATSCHIKJAN 2001:21).

Heute bestehen sechs offizielle Nachfolgestaaten, da 2006 Serbien und Montenegro den Staatenbund lösten und zu eigenständigen Staaten wurden66

Bosnien-Herzegovi.

In Bosnien-Herzegovina leben heute rund 4,6 Millionen Menschen, davon 40% Muslime, 31% Orthodoxe, 15% Katholiken und 14% anderer Konfession. Als Landessprachen gelten Bosnisch, Kroatisch und Serbisch, mit lateinischem und kyrillischem Alphabet (Vgl. CIA 1a 2010). Der staatliche Nationalfeiertag ist offiziell der 25. November67. Dieser und weitere Feiertage werden jedoch in den Regionen unterschiedlich angenommen, was zu einer uneinheitlichen Feiertagsregelung im Lande führ.

"Vor 1992 war Bosnien - Herzegovina eine Vielvölkerregion gewesen, zwar kein harmonisches ´ multikulturelles ´ Miteinander, aber doch ein multiethnisches, sich respektierendes Nebeneinander. 1996 erblicken wir dagegen eine ganz andere ethnische Aufteilung: Ein in einheitliche muslimische, kroatische wie serbische Großräume zerteiltes Land. Es ist nur schwer vorstellbar, welche Bevölkerungsbewegungen zu diesem Ergebnis geführt haben und unter welchen furchtbaren Umständen sie vor sich gegangen sind. [ … ] Ein geregeltes Verhältnis der beteiligten Volksgruppen zueinander wird in der nächsten Generation wohl nicht zustande kommen" (W EITHMANN 2000:520).

In den muslimischen Gebieten ist eine starke Islamisierung der Bevölkerung zu bemerken, die früher nebensächliche Religionsausübung wird zum nationalen Symbol. Muslimische Symbole wie Kopftücher, Halbmonde und grüne Fahnen sind überall deutlich sichtbar aufgetaucht. Bosnijaken waren seit Generationen gewohnt ihre Religion ohne die im arabischen Raum gängigen Verbote auszuüben, wodurch viele gegen die Einführung strengerer Regeln protestierten. In Sarajevo wurden die meisten Straßenschilder neu aufgestellt, in grüner Farbe und teilweise mit neuen, aus der osmanischen Geschichte entnommenen Namen (Vgl. WEITHMANN 2000:547). Bosnien-Herzegovina ist somit der erste, zumindest teilweise islamische Staat in Europ.

Immer noch fehlen verlässliche Daten, wie viele Menschen getötet wurden oder aufgrund von Flucht und Vertreibung ihre Heimat verlassen mussten. Die UN spricht von 200.000 Kriegsopfern und Vermissten (Vgl. WEITHMANN 2000:544) und 30.000 vergewaltigten Frauen von 1992 bis 1995 in Bosnien-Herzegovina. Es wird davon ausgegangen, dass fast drei Viertel der Bevölkerung ihre Heimat verlassen mussten, die Hälfte davon ist innerhalb Bosniens (displaced people) und die andere Hälfte ins Ausland (refugees) geflohen. Weiterhin gibt es eine große Anzahl Vermisster und vor allem die Zuordnung nach Nationen erweist sich als beinahe unmöglich. Das Fehlen offizieller Zahlen und Berichte konnte natürlich von diversen Strömungen zur übertriebenen Darstellung genutzt werden. Nach LUBBERS (2004)68 sind bis 2004 ungefähr eine Million (etwa 45%) bosnische Bürgerkriegsflüchtlinge in ihre Heimat zurückgekehrt. 350.000 leben noch mit ungesichertem Status und unter ungeklärten Lebensbedingungen in Kroatien, 100.000 in Serbien und Montenegro und 50.000 in anderen europäischen Länder.

Die in Dayton festgelegte Rückkehrmöglichkeit aller Vertriebenen, welche zu Recht als Grundlage einer erneuerten multiethnisch friedlichen Gesellschaft verstanden wird, erweist sich immer noch als schwer durchsetzbar, in manchen Gegenden sogar als unmöglich. Dazu kommt die schwindende Bereitschaft der Flüchtlinge zur Rückkehr, bedingt durch Integration in den Gastländern und besserer ökonomischer Aussichten, vor allem jedoch durch die ungewisse Durchsetzung des Dayton Abkommens. Viele Menschen, die anfangs sobald wie möglich in ihre Heimat zurück wollten, hatten Angst vor einem erneuerten Aufleben des Krieges und wollten in ihre eigenen Häuser, jedoch nicht in andere Teile Bosniens zurückkehren. Die Rückführung in die jeweilige Heimat als Minderheit jedoch ist sehr schwierig und konnte bis heute nur in geringer Zahl durchgesetzt werden. Der Dayton Beschluss, Auslandsflüchtlinge nur in ihre Heimat und nicht in andere Gebiete innerhalb Bosnien-Herzegovina zurückzusenden, führte dazu, dass heute noch viele Bosnier im Ausland lebe.

Bosnien-Herzegovina ist nach der im Friedensabkommen von Dayton69 verankerten Verfassung ein demokratischer Bundesstaat, bestehend aus zwei starken Entitäten: Der Föderation von Bosnien und Herzegovina (bosnijakisch-kroatisch)70 und der Republika Srpska (serbisch), sowie einem international verwalteten Distrikt (Br ko) nach dem Leitmotiv: ´getrennt, aber nicht geteilt´. In Wirklichkeit ist das Gebiet in drei Territorien aufgeteilt, weitgehend ethnisch getrennt nach Bosnijaken, Kroaten und Serben. Die Bewegungsfreiheit im ganzen Land, sowie die Bildung gesamtbosnischer Organe sind noch nicht vollständig realisiert. Der Bundesstaat hat relativ wenig Bevollmächtigung, so ist er beispielsweise für die Außenpolitik und den Außenhandel, die Zoll- und Währungspolitik, Migrationsfragen, internationale Strafverfolgung, Telekommunikation und Luftverkehrshoheit zuständig, während die meisten anderen Bereiche Sache der Entitäten sind. Auf der Tagung des Implementierungsrates in Brüssel 2000 "wurde hervorgehoben, dass die Angleichung der Gesetzte und Institutionen der beiden Entitäten nicht mehr genüge. Vielmehr müsse das extrem dezentralisierte Dayton -Modell - ungefähr 80% der politischen Entscheidungen fallen auf der Ebene der Entitäten - durch eine wirksame Staatsebene ergänzt werden, […]. Die Bürger müssen sich mit ihrem Staat, und nicht bloß mit ihren Entitäten identifizieren." (JÄGER 2001:600). IN I71 verglich Bosnien-Herzegovina 1998 mit "siamesischen Zwillingen, die zusammen laufen müssen, aber meistens jedoch getrennte Wege gehen wollen[..]. Manche lebenswichtige Organe besitzen sie aber nur zusammen" ( IN I 1998:8f). Es mangelt an positiver Integrationskraft, an dem Willen zum Zusammenwachsen. Als Staat kann es weder zusammenwachsen noch sich trennen, da Bosnien-Herzegovina so konzipiert ist, dass daraus keine zwei überlebensfähigen Staaten werden könnten72

"Bosniens komplizierte, kaumüberschaubare staatliche Struktur ist die direkte Konsequenz des Dayton-Abkommens; des Versuchs, einen Staat am Leben zu erhalten, den ein wesentlicher Teil der Bevölkerung damals gar nicht mehr wollte, namentlich die extremen Nationalisten unter den Serben und Kroaten" (GTZ 2002).

Auch heute noch richten sich kroatische Bosnier vielfach nach Westmostar oder Zagreb und serbische Bosnier nach Belgrad, anstatt nach Sarajevo (Vgl. WIENER ZEITUNG 2004). Der Staat, wie auch die beiden Entitäten, haben eigene legislative und exekutive Institutionen und Verfassungen. Auf staatlicher Ebene besteht ein Staatspräsidium, zusammengesetzt aus jeweils einem Vertreter der muslimischen, kroatischen und serbischen Bosnier unter rotierendem Vorsitz und einem Zweikammerparlament, bestehend aus Abgeordnetenhaus (Predstavni ki Dom) und Völkerkammer (Dom Naroda) (Vgl. AUSWÄRTIGES AMT 1 2004 und CIA 1 2004). 2008 wurde das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union abgeschlosse.

Die 1994 gegründete Föderation Bosnien-Herzegovina mit Hauptverwaltung in Sarajevo ist in 10 Kantone73 strukturiert. Die Interessen der Bosnijaken und Kroaten in der Föderation sind jedoch sehr unterschiedlic.

"Während die Bosniaken in der Föderation einen konstitutiven Teil des multiethnischen Gesamtstaates Bosnien und Herzegowina sehen, in den auch die bosnischen Serben integriert werden sollen (und in dem die Bosniaken von ihrer Zahl her eine dominierende Rolle spielen würden), sehen die bosnischen Kroaten als kleinste Volksgruppe in Bosnien und Herzegowina in der Föderation die Möglichkeit, einen relativ starken Einfluss auszuüben und die Interessen ihrer Ethnie durchzusetzen." (A USWäRTIGES A MT 1 2004).

Dies zeigte sich auch in der Diskussion um die Verfassungsänderung zur Gleichberechtigung aller Volksgruppen 2002 und in der Ablösung der multiethnischen SDP74 durch die nationalistischen Parteien SDA und HDZ in der Regierun.

Die Föderation ist nur wenig fortgeschrittener als die Republika Srpska, in welcher sich die ´alten´, nationalistischen Anhänger Miloševi s und Karadži s in Pale und die ´neuen´ reformorientierteren Kräfte in Banja Luka um die Führung streiten. In allen Teilen Bosnien-Herzegovinas regieren Kriminalität und Korruption. Hohe Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit prägen die Gesellschaft. Norbert Feldhofer75 beschrieb 2002 die wirtschaftliche Situation Bosnien-Herzegovina.

"Nachdem die im Krieg zerstörte Infrastruktur gr öß tenteils wieder aufgebaut sei, gehe die Umwandlung zu einer modernen Marktwirtschaft zwar nur langsam voran, aber stetig. Die Währung, die Preise und das Wachstum seien stabil. Ungelöst blieben hingegen das Handelsbilanzdefizit, die extrem hohe Arbeitslosigkeit, der große Anteil des schwarzen und grauen Marktes und die weit verbreitete Korruption." (zitiert nach GTZ 2002).

Solange die Situation in Bosnien-Herzegovina, vornehmlich die Arbeitslosigkeit nicht verbessert und die Strukturreform nicht durchgeführt wird, nutzen nationalistische Parteien diesen Vorteil. Die Innenpolitik Bosnien-Herzegovinas wird noch weitgehend von der Staatsbildung selbst und der strukturellen Zusammensetzung, der Frage der Kompetenzen und Reformen, bestimmt. Dies lässt sich auch an der Verfassung erkennen, in welcher im ersten Abschnitt die Staatlichkeit Bosnien-Herzegovina behandelt und somit hervorgehoben wird. Die Verfassung ist zudem sehr von dem vergangenen Krieg geprägt, so werden zum Beispiel die Menschenrechte und persönlichen Freiheiten im zweiten Abschnitt sehr ausführlich formuliert und die Grundvorrausetzungen in der Präambel hervorgehobe.

"Based on respect for human dignity, liberty, and equality, Dedicated to peace, justice, tolerance, and reconciliation, Convinced that democratic governmental institutions and fair procedures best produce peaceful relations within a pluralist society, Desiring to promote the general welfare and economic growth through the protection of private property and the promotion of a market economy, Guided by the Purposes and Principles of the Charter of the United Nations, Committed to the sovereignty, territorial integrity, and political independence of Bosnia and Herzegovina in accordance with international law, Determined to ensure full respect for international humanitarian law [...]" (Verfassung Bosnien-Herzegovina 1995: Präambel. Aus: C ONSTITUTIONAL C OURT B I H 2004)

Kroati.

Kroatien hat sein Primärziel, die volle staatliche Souveränität, erreicht und international abgesichert. "Es ist höchst fraglich, ob Kroatien seine Unabhängigkeit und seine heutige internationale Stellung erreicht hätte, wenn sich die serbische Gegenseite bei der Durchsetzung ihrer Forderungen friedlicher Mittel bedient hätte!" (WEITHMANN 2000:525). Kroatien konnte sich durch die anfängliche Übermacht des serbischen Militärs "weltweit als unschuldiges Opfer eines militärisch weit überlegenen Gegners darstellen" (WEITHMANN 2000:525) und gewann den internationalen Medienkrieg. Durch diese Vorteile konnte Kroatien 1995 auch relativ unbehelligt die unter serbischer Kontrolle stehenden Gebiete Kroatiens zurück erobern und die ansässige Bevölkerung vertreiben. Durch diese Vertreibung der "dort ansässigen Serben ist Kroatien ein fast einheitlicher Nationalstaat geworden", was bedeutende Auswirkungen auf Kroatien und die Identifizierung der Kroaten mit ihrem Staat hatte (Vgl. WEITHMANN 2000:525). Dieses internationale Ansehen verspielte Kroatien jedoch teilweise in Bosnien-Herzegovina, wo die Ziele Kroatiens ("Eroberung Zentralbosniens und die Vertreibung der dortigen Muslime und die Kontrolle über ganz Mostar") (WEITHMANN) nicht erreicht wurden. Kroaten und kroatische Bosnier hatten, bedingt durch die Jahrhunderte lange geschichtliche und kulturelle Trennung, bis Kriegsausbruch zudem wenig gemeinsam. In Kroatien musste die ´brüderliche´ Verbindung erst durch propagandistische Maßnahmen hervorgerufen werden, wurden doch die Bosnier insgesamt als rückständiger und unkultivierter angesehe.

Die bis dahin stagnierende Demokratisierung Kroatiens, geprägt von mangelnder Unabhängigkeit der Medien und autokratischem Regieren Tu mans, fing nach dem Tod Tu mans 2000 unter dem neuen, liberal konservativen Präsidenten Stipe Mesi in vollem Umfang an. Tu man hatte den Nationalismus geschürt, um von eigentlichen Problemen abzulenken und sich seine Macht durch Zusammenschluss des Volkes zu sichern. Die kroatischen Ambitionen, schnell der EU beizutreten, wurden vorerst durch die Verweigerung der Umsetzung bestimmter Dayton Vereinbarungen76 zunichte gemacht. Mesi77 ist sich der westlichen Unterstützung sicher und sprach sich von Anfang an gegen Nationalismus aus. Zur Gedenkfeier des Todestages Tu mans 2000 wurden von Mesi sowohl dessen Verdienste zur Unabhängigkeit Kroatiens gelobt, gleichzeitig aber auch dessen Europa- und Bosnienpolitik kritisiert. Dies stieß in weiten Teilen der Bevölkerung auf Proteste, da Tu man als Nationalheld verehrt wird. Dies ist auch eines der elementaren Probleme Kroatiens; die nationale Identität ist eng verbunden mit den ´Volkshelden des Befreiungskrieges´, von denen jedoch viele von der internationalen Gemeinschaft in Den Haag angeklagt sind. Um die Integration nach Westen voranzutreiben wurde und wird verzweifelt versucht, das kollektive Bewusstsein der Bevölkerung von individueller Schuld abzutrenne.

Heute leben rund 4,44 Millionen Menschen in Kroatien, davon sind 90% Kroaten; 4,5% Serben; sowie anderer Nationalität. Dementsprechend gehören 90 % der römisch- katholischen, 4% der serbisch-orthodoxen und 1% islamischen Kirche an. Der Nationalfeiertag ist der 25. Juni, der Tag der Unabhängigkeitserklärung (Vgl. AUSWÄRTIGES AMT 2 2004.

"Kroatien ist seit der Verfassungsreform Ende 2000/Anfang 2001 eine stabile parlamentarische Demokratie" (AUSWÄRTIGES AMT 2 2004.

Die 2000/2001 überarbeitete Verfassung Kroatiens von 1990 beginnt mit historischer Begründung78 Kroatiens, gefolgt von grundlegenden Bedingungen, grundlegenden Menschen- und Bürgerfreiheiten und -rechten und weiterem. Nach der Verfassung "[…] konstituiert sich die Republik Kroatien als Nationalstaat des kroatischen Volkes und als Staat der Angehörigen anderer Völker und Minderheiten: Serben, Tschechen, Slowaken, Italiener, Ungarn, Juden, Deutschen, Österreichern, Ukrainern, Ruthenen und anderer, die seine Staatsbürger sind" (VERFASSUNGEN 2004). Artikel 10 nimmt deutlichen Bezug auf die kroatische Diaspora: "Die Republik Kroatien schützt die Rechte und Interessen ihrer Staatsbürger, die im Ausland leben oder sich dort aufhalten, und unterstützt ihre Verbindung zur Heimat. Den Teilen des kroatischen Volkes in anderen Staaten wird von der Republik Kroatien besondere Sorgfalt und Schutz gewährleistet" (VERFASSUNGEN 2004.

Die Regierung sah und sieht sich noch mit gewaltigen Problemen konfrontiert (u.a. Arbeitslosigkeit, 2000 - 20%, Ankurbeln der Wirtschaft79, Verfassungsänderung -weniger Macht an Staatspräsidenten), hat jedoch schon beachtliche Fortschritte erzielt. So hat sie sich klar für den Erhalt Bosnien-Herzegovina als Einheit ausgesprochen u.

[...]


1 Meist wird über Identität in der Diaspora im Zusammenhang mit der Integration in Deutschland und Identitätsproblemen der zweiten Generation geschriebe.

2 Als erster römisch-katholischer Herrscher Südosteurop.

3 Päpstlich katholisches Königreich (Regnum Dalmatiae et Chroatiae) mit Annexion Slawoniens und Teilen Dalmatiens sowie Bosnie.

4 Die natürlichen Begebenheiten Bosniens, die Berge und die damit verbundene schlechte Infrastruktur förderten diese Entwicklu.

5 Zur Veränderung der politischen Ordnung und der sozialen Strukturen durch die Osmanen gehörte die Einteilung des Landes in Paschaluks, Kadiluks und Sandscha.

6 Zur detaillierten Auflistung siehe Anhang A, Tabelle .

7 Serben und Bosnier mit Hilfe der Bulgaren und Alban.

8 Der Mythos entstand um Zar Lazar, dem am Tag vor der Schlacht der Prophet Elias in Gestalt ein. Falken erschien. Dieser stellte ihn vor die Wahl: Entweder gewinne er die Schlacht und erobere damit ein Königreich auf Erden oder er verliere und erlange damit einen Platz im Himmel für sich und sein Volk. Er entschied sich für den Himmel, was dazu führte, dass die Serben sich seit dem Vidovdan als ´himmlisches Volk´ betracht.

9 in allen anderen südslawischen Teilen unter osmanischer Herrschaft maximal 10% (Vgl. WEITHMANN 2000:13.

10 Diese Gebiete wurden von Zivilkroatien getrennt verwaltet und unterstanden in ihrem gesamten Bestehen dem Habsburger Reic.

11 Kosovo-Metojia, auch KosMet. Im Verlauf dieser Arbeit wird die modernere, gängige Kurzform Kosovo verwende.

12 "X. The peoples of Austria-Hungary, whose place among the nations we wish to see safeguarded a. assured, should be accorded the freest opportunity to autonomous development. XI. Rumania, Serbia, and Montenegro should be evacuated; occupied territories restored; Serbia accorded free and secure access to the sea; and the relations of the several Balkan states to one another determined by friendly counsel along historically established lines of allegiance and nationality; and international guarantees of the political and economic independence and territorial integrity of the several Balkan states should be entered into" (BRIGHAM YOUNG UNIVERSITY 1999.

13 Dies lässt sich am Beispiel der Analphabetenrate 1921 darstellen: SHS - 51%, Slowenien 8%, Makedonien über 80% (Vgl. WEIHTMANN 2000:37.

14 Die Kommunistische Partei (KPJ) wurde noch 1921 verboten und agierte danach im Untergrund und mit russischer Unterstützu.

15 Am 28. Juni beschlosse.

16 Gründungsdatum: 14.01.19.

17 So war es zum Beispiel im von Deutschland besetzten Teil Sloweniens verboten, slowenisch zu spreche.

18 Die Ustaša (Aufständische), eine 1929 gegründete radikale kroatische Bewegung unter Ante Pave.

wirkte gegen die von Serbien dominierte Königsdiktatur, hatte jedoch bis 1941 keine breite Unterstützung der Bevölkeru.

19 Ungefähr 700.000, vor allem in Bosnien - Herzegovin.

20 eta = bewaffnete Ban.

21 Serbien, Bosnien, Banat, Ba ka, Montenegro, Mazedonien, Herzegovi.

22 Kommunistische Partei Jugoslawie.

23 Im Folgenden wird Tito, in Anlehnung an die offizielle Verwendung, oft als Namensbezeichnung für Josip Broz verwende.

24 Wurde Volksfeiertag im zweiten Jugoslawie.

25 Slowenien z.B. aus Angst von Österreich oder Italien ´verschluckt´ zu werden (Vgl. WIMMER 1991:78.

26 1963 erhielt Jugoslawien seinen endgültigen Namen: Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (SFRJ.

27 Enger Kampfgefährte Titos, später schärfster Kritiker seines Regim.

28 Als Beispiel hierfür könnte der Bau der Autobahn der Brüderlichkeit und Freiheit, des ´Autoput´ genannte werde.

29 Slowene: Edvard Kardelj, Serbe: Aleksandar Rankovic, Montenegriner: Milovan Djilas, jüdische Serbe: Moše Pijade, Kroate: Andrija Hebra.

30 1878, 1913, 19.

31 Außenpolitische Konflikte in: Makedonien, Kosovo, Istrien; Innenpolitische im Kosovo und Teilen Kroatie.

32 Die erste von vier Verfassungen Jugoslawiens (1946, 1953, 1963, 197.

33 Makedonien wurde nicht nur eigenständige Republik, ihr wurde auch erstmalig in der Geschichte eine Nationalität zugebilligt. Die makedonische Schrift und Sprache wurden als eigenständig, und nicht wie vorher als Dialekt, als südslawisch beschrieben und eine Nationalgeschichte konstruier.

34 Moslem im Sinne von Nationalität erstmalig 1971 möglich. Siehe Kapitel.

35 Serbien mit Vojvodina und Koso.

36 Im Zuge der Föderalisierung vergrößerte sich damit der Einfluss der Republik.

37 Dieser wurde 1953 zu Gunsten eines Produzentenrates aufgelöst, womit der föderative Charakter der Verfassung geschwächt wur.

38 Der Ausschluss wurde von Stalin auf den 28.Juni gelegt, den Vidovda.

39 Hauptakteure waren Marko Nikezi , Latinka Pero.

40 Regierte relativ liberal, ließ jedoch den Nationalismus in der serbischen Führung erstark.

41 ´Aufräumaktion Titos unter aufrührerischen Elemente.

42 Den Anstoß der Bewegung lieferte die "Deklaration über die Bezeichnung und Stellung der kroatischen Literatursprache" von 1967, welche die Existenz der serbokroatischen Sprache aufkündigte und die Wiedereinführung der kroatischen Sprache forder.

43 Vor allem durch die Unterscheidung des Sprache vereinfac.

44 Im Wesentlichen das Werk von Edvard Kardel.

45 Brüderlichkeit (nach innen) und Einheit (nach außen.

46 Miloševi gründete 1990 die SPS als zumindest vermögensrechtlicher Nachfolger der kommunistischen Partei Serbiens (BdK) und wurde Parteivorsitzend.

47 Miloševi distanzierte sich davon mit der Begründung, dass für Serbien der Fortbestand Jugoslawiens ohnehin klar wär.

48 Vorwiegend durch den Adria Tourismu.

49 Bestehend aus renommierten serbischen Geisteswissenschaftle.

50 Serbische Nationalisten benutzten den Namen Josip Broz anstelle von Tito, um dessen kroatische Abstammung deutlich zu machen (Vgl. WEITHMANN 2000. S. 451.

51 Heute Präsident Kroatie.

52 Laut Verfassung war es jedoch alleinige Sache der stellenden Nation den Vorsitz zu bestimm.

53 Die Balkanpolitik Deutschlands wird in dieser Arbeit nur gestreift, exemplarisch gilt jedoch dieses sehr ausdrucksstarke Zitat: "Revanchegedanken für zwei verlorene Kriege konnte die deutsche un.

54 Auf die Rolle der internationalen Gemeinschaft auf dem Balkan kann hier nicht ausreichend eingegangen werden. Die USA, Frankreich und Großbritannien hielten jedoch lange an dem Glauben an einem Zusammenhalt fest, während sich Deutschland und Österreich immer deutlicher für eine Abtrennung Kroatiens und Sloweniens aussprach.

55 Anerkennung von Slowenien und Kroatien, Anerkennung von Bosnien und Herzegovina, Luftkrieg gegen Jugoslawien wegen Koso.

56 63% Wahlbeteiligung (Vgl. JÄGER 2001:448.

57 Von den 109 bosnischen Gemeinden waren 52 mehrheitlich bosnijakisch, 37 mehrheitlich serbisch u.

20 mehrheitlich kroatisch bewohnt. Absolute Mehrheit einer Bevölkerungsgruppe war jedoch selten (Vgl. JÄGER 2001:13.

58 Nach dem II. Weltkri.

59 Alle Großmächte, die auf dem Balkan mitgemischt haben, nutzten die nationalen Unterschiede für sich und verstärkten sie. "Divide et Impera!", das alte römische Konzept, traf auf die gesamte Politik der Großmächte bis heute zu. "Kontrolle durch Festigung der gegenseitigen Feindschaften" (WEITHMANN 2000:40.

60 Savezna Republika Jugoslavija (Bundesrepublik Jugoslawien kurz: SRJ) April 1992 durch Serbien und Montenegro gegründet, 1996 von der EU anerkannt und 2003 in Serbien und Montenegro umbenan.

61 Mit Resolution 777 das erste Mal in Geschichte der U.

62 Mostar, Ende Oktober 1992 von ca, 35% Kroaten und 35% Bosnijaken bewohnt (JÄGER 2001:137), wurde 1994 unter EU Verwaltung gestellt. Die Stadt ist heute noch zweigeteilt, Kommunikation nur bedingt möglic.

63 Im Juli 2004 wurde die stari most (alte Brücke) feierlich wiedereröffn.

64 13.10.19.

65 Izetbegovi für Bosnien, Tu man für Kroatien, Miloševi für Serbien und die bosnische ´Serbische Republik.

66 Aufgrund der weiterhin ungeklärten Situation, zählt Kosovo zum jetzigen Zeitpunkt nicht als souveräner Staat.

67 Konstituierung der Volksrepublik Bosnien - Herzegovina als Teilrepublik Jugoslawiens 19.

68 UN High Commissioner for Refugee.

69 1995: Annex.

70 In der Föderation leben rund 68% der Bevölkerung und sie macht 51% Bosnien - Herzegovinas aus (AUSWÄRTIGES AMT 1 2004.

71 Ministerpräsident Serbi.

72 Ein Beispiel für die Zerstrittenheit der Regierung Bosnien-Herzegovinas war die Entsendung v. Botschaftern. Erst 1997 konnte eine Einigung erzielt werden: Bosnijaken stellen so 13 Botschafter (u.a. HR, GB, AUT), Serben 11 (u.a. USA, Rus, UNO, SLO, GR) und Kroaten 9 (BRD, SERBIEN UND MONTENEGRO, I). (Vgl. JÄGER 200:55.

73 5 mehrheitlich bosnijakisch, 2 mehrheitlich kroatisch, 3 gemischt (Vgl. AUSWÄRTIGES AMT 1 2004.

74 SDP - Sozialdemokratische Partei Bosnien und Herzegovin.

75 Wirtschaftsberater im Büro des Hochkommissars, der obersten zivilen internationalen Institution zur Umsetzung des Friedensabkommens von Dayto.

76 Unter anderem die Rückkehr serbischer Flüchtlinge, mangelnde Zusammenarbeit mit Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, das mehrere hochrangige Kroaten angeklagt hat.

77 Bekannt aus hohen Ämtern im sozialistischen Jugoslawien (letzter Vorsitzender des Präsidiums.

78 "Die tausendjährige nationale Eigenständigkeit und das staatliche Bestehen des kroatischen Volkes zum Ausdruck bringend, bestätigt durch eine Reihe von historischen Ereignissen in verschiedenen Staatsformen, sowie durch die Aufrechterhaltung und die Entwicklung der staatsbildenden Idee des historischen Rechts des kroatischen Volkes auf volle staatliche Souveränität, das sich äußerte… " (VERFASSUNGEN 2004, .

79 1990 gingen nach HOFBAUER (2001:251) 40% aller kroatischen Produkte nach Serbien und 30% in andere jugoslawische Teilrepubliken. Dies führte nach 1991 zu einem unglaublichen Absatzmarktdefizit, die Industrie verlor 50% ihres Wertes und ist heute ein sehr geringer Anteil des Bruttoinlandsproduktes.

Ende der Leseprobe aus 215 Seiten

Details

Titel
Die Südslawen und ihre Identität(en) - Eine Untersuchung in Deutschland lebender Bosnier, Kroaten und Serben
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Autor
Jahr
2010
Seiten
215
Katalognummer
V41229
ISBN (eBook)
9783638395298
ISBN (Buch)
9783640717354
Dateigröße
1457 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Abschlussarbeit aus dem Jahr 2004, die nochmals erweitert und aktualisiert wurde. Stand der Arbeit ist 2010.
Schlagworte
Südslawen, Identität(en), Eine, Untersuchung, Deutschland, Bosnier, Kroaten, Serben
Arbeit zitieren
Katja Kukolj (Autor), 2010, Die Südslawen und ihre Identität(en) - Eine Untersuchung in Deutschland lebender Bosnier, Kroaten und Serben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41229

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