Die Familienaufstellung als Methoden der Selbsterfahrung


Hausarbeit, 2017

17 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Selbsterfahrung im Überblick

2. Methodik, Ablauf und Inhalt des Familienste liens
2.1 Methodik, Ablauf und Inhalt des Familienstellens durch freie Anbieter auf dem Markt
2.2 Methodik, Ablauf und Inhalt des Familienstellens nach Hellinger
2.2.1 Grundlegende Annahmen zur Begründung der Familienaufstellung nach Hellinger
2.2.2 Konkrete Abläufe der Familienaufstellung nach Hellinger

3. Kritische Auseinandersetzung mit der Familienaufstellung nach Hellinger
3.1 Kritik an der Methodik
3.2 Ethische Vertretbarkeit der Methodik

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Selbsterfahrung spielt sowohl in der Therapie, als auch in der psychologischen bzw. therapeutischen Ausbildung eine wichtige Rolle, da im Rahmen der professionellen Ausbildung das Verständnis für die emotionalen Zustände und Verhaltensweisen des Klienten geschult und im therapeutischen Setting besser verstanden werden sollen. Für den Selbsterfahrenden ergibt sich durch entsprechende Übungen die Fähigkeit, eigene spezifische Verhaltensmuster zu erkennen und über sich selbst zu lernen. Die Selbsterfahrung wird unter anderem als „[...] ein Vorgang, in dem ein Mensch seine soziale Identität feststelh“ (Schuch, 1977, zitiert nach Stangl, 2016) beschrieben.

Selbsterfahrung wird jedoch nicht ausschließlich im therapeutischen Setting praktiziert; auch öffentliche Selbsterfahrungsgruppen, etwa in Form von gebührenpflichtigen Kursen, werden angeboten und haben zumeist zum Ziel, die Introspektionsfahigkeit zu schulen und den Umgang mit schwierigen Alltagssituationen zu erleichtern, da typische Verhaltensmuster aufgedeckt werden sollen.

Neben den aufgeführten Wirkungsfeldem der Selbsterfahrung bestehen auch fragwürdigere Methoden, mit denen sich im Folgenden intensiv auseinander gesetzt werden soll, um eine kritische Betrachtung zu ermöglichen. Ziel ist die umfassende Analyse frei zugänglicher Selbsterfahrungsmethoden, deren Vorzüge und etwaige Gefahren für den Hilfesuchenden kritisch evaluiert werden sollen.

1. Selbsterfahrung im Überblick

Die Aspekte, Wirksamkeit und Anwendung von Selbsterfahrung bzw. Selbsterkenntnis ist mitnichten ein neuzeitliches Wirkungsfeld. Schon im frühen Griechenland fand die Lehre der Selbsterkenntnis Anwendung und Publikation, jedoch bezogen sich damalige Erkenntnisse zumeist auf die der eigenen ΐ Invollkommenheit und Sterblichkeit (Brüderl, Riessen & Zens, 2015). Im Verlauf der griechischen Geschichte erhielt die Selbsterfahrung im Platonismus eine zuversichtlichere Blickweise, etwa durch „die Besinnung auf den inneren Kern seiner selbst und [...] eine Einsicht in individuelle Entwicklungsmöglichkeiten“ ( Brüderl et ab, ร. 7).

Unsere heutigen Erkenntnisse stützen sich auf die damaligen und verknüpfen die Bereiche Selbsterkenntnis und -entwicklung, um so ein umfassendes Bewusstsein die eigenen Fähigkeiten und Defizite betreffend zu schaffen und die Arbeit der Selbsterfahrung ebenso auf Bereiche der eigenen Dysfünktionalität und Verletzlichkeit der Selbstanteile auszubreiten.

Ziel der modernen Selbsterfahrung ist es demnach, der Entwicklung des Selbst Stabilität zu lehren, die Weiterentwicklung zu schulen und „zu einer Steigerung der kognitiven, emotionalen und sozialen Kompetenzen eines Menschen“ (Brüderl et ah, ร. 7) beizutragen. Brüderl, Riessen und Zens stellen in ihrem Werk außerdem fest, dass der Kenntnisgewinn die eigene Person betreffend es dem Individuum schließlich ermöglicht, Einfluss auf intrapsychische Prozesse wie Gedanken, Bewertungsabläufe und Emotionen zu nehmen. Des weiteren betrachten die Autoren den Prozess der Selbsterfahrung jedoch nicht als einen zeitlich begrenzten oder einmalig stattfindenden Erfahrungsvorgang sondern viel mehr als lebenslangen Ablauf, den es immer wieder zu aktualisieren gilt.

Selbsterfahrungsmethoden finden in vielen Bereichen der psychologischen bzw. therapeutischen Arbeit Anwendung, etwa während einer systemischen Beratung in Form von Coaching, in der Gestalt- oder dem klassischen Setting der Verhaltenstherapie. Ziel ist es jedoch immer, dem Klienten Unterstützung in der persönlichen Entwicklung zu bieten und Kompetenzen zu erarbeiten.

Neben therapeutisch und psychologisch entwickelten und in der Praxis als positiv erfahrenen Selbsterfahrungsmethoden konnten sich im zeitlichen Verlauf der Entstehung und Anwendung ebenso fragwürdigere und vordergründig eher profitorientiert wirkende Methoden auf dem Markt etablieren, etwa die weit verbreitete Methodik der Familienaufstellung nach Bert Helling er, die in Fachkreisen starker Kritik ausgesetzt ist und deren Folgen für Klienten weitreichend sein können. Im Folgenden soll intensiv auf Inhalte, Ziele, Umsetzung und Kritik des Systems der Familienaufstellung nach Hellinger eingegangen und möglichst allumfassend betrachtet werden, um ein hinreichendes Verständnis zu schaffen und mögliche Kritikaspekte zu evaluieren.

2. Methodik, Ablauf und Inhalt des Familienstellens

Der Familienaufstellung liegt unter Anderem das Wirkprinzip der Problemaktualisierung nach Grawe zugrunde, in dessen Verlauf durch familiäre Umstände wie Erziehungsmuster erlernte Handlungsweisen erneut evaluiert, erlebt und gegebenenfalls bearbeitet und aktualisiert werden sollen, wobei das angestrebte Ziel die Entstehung neuer Bewältigungsmethoden für den Klienten darstellt (Langlotz-Weis, 2003).

Grawe nahm an, „dass zuvor prozessual aktiviert werden muss, was verändert werden soll“ (Broda & Senf 2012, ร. 35). Diese Annahme beinhaltet weiter, dass der Klient die als Problem betrachtete Situation möglichst real empfinden sollte, um eine Aktualisierung zu begünstigen. So bieten sich neben dem System der Familienaufstellung auch Therapieprozesse im Gruppen- oder Paarsetting an, aber auch die Bearbeitung von Ängsten oder Zwängen lässt sich durch diese Methode, etwa durch das Besuchen angstbehafteter Orte, realisieren und für den Klienten greifbarer erscheinen.

Laut Dr. Langlotz-Weis wird die Arbeit mit dem System der Familienaufstellung grundsätzlich als weitgreifend und von enormer Bedeutung gesehen, da im Verlauf der Problemaktualisierung kritische emotionale Prozesse bearbeitet werden, etwa die der Trauer (-bewältigung) oder angstbehaftete Themenbereiche, deren Bewältigung und Verarbeitung ohne therapeutische Unterstützung massiv erschwert werden kann oder ganz ausbleibt.

Die Familienaufstellung unterstützt den Klienten dabei, konflikt- oder angstbehaftete Situationen sichtbar und greifbar werden zu lassen und so eine Betrachtung von außen zu ermöglichen, aufgrund dessen im Verlauf eine Bearbeitung der Themen und eine Aktivierung von Ressourcen stattfinden kann.

Ein weiterer Vorteil der Familienaufstellung ist das Sichtbarmachen aller im System Beteiligten, so auch Familienmitglieder, die möglicherweise bisher als unwichtig oder nebensächlich betrachtet wurden oder zunächst nicht in der Problemwahmehmung des Klienten erschienen.

Da Familienaufstellungen im therapeutischen Rahmen vor allem in der systemischen Therapie eingesetzt werden, muss währenddessen auf die Einhaltung von bestimmten Bedingungen geachtet werden, um die Wirksamkeit zu gewährleisten und eine Gefährdung auszuschließen.

Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft tur Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e.v. erwähnt in einer Stellungnahme bezüglich der Thematik der Familienaufstellung 2003, dass eine Aufstellung dann genutzt und angeboten werden kann, wenn „systemische Grundprinzipien gewahrt bleiben“, etwa die Neutralität des Therapeuten gegenüber seiner Klienten oder die Distanzierung von Aufstellungen in großen Gruppen, die den „Publikumseffekt“ zum Ziel haben.

2.1 Methodik, Ablauf und Inhalt des Familienstellens durch freie Anbieter auf dem Markt

Die klassische Familienaufstellung findet in den meisten Fällen im Gruppensetting statt, möglich ist allerdings auch eine Aufstellung im Einzelsetting, wobei hier Familienmitglieder imaginär und beispielsweise in Form von leeren Stühlen dargestellt werden.

Zunächst wird das Anliegen des Klienten formuliert, um dann anschließend zu evaluieren, welche Familienmitglieder zur Aufstellung benötigt werden. Diese Personen werden auf andere Teilnehmer des Gruppensettings aufgeteilt und durch den betreffenden Klienten nach seinen Vorstellungen und intuitiv im Raum aufgestellt. Diejenigen Mitglieder, die den Part der jeweiligen Familienmitglieder übernehmen, sollen ทนท spüren, welche Empfindungen in der aktuellen Situation und hinsichtlich der eingenommenen Rolle eines Familienmitglieds des Klienten dominieren.

Einige Familienaufsteller sprechen hierbei von dem sogenannten „phänomenologischen oder morphogenetischen Feld“, das Erklärungsansätze für etwaige Empfindungen der aufgestellten, die Rolle eines für sie zumeist unbekannten Familienmitglieds übernehmenden, Teilnehmer eines Gruppensettings liefern soll. Laut den Familienaufstellem Susanne Bangert und Siegfried Bangert (2017) empfinden Teilnehmer, die eine bestimmte Rolle einnehmen, therapierelevante Emotionen oder Spannungen, die auf die jeweils eingenonmiene Rolle zutrifft. Ein wissenschaftlicher Beleg für die Existenz des erwähnten Felds bleibt dabei aus.

Diese Empfindungen können laut Bangert und Bangert so weit führen, als dass Zu­oder Abneigungen verschiedenen anderen Rollen bzw. Familienmitgliedern gegenüber wahrgenommen werden können, ohne je einen Bezug zu diesen gehabt zu haben.

Diese emotionalen oder körperlichen Empfindungen sollen im Verlauf der Aufstellung eine Eigendynamik begünstigen, die während des Prozesses Lösungsansätze, das entsprechende Anliegen oder Problem betreffend, bieten soll. Abschließend steht es dem Klienten frei, selbst Teil der Aufstellung zu werden und mögliche Fragen zu äußern.

Die hier aufgeführte Methodik der Familienaufstellung findet Anwendung in der Behandlung durch Bangert und Bangert, ihres Zeichens Familienaufsteller, deren Ausbildung keinerlei therapeutischen oder psychologischen Hintergrund aufweist. Ein spirituell-schamanischer Interessensbereich wird erwähnt, jedoch folgen keinerlei weitere Ausbildungsbelege.

2.2 Methodik, Ablauf und Inhalt des Familienstellens nach Hellinger

Bert Hellinger, der Begründer der Selbsterfahrungsmethode des Familienstellens nach Hellinger, studierte Philosophie, Theologie und Pädagogik und im Verlauf seines beruflichen Werdegangs später ebenfalls die Gruppendynamiken des südafrikanischen Stamms der Zulu, wo er über 16 Jahre hinweg als Mitglied eines katholischen Missionsordens arbeitete. Es folgten verschiedenste Ausbildungen in den Bereichen der Transaktionsanalyse, Hypnotherapie nach Erickson und neurolinguistisches Programmieren, bis er schließlich seine umstrittene Methode des Familienstellens entwickelte. Bis dato fährt Hellinger die stetig weiterentwickelte Methode gemeinsam mit seiner Frau durch und nennt diese auf seiner Homepage mittlerweile „Cosmic Power Familienstellen“.

Laut Hellinger selbst findet die von ihm entwickelte Methode des Familienstellens Anwendung in zahlreichen Bereichen, etwa „In der Psychotherapie, in der Organisations- und บทtemehmensberatung, in der Medizin, in der Lebens- und Erziehungsberatung und in der Seelsorge im weitesten Sinn.“, wie er weiter auf seiner Intemetpräsenz beschreibt, wobei für die hier aufgelisteten Bereiche jegliche Nachweise ausbleiben.

Hellinger gibt in einer selbst verfassten Erklärung über den Zweck der Methodik zu Protokoll, dass ein Erlernen des Familienstellens nicht möglich sei, jedoch „unsere Vorstellung von „richtig“ und „falsch“ zu verlernen“ (Hellinger Sciencia GmbH &Co. KG. Was ist Familienstellen?'). Das alleinige Ziel des Familienstellens sei demnach, in Übereinstimmung mit dem Klienten eine Familie (oder System, Organisation) aufzustellen, die völlig frei von Wünschen, Wertung und Zielen geschehen soll.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Familienaufstellung als Methoden der Selbsterfahrung
Veranstaltung
Methoden der Selbsterfahrung
Note
2,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V412358
ISBN (eBook)
9783668636026
ISBN (Buch)
9783668636033
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbsterfahrung, Methoden, Familienaufstellung, Psychologie, Hellinger
Arbeit zitieren
Helen Kohm (Autor), 2017, Die Familienaufstellung als Methoden der Selbsterfahrung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412358

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