Ein Kofferwort, oder auch Kontamination genannt, ist eine Zusammenziehung von morphologisch überlappenden Wörtern, die formal und/oder inhaltlich verwandt sind. Aus den Worten Britain und Exit wurde das Wort "Brexit".
Mit dem möglichen Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone gab es mit dem "Grexit" bereits 2009 einen äquivalenten Begriff. Griechenland ist weiterhin in der Europäischen Union und der Grexit wurde nie zur Realität.
Beim Brexit, dem Ausscheiden von Großbritannien aus der Europäischen Union, sieht es jedoch anders aus. Einen Präzedenzfall, worin ein EU-Mitglied aus der Union ausgetreten ist, gibt es bis dato noch nicht. In vielen Bereichen herrscht deshalb eine große Unsicherheit, da man sich auf keine Erfahrungswerte und Praktiken beziehen kann. In der folgenden Diplomarbeit werden zum einen die Kosten und zum anderen die Nutzenfaktoren des Brexit aus Sicht der Europäischen Union erläutert. Die Analyse basiert auf Prognosen von Ökonomen, Zeitungsartikeln und statistischen Werten von Forschungsinstituten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
2. Kosten aus der Sicht der Europäischen Union
2.1. Handelseinbußen
2.2. Investitionseinbußen
2.3. Kosten reduzierte Faktorwanderung - Migration
2.4. Ausfall eines wichtigen Beitragszahlers
2.5. Wegfall der britischen Stimme in EU-Gremien
3. Nutzen aus der Sicht der Europäischen Union
3.1. Handelsgewinne für andere EU-Mitglieder
3.2. Finanzplatz Frankfurt am Main gewinnt
3.3. Beschäftigungszuwachs im Finanzsektor
3.4. Europa wächst zusammen
3.5. Wegfall des Bremsers Großbritannien im EU-Gremium
4. Ausblick
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexits explizit aus der Perspektive der Europäischen Union. Ziel ist es, ein differenziertes Bild der zu erwartenden Kosten und Nutzen zu zeichnen, um die ökonomischen Folgen für die verbleibenden Mitgliedsstaaten sowie die EU als Ganzes wissenschaftlich fundiert zu analysieren.
- Analyse der ökonomischen Kosten (Handels-, Investitions- und Budgeteffekte)
- Untersuchung der potenziellen Standortvorteile für Finanzzentren der EU
- Bewertung der Auswirkungen auf die zukünftige Integrations- und Reformfähigkeit der EU
- Diskussion der migrationspolitischen Folgen für den europäischen Arbeitsmarkt
- Betrachtung der verschobenen machtpolitischen Konstellationen innerhalb der EU-Gremien
Auszug aus dem Buch
2.1. Handelseinbußen
Ein Blick auf die Handelsstatistik zeigt, dass die Europäische Union der wichtigste Handelspartner von Großbritannien ist. Doch auch das Vereinigte Königreich ist von enormer Bedeutung für die EU (Eurostat, 2016). Viele Unternehmen aus Übersee nutzen Großbritannien als Standort für ihr Europageschäft, sodass sich der Großraum Londons über die Jahre zum Dienstleistungszentrum für Europa entwickelt hat.
Im Jahr 2015 waren über 42 % der britischen Exporte von Waren- und Dienstleistungen für das europäische Festland bestimmt. Bei den Importen kamen sogar über die Hälfte aus den europäischen Mitgliedsstaaten auf die britische Insel (Capuano, 2017). Großbritannien erwirtschaftet insgesamt 17,5 % der Wirtschaftsleistung der EU, die restlichen 82,5 % entfallen auf die anderen 27 Mitglieder der Union (Anhang 1). Außerhalb der Eurozone ist Großbritannien für die EU-Länder der drittwichtigste Handelspartner hinter den Vereinigten Staaten von Amerika und China (Issuer Guide Eurozone, 2016). Durch das Referendum und den bevorstehen Austritt aus der EU könnte sich die Handelsbeziehung zwischen Großbritannien und der Europäischen Union jedoch deutlich verschlechtern.
Um weiterhin von besonderen Privilegien profitieren zu können, müssen die EU und Großbritannien einen „weichen Brexit“ anstreben. Bei diesem Ausstieg würde das Vereinigte Königreich einen ähnlichen Status wie Norwegen, Island oder Liechtenstein erlangen. Zwar würden weiterhin nicht tarifäre Handelshemmnisse bestehen, jedoch fallen auf Im- und Exporte keine zusätzlichen Zölle an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Vorstellung des Brexit-Phänomens vor dem Hintergrund der EU-Verträge und Beschreibung der Unsicherheit über die zukünftigen Handelsbeziehungen.
2. Kosten aus der Sicht der Europäischen Union: Detaillierte Analyse der negativen Folgen, insbesondere durch Handelseinbußen, Investitionsrückgänge und den Wegfall eines bedeutenden Beitragszahlers zum EU-Haushalt.
3. Nutzen aus der Sicht der Europäischen Union: Betrachtung der Chancen für die EU, wie die Stärkung eigener Finanzplätze und eine mögliche Vereinfachung des EU-Entscheidungsprozesses durch das Ausscheiden eines politisch blockierenden Mitglieds.
4. Ausblick: Diskussion der Szenarien für die Austrittsverhandlungen und die notwendige strategische Neuausrichtung der EU zur Sicherung ihrer Zukunftsfähigkeit.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Brexit-Folgen mit der Empfehlung an die EU, trotz der Herausforderungen enger zusammenzurücken und Strukturreformen entschlossen anzugehen.
Schlüsselwörter
Brexit, Europäische Union, Handelspolitik, Binnenmarkt, Finanzplatz Frankfurt, EU-Haushalt, Migration, Investitionen, Standortwettbewerb, Freihandelsabkommen, Wirtschaftsintegration, EU-Gremien, Wirtschaftspolitik, Protektionismus, Nettozahler.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ökonomischen Folgen des britischen Austritts aus der Europäischen Union unter besonderer Berücksichtigung der Sichtweise der verbleibenden Mitgliedsstaaten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Handelsstatistik, den Investitionsströmen, den fiskalischen Auswirkungen auf das EU-Budget, den migrationspolitischen Folgen sowie den Veränderungen innerhalb der politischen Gremien der EU.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Kosten-Nutzen-Relation des Brexits für die EU zu beleuchten und mögliche Auswirkungen auf die zukünftige Stabilität und den Zusammenhalt der Union zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse aktueller ökonomischer Prognosen, statistischer Daten von Forschungsinstituten und offiziellen Quellen sowie einer Auswertung relevanter Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden systematisch die Kostenfaktoren (Handel, Investitionen, Migration, Budget) den möglichen Nutzenfaktoren (Stärkung der Finanzplätze auf dem Kontinent, Reformfähigkeit der EU) gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Brexit, EU-Binnenmarkt, Handelsbeziehungen, Finanzsektor, EU-Budget, Standortvorteile und politische Integration.
Welche Rolle spielt der Finanzplatz Frankfurt im Kontext der Arbeit?
Frankfurt wird als einer der wesentlichen Gewinner des Brexits identifiziert, da Banken aufgrund des drohenden Verlusts des EU-Passes ihre Standorte für EU-Geschäfte vom Finanzplatz London auf das europäische Festland verlagern müssen.
Wie bewertet der Autor die Auswirkungen auf den EU-Haushalt?
Der Autor konstatiert eine signifikante Finanzierungslücke durch den Wegfall Großbritanniens als Nettozahler und diskutiert die Notwendigkeit einer Kombination aus Ausgabenkürzungen und erhöhten Beiträgen der verbleibenden Mitgliedsstaaten.
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- Christoph Ilg (Author), 2017, Der Brexit. Kosten und Nutzen aus der Sicht der Europäischen Union, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412446