Ökonomische Effekte von Nahrungsmittelhilfe


Seminararbeit, 2002

14 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Nahrungsmittelhilfe - Definition und Arten
2.1 Möglichkeiten der Beschaffung von NMH
2.2 Art der Verwendung von NMH
2.3 Geber- und Empfänger-Verhältnis

3 Entwicklung der NMH und ihre Bedeutung in der Entwicklungshilfe

4 Effekte von NMH
4.1 Wirkungen auf den Handel und die Importe
4.2 Wirkungen auf die Produktion und die Preise im Empfängerland

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Der Einfluss von Nahrungsmittelhilfe auf Nahrungsmittelimporte

Abbildung 2: „Normale“ Preisreaktion auf dem Nahrungsmittelmarkt

1 Einleitung

Nahrungsmittelhilfe ist ein Thema, was schon oftmals diskutiert wurde. Ich möchte im Folgenden definieren was Nahrungsmittelhilfe ist, welche Arten es gibt und wie sich die Nahrungsmittelhilfe im Zeitablauf entwickelt hat. Im Hauptteil werde ich dann die verschiedenen positiven und negativen Aspekte von Nahrungsmittelhilfe erläutern und auf einige mögliche ökonomische Effekte von Nahrungsmittelhilfe näher eingehen. Anstatt Nahrungsmittelhilfe werde ich im weiteren die Abkürzung NMH verwenden.

2 Nahrungsmittehilfe – Definition und Arten

Irrtümlicherweise wird oft angenommen, dass NMH mit der kostenlosen Verteilung von Nahrungsmitteln an einen notleidenden Personenkreis gleichzusetzen ist, jedoch gilt als NMH jeder Transfer von Nahrungsmitteln von einem Geber- zu einem Empfängerland, der eine Schenkung darstellt oder zu günstigeren als den üblichen Handelsbedingungen erfolgt (Prinz, C., 1994, S. 7). Diese Definition wurde festgelegt nachdem, man aufgrund der Schwierigkeit der Abgrenzung von Vorzugs- und Nicht-Vorzugsgeschäften eine pragmatische Lösung gesucht hat. Zunächst identifizierte man alle Arten von Geschäften. Von den 20 Transaktionsmöglichkeiten, die von Schenkungen bis zu den Geschäften reichen, die den internationalen Handelsgebräuchen entsprechen, wurden schließlich 13 als NMH definiert. (Prinz, C., 1994, S.7)

Um die Vielzahl von Einsatz- und Beschaffungsmöglichkeiten von NMH zu beschreiben, kann man nach Art der Beschaffung, Art der Verwendung und nach dem Geber-Empfänger-Verhältnis differenzieren. (Prinz, C., 1994, S.19)

2.1 Möglichkeiten der Beschaffung von NMH

Unter diesen Unterscheidungskriterium kann man den Herkunftsort der Produkte verstehen, die zu Hilfszwecken verwendet werden. Folgende Bereitstellungsmöglichkeiten sind dabei von großer Bedeutung:

- Lieferung aus der staatlichen oder privaten Lagerhaltung der Geberländer

Diese gelten als wichtigste Quelle der NMH, denn sie machen über 90 Prozent (1991) der gesamten NMH aus. Der Grund für die große Bedeutung der Lagerbestände der Geberländer ist wohl darin zu sehen, dass das anfängliche Ziel der NMH ein Abbau von nicht absetzbaren Agrarüberschüssen war. Erst später, ab den siebziger Jahren, trat auch der Aspekt auf durch alternative Beschaffungsmöglichkeiten positive Effekte für die Entwicklungsländer zu erzielen.

- Dreiecksgeschäfte (triangular transactions)

Bei Dreiecksgeschäften beschafft der Geber die Lebensmittel aus einen Entwicklungsland, anstatt auf eigene Reserven zurückzugreifen und transferiert sie als NMH in ein Land mit Defiziten an Lebensmitteln. Dreiecksgeschäfte machen nur einen geringfügigen Anteil von 6-7 Prozent (1991) an der NMH aus, obwohl einige positive Effekte damit verbunden sind, wie zum Beispiel eine günstigere Bereitstellung, reduzierte Lieferzeiten (wichtig bei Katastrophenhilfe), an Bedürfnissen der Empfänger ausgerichtete Produkte und einiges mehr. (Prinz, C., 1994, S.21)

- Lokale Ankäufe (local purchases)

Sie stellen eigentlich eine spezielle Form von Dreiecksgeschäften dar, allerdings werden die Nahrungsmittel nicht in einem Drittland gekauft, sondern in einer Überschussregion des Empfängerlandes. Von dort werden sie an die Defizitgebiete des Landes verteilt. Die lokalen Ankäufe machen an der gesamten NMH nur 2-3 Prozent (1991) aus.

(Prinz, C., 1994, S.20)

2.2 Art der Verwendung von NMH

Hier kann man die Programmhilfe, die Projekthilfe und die Katastrophenhilfe unterscheiden.

- Katastrophenhilfe (emergency, disaster food aid)

Katastrophenhilfe erhalten von Katastrophen, wie zum Beispiel Dürren, Überschwemmungen, kriegerische Auseinandersetzungen, betroffene Bevölkerungsgruppen zur Überbrückung kurz- bis mittelfristiger Versorgungsengpässe meist kostenlos in Form von Lebensmitteln.

Diese Art von NMH gibt es wahrscheinlich schon am längsten, denn schon 1812 vergab die USA für die Opfer eines Erdbebens in Venezuela Nahrungsmittel. Bei der Vergabe von Katastrophenhilfe ist die Schwankungsbreite ziemlich groß, da sie je nach Bedarf vergeben wird 1995 machte sie einen Anteil von 35-40 Prozent an der gesamten NMH aus. (Prinz, C., 1994, S.24; The food aid monitor, Nr. 25 (1996), Einlage S.2)

- Programmhilfe (bulk supply, non-projekt food aid)

Es handelt sich hier um die Lieferung von Nahrungsmitteln von der Regierung des Geberlandes an die Regierung oder staatliche Marktorganisation (marketing boards) des Empfängerlandes. In erster Linie dienen die Nahrungsmittel als Budget- und Zahlungsbilanzhilfe für das Empfängerland (Prinz, C., 1994, S.24-25).

Da es für diese Art NMH keinen bestimmten Zweck zur Verwendung gibt, ist sie bei den Regierungen sehr beliebt und macht einen großen Anteil von 35-40 Prozent (1995) der NMH aus. (Winter, M., 1992, S. 49; The food aid monitor, Nr. 25 (1996), Einlage S.2)

- Projekthilfe (project food aid)

Sie führt die NMH konkreten Verwendungszwecken zu, wie zum Beispiel Food-for-work Projekte, Schul- und Mutterspeisungsprogramme und machte 1995 20-30 Prozent aus. (Winter, M., 1992, S. 49; The food aid monitor, Nr. 25 (1996), Einlage S.2)

- Strukturanpassungshilfe (adjustment food aid)

Sie ist der Projekthilfe sehr ähnlich, sie soll jedoch insbesondere die oft negativen Auswirkungen von Strukturanpassungsprogrammen des Internationalen Währungsfonds auf die Ernährung von schwachen Einkommensgruppen abmildern. Diese Programme bewirken nämlich, dass die einkommensschwache Bevölkerung weniger Nahrungsmittel nachfragen kann, diese Tatsache wird über die NMH in Form von Strukturanpassungshilfe abgefangen. (Winter, M., 1992, S. 50)

2.3 Geber- und Empfänger-Verhältnis

Hier unterscheidet man bilaterale- und multilaterale NMH.

- Bilaterale NMH

Dieses sind alle Lieferungen, die zwischen einem Staat (dessen Regierung) und dem Empfängerland zustande kommen (government to government aid). Ungefähr 80 Prozent (1993) der NMH sind bilateral. (food aid in figures, Band 12 (1994), S.32)

- Multilaterale NMH

Wenn der Geber eine multinationale Organisation ist, wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz oder das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen, dann ist dies eine multilaterale NMH. (Prinz, C., 1994, S.11)

3 Entwicklung der NMH und ihre Bedeutung in der Entwicklungshilfe

Die Anfänge der NMH liegen im PL 480-Programm der USA, dies stellt die erste gesetzliche Grundlage der NMH-Politik dar. Diese Hilfe ging damals hauptsächlich an Asien und bestand überwiegend aus Weizenlieferungen. (Hrubesch, P., Schultz, S., 1987, S. 65)

Aufgrund der großen Überschüsse nahm der Umfang der NMH bis in die sechziger Jahre zu und erreichte mit 18 Millionen Tonnen Getreide ein Maximum, das nie wieder erreicht wurde. Zu dieser Zeit waren andere Geber von NMH im Verhältnis noch sehr unbedeutend. Da die USA im Zuge der Veränderung ihrer Agrarpolitik ihre Überschüsse extrem verringerte, gingen auch ab 1966 der Umfang der NMH stark zurück. Während der Welternährungskrise (1972-74) erreichte die NMH mit nur noch 6 Millionen Tonnen ihr Minimum, obwohl sie zu der Zeit dringend gebraucht wurde. Sie steigerte sich aber bis in die Achtziger Jahre wieder auf 10 Millionen Tonnen Getreide. Heute macht die gesamte NMH, die in Form von Getreide vergeben wird ebenfalls 10 Millionen Tonnen aus, zwischenzeitlich lag sie in der Mitte der neunziger Jahre jedoch bei nur 5,6 Millionen Tonnen (FAO, food outlook No.5, 2000, S.2). Getreide macht an der NMH einen Anteil von ungefähr 90 Prozent aus, davon hat Weizen den größten Anteil gefolgt von Mais und Reis. Außerdem nehmen in der nicht-Getreidehilfe Pflanzenöl und Magermilchpulver einen hohen Anteil an. Seit Mitte der Achtziger werden jedoch auch Hülsenfrüchte vermehrt vergeben, was ein Hinweis darauf ist, dass die Geberländer sich mehr an den Bedürfnissen der Empfänger orientieren und nicht nur heimische Überschüsse abbauen wollen.(Prinz, C., 1994, S.12)

Die wichtigsten Geberländer von NMH bezogen auf die wichtigste Produktgruppe Getreide sind immer noch an erster Stelle die USA mit 50-60 Prozent (1999/2000, sogar 65%), gefolgt von der EU mit 20-30 Prozent. Kanada , Japan und Australien hingegen machen nur einen verhältnismäßig geringen Teil an der NMH aus. (FAO, food outlook No.5, 2000, S.19)

Die wichtigsten Empfänger von NMH sind Subsahara Afrika, Ost-Europa ( Russische Föderation), Süd- und Ost Asien (Bangladesh, Korea, Indonesien), Latein Amerika und Karibik, und der Norden und mittlere Osten von Afrika. (FAO, food outlook No.5, 2000, S.19; The food aid monitor, Nr. 25 (1996), Einlage S.2)

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Ökonomische Effekte von Nahrungsmittelhilfe
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Agrarpolitik und Marktforschung)
Veranstaltung
Weltagrarmärkte
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V4127
ISBN (eBook)
9783638125567
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Effekte, Nahrungsmittelhilfe, Weltagrarmärkte
Arbeit zitieren
Michaela Oliev (Autor:in), 2002, Ökonomische Effekte von Nahrungsmittelhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4127

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