Das Thema, womit sich diese Arbeit auseinandersetzen wird, ist der Euroskeptizismus innerhalb der deutschen Parteienlandschaft. Euroskeptizismus und Deutschland, diese beiden Begriffe passten in Deutschland lange Zeit nicht wirklich zusammen.
Zwischen 8% und 13% der deutschen Bevölkerung hielten in den Jahren 1988-1994 eine EU-Mitgliedschaft für „schlecht“. Mit diesem Wert liegt Deutschland in etwa im europaweiten Durschnitt.2 Ein großer Unterschied liegt jedoch darin, dass im Vergleich zu anderen Staaten Europas, in dieser Zeit keine europaskeptischen Parteien hervorgetan haben, die den Einzug in das Parlament verzeichnen konnten.
Im Gegenteil sprachen sich die politischen Eliten über die parteilichen Grenzen hinweg für das europäische Projekt aus und wollten die wirtschaftlichen sowie politischen Beziehungen weiter intensivieren. Aufgrund dessen wurde Deutschland als „Musterknabe“ der europäischen Integration angesehen.3
Mit der Gründung 2013 und der Etablierung der Partei AfD könnte sich das jedoch ändern. Mit der AfD kann zum ersten Mal eine Partei, welche sich europakritisch äußert, Wahlerfolge erzielen. Auch wenn die Partei im Jahr ihrer Gründung mit 4,7% den Einzug in den Bundestag noch knapp verpasst hat, so ist sie 2014 mit 7,1% in das Europaparlament und 2017 mit 12,6%4 als drittstärkste Partei in den Deutschen Bundestag eingezogen.
Ebenso ist die AfD mittlerweile in 14 von 16 Landesparlamenten vertreten.5 Aufgrund dieser Entwicklungen soll untersucht werden, inwieweit die Partei AfD als euroskeptisch zu identifizieren ist. Die primären Informationen über die Haltung der AfD werde aus den politischen Leitlinien aus dem Jahre 2014, den Wahlprogrammen zur Bundestagswahl 2013 und zur Europawahl 2014 entnommen werden.
Da es sich bei der AfD um eine noch sehr junge Partei handelt, welche sich in ihrer politischen Programmatik von anderen Parteien deutlich unterscheidet, erhoffe ich, mit dieser Arbeit den Forschungsstand über die AfD und ihrer Positionierung zur europäischen Integration etwas zu erweitern.
Beginnen werde ich meine Arbeit mit der Begriffserklärung der europäischen Union und einer Konzeptualisierung des Euroskeptizismus nach Taggart und Szczerbiak. Anschließend werde ich unter der Berücksichtigung auf die Wahlprogramme sowie auf das dargelegte Konzept erläutern, und auf Basis dessen zu einem Ergebnissen kommen, inwieweit sich die Partei AfD als euroskeptisch typologisieren lässt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Europäische Integration und Euroskeptizismus
- Definition des Begriffes der Europäischen Integration
- Definition und Konzeptualisierung des Euroskeptizismus nach Taggert und Szczerbiak
- Zwischenfazit
- Alternative für Deutschland (AfD)
- Gründung und Positionierung der Alternative für Deutschland zur Europäischen Union
- Einordnung der AfD in das Konzept des Euroskeptizismus nach Taggart/ Szczerbiak
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Typologisierung der AfD als euroskeptische Partei im Kontext der deutschen Parteienlandschaft. Es wird beleuchtet, inwieweit die AfD, seit ihrem erstmaligen Antritt zur Bundestagswahl 2013, als euroskeptische Partei einzustufen ist.
- Entwicklung des Euroskeptizismus in Deutschland
- Positionierung der AfD zur europäischen Integration
- Einordnung der AfD in das Konzept des Euroskeptizismus nach Taggart/ Szczerbiak
- Analyse der politischen Leitlinien und Wahlprogramme der AfD
- Bedeutung der AfD für die deutsche Parteienlandschaft
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Euroskeptizismus in Deutschland ein und stellt die AfD als potenziellen Akteur in diesem Kontext vor.
- Europäische Integration und Euroskeptizismus: Dieses Kapitel definiert den Begriff der europäischen Integration und erläutert die Entwicklung des Euroskeptizismus, insbesondere das Konzept von Taggart und Szczerbiak.
- Alternative für Deutschland (AfD): Dieses Kapitel analysiert die Gründung und Positionierung der AfD in Bezug auf die Europäische Union. Es untersucht, inwieweit die AfD in das Konzept des Euroskeptizismus nach Taggart/ Szczerbiak passt.
Schlüsselwörter
Die Arbeit fokussiert auf die Themen Europäische Integration, Euroskeptizismus, AfD, Parteiensystem, Deutschland, politische Programme, Wahlverhalten, Wahlforschung, politische Typologisierung und Taggart/ Szczerbiak.
Häufig gestellte Fragen
Inwieweit gilt die AfD als euroskeptische Partei?
Die AfD wird seit ihrer Gründung 2013 als euroskeptisch eingestuft, da sie die europäische Integration kritisch hinterfragt und insbesondere die Euro-Währungspolitik ablehnt.
Was ist das Konzept des Euroskeptizismus nach Taggart und Szczerbiak?
Dieses politikwissenschaftliche Konzept unterscheidet zwischen verschiedenen Intensitäten der Ablehnung der EU, oft unterteilt in „harten“ und „weichen“ Euroskeptizismus.
Wie war die Haltung Deutschlands zur EU vor dem Aufstieg der AfD?
Deutschland galt lange als „Musterknabe“ der Integration, da die politischen Eliten über Parteigrenzen hinweg das europäische Projekt unterstützten und keine euroskeptische Partei im Parlament vertreten war.
Welche Wahlerfolge erzielte die AfD in ihren Anfangsjahren?
Nachdem sie 2013 knapp den Einzug in den Bundestag verpasste, zog sie 2014 in das Europaparlament und 2017 als drittstärkste Kraft in den Deutschen Bundestag ein.
Auf welchen Quellen basiert die Analyse der AfD-Positionierung?
Die Analyse stützt sich primär auf die politischen Leitlinien von 2014 sowie die Wahlprogramme zur Bundestagswahl 2013 und zur Europawahl 2014.
Warum ist die Untersuchung der AfD für die Parteienforschung wichtig?
Da die AfD die erste Partei ist, die mit einer dezidiert europakritischen Programmatik dauerhaft Wahlerfolge in Deutschland erzielen konnte, markiert sie einen Wendepunkt im deutschen Parteiensystem.
- Arbeit zitieren
- Tobias Duff (Autor:in), 2017, Inwieweit lässt sich die AfD, seit der Teilnahme an der Bundestagswahl 2013, als euroskeptische Partei typologisieren?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413583