Günter Eich - Die Mädchen aus Viterbo


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

22 Seiten, Note: 2


Leseprobe

GLIEDERUNG

EINLEITUNG
Günter Eich
Die Entstehungsgeschichte des Hörspiels „Die Mädchen
aus Viterbo“

DIE MÄDCHEN AUS VITERBO
Teil I
Teil II

DAS HÖRSPIELWERK
Exotische erscheinende Länder
Suche nach verlorenen Wörtern
Träume und Wirklichkeit

FAZIT

LITERATURHINWEISE

EINLEITUNG

Das Hörspiel „Die Mädchen aus Viterbo“ aus dem Jahre 1944 ist die Frage nach dem Sinn der Leiden und Schrecken der Wirklichkeit. In „Die Mädchen aus Viterbo“ laufen zwei Handlungsstränge parallel. Beide Geschichten erzählen von Menschen, die gefangen sind: ein Jude und seine Enkelin haben sich im Berlin der Nazizeit in einer Wohnung einer Bekannten versteckt. Um sich die Todesangst zu vertreiben, erfinden sie zusammen die Geschichte einer Schulklasse aus Viterbo, die sich bei einem Ausflug in die römischen Katakomben ausweglos verirrt hat. Die Hoffnung auf Rettung wird in beiden Handlungen von der erbarmungslosen Realität zerstört.[1]

GÜNTER EICH

Günter Eich war am 1. Februar 1907 im mark-brandenburgischen Lebus geboren. Er studierte an verschiedenen Universitäten in Leipzig, Paris und Berlin Sinologie, Jura und Volkswirtschaft. Günter Eich schrieb anfangs Natur- und Erlebnisgedichte. Ende der zwanziger publizierte er sein erstes Gedichtband.

Später arbeitete Eich mit Chiffren und schrieb wortkarge Lyrik. 1931 wurde das in Zusammenarbeit mit Martin Raschke 1929 entstandene Hörspiel „Das Leben und Sterben des Sängers Caruso“ ausgestrahlt. Auch erschienen in Raschkes Zeitschrift Die Kolonne (1930-1932) weitere Arbeiten.

1939-1945 war Günter Eich Soldat im zweiten Weltkrieg und wurde 1944 in der Front eingesetzt. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges gerät Eich in amerikanische Gefangenschaft.

Vor allem der Hörfunk bot Eich die Möglichkeit, von der nationalsozialistischen Propaganda relativ unberührt tätig zu sein.

In amerikanischer Gefangenschaft verfaßte er einige für die deutsche „Kahlschlagliteratur“ der Nachkriegszeit beispielhafte Gedichte (darunter Latrine und Inventur)

Während dieser Zeit stieß er auch zu der Zeitschrift Der Ruf, die von Alfred Andersch und Hans Werner Richter herausgegeben wurde. Durch Kontakt zu Andersch und Richter wurde er Mitglied der Gruppe 47, deren erster Preisträger er 1950 war.

In der Folgezeit schrieb Eich eine Anzahl von Hörspielen: Unter anderem: Geh nicht nach El Kuwehd!, 1950; Träume, 1951; Blick auf Venedig, 1952. Die Mädchen von Viterbo, publizierte Eich bereits kurz vor seiner Heirat mit der Schriftstellerin Ilse Aichinger, 1953. Die Hörspiele belegen Eichs Sprachvirtuosität und er verlieh der Gattung eine bisher nicht gekannte Eigenständigkeit. Seine Hörspiele wirkten in den 50er und 60er Jahren prägend für andere Autoren. Seine einzigartige Fähigkeit, mit angedeuteten Worten in der Technik der Rückblende und Einblendungen ein Hörspiel zu gestalten, hat ihm viele Bewunderer und Auszeichnungen gebracht. Mit Mitteln der Akustik blendet er von einer Szene und Ebene auf die andere über, wodurch die Grenzen von Traum und Realität fließend werden. Seine Stücke machen den Hintergrund von Ereignissen und Gefühlen sichtbar, rufen zum Mitleiden auf und deuten auf die bedrohte Existenz der Menschen[2]. Es gelingt ihm das Seelenleben seiner Akteure transparent zu machen. Außerdem sind seine Hörspiele spannend und aussagekräftig und dringen in das Reich der Phantasie ein, durch Worte, Geräusche, Musik, durch laut und leise.

Günter Eich wurde für sein Hörspiel „Träume“ mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet. Es sind Alpträume, die Menschen hier heimsuchen.

1959 erhielt er den Georg - Büchner - Preis.

Ende der sechziger Jahre entstand Eichs lyrische Kurzprosasammlungen Maulwürfe (1968) und Ein Tibeter in meinem Büro (1970), die stark vom Surrealismus geprägt sind.

1972 stirbt Günter Eich in einem Sanatorium in Salzburg.[3]

DIE ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DES HÖRSPIELS „DIE MÄDCHEN AUS VITERBO“

Die Textgeschichte von „Die Mädchen aus Viterbo“[4] reicht laut Notizbuch bis in den Januar 1952 zurück: vom 17. bis 30.1.1952 „Katakomben“ überlegt.[5]

Zum entscheidenden Anstoß aber wird das Angebot der Mitte 1952 ins Leben gerufenen Gemeinschaftsredaktion der Hörspielabteilungen am

Südwestfunk, am Bayerischen Rundfunk und bei Radio Bremen. Eich erhält am 5. Mai 1952 das Angebot ein Originalhörspiel zu schreiben; die Federführung liegt beim SWF und dessen Hörspielleiter Christian Boehme (SWR Baden-Baden). Der Zusammenschluß der mittleren und kleinen Anstalten ermöglichte es diesen, ein Gesamthonorar von 6000, - DM anzubieten und somit zum ersten Mal eine Gesamtsumme in Aussicht zu stellen, die den Honorarleistungen der großen Anstalten wie dem NWDR konkurrieren kann.

Eich geht auf ein solches Angebot spontan ein, schreibt allerdings, daß er sich nicht vor dem Spätherbst an die Arbeit setzen könne.[6] Am 5. Dezember 1952 verwirft Eich laut Notizbuch 4 ½ Seiten eines Textes „Die Mädchen von Viterbo“[7]. Nachdem aber Eich auf Nachfrage des SWF am 6. Dezember 1952 die Ablieferung des Manuskriptes bis Weihnachten telegraphisch verspricht, erarbeitet er vom 9. bis 19. Dezember den Hörspieltext, schreibt ihn am 22. und 23. Dezember ab und schickt ihn pünktlich am 23. Dezember 1952 an den SWF.[8]

SWF-Dramaturg Manfred Häberlen zeigt sich am 7. Januar 1953 „sehr stark beeindruckt“ von dem Text: „Nach unserem damaligen Gespräch hatte ich mir nur sehr schwer vorstellen können, daß sie eine kontrapunktische Handlung zu dem Geschehen in den Katakomben finden werden. An manchen Stellen allerdings ist der Text so sparsam, daß die Sprecherinnen vor schwer lösbare Aufgaben gestellt werden.“[9]. Am 9. Januar antwortete Eich, daß er bereits selbst einige Änderungswünsche habe; „Es wäre mir lieb, wenn ich vor der Umarbeitung noch die Meinung aus Baden-Baden, Bremen und München im einzelnen hörte“.

[...]


[1] Einleitung zum Hörspiel „Die Mädchen aus Viterbo“

[2] GRABELT W., MULOT A.: Geschichte der deutschen Literatur, München 1990

[3] Biographie nach: dhm.de

[4] Der ursprüngliche Titel lautete: „Die Mädchen von Viterbo“, dieser wurde aber in den späteren Fassungen durch: „Die Mädchen aus Viterbo“ ersetzt.

[5] KARST, K., VIEREGG, A.: Gesammelte Werke in vier Bänden, 1991; GW 2 II, 806

[6] SWR Baden-Baden: 17.5.1952. HA.P 4391

[7] KARST, K., VIEREGG, A.: Ebd.

[8] SWR Baden-Baden. Ebd.

[9] SWR Baden-Baden. Ebd.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Günter Eich - Die Mädchen aus Viterbo
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Deutsche Sprache und Literatur II)
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V4137
ISBN (eBook)
9783638125635
ISBN (Buch)
9783640856299
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Günter, Eich, Mädchen, Viterbo
Arbeit zitieren
Kathrin Haubold (Autor), 2002, Günter Eich - Die Mädchen aus Viterbo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4137

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