Lebenssituation der Muslimas in Deutschland


Hausarbeit, 2005

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Migration am Beispiel der Türken im zwanzigsten Jahrhundert

3. Der Islam in Deutschland
3.1. Statistische Daten zum Islam in Deutschland

4. Die traditionelle Rolle der Frau im Islam

5. Die Frau im Islam heute

6. Muslimas in Deutschland
6.1. Vorurteile und Stereotypen
6.2. Probleme des religiösen Lebens der Muslimas in Deutschland
6.3. Die Kopftuchdebatte
6.4. Die Ehe

7. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die deutschen Medien, ob elektronisch oder print, beschäftigen sich schon seit längerer Zeit, intensiver aber erst seit den Anschlägen in Amerika und der Debatte um den Beitritt der Türkei in die EU, mit den in Deutschland lebenden Muslimen. Die darin auftretenden Themen – Kopftuchstreit, Leitkultur, Schächtung, Zwangsehe, etc. – sind immer wieder Reizthemen und stellen die eigene Gesellschaft und ihren Umgang mit ausländischen Mitbürgern auf die Probe. Die der eigenen Kultur fremden Anschauungen und Lebensweisen bilden dabei den Streitpunkt, wenn es um Integrationsfragen geht.

So ist auch das islamische Verständnis von Weiblichkeit – Frau sein – ein anderes, als das in Deutschland von Frauen gelebte. Die in der Diaspora auftretenden Probleme mit den neuen ethischen und moralischen Traditionen der Wahlheimat, beschränken sich nicht nur auf Verschleierung und oder Zwangsehe – zwei oft in Deutschland auf Unver-ständnis stoßende Aspekte. Die Aufgabe der Muslimas, den Alltag in einer völlig neuen Gesellschaftsordnung zu verbringen und beide Seiten leben zu können – oder zu müssen, ist eine große Herausforderung und schwierige Aufgabe für sie.

Ich möchte in dieser Arbeit auf die islamischen Frauen – Muslimas – eingehen und ihr Leben in Deutschland schildern. Beginnen möchte ich mit einer kurzen Abhandlung über die Migration von Muslimen nach Deutschland in den 60er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Desweiteren sollen demographische Fakten und auch die Schwierigkeit ihrer Erlangung dargestellt werden.

Ein Überblick über das traditionelle Bild einer Muslima bis hin zu ihrer gegenwärtigen Stellung, soll die Veränderungen aufzeigen, die muslime Frauen seit Beginn der islamischen Religion, an ihrer Position vorgenommen haben. Der eigentliche Schwerpunkt dieser Arbeit soll sich dann mit den Frauen in Deutschland befassen. Dabei werden auch die oben schon erwähnten Reizthemen angesprochen um deren Wichtigkeit für unsere Gesellschaft zu erläutern.

2. Die Migration am Beispiel der Türken im zwanzigsten Jahrhundert

Die Migration beginnt mit dem anfänglichen Erstarken der Bundesrepublik nach dem zweiten Weltkrieg. Da durch das schnelle Wirtschaftswachstum und die noch spürbaren Kriegsfolgen, wie das Fehlen von männlicher Arbeitskraft, nicht alle Arbeitsplätze besetzt werden konnten, schloss die Bundesregierung, zu Beginn der 60er Jahre, Verträge über die Anwerbung von ausländischen Arbeitern ab. Anfänglich wurden diese Verträge mit südeuropäischen, später zunehmend mit muslimischen Staaten geschlossen – wie Marokko, Tunesien und der Türkei.

Bundesregierung und Arbeitsmigranten richteten sich anfänglich auf einen begrenzten Arbeitsaufenthalt von wenigen Jahren ein. Als jedoch Mitte der 70er Jahre die Regierung unter Willy Brandt einen Anwerbestopp verfügte, da die Ölkrise zu einer wirtschaftlichen Rezession führte, schwanden die Möglichkeiten einer Heimreise und einer darauffolgenden Rückkehr nach Deutschland. Somit entschieden viele Arbeiter in Deutschland zu bleiben.

Die Politik ermöglichte ihnen im Zuge dessen auch die Zusammenführung ihrer Familien – Frauen und Kinder sowie weitere enge Verwandte wurden nach Deutschland geholt, um sich dort zusammen eine dauerhafte Existenz aufzubauen. Als Folge daraus wurden Gastarbeiterkinder in der Bundesrepublik geboren, gingen hier zur Schule und lernten Deutsch. Durch das Aufwachsen und die Entwicklung sozialer Bindungen an Deutschland wurde eine Rückkehr in das Land ihrer Eltern oder Großeltern fast unmöglich – doch auch der Aufenthalt in Deutschland schien nicht unproblematisch.

Eine zweite Einwanderungswelle der Türken gab es in den 80er Jahren. Der Grund dafür war der in der Türkei erfolgte Putsch, bei dem eine Militärregierung die Staats – und Regierungsmacht übernahm und in ihrer Konsequenz alle unabhängigen Parteien und Organisationen auflöste und verfolgte. Die Folge war Asylsuche von türkischen Regimegegnern in der Bundesrepublik (Cramer, 2000:10). Die schlechte Wirtschaftslage in der Türkei ab Mitte der 80er Jahre, war ein weiterer Grund für die in Deutschland lebenden Türken, nicht wieder in ihr Heimatland zurückzukehren.

3. Der Islam in Deutschland

In den ersten Jahren der Migrationsgeschichte war der Islam in der Öffentlichkeit kaum präsent. Die Anwesenheit von Muslimen wurde von der deutschen Bevölkerung weitgehend ignoriert. Man sah in ihnen die billigen Arbeiter, die sich vorübergehend in Deutschland aufhalten würden. Doch blieb ein Großteil der einstigen Gäste und somit auch deren Kultur. Neben Stigmatisierungen („die Türken„) und Inakzeptanz der fremden Kultur bis hin zum Ausländerhass, gab es seitens der deutschen Bevölkerung wenig Lösungsansätze zur Überbrückung dieser kulturellen Differenz, was für die in Deutschland geborenen Migrantenkinder fatale Folgen für deren Identitätsentwicklung hatte. Diese Überbrückung hat in den letzten Jahren verstärkt stattgefunden, vor allem durch interreligiöse Dialoge. Eine vollständige Akzeptanz von Ausländern in Deutschland muß jedoch weiterhin abgewartet werden.

3.1. Statistische Daten zum Islam in Deutschland

Für die Statistik ist es nicht möglich eine genaue Zahl der in Deutschland lebenden Muslime wiederzugeben. Die hier erwähnten Angaben sind zum Teil grobe Schätzungen, da das vorhandene Datenmaterial große Unsicherheiten in sich birgt, welche verschiedene Ursachen haben. Zum einen wurden bei der Einwanderung von Arbeitsmigranten von den deutschen Behörden keine Informationen zur Religionszugehörigkeit eingeholt. Diese wurde erst später pauschal, ihrer Nationalität nach, festgelegt. So waren alle Südeuropäer katholische – und alle Griechen orthodoxe Christen. Gastarbeiter aus der Türkei wurden generell als Muslime eingestuft, ohne auf die in der Türkei lebende christliche Minderheit zu achten.

Eine weitere Ursache bildet der bürokratische Ablauf bei der Konversion zum Islam. In diesem Fall wird nur der Austritt der Person aus der Kirche vermerkt, nicht aber der Namenswechsel, von einem christlichen zu einem islamischen Vornamen, noch eine Art Eintritt in eine islamische Gemeinde (Heine, 1997:109-111).

Die in diesem Kapitel aufgezeigten statistischen Fakten habe ich einer Publikation des Zentrum für Türkeistudien entnommen (Şen/Aydın, 2002:15-16), aber auch diese Zahlen müssen mit großer Skepsis betrachtet werden.

Die aktuelle Zahl der in Deutschland lebenden Muslime liegt bei ca. 3,2 Millionen und bildet damit die zweitgrößte Religionsgemeinschaft in Deutschland. In dieser Zahl wurden allerdings keine konfessionellen Unterschiede berücksichtigt. Die größte nationale Gruppe der Muslime bilden Einwanderer aus der Türkei mit ca. 2,4 Millionen, weitere sind Muslime aus Bosnien – Herzegowina (167000), Iran (116000), Marokko (81000), Afghanistan (72000), Libanon (54000), Irak (51000), Pakistan (38000) sowie Syrien und Tunesien (je 24000). Hinzu kommen kleinere Gruppen aus Ägypten, Indonesien, Algerien, sowie aus verschiedenen afrikanischen Staaten.

Leider ist bei der demographischen Bestandsaufnahme keine geschlechterspezifische Differenzierung unternommen wurden – eine etwaige Anzahl der Muslimas in Deutschland ist somit leider nicht gegeben.

Einen hohen Anteil, im Vergleich zur älteren Bevölkerung, bilden jugendliche Muslime der zweiten oder dritten Einwanderergeneration. An deutschen allgemeinbildenden Schulen befinden sich ca. 540000 junge Muslime. Aufgrund dieses Aspektes sind beispielsweise die Diskussionen um die Einführung des islamischen Religionsunter-richtes bzw. Sexualkunde im Biologieunterricht oder die Teilnahme von muslimen Mädchen am Sportunterricht, von hohem Belang und momentan sehr aktuell.

Es ist hinzuzufügen, daß die hier aufgeführten Zahlen den Stand von 2002 entsprechen und hier von einer weiterhin erstarkten Präsenz von Muslimen in Deutschland ausge-gangen werden muß.

4. Die traditionelle Rolle der Frau im Islam

In diesem Kapitel möchte ich, neben vielen anderen Aspekten, die die Rolle einer Frau bestimmten, wie zum Beispiel Bildung, Beruf, Öffentlichkeit, usw., die herausgreifen, die in Bezug zu ihrem männlichen Gegenpart stehen. Dabei möchte ich näher auf die Geschlechterverteilung innerhalb einer partnerschaftlichen Beziehung eingehen, die die grundsätzliche Stellung der Frau gegenüber einem Mann, wohl am besten darstellt.

Der Koran unterstreicht die Gleichheit des Wesens und der Würde von Mann und Frau, in menschlicher und moralischer Hinsicht, wie auch in sozialen Fragen. Selbst der gleiche Lohn steht beiden zu, was leider heute in vielen europäischen Ländern noch nicht der Fall ist. Die weiterhin im Koran festgehaltenen und geforderten Unterschiede zwischen den Geschlechtern sollten sich auf Äußerlichkeiten, wie Kleidung und Schmuck, beschränken.

„Und sprich zu den gläubigen Frauen, daß sie ihre Blicke niederschlagen und ihre Scham hüten und daß sie nicht ihre Reize zur Schau tragen, es sein denn, was außen ist, und daß sie ihren Schleier über ihren Busen schlagen...“ (Sure 24, Vers 31)

Vor Gott sind aber beide Geschlechter gleich – beide müssen für ihre Taten im Leben gleichermaßen Verantwortung übernehmen.

„Wer böses getan hat, dem soll nur mit Gleichem gelohnt werden, und wer das Rechte getan hat, sei es Mann oder Frau, wofern sie gläubig waren, die treten ein ins Paradies, in dem sie ohne Maß versorgt werden sollen.“ ( 40 / 43 )

Jedoch wurden Unterscheidungen getroffen, die die Aufgaben und Pflichten einer Person betreffen, da diese von unterschiedlicher Natur sind und von dieser entsprechend bestimmt wurden.

Das traditionelle Bild einer Muslima ist geprägt von ihrer Aufgabe als Familien-versorgerin. Ihr obliegt die Verantwortung des Haushalts, die Verwaltung der vom Mann beschafften Geldressourcen, sowie das Gebären von Kindern und deren Erziehung. Sie muß sich bemühen ein harmonisches Familienleben zu gestalten und ihren Mann bei dessen Tätigkeiten zu unterstützen. Seine Tätigkeiten beschränken sich stark auf die finanziellen Mittel, die eine Familie benötigt um gut zu leben. Er ist der Arbeiter oder bewirtschaftet in ruralen Gebieten den Hof.

Diese grob umrissenen Aufgaben beider Geschlechter, implizieren jeweils auch die Pflicht ihrer Erfüllung. Der Mann hat die Pflicht für den Unterhalt der Familie aufzu-kommen, während es die Pflicht der Frau ist sich um den häuslichen Bereich zu kümmern. Auch hat sie gegenüber ihrem Mann die Pflicht zur ehelichen Treue und der sexuellen Befriedigung. Durch die im Islam mögliche Polygamie ist der Mann nicht nur zu einer ehelichen Treue verpflichtet. Das gibt ihm die Möglichkeit mehrere Ehen einzugehen – je nach seinen finanziellen Möglichkeiten bis zu vier Ehen gleichzeitig.

Es ist zu sehen, daß im Islam eine rein geschlechtliche Rollenverteilung gegeben ist, die auf den unterschiedlich zugeschriebenen Naturen der Geschlechter basiert. Die Unterhaltspflicht, bzw. die körperliche Arbeit, ist demnach eine pauschal – logische Konsequenz der körperlichen Überlegenheit des Mannes. Das Weibliche, oft mit Harmonie konnotiert, soll dann eher den Zusammenhalt in der Familie darstellen.

Während in den modernen nichtislamischen Gesellschaften von der Unterdrückung der Frau und den patriarchalen Zügen islamischer Gesellschaften gesprochen wird, sieht der Islam in der geschlechtlichen Rollenverteilung keine Ungleichheit – eher eine Gleich-wertigkeit oder eine präventive Schutzmaßnahme für die Frau. Für die islamische Gesellschaft sind beide Geschlechter sehr wichtig – sie sollten sich nicht konkurrieren sondern ergänzen. Ihre Rechte und Pflichten sollen so verstanden werden, daß ein System des Miteinander entsteht, worin die Arbeitsteilung als ein effektives Zusammenspiel dargestellt ist.

5. Die Frau im Islam heute

Hier möchte ich nicht nur auf die partnerschaftliche Beziehung von Mann und Frau eingehen, sondern eine generelle Weiterentwicklung vom traditionellen zum heutigen, modernen Frauenbild aufzeigen.

Es gilt ganz allgemein zu erwähnen, daß sich die Stellung der Frau, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, vor allem aber nach dem Ende des zweiten Weltkrieges verändert hat. Islamische Reformer forderten gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine bessere Bildung für Frauen zum Wohle der Nation (Elger, 2001:96). Durch weitere emanzipatorische Leistungen, von Vorkämpferinnen aus der Oberschicht, ist es den Frauen in den islamischen Ländern heute erlaubt zu studieren und Berufe in höheren Stellungen auszuüben.

Arabische Frauenrechtlerinnen und Schriftstellerinnen, wie Nawāl as-Sa´dāwī, Laţīfa az-Zaiyāt oder Fāţima Mārnīsī, klärten in ihren Büchern über die Mißstände der Gleich-berechtigung auf und fanden dabei ein großes Auditorium – in der islamischen und auch westlichen Welt. In der Folge hat die Zahl der Frauen, die ihre oder fiktive Geschichten veröffentlichen, in denen Frauenprobleme eine verinnerlichte und kritische Darstellung erfahren, stark zugenommen (Walther, 1996:627).

[...]

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Details

Titel
Lebenssituation der Muslimas in Deutschland
Hochschule
Universität Leipzig  (Religionswissenschaftliches Institut)
Veranstaltung
Islam in Deutschland
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V41418
ISBN (eBook)
9783638396844
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lebenssituation, Muslimas, Deutschland, Islam, Deutschland
Arbeit zitieren
Thorsten Doß (Autor), 2005, Lebenssituation der Muslimas in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41418

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