Meine Unterrichtshospitation absolvierte ich am 4.12. 2003 in der Grundschule Bärenwalde. Dort habe ich vier Unterrichtsstunden Religion von der 1. bis zur 4. Klasse beobachtet. Für die Unterrichtsanalyse habe ich mich für den Unterricht der 3. Klasse mit dem Thema “Die drei Könige auf dem Weg nach Bethlehem” entschieden, da es in den anderen Klassen ziemlich chaotisch zu ging und ein protokollieren als sehr schwierig erwies. Im ersten Teil meiner Arbeit werde ich die Einflüsse und Voraussetzungen, die die Unterrichtsstunde beeinflusst haben, darstellen. Dem folgen Anmerkungen zum Unterrichtsverlauf. Im zweiten Teil meiner Arbeit werde ich eine Interaktionsmatrix erstellen um die Interaktion ausführlich interpretieren zu können und danach Kritikpunkte diese Analyseart festhalten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2. Einflüsse und Vorraussetzungen der Unterrichtsstunde
2.1 Anthropogene Voraussetzungen
2.1.1 Schüler
2.1.2 Lehrer
2.2 Sozial-kulturelle Voraussetzungen
2.2.1 Schule
2.2.2 Klasse
2.2.3 Schüler
2.2.4 Gesellschaftliche Themen und Zeitereignisse
3 Anmerkungen zum Unterrichtsverlauf
4 Interaktionsanalyse nach Flanders
4.1 Interaktionsmatrix und Ermittlung der Prozent- und Indexwerte
4.1.1 Gesamtmatrix: Absolute Häufigkeit
4.1.2 Gesamtmatrix: Prozente und Indizes
4.2 Interpretation der Matrix
4.2.1 Der Lehrer
4.2.2 Die Schüler
4.2.3 Das I/D Verhältnis
4.3 Suche nach typischen Feldbesetzungen
4.3.1 Inhaltskreuz
4.3.2 Ausgeprägter direkter Einfluss
4.3.3 Antworten des Lehrers auf Schülerbeiträge
4.3.4 Schüleräußerungen, die auf Lehreräußerungen folgen
4.3.5 Ruhe und Durcheinander
4.3.6 Konstanz.Zellen
4.4 Einordnung des Lehrerverhaltens
5 Kritik der Ergebnisse und Verfahren
Zielsetzung und Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die detaillierte Beobachtung und Analyse einer Religionsunterrichtsstunde in einer 3. Grundschulklasse. Dabei wird untersucht, wie sich die soziokulturellen und anthropogenen Voraussetzungen der beteiligten Schüler und der Lehrerin auf das Unterrichtsgeschehen auswirken, wobei die Interaktionsanalyse nach Flanders zur quantitativen und qualitativen Auswertung des Lehrer-Schüler-Verhaltens herangezogen wird.
- Analyse der Rahmenbedingungen für den Religionsunterricht in einer dörflichen Grundschule
- Untersuchung des Interaktionsverhaltens mittels der Interaktionsmatrix nach Flanders
- Interpretation des Lehrerverhaltens hinsichtlich direkter und indirekter Einflussnahme
- Evaluation der Schülerbeteiligung und der Kommunikationsdynamik
- Kritische Reflexion der gewählten wissenschaftlichen Beobachtungsmethodik
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Der Lehrer
Der Lehrer spricht 52,2% des gesamten Unterrichts. Dies ist mehr als doppelt so viel (S/L=0,606) wie die Äußerungen der Schüler (31,7%). Den größten Teil der Unterrichtszeit nehmen die Kategorien 4 und 5 ein. Dabei tritt die Kategorie 5, also das Vortragen von neuem Stoff, mit 18,22% am häufigsten auf und die Kategorie 4, welche Fragen nach Stoffinhalten beinhaltet, tritt mit 12,76% am zweithäufigsten auf.
Besonders auffällig ist der hohe Prozentsatz des Anweisens (Kategorie 6/23,8% aller Lehreräußerungen). Der Lehrer steuert den Unterricht zum größten Teil direkt und erwartet, dass die Schüler seinen Anweisungen folgen. Demgegenüber nimmt das Loben (Kategorie 2) eine geringere Rolle ein (7,11% aller Lehreräußerungen).
Durch die starke Besetzung des Feldes 5/5 (33,5% aller Lehreräußerungen) kann man erkennen, dass der Lehrer zeitweise nur vorträgt, ohne dass dieser Vortrag durch Lehrerfragen oder Schülerbeiträge unterbrochen wird. Die Besetzung des 4/8 Feldes zeigt außerdem, dass der Lehrer meistens direkte Fragen stellt, die enge Antworten des Schülers veranlassen.
Weiterhin antwortet der Lehrer in etwa 67,5% aller Fälle auf Schülerbeiträge indirekt, d.h. er akzeptiert, lobt, ermutigt und geht auf die Gedanken der Schüler ein. Dabei macht er kaum einen Unterschied zwischen engen Schülerantworten (LR8I/D= 0,75) und weiten (LR9I/D= 0,8). Somit reagiert er in 32,5% aller Fälle mit Kritik oder Anweisungen auf Schüleräußerungen. Trotz dieses hohen Anteils an direkten Reaktionen handelt es sich jedoch um einen vorwiegend indirekt vorgehenden Lehrer.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Verfasserin beschreibt den Kontext ihrer Unterrichtshospitation in einer Grundschule und erläutert die methodische Vorgehensweise ihrer Analyse.
2. Einflüsse und Vorraussetzungen der Unterrichtsstunde: Dieses Kapitel beleuchtet die anthropogenen Voraussetzungen der Akteure sowie die soziokulturellen Gegebenheiten des Schulstandorts und der spezifischen Klasse.
3 Anmerkungen zum Unterrichtsverlauf: Hier werden die eingesetzten Unterrichtsmedien, die Sozialformen und der grobe Ablauf der beobachteten Religionsstunde beschrieben.
4 Interaktionsanalyse nach Flanders: In diesem zentralen Kapitel erfolgt die statistische Auswertung und detaillierte Interpretation der Interaktionsmatrix, ergänzt um die Einordnung des Lehrerverhaltens anhand der Kriterien von Flanders.
5 Kritik der Ergebnisse und Verfahren: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über die methodische Validität der Flanders-Analyse und weist auf Grenzen der Generalisierbarkeit hin.
Schlüsselwörter
Unterrichtsbeobachtung, Interaktionsanalyse, Flanders, Religionsunterricht, Grundschule, Lehrervortrag, Schülerpartizipation, Unterrichtsmatrix, Lehrerverhalten, Sozialformen, Kommunikation, Didaktik, Interaktionsmatrix, Grundschulpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit widmet sich der Analyse einer konkreten Religionsunterrichtsstunde an einer Grundschule, um das Zusammenspiel zwischen Lehrereinfluss und Schülerreaktion zu untersuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die soziokulturellen Voraussetzungen der Klasse, der methodische Ablauf der Stunde sowie die quantitative Auswertung der Interaktionsdynamik im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, durch eine strukturierte Interaktionsanalyse nach Flanders herauszuarbeiten, inwieweit das Lehrerverhalten eher als direkt oder indirekt einzustufen ist und wie die Schüler darauf reagieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin nutzt die Interaktionsanalyse nach Flanders (FIAC), um das verbale Geschehen im Unterricht in Kategorien zu erfassen und in einer Interaktionsmatrix statistisch auszuwerten.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert neben den Voraussetzungen der Lehrperson und Schüler die Auswertung der Interaktionsmatrix, einschließlich der typischen Feldbesetzungen und der Einordnung des Lehrerverhaltens anhand der 11 Fragen von Flanders.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Unterrichtsbeobachtung, Interaktionsanalyse nach Flanders, Lehrer-Schüler-Interaktion und Grundschuldidaktik beschreiben.
Warum wurde gerade der Religionsunterricht in einer 3. Klasse gewählt?
Die Wahl fiel auf diese Stunde, da sie eine strukturierte Dokumentation ermöglichte, während der Unterricht in anderen Klassen als zu chaotisch für eine protokollarische Erfassung empfunden wurde.
Welche Rolle spielt das "I/D-Verhältnis" in dieser Analyse?
Das I/D-Verhältnis dient dazu, das Verhältnis zwischen indirektem und direktem Lehrereinfluss zu quantifizieren, um festzustellen, ob die Lehrkraft eher steuernd-direktiv oder motivierend-indirekt agiert.
Wie bewertet die Autorin die Schülerbeteiligung in der beobachteten Stunde?
Die Schüler beteiligten sich lebhaft und zeigten sich besonders bei den rituellen Eröffnungssequenzen, in denen sie eigene Erlebnisse ungefragt teilten, sehr eigeninitiativ.
- Quote paper
- Doreen Oelmann (Author), 2004, Beobachtung und Analyse einer Unterrichtsstunde nach der Berliner Didaktik und der Interaktionsanalyse nach Flanders, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41426