Einleitung
1. Reformbedarf auf kommunaler Ebene
Die Kommunalverwaltungen sind nach den Reformprojekten und Entbürokratisierungsversuchen in den siebziger und achtziger Jahren sowie nach unterschiedlichen EDV-technischen Innovationen Schauplätze neuer Modernisierungsanläufe. Diese sind im wesentlichen binnenorganisatorisch ausgerichtet, sie gehen an die Substanz des bestehenden bürokratischen Systems und sind vom Effizienzgedanken beherrscht. Die international diskutierten und zum Teil bereits praktizierten Ansätze beinhalten tiefe Einschnitte in die Organisation und sind vor allem Steuerungskonzepte.
Vor dem Hintergrund einer tiefen Krise der Kommunalfinanzen und scharfer Kritik an der öffentlichen Verwaltung wurden in vielen Städten - u.a. in der niederländischen Stadt Tilburg - Reformen der Führungs- und Organisationsstruktur der Verwaltung eingeleitet. Die Einführung bereits aus der Privatwirtschaft bekannter betriebswirtschaftlicher Managementtechniken2 soll dazu beitragen, die Verwaltung stärker am Ergebnis und dem Nutzen der “Nachfrager”, d.h. der Bürger, zu orientieren. Das Tilburger Modell ist wie ähnliche Reformbemühungen dem Ziel verpflichtet, die Verwaltung von einer Behörde in ein Dienstleistungsunternehmen zu verwandeln.3 Zudem zwingt die finanzielle Mittelknappheit die Kommunen zu einem ressourcenschonenden Haushalten. Bei gleichbleibendem oder eher steigendem Anspruchsniveau der Bürger sind die Behörden gezwungen, innovative Ideen für die Kommunalverwaltung umzusetzen, damit sich keine Lücke bildet, die durch eine Effizienz- und Effektivitätssteigerung geschlossen werden könnte.4
Es läßt sich festhalten, daß alle Reformprogramme in vier oder fünf Elemente zerlegbar sind:
Dezentralisierung von Verantwortung und Kompetenzen.
Partizipation von Mitarbeitern und Kunden.
Markt- und Serviceorientierung der Dienstleistungen.
Leistungsmessung und -steuerung.
Gegebenenfalls: Suche nach neuen Planungs- und Budgetierungsinstrumenten.
Für die Umgestaltung der öffentlichen Verwaltung im kommunalen Bereich soll hier das Beispiel
der niederländischen Stadt Tilburg betrachtet werden, die das gesamte System des Kontraktmanagements
zur Ergebnisoptimierung in die Praxis umgesetzt haben.5
[...]
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
1. Reformbedarf auf kommunaler Ebene
2. Handlungsbedarf der Stadt Tilburg
II. DIE POLITISCHEN RAHMENBEDINGUNGEN UND GEMEINDEORGANE IN DEN NIEDERLANDEN
1. Der Gemeinderat
2. Das Kollegium
3. Der Bürgermeister
4. Die Organisation der Gemeindeverwaltung
III. DAS TILBURGER MODELL
1. Der Begriff „Konzern Stadt“
2. Die Prinzipien des Kontraktmanagements
2.1. Struktureller Aufbau der Kommunalverwaltung - Dezentralisierung der Kompetenzen
2.2. Steuerung nach Leitlinienentscheidungen
2.3 Das Produkt im Mittelgrund des Handelns
3. Einführung eines Berichtswesens mit Controllingelementen
3.1. Der Dienstbericht
3.2. Der Konzernbericht
3.3. Der Umgang mit Planabweichungen
4. Personalpolitik und -entwicklung
4.1. Das Lohnsystem
4.2. Beurteilungen und Mitarbeitergespräche
4.3. Andere Problemstellungen für das Personalwesen in Verbindung mit den Zielen der Reform
5. Die präventive Betriebsdurchleuchtung
IV. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das sogenannte "Tilburger Modell" als innovativen Ansatz zur Modernisierung der Kommunalverwaltung. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch die Anwendung betriebswirtschaftlicher Managementtechniken – wie Kontraktmanagement und Konzernsteuerung – eine ineffiziente Behörde in ein bürgernahes Dienstleistungsunternehmen transformiert werden kann, um gleichzeitig den Haushalt zu sanieren und die Servicequalität zu steigern.
- Prinzipien des Kontraktmanagements in der öffentlichen Verwaltung
- Struktureller Umbau zur "Konzern Stadt"
- Einführung outputorientierter Budgetierung und Steuerung
- Modernisierung der Personalpolitik und -entwicklung
- Instrumente der präventiven Betriebsdurchleuchtung
Auszug aus dem Buch
2. Die Prinzipien des Kontraktmanagements
Kontraktmanagement ist in den Niederlanden ein gebräuchlicher Oberbegriff für ein in dieser Form neues Steuerungsmodell öffentlicher Verwaltungen. In Tilburg wird Kontraktmanagement definiert als:“...Steuerungs-, Planungs- und Controllinginstrument, bei dem zwischen der Leitung einer Organisationseinheit und dem Management einer niedrigeren hierarchischen Ebene verbindliche Absprachen über einen bestimmten Zeitraum getroffen werden. Die Absprache über die zu erbringenden Leistungen, die dafür zur Verfügung gestellten Mittel und die Art der Berichterstattung über das Ergebnis und eventuelle Abweichungen werden so konkret wie möglich in einem jährlichen Dienstplan auf der Basis des Konzernhaushaltes festgelegt...“
Zur Umsetzung des Kontraktmanagement wählte man in Tilburg drei Grundprinzipien:
n Dezentralisierung von Kompetenzen
n Steuern nach Leitlinien
n Outputorientiertes Handeln
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Analyse der Finanzkrise kommunaler Verwaltungen und die Notwendigkeit der Einführung privatwirtschaftlicher Managementtechniken zur Effizienzsteigerung.
II. DIE POLITISCHEN RAHMENBEDINGUNGEN UND GEMEINDEORGANE IN DEN NIEDERLANDEN: Darstellung der administrativen Struktur, insbesondere der Rollen von Gemeinderat, Kollegium und Bürgermeister sowie der traditionellen Arbeitsweise der Verwaltung.
III. DAS TILBURGER MODELL: Detaillierte Erläuterung des neuen Verwaltungsaufbaus, der Einführung von Kontraktmanagement, einem modernen Berichtswesen, leistungsorientierter Personalpolitik und der präventiven Betriebsdurchleuchtung.
IV. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung des Reformerfolgs in Tilburg und Diskussion der Übertragbarkeit auf deutsche Kommunalverwaltungen.
Schlüsselwörter
Tilburger Modell, Kommunalverwaltung, Kontraktmanagement, Konzern Stadt, Verwaltungsreform, Outputsteuerung, Budgetierung, Berichtswesen, Controlling, Personalentwicklung, Leistungsbezahlung, Betriebsdurchleuchtung, öffentliche Verwaltung, Effizienzsteigerung, Haushaltskonsolidierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der umfassenden Verwaltungsreform der niederländischen Stadt Tilburg, die als Vorbild für eine effizientere und bürgernähere Kommunalverwaltung dient.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Wandel zur "Konzern Stadt", die Implementierung von Kontraktmanagement, eine neue Personalpolitik sowie der Einsatz betriebswirtschaftlicher Controlling-Instrumente.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Mechanismen und Erfolgsfaktoren des Tilburger Modells darzustellen und zu prüfen, inwieweit sich diese auf deutsche Kommunen übertragen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Fallstudie, die den Reorganisationsprozess in Tilburg analysiert, betriebswirtschaftliche Konzepte für den öffentlichen Dienst adaptiert und kritisch mit deutschen Rahmenbedingungen vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Ausgangslage, die Definition der Konzernstruktur, die Einführung von Kontraktmanagement-Prinzipien, das Berichtswesen sowie die strategische Personalentwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Konzern Stadt, Kontraktmanagement, Outputsteuerung, Verwaltungsmodernisierung und Effizienzsteigerung sind die wesentlichen Begriffe.
Was genau versteht Tilburg unter dem Begriff „Konzern Stadt“?
Es geht nicht um eine juristische Konzernbildung, sondern um eine unternehmensähnliche Organisation der Stadtverwaltung, bei der Fachdienste eigenverantwortlich agieren und durch einen zentralen Steuerungsdienst koordiniert werden.
Warum ist die „präventive Betriebsdurchleuchtung“ so bedeutend?
Sie dient als langfristiges Steuerungsinstrument, das durch externe Überprüfungen alle paar Jahre sicherstellt, dass die Verwaltung qualitätsorientiert, zukunftsorientiert und politikkonform arbeitet.
- Arbeit zitieren
- Henry Müller (Autor:in), Dirk Schmolke (Autor:in), 1996, Moderne Kommunalverwaltung - Fallstudie Tilburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4147