Die Deutsche Terminbörse: Möglichkeiten und Strategien beim Handel mit Aktienoptionen


Hausarbeit, 1996
64 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

I. EINLEITUNG
1. Entstehungsgeschichte
2. Aufbau und Organisationsstruktur
3. Geschäftsentwicklung

II. GRUNDLAGEN DES TERMINGESCHÄFTES
1. Abgrenzung von Kassa- und Termingeschäft
2. Motive für den Abschluß von Termingeschäften
2.1. Spekulation
2.2. Hedging

III. DIE AKTIENOPTIONEN AN DER DTB
1. Wesentliche Grundbegriffe des Optionshandels
2. Auftragsarten und Kombinationsmöglichkeiten
3. Die vier Grundpositionen des Optionshandels
4. Kennzahlen von Optionen und deren Bestimmungsfaktoren
4.1. Der innere Wert einer Option
4.2. Die Bedeutung des Zeitwertes
5. Das Clearing im Optionshandel
6. Das Margin-System

IV. CHANCEN UND RISIKEN BEIM HANDEL AN DER DTB

V. STRATEGIEN BEIM HANDEL MIT AKTIENOPTIONEN
1. Einfache Strategien
1.1. Long Call (Kauf einer Kaufoption)
1.2. Long Put (Kauf einer Verkaufsoption)
1.3. Short Call (Verkauf einer Kaufoption)
1.4. Short Put (Verkauf einer Verkaufsoption)
2. Zusammengesetzte Optionsstrategien

VI. AUSGEWÄHLTE ANWENDUNGSBEISPIELE
1. Einfache Strategie
2. Zusammengesetzte Strategie

VII. SCHLUSSBETRACHTUNG

LITERATURVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abb. 1 : Konzernstruktur der Deutschen Börse AG

Abb. 2 : Chronologie der Produkteinführungen

Abb. 3 : Verlauf von Kassa- und Terminkurs

Abb. 4 : Abgrenzung von börslichen und außerbörslichen Termingeschäften

Abb. 5 : Intervalle der Basispreise

Abb. 6 : Call und Put bei Eröffnung und Glattstellung

Abb. 7 : Zeitwert in Abhängigkeit von der Restlaufzeit

Abb. 8 : Dominierende Einflußfaktoren auf den Optionspreis

Abb. 9 : Clearing-Struktur an der DTB

Abb. 10 : Gewinn- und Verlustprofil des Bull-Call-Spread

Abb. 11 : Gewinn- und Verlustprofil des Bear-Call-Spread

Abb. 12 : Gewinn- und Verlustprofil des Bull-Put-Spread

Abb. 13 : Gewinn- und Verlustprofil des Bear-Put-Spread

Abb. 14 : Gewinn- und Verlustprofil des Strip-Spread

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

I. Einleitung

1. Entstehungsgeschichte

Der Terminhandel in der Bundesrepublik Deutschland lag Jahrzehnte brach, da dieser 1931 an den deutschen Börsen verboten und erst 1970 mit dem Handel von Aktienoptionen wieder aufgenommen wurde. Die größer werdenden Zinsschwankungen vor dem Hintergrund des zusammenbrechenden Bretton Woods-Systems, der damit verbundenen Wechsel vom US-Dollar in die D-Mark als Wert- aufbewahrungsmittel, die dadurch ausgelösten Devisenspekulationen sowie die Ölkrise führten zu einem wachsenden Bedarf nach wirkungsvollen Instrumenten des Risikomanagements. Noch abzu- wickelnde Devisen- oder Warengeschäfte sollten eine sichere Kalkulationsbasis bekommen und führten so zu einer Weiterentwicklung des 1970 bereits wieder begonnenen Terminhandels und des Optionsgeschäfts. Als Sicherungsinstrumente entstanden so, neben den Aktienoptionen, die Zins- und Devisenoptionen sowie die Swaps. Die Öffnung der Kapitalmärkte weltweit, auch im Rahmen des europäischen Binnenmarktes, ließen die Spekulationen und die damit verbundenen Sicherungs- bedürfnisse und Risiken zunehmen. Auch um diesem Bedarf gerecht zu werden und den Gefahren entgegen wirken zu können, kam es in den achtziger Jahren zu Überlegungen, die Deutsche Termin- börse zu gründen. Diese ist in ihrer Entstehung eng dem Weg gefolgt, der ihr seit 1987 durch die Schweiz und die Einrichtung der äquivalenten SOFFEX vorgegeben wurde. Die DTB ist eine der ersten vollcomputerisierten Börsen der Welt und ist u.a. aus dem Entschluß entstanden, das lärmende Börsenparkett durch eine vollcomputerisierte Abwicklung mit der Präzision eines Zentralcomputers zu ersetzen. Bei ihrem Start am 26. Januar 1990 war die Deutsche Terminbörse die erste deutsche Börse für Finanztermingeschäfte.1

Der Handel findet über ein standortunabhängiges, elektronisches Netzwerk statt, wobei über 100 Banken mit mehr als 950 Händlern direkt als Teilnehmerinstitute an das System angeschlossen sind. Die Geschäfte an der DTB werden telefonisch und in sekundenschnelle über das Einstellen von Quo- tes für Optionen und Futures abgeschlossen. Dieses setzt natürlich eine hohe fachliche Kompetenz der Händler voraus, verbunden mit einer standardisierten Sprache, die für alle Marktteilnehmer schnell verständlich, einfach zu handhaben und unmißverständlich ist. Die Abwicklung der Geschäfte ist automatisiert und in das System der Deutschen Terminbörse integriert.

2. Aufbau und Organisationsstruktur

Der Träger der Deutschen Terminbörse ist die Deutsche Börse AG, deren mehrheitliche Anteilseig- ner mit 81% die deutschen Banken sind. Die restlichen 19% halten die amtlichen und freien Kurs- makler sowie die deutschen Regionalbörsen. Die Deutsche Börse AG ist zu 100% an dem Deut- schen Kassenverein (DKV) und damit auch an dem Auslandskassenverein (AKV) beteiligt. Daneben ist die Deutsche Börse AG auch für die Veröffentlichung der Daten durch die Deutsche Wertpapierdaten-Zentrale GmbH (DWZ) verantwortlich, da die DWZ eine 100%-ige Tochter ist. Die Deutsche Börse AG bietet daher das gesamte Segment von Börsendienstleistungen an, angefan- gen vom Handel über die Informationstechnologien bis hin zur Abrechnung und der fristgerechten Abwicklung der Geschäfte.2

Abb. 1: Konzernstruktur der Deutschen Börse AG

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung nach Deutsche Börse AG: DTB-Die Deutsche Terminbörse, S.2.

Das oberste Organ der DTB ist der Börsenrat. Er trifft Entscheidungen wie den Erlaß der Börsen- ordnung, die als Satzung dazu dient, die Interessen des Publikums und des Handels zu wahren und dafür Sorge tragen soll, daß die DTB die ihr übertragenen Aufgaben erfüllt. Die Börsenaufsichtsbe- hörde genehmigt die Börsenordnung. Die Gebühren- und Geschäftsordnung, sowie die Bedingungen für den Handel an der DTB, werden ebenfalls durch den Börsenrat vorgegeben, er hat also die glei- chen Aufgaben wie der Börsenrat jeder Parkett- oder Regionalbörse. Neben diesen Aufgaben über- nimmt der Börsenrat auch die Bestellung und die Überwachung der Gechäftsführung. Der Börsenrat wird für die Dauer von drei Jahren gewählt und setzt sich aus Börsenteilnehmern, Kreditinstituten und Anlegern zusammen, so daß die Interessen aller beteiligten Parteien bei den zu fällenden Entschei- dungen berücksichtigt werden.

Weitere exekutive Aufgaben und die laufende Leitungsfunktion werden durch die Börsengeschäftsführung wahrgenommen, die in eigener Verantwortung agiert und für fünf Jahre gewählt wird.

3. Geschäftsentwicklung

Ein Unterschied der Termin- zur Parkettbörse ist die Tatsache, daß keine Wertpapiere, sondern Kontrakte gehandelt werden. Der Tagesdurchschnitt im ersten Jahr lag noch bei etwas weniger als 30.000 Kontrakten, konnte sich aber bereits im Jahr 1994 verachtfachen und stellt damit von der Anzahl der gehandelten Kontrakte die drittgrößte europäische Terminbörse dar. Zieht man nur die Optionsumsätze heran und läßt die Futures außen vor, so ist die DTB europaweit die Nummer Eins.3 Seit September 1994 ist es möglich, auch die Produkte der französischen Terminbörse zu handeln, da die DTB im Rahmen einer Kooperation beider Börsen an die französische MATIF angeschlossen wurde.

Nachdem die DTB 1990 als reine Aktienoptionsbörse eröffnet wurde, ist es inzwischen auch möglich, Optionen und Futures auf Aktien- und Rentenindizes zu handeln.

Abb. 2: Chronologie der Produkteinführungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung nach Deutsche Börse AG: DTB - Die Deutsche Terminbörse, S. 10.

II. Grundlagen des Termingeschäftes

1. Abgrenzung von Kassa- und Termingeschäft

Ein Termingeschäft stellt einen Kaufvertrag dar, der für die Vertragspartner eine Verpflichtung zum Kauf oder Verkauf einer bestimmten Menge eines Gutes (Kontraktgröße) zu einem vertraglich festgelegten Preis (Abschlußpreis) beinhaltet. Die Lieferung und die Zahlung erfolgt hierbei zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft (Fälligkeit).

Bei einem Termingeschäft sind der Kassakurs, der Terminkurs und der Abschlußpreis zu berücksichtigen: Der Kassakurs ist der Preis, der am Kassamarkt für die sofortige Lieferung einer Ware oder eines Finanzinstrumentes gezahlt wird.

Der Terminkurs ist der für einen bestimmten Terminkontrakt zu zahlende Marktpreis. Der Termin- kurs unterscheidet sich i.d.R. vom Kassakurs, bewegt sich aber im Zeitverlauf ähnlich. Je kürzer die Restlaufzeit des Terminkontraktes, desto geringer ist die Differenz zwischen Kassa- und Terminkurs.

Die Differenz stellt den nicht realisierten Gewinn oder Verlust eines Investors dar und kann demnach positiv oder negativ sein. Dieses richtet nach verschiedenen Einflußfaktoren. Die Einflußfaktoren sind beispielsweise:

- die Erwartungen der Marktteilnehmer,
- die Kapitalmarktzinsen,
- oder die in der Vergangenheit festgestellte Volatilität des zugrunde liegenden Basiswertes.

Der Abschlußpreis ist der Preis, der bei einem Termingeschäft zu einem bestimmten Zeitpunkt durch Vertragsabschluß zweier Marktteilnehmer zustande kommt.4

Abb. 3: Verlauf von Kassa- und Terminkurs

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

Es kann zwischen verschiedenen Arten von Termingeschäften unterschieden werden, den Warenund den Finanztermingeschäften. Es wird dabei nach dem zugrundeliegenden Gut des Terminkontraktes unterschieden. Die ersten Termingeschäfte wurden an den Rohstoffmärkten in Form von Warentermingeschäften getätigt. Bei Vertragsabschluß wurden Vereinbarungen über den zukünftigen Kauf- bzw. Verkaufspreis getroffen, um sich gegen Marktpreisänderungen zu schützen, die sich aufgrund schwankender Ernte- oder Produktionsmengen ergeben konnten.

Gegenüber dem Warenterminhandel hat der Handel mit Finanzterminkontrakten ein wesentlich größeres Ausmaß angenommen. Als Grundlage gelten Aktien, Aktienindizes, synthetische Anleihen sowie Devisen und Edelmetalle.5

Man unterscheidet zwischen festen Termingeschäften, die in jedem Fall zu erfüllen sind und bedingten Termingeschäften, bei denen eine Vertragsseite das Recht hat, zwischen Erfüllung und Nichtausübung des Geschäftes zu wählen. Die festen Termingeschäfte stellen die Futures dar. Sie sind durch die Verpflichtung beider Vertragsseiten charakterisiert, zu einem fest vereinbarten Zeitpunkt zu liefern bzw. zu zahlen. Bei den bedingten Termingeschäften werden Optionen gehandelt, bei denen nur der Verkäufer einer Option (Stillhalter) eine Verpflichtung zum Kauf bzw. Verkauf zu erfüllen hat und der Käufer der Option die Möglichkeit, aber nicht die Verpflichtung zur Ausübung hat.6

Im allgemeinen werden bedingte und feste Termingeschäfte an der DTB nicht physisch erfüllt, sondern durch sog. Gegengeschäfte glattgestellt, die das Eingehen der entgegengesetzten Position bedeuten. Ausschlaggebend hierfür ist die Tatsache, daß bei effektiver Erfüllung des Geschäftes höhere Summen und Transaktionskosten anfallen als bei dem Glattstellen der Position.

Desweiteren wird zwischen börslichen und außerbörslichen Termingeschäften unterschieden. Börsli- che Termingeschäfte sind in ihrer Ausgestaltung standardisiert und werden zentral an Börsen gehan- delt. Außerbörsliche Termingeschäfte, auch „Over The Counter“ (OTC)-Geschäfte genannt, müssen nicht an einer organisierten Börse gehandelt werden. Nachteil von diesen Geschäften ist die man- gelnde Liquidität und Markttransparenz, die nicht zuletzt auf die individuelle Ausgestaltung dieser Geschäfte zurückzuführen ist.

Abb. 4: Abgrenzung von börslichen und außerbörslichen Termingeschäften.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung nach Imo, Christian; Gith, Thomas : Einführung in den Optionshandel, S.6

Gegenstand der weiteren Auführungen sind die sog. Aktienoptionen an der DTB, die den bedingten, börslichen Termingeschäften zuzurechnen sind.

2. Motive für den Abschluß von Termingeschäften

Anders als bei dem Kauf oder Verkauf von Aktien kann bei Optionen wesentlich differenzierter auf die Markterwartung und die individuellen Bedürfnisse der Marktteilnehmer eingegangen werden, da der Preis einer Option und die damit verbundenen Transaktionskosten geringer als bei dem entsprechenden Aktiengeschäft sind.7 Es kann im wesentlichen zwischen zwei Grundmotiven für den Abschluß von Termingeschäften differenziert werden:

2.1. Spekulation

Aufgrund des sog. Leverage-Effektes (Hebel-Wirkung) kann der Anleger mit einem geringeren Ka- pitalaufwand im Vergleich zum Direktinvestment in Aktien bei Kursveränderungen des Basiswertes überproportional von diesen partizipieren. Bereits geringe Kursbewegungen des Basiswertes können zu hohen Gewinnen, aber ebenso zu hohen Verlusten führen.

Der Investor geht bewußt Risiken ein, um die nach seiner Markterwartung realisierbaren Gewinne zu erzielen. Bei dem spekulativen Engagement bestehen aufgrund der Hebelwirkung grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Im Vergleich zum direkten Aktiengeschäft können bei einem geringeren Kapitalein- satz die gleichen Gewinne, bzw. bei gleichem Kapitaleinsatz sehr viel höhere Gewinne erzielt werden.

2.2. Hedging

Der Hedger stellt die Gegenposition zum Spekulanten dar8. Er möchte sich von dem Kursrisiko sei- ner Vermögenswerte befreien und legt durch das Eingehen von Terminkontrakten einen zu künftigen Preis in der Gegenwart fest, um so die Unsicherheiten über die weitere Kursentwicklung zu eliminie- ren.9

Ein weiterer Grund des Hedgings kann in steuerlichen Aspekten gesehen werden. In der Bundesrepublik Deutschland unterliegen Kursgewinne, die innerhalb von sechs Monaten realisiert werden, der Steuerpflicht. Hat ein Investor mit einer bestehenden Aktienposition Kursgewinne erzielt, diese aber noch keine sechs Monate in seinem Bestand, so kann er seine Position an der DTB gegen mögliche Kursverluste innerhalb dieser Zeit absichern. Sinn macht dieses allerdings nur, wenn der damit erzielte steuerliche Effekt größer als die dafür zu zahlende Prämie ist.10

III. Die Aktienoptionen an der DTB

1. Wesentliche Grundbegriffe des Optionshandels

Ähnlich dem Wertpapiergeschäft haben sich auch im Optionshandel einige Begriffe herauskristallisiert, deren Verständnis Voraussetzung für ein erfolgreiches Handeln an der DTB ist. Diese Begriffe werden im folgenden erläutert.

Optionskontrakt:

Jedem Optionsgeschäft liegt ein besonderes Recht, das Optionsrecht, zugrunde. Der Käufer eines Optionskontraktes erwirbt das Optionsrecht gegen Zahlung einer Prämie, der Verkäufer des Opti- onskontraktes übernimmt die entsprechende Verpflichtung. Übt der Käufer der Option sein Recht aus, so ist der Verkäufer verpflichtet, den zugrundeliegenden Basiswert zu dem vertraglich festgeleg- ten Preis zu liefern bzw. abzunehmen. Er wird deshalb auch Stillhalter genannt und hat als Gegenleis- tung die Optionsprämie erhalten. Eine „amerikanische“ Option kann während der gesamten Laufzeit ausgeübt werden, eine „europäische“ hingegen erst am Tag der Fälligkeit.11 Die Aktienoptionen an der DTB sind amerikanische Optionen, der letzte Ausübungstag ist folglich der letzte Handelstag. Nach erfolgter Ausübung müssen am zweiten Börsentag nach Ausübung die Aktien geliefert bzw. bezahlt werden.

Eine Ausnahme bilden die vinkulierten Namensaktien der Allianz Holding AG. Bei diesem Basiswert erfolgt immer ein Barausgleich, da diese Aktien nur unter erschwerten Bedingungen, nämlich unter Zustimmungspflicht der Gesellschaft, lieferbar und somit die Fristen der Geschäftserfüllung der DTB nicht einzuhalten sind.12

In der Praxis werden weniger als 10%, bei manchen Basiswerten sogar unter 5% der Kontrakte ausgeübt, statt dessen erfolgt das sog. Gegengeschäft durch Glattstellung der offenen Position oder die Option verfällt wertlos, wenn sie am Fälligkeitstag keinen inneren Wert besitzt.

Basiswert:

Als Basiswert bezeichnet man die der Option zugrundeliegende Aktie.13 Jeder Optionskontrakt bezieht sich auf ein bestimmtes Volumen. Bei der Allianz Holding AG entspricht ein Kontrakt fünf Aktien, bei allen anderen Aktien mit einem Nennwert von DM 50,- entspricht ein Kontrakt 50 Aktien und bei Aktien mit einem Nennwert von DM 5,- 500 Aktien.14 An der DTB werden nur Aktienoptionen gehandelt, deren zugrundeliegender Basiswert im DAX (Deutscher Aktienindex) enthalten ist. Daneben werden aber auch Dividendenkontinuität, Branchenzugehörigkeit und Marktkapitalisierung berücksichtigt. Dieses sind aktuell 20 Aktien:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Basispreis:

Der Basispreis ist der Preis, zu dem der Inhaber einer Option den Basiswert kaufen oder verkaufen kann. Der Basispreis ist bereits vor der Transaktion festgelegt und bleibt während der Laufzeit des Optionskontraktes konstant. Nur bei Kapitalerhöhungen erfolgt eine Reduzierung des Basispreises, auf dessen Grundlage die bestehenden Optionsserien und Kontraktgrößen in der Art angepaßt wer- den, daß der ursprüngliche Kontraktwert erhalten bleibt.15 Diese Anpassung erfolgt im Rahmen einer von der DTB festgelegten Formel.

Die Basispreise an der DTB sind standardisiert und deren Intervalle richten sich nach dem Kurs der Aktie bei Auflegung neuer Optionsserien.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Intervalle der Basispreise

Quelle: eigene Darstellung nach Imo, Christian:Einführung in den Optionshandel, S. 42.

Neue Preisintervalle werden eingeführt, wenn der Schlußkurs eines Börsenkurses den Mittelwert zwischen den beiden höchsten bzw. niedrigsten Basispreisen über- bzw. unterschritten hat.16

Laufzeit:

Jeder Optionskontrakt hat eine begrenzte Laufzeit, die am Verfalltag der Option endet. Nach diesem Datum kann der Inhaber der Option sein Optionsrecht nicht mehr in Anspruch nehmen, und der Stillhalter der Option ist von seiner Pflicht befreit.

Der Investor kann an der DTB zwischen verschiedenen Laufzeiten wählen, die ihm zur Verfügung stehen.17

- bis zum nächst folgenden Monat,
- bis zum übernächst folgenden Monat,
- bis zum drittnächsten Monat,
- bis zum drittnächsten Monat im folgenden Quartal oder
- bis zum drittnächsten Monat im übernächst folgenden Quartal.18

Optionspreis:

Der Optionspreis (Prämie) ist der Betrag, den der Käufer der Option (Inhaber des Optionsrechtes) dem Verkäufer (Stillhalter) für das Recht, den Basiswert zum Basispreis zu kaufen oder verkaufen, bezahlen muß. Zusammen mit anderen Transaktionskosten, wie Provisionen und Gebühren, stellt die Optionsprämie die Anschaffungskosten des Optionsrechtes dar. Der Op-tionspreis wird ähnlich wie andere Preise auch auf dem Markt bestimmt und ist somit Schwankungen unterworfen. Er wird je- doch in erster Linie durch die Kursentwicklung des zugrundeliegenden Basiswertes bestimmt.

Der Preis einer Option bei Aktien mit einem Nennwert von DM 5,- wird in Preisabstufungen (Ticks) von DM 0,01 notiert, bei einem Nennwert von DM 50,- in Preisabstufungen von DM 0,10.

Die Optionsprämie bleibt im Besitz des Verkäufers, unabhängig davon, ob der Inhaber der Option sein Recht zur Ausübung wahrnimmt oder nicht. Der Stillhalter kann somit nicht mehr als die Optionsprämie verdienen, der Käufer nicht mehr als die Prämie verlieren.

Der Optionspreis bezieht sich immer auf eine Aktie. Um den Gesamtpreis eines Optionskontraktes zu errechnen, muß deshalb der Optionspreis mit der Kontraktgröße multipliziert werden.

2. Auftragsarten und Kombinationsmöglichkeiten

Der Kauf und Verkauf von DTB-Optionen verläuft ähnlich wie bei allen anderen Börsengeschäften. Die Orders müssen genau spezifiziert sein hinsichtlich Kauf- oder Verkauf, bezüglich des Basiswertes, des Basispreises, der Kontraktgröße, der Laufzeit, des Optionspreises sowie der Gültigkeitsdauer des Auftrages.19

Wichtig ist zunächst einmal, ob es sich um ein Eröffnungsgeschäft (Opening Transaction) oder Glatt- stellungsgeschäft (Closing Transaction) handelt. Bei Kauf oder Verkauf von Optionen spricht man von sog. Optionspositionen. Ein bereits bestehendes Geschäft kann nur durch das entsprechende Gegengeschäft glattgestellt werden, d.h. bei einer Long-Position durch den Verkauf der gleichen Anzahl von Kontrakten derselben Serie, bei einem Short-Geschäft durch den entsprechenden Kauf.

Abb. 6: Call und Put bei Eröffnung und Glattstellung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

Desweiteren kann unterschieden werden, ob ein Auftrag sofort ohne Preislimit, limitiert oder unter ganz bestimmten Bedingungen ausgeführt werden soll. Unlimitierte Aufträge,- auch „at market“ ge- nannt,- enthalten keinerlei Einschränkung des Optionspreises, d.h. ein Kaufauftrag wird „billigst“, ein Verkaufauftrag „bestens“, also zum nächst möglichen Kurs, ausgeführt. Ein Anleger, der einen unlimi- tierten Auftrag erteilt, muß sich darüber im klaren sein, daß an der Terminbörse innerhalb kürzester Zeit enorme Preisschwankungen auftreten können. Da ein unlimitierter Auftrag schnell zu einem un- günstigen Kurs führen kann, sollte daher auf diese Art der Auftragserteilung weitgehend verzichtet werden.20

Limitierte Aufträge bieten für den Anleger den Vorteil, daß der Auftrag nur zu diesem oder einen für den Anleger vorteilhafteren Kurs ausgeführt wird. Nachteil dieser Art der Auftragserteilung könnte allerdings sein, daß dem Anleger der Kurs „wegläuft“, deshalb sollte ein Limit nie zu „eng“ vorgegeben werden.

Sowohl limitierte wie auch unlimitierte Aufträge können mit verschiedenen Gültigkeitsdauern aufge- geben werden, wobei ein unlimitierter Auftrag für Aktienoptionen an der DTB i.d.R. sofort ausge- führt wird. „Good-till-cancelled“ bedeutet, daß ein Auftrag bis auf Widerruf gültig ist. Ein „Good-till- date“-Auftrag ist bis zu einer bestimmten Frist gültig. Fehlt eine Gültigkeitsbestimmung, so ist ein Auf- trag tagesgültig.

Bei limitierten Aufträgen sind darüber hinaus noch eingeschränktere Aufträge möglich, die „Fill-or- kill“-, die „Immediate-or-cancel“- sowie die kombinierten Aufträge. „Fill-or-kill“ bedeutet, daß ein Auftrag entweder sofort vollständig ausgeführt oder aber wieder gelöscht wird. „Immediate-or- cancel“-Aufträge werden sofort soweit wie möglich ausgeführt und der möglicherweise unausgeführte Teil wird gestrichen.

Kombinierte Aufträge stellen die gleichzeitige Aneinanderkoppelung zweier Einzelaufträge dar, d.h. entweder werden beide Aufträge zugleich ausgeführt oder keiner von beiden. Dadurch kann ein An- leger, der mit einer kombinierten Strategie an der DTB teilnehmen möchte, sichergehen, daß entwe- der beide Seiten seiner Strategie eröffnet oder glattgestellt werden oder aber kein Auftrag ausgeführt wird.21

3. Die vier Grundpositionen des Optionshandels

Obwohl es eine sehr große Anzahl nützlicher Anwendungsmöglichkeiten für Optionen sowie deren Zusammenstellung gibt, gründet sich das Universum der Optionstrategien immer nur auf einen der vier nicht weiter zerlegbaren Bausteine oder eine Kombination derer. Diese Grundpositionen werden im folgenden beschrieben:

[...]


1 Vgl. Ohne Verf.: DTB - Die Deutsche Terminbörse, Hrsg.: Deutsche Börse AG, Frankfurt/Main, 1995, S. 2.

2 Vgl. Ohne Verf.: DTB - Die Deutsche Terminbörse, Hrsg.: Deutsche Börse AG, Frankfurt/Main, 1995, S. 2.

3 Vgl. Ohne Verf.: DTB - Die Deutsche Terminbörse, Hrsg.: Deutsche Börse AG, Frankfurt/Main, 1995, S. 3.

4 Vgl. Imo, Christian; Gith, Thomas: Einführung in den Optionshandel, Wiesbaden, 1989, S. 4.

5 Vgl. Ohne Verf.: Basisinformationen über Börsentermingeschäfte, Hrsg.: Sparkassenverlag GmbH, Stuttgart, 1994, S. 6.

6 Vgl. Perczynski, Hans; Grill, Wolfgang: Wirtschaftslehre des Kreditwesens, Bad Homburg vor der Höhe, 1990, S. 419.

7 Vgl. Ohne Verf.: Optionen, Hrsg.: DTB Deutsche Terminbörse:, Frankfurt am Main, 1990, S. 6.

8 Vgl. Berger, Manfred: Hedging: Effiziente Kursabsicherung festverzinslicher Wertpapiere mit Finanzterminkontrakten, Wiesbaden, 1990, S. 5.

9 Vgl. Fink, Robert E.; Feduniak, Robert B.: Futures Trading, Concepts and Strategies, New York, 1988, S.64.

10 Vgl. Lingner, Ullrich: Optionen: Anlagestrategien und Märkte, Wiebaden, 1987, S. 21.

11 Vgl. Ohne Verf.: Optionen, Hrsg.: DTB Deutsche Terminbörse:, Frankfurt am Main, 1990, S. 8.

12 Vgl. Keller, Heinz-Joachim; Redelberger, Thomas; Schwaiger, Raimund: Die Abwicklung von Termingeschäften an der DTB, Wiesbaden, 1992, S. 49 u. S. 59.

13 Vgl. Müller-Möhl, Ernst: Optionen und Futures: Grundlagen und Strategien für das Termingeschäft, 3. Aufl., Stuttgart, 1995, S. 52.

14 Vgl. Dreesbach, Stefan: Terminhandel: Die Welt der Futures und Options, Wiesbaden, 1994, S. 82.

15 Vgl. Keller, Heinz-Joachim; Redelberger, Thomas; Schwaiger, Raimund: Die Abwicklung von Termingeschäften an der DTB, Wiesbaden, 1992, S. 10.

16 Vgl. Ohne Verf.: Optionen, Hrsg.: DTB Deutsche Terminbörse:, Frankfurt am Main, 1990, S. 3.

17 Vgl. Keller, Heinz-Joachim; Redelberger, Thomas; Schwaiger, Raimund: Die Abwicklung von Termingeschäften an der DTB, Wiesbaden, 1992, S. 49.

18 Vgl. Ohne Verf.: Handelsblatt, diverse Ausgaben.

19 Vgl. Dreesbach, Stefan: Terminhandel, Die Welt der Futures und Options, Wiesbaden, 1994, S. 84.

20 Vgl. Ohne Verf.: Basisinformationen über Börsentermingeschäfte, Hrsg.: DG Bank, Köln, 1994, S. 33.

Ende der Leseprobe aus 64 Seiten

Details

Titel
Die Deutsche Terminbörse: Möglichkeiten und Strategien beim Handel mit Aktienoptionen
Hochschule
Universität Bremen  (Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Neuronale Netze, genetische Algorithmen, Fuzzy-Systeme und Chaostheorie in der Finanzanlyse
Note
1,0
Autoren
Jahr
1996
Seiten
64
Katalognummer
V4148
ISBN (eBook)
9783638125734
Dateigröße
1984 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Projektbericht - Themenschwerpunkte: Aktien, Optionen, Terminbörse.
Schlagworte
Deutsche, Terminbörse, Möglichkeiten, Strategien, Handel, Aktienoptionen, Neuronale, Netze, Algorithmen, Fuzzy-Systeme, Chaostheorie, Finanzanlyse
Arbeit zitieren
Henry Müller (Autor)Dirk Schmolke (Autor)Kai Gerdes (Autor), 1996, Die Deutsche Terminbörse: Möglichkeiten und Strategien beim Handel mit Aktienoptionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4148

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