Venezuela: Wirtschafts- und Entwicklungspolitik im 20. Jahrhundert


Hausarbeit, 2002

10 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I . Venezuela als Erdölexporteur
I.1 Der Versuch vom Aufbau eines Sozialstaates
I.2 Der Beginn der parlamentarischen Demokratie und Importsubstitution
I.3 Die Politik der Exportdiversifizierung
I.4 Die lateinamerikanische Integration
I.5 Die Verstaatlichung

II . Venezuela und der Neoliberalismus
II.1 Die Schuldenkrise und das Ende des Staatsprotektionismus
II.2 Strukturanpassungsprogramme

III . Die Bolivarianische Revolution

IV . Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Wirtschafts- und Entwicklungspolitik in Venezuela. Der Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem ausgehenden 20. Jahrhundert, der Zeit des Neoliberalismus. Es werden dabei die ausschlaggebende Etappen charakterisiert, auf eine vollständige Darstellung der politischen Ereignisse wird verzichtet.

Da Venezuela zu den erdölexportierenden Länder zählt, und dieser Umstand weitreichende Folgen für die Entwicklung des Staates hatte, erfolgt eingangs eine Darstellung der staatlichen Politik im Bereich der Erdölförderung.

I. Venezuela als Erdölexporteur

Venezuela ist heute der weltweit viertgrößte Erdöl-Exporteur, das heißt der Staat bezieht seinen Finanzen zum größten Teil aus Erdöleinnahmen. Im Laufe der Geschichte wurde immer wieder versucht, die Abhängigkeit von diesem Rohstoff zu verringern, jedoch mit wenig Erfolg. Noch heute stellt das Erdöl 82% der Exporte und ein Drittel des BIPs.

Der Beginn der Erdölförderung in Venezuela ist 1919 anzusetzen. Unter der Regierung von Juan Vicente Gómez von 1908 bis 1935 wurden erstmals Konzessionen zur Förderung an US-Konzerne vergeben. Die Vereinigten Staaten hatten Gómez bei seiner Machtübernahme unterstützt und konnten nun mit diesem Gegengeschäft rechnen.

Bis in die 1920er dominierte in Venezuela der landwirtschaftliche Sektor. Noch 1913 stellten Kaffee und Kakao 93% der Exporte des Landes. Mit der beginnenden Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren kam es zu einem Preisverfall für traditionelle Exportgüter wie Kaffee- und Kakao. Damit wurde das Erdöl als Devisenbringer für den Staat immer wichtiger. 1926 war der Wert der Erdölausfuhren zum ersten Mal größer als alle traditionellen Exportgüter wie Kakao, Kaffee, Zucker zusammen. In diese Zeit ist der Beginn der Industrialisierung in Venezuela anzusetzen. Die Großgrundbesitzer zogen ihr Kapital aus dem Landwirtschaftssektor ab und investierten in den städtischen tertiären Sektor. Es begann ein Kapitaltransfer vom Land in die Stadt. Der Zerfall des Agrarsektors führte zu einer Landflucht der unterbeschäftigten Bevölkerung. Es setzte der Prozess der Industrialisierung ein und damit auch eine Veränderung der sozialen Verhältnisse.

Diese Entwicklung ist gut ablesbar am Beispiel der Hauptstadt Caracas:

„Die urbane Segregation vertiefte sich. Die Reichen bauten sich ihr eigenes Stadtviertel in einem Teil des Tals, der sinnigerweise „El Paraíso“ hieß. Die Handwerker und viele Angehörige der Mittelschichten blieben im alten Zentrum. Um dieses herum wurden neue Wohnviertel gebaut. Da sich nun auch Industrien in Caracas ansiedelten und die ersten staatlichen Dienstleistungsbetriebe Arbeiter brauchten, entstand allmählich ein Proletariat, das allerdings noch nicht räumlich von den Mittelschichtvierteln und dem Zentrum getrennt wohnte. Der Auszug der Reichen aus der bis dahin integrierten Stadt und die damit verbundene Umschichtung der Infrastruktur führten rasch dazu, daß das Zentrum herunterkam.“

Unter der nachfolgenden Regierung von López Contreras wurde eine Politik der Modernisierung forciert. Mitte der 30er Jahre kam es zu Formierung demokratischen Bewegungen des Movimiento de Organización Venezolana ORVE, dem späteren Partido Democrático Nacional PDN. Im Dezember 1936 kam es zu Unruhen und Streiks der Erdölarbeiter. Die Folge war eine repressive Politik der Regierung gegenüber der Opposition. Linke Organisationen wurden verboten, viele Oppositionelle gingen ins Exil.

I.1 Der Versuch vom Aufbau eines Sozialstaates

Am 18.10.1945 fand die „demokratische Revolution“ statt, ein Putsch durch das Militär und die sozialdemokratische Acción Democrática. In der dreijährigen Regierungszeit, dem Trienio, wurde ein Sozialversicherungssystem eingerichtet, weiters ein Ministerium für Arbeit und Bauern- und Arbeiterorganisationen gegründet und in das Gesundheits- und Bildungswesen investiert. Eine Landreform scheiterte, es wurde lediglich eine Preisgarantie für landwirtschaftliche Produkte durchgesetzt. Die Auswirkungen der wirtschaftlichen Entwicklung, wie ungerechte Einkommensverteilung und eine katastrophale soziale Situation für den Großteil der venezolanischen Bevölkerung, konnten dadurch aber nicht vermindert werden. Bereits 1943 war die Besteuerung der Erdölkonzerne gesetzlich festgelegt worden. Zu der Zeit hatte die PDN die Nationalisierung des Erdölsektors gefordert, da das Erdöl bereits 94% des Gesamtexportes darstellte und der Staat lediglich eine Gewinnbeteiligung hatte. In ihrer Funktion als Regierung distanzierte sich aber die Partei von diesem Plan, um die guten Beziehungen zu den USA nicht zu gefährden. Stattdessen wurden US-amerikanische Konzerne dazu angehalten, ihre Investitionen in das Land zu tätigen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Venezuela: Wirtschafts- und Entwicklungspolitik im 20. Jahrhundert
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Politikwissenschaft)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
10
Katalognummer
V41576
ISBN (eBook)
9783638398152
ISBN (Buch)
9783638749961
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Venezuela, Wirtschafts-, Entwicklungspolitik, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Mag.phil. Verena Brunner (Autor), 2002, Venezuela: Wirtschafts- und Entwicklungspolitik im 20. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41576

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