Kommunikationsmodelle als Hilfestellung bei der Interaktion mit Menschen mit Demenz


Studienarbeit, 2016

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis.

1 Einleitung....

2 Kommunikationsmodelle.
2.1 Zwischenmenschliche Kreisläufe nach Schulz von Thun
2.1.1 Vier-Ohren-Modell
2.1.2 Teufelskreismodell
2.1.3 Das „Innere Team“
2.2 Neurolinguistisches Programmieren nach Bandler und Grinder
2.3 Vergleich des Vier-Ohren-Modells mit dem Neurolinguistischen Programmieren

3 Anwendungsbeispiele aus dem Alltag mit dementen Personen
3.1 Alltagssituationen in der Pflege analysiert mit den Modellen von Schulz von Thun
3.1.1 Problemdarstellung anhand des Teufelskreismodells
3.1.2 Lösungsansätze durch das „Innere Team“.
3.2 Mehr Verständnis durch NLP

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anteile der verschiedenen Altersgruppen in der Bevölkerung

Abbildung 2: Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun

Abbildung 3: Teufelskreismodell nach Schulz von Thun.

1 Einleitung

Es vergeht kaum eine Woche ohne dass die Medien über das Thema demografischer Wandel und die damit verbundenen Probleme berichten. „Generationskonflikt“ oder „Vergreisung“ der Gesellschaft sind Themen, die ständig diskutiert werden. (vgl. Domschke/Brandenburg, 2007, S.13)

Folgende Abbildung zeigt wie sich unsere Gesellschaft in den letzten Jahren entwickelt hat und welche Prognosen Experten für die Jahre 2030 und 2060 abgeben.

Abbildung 1: Anteile der verschiedenen Altersgruppen in der Bevölkerung (vgl. STBA, 2015, S. 19)

Aktuell sind circa 20 Prozent der Deutschen älter als 60 Jahre. Im Jahr 2030 wird etwa ein Drittel der Bevölkerung die 60 überschritten haben (vgl. STBA, 2015, S. 17 ff.). Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit an Demenz zu erkranken.

In Deutschland leben zurzeit etwa 1,6 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Die Krankheit wird für viele Familien zum Alltag und die Pflege der Erkrankten erweist sich in vielen Fällen als problematisch. Liegt der Anteil Demenzkranker bei den 60-Jährigen noch bei einem Prozent, steigt er bei den 80-Jährigen auf 20 Prozent und bei den 90-Jährigen sogar auf bis zu 50 Prozent an. Prognosen zeigen auf, dass bereits im Jahre 2050 mit bis zu drei Millionen Demenzkranken zu rechnen ist (vgl. Bickel, H., 2016, S. 1).

Demenz ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema. Die Ressourcen aus prakti- schen Erfahrungen und weltweiter Forschung wurden bisher nicht gezogen. Bis heute sind

Ursachenforschung sowie die richtige Medikation umstritten. Für die Kranken und ihre Fami- lien ein ernüchternder Aspekt. 60% der Demenzkranken werden zu Hause gepflegt und be- treut, was viel Zeit, Geduld und Liebe erfordert (vgl. Ärzte Zeitung online, 2011, S.1). Die Beteiligten werden täglich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Der Pflegealltag zehrt oftmals an den physischen und psychischen Kräften der Angehörigen. Bei dieser wichtigen, aber oft auch sehr belastenden Aufgabe ist die „Kommunikation“ mit dem Erkrankten ein immens wichtiger Faktor.

„ Das wichtigste an Kommunikation ist, zu h ö ren, was nicht gesagt wird. “

- Peter Ferdinand Drucker

Die folgende Arbeit setzt sich mit der Präsentation zum Thema „Kommunikation mit Men- schen mit Demenz“ auseinander. Dabei werden vier Kommunikationsmodelle vorgestellt, die eine Förderung der Kommunikation mit Demenzkranken durch praxistaugliche Methoden ermöglichen.

2 Kommunikationsmodelle

2.1 Zwischenmenschliche Kreisläufe nach Schulz von Thun

2.1.1 Vier-Ohren-Modell

Das Vier-Ohren-Modell, auch Kommunikation- oder Nachrichtenquadrat genannt, wurde be- reits in den 60er Jahren vom Hamburger Psychologen Friedemann Schulz von Thun in An- lehnung an das Eisberg-Modell von Sigmund Freud entwickelt. Sein Modell behandelt die kommunikationspsychologischen Prinzipien, die bei jeder Art zwischenmenschlicher Kom- munikation und Informationsvermittlung wirksam werden. Dabei geht er davon aus, dass jede Äußerung vier mögliche Botschaften enthält: eine Sachinformation, eine Selbstkundgabe, einen Beziehungshinweis und einen Appell (vgl. Schulz von Thun/Zach/Zoller (2012), S. 114 f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun (vgl. Schulz von Thun, F., 2009)

Aus den “vier Schnäbeln” entspringt die Äußerung des Senders und trifft dabei auf die dem- entsprechenden “vier Ohren” des Empfängers. Für die Qualität der Kommunikation sind so- wohl Sender als auch Empfänger verantwortlich. Eine der vier Ebenen bildet die „Sachebe- ne“, die dem Empfänger sämtliche Daten und Fakten sowie Sachinformationen übermittelt. Die Reaktion des Empfängers folgt auf dem „Sachohr“. Mithilfe des „Selbstkundgabeschna- bels“ kann der Sender sowohl bewusste als auch unbewusste Hinweise über die eigenen Ge- fühle, Werte, Eigenarten und Bedürfnisse zum Ausdruck bringen. Dabei empfängt der Ge- sprächspartner die Informationen durch das „Selbstkundgabeohr“ und verarbeitet diese an- schließend. Die vielfältige Art einer Kommunikation kann nicht nur Auskunft über die Per- sönlichkeit des Senders geben, sondern auch seine Beziehung zu dem Empfänger definieren. Die „Beziehungsseite“ in dem Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Beziehungshinweisen, welche durch den „Beziehungsschnabel“ in Form von bestimmten Formulierungen, dem Tonfall, der Mimik und Gestik gesendet werden können. Diese Hinweise werden durch das „Beziehungsohr“ empfangen. Durch die Kommu- nikation wird dem Sender zusätzlich die Möglichkeit geboten, Einfluss auf den Empfänger auszuüben. Dieser Effekt wird auf der „Appellseite“ des Kommunikationsquadrates berück- sichtigt. So können Wünsche, Erwartungen, Appelle, Ratschläge oder Handlungsanweisungen mit dem Ziel einer Verinnerlichung und Umsetzung seitens des Empfängers geäußert werden. Dabei wird zwischen offenen und verdeckten Appellen unterschieden. Unter einem offenen Appell versteht man eine Bitte oder Aufforderung, während eine verdeckte Veranlassung mit Manipulation gleichzustellen ist. Informationen werden hierbei mittels eines „Appellschna- bels“ vermittelt und mithilfe eines „Appellohres“ aufgenommen und verarbeitet (vgl. Schulz von Thun/Zach/Zoller (2012), S. 115-118.).

2.1.2 Teufelskreismodell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Teufelskreismodell nach Schulz von Thun (vgl. Schulz von Thun, F., 2009)

Das Teufelskreismodell von Schulz von Thun basiert auf der alltäglichen Reaktion, wenn zwei Menschen miteinander in Kontakt treten (vgl. Schulz von Thun/Zach/Zoller (2012), S. 215). Ein Teufelskreis beschreibt einen Zustand, der entsteht, wenn mehr vom unerfreulichen Einen zu mehr vom unerfreulichen Anderen und umgekehrt führt, so dass es zu einer beidsei- tigen Steigerung des Negativen kommt (vgl. Osselmann (2003)). Es entsteht eine Reiz- Reaktionskette aus Äußerungen und Antworten. Im Falle einer negativen Beziehungsdynamik ohne einen konstruktiven Ausweg kann das Verständnis über das Teufelskreismodell weiter- helfen, um diesen selbst verstärkenden Prozess zu erkennen und die konstante Verschlechte- rung des Zustands zu stoppen (vgl. Schulz von Thun/Zach/Zoller (2012), S. 215-217). Der Teufelskreis ist gekennzeichnet durch die Automatik seines Ablaufes sowohl zwischen den Beteiligten als auch in der Gefühlsreaktion „innerhalb“ der Beteiligten - das macht ihn bremsresistent und beschleunigt ihn enorm (vgl. Thomann, & Schulz von Thun, 2003, S. 265 ff.).

2.1.2 Das „Innere Team“

Das „Innere Team“ ist ein Persönlichkeitsmodell von Schulz von Thun, das die Selbstklärung eines einzelnen Menschen unterstützt und ihm somit hilft, klar und verständlich nach außen hin zu kommunizieren. Viele Menschen gaben in ihrem Leben schon Aussagen von sich, die sie später bitter bereut haben und gerne ungeschehen machen würden. Auch ist es wohl vielen Menschen schon einmal passiert aus einem total nichtigen Grund unangemessen zu reagieren. Nach Schulz von Thun besitzt jeder Mensch nicht nur eine Persönlichkeit, sondern mehrere verschiedene Persönlichkeitsanteile (sogenannte „Mitspieler“), die sich oftmals kreuzen oder gegenseitig im Weg stehen. Folglich entstehen Äußerungen und Handlungen („Botschaften“), die eigentlich nicht gewollt sind und später bereut werden. Diese Anteile einer Persönlichkeit werden von Schulz von Thun als „Inneres Team“ definiert, welche in ständiger Wechselwir- kung miteinander agieren (Schulz von Thun/Zach/Zoller (2012), S. 94).

2.2 Neurolinguistisches Programmieren nach Bandler und Grinder

In den 70er Jahren wurde das Kommunikationsmodell „Neurolinguistisches Programmieren“, abgekürzt NLP, von dem Mathematikstudenten und späteren Psychologen Richard Bandler und dem Linguisten John Grinder entwickelt. Die Bezeichnung „Neurolinguistisches Pro- grammieren“ lässt darauf schließen, dass sich Prozesse im Gehirn, in der Fachsprache mit dem Präfix „Neuro“ gekennzeichnet, mit Hilfe der Sprache, auch Linguistik genannt, auf Ba- sis systematischer Handlungsanweisungen beeinflussen und somit programmieren lassen. Die Entwickler des NLP definieren das Modell als ein Studium über die Struktur subjektiver Er- fahrung (vgl. Landsiedel (o.J.) (a)). Im Zentrum dieser Lehre steht die Frage „Wie machen Menschen das, was sie machen?“ (vgl. Mohl (2006), S. 66). Die Anwendung von NLP soll ermöglichen, bestimmte Verhaltensmuster besser nachvollziehen zu können und diese an- schließend durch gezielte Kommunikation effektiver zu gestalten (vgl. Mauritz (o.J.)). Grund- sätzlich geht NLP davon aus, dass die menschliche Persönlichkeit aus den bisherigen Lern- prozessen resultiert (vgl. Mohl (2006), S. 67). Dabei spielen mentale Prozesse eine entschei- dende Rolle, denn obwohl diese Vorgänge unsichtbar sind, bestimmen sie unser Verhalten. Sowohl verbale als auch nonverbale Signale lassen auf solche inneren, nicht direkt beobacht- baren, Prozesse schließen (vgl. Landsiedel (o.J.) (b)). Hierbei stellt die individuelle Wahr- nehmung einen entscheidenden Faktor dar. Der Mensch ist mit insgesamt fünf Kommunikati- onskanälen ausgestattet, welche mit Hilfe der Sinnesorgane die Aufnahme von Reizen aus der Umwelt ermöglichen. Durch das Auge werden Reize visuell aufgenommen. Während das Hören als auditiver Kanal bezeichnet wird, versteht man unter dem kinästhetischen Sinn jede Form von Fühlen auf der Haut. Eindrücke, die durch die Nase entstehen, werden hingegen olfaktorisch zur Kenntnis genommen. Des Weiteren können durch die Zunge sogenannte gus- tatorische Reize wahrgenommen werden. Sind die Reize aufgenommen, so werden diese an- schließend entsprechend zu Bildern (visuell), Geräuschen (auditiv), Gefühlen (kinästhetisch) oder zu Eindrücken von Gerüchen (olfaktorisch) oder Geschmäckern (gustatorisch) verarbei- tet und als Erinnerung gespeichert. Laut NLP sind diese sensorischen Prozesse und deren Verarbeitung der Beginn des menschlichen Lernprozesses. Daraufhin folgt die Entwicklung mentaler Muster, die das Verhalten lenken. Durch weitere Verarbeitung von Erfahrungen entwickelt sich schließlich die individuelle Persönlichkeit (vgl. Landsiedel (o.J.) (c)). Um bestimmte Verhaltensmuster verändern zu können, setzt NLP an den genannten unsichtbaren mentalen Prozessen an. Dazu werden die inneren Verarbeitungsprozesse mit Hilfe von Befra- gungen und Beobachtungen analysiert. Der Unterschied zu anderen Modellen ist hierbei, dass NLP sich an den Methoden diverser Ansätze zur Verbesserung von Kommunikation bedient und somit eine Vielzahl an Vorgehensweisen bietet (vgl. Landsiedel (o.J.) (b)).

2.3 Vergleich des Vier-Ohren-Modells mit dem Neurolinguistischen Programmieren

Im Vergleich der zwei vorgestellten Kommunikationsmodelle lassen sich sowohl Gemein- samkeiten als auch Unterschiede feststellen. Beide Modelle sind im 20. Jahrhundert entstan- den und verfolgen grundsätzlich das Ziel, zwischenmenschliche Kommunikation zu analysie- ren und zu optimieren. Um Interaktionsstörungen vorbeugen zu können, versuchen beide Modelle dessen Ursachen auf den Grund zu gehen. Konversationsprobleme können laut der Vertreter beider Kommunikationsmodelle ausschließlich auf der mentalen Ebene gelöst wer- den. Darüber hinaus beschreiben beide Theorien, dass es unmöglich ist, nicht zu kommunizie- ren, da Menschen sowohl verbale als auch nonverbale Signale zum Austausch von Informati- onen nutzen. Beide Modelle haben zudem zur Zielsetzung nicht nur theoretisch zu existieren, sondern auch effizienten Einsatz in der Praxis zu ermöglichen. Sowohl die Vertreter des NLP, Bandler und Grinder, als auch der Begründer des Kommunikationsquadrates, Schulz von Thun, verstehen unter dem Begriff Kommunikation einen Prozess, bei dem der Sender und der Empfänger durch eine Reiz-Reaktionskette verbunden sind (vgl. Härtel (2014), S.73 f.).

Dennoch können beim Vergleich der beiden Modelle auch Unterschiede aufgezeigt werden. Im NLP-Schema werden beispielsweise die Betrachtungsweisen mit Kommunikationstechni- ken verbunden, um humane Gesprächsabläufe besser zu verstehen. Der Aufbau von Ideen vorhandener Kommunikationsmodelle und die teleologische Entwicklung bilden die Basis der erfolgreichen Anwendung in der Praxis. Weiter unterscheiden sich beide Modelle bei der Ur- sachenforschung, wenn der Empfänger die Informationen des Senders fehldeutet. Im Kom- munikationsquadrat stellt Schulz von Thun den Inhalts- sowie den Beziehungsaspekt einer Nachricht dar, der für den Transport und Empfang einer Botschaft zuständig ist. Zudem er- weitert er sein Modell um die Selbstoffenbarungs- und Appellebene und betont dabei die Problematik von Kommunikationsvorgängen. Im Gegensatz dazu konzentriert man sich im NLP auf die Wahrnehmungsprozesse, welche mit Hilfe von Sinnesorgangen visuell, auditiv, kinästhetisch, olfaktorisch und gustatorisch gesendet und aufgenommen werden. Außerdem steht im NLP nicht die Identifikation eines Problems im Mittelpunkt, sondern die aktive Ver- änderung psychologischer Attribute. Letztendlich gehören beide Modelle zu den am häufigs- ten angewendeten Kommunikationsmodellen in Deutschland (vgl. Härtel (2014), S.73 f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Kommunikationsmodelle als Hilfestellung bei der Interaktion mit Menschen mit Demenz
Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH  (Sportmanagement)
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
25
Katalognummer
V416817
ISBN (eBook)
9783668662889
ISBN (Buch)
9783668662896
Dateigröße
644 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kommunikationsmodelle, hilfestellung, interaktion, menschen, demenz
Arbeit zitieren
Thomas Biller (Autor:in), 2016, Kommunikationsmodelle als Hilfestellung bei der Interaktion mit Menschen mit Demenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416817

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