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Das druckgraphische Werk Parmigianinos und seine unterschiedliche Behandlung in Vasaris Viten von 1550 und 1568

Title: Das druckgraphische Werk Parmigianinos und seine unterschiedliche Behandlung in Vasaris Viten von 1550 und 1568

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 18 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Sonja Longolius (Author)

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Vor allem das malerische Werk Parmigianinos ist in der Kunstgeschichte viel besprochen worden. Sein zeichnerisches und druckgrafisches Werk jedoch, das in Umfang und Qualität seinen anderen Arbeiten in nichts nachsteht, scheint erst in den letzten Jahrzehnten größeres Interesse erregt zu haben. Parmigianino war ein leidenschaftlicher Zeichner, was seine annährend tausend, noch heute erhaltenen Zeichnungen beweisen. Doch beließ es der mit dem 'disegno' begnadete Künstler nicht beim Malen und Zeichnen, sondern wandte sich ebenfalls den unterschiedlichen Techniken der Vervielfältigung zu, die ihm in der ersten Hälfte des Cinquecento zur Verfügung standen. Er selbst erlernte die Technik der Radierung und engagierte für die schwierigeren Vervielfältigungsmethoden, Kupferstich und Holzschnitt, Spezialisten, um seine Zeichnungen auch in diesen Medien reproduzieren zu können. Dabei ging es Parmigianino nicht nur um ein Vervielfältigen seiner Werke, sondern ebenfalls um eine intensive Beschäftigung mit unterschiedlichen Medien der Druckgrafik und ganz neuartigen Wirkungen, die mit diesen erzielt werden konnten.
Obschon der Biograph und Kunsthistoriker Giorgio Vasari das Werk Parmigianinos mit großer Hochachtung und Wertschätzung beschreibt und in dem Künstler sogar den wiedergeborenen Geist Raffaels zu entdecken vermeint, stößt Parmigianinos Begeisterung und Interesse für experimentelle Methoden und die handwerklichen Künste auf Missfallen und Unverständnis. Seine Kritik an Parmigianinos unhöfischer Lebensführung und dessen Faszination für handwerkliche Experimente ist nicht zu übersehen. Interessanterweise verstärkt Vasari seine Kritik an Parmigianinos Künstlerauffassung in der erweiterten, zweiten Ausgabe seiner "Vita di Parmigianino", die achtzehn Jahre nach der ersten Ausgabe von 1550, erschien. Das druckgraphische Werk wird in der zweiten Ausgabe nur noch am Rande erwähnt, der Künstler selbst für sein Interesse an handwerklichen Experimenten angegriffen und diskreditiert. Diese Kritik wirft Fragen auf.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Parmigianinos druckgraphisches Werk

i. Die Zusammenarbeit mit Giovanni Caraglio am Beispiel des Kupferstichs „Martyrium des heiligen Paulus und die Verurteilung des heiligen Petrus“

ii. Die Zusammenarbeit mit Antonio da Trento am Beispiel des Chiaroscuro-Holzschnitts „Martyrium des heiligen Paulus und die Verurteilung des heiligen Petrus“

iii. Die Zusammenarbeit mit Ugo da Carpi am Beispiel des Chiaroscuro-Holzschnitts „Diogenes“

iv. Abschließende Betrachtung des druckgraphischen Werks Parmigianinos

III. Die unterschiedliche Beurteilung von Parmigianinos druckgraphischem Werk in Giorgio Vasaris Vita di Parmigianino von 1550 und 1568

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das druckgraphische Schaffen des Künstlers Parmigianino und hinterfragt die unterschiedliche kunsthistorische Bewertung dieses Werkes durch Giorgio Vasari in den beiden Ausgaben seiner Künstlerviten (1550 und 1568). Dabei liegt der Fokus auf der künstlerischen Kooperation zwischen Parmigianino und namhaften Druckgraphikern sowie der politischen Dimension von Vasaris abwertender Kritik im Kontext der zeitgenössischen Künstlerauffassung.

  • Künstlerische Zusammenarbeit mit Kupferstechern und Holzschneidern
  • Analyse spezifischer Werke wie das „Martyrium des heiligen Paulus“ und „Diogenes“
  • Untersuchung der Rolle des „Disegno“ in der Kunsttheorie der Renaissance
  • Vergleich der Vasari-Viten von 1550 und 1568 hinsichtlich der Bewertung von Druckgraphik
  • Einfluss der „Accademia del Disegno“ auf das zeitgenössische Künstlerbild

Auszug aus dem Buch

II.ii. Die Zusammenarbeit mit Antonio da Trento am Beispiel des Chiaroscuro-Holzschnitts „Martyrium des heiligen Paulus und die Verurteilung des heiligen Petrus“

Wie Vasari berichtet, flüchtete Parmigianino 1527 nach Bologna. Hier liest man „zu jener Zeit ließ er einige Helldunkelschnitte schneiden, unter anderem die Enthauptung der Heiligen Petrus und Paulus sowie einen großformatigen Diogenes. Er bereitete auch viele andere [Zeichnungen] vor, um sie als Kupferstich auszuführen und drucken zu lassen, da er zu diesem Zweck einen Meister Antonio da Trento bei sich hatte.“ Auch wenn Vasari die zeitlichen Abläufe falsch darstellt, bezeugt diese Passage dennoch von dem erweiterten Interesse Parmigianinos an anderen Formen der Vervielfältigung seiner Zeichnungen. Nachdem Parmigianino in Rom mit führenden Kupferstechern gearbeitet hatte, machte er sich spätestens in Bologna mit der immer noch neuartigen Technik des Farbholzschnittes vertraut, wobei er diesen, im Gegensatz zur leichter erlernbaren Radierung, nicht selbst beherrschte, sondern auch in diesem Medium, wie schon beim Kupferstich, auf die Zusammenarbeit mit professionellen Holzschneidern angewiesen war.

Die Technik des Farbholzschnittes war um 1500 erstmals in Deutschland erprobt worden. Neben der Strichplatte, mit der bis dahin Schwarzweiß-Holzschnitte hergestellt worden waren, werden beim Chiaroscuro-Holzschnitt zusätzlich eine oder mehrere Tonplatten übereinander gedruckt, wodurch die Wirkung einer farbig lavierten Feder- oder Pinselzeichnung erreicht wird. Auf allen Druckstöcken werden die Lichter, also die hellsten Stellen, ausgeschnitten, so dass an diesen Stellen beim Abdruck das Weiß des Druckpapiers zur Geltung kommt. Für die schwarzen Konturen wird häufig eine eigene Linienplatte geschnitten.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Das Kapitel führt in das druckgraphische Schaffen Parmigianinos ein, betont dessen Qualität und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Grund für Giorgio Vasaris unterschiedliche und diskreditierende Bewertung dieses Werkes in seinen Viten.

II. Parmigianinos druckgraphisches Werk: Hier werden die handwerklichen Kooperationen des Künstlers mit spezialisierten Stechern und Holzschneidern beleuchtet, die zu innovativen Werken führten.

II.i. Die Zusammenarbeit mit Giovanni Caraglio am Beispiel des Kupferstichs „Martyrium des heiligen Paulus und die Verurteilung des heiligen Petrus“: Es wird analysiert, wie die Zusammenarbeit in Rom die malerischen Qualitäten Parmigianinos in Kupferstichen umsetzte und wo die Grenzen der grafischen Möglichkeiten in diesem Medium lagen.

II.ii. Die Zusammenarbeit mit Antonio da Trento am Beispiel des Chiaroscuro-Holzschnitts „Martyrium des heiligen Paulus und die Verurteilung des heiligen Petrus“: Dieses Kapitel behandelt die technische Verfeinerung durch den Chiaroscuro-Holzschnitt und die gesteigerte Dynamik in der Darstellung im Vergleich zum Kupferstich.

II.iii. Die Zusammenarbeit mit Ugo da Carpi am Beispiel des Chiaroscuro-Holzschnitts „Diogenes“: Analyse des Werkes „Diogenes“ als Meisterwerk, das Michelangelos Einfluss verarbeitet und die Verschmelzung von Zeichnung und Fläche in der Druckgrafik aufzeigt.

II.iv. Abschließende Betrachtung des druckgraphischen Werks Parmigianinos: Zusammenfassung der künstlerischen Unabhängigkeit und der hohen Qualität der Kooperationen, die weit über bloße Dienstleistungen hinausgingen.

III. Die unterschiedliche Beurteilung von Parmigianinos druckgraphischem Werk in Giorgio Vasaris Vita di Parmigianino von 1550 und 1568: Dieses Kapitel erläutert, wie politische Ambitionen und das Ideal des „Disegno“ dazu führten, dass Vasari Parmigianinos druckgraphisches Werk in der späteren Ausgabe seiner Viten abwertete.

Schlüsselwörter

Parmigianino, Giorgio Vasari, Druckgraphik, Chiaroscuro-Holzschnitt, Kupferstich, Disegno, Accademia del Disegno, Giovanni Caraglio, Antonio da Trento, Ugo da Carpi, Renaissance, Manierismus, Kunsttheorie, Diogenes, Martyrium.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem druckgraphischen Werk von Parmigianino und der Frage, warum dieses von Giorgio Vasari in seinen Künstlerviten zwischen 1550 und 1568 so gegensätzlich bewertet wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Schwerpunkte liegen auf den künstlerischen Kooperationen mit Druckgraphikern, der technischen Entwicklung der Chiaroscuro-Holzschnitte und dem kunsttheoretischen Kontext des „Disegno“ im 16. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den druckgraphischen Werkkomplex Parmigianinos als eigenständige und hochwertige künstlerische Leistung zu rehabilitieren und Vasaris Kritik als politisch motiviertes Unterfangen aufzudecken.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin kombiniert eine vergleichende Analyse der kunsthistorischen Quellen (Vasari-Viten) mit einer kunsttechnologischen Untersuchung der jeweiligen Druckgrafiken.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert konkret die Zusammenarbeit Parmigianinos mit Giovanni Caraglio, Antonio da Trento und Ugo da Carpi anhand spezifischer Beispiele.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Parmigianino, Vasari, Druckgraphik, Chiaroscuro, Disegno und die politische Instrumentalisierung der Kunstgeschichte durch die Accademia del Disegno.

Warum änderte Vasari seine Meinung über Parmigianinos Arbeit?

Die Änderung beruhte maßgeblich auf Vasaris politischem Einsatz für die Accademia del Disegno, in deren Akademie-Konzept die Trennung von Kunst (geistig) und Handwerk (ausführend) zwingend war, wodurch die experimentelle Druckgraphik abgewertet wurde.

Welche Rolle spielt der „Diogenes“-Holzschnitt für die Argumentation?

Der „Diogenes“ dient als Beispiel für die künstlerische Qualität der Kooperation mit Ugo da Carpi und zeigt, wie Parmigianino theoretische Vorbilder wie Michelangelo in sein eigenes grafisches Medium integrierte.

Wird das druckgraphische Werk als bloße Reproduktion angesehen?

Nein, die Arbeit argumentiert explizit dagegen: Die Chiaroscuro-Holzschnitte werden als eigenständige Kunstwerke betrachtet, die einen künstlerischen Austausch und keine reine Dienstleistung darstellen.

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Details

Title
Das druckgraphische Werk Parmigianinos und seine unterschiedliche Behandlung in Vasaris Viten von 1550 und 1568
College
Free University of Berlin  (Kunstgeschichtliches Institut)
Course
Hauptseminar
Grade
1,7
Author
Sonja Longolius (Author)
Publication Year
2005
Pages
18
Catalog Number
V41731
ISBN (eBook)
9783638399388
ISBN (Book)
9783638778954
Language
German
Tags
Werk Parmigianinos Behandlung Vasaris Viten Hauptseminar Parmigianino Vasari Druckgrafik Renaissance
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sonja Longolius (Author), 2005, Das druckgraphische Werk Parmigianinos und seine unterschiedliche Behandlung in Vasaris Viten von 1550 und 1568, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41731
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