Religionsunterricht zwischen Tradition und Aufbruch. Was bringen wir den Schüler(-innen) bei? Und vor allem wie?
Auf der einen Seite wird ein neues Bewusstsein, zur Förderung einer religiösen und interreligiösen Kompetenz, gefordert. Als Gründe werden unter anderem Konflikte aufgrund einer unreflektierten Religiosität genannt. Auf der anderen Seite jedoch wird eine Trennung der Schülerinnen und Schüler in verschiedene Konfessionen – aufgrund der zunehmenden religiösen Vielfalt – als nicht mehr zukunftsfähiges Modell angesehen. Ein friedliches Miteinander sei nur in einem Religionsunterricht möglich, in dem alle partizipieren dürfen. Jedoch müssen auch hier Schwierigkeiten auf der schulorganisatorischen Ebene berücksichtigt werden. Aufgrund rückläufiger Geburtenraten und Taufen, kann rein konfessionell getrennter Religionsunterricht oft gar nicht mehr angeboten werden. Diese Erscheinungen betreffen ganz Deutschland, jedoch gibt es abhängig vom Bundesland, vom Stadtteil und von der Schulform große individuelle Unterschiede in der Art und Weise der Durchführung des Religionsunterrichtes. Als Folge dieser Herausforderungen gibt es daher inzwischen einige unterschiedliche Konzeptionen des Religionsunterrichtes, die versuchen sich den aktuellen Bedingungen anzupassen.
Im Rahmen dieser Hausarbeit soll diese Problematik behandelt werden. Was bedeutet Religion heute noch in der Schule? Wie kann sich das Fach in einer säkularisierten, durch gesellschaftliche Veränderungen geprägten Gesellschaft durchsetzen? Welche Auswirkungen haben unterschiedliche Modelle für den religiösen Lernprozess? Wo gibt es Vor- beziehungsweise Nachteile für die Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, das Fach? Welche Zukunftsoptionen sind denkbar?
Diese wissenschaftliche Hausarbeit diente als Zulassungsarbeit für das erste Staatsexamen an Sekundarstufen in Baden-Württemberg und wurde mit der Note 1,5 bewertet.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung – Eine gemeinsame Herausforderung
2. Situationsanalyse – Eine Gesellschaft im Wandel
2.1 Gesellschaftliche und religiöse Entwicklung in Deutschland
2.2 Überzeugungswandel – Säkularisierung und Individualisierung
2.3 Länderspezifischer Umgang mit religiöser Pluralität
2.3.1 Geschichte des Religionsunterrichts in Deutschland
2.3.2 Rechtliche und organisatorische Grundlagen
3. Kirchliche Positionen
3.1 Katholische Perspektive
3.1.1 Unitatis redintegratio (1964)
3.1.2 Beschluss der Würzburger Synode (1974)
3.1.3 Die bildende Kraft des Religionsunterrichts (1996)
3.1.4 Religionsunterricht vor neuen Herausforderungen (2005)
3.1.5 Die Zukunft des konfessionellen Religionsunterrichts (2016)
3.2 Evangelische Perspektive
3.2.1 Vorgeschichte
3.2.2 Identität und Verständigung (1994)
3.2.3 Zehn Thesen zum Religionunterricht (2006)
3.2.4 Religiöse Orientierung gewinnen (2014)
3.2.5 Ökumene im 21. Jahrhundert (2015)
3.3 Fazit
4. Unterschiedliche Modelle von Religionsunterricht
4.1 Leitfragen und Ziele des Vergleichs
4.2 Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht
4.2.1 Koko – was ist das?
4.2.2 Koko aus der Schülerperspektive
4.2.3 Koko aus der Lehrerperspektive
4.2.4 Weitere Perspektiven
4.3 Das Hamburger Modell
4.3.1 „Unterricht für alle“ – was ist das?
4.3.2 Hamburger Modell aus der Schülerperspektive
4.3.3 Hamburger Modell aus der Lehrerperspektive
4.3.4 Weitere Perspektiven
4.4 Vergleich beider Modelle
4.4.1 Konsequenzen des KoKo RU
4.4.2 Konsequenzen des Hamburger Modells
4.4.3 Diskussion
5. Entwicklung eines zukunftsweisenden Modells
5.1 Vom KoKo RU zum RKRU?
5.2 Neues Modell – neue Herausforderungen
6. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie der Religionsunterricht im 21. Jahrhundert angesichts einer zunehmend pluralistischen und säkularen Gesellschaft gestaltet werden muss, um anschlussfähig zu bleiben. Dabei wird erforscht, ob konfessionell getrennte Modelle oder kooperative bzw. integrative Konzepte wie das Hamburger Modell die bessere Antwort auf die religiöse Vielfalt bieten.
- Gesellschaftlicher Wertewandel und Säkularisierung
- Vergleich von konfessionell-kooperativem Religionsunterricht (KoKo RU) und dem Hamburger Modell
- Die Perspektiven von Schülern, Lehrkräften und Kirchen
- Erörterung zukunftsweisender, religions-kooperativer Unterrichtsmodelle
Auszug aus dem Buch
1 Hinführung – Eine gemeinsame Herausforderung
Wie sollte der Religionsunterricht im 21. Jahrhundert aussehen? Brauchen wir konfessionell getrennten Unterricht oder eine Ökumene? Ist ein gemeinsamer Religionsunterricht für alle die Antwort auf die religiöse Vielfalt, der wir in Deutschland gegenüberstehen? Oder muss komplett umgedacht und ein neues Unterrichtsmodell entwickelt werden? Diese Fragen beschäftigen Wissenschaftler, Theologen und Pädagogen gleichermaßen und die Antwortversuche darauf sind sehr unterschiedlich.
Auf der einen Seite wird ein neues Bewusstsein, zur Förderung einer religiösen und interreligiösen Kompetenz, gefordert. Als Gründe werden unter anderem Konflikte aufgrund einer unreflektierten Religiosität genannt. Auf der anderen Seite jedoch wird eine Trennung der Schülerinnen und Schüler in verschiedene Konfessionen – aufgrund der zunehmenden religiösen Vielfalt – als nicht mehr zukunftsfähiges Modell angesehen. Ein friedliches Miteinander sei nur in einem Religionsunterricht möglich, in dem alle partizipieren dürfen. Jedoch müssen auch hier Schwierigkeiten auf der schulorganisatorischen Ebene berücksichtigt werden. Aufgrund rückläufiger Geburtenraten und Taufen, kann rein konfessionell getrennter Religionsunterricht oft gar nicht mehr angeboten werden. Diese Erscheinungen betreffen ganz Deutschland, jedoch gibt es abhängig vom Bundesland, vom Stadtteil und von der Schulform große individuelle Unterschiede in der Art und Weise der Durchführung des RU. Als Folge auf diese Herausforderungen gibt es daher inzwischen einige unterschiedliche Konzeptionen des RU, die versuchen sich den aktuellen Bedingungen anzupassen.
Das wirft wiederum neue Fragen auf: Was bedeuten unterschiedliche Modelle für religiöse Lernprozesse? Wo gibt es Vor- bzw. Nachteile für die SuS, Lehrkräfte, das Fach? Was muss geändert werden um den Religionsunterricht in einer Zeit von Säkularisierung und Individualisierung wieder anschlussfähig zu machen?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung – Eine gemeinsame Herausforderung: Diese Einleitung skizziert die Problematik des Religionsunterrichts in einer pluralistischen Gesellschaft und stellt die Leitfragen zur Zukunft der Unterrichtsmodelle vor.
2. Situationsanalyse – Eine Gesellschaft im Wandel: Das Kapitel analysiert die demografischen und religiösen Veränderungen in Deutschland sowie die rechtlichen und historischen Rahmenbedingungen, die die Vielfalt des Faches bedingen.
3. Kirchliche Positionen: Hier werden die theologischen Stellungnahmen der katholischen und evangelischen Kirche anhand offizieller Dokumente dargelegt, die sich mit der Öffnung des Religionsunterrichts befassen.
4. Unterschiedliche Modelle von Religionsunterricht: Der Hauptteil vergleicht den konfessionell-kooperativen Religionsunterricht und das Hamburger Modell intensiv aus der Perspektive der beteiligten Akteure.
5. Entwicklung eines zukunftsweisenden Modells: Basierend auf den vorangegangenen Analysen wird ein religions-kooperatives Modell diskutiert, das aktuelle Herausforderungen aufgreifen soll.
6. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und plädiert für eine aktive Weiterentwicklung des Religionsunterrichts im Sinne einer interreligiösen Kooperation.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, konfessionelle Kooperation, Hamburger Modell, Pluralität, Säkularisierung, Identitätsbildung, interreligiöser Dialog, Religionspädagogik, Schülerperspektive, Lehrerperspektive, Religions-kooperativer Religionsunterricht, christliche Konfessionen, Wertevermittlung, Schulentwicklung, Religionsmündigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die aktuelle Situation des Religionsunterrichts in Deutschland im Kontext gesellschaftlicher Pluralität und untersucht verschiedene Unterrichtsmodelle auf ihre Zukunftsfähigkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Säkularisierung, die Rolle der Konfessionen, interreligiöser Dialog, die Wahrnehmung des Unterrichts durch Schüler und Lehrer sowie die didaktische Weiterentwicklung des Faches.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Vor- und Nachteile bestehender Modelle zu evaluieren, um eine Basis für ein zukunftsfähiges, kooperatives Religionsunterrichtsmodell zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein Vergleichsansatz gewählt, der sich am Prinzip der Komparativen Theologie orientiert, um qualitative Daten und Perspektiven verschiedener Akteure methodisch auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der konfessionell-kooperative Religionsunterricht und das „Hamburger Modell“ detailliert gegenübergestellt und aus den Sichten von Schülern, Lehrkräften und anderen Beteiligten analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind etwa Religionsunterricht, konfessionelle Kooperation, interreligiöser Dialog, Pluralität, Identitätsbildung und Schulentwicklung.
Was unterscheidet das Hamburger Modell vom konfessionell-kooperativen Unterricht?
Während der konfessionell-kooperative Unterricht primär die Kooperation zwischen den christlichen Konfessionen sucht, ist das Hamburger Modell ein dialogisches Format, an dem Schüler ungeachtet ihrer Religion oder Konfession teilnehmen.
Welche Herausforderungen sieht die Autorin bei neuen Religions-Kooperationsmodellen?
Die Autorin sieht Herausforderungen vor allem im organisatorischen Aufwand, der Notwendigkeit einer spezifischen Lehrerfortbildung und der Überzeugungsarbeit bei Eltern und Schulgremien.
- Arbeit zitieren
- Adrienne Kaergel (Autor:in), 2017, Religiöse Vielfalt in der Schule. Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht im Vergleich zum Hamburger Modell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417873