Die Arbeit gibt einen Einblick darüber, was Kreol- und Pidginsprachen sind, welche Ausprägungen existieren und welchen Genesetheorien sie unterliegen. Schließlich wird am Beispiel der Seychellen eine EInzelfalluntersuchung durchgeführt.
Über die Entstehung der französischen Kreolsprachen im Indischen Ozean (und allgemein über Kreolsprachen) gibt es die verschiedensten Theorien. Obwohl die Geschichte über die Besiedlung und damit auch über die „Geburt“ des Kreols von den Einwanderern ziemlich genau überliefert wurde, herrschen in der Wissenschaft immernoch Unstimmigkeiten. In dieser Hausarbeit sollten verschiedene Genesetheorien und die Begriffe Pidgin und Kreolsprache näher beleuchtet und erklärt werden. Über den sozialen Status der franz. Kreolsprachen wird klar, dass das negative Bild, welches den Kreolsprachen anhaftete (da Kreolsprachen zur Kommunikation mit Sklaven genutzt wurden) sich beinahe gänzlich verflüchtigt hat.
Nichtsdestotrotz, wird den Kreolsprachen immer noch kein Prestigestatus wie dem Französischen zuerkannt und in formellen Situationen wird das Französische und/oder Englische immernoch bevorzugt. Auf den Seychellen erkennt man jedoch sehr gut, durch die Einführung einer Schulreform, die das Kreolische auf den gleichen sozialen Rang hebt wie das Französische und Englische, dass das Kreol offiziell anerkannt und respektiert werden soll. Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass das Kreol als Alltagssprache absolut gebräuchlich ist, die Sprecher in formellen und superioren Situationen aber immernoch in die europ. Standardsprachen wechseln, wodurch der niedriger gestellte Rang des frz. Kreols eindeutig identifiziert werden kann, wenngleich sein sozialer Status in den letzten 100 Jahren eindeutig gestiegen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was sind Kreolsprachen?
2.1 Begriffsbestimmung Kreolsprache
2.2 Französisch-Basierte Kreolsprachen
2.3 Kreolsprachen des Indischen Ozeans
3. Begriffsbestimmung Pidginsprachen und Pidginisierung
3.1 Pidginsprachen
3.2 Der Ursprung der Pidginsprachen
3.2.1 Unter welchen Umständen entwickeln sich Pidginsprachen?
3.2.2 Welche Auslöser führen zur Entwicklung eines Pidgin?
3.3 Verschiedene Arten von Pidginsprachen
3.4 Der Unterschied zwischen Kreol- und Pidginsprache
4. Genesetheorien
4.1 Foreignertalk/Babytalk
4.2 Monogenese
4.3 Polygenetische Entstehung
4.4 Substrattheorie
4.5 Mischsprache
5. Les Seychelles
5.1 Geschichte der Seychellen
5.2 Bevölkerungen
5.3 Sprachgeschichte
6. Sozialer Status der Kreolsprachen des Indischen Ozeans
6.1 Gesellschaftliche Präsenz der KS
6.2 Die Diglossie Französisch - Kreolisch
6.3 Der politische und der praktische Aspekt
6.4 Dekreolisierung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die soziokulturellen Aspekte französischer Kreolsprachen, mit einem spezifischen Fokus auf deren Entstehungstheorien sowie den sozialen Status im Kontext der Seychellen und des Indischen Ozeans.
- Definition und Abgrenzung von Pidgin- und Kreolsprachen
- Vergleich verschiedener Genesetheorien (u.a. Monogenese, Substrattheorie)
- Historische Entwicklung und soziolinguistische Situation der Seychellen
- Analyse des sozialen Status und der Diglossie-Verhältnisse im Indischen Ozean
Auszug aus dem Buch
3.1 Pidginsprachen
Todd definiert Pidginsprachen wie folgt:
„A pidgin is a marginal language which arises to fulfil certain restricted communication needs among people who have no common language. In the initial stages of contact the communication is often limited to transactions where a detailed exchange of ideas is not required and where a small vocabulary [...] suffices.” (Todd 1990, S. 1 f.)
Das Wort Pidgin stammt aus dem englischen und bezeichnet die Sprachform, die im Kontakt zwischen Europäern und den Einheimischen gebraucht wird. Bis heute ist die Etymologie des Wortes jedoch nicht eindeutig geklärt. Pidgin dient zur Bezeichnung von Sprachen, die von zwei Gruppen in limitierten Situationen gebraucht werden, um kontakt- und interaktionsfähig miteinander zu sein (Stein 1984: 7 ff.).
„Pidginsprachen werden in der Regel nicht als Muttersprachen erlernt, sondern sind situationsspezifisch verwendete Verkehrssprachen [...] Im weiteren Sinne bezeichnet man mit Pidgin-Sprachen alle in eingeschränkten Kommunikationssituationen ausgebildeten Muttersprachen, die durch einfache Satzstrukturen und beschränkten Wortschatz gekennzeichnet sind.“ (Bußmann 1983, S. 392.)
Kommunikationssituationen durch die eine Pidginsprache entstehen kann sind zum Beispiel Handelskontakte, Kontakte zwischen Seefahrern, Kontakte zwischen Kolonialherren und „Eingeborenen“ und allgemein Kontakte am Arbeitsplatz. Jedoch können Pidginsprachen durch äußere Faktoren wie Bevölkerungswanderung schnell verschwinden, da unter Umständen ihre soziale Funktion nicht mehr vorhanden ist, und die Pidginsprache nicht mehr gebraucht wird. Die Auflösung eines Marktes kann ebenfalls dazu führen, dass eine Pidginsprache überflüssig wird und nicht mehr gesprochen wird (Arends, Muysken, Smith 1995: 7). Die erste Pidgin-Sprache war die im 19. Jahrhundert in südchinesischen Häfen entstandene Verkehrs- und Handelssprache zwischen Engländern und Chinesen, die aus einer Mischung aus einem stark abgewandeltem englischen Wortschatz und chinesischen lautlichen und grammatischen Regeln bestand (vgl. Bußmann 1983).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas, der methodischen Vorgehensweise und der Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Kreolsprachen im Indischen Ozean.
2. Was sind Kreolsprachen?: Definition der Kreolsprachen und Einordnung der französisch-basierten Varietäten unter besonderer Berücksichtigung des Indischen Ozeans.
3. Begriffsbestimmung Pidginsprachen und Pidginisierung: Erläuterung der Entstehungsbedingungen, Arten und Wesensunterschiede zwischen Pidgin- und Kreolsprachen.
4. Genesetheorien: Darstellung verschiedener wissenschaftlicher Erklärungsmodelle zur Entstehung von Kreolsprachen, darunter Foreignertalk, Monogenese und die Substrattheorie.
5. Les Seychelles: Historischer Abriss der Seychellen, ihrer Bevölkerung und der spezifischen Sprachgeschichte als Fallbeispiel.
6. Sozialer Status der Kreolsprachen des Indischen Ozeans: Analyse der soziolinguistischen Situation, der Diglossie und der politischen Bestrebungen zur Aufwertung des Kreolischen.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des sozialen Status und der Zukunftsaussichten der französischen Kreolsprachen im Indischen Ozean.
Schlüsselwörter
Kreolsprachen, Pidginsprachen, Indischer Ozean, Seychellen, Genesetheorien, Diglossie, Kolonisation, Sprachkontakt, Soziolinguistik, Dekreolisierung, Substrattheorie, Monogenese, Seselwa, Sprachstatus, Sprachwandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit soziokulturellen Aspekten französischer Kreolsprachen im Indischen Ozean, insbesondere unter dem Gesichtspunkt ihrer Entstehung und ihres sozialen Status.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Pidgin- und Kreolsprachen, verschiedene wissenschaftliche Genesetheorien sowie eine detaillierte Fallstudie zur Sprachsituation auf den Seychellen.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, den sozialen Status von Kreolsprachen zu analysieren, die Diglossie-Situation im Indischen Ozean zu bewerten und zu prüfen, ob die Stigmatisierung der Sprachen in der Moderne abnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse bekannter linguistischer Standardwerke und Forschungsergebnisse zur Kreolistik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung (Pidgin/Kreol), eine kritische Betrachtung der Entstehungstheorien, die historische Analyse der Seychellen und die Untersuchung des sozialen Status im Vergleich zu europäischen Standardsprachen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kreolisierung, Diglossie, Substrattheorie, Kolonialgeschichte und sprachliche Aufwertung definiert.
Welchen Stellenwert nimmt die Diglossie auf den Seychellen ein?
Trotz der offiziellen Anerkennung des Kreolischen als Landessprache existiert ein Spannungsfeld zwischen der Nutzung des Kreols im Alltag und der Verwendung des Französischen und Englischen in formellen und wirtschaftlichen Kontexten.
Warum wird das Szenario einer Dekreolisierung im Fazit kritisch betrachtet?
Der Autor schließt eine vollständige Dekreolisierung aus, da die kreolischen Sprachen tief verwurzelt sind und das Selbstbewusstsein der Sprecher stetig wächst.
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- Larissa Stapelkamp (Author), 2015, Soziokulturelle Aspekte der französischen Kreolsprachen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418099