In meiner Religionspädagogischen Jahresarbeit beschäftige ich mich mit der biblischen Geschichte über den Turmbau zu Babel (1. Mos. 11, 1-9). Ich habe diese Bibelstelle ausgewählt, einerseits weil mich die Erzählung als Kind selbst bewegt und in gewisser Weise ratlos gemacht hat. Auf der anderen Seite steht für mich diese Bibelgeschichte exemplarisch dafür, dass viele Erzählungen der Bibel nicht in das Schema der häufig verbreiteten Vorstellung des gütigen „Kuschel-Gottes“, der für das Wohlergehen der Menschen – so wie Menschen es verstehen – zu sorgen hat, passt. Sehr häufig durchkreuzt der biblische Gott die Pläne und Vorstellungen der Menschen, die in ihrem menschlichen Rahmen nicht selten gut gemeint oder zumindest für den menschlichen Leser der Bibel nachvollziehbar sind. Das Handeln Gottes in den biblischen Erzählungen wirkt häufig unverständlich und zuweilen sogar verstörend.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Analyse des Textes
Praktische Umsetzung
Schluss
Zielsetzung und Themenbereiche
Das Hauptziel dieser religionspädagogischen Arbeit ist es, die biblische Erzählung vom Turmbau zu Babel (1. Mose 11, 1-9) kritisch zu analysieren und methodische Ansätze für deren Vermittlung im Kindergartenalter zu entwickeln, die über eindimensionale Deutungen hinausgehen.
- Kritische Auseinandersetzung mit harmonisierenden Kinderbibel-Interpretationen.
- Analyse des biblischen Textes im Hinblick auf Ambivalenzen und Gottes Handeln.
- Entwicklung von religionspädagogischen "Öffnern" für biblische Texte.
- Einsatz aktivierender Erzählmethoden nach Norbert Kober.
- Perspektivwechsel und Förderung der Ambiguitätstoleranz bei Kindern.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
In meiner Religionspädagogischen Jahresarbeit beschäftige ich mich mit der biblischen Geschichte über den Turmbau zu Babel (1. Mos. 11, 1-9). Ich habe diese Bibelstelle ausgewählt, einerseits weil mich die Erzählung als Kind selbst bewegt und in gewisser Weise ratlos gemacht hat. Auf der anderen Seite steht für mich diese Bibelgeschichte exemplarisch dafür, dass viele Erzählungen der Bibel nicht in das Schema der häufig verbreiteten Vorstellung des gütigen „Kuschel-Gottes“, der für das Wohlergehen der Menschen – so wie Menschen es verstehen – zu sorgen hat, passt. Sehr häufig durchkreuzt der biblische Gott die Pläne und Vorstellungen der Menschen, die in ihrem menschlichen Rahmen nicht selten gut gemeint oder zumindest für den menschlichen Leser der Bibel nachvollziehbar sind. Das Handeln Gottes in den biblischen Erzählungen wirkt häufig unverständlich und zuweilen sogar verstörend.
Ich hatte als Kind eine Kinderbibel, was in der Sowjetunion eher eine Ausnahme als eine Regel war. Ich habe sie mir gerne vorlesen lassen. Die Geschichten fand ich sehr schön: die Geschichte von Rebekka und Isaak hat meine romantische Fantasie beflügelt, die Geschichte Josefs und seiner Brüder, der kleine Moses im Körbchen, die Geburt Jesu, die Wunder Jesu, die Auferstehung Jesu. All das fand ich sehr schön und auch exotisch, weil es so fern von all dem statt fand und so anders war als das, was ich kannte.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Autorin reflektiert ihre persönliche, kritische Auseinandersetzung mit der Erzählung vom Turmbau zu Babel und begründet die Notwendigkeit, Kindern ein Gottesbild zu vermitteln, das auch Irritationen und Unbegreifliches zulässt.
Analyse des Textes: Es erfolgt ein Vergleich zwischen dem biblischen Urtext und einer stark interpretatorischen Kinderbibel-Fassung, wobei die Autorin die Ambivalenz des Textes hervorhebt und die Rolle Gottes als unverfügbare, handelnde Größe herausarbeitet.
Praktische Umsetzung: Dieser Teil entwirft konkrete didaktische Strategien für das Erzählen der Geschichte im Vorschulalter, wobei aktivierende Methoden zur Sprachverwirrung eingesetzt werden, um die Kinder zur Auseinandersetzung mit der Unbegreiflichkeit Gottes anzuregen.
Schluss: Die Autorin verknüpft die biblische Erzählung mit zeitgenössischen Beobachtungen zum technologischen Fortschritt (Homo Deus) und plädiert für eine Einübung in Perspektivwechsel als Gewinn für die menschliche Entwicklung.
Schlüsselwörter
Religionspädagogik, Turmbau zu Babel, Gotteserfahrung, Biblische Urgeschichte, Kinderbibel, Didaktik, Sprachverwirrung, Ambivalenz, Perspektivwechsel, Vorschulerziehung, Erzählmethode, Mythos, Babel, Schinar, Unbegreiflichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der religionspädagogischen Aufarbeitung der biblischen Erzählung vom Turmbau zu Babel für den Kindergartenbereich.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Analyse des biblischen Textes auf Ambivalenzen, die Kritik an harmonisierenden Bibelauslegungen für Kinder sowie die praktische Umsetzung durch aktivierende Erzählmethoden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Kindern biblische Geschichten so zu vermitteln, dass sie Gott als eine Figur erfahren, die auch stören und irritieren kann, statt ein rein harmonisches Gottesbild zu festigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine hermeneutische Textanalyse in Kombination mit didaktischer Reflexion angewandt, gestützt durch fachwissenschaftliche Literatur und pädagogische Konzepte zum Erzählen von Geschichten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine textanalytische Untersuchung der Geschichte und einen praktischen Entwurf, wie die Erzählung unter Einbezug von "Öffnern" und Bewegungsspielen im Kindergarten vermittelt werden kann.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Religionspädagogik, Turmbau zu Babel, Ambiguitätstoleranz, Gottesbild, Didaktik und Perspektivwechsel.
Welche Rolle spielt die Kinderbibel bei der Analyse?
Die Kinderbibel dient als kritischer Vergleichspunkt, da sie laut Autorin oft interpretatorisch verengt und die ursprüngliche Offenheit und Ambivalenz des Textes glättet.
Warum schlägt die Autorin "KörperMitmach-Chancen" vor?
Um dem Bewegungsdrang von Vorschulkindern gerecht zu werden und die abstrakte Erfahrung der Sprachverwirrung durch aktives, spielerisches Erleben ("Quatsch-Sprachen") verständlicher zu machen.
- Arbeit zitieren
- Katharina Schwitin (Autor:in), 2017, Der Turm von Babel (1. Mose 11, 1-9). Analyse des Textes und praktische Umsetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418660