Neuzeitlicher Villenbau in Italien nach Andrea Palladio am Beispiel der Villa Foscari


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Biographische Fakten zu Palladio

3 Funktion und Entwicklung der Villenbauten

4 Die „Quattro libri“ über die Lage und architektonische Anlage einer Villa

5 Baukörper der Herrenhäuser

6 Raumkomposition, Raumformen und -proportionen in den Villen

7 Beispiel einer pallandianischen Villa: Die Villa Foscari

8 Fazit

9 Bibliographie

1 Einleitung

Was ist eigentlich eine Villa? Welche Funktionen soll sie erf ü llen? Und inwiefern l ä sst sich Andrea Palladio als ein Vorbild f ü r die Renaissance-Architektur anf ü hren? All diesen Fragen soll unter der Themenstellung „Neuzeitlicher Villenbau in Italien nach Andrea Palladio am Beispiel der Villa Foscari“ eine Antwort geboten werden.

Zunächst soll in der Hausarbeit ein kurzes biographisches Profil von dem Architekten und Architekturtheoretiker Palladio erstellt werden. In diesem Zusammenhang folgt anschließend die Antwort auf die Fragestellung Welche Funktion die Villenbauten aufweisen und wie sich die Entwicklung derer vollzieht. Im weiteren Verlauf wird ein Blick in die „Quattro libri“geworfen: Was sagen sie ü ber die Villen, ihre Lage sowie architektonische Anlage aus? Der Rückbezug zur Antike soll während der Untersuchung der Baukörper der Herrenhäuser synthetisiert werden. Dabei werden auch die antiken Elemente und Ordnungen betrachtet, ebenso wie das Arrangement der Räume sowie Raumformen und -proportionen. Anschließend wird ein baukünstlerisches Beispiel Palladios, die Villa Foscari folgen an der die vorangegangenen Aspekte ihre Anwendung finden.

Die Hausarbeit ist ausschließlich auf Printmedien gestützt, sodass die bibliographische Basis für diese vorwiegend auf Aufsätzen aus Volker Plagemanns „Die Villen des Andrea Palladio“ beruht. Erik Forssmans „Palladio - Werk und Wirkung“ fungiert als zweite Hauptquelle. Die letzten beiden Literaturnachweise sind Fritz Burgers „Die Villen des Andrea Palladio“ sowie Helge Classens „Palladio - Auf den Spuren einer Legende“, wobei letztere primär als Überblicksbelletristik dient.

Die Hausarbeit wird dem Modultitel „Kunstgeschichte der Neuzeit“ insofern gerecht, dass sich Palladio den Überlegungen Sebastiano Serlios zu antiken Elementen und Ordnungen annimmt und diese progressiv erweitert. Darüber hinaus beruft er sich auf den sog. „bramantismo“1, dem römischen Hochrenaissancestil sowie den „Zehn Bücher[n] über die Architektur“ von dem altrömischen Baukünstler Vitruv. Zudem schreibt er seine architektonischen Leistungen in seinen „Quattro libri“ nieder, den Vier Büchern zur Architektur und untermalt diese noch durch zeichnerische Abbildungen. Mutmaßungen nach zu urteilen, zeigt sich Palladios erste baukünstlerische Arbeit zu Zeiten seiner Ausbildung zum Steinmetz in der Pedemuro-Werkstatt anhand der Umbauarbeiten an der Villa Trissino in Cricoli. Daran ansetzend, wird diese Ausarbeitung versuchen Aufschluss über Palladios Ideen und Pläne für seine Villenbauten zu geben. Schließlich lassen sich diese Untersuchungsresultate nochmals anhand der Villa Foscari verdeutlichen.

2 Biographische Fakten zu Palladio

Andrea di Pietro della Gondola wird am 08.11.1508 als Sohn eines Müllers in Padua geboren. 1521 beginnt er in seiner Heimatstadt eine Lehre zum Steinmetz. Drei Jahre später siedelt er nach Vicenza um und tritt in die Werkstatt der Steinmetzmeister Giacomo da Porlezza und Girolamo Pittoni, genannt „da Pedemuro“ ein. Aussagen über seine dortigen Tätigkeiten lassen sich jedoch aufgrund fehlender Belege nicht klar herausstellen. Einer der ersten architektonischen Arbeiten Palladios lässt sich am Beispiel der Umbauarbeiten an der Villa Trissino in Cricoli, heute Vicenza nachvollziehen, die Palladio in Zusammenarbeit mit der „da Pedemuro-Werkstatt“ durchführt. Dadurch wird sein erster Gönner, der Bauherr Giangiorgio Trissino 1537/38 auf ihn aufmerksam, führt ihn in die Architekturtheorie ein und verleiht ihm seinen Namen „Palladio“. Auf diese Weise erhält er Einblick in die vitruvianischen „Zehn Bücher über die Architektur“ und beschäftigt sich mit den antiken Säulenordnungen nach Sebastiano Serlio. Aufgrund dessen und durch die Erfahrungen auf seiner ersten Romreise 1541, gemeinsam mit Trissino, nimmt sein Wissen hinsichtlich baukünstlerischer Theorie sowie Wissenschaft zu, was ihm seine ersten Bauaufträge einbringt. Weitere Bauaufgaben beschert ihm der Gewinn des Wettbewerbs um die Erneuerung des Palazzo Communale in Vicenza. Ab 1550 entstehen zunehmend mehr pallandianische Villenbauten, die er zuvor eher außer Acht lässt, wie 1556 die Villa Barbaro in Maser. Im selben Jahr wird Palladio Gründungsmitglied der vicentinischen „Accademia Olimpica“2. Weiterhin beginnt Palladio 1560 mit seinen Tätigkeiten bezüglich des Refektoriums des Klosters auf der Insel S. Giorgio. Fünf Jahre danach setzt die Planung für die Wiedererrichtung der Kirche S. Giorgio Maggiore sowie des Palazzo Valmarana ein. 1570 ist ein sehr bedeutungsvolles Jahr für della Gondola, da sein selbst illustriertes Werk „I quattro libri dell architettura“ mit Abbildungen zu antiker Architektur und eigenen Entwürfen publiziert wird. Späterhin geht Palladio die Planung der Kirche „Il Redentore“ an. Vier Jahre danach, also 1580 erfolgt der Entwurf für das „Teatro Olimpico“. Doch die Baumaßnahmen erlebt er selbst nicht mehr mit, da Palladio 1580 den Tod erleidet.

3 Funktion und Entwicklung der Villenbauten

Der mythologisch lateinische Ausdruck „villa“ bezeichnet ein Dorf. Im vitruvianischen Sinne versteht man darunter aber auch die Gesamtheit einer landwirtschaftlichen Anlage mit ihrem Hauptoder Herrenhaus. Dabei fungiert die Villa, nach della Gondola, als repräsentativer Landsitz für vicentinische Aristokraten und Edelleute. Ferner wird differenziert zwischen der „villa suburbana“3, dem vorstädtischen Landhaus der Römer, dem u.a. die Villa Foscari zugehörig ist sowie der „villa rustica“3 als Beschreibung für das Landhaus der Römer mit landwirtschaftlichem Unternehmen und der „villa urbana“3, dem Herrenhaus.

Die Entwicklung der Villenbauten geht u.a. auf das Architekturtraktat von Vitruv den „Zehn Bücher[n] über die Architektur“ zurück. Im sechsten Kapitel seines sechsten Buches erwähnt er erstmals die Villa als einen Terminus, der den Zusammenhang des Landhauses mit landwirtschaftlichem Betrieb herstellt. Diese Erkenntnisse nutzt und ergänzt Palladio als Vorbild für seine späteren Überlegungen. Im Laufe der Zeit modifiziert sich der Blick auf die ursprüngliche Funktion der Villa, sodass diese primär als Landsitz betrachtet wird. Die Briefe von Plinius dem Jüngeren dienen auch als Vorlage für Palladio, denn er schreibt: „in ihrem vorderen Teil ist eine einfache, aber saubere Vorhalle; dort umschließt ein Portikus in der Gestalt des Buchstabens D einen kleinen, aber festlichen Hof.“4 Dieser Beschreibung nach zu urteilen, entwirft Palladio anstelle der rechteckigen Höfe mit Vorhallen wie in den 1540er Jahren, nun ab 1550 „viertelrunde Arme mit Säulenvorhallen“5, wie bei der „Villa Badoer“. Darüber hinaus scheint es, als wären seine Überlegungen zur Raumkomposition in Anlehnung an die Beschreibungen zu den Räumen, Säulengängen ebenso zum Blick auf die Natur von Plinius Texten suggeriert worden. Vermutlich hat er gleichermaßen die Bedeutung, die der Lage der Villa in der Landschaft zukommt genauso wie den Blick aus der Villa heraus von ihm aufgegriffen. Während seiner letzten Romreise im Jahr 1554, in Begleitung seines Bauherrn Daniele Barbaro, besichtigt er die Ruinen der Villen Adriana, die als Sommerresidenz des römischen Kaisers Hadrian fungierte. Diese Annahme kann wegen seiner Aufzeichnungen zu der Hadriansvilla in seinen „Antichità di Roma“6 von 1554 gemacht werden, die am Beispiel der „Villa Barbaro“ Anwendung finden. Oftmals sind die Fassaden der pallandianischen Villen mit einer großen Säulen- und Pilasterordnung ausgestattet, die auf einem hohen Podium angeordnet sind. Hierbei könnte sich Palladio sowohl an den Tempeln der Römer als auch an dem Pantheon in Rom orientiert haben.

4 Die „Quattro libri“ über die Lage und architektonische Anlage einer Villa

In dem Kapitel „Von dem Bauplatz, der für den Bau von Villen auszuwählen ist“ des zweiten Buches der „Quattro libri“ geht Palladio zunächst auf den Aspekt der Lage am Wasser und dessen Qualität ein. Entscheidend ist, dass „die Erträge [so] zu jeder Zeit mit Booten in die Stadt gebracht werden können.“7 Ferner wäre eine Lage am Gewässer auch für die häuslichen Zwecke oder Gartenarbeiten sowie die Tiere von Vorteil und ist zudem auch noch ansehnlich. Als zweites wichtiges Kriterium nennt er die Luftqualität, die sich seiner Ansicht nach anhand des Zustandes der Bäume sowie der Oberflächenbeschaffenheit von Steinen und Felsen ablesen lässt ebenso wie an der Hautfarbe der Menschen.

Im Hinblick auf die Konzeption einer Villa unterscheidet Palladio in dem Kapitel „Von der inneren Aufteilung der Villen“ zwischen dem Herrenhaus und den Nebengebäuden. Die Nebengebäude sollen überdacht werden, damit der Bauherr sowohl bei Regen als auch im Sommer vor der starken Sonneneinstrahlung geschützt wird. Vorhallen werden durch Säulengänge als pittoreske Zierde gerechtfertigt. Weiterhin geht er auf die Wohnungen der Bediensteten sowie die Ställe der Tiere ein, indem er sagt: „Die Räume [...] der Arbeiter müssen an einem den Toren nahegelegenen [...] Ort untergebracht werden. Die Ställe der Arbeitstiere, wie Ochsen und Pferde, müssen vom Herrenhaus abseits angelegt werden, damit der Dung ferngehalten wird. Man errichte die Ställe an warmen und hellen Stellen.“8 Ferner geht er auf die Keller, insbesondere den Weinkeller ein, denn dieser müsse „unterirdisch und geschlossen sein sowie […] von jeder Feuchtigkeit und üblen Gerüchen ferngehalten werden. Licht sollen sie aus dem Osten oder dem Norden erhalten, [sonst würde der Wein verderben]. In der Mitte mache man die Keller etwas abfallend, und aus Estrich oder jedenfalls so gepflastert, da[ss] der verschüttete Wein eingesammelt werden kann.“9 Zuletzt widmet sich Palladio den Getreidespeichern, ebenso wie den nötigen landwirtschaftlichen Maschinen zum Bestellen des Landes. Die Getreidespeicher sollen im Norden errichtet werden, wo sie das Licht erhalten. Zudem besteht er darauf, dass der Boden aus Brettern oder dem mosaikartigen Terrazzo gebaut wird, da Kalk beispielsweise das Getreide unbrauchbar machen würde. Die „Landmaschinen“10 hingegen sollen im Süden mit einer Überdachung untergestellt werden. Der Dreschplatz soll sonnendurchflutet, demzufolge offen und von einem Säulengang gesäumt sein. Schließlich soll dieser aufgrund der Staubpartikel etwas weiter von dem Herrenhaus entfernt liegen.

[...]


1 Forssman, Erik: Palladio. Leben und Werk, in: Forssman, Erik (Hrsg.): Palladio. Werk und Wirkung, 2.unveränd. Aufl., Freiburg im Breisgau 1999, S.11-35.,12.

2 Forssman, Erik: Palladio. Eine Zeittafel, in: Forssman, Erik (Hrsg.): Palladio. Werk und Wirkung, 2.unveränd. Aufl., Freiburg im Breisgau 1999, S. 261-263., 262.

3 Plagemann, Volker: Die Bauaufgabe Villa im Veneto. Villen in den Schriften der Antike, in: Bremer Zentrum für Baukultur (bzb) und der Deutsch-Italienischen Gesellschaft in Bremen und Hamburg (Hrsg.): Die Villen des Andrea Palladio, 1.Aufl., Hamburg 2012, S. 36-41., 36.

4 „zitiert nach Mynors, R.A.B. (Hg.): C. Plini Caecili Secundi epistularum libri decem, Oxford 1963, S.57.“

5 Vgl. Plagemann, S.40.

6 Vgl. Plagemann, S.41.

7 Beyer, Andreas/Schütte, Ulrich: Andrea Palladio. Die vier Bücher zur Architektur, 2.Aufl., o.O. 2008.

8 Vgl. ebd., S. 164.

9 Vgl. ebd., S. 164.

10 Plagemann, Volker: Palladios Villen. Die „Quattro libri“ über die architektonische Anlage einer Villa, in: Bremer Zentrum für Baukultur (bzb) und der Deutsch-Italienischen Gesellschaft in Bremen und Hamburg (Hrsg.): Die Villen des Andrea Palladio, 1.Aufl., Hamburg 2012, S.113.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Neuzeitlicher Villenbau in Italien nach Andrea Palladio am Beispiel der Villa Foscari
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Kunstgeschichte)
Veranstaltung
I quattro libri dell' architettura
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V419277
ISBN (eBook)
9783668680074
ISBN (Buch)
9783668680081
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Andrea Palladio, Neuzeit, Villenbauten, Architektur
Arbeit zitieren
Juliette Kraak (Autor), 2016, Neuzeitlicher Villenbau in Italien nach Andrea Palladio am Beispiel der Villa Foscari, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419277

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