Besteht in der Bundesrepublik Deutschland ein Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg und wie könnte man den Zusammenhang von Herkunft und Bildungserfolg reduzieren?


Essay, 2017

7 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Besteht in der Bundesrepublik Deutschland ein Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg und wie konnte man den Zusammenhang von Herkunft und Bildungserfolg reduzieren?

Die Bildung zahlt in der heutigen wissenschaftsorientierten Gesellschaft zu einer der wichtigsten Faktoren sozialer Ungleichheit, da sie graven Einfluss auf die Chancenentwicklung in den verschiedenen Lebensbereichen eines Einzelnen hat - denn um politische, kulturelle und soziale Partizipationsmoglichkeiten, beruflichen Erfolg, hohes Ansehen und Macht innezuhaben, ist eine gute Bildung Voraussetzung. In der bildungsorientierten Gesellschaft schutzt eine gute Qualifikation vor niedrigem Einkommen sowie prekaren Arbeitsverhaltnissen, und das Risiko der Arbeitslosigkeit verringert sich damit deutlich (Solga; Dembrowski 2009, S. 7).

Die Bildung entscheidet im Wesentlichen uber die soziale und wirtschaftliche Position einer Person in einer Gesellschaft (Hradil 2001, S. 152). Jedoch werden ungleiche Bildungserfolge nicht als grundsatzlich ungerecht angesehen, wenn sie auf individuellen Leistungen beruhen. Ungerechtigkeit liegt allerdings dann vor, wenn Determinanten sozialer Ungleichheit uber den Bildungszugang und Bildungserfolg bestimmen. Zu den Determinanten sozialer Ungleichheit zahlen biologische und soziale Merkmale, wie Geschlecht, Religion, Hautfarbe und ethnische Zugehorigkeit sowie der Wohnort. Diese Merkmale konnen durch individuelle Leistungen nicht beeinflusst Oder verandert werden und sollten daher im Bildungswesen, welches die Chancengleichheit anstrebt, keine Rolle spielen (Hradil 2001, S. 34f, 152f).

Die Schulleistungsstudie PISA 2001 ist zu dem Ergebnis gekommen, dass in Deutschland der Bildungserfolg eines Schulers stark von dessen sozialen Herkunft abhangt. Dieser Faktor ist in Deutschland im Vergleich zu anderen OECD Landern am starksten ausgepragt (Bundesministerium fur Familie 2006, S. 9). Die Schulerinnen und Schuler aus Familien mit niedrigem soziookonomischen Status werden im Bildungssystem aufgrund ihrer sozialen Herkunft systematisch benachteiligt. Ihre Eltern konnen sie in der Schule nicht unterstutzen, was haufig dazu fuhrt, dass diese wiederum in Zukunft unfahig sein werden, ihrem eigenen Nachwuchs Fordermoglichkeiten zu bieten. Diese intra- und intergenerationale Reproduktion von sozialer Ungleichheit und Bildungsungleichheit konnte in der Vergangenheit vom deutschen Schulsystem nicht durchbrochen werden (Dombrowski; Solga 2009, S. 7).

Bereits in den 1960er Jahren hat man uber den engen Zusammenhang von Bildungserfolg und sozialer Herkunft in Deutschland debattiert, da zu diesem Zeitpunkt Kinder aus Familien mit niedrigem soziookonomischen Status seltener weiterfuhrende Bildungsinstitutionen besuchten und insbesondere Madchen und Arbeiterkinder im Bildungssystem benachteiligt wurden. Gegenwartig sind es vor allem Kinder aus Familien mit niedrigem soziookonomischen Status, die im Bildungssystem benachteiligt werden. Somit haben sich die schichtspezifischen Chancenunterschiede in den letzten Jahrzehnten seit der Bildungsexpansion nicht wesentlich verandert. Im Laufe der Zeit sind die Chancenabstande in Bezug auf hohere Bildungsabschlusse zwischen der oberen und unteren sozialen Schicht sogarweiter auseinandergegangen (Hradil 2001, S. 164, Geissler 2014, S. 58).

In der wissenschaftlichen Diskussion existieren verschiedene Theorien, welche die Entstehung und die Grunde sozialer Ungleichheiten im Bildungssystem erklaren. Im nachsten Abschnitt wird dazu auf Pierre Bourdieus Kapitaltheorie naher eingegangen, welche relevante Erklarungsansatze fur die Ursachen sozialer Ungleichheit liefern. Nach Bourdieu ist das okonomische Kapital direkt in Geld eintauschbar und besonders zur Institutionalisierung in Eigentumsrecht geeignet (Bourdieu 2004, S. 218). Die Familien, die uber ein starkes okonomisches Kapital verfugen, konnen ihre Kinder finanziell starker unterstutzen, wenn es beispielsweise urn Nachhilfeunterricht, Musikunterricht Oder ein forderliches Lernumfeld, wie ein eigenes Zimmer, geht. Sie konnen durch finanzielle Mittel starker die Leistungsentwicklung beeinflussen und steuern. Im Gegensatz dazu konnen Familien mit geringem okonomischen Kapital ihre Kinder diesbezuglich nur in eingeschranktem MaGe unterstutzen (Dombrowski; Solga 2009, S. 22, Gill 2008, S. 47)

Das kulturelle Kapital wird nach Bourdieus Kapitaltheorie in drei Formen aufgeteilt, namlich in Form des inkorporierten, objektivierten und institutionalisierten Kapitals. Zu dem inkorporierten kulturellen Kapital gehort die Bildung, die einen Verinnerlichungsprozess bedingt und fur die man Lebenszeit verwendet hat. Durch die familiare Sozialisation wird das kulturelle Kapital im Laufe der Zeit verinnerlicht und druckt sich beispielsweise in Umgangsformen, Auftreten und Bildung aus. Es wird mit der Zeit zum Habitus und festen Bestandteil einer Person.

Ebenfalls spielt es eine wichtige Rolle bei der sozialen Mobilitat, denn es wird innerhalb der Familie auf die nachste Generation ubertragen und somit findet eine soziale Reproduktion statt (Ecarius; Kobel; Wahl 2011, S. 88f, Bourdieu 2004, S. 218f). Das objektivierte Kulturkapital besteht aus materiellen Gutern, wie Instrumenten, Gemalden, Buchern etc., die ebenfalls ubertragbar sind. Diese kulturellen Guter sind nur dann anwendbar und von Nutzen, wenn man uber kulturelle Fahigkeiten beziehungsweise inkorporiertes Kulturkapital verfugt (Bourdieu 2004, S. 201,222).

Das institutionalisierte Kulturkapital umfasst Bildungstitel, wie schulische und akademische Titel, die man im Bildungssystem durch eigene Leistung erwirbt. Durch einen akademischen Titel, welcher nicht ubertragbar ist, erhalt man eine institutionelle Anerkennung (Bourdieu 2004, S. 222f).

Ebenfalls nimmt das kulturelle Kapital der Familie eine wichtige Rolle fur den Bildungserfolg und Kompetenzerwerb des Kindes ein. Die Kinder und ihre Familien sind bei der Freizeitgestaltung auf sich selbst gestellt und daher kann diese bei jedem Kind variieren, je nachdem welche Freizeitform die Familie ihren Kindern anbieten kann. Urn ihre Kinder bestmoglich fordern zu konnen, benotigen Eltern Geld, Zeit und bestimmte Kompetenzen, jedoch stehen nicht alien Eltern diese Ressourcen zur Verfugung. Die Bildungsungleichheiten, die unter anderem auf die Ungleichheiten im Kulturkapital der Familien zuruckzufuhren sind, sind in der Schule demnach stark spurbar und das deutsche Schulsystem ist nicht fahig, die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen der Schulerinnen und Schuler auszugleichen (Gill 2008, S. 48, Solga 2008a, S. 3,Dombrowski; Solga 2009, S. 21).

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Details

Titel
Besteht in der Bundesrepublik Deutschland ein Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg und wie könnte man den Zusammenhang von Herkunft und Bildungserfolg reduzieren?
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Jahr
2017
Seiten
7
Katalognummer
V419411
ISBN (eBook)
9783668680357
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
besteht, bundesrepublik, deutschland, zusammenhang, herkunft, bildungserfolg
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Besteht in der Bundesrepublik Deutschland ein Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg und wie könnte man den Zusammenhang von Herkunft und Bildungserfolg reduzieren?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419411

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