Einleitung und Grundlagen des Pharmamarktes
Die Pharmabranche lässt sich nicht ohne weiteres mit anderen Branchen vergleichen. Einen Unterschied machen nämlich die langen und teueren Entwicklungs- und Forschungsarbeiten. Innerhalb dieser muss zunächst die therapeutische Wirksamkeit einer Substanz erforscht und nachgewiesen werden. Die Entwicklungskosten eines neuen Medikamentes belaufen sich zur Zeit durchschnittlich auf 1,8 Mrd. Euro. überdies dauert es im Schnitt 10 Jahre, bis ein Produkt marktreif ist.
Während dieser Zeit ist es ungewiss, ob die Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen in die gewünschte und damit in eine erfolgreiche Richtung gehen. Denn von anfänglich 10.000 getesteten Wirksubstanzen schafft es nur eine. Dadurch ist dieses Pharmageschäft hoch riskant. Diese Risikoübernahme wird dadurch belohnt, dass neue Produkte einen Patentschutz genießen und während dieser gesamten Zeit hohe Gewinnmargen generieren können, da es keine billigen Nachahmerprodukte gibt.1 Dieser gesamte Prozess beginnend mit der Idee, über die Forschung und Entwicklung und schließlich der Markteinführung einer neuen Arznei kann nur dann erfolgreich verlaufen, wenn alle, also Forscher, Entwickler, Marketing, Vertrieb und Controller sehr gut zusammen arbeiten. Genau dieser Aspekt macht einen Zusammenschluss zwischen zwei ehemals konkurrierenden Unternehmen sehr schwierig, denn unterschiedliche Prozessabläufe, unterschiedliche Firmenphilosophien und/ oder unterschiedliche Mentalitäten können diese wichtige, intensive und sensible Zusammenarbeit der einzelnen Abteilungen stark beeinträchtigen oder sogar verhindern.
Andererseits muss gesagt werden, dass die Marktführer der Pharmabranche, z. B. der US-Konzern Pfizer und der britische Konzern GlaxoSmithKline ebenfalls aus Zusammenschlüssen hervorgegangen sind und ohne diese wären die entsprechenden Firmen wohl nicht zu einer entsprechenden Größe und ihrem Marktanteil gelangt. Allerdings hat im Ergebnis kaum ein Zusammenschluss auch alle geplanten Erfolge und Synergieeffekte erbracht, was unter anderem an den eben beschriebenen Besonderheiten der Pharmabranche liegt.2
...
-----
1 Vergleiche [5], KUCHENBUCH, P. (2004) und [34] PREISSNER, A./ SCHWARZER, U. (2005I).
2 Vergleiche [5], KUCHENBUCH, P. (2004).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Grundlagen des Pharmamarktes
2 Vorstellung der beteiligten Firmen
2.1 Sanofi-Synthélabo
2.2 Aventis
3 Der Übernahmeprozess von Aventis durch Sanofi-Synthélabo
3.1 Gründe für einen Zusammenschluss
3.2 Erstes Übernahmeangebot
3.3 Aktionen zur Abwehr des Angebotes durch Aventis
3.4 Zweites Übernahmeangebot und dessen Annahme
3.5 Der fusionierte Pharmakonzern Sanofi-Aventis
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den komplexen Übernahmeprozess von Aventis durch Sanofi-Synthélabo im Jahr 2004. Dabei wird analysiert, welche strategischen Motive zur Fusion führten, wie der feindliche Übernahmeversuch abgewehrt werden sollte und unter welchen Bedingungen die letztliche Annahme des verbesserten Angebots durch Aventis erfolgte.
- Strukturelle Analyse der Pharmabranche und ihres Innovationsrisikos
- Unternehmensporträts von Sanofi-Synthélabo und Aventis
- Analyse strategischer Übernahmemotive und Marktkapitalisierungen
- Bewertung verschiedener Abwehrstrategien bei feindlichen Übernahmen (z.B. Pac-Man, Weißer Ritter)
- Untersuchung der politischen Einflüsse und der Fusionsfolgen
Auszug aus dem Buch
3.1 Gründe für einen Zusammenschluss
Als Gründe für einen Zusammenschluss bzw. für ein Übernahmeangebot von Sanofi-Synthélabo an Aventis lassen sich die folgenden Punkte nennen:
Probleme durch Generika
Wie bereits in der Einleitung geschildert, befinden sich Pharmafirmen zur Zeit in einer schwierigen Situation, da Generika immer stärker auf den Medikamentenmarkt drängen. Bei Sansyn z. B. sollte im Sommer 2004 in den USA darüber entschieden werden, ob Generika des Blutverdünners Plavix zugelassen werden. Das würde entsprechend stark die Verkaufszahlen des Medikamentes drücken, das 16,46% des Gesamtumsatzes generiert. „Morgan Stanley schätzt, eine Zulassung der Generika könnte den fairen Wert der Aktie um ein Drittel schmälern“, vor allem, da das Unternehmen keine neuen Medikamente auf dem Markt hat, die ähnliche Gewinne bringen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Grundlagen des Pharmamarktes: Einführung in die spezifischen Risiken und hohen Kosten der Arzneimittelentwicklung sowie den zunehmenden Handlungsdruck durch auslaufende Patente.
2 Vorstellung der beteiligten Firmen: Detaillierte Darstellung der Unternehmenshistorien, Organisationsstrukturen und Marktpositionen von Sanofi-Synthélabo und Aventis.
3 Der Übernahmeprozess von Aventis durch Sanofi-Synthélabo: Zentrale Analyse des Übernahmeversuchs, von den strategischen Motiven über die Abwehrstrategien bis hin zum erfolgreichen Abschluss und dem daraus resultierenden neuen Konzern.
4 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Erfolgsfaktoren für den Zusammenschluss und kritische Reflexion des Fusionsverlaufs sowie der Rolle des Managements.
Schlüsselwörter
Sanofi-Synthélabo, Aventis, Übernahme, Pharmaindustrie, Fusion, Generika, Blockbuster, Patentrecht, Marktkapitalisierung, feindliche Übernahme, Abwehrstrategien, Pac-Man, Weißer Ritter, Squeeze-Out, Pharmamarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Übernahmeprozess des französischen Pharmakonzerns Aventis durch den Konkurrenten Sanofi-Synthélabo im Jahr 2004.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die wirtschaftlichen Herausforderungen der Pharmabranche, Unternehmensanalysen sowie die Dynamik feindlicher Übernahmeangebote und deren strategische Abwehrmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Ablauf des Übernahmeprozesses nachzuvollziehen und zu beleuchten, warum die Fusion trotz anfänglicher Widerstände erfolgreich vollzogen wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive Fallstudie, die auf einer umfassenden Analyse von Wirtschaftsdaten, Pressemitteilungen und zeitgenössischer Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Firmen, die Analyse der Fusionsmotive, die verschiedenen Abwehrstrategien wie die "Pac-Man-Strategie" oder die Suche nach einem "Weißen Ritter" sowie die Ausgestaltung des erfolgreichen Übernahmeangebots.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sanofi-Aventis, feindliche Übernahme, Generika, Synergieeffekte und Pharmamarkt.
Warum war der Zeitpunkt für eine Fusion für Aventis eigentlich schwierig?
Aventis war durch Restrukturierungsmaßnahmen und die Gefahr von Generika-Umsatzverlusten belastet, was zu einer eher unterbewerteten Aktie führte und eine schnelle Kurserholung erschwerte.
Welche Rolle spielte der französische Staat bei der Übernahme?
Die französische Regierung, insbesondere unter Einfluss von Politikern wie Nicolas Sarkozy, förderte aktiv eine "nationale Lösung" und übte Druck aus, um eine Übernahme durch Sanofi-Synthélabo anstatt durch einen ausländischen Konzern wie Novartis zu begünstigen.
- Citar trabajo
- Brigitte Ahrens (Autor), 2005, Der Übernahmeprozess von Aventis durch Sanofi-Synthelabo, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41998