Vermittlung der Kulturtechniken. Lesen- und Schreibenlernen in der Montessori-Grundschule


Seminararbeit, 2015

20 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Konkretisierung
2.1. Bedeutung von Sprache
2.2. Sprachlektion & Dreistufenlektion
2.3. Schreiben – und Lesenlernen
2.3.1. Schreiben
2.3.2. Lesen
2.4. Weiterführender Deutschunterricht

3. Praktische Annäherung
3.1. Didaktisches Material
3.2. Praktisches Beispiel

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis
5.1. Literaturquellen
5.2. Bildquellen

1. Einleitung

„Lesen- und Schreibenlernen in der Montessori-Grundschule“: Ich widme mich dieser Themenstellung im Zuge meiner Hausarbeit aus mehreren Beweggründen. Zu allererst findet sich in einer anfänglichen Auseinandersetzung mit der Pädagogik Montessoris wenig Ausführliches zu einer konkreten Ausgestaltung der Sprachbildung im Primarbereich. Vielmehr staunt man über die Vielfalt der Didaktischen Materialien zur Mathematik, wie beispielweise dem Wurzelbrett. Zudem ist auch in der Lehrerbildung für den Grundschulbereich ein sehr elementarer Bereich für die Wissenschaft des Schriftspracherwerbs vorgesehen, was mich zu der Frage führt, ob SchülerInnen und Schüler mit ausreichend Didaktischem Material dazu in der Lage sein können, ihre „eigene Wissenschaft des Schriftspracherwerbs“ zu entwerfen und aufgezwungene Schubladensysteme (zum Beispiel in Bezug auf standardisierte Kompetenzmodelle) zu überwinden. Als besonders interessant erscheint mir auch das immer wiederkehrende Vorurteil, dass gewisse Unterrichtsgegenstände eine mehr oder minder geschlossene Lehrform einfordern würden. Dieses Vorurteil findet man im Schriftspracherwerb dann beispielweise im Hinblick auf grammatikalisch korrekte Formulierungen, genormte Schriftbilder sowie Kinder, die sich erst ab der dritten Jahrgangsstufe für Schrift interessieren.

Wegen unter anderem den oben genannten Gründen möchte ich mich tiefer mit dem Schriftspracherwerb in der Montessoripädagogik auseinandersetzen. Dabei wird sich diese Arbeit in einer theoretischen Form (unter Einbezug des Gedankenguts von Maria Montessori) dem Thema annähern und soll auch mit praktischen Beispielen komplettiert werden. Abschließend werde ich mich an ein persönliches Fazit wagen, inwieweit der Weg zum Schreiben- und Lesenlernen in der Montessoripädagogik für Schülerinnen und Schüler eine wertvolle Alternative zum Schriftspracherwerb in der Regelschule darstellen kann.

Die Literaturauswahl zu meiner Seminararbeit ist vielfältig, wenn auch überschaubar. Zur theoretischen Betrachtung der Thematik muss zwangsläufig der Griff zu Literatur hinsichtlich des Gedankenguts von Maria Montessori selbst erfolgen, wohingegen vielfältig praktisch orientierte Literatur (mit etwaigen Kopiervorlagen und Unterrichtsbeispielen) sich stärker mit den praktischen Ausformungen von Montessori-Schulen beschäftigt. Dabei muss vorweg bemerkt werden, dass jede Montessorischule ihre eigenen Wege in der Ausgestaltung der Montessoripädagogik geht. Selbst wenn Didaktische Materialien unverfälscht in vielen Schulen vor Ort stehen, so steht und fällt die Lernperspektive mit der Lehrperson in elementarer Art und Weise. Demzufolge dürfen praktische Beispiele dieser Hausarbeit nicht übergeneralisiert werden.

Auch ist festzustellen, dass diese Seminararbeit keinen Anspruch auf eine vollständige Ausleuchtung der Thematik „Lesen- und Schreibenlernen in der Montessori-Grundschule“ stellt. Vielmehr soll das Essay Schlaglichter auf mir wichtig erscheinenden Themenfelder werfen.

2. Theoretische Konkretisierung

Vorweg muss betont werden, welche besondere Bedeutung dem Kinderhaus / Kindergarten in der Montessori-Pädagogik zukommt. Dort werden den Kindern „schon vorschulisch grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten angeeignet.“[1]Viele Konzepte, wie beispielweise die „Drei-Stufen-Lektion“ fallen in sensible Perioden innerhalb des Aufenthalts im Kindehaus. Jedoch wäre es fatal anzunehmen, dass diese Phasen von jedem Kind zum selben Alterzeipunkt durchlaufen werden[2]. Daher sind die Übergänge zwischen Kinderhaus und Grundschule fließend und können nicht voneinander getrennt betrachtet werden.

Ebenso ist der Übergang zwischen beiden Institutionen von entscheidender Bedeutung für die Lernbiographie eines Kindes[3]. Aus Gründen der inhaltlichen Begrenztheit der Seminararbeit kann auf diesen Faktor aber nicht weitergehend eingegangen werden.

2.1. Bedeutung von Sprache

Maria Montessori betrachtet Sprache als eine Möglichkeit zu Kommunikation, Expression sowie Welterkenntnis[4]. Darüber hinaus trägt der sprachliche Gebrauch zur Persönlichkeitsbildung und zur Entstehung eines Selbstkonzepts bei. Maria Montessori betrachtet Sprache in vier Dimensionen: Die Anthropologische Dimension (Sprache als wesentliches Element menschlicher Personalität), die Sozialpolitische Dimension (Analphabetismus als elementare Ursache vieler gesellschaftlicher Probleme), die Soziale Dimension (Sprache als Basis des sozialen Lebens) sowie die Pragmatische Dimension (Entwicklung eines möglichst optimalen und differenzierten Schreib- Leselehrgangs für Schülerinnen und Schüler)[5]. Sprache wird hierbei als eine Fähigkeit betrachtet, die passiven (innerlich abgespeicherter Sprachwortschatz, der aus Umwelt aufgenommen wird) und aktiven (aktiver Sprachgebrauch, der sich immer weiter ausdifferenziert) Sprachbesitz voraussetzt.[6]

Sprache ist nach Montessori aber auch etwas „Gelerntes, das Kind muss diese selbst erwerben“[7]. Ein wichtiger Primat des Schriftspracherwerbs ist dabei der „rechte Sprachgebrauch“, für den Maria Montessori auch gezielte Sprachspiele entwickelt. Die sprachliche Entwicklung folgt dabei keineswegs zufälligen Schemata, sondern folgt „bestimmten Gesetzen, die für alle Kinder gleich sind.“[8]

Der Lehrkraft kommt als Sprachvorbild eine besondere Rolle zu, indem sie Freude an der Sprache vermittelt, auf gute Aussprache achtet und in gemäßigtem Tempo spricht sowie das Sprachverständnis der Kinder unter keinen Umständen unterschätzt.[9]

Die sensible Periode des Kindes / der Schülerinnen und Schüler muss bei Schreiben- und Lesenlernen unbedingt beachtet werden, tritt bei den meisten Kindern jedoch schon vor dem Eintritt des Schuleintritts auf[10]und muss somit vor allen Dingen bei wiederkehrenden sensiblen Perioden in der Grundschule (wie beispielweise der sensiblen Periode für Sprache hinsichtlich der Grammatik[11]) besonders optimal gefördert werden. Dabei sind für einen gelingenden Lese- und Schreibelernprozess aber nicht nur „grundlegende Fähigkeiten in den Bereichen Wahrnehmung, Sprache und Motorik“[12]wichtig, sondern vielmehr auch persönliche Attribute wie „Anstrengungsbereitschaft und Motivation“[13]

2.2. Sprachlektion & Dreistufenlektion

Die Dreistufenlektion[14]ist eine der elementaren Lernaktivitäten in der Montessoripädagogik. Speziell im Bereich der Sprachentwicklung sollen die Schülerinnen und Schüler/Kinder innerhalb von drei Sprachstufen einen „rechten Sprachgebrauch“ erlernen, wobei hier viele verschiedene Varianten möglich sind.[15]

Stufe 1 nimmt dabei die Aufgabe der Verbindung hinsichtlich der Wahrnehmung von Gegenstand und Name ein. Die Lehrkraft zeigt auf einen Gegenstand und benennt ihn. Wichtig ist dabei eine sparsame Verwendung von Wörtern, um das Lernziel möglichst optimal zu isolieren.

Beispiel: „Das ist ein Kugelschreiber.“

Stufe 2 soll die Wiedererkennung von Gegenständen und Namen schulen. Hierbei bittet die Lehrer den Schülerinnen und Schüler/Kinder nur mithilfe von Sprache, einen bekannten Gegenstand zu bringen. In der Dreistufenlektion stellt dies die wichtigste Stufe dar, da sie als zentrale Gedächtnis- und Assoziationshilfe fungiert.

Beispiel: „Gib mir den Kugelschreiber!“

Stufe 3 nimmt abschließend eine Kontrollfunktion ein, um den aktiven Sprachgebrauch zu überprüfen. Dabei werden mehrmalige Wiederholungen durchgeführt. Bei fehlerhaften Lernverläufen muss Stufe 3 abgebrochen werden und darf nicht korrigiert werden. Die komplette Lektion muss dann zu einem späteren Zeitpunkt mit dem entsprechenden Kind wieder aufgenommen und geübt werden.

Beispiel: L: „Was ist das?“ (Kugelschreiber in der Hand haltend)

S: „Das ist ein Kugelschreiber.“

[...]


[1]Schumacher, Eva (Hrsg.): Mit Montessori Lesen und Schreiben lernen. Der Praxisleitfaden zum Schriftspracherwerb; S.5.

[2]Vgl. Ebd., S.13.

[3]Vgl. Ebd., S.5.

[4]Vgl. Kaul, Claus-Dieter/Wagner, Christiane M.: Montessori konkret: Handbuch zu einem ganzheitlichen Weg des Lernens im Elementarbereich. Band 3: Spielerische Übungen im Bereich der Sprache; S.10.

[5]Vgl. Fischer, Reinhard (Hrsg.): Sprache - Schlüssel zur Welt. Handbuch zur Theorie und Praxis der Spracherziehung in der Montessori-Pädagogik; S.26-27.

[6]Montessori Vereinigung e.V. (Hrsg.): Montessori Material. Teil 2; S.7.

[7]Kaul, Claus-Dieter/Wagner, Christiane M.: Montessori konkret; S.9.

[8]Fischer, Reinhard (Hrsg.): Sprache - Schlüssel zur Welt; S.28.

[9]Vgl. Ebd.

[10]Eichelberger, Harald: Handbuch zur Montessori-Didaktik; S.97.

[11]Fischer, Reinhard (Hrsg.): Sprache - Schlüssel zur Welt; S.29.

[12]Schumacher, Eva (Hrsg.): Mit Montessori Lesen und Schreiben lernen. Der Praxisleitfaden zum Schriftspracherwerb; S.9.

[13]Ebd.

[14]Montessori Vereinigung e.V. (Hrsg.): Montessori Material; S.9.

[15]Vgl. Ebd.; S.13 ff.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Vermittlung der Kulturtechniken. Lesen- und Schreibenlernen in der Montessori-Grundschule
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
3,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V420434
ISBN (eBook)
9783668686717
ISBN (Buch)
9783668686724
Dateigröße
902 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Montessori, Montessoripädagogik, Reformpädagogik, Bildung, Pädagogik, Lesen, Schreiben, Lesen- und Schreiben, Schriftsspracherwerb, Grundschule
Arbeit zitieren
Matthias Marx (Autor), 2015, Vermittlung der Kulturtechniken. Lesen- und Schreibenlernen in der Montessori-Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/420434

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