Leo Graf von Caprivi. Verdienste für die deutsche Politik


Seminararbeit, 2014

15 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

INHALTSANGABE

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Biographie und Persönlichkeit
2. Politisches Handeln
A.Außenpolitik
B.Innenpolitik c. Handelspolitik
3. Verdienste für die Politik Deutschlands

III. Schlussteil

Anhang:
- Quellen- und Literaturverzeichnis

Leo Graf von Caprivi -
Verdienste für die deutsche Politik

Ļ Einleitung

Beginnen möchte ich meine Hausarbeit mit einem Zitat über Caprivi von Edda Dammüller, einer langjährigen Journalistin des Westdeutschen Rundfunks Köln: ״Lange haben die Historiker ihn auf den glücklosen Nachfolger des großen Bismarck reduziert, inzwischen ist das Bild differenzierter: Demnach war der vormalige Infanterie-General (...) ein Mann mit modernem Politikverständnis. Der auf die Arbeiter zuging. Der der Exportnation Deutschland neue Handelswege erschloss. Den Imperialismus zurechtstutzte und in den deutschen Beziehungskisten aufzuräumen begann: näher ran an England, weg von der Geheimbündelei mit Russland.“[1]Diese Betrachtungsweise will ich zum Anlass nehmen, mich näher mit der Geschichte sowie dem Wirken des ehemaligen Reichskanzlers und Nachfolger Bismarcks auseinanderzusetzen. Denn offenbar handelt es sich hierbei um einen Mann, der essentiell heterogene Bewertungen seines politischen Wirkens auf sich zieht.

Grund genug, sich Fragen zu vergegenwärtigen:

Welche Persönlichkeit war Caprivi und welche Ziele verfolgte er? Wie und in welcher Weise wirkte sich seine Politik auf das deutsche Kaiserreich aus? Eind abschließend noch die Frage, inwieweit man von ״Verdiensten für Deutschland“ sprechen kann. Hat er das damalige Kaiserreich und die heutige Bundesrepublik mit seiner Politik wirksam beeinflusst und evolutioniert?

Das Ingrediens dieser Seminararbeit wird sich primär an diesen Fragestellungen orientieren. Zunächst will ich die Person des ehemaligen Reichskanzlers umreißen und eine kurze Biographie sowie Charakterzüge aufzeigen. Weitergehend setzt sich die Hausarbeit selektiv mit der damaligen Politik Caprivis auseinander und geht dabei partiell auf zeitgenössische Reaktionen und Folgen daraus ein. Darauf basierend und daraus resultierend widme ich mich der Fragestellung inwieweit man Leo Graf von Caprivi ״Verdienste für die deutsche Politik“, im Sinne einer Weiterentwicklung von politischen, sozialen sowie ökonomischen Paradigmen attestieren kann.

In meiner Schlussbeurteilung werde ich essenziellen Gedankengänge noch einmal integrieren und mein Fazit über die Person und politisches Handeln von Caprivi zusammenfassen.

Das Primärquellenmaterial ist breit gefächert und ermöglicht eine nahezu endlose Auseinandersetzung mit der Materie. Auffallend ist hierbei jedoch, dass Caprivi im Gegensatz zu seinem Vorgänger und vielen Nachfolgern keine persönlichen ausführlichen Memoiren hinterlassen hat. Somit wird sich diese Arbeit im Kem mit Schriftzeugnissen von Zeitgenossen Caprivis auseinandersetzen. Zudem sind die offiziellen Reden des ehemaligen Reichskanzlers überliefert. Die Sekundärliteratur betreffend ergibt sich eine ähnlich umfangreiche Auswahl an wissenschaftlichen Arbeiten. Die aktuelle Forschung verweist auf den ״Neuen Kurs“ des Reichskanzlers mit dem Versuch einer Heranziehung von Zentrum und Linksliberalen sowie eines sozialpolitischen Ausgleichs[2]. Eben anhand dieses, mit dem ehemaligen Reichskanzler verbundenen, und etablierten Begriffs des ״Neuen Kurses“ will ich in Gliedemngspunkt II.B. Caprivis politisches Werk nachzeichnen und dessen Tragweite diskutieren. Die Themenfelder der Gliedemngspunkte ILA. und II.C. werde ich in selektiv behandeln und vorhandene Forschungsmeinungen partiell einfließen lassen. Diese Hausarbeit stellt nicht den Anspmch, das gesamte Lebenswerk Caprivis abzudecken, da dies den Rahmen der Ausarbeitung deutlich sprengen würde. Vielmehr werde ich mich auf Perspektiven beschränken, die die aktuelle Forschung als besonders relevant erachtet.

II. Hauptteil

1. Biographie und Persönlichkeit

Georg Leo von Caprivi de Caprera de Montecuccoli wird am 24. Lebmar 1831 in Charlottenburg geboren. Er stammt aus einer Lamilie, die schon über längere Zeit im preußischen Offiziers- und Beamtenadel verwurzelt ist[3]. Er besucht das Friedrichwerdersche Gymnasium in Berlin und zeigt sich schon damals als äußerst pflichtbewusster und intelligenter Schüler, der sich jedoch nie selbst in den Mittelpunkt stellt[4]. 1849 tritt er als Freiwilliger in die erste Kompanie des Kaiser- Franz-Garde-Grenadier-Regiments ein und beginnt somit die Laufbahn eines Berufsoffiziers im preußischen Heer. Es folgen mehrere Befördemngen, bis er 1870, dem ersten Jahr des deutsch-französischen Krieges, zum Oberstleutnant und Chef des Generalstabes des 10. Armeekorps ernannt wird. Nach 1871 ist Caprivi zeitweise im preußischen Kriegsministerium tätig und füllt dabei verschiedene hochrangige Ämter aus. Seine Steile Karriere ist durchaus außergewöhnlich, es ist nicht üblich in vergleichbar jungen Jahren derart verantwortliche Positionen zu erhalten[5]. 1883 wird er als Vizeadmiral und Chef der Kaiserlichen Admiralität zur Marine versetzt und nimmt dabei einen nicht unbedeutenden Part bei deren Aufbau ein. Allerdings wehrt sich Caprivi gegen eine zu offensive Ausrichtung der Marine und sieht die Hauptaufgabe des deutschen Militärs eher im defensiven Küsten- und Handelsschutz[6]. Währenddessen kommt es auch zu einem ersten Reibungspunkt zwischen dem Reichskanzler und Kaiser Wilhelm II, der eine konträre strategische Ausrichtung der Marine bevorzugt[7]. 1888 kehrt er als kommandierender General des X. Armeekorps zum Heer zurück. Am 20. März 1890 ernennt Kaiser Wilhelm II. Caprivi zum Nachfolger des alten Reichskanzlers Otto von Bismarck in seiner Funktion als Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident. Leo Graf von Caprivi selbst sah diese Berufung eher als Belastung, denn als Erfolg an. Er selbst antwortet auf die Anfrage des Kaisers im Febmar 1890: ״ Wenn Eure Majestät mich morgen in den Krieg schickten und mich auf den gefährdetsten Punkt des Schlachtfelds stellten, so würde ich ohne Bedenken gehorchen (...). Anders ist es mit Eurer Majestät jetzigem Ansinnen; aber wenn es sein müsste, nun, so würde ich auch dies als mein Schlachtfeld ansehen, auf dem ich ein ehrenvolles Ende finden kann“[8]. Seine Politik als Reichskanzler geht unter dem Begriff ״Der Neue Kurs“ in die Geschichtsbücher ein[9](siehe Gliedemngspunkt П.2.). Nach dem Scheitern eines Schulgesetzentwurfes 1892 tritt Caprivi als preußischer Ministerpräsident zurück. 1893 setzt er nach vorheriger Auflösung des Reichstags und den anschließenden Neuwahlen eine

Heeresreform durch. 1894 kommt es zur Entlassung Caprivis durch Wilhelm II., da sich der Reichskanzler weigert, die sogenannte Umsturzvorlage (Eine Rückkehr zur verschärften Repression gegenüber der Sozialdemokraten) in den Reichstag einzubringen. Die Vorlage hätte aufgmnd der weitgefassten Formulierungen eine weitgehende Einschränkung der Versammlungs- und Pressefreiheit bedeuten können[9]. Daraufhin zieht sich der Entlassene auf ein Landgut in Skyren bei Crossen an der Oder zurück, wo er am 6. Februar 1899 stirbt.

Über die Persönlichkeit Caprivis konstatiert der Zeitgenosse Rudolf Amdt: ״Wenn wir uns mit dem Lebensgange des Mannes beschäftigen, (...) so tritt uns das Bild einer umfassenden Arbeitskraft, einer unermüdlichen Energie, einer Strengen Pflichttreue entgegen. Ein kurzer Blick auf die erfolgreiche militärische Laufbahn des Grafen zeigt die (...) Entwicklung einer Persönlichkeit, welche ihren ethischen und intellektuellen Fähigkeiten nach berufen erscheinen muss, die Politik des deutschen Reiches in segensvoller Weise zu leiten“ [10]. Ein anderer Zeitgenosse, der Politiker Georg Gothein, attestiert dem Reichskanzler ״Arbeitskraft, Strenge Sachlichkeit und eine Festigkeit, die annehmen ließ, er werde nur das vertreten was er glaube billigen zu können“[11]. Leo Graf von Caprivi ist also ein ״Mann selbstständigen Denkens und Handelns, keine Marionette in den Händen irgend eines andern oder irgendeiner Partei“ [12].

2. Politisches Handeln A. Außenpolitik

Immer wieder benannt werden in Bezug auf Caprivis Außenpolitik zwei Ereignisse, an denen diese maßgeblich gemessen wird: Die Nicht-Erneuerung des Rückversicherungsvertrags mit Russland und der Helgoland-Sansibar-Vertrag mit Großbritannien[13].

[...]


[1]DAMMÜLLER, Edda: Der Todestag des Reichskanzlers Leo von Caprivi. 6. Februar 1899, letzte Aktualisierung: 06.02.2014, URL:

http://www.wdr.de/wissen/wdr wissen/programmtipps/radio/14/02/06 0905 5.php5?start=1391705 100 (zuletzt abgerufen am 15.09.2014).

[2]Vgl. PLOETZ, Karl Julius (Begr.): Der große Ploetz, 35. Auflage, Köln 2008, s. 949.

[3]Vgl. ARNDT, Rudolf (Hrsg.j: Die Reden des Grafen von Caprivi im deutschen Reichstage,

Preußischen Landtage und bei besonderen Anlässen. 1883-1893. Mit der Biographie und dem Bildnis, 1. Auflage, Berlin 1894, s. 1-2.

[4]Ebd., vgl. S.2-3.

[5]Vgl. ARNDT, Rudolf (Hrsg.j: Die Reden des Grafen von Caprivi, s. 4.

[6]Vgl. HALDER, Winfrid: Innenpolitik im Kaiserreich 1871-1914, in: Geschichte Kompakt Neuzeit, hrsg. V. Uwe Puschner, 1. Auflage, Darmstadt 2003, S.96.

[7]Vgl. Das Bundesarchiv: Die Reichskanzler des Deutschen Kaiserreichs 1871 bis 1918, letzte Aktualisierung: 15.06.2013, URL: https://www.bundesarchiv.de/oeffentlichkeitsarbeit/bilder dokumente/01107/index.html.de (zuletzt abgerufen am 15.09.2014).

[8] ARNDT, Rudolf (Hrsg.j: Die Reden des Grafen von Caprivi, s. 13.

[9] Vgl. HALDER, Winfrid: Innenpolitik im Kaiserreich, S.103.

[10]ARNDT, Rudolf (Hrsg.): Die Reden des Grafen von Caprivi, s. 1.

[11]GOTHEIN, Georg: Reichskanzler Graf Caprivi. Eine kritische Würdigung, 1. Auflage, München 1917, s. 18.

[12]Ebd.,s. 17.

[13] Vgl. PLOETZ, Karl Julius (Begr.): Der große Ploetz, s. 949.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Leo Graf von Caprivi. Verdienste für die deutsche Politik
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V420436
ISBN (eBook)
9783668684096
ISBN (Buch)
9783668684102
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reichskanzler, Leo von Caprivi, Caprivi, Kaiserreich
Arbeit zitieren
Matthias Marx (Autor), 2014, Leo Graf von Caprivi. Verdienste für die deutsche Politik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/420436

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