Der Einfluss des Personennamens auf die Entwicklung und den Lebensweg eines Menschen


Seminararbeit, 2015

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Entwicklung des Personennamen
2.2 Namengebung
2.3 Ursachen für Beurteilungsfehler

3 Wahrnehmung von Personennamen
3.1 In Kindheit und Schulzeit
3.2 Im Berufsleben
3.3 Im Alltag
3.4 Resümee der Studienergebnisse

4 Effekte auf die Entwicklung an ausgewählten Beispielen
4.1 Der Name Kevin Alessandro
4.2 Der Name Lenny Elias
4.3 Der Name Friedrich Alexander

5 Zusammenfassung

Literatur- und Quellenverzeichnis

Anlagen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1

Informationen Sozialer Art

Hinweis

Im Text dieser Arbeit findet aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung und der besseren Lesbarkeit lediglich die männliche Form Verwendung. Die Ausführungen beziehen sich gleichermaßen auf weibliche und männliche Personen.

1 Einleitung

Samstag, 20. Juni 2015

Beim Durchblättern der Tageszeitung wurde meine Mutter auf eine Danksagung aufmerksam und las laut vor - Euer Lenny Elias. Sie musste lachen und gab die Zeitung an mich weiter. Ich begriff sogleich was sie zum Schmunzeln brachte. Es handelte sich nicht, wie von uns mit dem Namen verbunden, um ein Baby. Es war die Danksagung eines jungen Erwachsenen für die erhaltenen Geschenke zu seiner Jugendweihe. Auf dem Bild trug er einen Anzug samt Fliege (Anlage 1).

Der Name Lenny Elias wirkt gegen die neusten Kuriositäten in der Namengebung jedoch fast gewöhnlich. „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose“[1], dieser Ausspruch stammt von einem Lehrer aus dem Jahr 2009.[2] Und erst vor wenigen Wochen wurde ein kleines Mädchen mit Migrationshintergrund Angela Merkel genannt. Nimmt man einen Vornamen war - egal ob gehört oder gelesen - verbindet man mit ihm unweigerlich bestimmte Eigenschaften. Welchen Charakter hat ein Baltasar? Wie alt ist eine Winnetou? Oder welches Geschlecht haben die beiden Migrantenkinder aus der Stadt Freiberg, die von ihrer Mutter Frei und Berg genannt wurden? Umso passender wirkt das Zitat von Jacob Grimm aus dem Jahre 1858. Er schreibt: „[w]elchen reiz und welche anziehende kraft hat unter allen sprachlichen untersuchungen eben die über eigennamen […]“[3], das Zitat hat auch knapp 200 Jahre später nicht an Gehalt verloren - im Gegenteil.

Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich daher mit der soziolinguistischen Untersuchung der Anthroponyme, d.h. Personennamen. Sie soll einen Einblick in die aktuellen Studien zur Thematik geben und vorrangig verdeutlichen, welchen Einfluss die Wahl des Namens für den gesamten weiteren Lebensweg eines Menschen haben kann. Es soll zudem herausgestellt werden, ob ein Zusammenhang zwischen dem Namen und der Entwicklung besteht und wenn ja, wie groß der Einfluss ist. Das Hauptaugenmerk der Arbeit liegt auf den Vornamen, da deren Einfluss ausgiebiger erforscht und vor allem durch die Namengebung beeinflussbar ist. Die Nachnamen finden in solchen Fällen Erwähnung, in denen der Einfluss als besonders hoch zu erachten ist.

In Kapitel 2 Grundlagen werden zunächst nötige Informationen zur Entwicklung von Namen und des Prozesses der Namengebung gegeben. Zusätzlich wird auf mögliche Fehlerquellen in der Beurteilung von Menschen in Kapitel 2.3 Ursachen für Beurteilungsfehler hingewiesen. Kapitel 3 Wahrnehmung von Personennamen widmet sich schließlich der anhand von Studien belegten Assoziationen mit Namen. Wobei eine Unterteilung nach Kindheit und Schulzeit, Berufsleben und Alltag vorgenommen wurde. Kapitel 3.4 Resümee der Studienergebnisse bringt die in den Kapiteln 3.1 bis 3.3 genannten Aspekte noch einmal auf den Punkt. Kapitel 4 Effekte auf die Entwicklung an ausgewählten Beispielen wird die möglichen Folgen dieser beeinflussten Wahrnehmung anhand dreier ausgewählter Beispiele verdeutlichen. Abschließend folgt Kapitel 5 Fazit.

2 Grundlagen

2.1 Entwicklung des Personennamen

Der Namenforscher Friedhelm Debus bezeichnet den Personennamen als „anthropologische Grundausstattung“[4]. Er verweist auch auf Gottfried Schramm, welcher mit „der Name erst schafft seine Person“[5] auf einen Ausspruch germanischer Wurzeln verweist. Die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz schließlich bezeichnet die Namen als „in hohem Maße identitätsstiftend“[6]. Die Zitate verdeutlichen die primäre Rolle des Personennamens im Leben eines Menschen.[7] Doch wie entwickelte sich die Bedeutung der Personennamen im Laufe der Geschichte?

Bereits früheste Quellen aus dem 2. Jhd. n. Chr. belegen die Verwendung von Personennamen. Lange Zeit reichte jedoch der Einzelname aus, um die Menschen voneinander zu unterscheiden. In diesem Zusammenhang wird vom Personennamen gesprochen, der als das eigentliche Anthroponym gilt. Hier kann auch vom einnamigen anthroponymischen System gesprochen werden. Als Personennamen - heute als Vornamen bezeichnet - nicht mehr ausreichten, entstanden Zunamen zusätzlich zum eigentlichen Personennamen. Zunächst handelte es sich hierbei um Beinamen, d.h. nichterbliche Zusätze, wie Karl der Große. Aus ihnen entwickelte sich der Nachname, auch als Familienname bekannt. Friedhelm Debus zu Folge war die Entwicklung zum zweinamigen anthroponymischen System, wie es in der heutigen Gesellschaft Verwendung findet an diesem Punkt abgeschlossen.[8]

Die in Deutschland typische Reihenfolge (Vorname Nachname) ist nicht in allen Regionen der Welt üblich. Die für deutsche Auflistungen typische Reihenfolge (Nachname, Vorname) ist verhältnismäßig neu. Im 16. Jhd. n. Chr. wurden Steuerlisten und noch im 18. Jhd. n. Chr. Studentenverzeichnisse nach dem Vornamen sortiert. Dies ist Indikator für „die zentrale Bedeutung des Vornamens, [welcher] noch heute in ländlichen Gebieten oder in vertraut-inoffiziellen Situationen“[9] übliche Anrede ist.[10] Zusätzlich formte sich ein sog. Vornamenkomplex, aus der Tradition heraus mehrere Vornamen zu vergeben, d.h. der Name eines Ahnen wird an den eigentlichen Personennamen angehangen. Dieses Phänomen ist auch als Viel- oder Zweinamigkeit bekannt. In der Regel wird der eigentliche Rufname in solchen Fällen kenntlich gemacht, die restlichen Vornamen werden als Beivornamen bezeichnet. Adolf Bach führte schließlich den Begriff Gesamtname ein. An dessen Stelle trat der heute Verwendung findende Begriff Personenname.[11] Die wissenschaftliche Erforschung der Personennamen begann erst mit dem bereits in der Einleitung zitierten Werk Jacob Grimms Deutsche Grammatik.[12]

2.2 Namengebung

„Eigennamen sind (sprachliche) Zeichen.“[13] Umso interessanter ist daher die Beschäftigung mit ihrer Bildung.

Aus historischer Betrachtung sind bei der Namengebung je nach „geschichtlichem Kontext verschiedene Gesichtspunkte“[14] von Bedeutung. Bei der Namengebung können zwei Gruppen unterschieden werden, die automatische Namengebung durch Geburt, also der Familiennamen und die individuelle Namengebung durch gezielte Namenwahl, wie es bei Vornamen, Beivornamen und Rufnamen der Fall ist.[15] Laut Friedhelm Debus wird die Wahl dieser Namen durch die Mentalität gelenkt - diese wiederum wird von bewussten und unbewussten gesellschaftlichen/ sozialen Faktoren beeinflusst. Sie können sich aus psychologischen, ideologischen, religiösen, soziologischen, ästhetischen, regionalspezifischen und/ oder ökonomischen Gesichtspunkten ergeben (Anlage 2).[16]

Die Gesellschaft für deutsche Sprache lies 2014 eine Studie zu Motiven der Vornamenwahl durchführen. Demnach „spielen ästhetische Kriterien bei der Vornamenwahl heutzutage die wichtigste Rolle.“[17] Dreiviertel der befragten Eltern war es wichtig, dass der Vorname „sich gut anhört“[18] wobei dieser Umstand bei Mädchen einen größeren Einfluss, als bei Jungen zu haben scheint. Lediglich 6 % der Befragten empfanden den ästhetischen Gesichtspunkt als unwichtig. Zudem soll die Kombination aus Vorname und Nachname bedeutsam sein. Auch hier wird auf Klang und Länge des gesamten Personennamen geachtet. Des weiteren achten 42 % der Befragten darauf, dass durch den Namen „im Leben keine Nachteile“[19] entstehen. 31% ist weiterhin wichtig, dass er „zu jedem Alter passt“[20]. Dennoch achten 50 % der Befragten auch darauf, dass es sich um einen zeitgemäßen Vornamen (modern) handelt. Abgenommen bei der Namenwahl haben Faktoren, wie die Bedeutung oder der religiöse Beziehung. Zudem haben 16 % den Namen eines Familienangehörigen und 6 % den Namen eines Prominenten oder einer geschichtlich relevanten Person, ausschließlich oder zum Teil, gewählt.[21] Die Namensforscherin Damaris Nübling weist darauf hin, dass Namen Cluster bilden, „d.h. analoge Namen hervorbringen bzw. nach sich ziehen.“[22] Sie verweist an dieser Stelle auf die Top 10 Jungennamen der Jahre 1970 bis 1992. Markus wurde zu Marc, dieser wiederum zu Marco. Diese Liste ließe sich endlos weiterführen. Auch werden Eltern die Namenswahl des zweiten oder dritten Kindes unbewusst an Clustern orientieren. Rosa Kohlheim zeigt anhand von 3,5 Millionen untersuchten Namen auf, dass ein Hendrik eher einen Dirk als einen Kevin zum Bruder haben wird.[23] Eine aktuelle Liste der beliebtesten Vornamen kann im Anhang 3 eingesehen werden.

Aufgrund der immer häufiger gewählten unkonventionellen Namen und den daraus befürchteten Nachteilen für diese Kinder (siehe auch Kapitel 3) spielt das Namenrecht eine immer größer werdende Rolle. Standesämter haben daher die Möglichkeit Vornamen nicht anzuerkennen. In einigen Fällen mussten dies auch Gerichte bestätigen, wie bereits im Jahr 1991 im Fall des Jungennamen Tom Tom geschehen. Dieser ist dem Urteil nach in Deutschland nicht zulässig. In besonders schweren Fällen ist auch eine Namensänderung möglich. Im Gegensatz zu Schweden ist dies in Deutschland nur sehr selten möglich.[24]

2.3 Ursachen für Beurteilungsfehler

Um die Erkenntnisse einiger wissenschaftlicher Studien, die in den folgenden Kapiteln angesprochen werden, besser nachvollziehen zu können, ist die Kenntnis von Fehlern, die bei der Beurteilung von Menschen auftreten, von Nutzen. Diese können viele Assoziationen der befragten Personen erklären. Die für diese Arbeit primären möglichen Fehler sollen daher im Folgenden kurz erläutert werden.

Selektive Wahrnehmung ist die verstärkte Wahrnehmung von Informationen, die eine eigene Vermutung bestätigen. Der Halo-Effekt, auch Überstrahlungseffekt genannt, ist eine Wahrnehmungsverzerrung. Ein dominantes Merkmal lenkt den Gesamteindruck in eine bestimmte Richtung. Dies ist sowohl positiv, als auch negativ möglich. Der Effekt spielt somit bei der Bildung von Vorurteilen die Grundlage. Der erste Eindruck „dominiert die Gesamtbeurteilung“[25], bei der Wahrnehmung eines Menschen. Hierzu kommt die Milde-/ Strengetendenz, die den Betrachter in aller Regel zu einem sehr positiven/ negativen Standpunkt kommen lässt.[26] Bei der Beurteilung auf Grundlage der Personennamen ist besonders der Effekt von Stereotypen zu beachten. Sie sind auch als Vorurteile bekannt und äußern sich durch „implizierte Menschenbilder, die unreflektiert weitergegeben werden“[27] Weiterhin zu erwähnen sind der Kontrast-Effekt, bei dem eine Person „in Bezug zu einer konkreten anderen“[28] gesetzt wird sowie die Beeinflussung durch andere Personen.[29]

All diese Effekte können einzeln, besonders aber in Kombination, Einfluss auf die Wahrnehmung einer Person haben. Ob dieser positiv oder negativ ist, ist situations- aber vor allem erfahrungsabhängig. Zudem nimmt der Einfluss eines Namens exponentiell ab, je mehr über den Menschen bekannt wird.[30]

3 Wahrnehmung von Personennamen

Das folgende Kapitel gibt überblicksartig die Ergebnisse wichtiger Studien zum Thema Wahrnehmung der Personennamen wieder. Hierbei wurde eine grobe Unterteilung anhand der Lebensphasen eines Menschen vorgenommen. Zudem sind alle Ergebnisse, die nicht eindeutig zu Kindheit und Schulzeit oder Berufsleben zugeordnet werden können, dem Kapitel 3.3 Im Alltag zu entnehmen.

3.1 In Kindheit und Schulzeit

Der Einfluss, den der Personenname im Leben spielt, beginnt bereits ab dem Zeitpunkt der Namengebung.

Damaris Nübling zu Folge können den Namen, besonders den Vornamen, verschiedene „Informationen sozialer Art“[31] entnommen werden. Neben den auch in der Presse häufig anklingenden Faktoren wie Alter, Geschlecht, Attraktivität oder Intelligenz, kommen nach Auffassung des Namenkundlichen Zentrum der Universität Leipzig zudem auch Ansehen, Ethnizität, Nationalität und Regionalität hinzu.[32]

In einer Studie wurden 2000 Grundschullehrer zu diesem Thema befragt. Ihnen zufolge werden Namen wie Maria, Hanna oder Maximilian mit positiven Charakteren verknüpft, Namen wie Mandy, Angelina oder Justin mit negativen Charakteren. Der Name Kevin zeigte sich zudem als stereotyp für Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten. Vergleichbar mit dem Hauptcharakter des Filmes Kevin allein zu Haus. Den positiven Namen wurden Attribute wie verhaltensunauffällig, freundlich und leistungsstark zugeordnet. Gleiches gilt gegenteilig für die negativ assoziierten Namen. Pädagogen benoten demnach Schüler mit positiv assoziierten Namen tendenziell besser und Kinder mit negativ assoziierten Namen tendenziell schlechter, als Kinder mit neutralem Namen. Dies stimmt auch mit Erkenntnissen der Namensforscherin Damaris Nübling überein, die dieses Phänomen auch in der Erwartungshaltung der Lehrer begründet.[33]

Ein kurzer Exkurs zum Wandel in der Namengebung: Bereits im Spät-Mittelalter wurden die germanischen Namen, wie Siegfried, Brunhild oder Ortlind durch biblische Namen wie Johannes, Esther oder Miriam ersetzt. In der Neuzeit ist eine starke Zunahme internationaler Namen, wie von Elisabeth zu Lilly, zu beobachten. Dieser Trend hält fortwährend an, wohin gegen die „Häufung sog. Bindestrichnamen“[34] wie Eva-Maria ein vorübergehendes Phänomen darstellte.[35]

Damaris Nübling zu Folge lassen sich auch bei den negativ assoziierten Vornamen Cluster erkennen (vergleiche hierzu Kapitel 2.2). Kevin, Justin, Marvin und Dustin bilden demnach ein Namencluster.[36] Laut dem Journalisten Till Hein haben Menschen mit ungewöhnlichen Vornamen, wie Anna Lillit, Lamo Theo oder Til Ole nachweisbar mehr Schwierigkeiten im Leben. Die Universität Harvard führte hierzu in den 1940ern eine Studie durch. Vornamen, welche auf dem Campus nur ein einziges Mal vorkamen machten ca. 4 % der Studenten aus. Bei der Betrachtung der Prüfungsergebnisse umfassten diese Vornamen jedoch 9 % der durchgefallenen Studenten.[37]

3.2 Im Berufsleben

Die Wahrnehmung der Vornamen hängt, wie oben bereits aufgezeigt davon ab, wie alt eine Person aufgrund ihres Namens eingeschätzt wird. Vornamen wie Elfriede oder Helmut werden als älter assoziiert und damit auch als „unattraktiver und weniger intelligent“[38] Einen Gegenpol hierzu bilden Namen wie Mia oder Tim. Sie werden als jünger, attraktiver und damit auch intelligenter assoziiert.[39] Eine aktuelle Studie der Universität Cambridge kommt zudem zu dem Ergebnis, dass Nachnamen, welche adlig klingen positive Effekte auf die Karrierechancen haben können. Demnach sind Personen mit dem Nachnamen König, Fürst oder Prinz 27mal häufiger in Managerpositionen vertreten, als andere Nachnamen. Die Nachnamen Bauer, Koch oder Becker sind hingegen unterdurchschnittlich vertreten. In unteren Positionen ist dieses Phänomen dagegen konträr. Der Studie zufolge trauen Mitarbeiter Kollegen mit adligen Nachnamen bessere „Führungsqualitäten“[40] zu.[41]

Vor der Führungsetage steht aber erst das erfolgreiche Bewerbungsverfahren. Robert Dipboye führte hierzu eine Studie durch, bei der der Zusammenhang zwischen dem Vornamen und dem Erfolg einer Bewerbung untersucht wurde. Den Teilnehmern wurde jeweils derselbe Lebenslauf vorgelegt, der sich lediglich im Vornamen des Bewerbers unterschied. Auch hier wurden positiv assoziierte Namen, wie Anna oder Felix besser beurteilt, als negativ bzw. im vorliegenden Fall als älter assoziierte Namen, wie Waltraud und Erwin. Die Studie ist aufgrund der geringen Teilnehmerzahl (40)[42] jedoch nicht repräsentativ und bedarf daher noch der Überprüfung. Die Namenforscher Goldberg und Kasof belegen in ihren Studien, dass auch das literarische Können eines Autors abhängig von seinem Namen bewertet wird. Kasof ließ in seiner Untersuchung ein und denselben Text bewerten und benannte lediglich den Autor um. Demnach sind positiv assoziierte Namen zumindest in Amerika auch in diesem Beispiel karrierefördernd. Der von ihm zusätzlich vermutete Zusammenhang zwischen erkennbarem Geschlecht des Autors und dessen Bewertung, lässt sich jedoch nicht belegen.[43] Die Erkenntnisse dieser Studie können auch mit der Erkenntnis zusammenhängen, dass der „wahrgenommene[…] sozioökonomische[…] Status“[44], so kann zumindest für Nordamerika belegt werden, von den Vorbildern des gleichen Vornamens abhängig ist.[45]

An dieser Stelle zudem ein kurzer weiterer Exkurs in die amerikanische Namenforschung. Die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz weisen darauf hin, dass in den USA allein durch den Namen eine Unterscheidung zwischen heller und dunkler Hautfarbe möglich war und größtenteils immer noch ist.[46]

Auch die Werbung kann gezielt Vornamen einsetzen, um ihre Produkte einer bestimmten Zielgruppe näher zu bringen. Sollen demnach alle Altersklassen gleichermaßen an- gesprochen werden, empfiehlt sich laut Udo Rudolph ein zeitloser Name.[47] Einer Umfrage des Namenforschers Thomas Liebecke zufolge, ist Felix frech und sportlich, Maximilian schlau und aus reichem Elternhaus stammend. Elisabeth ist laut der Umfrage intelligent und schlau - nicht jedoch attraktiv. Auffällig scheinen auch die Unterschiede zwischen Kurz- und Langform eines Namens. Während Max und Jenny eher durchschnittlich bewertet werden, werden Maximilian und Jennifer im Verhältnis als erfolgreicher erachtet.[48] Dieses Wissen kann auch in der Werbebranche im Sinne der gezielten unterbewussten Kundenmanipulation genutzt werden.

Diesen Manipulationseffekt kann auch ein weiteres Experiment verdeutlichen. Der Journalist Till Hein verweist auf den Zusammenhang zwischen Vornamen und Hilfsbereitschaft der Menschen. Personen wurden auf der Straße angesprochen und um eine Spende für eine humanitäre Organisation gebeten. Trugen die Fragenden ein Namensschild mit demselben Namen, wie die gefragte Person, erhielt diese zweimal mehr Geld.[49] Auch in diesem Fall ist in der Praxis eine indirekte Manipulation möglich.

3.3 Im Alltag

Geht es in den Medien um Vornamen und ihre Wahrnehmung, wird besonders die Schichtzugehörigkeit thematisiert. Die Namenforscherin Damaris Nübling stellte in diesem Zusammenhang fest, dass zeitlose Namen, die also über einen langen Zeitraum verwendet werden, wenig geeignet sind, um diese Art der Information herauszulesen.[50]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1-Informationen sozialer Art

Ein wesentlicher Indikator zur Erkennung der Schichtzugehörigkeit ist wie bereits erwähnt der Vorname, so werden Namen wie Mandy, Kevin, oder Justin eher unteren Gesellschaftsschichten zugeordnet. Die Namen, Alexander, Maximilian oder Friedrich werden hingegen den oberen Schichten zugerechnet. Aber auch die Vielnamigkeit (siehe Kapitel 2.1) kann ein Indiz sein. Generell ist die Viel- und vor allem die Zweinamigkeit ein Anzeichen für die Zugehörigkeit zur Oberschicht. Grund hierfür ist die sog. Nachbenennung. Dies ist in der Oberschicht und besonders beim Adel Praxis. Der Politiker zu Guttenberg zum Beispiel hat insgesamt 10 Vornamen (Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester). Nübling beschreibt aber auch ein Phänomen welches als „onomastische[s] Wettrennen“[51] bezeichnet wird. Untere Schichten beginnen demnach die Namenspraxis der oberen Schicht nachzuahmen und vergeben ebenso mehrere Namen. Dies kann zur Folge haben, dass die Oberschicht sich von diesen Namen abwendet.[52]

Aktuell werden in den unteren Schichten eher nichttraditionelle (Lea-Sophie) bis hin zu unkonventionelle (Grace-Chantal) Namen kombiniert. Eine Unterscheidung fällt daher in den meisten Fällen leicht.[53] Auch extreme Namen, wie Winnetou oder Baltasar sind überwiegend in unteren Schichten zu finden.[54] Hierzu ein Exkurs in die Geschichte. Die DDR Gesellschaft wird als klassenlos angesehen. Eine Untersuchung stellte jedoch heraus, dass auch hier anhand von Vornamen eine Bildungsebene (Intelligenz - Geistesarbeiter, Studierte, Akademiker) und bildungsferne Ebene (Arbeiter und Bauern) unterschieden werden kann. Typische Namen für die Bildungsebene waren demnach Anne, Julia oder Caroline. Bildungsferne Ebenen wurden durch die Namen Mandy, Cindy oder Nicole vertreten.[55]

[...]


[1] Kaiser, Bildungschancen, o. S. (Stand: 15.06.2015).

[2] Vgl. Heeg, Kevin, o. S. (Stand: 21.08.2015).

[3] Debus, Namenkunde, S. 5.

[4] Debus, Namenkunde, S. 11.

[5] Schramm, Personennamen, S. 7.

[6] AdW, Marker, o. S. (Stand: 21.08.2015).

[7] Vgl. Debus, Namenkunde, S. 5 - 11 und AdW, Marker, o. S. (Stand: 21.08.2015).

[8] Vgl. Debus, Namenkunde, S. 79 und Kohlheim, Personennamen, S. 685.

[9] Debus, Namenkunde, S. 79.

[10] Vgl. Debus, Namenkunde, S. 79f.

[11] Vgl. Debus, Namenkunde, S. 80 und Nübling, Personennamen, S. 138f.

[12] Vgl. Brendler, Namenarten, S. 33.

[13] Christoph, Tradition, S. 70.

[14] Debus, Namenkunde, S. 81.

[15] Vgl. Debus, Namenkunde, S. 81.

[16] Vgl. Debus, Namenkunde, S. 81 und Christoph, Tradition, S. 73.

[17] GfdS, Vornamenwahl, o. S. (Stand: 19.08.2015).

[18] GfdS, Vornamenwahl, o. S. (Stand: 19.08.2015).

[19] GfdS, Vornamenwahl, o. S. (Stand: 19.08.2015).

[20] GfdS, Vornamenwahl, o. S. (Stand: 19.08.2015).

[21] Vgl. GfdS, Vornamenwahl, o. S. (Stand: 19.08.2015).

[22] Nübling, Personennamen, S. 120.

[23] Vgl. Nübling, Personennamen, S. 120 und Kohlheim, Personennamen, S. 679.

[24] Vgl. AdW, Marker, o. S. (Stand: 21.08.2015).

[25] Stangl, Fehler, o. S. (Stand: 19.08.2015) und Stangl, Halo-Effekt, o. S. (Stand: 19.08.2015).

[26] Vgl. Stangl, Fehler, o. S. (Stand: 19.08.2015) und Stangl, Halo-Effekt, o. S. (Stand: 19.08.2015).

[27] Stangl, Fehler, o. S. (Stand: 19.08.2015).

[28] Stangl, Fehler, o. S. (Stand: 19.08.2015).

[29] Vgl. Stangl, Fehler, o. S. (Stand: 19.08.2015).

[30] Vgl. Rudolph, soziale Wahrnehmung, S. 25.

[31] Nübling, Personennamen, S. 137.

[32] Vgl. Nübling, Personennamen, S. 137 und Liebecke, Image, o. S. (Stand: 18.08.2015).

[33] Vgl. Kaiser, Bildungschancen, o. S. (Stand: 15.06.2015) und Nübling, Personennamen, S. 136f. und Kohl- heim, Personennamen S. 680.

[34] AdW, Rufnamen, o. S. (Stand: 21.08.2015).

[35] Vgl. AdW, Rufnamen, o. S. (Stand: 21.08.2015) und Kohlheim, Personennamen, S. 679.

[36] Vgl. Nübling, Personennamen, S. 136.

[37] Vgl. Hein, Namen, o. S. (Stand: 18.08.2015).

[38] Rudolph, soziale Wahrnehmung, S. 4.

[39] Vgl. Rudolph, soziale Wahrnehmung, S. 4.

[40] Hein, Namen, o. S. (Stand: 18.08.2015).

[41] Vgl. Silberzahn, Surnames, S. 2438 - 2444 und Hein, Namen, o. S. (Stand: 18.08.2015).

[42] Vgl. Rudolph, Gesellschaft, S. 80 - 82.

[43] Vgl. Rudolph, soziale Wahrnehmung, S. 5f.

[44] Rudolph, soziale Wahrnehmung, S. 24.

[45] Vgl. Rudolph, soziale Wahrnehmung, S. 24.

[46] Vgl. AdW, Marker, o. S. (Stand: 21.08.2015).

[47] Vgl. Rudolph, soziale Wahrnehmung, S. 25.

[48] Vgl. Hein, Namen, o. S. (Stand: 18.08.2015).

[49] Vgl. Hein, Namen, o. S. (Stand: 18.08.2015).

[50] Vgl. Nübling, Personennamen, S. 137.

[51] Nübling, Personennamen, S. 138.

[52] Vgl. Nübling, Personennamen, S. 138.

[53] Vgl. Nübling, Personennamen, S. 138f.

[54] Vgl. Boyes, Winnetou, o. S. (Stand: 21.08.2015). und Liebecke, Image, o. S. (Stand: 18.08.2015).

[55] Vgl. Nübling, Personennamen, S. 140.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss des Personennamens auf die Entwicklung und den Lebensweg eines Menschen
Hochschule
Hessische Hochschule für Polizei und Verwaltung; ehem. VFH Wiesbaden
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
25
Katalognummer
V424086
ISBN (eBook)
9783668694125
ISBN (Buch)
9783668694132
Dateigröße
855 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Namen, Persönlichkeitsentwicklung, Beurteilungsfehler, Kevin, Namengebung, Wahrnehmung
Arbeit zitieren
Kristin Kohlrausch (Autor:in), 2015, Der Einfluss des Personennamens auf die Entwicklung und den Lebensweg eines Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424086

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