Unterrichtskonzept zum Operationstraining im Geschichtsunterricht in der Sek I.


Seminararbeit, 2015
17 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

1. Darstellung der Schule

Die […] Schule ist eine ISS Ganztagsschule ohne gymnasiale Oberstufe und grenzt als Ortsteil von Berlin an die Gropiusstadt an. Ab dem Schuljahr 2015/16 fusionieren die […] Grundschule und die […] Schule zu einer Gemeinschaftsschule. Insgesamt besuchen 24 unterschiedliche Nationalitäten diese Schule, die Schülerinnen und Schüler1 kommunizieren größtenteils in ihrer Muttersprache, welche nicht Deutsch ist, außer im schulischem Kontext. Das Schulkonzept verfolgt folgende Ansätze; Förderung der Sprache, Sport und Naturwissenschaften. Ansätze der Sprachförderung zeigen sich in Projekten wie dem Literaturclub, der Kooperation mit einer Berlin Tageszeitung und der neu entstanden Schülerbibliothek. In den einzelnen Fachbereichen wird durch die Förderung von Leseverstehen und das Erlernen von Lesetechniken ebenfalls auf ein noch zu entwickelndes Sprachförderungskonzept hingearbeitet. Die zwei anderen Bereiche werden gezielt durch Projektwochen gestärkt.

2. Intention des Vorhabens

Im Laufe des Schuljahres der 8. Klasse ist ersichtlich geworden, dass die SuS deutliche Defizite in Bezug auf das Verstehen einer Aufgabenstellung aufwiesen. Daraus resultierende ein mäßiger Erfolg bei der Beantwortung der Aufgabenstellung. Aus diesem Grund habe ich mich bewusst dazu entschieden, eine Reihe im Geschichtsunterricht in Anlehnung an das Modell zur durchgängigen Sprachbildung am Beispiel der Operatoren des Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung2 zu Planen und durchzuführen. Operatoren sind Teil der Bildungssprache und im Allgemeinen versteht man darunter Verben, welche im Rahmen einer Aufgabenstellung die SuS zu einer bestimmten Tätigkeit auffordern.3 Außerdem verlangt jeder Operator eine gewisse Darstellungsform in der die Antwort gegeben werden muss. Das Verstehen dieser, ist nicht nur für das Erfolgreiche bewältigen einer Aufgabenstellung essentiell notwendig, sondern kann eine Leistungsverbesserung im Fach mit sich führen und damit einhergehend die SuS motivierter und zufriedener in und aus einer Unterrichtstunde gehen lassen. Operatoren lassen sich in zwei Kategorien unterteilen, qualitative und quantitative Unterschiede. Qualitative Unterschiede in den Operatoren zielen auf den verlangten Darstellungsrahmen ab (AFB's4: Reproduktion, Reorganisation und Transfer von Wissen) und quantitative Unterschiede zeigen sich zum Beispiel in der Ausführlichkeit oder Überblickshaftigkeit der Antwort, welche im jeden AFB unterschiedlich ausgeprägt sind.5 Innerhalb der Reihe wurden alle AFB's implementiert, jedoch nicht in jeder Unterrichtsstunde, weil der zu fordernde Kompetenzschwerpunkt nicht vernachlässigt wurde. In der Einheit wurde darauf geachtet, dass die AFB's in jeder Unterrichtsstunde gekennzeichnet und aus jedem AFB eine Auswahl von Operatoren verwendet wurden. Des Weiteren wurden sowohl fachspezifische Geschichtsoperatoren (‚einordnen‘) verwendet, als auch fächerübergreifende Operatoren (‚nennen‘ und ‚zusammenfassen‘). Die Operatoren wurden innerhalb der Reihe teilweise spielerisch, als auch durch die individuelle Erarbeitung mit Arbeitsmaterialien im Unterrichtsgeschehen eingeführt, erarbeitet, wiederholt und gefestigt.

3. Reihenplanung

Die Themeneinheit Reformation betrachtet die kirchlichen Missstände in der katholischen Kirche, die Forderungen Luthers und deren Folgen, die Bauernaufstände, den 30jährigen Krieg und den Westfälischen Frieden. Die Konfessionalisierung wirkte sich auf alle Lebensbereiche grundlegend aus, so auch auf die Kultur und Mentalität der Menschen. Diese Aspekte gilt es in der Reihe zu untersuchen, um abschließend die Frage klären zu können: „Spaltet Martin Luther das Heilige Römische Reich deutscher Nation?“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Darstellung der Klasse

Der Großteil der SuS kommunizieren in ihren Elternhäusern voranging in ihrer Muttersprache. Durch die gegebenen Rahmenbedingungen fällt es den SuS im schulischen Kontext daher schwer, sich der Bildungssprache zu gebrauchen oder diese auch adäquat zu verstehen. Durch das heterogene Leistungsniveau werden im Geschichtsunterricht die Arbeitsaufträge differenziert. , daher sind Differenzierungen innerhalb der nötig. Im mündlichen Bereich ist die Leistungsbereitschaft höher, als im schriftlichen. Vermutlich liegt das daran, dass es den SuS schwer fällt, ihre Gedanken zu verschriftlichen und dadurch eine höhere Ablehnung erfährt. Des Weiteren fällt es ihnen schwer Informationen aus Texten herauszuarbeiten und diese mit eigenen Worten wiederzugeben. Operatoren in Aufgabenstellungen werden fehlgedeutet oder übersehen, was zur Folge hat, dass vor allem in schriftlichen Lernerfolgskontrollen Aufgaben falsch oder gar nicht beantwortet werden. Ein intuitives sprachliches Verständnis sich Operatoren selbstständig zu erklären liegt nur vereinzelt vor, besonders leistungsstarke SuS haben deutlich weniger Probleme sich und anderen Mitschülern die Operatoren mit eigenen Wort zu erklären.

5. Umsetzung

Um eine genaue Lernstandserhebung bezüglich des Verständnisses der Operatoren zu erhalten wurde durch ein Fragebogen (Pretest) verschiedene Operatoren von jedem AFB abgefragt. Eine Gliederung der abzufragenden Operatoren in die AFB's wurde auf dem Fragebogen vorgenommen, um einerseits transparent damit weiter arbeiten zu können und andererseits deutlich zu machen welcher Operator in welchen AFB fällt. Diese Tatsache ist der Beobachtung geschuldet, dass die SuS in schriftlichen Lernerfolgskontrollen oftmals nachfragten, warum eine Aufgabenstellung aus dem AFB I weniger Punkte hat, als eine Aufgabenstellung aus dem AFB II. Im Verlauf der Reihe wurden die SuS durch die Lehrkraft immer wieder auf die AFB's hingewiesen und verdeutlicht worin der Unterschied liegt. Des Weiteren wurde bewusst darauf verzichtet alle Operatoren des Faches Geschichte abzufragen, zum einen genügte es die gängigen Operatoren zu verwenden und zum anderen wurde darauf geachtet, dass die abgefragten Operatoren auch in anderen Fächern eine Frequentierung erfuhren.. Folgende Operatoren wurden innerhalb der Reihe verwendet: aus dem AFB I (nennen und zusammenfassen); aus dem AFB II (begründen, einordnen, erklären und wiederlegen) und für den AFB III (bewerten und vergleichen). Für jeden Operator wurden jeweils drei Antwortmöglichkeiten gegeben und der Hinweis, dass nur eine Antwortmöglichkeit richtig ist. Die Antwortmöglichkeiten für die Operatoren wurden durch die Lehrkraft der Kulturminister Konferenz von 2012 entnommen und vereinfacht.6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Auswertung des Pretest ergab, dass vor allem im AFB I die zuvor genannten leistungsstarken SuS die Operatoren richtig erkannt hatten, außerdem fiel auf, dass sieben von 16 SuS den Operator ‚nennen‘ keiner richtigen Erklärung zuordnen konnten. Lediglich sechs SuS konnten diese Operatoren des AFBs I ihrer richtigen Erklärungen zuordnen Der Operator ‚zusammenfassen‘ wies noch weniger richtige Übereinstimmungen auf, lediglich fünf von 16 SuS haben diesen richtig zuordnen können. Der AFB II wurde mit insgesamt vier Operatoren (‚begründe‘; ‚einordnen‘; ‚erklären‘ und ‚widerlegen‘) abgefragt. Auffallen war, dass vor allem der Operator ‚erklären‘ von 56% der befragten SuS richtig zugeordnet werden konnte. Bei dem Operator ‚begründe‘ wussten nur zwei von 16 SuS die richtige Erklärung. Die beiden verbliebenen Operatoren wurden zu 47% durch due SuS richtig zugeordnet. Im letzten AFB III wussten acht von 16 SuS den Operator ‚bewerten‘ richtig zu erklären und sechs von 16 SuS konnten den Operator ‚vergleichen‘ richtig zuordnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abschließend ist für den Pretest festzuhalten, dass im AFB I jeweils sechs von 16 befragten SuS mit der Erklärung der Operatoren ‚nenne‘ und ‚zusammenfassen‘ richtig lagen, dies sind 37,5% der Klasse (Abb. 1).

Für den AFB II ist zusammenfassend zu sagen, dass von 64 richtigen möglichen Antworten für alle vier Operatoren es insgesamt 27 richtige Zuordnungen gab, dies entspricht einem Prozentsatz von 42% (Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Pretest AFB II

Die Operatoren des AFB's III wurden von den SuS zu 37,5% richtig zugeordnet (Abb. 3).

Diese Ergebnisse veranlassten mich innerhalb der Reihe zwei Schwerpunkte zu legen, zum einen das Training hingehend der Förderung der Operatoren der AFB's I und III zu verlagern und damit verbunden das Ziel die Operatoren aus dem AFB I für die Klasse so einzuüben, dass am Ende der Reihe der überwiegende Teil der Klasse in diesen sich sicher bewegen kann. Die Operatoren des AFB's III sind vor allem für den erfolgreichen Erwerb eines Abschlusses notwendig, da im BBR oder MSA der Argumentationsteil gewichtet bewertet wird. Außerdem wird im Fach Geschichte die Urteilsbildung stark forciert, indem problemorientierte Stundenleitfragen die SuS zum Nachdenken animieren sollen und zum Ende einer jeden Stunde von den SuS eine Stellungnahme zu der Stundenleitfrage verlangt wird.

6. Methodische Umsetzung

Die methodische Umsetzung erfolgte in mehreren Schritten. In jeder Unterrichtsstunde wurden die Operatoren besonders hervorgehoben auf den Arbeitsmaterialien, außerdem wurden die Operatoren am Anfang der Aufgabenstellung auf dem Smartboard visualisiert und zusätzlich der AFB angegeben. Der erste Block der Reihe wurde genutzt ein Arbeitsblatt in Partnerarbeit zu erarbeiten, welches die Operatoren der AFB's I bis III mittels selbst formulierten Beschreibungen und selbst entwickelten Piktogrammen durch die SuS erklären ließ. Es entstanden dienliche Piktogramme, die die SuS selbst kreiert haben und dadurch in der Lage waren, die Operatoren näher zu beschreiben. Für den Operator ‚zusammenfassen‘ entstand beispielsweise ein Piktogramm aus drei Elementen. Ein „dickes“ Buch, einem Postit sowie einem Folgepfeil. Die SuS haben den Operator als; „Von viel zum wesentlichen“ gedeutet und beschrieben. Piktogramme haben den Vorteil, dass sie eine Information durch eine vereinfachte grafische Darstellung vermitteln.7 Dieses Arbeitsblatt konnten die SuS in jeder Unterrichtsstunde nutzen, um die Operatoren nochmals zu visualisieren und sich in Erinnerung zu bringen. Das Operationstraining wurde im zweiten Block mittels eines Operatorenmemories fortgesetzt. Das Memory bietet als Legespiel die Möglichkeit der richtigen Zuordnung von Begriff (Operator) und deren Erklärung. Durch ihren wiederholenden Charakter ist ein Memory gut zur Festigung einsetzbar.8 Die positive Wirkung von Spielen im Unterricht wird im weiteren Verlauf dieses Punktes näher erläutert. Im dritten Block der Reihe wurde durch die SuS ein Plakat zu dem Thema „Die 95 Thesen Luthers“ mit dem Schwerpunkt Operatoren zu verwenden erstellt. Die SuS hatten den Arbeitsauftrag, nachdem sie Informationen zu den 95 Thesen herausgearbeitet hatten, in Gruppen Plakate zu entwerfen auf den Fragen formuliert werden, die mindestens zwei Operatoren von jeden AFB beinhalteten. Außerdem mussten die SuS zu der von ihnen entworfenen Fragestellung die Antwort geben. Eine Fragestellung lautete: „Nenne drei Thesen Luthers.“ Die dazugehörige Antwort war: „Die Ablassprediger irren, wenn sie sagen: „Jede Strafe wird erlassen; Niemand kann Vergebung mit Sicherheit erreichen und Der Ablass kann keine schwerwiegenden und auch keine geringfügigen Sünden vergeben.“ Da die SuS sich die Beschreibungen der einzelnen Operatoren bereits erarbeitet hatten, wussten sie, dass der Operator ‚nenne‘ lediglich eine Wiedergabe von Informationen verlangt. Für den zweiten AFB lautete eine Fragestellung: „Erkläre eine von den 95 Thesen genauer.“ Die Antwort musste den Inhalt der ausgewählten These näher erklären und durch ein selbst gewähltes Beispiel konkretisieren. Dementsprechend lautete eine der Antworten: „Der Ablasshandel kann keine Sünden vergeben, weil es falsch ist für seine Sünden zu zahlen, man solle lieber Buße tun sagt Luther.“ Ähnlich gingen die SuS im dritten AFB vor.

[...]


1 Nachfolgend nur SuS bezeichnend

2 Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (Hrsg.): Durchgängige Sprachbildung am Beispiel der Operatoren. Methodensammlung mit 36 Aktivitäten – Grundschule bis Sekundarstufe II, in: http://li.hamburg.de/contentblob/3861102/data/pdf-durchgaengige-sprachbildung-am-beispiel-der-operatoren.pdf (Stand: 26.07.2015).

3 http://li.hamburg.de/contentblob/3861102/data/pdf-durchgaengige-sprachbildung-am-beispiel-der-operatoren.pdf (Stand: 26.07.2015), S. 5.

4 Anforderungsbereich/e im weiteren Verlauf der Arbeit als AFB's abgekürzt.

5 Arbeitskreis der Deutschdidaktiker/innen an bayrischen Universitäten/Standort Passau (Hrsg.): Operatoren und zentrale Begriffe in Aufgabenstellung für das Staatsexamen im Fach „Didaktik der deutschen Sprache und Literatur“, 2013, S. 1.

6 http://www.kmk.org/fileadmin/pdf/Bildung/Auslandsschulwesen/Kerncurriculum/Operatoren_fuer_das_Fach_Geschichte_Stand_Oktober_2012_ueberarbeitet.pdf (Stand 23.07.2015)

7 Puhek, Elaine: Die visuelle Weltsprache der Piktogramme: Formen und Funktionen von Piktogrammen im Kontext von Kunst und Technologie, Hamburg 2014, S. 5.

8 Leisen, Josef: Handbuch Sprachförderung im Fach. Sprachsensibler Fachunterricht in der Praxis, Stuttgart 12013, S. 66.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Unterrichtskonzept zum Operationstraining im Geschichtsunterricht in der Sek I.
Veranstaltung
Schulpraktisches Seminar
Note
1,5
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V424928
ISBN (eBook)
9783668703872
ISBN (Buch)
9783668703889
Dateigröße
784 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Modulprüfung im Rahmen des 2. Staatsexamens im Land Berlin
Schlagworte
Modulprüfung, Operatoren, Opterationstraining, Unterricht, Fachdidaktik, Geschichte
Arbeit zitieren
Franziska Haimann (Autor), 2015, Unterrichtskonzept zum Operationstraining im Geschichtsunterricht in der Sek I., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424928

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