Welche Rolle spielt weiblicher Rechtsextremismus auf dem Land?


Hausarbeit, 2018

19 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Anmerkung

1 Einführung

2 Kriminalität
2.1 Definition von Kriminalität innerhalb der Soziologie
2.2 Kriminalität: Dorf versus Stadt

3 Rechtsextremismus
3.1 Definition von Rechtsextremismus innerhalb der Soziologie
3.2 Rechtsextremismus: Dorf versus Stadt
3.3 Weiblicher Rechtsextremismus - Mythos oder Realität?

4 Fazit und Diskussion

Anmerkung

Die Verfasserin dieser Arbeit ist bemüht, auf die sprachliche Gleichstellung der natürlichen Geschlechter zu achten und diese zu respektieren.

Aus Gründen der erleichterten Leserführung wurde in dieser Arbeit vorwiegend das generative Maskulinum verwendet, welches sich allerdings auf alle Geschlechter bezieht.

1 Einführung

Um den Wahlbereich Soziologie thematisch mit dem Hauptfach Deutsch als Fremdsprache zu verbinden, suchte die Autorin nach einer Schnittstelle beider Studiengänge. Da sie selbst auf dem Land (Sachsen-Anhalt, Grenze zu Brandenburg) aufgewachsen ist und seit 5 Jahren in Leipzig lebt, fielen ihr immer wieder Unterschiede zwischen den Ansichten der Dorf- und denen der Stadtbewohner auf. Es wiederholten sich Sätze wie „Die Anonymität in der Stadt begünstigt die Kriminalität." von Personen, die auf dem Land leben oder „Auf dem Dorf passiert doch nichts." von Großstädtern. Vermutlich viele Deutsche kennen die Textzeile „Da steh‘n drei Nazis auf dem Hügel und finden keinen zum Verprügeln." aus dem Lied „Brandenburg" von Liedermacher Rainald Grebe. Die Autorin selbst hat innerhalb ihrer Jugend Erfahrungen mit rechtsextremen Anfeindungen gemacht, vorwiegend von Männern ausgehend.

Folglich stellt sich die Frage: Welche Rolle spielt weiblicher Rechtsextremismus auf dem Land? Die Rolle der Frau soll im Folgenden vorrangig betrachtet werden, weshalb sie als Forschungsfrage dieser Arbeit fungiert.

Um wissenschaftlich darauf zu antworten, wird zunächst ein Blick auf die Thematik der der (allgemeinen) Kriminalität geworfen. Wie wird der Begriff in der Soziologie definiert? Gibt es Unterschiede zwischen städtischer und dörflicher Kriminalität? Hierzu werden in der Fachliteratur vorherrschende Meinungen erwähnt, Statistiken gezeigt und ausgewertet. Anschließend wird eine spezielle Form der Kriminalität betrachtet: Der Rechtsextremismus. Auch hier wird eine mögliche Definition gegeben, die Abgrenzung zum Rassismus versucht um daraufhin ebenfalls zu überprüfen, ob es Unterschiede in der Stadt und auf dem Dorf gibt. Um genauer in die Problematik des Rechtsextremismus vorzudringen, wird anschließend untersucht, welche Rolle Frauen in dieser Szene einnehmen. Handelt es sich hier um einen Mythos oder die Realität? Schlussendlich wird die zentrale Forschungsfrage beantwortet und ein Fazit gezogen.

2 Kriminalität

Im folgenden Abschnitt soll der Begriff Kriminalität näher definiert werden. Es wird außerdem untersucht, ob es unterschiedliche Arten von kriminellem Verhalten auf dem Dorf und in der Stadt gibt. Letztendlich wird eine spezielle Form der Kriminalität - der Rechtsextremismus - beleuchtet.

2.1 Definition von Kriminalität innerhalb der Soziologie

Der Duden definiert Kriminalität zunächst als „das Sich-strafbar-Machen, (das) Straffälligwerden; Straffälligkeit“ als erste und damit häufigste Verwendung des Wortes. Als zweite Bedeutung wird die „Gesamtheit der vorkommenden Straftaten“ genannt und die Bespiele „eine hohe Kriminalität; organisierte Kriminalität“ und „die Kriminalität bekämpfen“ hinzugefügt (Duden 2018). Das Wort wird mit der Häufigkeit drei von fünf ausgewiesen, was bedeutet, dass es zu den 10.000 häufigsten Wörtern im Dudenkorpus zählt. Typische Verbindungen werden u.a. zu den Wörtern „organisieren“, „Gewalt“ und „Armut“ gezogen.

Den Begriff innerhalb der Soziologie, genauer gesagt innerhalb der Kriminalsoziologie zu bestimmen, ist eine wesentlich komplexere Aufgabe. Vermehrt wird Kriminalität mit Begriffen wie Männlichkeit, Macht und Kontrolle assoziiert. Kersten spricht von Untersuchungen, in der Angst vor kriminellen Aktivitäten erforscht wurde und merkt an, dass ein Stereotyp von Kriminalität vorherrsche und dieses medial gefördert werden würde. Dieses Konstrukt wird wie folgt verbildlicht: gefährlich, jung, männlich, mordend, folternd, raubend, vergewaltigend (vgl. Kersten 1997:6 f).

2.2 Kriminalität: Dorf versus Stadt

Frank beschäftigte sich ausführlich mit der dörflichen Gesellschaft und Kriminalität. Am Fallbeispiel Lippe wird die dortige Situation zwischen 1650 und 1800 dokumentiert. So unterschieden sich u.a. Juden von den anderen Gruppen des Dorfes. Diese wohnten und lebten zwar im Ort, waren allerdings nicht in das Gemeinwesen integriert (vgl. Frank 1995: 149). Aufgrund der Zugehörigkeit zu einer andere ethnischen Gruppe waren sie sozial geächtet und auf den teuren Rechtsstatus eines sog. „Schutzjuden“ angewiesen. Ihr mosaischer Glaube war ebenfalls Grund für ihre Isolation. Auch wenn ein Jude vermögend war, konnte er damit seinen sozialen Status nicht aufwerten. Gehörte er doch einer Randgruppe an, die den alltäglichen Beschimpfungen der Dorfbewohner ausgeliefert war (vgl. Frank 1995: 150).

Kriminelles Verhalten war nicht auf die Armen des Dorfes beschränkt. Es waren vielmehr die oberen Bevölkerungsschichten, die überdurchschnittlich oft gegen die Normen verstießen. Unterschiede zwischen der Kriminalität von Frauen auf dem Land und in der Stadt wurden von Herman Diederiks festgestellt. Nachgewiesen wurde, dass in den Niederlanden im städtischen Bereich 30 Prozent der Delinquenten weiblich waren, in ländlichen Gebieten waren es 10 Prozent weniger (vgl. Frank 1995: 232).

Die Studien rund um Lippe werden mit den Worten abgeschlossen: „In diesem Sinne steckt selbst im modernen Staatsbürger der von dem lippischen Oberamtmann montierte „Bauer". Ihn restlos auszutreiben war bereits vor 200 Jahren zum Scheitern verurteilt" (Frank 1995: 360).

Nach dem Einblick in vergangene Jahrhunderte folgt ein aktuelleres Phänomen. Im November 1989 fiel die Berliner Mauer, die West- und Ostdeutschland bis dahin trennte. Es ist allerdings festzustellen, dass die Mauer in den Köpfen einiger Menschen noch immer steht. So spricht man auch 2018 noch von ,Ossis‘ und ,Wessis‘. Mit der ehemaligen DDR wird mehrmehrt die Nähe zu Polen und somit Rückständigkeit verbunden. Es gibt Ansätze, Kindstötungen als ,DDR-Erbe‘ zu erklären und die Ostdeutsche Mutter‘ in den Medien als Rabenmutter zu dämonisieren (vgl. Temme/Künzel 2010: 95). Kindstötung wird an dieser Stelle als geschlechtsspezifisches Delikt präsentiert.

3 Rechtsextremismus

In Deutschland kommt der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus bereits in der Schule eine gesonderte Rolle zuteil, was mit den Kriegsverbrechen während der NS- Zeit zu begründen ist. Innerhalb des Geschichts-, Sozialkunde- und Politikunterrichts werden Daten an die Schüler weitergegeben sowie die Schuldfrage der Deutschen diskutiert. An dieser Stelle soll eine soziologische Definition des Begriffs Rechtsextremismus gegeben werden. Es wird erläutert, ob und welche Unterschiede in der Stadt und in ländlichen Gegenden existieren. Abschließend wird auf die Rolle der Frau innerhalb der rechtsextremen Szene eingegangen.

3.1 Definition von Rechtsextremismus innerhalb der Soziologie

Wird in Deutschland eine Asylbewerberunterkunft angegriffen und Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder Herkunft beschimpft, spricht man in den Medien von Rechtsextremismus (vgl. Burkert 2006: 8). Dabei hängt dieser Begriff stark mit der deutschen Verfassungsgeschichte und der Politik der Nachkriegsbundesrepublik zusammen. Aufgrund von Kriegsverbrechen und der Schuldfrage wurde den Umgang mit Randgruppen wie beispielsweise Juden und Migranten besonders sensibel behandelt.

Im Duden ist die Erklärung „extremistisch im Sinne einer politischen Richtung bzw. Ideologie der äußersten Rechten" zu finden. Außerdem werden die Wörter „„rechtsradikal; deutschnational, nationalsozialistisch, [neo]faschistisch, neonazistisch, rechts außen, rechtsextrem; (Jargon) fascho; (abwertend) nazistisch" aufgelistet und mit dem politischem Begriff rechtsextremistisch gleichgesetzt (Duden 2018). Das Wort weist eine Häufigkeit von 2 von 5 auf. Das bedeutet, der Ausdruck gehört zu den 100.000 häufigsten Wörtern im Dudenkorpus.

Es fällt jedoch auf, dass sich innerhalb der deutschen Forschung traditionell stark auf diese Formulierung konzentriert wurde und ebenfalls von Rechtsextremismus gesprochen wurde, wo man Rassismusanalyse für angebrachter hätte halten können (vgl. Burkert 2006: 29). Von Rassismus ist laut Duden die Rede, wenn von einer Lehre bzw. Theorie gesprochen wird, nach der Bevölkerungsgruppen mit gewissen biologischen Merkmalen anderen von Natur aus unterstellt bzw. übergeordnet sein sollen. Dies geschehe hinsichtlich ihrer kulturellen Leistungsfähigkeit. Als Beispiel innerhalb der deutschen Vergangenheit sind Unterdrückung von Menschen jüdischen Glaubens während der Zeit der Nationalsozialisten zu nennen.

Rassismus ziehe entsprechende Einstellungen, Denkweisen und Handlungen seiner Anhänger nach sich. Des Weiteren steht der Begriff mit „Ausländerfeindlichkeit", „Antisemitismus" und „Gewalt" in enger Verbindung und wird zehn Mal so häufig verwendet wie der Begriff des Rechtsextremismus (vgl. Duden 2018).

Außerdem wird betont: „Wenn Rassismus nicht als Randphänomen und als Antwort auf Krisensituationen betrachtet wird, sondern als mit den Institutionen der Gesellschaft verwoben und durch gesellschaftlichen Konsens getragen und legitimiert, dann verändert sich auch die Fragestellung nach den Motiven der von Rassismus geprägten Individuen" (Burkert 2006: 29). Beklagt wird zudem die Unschärfe des Begriffs Rechtsextremismus. In empirischen Untersuchungen von Birsl werden beide Begriffe synonym verwendet. Eine mögliche Erklärung dafür könnte die Tabuisierung des Begriffs Rassismus in Deutschland sein, da mit ihm ein Zusammenhang zwischen heutigen Ideologien und historischem Nationalsozialismus (NS) ausgedrückt werden könne. Außerdem bliebe die moralische Wertung bestehen, die mit dem Wort rassistisch konnotiert ist (Burkert 2006: 30 f). Daher formuliert Burkert die These, der Begriff Rechtsextremismus löse in den populärwissenschaftlichen Auseinandersetzungen den veralteten Begriff Ausländerfeindlichkeit ab. Als Folge der Begriffsbildung rücken Staats- und Demokratiefeindlichkeit ebenso in den Vordergrund wie individuelles Gewalthandeln. Staatliche und soziale Ausgrenzungsstrukturen werden jedoch vernachlässigt. Der Begriff Rechtsextremismus wird vorwiegend genutzt, um eine politische Szene zu beschreiben (vgl. Burkert 2006: 30 f). Daher wird von rechtsextremen Jugendcliquen und rechtsextremen Parteien gesprochen. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Rechtsextremismus und Rassismus auf jeweils unterschiedlichen Konzeptionen beruhen. Von der Verwendung des Begriffs Rassismus innerhalb der zukünftigen wissenschaftlichen Auseinandersetzung wird abgeraten, weil das veraltete Konzept der Rasse dahintersteht.

3.2 Rechtsextremismus: Dorf versus Stadt

Unter der Fragestellung „Rechtsextremismus - Andere Problemlagen in Ost und West?" setzte Hafeneger sich im Jahr 2007 mit strukturellen Unterschieden in ost- und westdeutschen Regionen und den daraus resultierenden Einstellungen zur Demokratie auseinander. Es wird angenommen, „Enttäuschung und Resignation, Diskriminierung und Stereotype(n)" seien im Osten von Deutschland stärker vertreten als im Westen des Landes (Hafeneger 2007: 6). Die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und aggressive Mentalität wird vermehrt dem Osten Deutschlands zugeschrieben. Als Hintergründe werden u.a. Existenz- und Verlustängste, das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden und Anerkennungsverweigerung genannt. Die „soziale Frage" bietet den Nährboden für rechtes Gedankengut. Hafeneger merkt an, dass rechtsextreme Tendenzen innerhalb Deutschlands sich unterschiedlich zeigen. Hierzu können folgende Zahlen herangezogen werden: In Sachsen verbucht die als rechtsextrem eingestufte Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 1.000 Mitglieder für sich und stellt somit ihren größten Landesverband überhaupt dar. Durch eine ausgeprägte Präsenz verbreiten vor allem männliche Jungmitglieder die Ideologie. Einzelpersonen dienen als sympathisches Aushängeschild und nutzen mediale Aufmerksamkeit als Plattform. Folglich war die NPD 2007 in drei Landesparlamenten und vielen Kommunalparlamenten vertreten (vgl. Hafeneger 2007: 6 f).

Anzumerken ist, dass man - unabhängig von einer heute existierenden umstrittenen Partei Alternative für Deutschland (AfD) - bereits 2007 von einem Rechtsruck, also einem Ankommen antidemokratischer, fremdenfeindlicher und nationalistischer Werte, sprechen kann. Hafeneger spricht hier von „Verschiebungen von Normalitäten in der Mitte der Gesellschaft" und belegt dies mit Statistiken. Demzufolge ermittelte das Statistische Bundesamt im Jahr 2000 einen „Demokratie-Verächter"-Anstieg von 8 Prozent in Westdeutschland. Im Osten war ein Anstieg von 27 Prozent auf 41 Prozent, also 14 Prozent, zu verzeichnen (vgl. Hafeneger 2007: 7).

In einer repräsentativen Umfrage des britischen Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov wurde ermittelt, dass sich die Wahrnehmung zum Thema Rechtsextremismus deutlich herauskristallisierte. In Schaubild 0.1 ist folgendes klar erkennbar: Im Jahr 2011 sagten noch 70 Prozent, dass dies ein gesamtdeutsches Problem sei. Fünf Jahre später waren es nur noch 39 Prozent. Als ostdeutsches Problem wurde es von 37 Prozent angesehen. 2011 waren es lediglich 23 Prozent. Als westdeutsches Problem bezeichnet es so gut wie niemand.

Aus der Befragung von 2016 geht ebenfalls deutlich hervor: Die Wahrnehmungen von West- und Ostdeutschen unterscheiden sich stark. Westdeutsche sehen Rechtsextremismus doppelt so häufig wie Ostdeutsche (41 Prozent zu 23 Prozent) als typisches Problem der ehemaligen DDR, wie Schaubild 0.2 offenlegt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Welche Rolle spielt weiblicher Rechtsextremismus auf dem Land?
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Modul: Spezielle Soziologie/Spezielle Methoden II - Seminar: Geschlecht als sozialwissenschaftlicher Forschungsgegenstand
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V427026
ISBN (eBook)
9783668712539
ISBN (Buch)
9783668712546
Dateigröße
682 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, spezielle Soziologie, spezielle Methoden, Geschlecht, Mann, Frau, Kriminalität, Extremismus, Rechtsrextremismus, rechte Szene, Sozialwissenschaft, rechtsradikal, rechtsextrem, Rassismus, rassistisch, Rollenbild, Familie, Statistisches Bundesamt, YouGov, Hellfeld, Dorf, Stadt, Ost, West, Ostdeutschland, Westdeutschland, Juden, Judentum, Fremdenfeindlichkeit, Fremdenhass, Ausländerfeindlichkeit, Ausländerhass, Gewalt, Aggression, Hass, Verbrechen, Straftat, staffällig
Arbeit zitieren
Nicole Kreyenkamp (Autor), 2018, Welche Rolle spielt weiblicher Rechtsextremismus auf dem Land?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427026

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