Welche Möglichkeiten bietet die Arbeit an der eigenen Biografie?


Fachbuch, 2017
83 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1) Was ist Biografiearbeit?
1.1 Entstehung der Arbeit an der eigenen Biografie
1.2 Begriffsdarstellung und Klarung
1.3 Entwicklungswege
1.3.1 Der ostliche Entwicklungsweg
1.3.2 Der christliche Weg des Mittelalters
1.3.3 Der christliche Rosen kreuzerweg
1.3.4 Der anthroposophische Schulungsweg
1.3.5 Der geistgemafte Erkenntnisweg
1.4 Einflussauffassungen von Anlagen / Pragungen
1.4.1 Stromung nach John Locke
1.4.2 Stromung nach Gottfried Wilhelm Leibniz
1.5 Entwicklungsanlagen

2) Biografische Gesetzmaftigkeiten / Zeitfenster des Lebens
2.1 Die Jahrsiebte: Korperliche und innere Prozesse
2.1.1 Jahrsiebte Physisch
2.1.2 Jahrsiebte Seelisch
2.1.3 Jahrsiebte Geistig
2.2 Spiegelungen
2.3 Mondknoten

3) Methodeneinblick

Reflexion

Literaturliste

Einleitung

Sich zu entwickeln, physisch, psychisch, emotional und geistig, liegt in der Natur des Menschen. Dies unterscheidet ihn auch von der Tierwelt. Das Tier entwickelt sich im artgenossischen Rahmen entsprechend der Umgebung und den Umweltbedingungen.

Der Mensch ist dazu in der Lage, sich und seine Umgebung zu verandern und somit seine Entwicklung mitzugestalten. Wahrend bei einem jungen Menschen sehr viele Entwicklungsschritte von alleine eintreten und sich ins Lebensgefuge integrieren, ist dies meistens bei einem erwachsenen Menschen ein aktiver Akt, eine bewusste, gewollte Handlung. Worin besteht diese Handlung? Fur Marc Aurel ist es diesbezuglich wichtig, auf den Reifungs- und Alterungsprozess des eigenen Leibes, und zwar bis hin zum eigenen Tod als normale Naturwirkung, gelassen und aufmerksam hinzuleben:

Verachte den Tod nicht, vielmehr lass ihn dir wohl gefallen als auch eine der Veranderungen, welche dem Willen der Natur gemaft sind. Denn Jungsein und Altern, Heranwachsen und Mannbarwerden, Zahne-, Bart- und Grauehaarebekommen, Zeugen, Schwangerwerden und Gebaren und die anderen Tatigkeiten der Natur, wie sie die verschiedenen Zeiten des Lebens mit sich bringen, sind ja dem Aufgelostwerden gleichartig. Daher ist es die Sache eines denkenden Menschen, sich gegen den Tod weder hartnackig, noch abstoftend und ubermutig zu zeigen, sondern ihm als einer der Naturwirkungen entgegenzusehen. Wie du nun des Augenblickes harrst, wo das Kindlein aus dem Schofte deiner Gattin hervorgehen soll, so erwarte auch die Stunde, da deine Seele aus dieser ihrer Hulle entweichen wird.1.

Wahrend Marc Aurel sich auf das physische Altern und die Sterblichkeit des Leibes bezieht und dabei eine unsterbliche Seele voraussetzt, geht es Dag Hammerskjold im Folgenden darum, in welcher Weise sich im Lebenslauf die menschliche Personlichkeit entwickelt. Mit Prufungen, Krisen, Hohen und Tiefen geht laut Hammerskjold die Entwicklung der Personlichkeit unweigerlich einher:

Mit jedem Jahr, das vergeht, jedem Kreis, der sich auflost, jeder Mauer, die zusammensturzt, entwickelt sich die freie Personlichkeitsgestaltung immer mehr zur unvermeidlichen Personlichkeitsprufung; je hoher man baut, desto harter wird der Grund gepruft. Und schon ist das. Es sind nur die kleinen Kinder, die sich aus der brausend frischen Morgenarbeit in das warme Bett zurucksehnen.2

Wie fur Aurel das Altern der Leiblichkeit normal ist, so findet Hammerskjold die von ihm geschilderte Dynamik der Seele ebenfalls unvermeidlich, aber auch sinnvoll („Und schon ist das“).

Gedankengange wie diese von Marc Aurel und Dag Hammerskjold sind es, die ich in meiner eigenen Beschaftigung mit der Biografiearbeit kennengelernt habe. Sie dienten als Basis und Orientierungshilfen, um den Sinn und Zweck auch meines eigenen Lebenslaufs zu ergrunden und zu durchleuchten.

Mein Interesse an dem Thema Biografiearbeit wurde durch innere Prozesse geweckt. Um mein 37. Lebensjahr erlebte ich eine Lebenskrise, in der mir Gedanken und Prozesse bewusst wurden, die ich nicht kunstlich zu der Situation erzeugte. Ich erlebte es als innere Kraft / innere Stimme. Mir wurde anthroposophische Literatur zu meinem inneren Prozess empfohlen und es war, als wenn das, was ich dort las, genau das verstehend wiederspiegelte, was ich gerade erlebte. Daraus schloss ich auf biografische Gesetzmaftigkeiten in meinem eigenen Leben, und die Beschaftigung mit der Biografiearbeit als Weg, um diese Krise als sinn- und bedeutungsvoll erleben zu konnen, lag auf der Hand.

In dieser Hausarbeit mochte ich die Biografiearbeit vorstellen und ihre Moglichkeiten aufzeigen. Gerade im Zusammenhang mit der Arbeit als Lehrer erscheint diese mir erforderlich, um sich ein reales Bild von sich und seinem Leben zu schaffen. Somit ist die Gefahr von Projektionen, von Ubertragungen oder Introjektionen, auch Problematiken in der zwischenmenschlichen Begegnung, die aufgrund eines surrealen Selbstbildes entstehen konnen, deutlich abzumildern.3 Aufterdem ist es lohnenswert, ja unverzichtbar, die Biografiearbeit kennenzulernen, ja selber durchzuarbeiten, um das Leben uberhaupt richtig verstehen zu konnen, denn alles menschliche irdische Wirken und Leben scheint Zeitfenstern zu unterliegen, aus denen sich Entwicklungsmoglichkeiten ergeben. Weift man um deren Existenz und Inhalt, so ist man besser in der Lage, sich Krisen und Prufungen im eigenen Leben zu stellen. Bewusstsein und Vorahnung ergrundet das Kollektiv in der Absehbarkeit von altersbedingten korperlichen Veranderungsprozessen. Ahnliche Entwicklungsmechanismen greifen aber auch im Inneren des Menschen, in seiner sogenannten Psyche, seinem „Ich“ (um einen anthroposophischen Ausdruck zu verwenden). So, wie sich der Mensch durch das Wissen um die korperlichen Prozesse auf die Zeitfenster des Lebens vorbereiten kann, so kann das Wissen um die inneren Prozesse ebenfalls sehr hilfreich sein zur adaquaten Lebensgestaltung und Vorbereitung, ja Entwicklung real uberhaupt erst moglich machen sowie dem Alter eine andere Wertschatzung zuzuschreiben. Gehen wir von einem Weltbild aus, welches die Reinkarnation und die tatsachliche Entwicklung eines Menschen nicht nur als Moglichkeit, sondern auch als Aufgabe beinhaltet, so ist die Biografiearbeit sogar unabdingbar. Diese Hausarbeit fuftt auf der anthroposophischen Auffassung des Lebens als irdisch, geistig, reinkarnativ und sich entwickelnd. Mir ist es wichtig, diese Basis ins Auge zu fassen, um die Zusammenhange herstellen zu konnen, aus denen heraus das Verstandnis von Seiten des Lesers hervorgehen konnte. Als Grundlage dienen Werke von Menschen, die sich jahrzehntelang mit diesen Themen auseinandergesetzt und uber eigene Erlebnisse die Thematik ergrundet und erforscht haben.

Kapitel 1 - Was ist Biografiearbeit?

1.1 Entstehung der Arbeit an der eigenen Biografie

In diesem Abschnitt mochte ich einen Einblick in die Geschichte der Thematik „Biografiearbeit“ geben. In dieser Einfuhrung geht es nicht um das Auftreten der Biografiearbeit im Sinne des „Dokumentierens eines Lebensinhaltes“ nach z.B. dem Ableben einer Person in der Menschheitsgeschichte, sondern um den geschichtlichen Kontext von Lebensreflektion und Bewusstseinsarbeit innerhalb der eigenen Biografie. Als Grundgedanke der Bewusstseinsarbeit in der Biografie konnte folgende Frage die Richtung reprasentieren: „Was muss jetzt, in jungen Jahren getan werden, damit die Basis gelegt wird, auf der spater die neuen Probleme neuer Lebensphasen immer wieder schopferisch gelost werden konnen.4

Die Umwandlung von der Erziehung zur Selbsterziehung. Ein Hauptmotiv der Anthroposophie.

Christine Pflug, Therapeutin und Biografieberaterin, erganzt dazu in einem Artikel in der „Zeitschrift fur Biographiearbeit“:

Es ist kein Spezifikum der Biographiearbeit, dass solche anthroposophischen Hintergrunde in die Arbeit einflieften. Und auch in der Psychotherapie wurde Ende der 1960er Jahre von Vertretern der humanistischen Psychologie (z.B. Stanislav Grof, Abraham Maslow, Ronald D. Laing, Roberto Assagioli, Ken Wilber) der Begriff „Transpersonale Psychotherapie“ gepragt und damit die klassische Psychologie und Psychotherapie um philosophische, religiose und spirituelle Aspekte erweitert. Es ist in unserer Kultur immer selbstverstandlicher geworden, dass der Mensch auch ein geistiges Wesen ist.5

Das Online-Portal „Wikipedia“ definiert diese Art der Lebensruckschau als eine strukturierte Form der Selbstreflexion der eigenen Biografie in einem professionellen Setting, die durch das Verstandnis der Ereignisse in der Vergangenheit der Gegenwart und somit einer moglichen Gestaltung der Gegenwart dienen kann.6 Zukunftige Handlungspotenziale lassen sich dadurch im Kontext der individuellen Biografie und auch in gesellschaftlichen und historischen Zusammenhangen sehen.

Biografiearbeit ist im Kern die Arbeit aus der eigenen Erinnerung.

Robert Neil Butler (1927 - 2010) entwickelte als Beispiel ein Konzept fur eine Lebensruckschau (Life Review), da er der Auffassung war, dass eine Beurteilung der erlebten Vergangenheit aus nachtraglicher Sicht zu einer Integration der eigenen Biografie fuhren konne. Ein Ziel konne somit sein, die sich aus einem damaligen Wollen und dem tatsachlichen Lebenslauf ergebende Diskrepanz zu minimieren. Erfahrung von personlicher Sicherheit und gestarktem Selbstvertrauen durch die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit sei ein Werkzeug, seinem Leben und dessen Herausforderungen mit Hilfe seiner tatsachlichen Moglichkeiten anders und kompetenter begegnen zu konnen.

Fur Butler sind drei Ziele der Biografiearbeit erkennbar:

1. Starkung autobiografischer Kompetenzen

- Fahigkeit erwerben, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen;
- Mut zum Erzahlen vermitteln;
- Gedachtnisinhalte der alteren Generationen als verborgene Schatze wahrnehmen.

2. Rekonstruktion der Lebensgeschichte des Einzelnen

- individuelle Geschichten wiederbeleben;
- ganzheitliches Verstandnis fur die eigene Biografie erlangen.

3. Integration der Lebensgeschichte

- positives Verarbeiten versohnt Bruche, Widerspruche und Scheitern;
- gewonnene Erkenntnisse werden zu einer Ressource fur die Zukunft gemacht.7

Daraus lasst sich erahnen, dass es sich bei der Biografiearbeit aufgrund ihres Spektrums um eine positive, wachstumsorientierte, „humanistische“ Form bzw. um eine mogliche Arbeitsmethodik der Psychotherapie handeln kann. Im Unterschied zur regularen Psychotherapie, z.B. einer Psychoanalyse, die sich uber weite Strecken mit negativen Lebensinhalten vor allem aus der Vergangenheit (Traumata) beschaftigt, liegt der Akzent hier auf der Zukunft. Ausgehend von der gegenwartigen Situation sucht die Biografiearbeit die konstruktiven Krafte im Menschen herauszuarbeiten und ihn anzuregen, Aktivitat gegenuber dem eigenen Leben zu entwickeln. Im Folgenden gebe ich einen kurzen Einblick in die Entstehungsmomente der Biografiearbeit in der Geschichte der Menschheit.8

Geschichtlicher Ursprung zur Entstehung des biografischen Bewusstseins: Entwicklung von Kollektivbewusstsein zu Individualbewusstsein im biografischen Kontext

Mathias Wais liefert hier einige Konzepte, die er dem Buddhismus, dem Judentum und dem Christentum entnimmt. Hier werden diese unter der Fragestellung veranschaulicht, aus welchem Impuls heraus dort Lebenslaufe dargestellt werden. Lebensbeschreibungen gibt es in der Geschichtsschreibung alter Volker und Kulturen schon immer. Bei der Betrachtung derselben lasst sich feststellen, dass im Buddhismus idealtypische Lebenslaufe dargestellt wurden. Der „individuelle und normale“ Lebenslauf wird hier noch als Abweichung von einer „idealen Entwicklung“ aufgefasst, die hier z.B. in einem Lebenslauf buddhistischer Heiliger oder des Lebens Buddhas selbst reprasentiert wird. Ein Merkmal in der Reflexion eines Lebens ist hier, dass es sich nicht um Geschichten eines personlichen „Ichs“ dabei handelte, sondern um normative Erzahlungen.9 Innerhalb des Judentums wird der Entwicklungsgedanke anders behandelt: Hier geht es um die Darstellung der Biographie eines ganzen Volkes. Das Alte Testament schildert die Entwicklung des Organismus „Gottesvolk“. Perspektive einzelner Biographien geschieht hier immer im Kontext des Dienstes an der Gesamtentwicklung. Das personliche, individuelle Schicksal ist hier nicht von groftem Interesse, da es - zur Erfullung einer bestimmten Aufgabe und zu einem bestimmten Ziel - um die Darstellung der Fuhrung durch Gott „von oben/auften“ geht. Personliche Biographien, wie von Josef, Esther, Saul oder den Makkabaern, dienen der Veranschaulichung dieser Kollektiventwicklung. „Der Mensch des Alten Testamentes empfindet seinem Schicksal gegenuber wie einem Vater: Da ist etwas, das ist starker als ich, und dies fuhrt mich nach seinen Zwecken“.10 Im neuen Testament treffen wir auf die Darstellungen von einzelnen Menschenschicksalen, deren Schicksal- entscheidende Wendungen zum Ergreifen des Lebens von Innen, aus dem „Ich“ heraus ergriffen werden. Hier geht es meist nicht um zusammenhangende Entwicklung oder darum, dass jemand von auften zu einem bestimmten Ziel gefuhrt wird.11 Naturlich gibt es in der Bibel Ausnahmen, wie die Biographie von David oder die Jungerberufungen, die es dennoch bei den Unterschieden der Betrachtungsweisen von Biographien belassen. Durch die Gottheit wird der Mensch im Alten Testament zu seiner Aufgabe hingefuhrt, wahrend der Mensch im Neuen Testament von Christus aufgerufen, dann aber freigelassen wird, damit er aus sich selbst heraus zu seiner Aufgabe finde. Mathias Wais fasst hier zusammen:

In den Heilungen zum Beispiel konnen wir erleben, wie Menschen zu sich selbst gebracht werden. Wie oft spricht der Christus hier „Steh auf!“. Steh auf - das ist das Wort, das das Ich aufrichtet, das zuvor niederlag, gelahmt war, mit Blindheit geschlagen war. Wo im Alten Testament das einzelne Schicksal ausschlieftlich Spur der Wege und Ziele Gottes ist, also von auften geleitet wird, da entsteht den Menschen des Neuen Testamentes durch die Begegnung mit dem Christus das Schicksal von Innen. Steh auf - das befreit von allem Traditionellen, Konventionellen und Typenhaften und ruft den einzelnen in seine Einmaligkeit. Nirgends wird berichtet, der Christus habe die Volksmengen pauschal aufgefordert „Steht auf!“. Der Plural ware hier ein Widerspruch in sich. Das „Steh auf!“, ergreife dich aus deinem „Ich“, kann immer nur zu einem einzelnen gesprochen sein“.12 Das Gottliche fuhrt hier nicht mehr von auften. Nun kommt es zu der aufrichtenden Begegnung durch eine seelische Aktivitat des Individuums: „Glaube“ nennt es das Neue Testament. „Dein Glaube hat dich geheilt“ wird immer wieder aufgefuhrt. Der Mensch erhalt dadurch Teilhabe an der Aufrichtekraft aus den Weiten des Weltalls, wenn er sich suchend und offnend dieser zuwendet.

Nun steht der beruhrte Mensch vor der erstmaligen Aufgabe, sein Schicksal aus sich selbst, seinem Innersten Impuls, und in personlicher Freiheit gestalten zu konnen.13 In diesem Impuls sehen wir den Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit dargestellt, von dem aus die Lebensgestaltung nun von der Individualitat ausgehen kann. Das „Folge mir nach“ der Jungerberufung ist eher als Befehl zu verstehen. Mathias Wais beschreibt hier ein Spannungsfeld von der Botschaft „Folge mir nach“ zu „Wenn Du willst...“ (die innere Beruhrung des Christus), in dessen Zwischenraum das „Ich“ die Moglichkeit habe, zu sich zu kommen und sein Schicksal aktiv zu ergreifen. In dieser Moglichkeit steht der Mensch der Neuzeit.14

1.2 Begriffsdarstellung und Klarung

Was ist unter einer Biografie uberhaupt zu verstehen und welche Aspekte sind relevant? Auf diese Fragestellung gehe ich im nachstfolgenden Kapitel ein, um ein generelles Verstandnis fur den Begriff „Biografie“ zu eroffnen.

Die Hauptschwerpunkte meiner Ausfuhrungen entstammen einer anthroposophischen Sichtweise. Diese impliziert einer Biografie die Zeitspanne zwischen leiblicher Geburt und leiblichem Tod. Innerhalb dieses sich daraus ergebenden Lebensspektrums wird der Mensch in Entwicklungsrhythmen eingeteilt: Die Jahrsiebte und die Mondknoten. Der Mensch erfahrt physische, seelische und geistige Entwicklung. Miteinbezogen und besonders berucksichtigt ist die Lebensmitte bzw. die zweite Lebenshalfte. In ihr erfahrt der Mensch die Umkehr: Von der ersten Lebenshalfte, in der er sich physisch und seelisch aufbaut und der Korper entsprechend erstarkt und prasent ist, bis zur zweiten Lebenshalfte, in der sich der Korper abbaut, um Krafte fur geistige Entwicklungsschritte freizugeben. Sehr vereinfacht konnte man diesen Vorgang auch so ausdrucken, dass der Korper als Reproduktive der Natur bzw. Arterhaltung in der zweiten Lebenshalfte nicht mehr relevant ist, sodass er sich abbaut, was hormonelle und erneuernde Ablaufe im Korper ja rezessiv beeinflusst. Nun ist der Mensch nicht mehr so stark mit seinem Korper verbunden, da der naturliche Trieb und andere Vorgange in den Hintergrund treten. So gibt es die Moglichkeit, sich ganz seiner geistigen Entfaltung zu widmen.

1.3 Entwicklungswege

Um dem Leser eine wertschatzende Haltung gegenuber aktiven Individualisierungswegen zu ermoglichen, fuhre ich in diesem Kapitel alte und neue Entwicklungswege auf, die Rudolf Steiner fur sich ergrundete und als Hauptstromungen festlegte. Aufterdem gewahrt die Berucksichtigung der Perspektive Steiners einen notigen Einblick in die Verschiedenartigkeit von Lehrer- und Schulerverhaltnissen im Lauf der Zeit und in verschiedenen Traditionen und kann eine Anregung fur eigene Verfahrensweisen sein. Die Biografiearbeit tendiert in der Grundrichtung zu der Stromung des anthroposophischen Schulungsweges, der mehrere Instanzen der Ubung voraussetzt, um Entwicklung zu generieren.

1.3.1 Der ostliche Entwicklungsweg

Hilfreich ist es, um diesen Entwicklungsweg begreifen zu konnen, sich ein Bild der altindischen Kultur zu machen. Relevant ist hier laut Rudolf Steiner der Zeitabschnitt etwa ab dem siebten vorchristlichen Jahrtausend. Der menschliche Atherleib war noch nicht so deutlich umgrenzt wie heute, sondern ging kaum merklich in die ihn umgebende Atherwelt uber. Der Mensch war laut Steiner zu dieser Zeit noch kaum individualisiert. Eine Folge dessen war, dass das Bewusstsein der Menschen hellseherisch - atavistisch gewesen sein soil. „Atavistisch“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die dargestellte Fahigkeit als Merkmal zwar angelegt ist, sich aber bei den Nachfahren reduziert, da sie fur die jeweilige Entwicklungsstufe kaum noch Funktion besitzt.15 Bei manchen heutigen Menschen konne die Fahigkeit noch spontan auftreten.

Steiners Angaben zufolge konnten die heiligen Rishis, die Fuhrer der indischen Kultur zur Welt der Gotter bzw. der hoheren Hierarchien ausrichten, um mit deren Hilfe den noch stark kosmischen Atherleibern in der entsprechenden Weise Form und Begrenzung zu geben. Dies sei eine unabdingbare erste Voraussetzung fur erste Individualisierung gewesen16. Dadurch sei der Weg des „koniglichen Yoga“ entstanden, der Raja-Yoga. Dieser Weg sei rein meditativ gewesen und habe ein vollstandiges Abhangigkeits- und Verehrungsverhaltnis zum jeweiligen Lehrer vorausgesetzt. Zur selben Zeit sei das Hatha-Yoga entstanden. Um den Atherleib weiter abzugrenzen und mit dem physischen Leib zu verbinden habe man man Atemtechniken genutzt, um so die Anpassung des Korpers an die meditativen Zwecke zu erzielen. Bernard Lievegoed erklart diesen Vorgang wie folgt:

Da der Atherleib der Trager der Lebensrhythmen in Atem, Blut und Stoffwechsel ist, handelte es sich beim Hatha - Yoga um einen Weg der Beherrschung der Lebensrhythmen.17

Viel spater, im ersten Jahrhundert n. Chr., begrundete ein grower Yogalehrer, Patanjuli, seine Schule. Und da die Atherleiber schon starker in sich abgeschlossen gewesen und die naturliche „Hellsichtigkeit“ geschwunden seien, habe sich dessen Streben nicht mehr auf die Begegnung mit hoheren Hierarchien (Gottern) gerichtet.18 Was sich nun aus dieser Richtung ergeben habe, sei die Erziehung der eigenen Seele mit dem Ziel der Gluckseligkeit gewesen. Die ersehnte Gluckseligkeit nannte sich „Samadhi“ und beinhaltet folgende acht Stufen:

1. Yama - nicht stehlen, lugen, toten und dergleichen
2. Niyama - Teilnahme an Riten und Gebrauchen (undogmatisch, Selbstaneignung uber Wiederholung)
3. Asana - das Einnehmen bestimmter Meditationshaltungen
4. Pranayama - Beherrschung des Atmens: Im Idealfall atmet der Schuler keine giftige Kohlensaure mehr aus
5. Pratayahara - die Beherrschung aller Sinneseindrucke
6. Dharana - die Fahigkeit, sich gegen alle Sinneseindrucke verschlieften zu konnen
7. Dhyana - die Fahigkeit des Meditierens uber Vorstellungen ohne Bindung an deren sinnliches Aquivalent
8. Samadhi - das „leere Bewusstsein“ erreichen, ohne dabei einzuschlafen; das Denken ohne Gedanken, durch welches die geistige Welt sich offenbaren kann

Starkung, Reinigung und Veredelung der Seele waren Ziele dieses Schulungsweges, der von dem jeweiligen Guru bestimmt wurde. Dieser entschied uber die Entwicklungsstufe des Schulers und uber dessen Aufgaben. Die Meditationspraxis bestand zum Groftteil in der Anrufung und Verehrung von hinduistischen Gottheiten. „Shiva“, das gottliche Bewusstsein, wird am meisten angerufen, um eine Vereinigung mit ihm herbeizurufen. Dafur werden Mantren, wie z.B. „om namah Shivaja“ (ich neige mich vor Shiva) sehr oft wiederholt.

Bernard Lievegoed geht in seinem Buch „Der Mensch an der Schwelle“ auf die Verbindung zwischen dem Schuler und seinem Guru ein. Diese Verbindung beruht auf Abhangigkeit von ihm: Er trete selbst in das Innere des Schulers ein, befreie den Schuler von seinem Karma. Dieser brauche nicht mehr selbst dafur zu sorgen. Der Schuler lasse sich sozusagen durch den Lehrer / Guru entwickeln. Ein Ziel der Entwicklung sei das Ausloschen des personlichen „Ich“ gewesen, der Individualist. Der Schuler brauche sein Handeln, sein Mantram, nicht selber begreifen. Die Unterdruckung des eigenen Ichs sei entsprechend dem Entwicklungsstand des Menschen notwendig gewesen.

Laut Rudolf Steiner sei dieser Zustand der Abhangigkeit des Schulers von seinem Guru fur den heutigen Menschen nicht mehr zeitgemaft. Bernard Lievegoed erlautert das wie folgt:

Der Mensch unserer Zeit, der einen bewussten Schulungsweg sucht, darf durchaus den Rat eines Eingeweihten annehmen. Er bleibt jedoch selbst fur seinen Weg verantwortlich. Dies kann er nur dann sein, wenn er selbst zur Erkenntnis seines Handelns wird.19 Hier kann sich jetzt die Moglichkeit der Biografiearbeit erschlieften.

Im Folgenden beschreibe ich den „christlichen Weg des Mittelalters“. In ihm erhebe sich eine „christliche Kraft der Liebe“20, welche das Prinzip der Freiheit sowohl voraussetze als auch gewahrleistet. Somit werde die Abhangigkeit abgelost vom Prinzip der Freiheit.

1.3.2 Der christliche Weg des Mittelalters

In nachchristlichen Zeiten solle ferner das „durchchristete“ Ich lernen, sein eigener Guru zu werden und sein eigenes Entwicklungstempo zu bestimmen sowie seine Meditationsinhalte zu wahlen. Damit sei Selbstverantwortlichkeit als Merkmal und aber auch als ermoglichende Instanz fur die biografische Entwicklung erkennbar. Mit der Basis ostlicher Einweihungswege lasse sich das nicht so gut vereinbaren, da dort die Auffassung herrschte, dass ein Meister oder Lehrer den Astralleib (Trager des Bewusstseins) des Schulers reinigen musse, da nur er dies konne.

Wahrend des Mittelalters entstand eine weitere Ubergangsform: der christliche, mystische Pfad. Hier war ein Ruckzug vom normalen Leben als Einsiedler oder Klosterangehoriger notwendig. Ziel war es, Christus teilhaftig zu werden durch jahrelanges, einsames Ringen in den „Sieben Stationen nach Golgatha“, die man selbst durchleben musste:

1. Station: Fuftwaschung - das Hohere neigt sich in Dankbarkeit vor dem Niedrigeren (Jesus wascht seinen Jungern die Fufte).
2. Station: Geiftelung - lernen, Standhaftigkeit bei alien Geiftelhieben des Lebens zu bewahren: „Ich will stark sein, bei alien Leiden, die das Leben mir bringt.“
3. Station: Dornenkronung - lernen, den Spott und den Hohn der ganzen Welt zu ertragen (Imagination der Dornenkronung), Schmerzen ertragen lernen
4. Station: Kreuztragung und Kreuzigung - Meditation: Der Leib wird zum Kreuze, das man tragt / Vision, selber am Kreuze zu hangen
5. Station: Mystischer Tod - Alle Erscheinungsformen des Bosen erfahren, bis das Licht Christi die Welt des Dunkels uberstrahlt (Synonym: „Das Zerreiften des Tempelvorhanges)
6. Station: Grablegung: Der eigen Leib ist nun nicht mehr die Begrenzung, innerhalb derer man inkarniert war: „Die ganze Erde wurde zum Leib, mit dem man Christi Tat nachfolgte.“
7. Station: Auferstehung - Vollige Vereinigung mit Christus im Sinne des Pauluswortes: „Nicht ich, sondern Christus ist in mir.“21

1.3.3 Der christliche Rosenkreuzerweg

Der christliche22 Rosenkreuzerweg stellt eine Stromung dar, die sich aufterhalb der Kirche entfaltete und wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht. Im neunten Jahrhundert tritt diese als „Gralsstromung“ aus der Verborgenheit. An dieser Stelle ist es nicht moglich, das Mysterium naher darzustellen. Ein Verstandniszusammenhang erschlieftt sich aus der Erwahnung des „rosafarbenen Blutes des Christus“. Der Legende nach sei aus den Wunden des gekreuzigten Christus in den Gral Blut geflossen. Dieses hatte die Wirkungen des im Menschenleibe inkarnierten Christus in sich aufgenommen und sei begierdenlos rein. „Das trube, rote Blut, Trager und zugleich Symbol der niedrigen tierischen Leidenschaften im Menschen, war von aller Schuld gereinigt und hatte pflanzenhaften, „rosenroten“ Charakter angenommen - als Trager und Symbol der den Menschen durchdringenden reinigenden Kraft des Christus“.23

Rudolf Steiner weist darauf hin, dass die Gralssagen ein Bild der Christuskraft selbst seien, die mit den Herzen der Menschen von Osten nach Westen gezogen sei und die niederen Begierden des Astralleibes veredelt und zum Geistselbst verwandelt habe.24

Wissen und Erkenntnis waren zu dieser Zeit noch Fahigkeiten des Herzens. Die Neuzeit, die Zeit der Bewusstseinsseelenentwicklung, agiert durch eine neue Form des Wissens und Erkennens, welches vom „Haupt“ getragen sich in abstrakten Formulierungen auftert, die von personlichen Gemutserlebnissen moglichst wenig gepragt sind. Somit hatte man um das 15. Jahrhundert durch die Intellektualisierung des Denkens und die Austrocknung der Herzenskrafte einen Bruch in der Stromung des „Auferstehungschristentums“. Durch diesen Bruch kommt es nach diesen Erkenntnisformen der christlich - rosenkreuzerischen Stromung zu einer neuen Stromung:

Was fruher das nachtliche Erleben des Grals oder die untergrundige Wirksamkeit der Rosenkreuzer war, tritt jetzt durch die Anthroposophie in das Licht der Offentlichkeit, sowohl in Ideengestalt als auch durch die praktische Verwirklichung im aufteren Leben.25

1.3.4 Der anthroposophische Schulungsweg

Hier gebe ich einen kurzen Einblick in die Stromung dieses neuzeitlichen Entwicklungsweges, der nochmal andere Moglichkeiten fur die Personlichkeitsentfaltung in sich birgt.

Als Beispiel fur diese Moglichkeiten fuhre ich hier den Dichter Novalis als modernen Menschen an, der tagsuber seiner Arbeit als Mineningenieur in Salzbergwerken nachging und ebenfalls den „Nachtmenschen“ im „Tagmenschen“ bewusst werden lieft (die Begriffe „Nachtmensch“ und „Tagmensch“ werden weiter unten erlautert). Somit war Novalis laut Lievegoed einer der ersten, die einen modernen Entwicklungsweg bestritten. Zogen sich indische Yogis oder mittelalterliche Mystiker fur ihren inneren Entfaltungsweg noch zuruck, stellte sich Novalis mitten ins Leben. Der moderne innere Entwicklungsweg konne bei voller Teilnahme am sozialen Leben beschritten werden. Der „Tagesmensch“ sei das Produkt unserer eigenen Vergangenheit, unserer Pragungen, der mitgebrachten Anlagen, der Erziehung und der Kraft der eigenen Individualitat. Aus dieser heraus konne der Mensch den Entschluss fassen, ein geistiges Leben neben seinem Tagesleben zu entwickeln. Somit konne es sinnvoll sein, zu lernen, gleichzeitig auf zwei Bewusstseinsebenen zu leben: Auf der des Alltags-Ich und der des hoheren Ich.

Grundzuge des anthroposophischen Schulungsweges:

Lievegoed beschreibt die Vorzuge des anthroposophischen Schulungsweges, durch die er sich fur die Entwicklung des Menschen von heute eignet:

Es ist nichts Zwingendes oder die menschliche Freiheit Beeintrachtigendes an diesem modernen Mysterienweg. Die Vorbereitung besteht u.a. in der Ubung gewisser Seeleneigenschaften, die uns allen bekannt sind und deren Bedeutung jeder ohne weiteres einsieht. Die Fahigkeit, sich Momente der inneren Ruhe zu verschaffen, das intensive Wahrnehmen der Welt, das ruhige Wahrnehmen des eigenen Handelns, die Unbefangenheit gegenuber anderen Menschen, Toleranz gegenuber anderen Auffassungen, das von Warme getragene Gefuhl fur das Positive im anderen Menschen, Dankbarkeit fur alles, was einem von der Jugend an von der Welt und den Menschen geschenkt worden ist, Gleichmut im Gefuhlsleben, ohne kalt und gleichgultig zu werden - alle diese Eigenschaften mussen lange Zeit geubt und in Harmonie miteinander gebracht werden. Bei vielen Menschen wird das personliche Schicksal Anlass, bestimmte Charaktereigenschaften zu entwickeln. Der Mensch, der aus freiem Entschluss seine Geistesschulung betreiben will, entwickelt diese Eigenschaften systematisch und ausdauernd.

Nach Rudolf Steiner ergibt sich dann neben der Praxis der Meditation ein sechsgliedriger Pfad, der folgende Ubungen (auch Nebenubungen genannt) beinhaltet:

- Gedankenkontrolle (klares Denken)
- Willensubungen (Beherrschung des Wollens)
- Ausdauer
- Duldsamkeit, Toleranz und Positivitat
- Unbefangenheit, Vertrauen, Glaube
- vollstandiger Gleichmut der Seele, Ausgeglichenheit

Die ersten drei Ubungen konnen als bewusste, individuelle Schulungselemente geubt werden. Die letzten drei Ubungen lassen sich nur im sozialen Kontext uben. Mathias Wais fuhrt kongruent zu dem Aspekt des anthroposophischen Schulungsweges, an sich selbst zu arbeiten, folgendes auf:

1.3.5 Der geistgemafte Erkenntnisweg

Es wird zu Recht empfunden, dass in solchen alten Kulturen wie etwa der indischen oder der tibetanischen, dass in solchen alten Naturvolkern wie bei den Indianern und bei solchen religiosen Innengruppen wie den islamischen Sufis eine geistgetragene Weltanschauung und ein geistgetragener Lebensimpuls leben, wie sie die offizielle westliche Zivilisation nicht mehr erkennen lasst.26

Weiter weist Mathias Wais auf die Gefahr hin, an spirituelle Lehren und Inhalte mit technologisch-instrumentellem Denken heranzugehen. Durch dieses materialistische Denken, in dem wir in der westlichen Welt als Herangehensmechanismus gepragt sind, werden die spirituellen Schatze zu etwas Unspirituellem gemacht. Techniken aus diesen Lehren werden dann nur dazu benutzt, um zum Beispiel das Gewissen zu beruhigen, sich angenehme Gefuhle durch geistige Erlebnisse zu verschaffen oder etwa aus Neugier und dem Interesse an Kontrastkulturen.

Das Spirituelle der alten Kulturen verliert aber seine Substanz, wenn es rein zweckgerichtet, technologisch benutzt wird. Die spirituellen Inhalte, die dort bewahrt sind, sind das Ergebnis geistigen Strebens unzahliger Menschengenerationen und vor allem einer ganz anderen primaren Nahe zur geistigen Welt. Was fur diese Kulturen uber Jahrhunderte hin tragfahig war, entleert sich in der Beruhrung mit dem westlichen Zweckdenken zur bloften Entspannungs- oder Ekstase-„Methode“27.

Im Ergebnis findet die ersehnte innere Wandlung auf diese Art der Herangehensweise nicht statt. Selbst-Erlebnisse durch oberflachliche Verrichtungen lassen das Selbstbild entstehen, man sei Teil einer spirituellen Gruppe, ohne aber deren geistige Substanz zu verstehen und sich durch geistige Praxis zu erarbeiten. Daraus ergebe sich nach Wais mit dem anthroposophischen Schulungsweg eine Moglichkeit und Aufgabe fur das Individuum:

...und die dasjenige vor das Bewusstsein stellt, was Aufgabe des modernen Menschen ist: das praktische Leben, wie es heute ist, aus geistgemafter Erkenntnis heraus so zu ergreifen, dass es in seine Zukunft verwandelt wird. Man begegnet der Anthroposophie.28

Diese bietet keine Methode, keine Substanzen oder Verrichtungen, sondern regt zur personlichen Entwicklung durch Selbsterziehung an. Es kommt auf das Individuum an, das bereit ist, an sich selbst im Sinne der „Selbsterziehung“ zu arbeiten. Mathias Wais sagt abschlieftend dazu: „Was zu tun ist, kann ich nur aus mir selbst heraus tun. Das Geistige, das ich suche, ist nur da - in meinem Leben und in der Welt -, wenn ich es mir selbst erarbeite“.29

1.4 Einflussauffassungen von Anlagen / Pragungen

In diesem Kapitel stelle ich die beiden Haupttheorien zur Gesamtanlage des Menschen in Verbindung mit der Frage dar, wie er die Moglichkeit nutzen konne, sich zu entwickeln. Die diesbezuglichen Auffassungen spalteten sich im 18. Jahrhundert

[...]


1 (Vgl. Marc Aurel, „Wege zu sich selbst“, S. 134)

2 (Dag Hammarskjold, aus einem Brief an Rutger Moll von 1928, Vgl. Florian Roder, „Die Mondknoten im Lebenslauf“, Verlag freies Geistesleben)

3 Der Begriff der „Introjektion“ entstammt laut dem „Online Lexikon fur Psychologie und Padagogik“ der Psychoanalyse und stellt den umgekehrten Vorgang einer „Projektion“ dar: „Es werden fremde Anschauungen, Motive und Verhaltensweisen in das eigene Ich aufgenommen. Dabei geht es nicht um die legitimen Formen des Lernens, sondern um Imitationen, die dem eigentlichen Ich fremd sind und etwa der Verdrangung und Abwehr von Minderwertigkeitsgefuhlen abwehren sollen“ (Vgl. http://lexikon.stangl.eu/4409/introiektion/).

4 Zitat.: B. Lievegoed, „Lebenskrisen - Lebenschancen“, S. 9

5 Zitat: http://www.christine-pflug.de/wp-content/uploads/Artikel-Zeitschrift-f%C3%BCr-Biografiearbeit- 2012-1205-C.Pflug-Biografiearbeit-1.pdf, S.1

6 (Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Biografiearbeit)

7 (Zitat: https://de.wikipedia.org/wiki/Biografiearbeit)

8 Um einen allgemeineren Kontext zu wahren und um zu vermeiden, dem Inhalt gebuhrenden Umfang an dieser Stelle nicht gerecht werden zu konnen,. wird der „agyptische Einweihungsweg“ sowie der Weg der „Nordischen Mystik“ nicht mit berucksichtigt (siehe: Bernard Lievegoed, „Der Mensch an der Schwelle“, S. 27 - 40).

9 Vgl. Mathias Wais, „Biographiearbeit / Lebensberatung“, S. 19.

10 Zitat: Mathias Wais, „Biographiearbeit / Lebensberatung“, S. 20

11 Vgl. Mathias Wais, „Biographiearbeit / Lebensberatung“, S. 20.

12 Zitat: Mathias Wais, „Biographiearbeit / Lebensberatung“ , S. 20

13 Vgl. Mathias Wais, „Biographiearbeit / Lebensberatung“, S. 20.

14 Vgl. Mathias Wais, „Biographiearbeit / Lebensberatung“, S. 20 f.

15 Vgl. Wikipedia/Atavismus.

16 Vgl. B. Lievegoed, „Der Mensch an der Schwelle“, S. 78.

17 Zitat: B.Lievegoed, „Der Mensch an der Schwelle“, S. 78.

18 Zitat: B.Lievegoed, „Der Mensch an der Schwelle“, S. 78.

19 Zitat: B.Lievegoed, „Der Mensch an der Schwelle“, S.81

20 Zitat: B. Lievegoed, „Der Mensch an der Schwelle“, S.81

21 Vgl. B. Lievegoed, „Der Mensch an der Schwelle“, S.84.

22 Nicht mit aufgefuhrt sind hier freie christliche Stromungen, Gruppierungen oder Sekten.

23 Zitat: B.Lievegoed, Der Mensch an der Schwelle“, S. 85

24 Vgl. B. Lievegoed, „Der Mensch an der Schwelle“, S. 86.

25 Zitat: B.Lievegoed, „Der Mensch an der Schwelle“, S. 90

26 Zitat: Mathias Wais, „Biographiearbeit / Lebensberatung“, S. 137

27 Zitat: Mathias Wais, „Biographiearbeit / Lebensberatung“, S. 138 f.

28 Zitat: Mathias Wais, „Biographiearbeit / Lebensberatung“, S. 140

29 Zitat: Mathias Wais, „Biographiearbeit / Lebensberatung“, S. 141

Ende der Leseprobe aus 83 Seiten

Details

Titel
Welche Möglichkeiten bietet die Arbeit an der eigenen Biografie?
Autor
Jahr
2017
Seiten
83
Katalognummer
V427422
ISBN (eBook)
9783668716704
ISBN (Buch)
9783668716711
Dateigröße
745 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Biografie Biographie Persönlichkeitsentfaltung Persönlichkeit Lebensgestaltung, Krise Krisenmanagement Midlife Crisis Lebenskrise Lösung Problem, Coaching Beratung Unternehmen Leben Lifestyle
Arbeit zitieren
Torsten Ulff (Autor), 2017, Welche Möglichkeiten bietet die Arbeit an der eigenen Biografie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427422

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Welche Möglichkeiten bietet die Arbeit an der eigenen Biografie?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden