Pflegeethik. Die Pflege zwischen Dienstleistung und Moral


Hausarbeit, 2017

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einführung

2 Pflegeethik
2.1 Definition
2.2 Inhalte und Prinzipien der Pflegeethik
2.3 Werte und Normen in der Pflegeethik
2.4 Probleme in der Pflege (-Ethik)

3 Ethische Methoden im Pflegealltag
3.1 Nimwegener Methode
3.2 Hermeneutische Fallbesprechung
3.3 Das Sokratische Gespräch

4 Die Grenzfrage der Sterbehilfe

5 Ökonomisierung der Pflege

6 Interview mit einer Pflegefachkraft zum Thema

7 Zusammenfassung

1 Einführung

In dieser Hausarbeit habe ich mich mit dem Thema der Ethik in der Pflege beschäftigt. Ich habe dieses Thema gewählt, da ich in meinem Praktikum im Krankenhaus und bei Gesprächen mit Patienten und Pflegekräften festgestellt habe, dass es große Diskrepanzen zwischen der Arbeit der Pflegekräfte und den eigenen Wert- und Moralvorstellungen gibt. Da die Pflege ein Berufsfeld ist, welches mit Menschen arbeitet, ist moralisches Handeln unausweichlich. Moralisches Handeln wird gestützt durch die Einhaltung von Werten, Normen und auch Regeln der Gemeinschaft bzw. Gesellschaft. Pflegeheime, Krankenhäuser etc. haben in der Gesellschaft allerdings oft einen schlechten Ruf. Für viele Menschen gibt es nichts Schlimmeres als die Vorstellung in einem Pflegeheim zu leben oder gar zu sterben oder einen längeren Krankenaufenthalt zu haben, da die Menschlichkeit im stressigen Arbeitsalltag augenscheinlich untergeht. Die Ethik soll dabei helfen, bei schwierigen Entscheidungen die moralisch „beste“ Wahl zu treffen und vor allem diese Wahl dann zu reflektieren. Die Pflegeethik soll es ermöglichen, solche Entscheidungen begründen zu können. Das Ziel dieser Hausarbeit ist es, ein Einblick in das Thema Pflegeethik zu geben und dabei geht es unteranderem um die Frage, wann eine pflegerische Angelegenheit zu einer ethischen wird. Außerdem wird die Hausarbeit sich des Weiteren mit der Ökonomisierung der Pflege und der Frage, ob pflegerische Einrichtungen als Dienstleister anzusehen sind.

Nach dieser Einführung beschreibe ich im zweiten Kapitel, was Pflegeethik eigentlich ist und welche Prinzipien und Probleme sich dahinter verbärgen. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit ethischen Methoden die in der Pflege angewandt werden und mögliche Lösungswege von ethischen Problemen in der Pflege. Danach werde ich im vierten Kapitel über die Ökonomisierung der Pflege, also Pflegeeinrichtungen als beispielsweise GmbH schreiben. Um die Grenzfrage der Sterbehilfe und die damit verbundenen ethischen Aspekte geht es im 5. Kapitel. Im 6. Kapitel werde ich die Auswertung eines Interviews mit einer Pflegefachkraft des SRH Waldklinikums Gera beschreiben. Im letzten Kapitel werde ich zusammenfassend aus allen Kapiteln Schlussfolgerungen ziehen und meine eigene Sichtweise darstellen. Ich habe in dieser Arbeit versucht mit Hilfe von adäquater Literatur, Gesprächen mit Pflegekräften und eigenen Eindrücken, die Theorie und die Praxis zusammenzuführen.

2 Pflegeethik

2.1 Definition

In seinem Buch beschreib Arie J. G. van der Arend Pflegeethik als „das Nachdenken über verantwortliches Handeln im Rahmen der Berufsausübung der Pflegenden“ (van der Arend 1998, S.24). Sie setzt sich also mit Fragen und Problemen im Arbeitsbereich der Pflege auseinander, wie zum Beispiel die Frage was gutes und richtiges Handeln in der Pflegepraxis ausmacht. In dem Zusammenhang ist auch zu betrachten was Gut und Böse bedeutet. Otfried Höffe teilt das Gute in drei Stufen ein, welche aufeinander aufbauen. Die unterste Stufe beschreibt das technische Gute, also das Ziel und den Zweck des Guten. Die zweite Stufe beschäftigt sich mit dem praxisbezogene Guten, wie dem eigenen Wohl und dem Wohl des anderen. Um das moralische Gute geht es in der obersten Stufe und hierzu im Gegensatz steht das Böse. (vgl. Höffe 2013, S.16f.). Die Pflegeethik ist ein Teilgebiet der Gesundheitsethik. Sie lässt sich aber auch in die Gruppe der Berufsethik einordnen, da sie sich mit der Ethik einer bestimmten Berufsgruppe, den Pflegekräften beschäftigt. Diese Berufsgruppe ist von großer Bedeutung für die Gesellschaft und das soziale Leben (vgl. van der Arend 1998, S.24f.). Die Berufsethik reflektiert das moralische Verhalten, die angewandten Werte und Normen innerhalb des Berufsalltages und die Wertschätzung gegenüber dem Klientel (im Falle der Pflege Patienten und Bewohner) und auch Kollegen.

Dennoch muss die Pflegeethik als eigenständiges Gebiet der Ethik betrachtet werden und darf nicht im Hintergrund der Gesundheitsethik verschwinden. Die Pflege, also somit auch alle Pflegenden haben einen enormen Wichtigkeitswert für die Gesundheit aller und die Gesundheitsvorsorge.

Abschließend ist die Differenzierung zwischen Moral und Ethik für die weiteren Kapitel zu erwähnen. Die Moral meint das richtige und angebrachte Verhalten einer Person, angelehnt unteranderen an Werte, Normen und Pflichten. Sie ist also als sittliche Praxis zu verstehen. Die Ethik meint das Reflektieren und Nachdenken über die Moral und kann somit als Reflexionstheorie der Moral verstanden werden. (vgl. Höffe 2013, S.9f.)

2.2 Inhalte und Prinzipien der Pflegeethik

In dem Buch Principles of Biomedical Ethics stellte Tom Lamar Beauchamp bereits in der ersten Auflage von 1994 vier Prinzipien auf, welche das ethische Handeln in der Medizin bestimmen. Diese werden auch in der Pflegeethik angewandt. Das erste Prinzip ist die „Respect of Autonomy“. Hierbei meint man die Autonomie von PatientInnen, ÄrztInnen und Pflegekräften. Dies beinhaltet die Selbstständigkeit und Eigenständigkeit von alle Beteiligten. Dabei sollte jedoch klar zwischen Autonomie und Willkür unterschieden werden. Jeder soll der Herr über seinen eigenen Körper sein. Das nächste Prinzip nennt Beauchamp das „Beneficence“. Dies bedeutet, dass das Wohl des Patienten am oberster Stelle steht und somit Vorrang hat. Das „Nonmaleficence“ beschreibt die dritte Grundlage, also das Verbot dem Patienten einen Schaden zuzufügen bzw. den Patienten vor einem Schaden und vor Leiden zu beschützen. Das letzte Prinzip ist das „Justice“ und sagt aus, dass jeder Patient und auch die Arbeitskräfte gleichberechtigt und fair behandelt werden sollen. Es beschreibt sozusagen den Gleichheitsgrundsatz (vgl. Tom Lamar Beauchamp 2009, S.99f.).

2.3 Werte und Normen in der Pflegeethik

Werte sind Vorstellungen die uns zeigen, was gut und erstrebenswert ist. Normen sind Richtlinien, wie z.B. Gesetze.

Da der Pflegeberuf mit krankheits- und/oder altersbedingt geschwächten Menschen arbeitet, ist die Beachtung von gewissen Werten und Normen nicht auszugrenzen. Pflegekräfte haben eine besondere Rolle im Leben einer pflegebedürftigen Person. Kritiker könnten sagen, dass die Pflegekräfte eine gewisse Macht über die Patienten bzw. Bewohner haben. Werte und Normen helfen dabei, diese Macht nicht auszunutzen und die eigenen Grenzen einzuhalten. Meiner Meinung nach sollte dies nicht als Macht bezeichnet werden, sondern als die Erfüllung von patientenspezifischen Aufgaben und der damit verbundenen Pflicht. Ein jeder Mensch hat einen Anspruch auf den Erhalt seiner Menschenwürde. Zudem ist alles dafür zutun um Schmerzen zu lindern und Leiden zu verhindern. Nur in der Gemeinschaft können wir leben und überleben. Diese Norm hat eine gesonderte Relevanz im Rahmen der Verantwortungsethik. Ulrich H.J.Körtner schreibt in seinem Buch „Grundkurs Pflegeethik“ dazu: „Ziel es auf anderen Menschen gerichteten sittlichen – z.B. medizinischen oder pflegerischen – Handelns besteht nicht primär darin, Möglichkeiten einer egoistisch definierten Selbstverwirklichung zu eröffnen, sondern Menschen ein verantwortliches, d.h. in ihrer Selbstbestimmung sittlich gebundenes Dasein für andere zu ermöglichen.“ (Körtner 2004, S.119). Dies bedeutet, dass das Grundziel darin besteht, für andere Menschen dazu sein, anderen Menschen selbstlos und dennoch selbststimmt Unterstützung und Hilfe zu geben. Nur gemeinsam können wir ein gutes Leben führen. Wir Menschen brauchen andere Menschen um besser zu leben. Werte und Normen stützen das Helfen, auch das professionelle Helfen und Pflegen, und bieten eine Grundlage. Diese Werte und Normen sind abhängig und variabel von dem jeweiligen Kulturkreis (vgl. Körtner 2004, S. 116)

2.4 Probleme in der Pflege (-Ethik)

Moralische Probleme entstehen aus einer Diskrepanz zwischen den eigenen Wertvorstellungen bzw. Prinzipien und der Realität, sozusagen weicht der Ist-Zustand von dem Soll-Zustand ab. Wichtig ist es hierbei, das Problem zu erkennen und es einzuordnen. Wir sollten uns fragen inwiefern bzw. warum ein Problem ein Problem darstellt. Dies lässt sich durch den Kontext, der individuellen Lebensgeschichte und durch die Erfahrung bestimmen. Arie van der Arend bezeichnet diese Problemerkennung als epistemologische Deutung von Problemen. Was für den einen Einzelnen oder für eine Gruppe ein Problem darstellt, kann für einen Außenstehenden ganz und gar nicht als Problem angesehen werden. Deshalb sollten jegliche Probleme, egal ob diese vom Patient oder vom Pflegenden wahrgenommen werden, Beachtung finden. Moralische Probleme sind stets normativ, das heißt sie sind nicht theoretisch sondern praktisch. Es geht hierbei um Entscheidungen, was der Betroffene tun bzw. nicht tun sollte. Bei technischen Problemen geht es immer um ein bestimmtes Ziel. Beispielsweise um Fragen wie „Was kann ich tun um eine Thrombose bei diesem Patienten zu verhindern?“ oder „Welchen Patienten wasche ich heute als erstes?“. Im Gegensatz dazu steht bei moralischen Problemen das richtige Ziel im Vordergrund. Moralische Probleme werden unter einem ethischen Blickwinkel betrachtet. Grundlage für diesen Blickwinkel ist eine argumentative Vorgehensweise. Zudem werden hierbei die Gefühle aller Beteiligten berücksichtigt. Die moralischen Probleme von Pflegenden sind sehr vielseitig. Ein zentrales Problem ist die Ehrlichkeit. Die eingeschränkte Ehrlichkeit um den Patienten vor sich selbst oder vor gesundheitlichen Konsequenzen zu schützen oder auch um Interesse Dritter zu handeln. Dies stellt eine Respektlosigkeit gegenüber der Autonomie des Patienten dar. Wir sprechen außerdem in der Pflege auch von moralischen Dilemmata, also von zwei Varianten, welche beide moralisch verpflichtend sind, aber nicht gemeinsam ausgeführt werden können. Dabei entsteht eine moralische Unsicherheit, welche den Pflegenden stark belasten kann. Ein großes Problem, welches bei Pflegekräften häufig auftritt ist das Mitleiden. Bei der Arbeit mit Menschen ist Empathie und Mitgefühl sehr wichtig. Dies kann aber sehr schnell in Mitleid umschlagen und der Fachkraft bis ins Privatleben rein belasten. Nähe und Distanz im Allgemeinen kann auch zum Problem werden. Beispielweise wenn die Pflegekraft den Patienten private Details preisgibt. Ein ethisches Problem könnte die Auseinandersetzung und das Hinterfragen der Moralvorstellung einer pflegenden Person sein. Ethische Probleme werden also durch Reflexion, Überdenken und überdimensionaler Auseinandersetzung von Konfliktsituationen geprägt. (vgl. van der Arend 1998, S.10f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Pflegeethik. Die Pflege zwischen Dienstleistung und Moral
Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Veranstaltung
Ethik in der sozialen Arbeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V427539
ISBN (eBook)
9783668715196
ISBN (Buch)
9783668715202
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pflegeethik, Gesundheitsethik, Ethik, Soziale Arbeit
Arbeit zitieren
Annika Franke (Autor), 2017, Pflegeethik. Die Pflege zwischen Dienstleistung und Moral, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427539

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