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Zwischen Ekel und Mitleid in der Literatur. Der „braune Fleck auf der geblümten Tapete“

Title: Zwischen Ekel und Mitleid in der Literatur. Der „braune Fleck auf der geblümten Tapete“

Essay , 2011 , 5 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anja Keller (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen. In diesem Fall ist es zwar keine Spinne, sondern eine Art Käfer, aber allein die Vorstellung am Morgen aufzuwachen und im Bett ein „ungeheure[s] Ungeziefer“ vorzufinden, entspricht sehr wohl der „Erfahrung einer Nähe, die nicht gewollt ist“ und damit dem vom Menninghaus erklärten „Muster des Ekels“, das eine wie auch immer geartete Form der Abwehr auslöst.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Der „braune Fleck auf der geblümten Tapete“

1.1 Im Spannungsfeld zwischen Ekel und Mitleid

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht das ambivalente Spannungsfeld zwischen Ekel und Mitleid, das Franz Kafkas „Die Verwandlung“ beim Leser evoziert. Dabei wird analysiert, wie die erzählerische Fokussierung auf Gregor Samsa dessen tierische Verwandlung trotz seiner äußeren Erscheinung als identifikationswürdiges menschliches Schicksal erfahrbar macht.

  • Die psychologische Wirkung von Ekelreizen in der Literatur.
  • Die Rolle der Erzählperspektive für die Leseridentifikation.
  • Die Dekonstruktion des „Fremden“ und des „Ungeziefer“-Motivs.
  • Die familiäre Dynamik und der Prozess der Entmenschlichung.
  • Theoretische Ansätze nach Winfried Menninghaus und Julia Kristeva.

Auszug aus dem Buch

Der „braune Fleck auf der geblümten Tapete“ - Im Spannungsfeld zwischen Ekel und Mitleid

Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen. In diesem Fall ist es zwar keine Spinne, sondern eine Art Käfer, aber allein die Vorstellung am Morgen aufzuwachen und im Bett ein „ungeheure[s] Ungeziefer“ vorzufinden, entspricht sehr wohl der „Erfahrung einer Nähe, die nicht gewollt ist“ und damit dem vom Menninghaus erklärten „Muster des Ekels“, das eine wie auch immer geartete Form der Abwehr auslöst.

Doch die literarische Figur Gregor Samsa, die in Kafkas „Die Verwandlung“ zum „Mistkäfer“ mutiert, erfährt vom Leser weniger eine Reaktion des Ekels als vielmehr des Mitleids. Und das, obwohl Kafka mit negativ konnotierter Wortwahl wie „Ungeziefer“, „häßliche Flecken“, „kriechen“ und „Schreckgestalt“ arbeitet, die durch das wiederholte Präfix UN- semantisch verstärkt wird. Dieser sprachlich „unruhige Traum[ ]“ von „panzerartig harten“ „Versteifungen“ dringt in die „vier wohlbekannten Wände[ ]“ und müsste einen „Kälteschauer“ verursachen. Aber nur die anderen literarischen Figuren der Geschichte begegnen der „gegenwärtigen traurigen und ekelhaften Gestalt“ Gregors mit „Widerwillen“. Der Leser dagegen wird durch Kafkas typisch „einsinnige Erzählperspekte“ an Gregor gebunden und erfährt so von seinen Gedanken, Sorgen und Hoffnungen. Dieser Einblick in diese menschlichen Wesensarten erinnern den Leser nicht nur an Gregors ursprüngliches Menschsein, sondern bewirkt, dass Gregor dem Leser trotz seines tierischen und damit befremdlichen Äußeren vertraut wird. Damit ist gemäß Julia Kristeva dem Leser die Möglichkeit gegeben, Gregor immer noch als einen Menschen wie du und ich zu erkennen und damit seine Abscheu zu verhindern.

Zusammenfassung der Kapitel

Der „braune Fleck auf der geblümten Tapete“: Einleitung in die Thematik der menschlichen Wahrnehmung von Ekel gegenüber literarischen Tierfiguren.

Im Spannungsfeld zwischen Ekel und Mitleid: Analyse der Kontrastwirkung zwischen Gregors äußerer Transformation und der durch die Erzählperspektive vermittelten inneren Menschlichkeit.

Schlüsselwörter

Die Verwandlung, Franz Kafka, Ekel, Mitleid, Gregor Samsa, Ungeziefer, Erzählperspektive, Transformation, Winfried Menninghaus, Julia Kristeva, Fremdheit, Familiendynamik, Identifikation, literarische Analyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Wirkung von Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ auf den Leser, insbesondere hinsichtlich der emotionalen Ambivalenz zwischen Ekel und Mitleid gegenüber dem zum Käfer gewandelten Protagonisten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die literarische Darstellung von Ekel, die psychologische Bindung des Lesers an die Figur durch die Erzählperspektive sowie die soziale Ausgrenzung innerhalb der Familie Samsa.

Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Kafka trotz einer „ekelhaften“ Ausgangslage eine starke Mitleidsreaktion beim Leser erzielt und damit die Grenzen zwischen dem „Fremden“ und dem Menschlichen verwischt.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse durchgeführt, die durch theoretische Konzepte der Ekel-Theorie (Winfried Menninghaus) und der Fremdheits-Theorie (Julia Kristeva) gestützt wird.

Was steht im inhaltlichen Hauptteil der Ausarbeitung im Fokus?

Im Hauptteil liegt der Schwerpunkt auf der Analyse der Erzählperspektive, dem Verhalten der Familie Samsa sowie der Frage, inwiefern Gregors Verwandlung als Symptom der familiären Struktur gedeutet werden kann.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Transformation, literarische Identifikation, Erzählstrategie, familiäre Entfremdung und ästhetische Mitleidseffekte definiert.

Inwiefern beeinflusst die Erzählperspektive die Wahrnehmung des Lesers?

Die einsinnige Fokussierung auf Gregor ermöglicht dem Leser einen direkten Zugang zu seinem Innenleben, wodurch das „Ungeziefer“ als bewusstes Subjekt wahrgenommen wird, statt nur als abstoßendes Objekt.

Wie bewertet die Arbeit das Verhalten der Familie gegenüber Gregor?

Das Verhalten wird als ausgrenzend und von einer gestörten Kommunikation geprägt beschrieben; der Prozess der Verdrängung führt dazu, dass die Familie in Gregor nicht mehr den Sohn, sondern nur noch ein zu beseitigendes „Untier“ sieht.

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Details

Title
Zwischen Ekel und Mitleid in der Literatur. Der „braune Fleck auf der geblümten Tapete“
College
LMU Munich  (Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Course
ANIMALISCHES. Philosophische und literarische Annäherung an das Tier im Text
Grade
1,3
Author
Anja Keller (Author)
Publication Year
2011
Pages
5
Catalog Number
V428187
ISBN (eBook)
9783668722972
Language
German
Tags
Kafka Käfer Ekel Mitleid Verwandlung Tier Animalisches Literatur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anja Keller (Author), 2011, Zwischen Ekel und Mitleid in der Literatur. Der „braune Fleck auf der geblümten Tapete“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428187
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