Textil- und Bekleidungsökologie und deren Sachanalyse

Entwicklung von Lernsituationen für die Schulform HReGe im Rahmen eines Lernfeldkonzeptes: Kleidung und Gesundheit


Examensarbeit, 2013
101 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

1 Einordnung des Themas

2 Fachwissenschaftliche Darlegung
2.1 Okologie und Kleidung
2.1.1 Entscheidungskriterien beim Kleidungskauf
2.1.2 Grune Mode - Wie sieht sie aus?
2.1.2.1 Drei Phasen der Oko-Bewegung
2.1.2.2 Grune Mode heute
2.1.2.2.1 Inka Koffke - Die Jil Sander der Grunen Mode
2.1.2.2.2 Armedangels - wie Moral zu Mode passt
2.1.2.2.3 Slowmo - abwechslungsreiche und zeitlose Modehauser
2.1.3 Der Markt der Grunen Mode
2.1.4 Grune Mode und Stars
2.2 T extile Okolabels
2.2.1 Was prufen textile Okolabels?
2.2.1.1 Moderne Sklavenarbeit
2.2.1.2 Gifte auf dem Acker
2.2.1.3 Wasser-Schluckspecht Baumwolle
2.2.1.4 Chemikalien au&er Kontrolle
2.2.1.4.1 Emissionen
2.2.1.4.2 Ausrustungsverfahren
2.2.1.4.3 Farbstoffe
2.2.1.5 Textile Abfalle
2.2.1.6 Klimakiller Kleidung
2.2.2 Welchen Labels kann man trauen?
2.2.2.1 Oko-Tex-Standard 100
2.2.2.2 GOTS
2.2.2.3 Europaisches Umweltzeichen
2.2.2.4 TOXPROOF
2.2.2.5 Green Cotton
2.2.2.6 Fairtrade Cotton
2.2.2.7 Bluesign
2.2.2.8 Hautsache korpervertraglichkeit "Medizinisch getestet und
schadstoffgepruff
2.2.2.9 Organic Exchange (OE)
2.2.2.10 Naturtextil Best
2.2.3 Der Vergleich

3 Fazit

4 Reflexion zur Unterrichtseinheit „Bekleidungsokologie“
4.1 Einordnung der Unterrichtsinhalte in den Rahmenlehrplan
4.2 Didaktische Analyse
4.2.1 Gegenwartsbedeutung
4.2.2 Zukunftsbedeutung
4.2.3 Struktur des Inhaltes
4.2.4 Exemplarische Bedeutung
4.2.5 Zuganglichkeit

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kinderarbeit weltweit

Abbildung 2: Wer verdient an deiner Jeans?

Abbildung 3: Aralsee im Verlauf der Zeit

Abbildung 4: Oko-Tex 100

Abbildung 5: GOTS

Abbildung 6: Europaisches Umweltzeichen

Abbildung 7: TOXPROOF

Abbildung 8: Green Cotton

Abbildung 9: Fairtrade Cotton

Abbildung 10: Bluesign

Abbildung 11: Hautsache korpervertraglichkeit

Abbildung 12: Organic Exchange (OE)

Abbildung 13: Naturtextil Best

Abbildung 14: Okolabels im Vergleich

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Relevante Emissionspfade der Veredelung von Textilien

Tabelle 2: Wesentliche Ausrustungsverfahren

Tabelle 3: Farbstoffe und ihre Abhangigkeit von Rohstoffen

Tabelle 4: Okolabelvergleich

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einordnung des Themas

Durch den Verlust des schutzenden, dichten Haarkleides im Laufe der stammesgeschichtlichen Entwicklung, musste sich der Mensch eine Alternative zu diesem suchen, um sich vor Hitzeverlust, Uberhitzung und anderen Umwelteinflussen, aber auch vor Verletzungen zu schutzen. Die erste Kleidung stammt aus der mittleren Altsteinzeit, in der die Menschen vor 135 000 Jahren nur einfach Tierfelle als Schutz nutzten. Durch die Funde des „Otzi“ kann belegt werden, dass die Jungsteinzeitmenschen, die als Jager und Hirten lebten, sich mit Leder, Fell oder Grasumhangen kleideten. Diese Kleidung diente den Menschen damals nicht zur zum Uberleben, sondern hatte auch eine schmuckende Funktion.1

Kleidung diente schon sehr fruh nicht nur als Schmuck und Schutz, sondern spiegelte auch die Position in der Gesellschaft bzw. dem fruheren Stamm. Ein Fell zu „Otzis“ Zeiten war ein Symbol fur eine erfolgreiche Jagd und machte den Rang im Stamm deutlich. Auch in unserer heutigen Gesellschaft, die sehr visuell gepragt ist, dient Kleidung nicht nur als schutzender Aspekt. Menschen drucken sich mit Hilfe ihrer Kleidung aus. Durch die vielseitigen Einsatz- und Wandlungsmoglichkeiten ist ein nonverbales Kommunikationsmittel entstanden. Der Trager kann mit Hilfe von Bekleidung seiner Identitat Ausdruck verleihen und hat die Moglichkeit zur Selbstdarstellung und Selbstverwirklichung. Das Ver- und Enthullen bestimmter Korperteile kann eine erotische Wirkung haben, aber auch Mangel des Erscheinungsbildes kaschieren. Kleidung kann ebenfalls Ausdruck von Zugehorigkeit oder Abgrenzung sein. AuBerdem werden durch Kleidung gemeinsame

Lebensauffassungen und Wertvorstellungen verkorpert und standig wechselnde Trends visualisiert.2

Jahrhundertelang war unsere „zweite Haut" selbstverstandlich und die Gesellschaft kummerte sich nicht um gesundheitliche Folgen oder den okologischen Hintergrund. Leute, die finanziell etwas besser gestellt waren, konnten sich einen gewissen Luxus mit exotischen Geweben leisten. Der Rest der Bevolkerung gab sich jedoch mit dem zufrieden, was gegen Umwelteinflusse schutzte und erschwinglich war. Textile Gewebe waren wertvolle Gebrauchsguter uber viele Jahrhunderte. Sie wurden gepflegt, geflickt und bis zur Unbrauchbarkeit wieder verwendet. Die Materialien aus denen die damaligen Textilien hergestellt wurden, waren auf eine geringe Anzahl begrenzt. Hauptbestandteil war Leinen, welches im letzten Jahrhundert immer haufiger durch Baumwolle ersetzt wurde. Fur die kalteren Jahreszeiten wurden Kleidungsstucke aus Wolle hergestellt. Die Situation auf dem Textilmarkt veranderte sich erst tiefgreifend nach dem zweiten Weltkrieg, als die erste synthetische Chemiefaser auf den Markt kam. Hieraus resultierte ein unbegrenztes Warenangebot. Die Nachfrage an Textilien stieg rasant an, da eine breite Bevolkerungsschicht zu Geld kam und sich die Wirtschaft und damit auch die Mode immer besser entwickelte. Begrundet durch diese Neuerungen, findet sich nun das einst wertvolle Gebrauchsgut in einer Wegwerfkultur wieder.3

Die neuen Fasern brachten nicht nur positive Eigenschaften mit sich. Die Trageeigenschaften der ersten synthetischen Fasern lie&en durch ihre ungunstigen Konstruktionen zu wunschen ubrig. Zum ersten Mal kam die Frage nach „gesunder“ Kleidung auf. Die folgende Reaktion war die Entwicklung einer neuen wissenschaftlichen Disziplin „Bekleidungsphysiologie“. Bis heute kummert sich diese in vielfaltiger Weise um gesundheitliche Belange, wie z.B. Hautvertraglichkeit und Tragekomfort.4

Die Produktpalette des Textilmarktes erlebte einen weiteren Boom ins Unermessliche, durch die industrielle Weiterentwicklung der Chemiefasern und der Bekleidungsindustrie. Die Erwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher stieg stetig mit den Neuerungen auf dem Markt. Auf der einen Seite wurden Naturfasern mit Pflegeleichtigkeit und Knitterschutz bei Chemiefasern verlangt und auf der anderen Seite naturlich auch angenehme Trageeigenschaften. Die textilen Hilfsmittel haben sich durch die hohen Anforderungen ebenfalls explosionsartig vermehrt und sind in allen Bereichen der Produktionskette zu finden. In der Textilindustrie finden sich ca. 8000 Handelsnamen wieder und mittlerweile werden 2000 Farbstoffe in der Produktion verwendet. Diese waschen sich im Produktionsverlauf zwar aus, jedoch finden sich noch Ruckstande in der Kleidung wieder. Auch dieser Aspekt blieb der Offentlichkeit nicht lange verborgen. Seit dem ersten Auftreten von Schlagzeilen uber gesundheitsschadigende Kleidung, beschaftigen sich die ersten umwelt- und gesundheitsbewussten Konsumenten mit den Fakten. Zunachst wurde jegliche Chemie aus dem Kleiderschrank verbannt und die Natur erlebte eine neue Blutezeit. Dieser Mythos uberlebte solange, bis klar wurde, dass nicht nur in den Chemiefasern Chemie steckt, sondern auch zum Anbau von Baumwolle Chemie verwendet wird. Die Folge ist eine groBe Verunsicherung bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Zum einen ist diese durch Hilflosigkeit oder Gleichgultigkeit gepragt. Es gibt naturlich auch das andere Extrem, indem durch alternative Reaktionen der Okolook entstand. Dies wiederum offnete eine neue Spate auf dem Textilmarkt, in denen Labels mit nicht ganz nachvollziehbaren Behauptungen um eine bereits geschadigte oder um ihre Gesundheit sorgende Kauferschicht werben. Bis zu diesen Tagen waren Textilien in der Diskussion um die Umwelt so gut wie kaum vorhanden. Einziger Sorgenpunkt war bis dato die umweltgerechte Textilpflege, da Bilder von Schaumbergen in Flussen die Runde machte. Jedoch wurde die eigentliche Ursache von unserem vermehrten Waschverhalten nicht thematisiert. Seit einigen Jahren hat das Thema Textilien, Gesundheit und Umwelt jedoch stark an Aktualitat gewonnen. Nicht zuletzt, da sich mittlerweile auch die Politik in die Diskussion eingeklinkt hat. Die Situation bleibt jedoch weiterhin sehr verwirrend fur die Konsumenten. Kaufer sind vom hohen Textilkonsum kaum zu entwohnen, jedoch wird in den Medien immer wieder von den erschreckenden Folgen berichtet.5

Nicht nur durch die Medien sind Verbraucher verwirrt, auch durch den ganzen Oko- Etikettendschungel und die Werbekampagnen der groBen Modehauser wissen wir oft nicht, was wirklich „Oko“ ist oder ob uberhaupt „Oko“ in unseren Textilien steckt. Diese Arbeit soll ein wenig Licht ins Dunkle bringen und Etiketten und Werbekampagnen von groBen Modehausern kritisch hinterfragen und aufdecken, was uberhaupt wirklich „Oko" ist. AuBerdem mochte ich kurz anreiBen, wie man Schulerinnen und Schulern in der Sekundarstufe I vermitteln kann, worauf es beim Textilkauf ankommt und dass sie ihr Konsumverhalten hinterfragen sollten.

2 Fachwissenschaftliche Darlegung

Ein groBes Thema unserer heutigen Gesellschaft ist die Okologie. Gar keine Frage, „Bio" ist in! Die grune Welle hat schon in viele Lebensbereiche Einzug gefunden, sei es das Bioessen, tierversuchsfreie Kosmetik, Energiesparlampen oder der Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn. Doch was bedeutet eigentlich Okologie in Bezug auf Kleidung?

2.1 Okologie und Kleidung

Um Klarheit zu schaffen, sollten als Erstes die Begriffe „Okologie“ und „Kleidung“ geklart werden.

Okologie ist die „Bezeichnung fur die gesamte Wissenschaft von den Beziehungen des Organismus zur umgebenden AuBenwelt."6

Kleidung lasst sich wie folgt definieren: „Kleidung zum Schutz gegen auBere Einflusse (Hitze, Kalte, Nasse, Verwundung) hat mannigfaltige Formen, die sich mit dem Grad der Kultur und Technik, mit Sitte und Brauchtum, mit Stand und Beruf, sowie mit jeweils verschiedenen Anlassen andern."7

„Der Bereich der Textilokologie setzte sich auch vier Teilbereichen zusammen:

1. Die Produktionsokologie, betrachtet die Auswirkungen der Produktionsprozesse auf Mensch und Umwelt, z.B. Arbeitssicherheit, Material-, Wasser- und Energieverbrauch, Abwasser- und Abfallbehandlung sowie Staub- und Larmentwicklung.
2. Die Humanokologie beschaftigt sich mit den Auswirkungen von Textilien und ihren chemischen Inhaltsstoffen auf Gesundheit und Wohlbefinden des Menschen.
3. Die Gebrauchsokologie setzt in der Nutzungsphase des Textils an. Sie befasst sich mit den Umweltauswirkungen beim Waschen, Reinigen und Pflegen von Textilien.
4. Die Entsorgungsokologie setzt sich mit den Problemen der Entsorgung auseinander, mit der Wiederverwendung, -beseitigung und Beseitigung (thermischer Verwertung und Deponierung) von Textilien.”8

2.1.1 Entscheidungskriterien beim Kleidungskauf

Was erwarten wir eigentlich von unserer Kleidung? Auf den ersten Blick scheint die Antwort auf diese Frage ganz einfach zu sein: Kleidung soll uns naturlich vor Umwelteinflussen schutzen. Auf der anderen Seite soll Bekleidung dem Trager auch gefallen, also modisch und schon sein. Des Weiteren besitzen Textilien eine praktisch- funktionelle Eigenschaft und eine Reprasentationseigenschaft des Individuums. Zu den praktisch-funktionellen Eigenschaften lasst sich sagen, dass diese vom Material abhangig sind sowie von der Ausrustung und der Art der Verarbeitung. Die Faktoren dieser Eigenschaft sind wie folgt messbar:

1. materielle Dauerhaftigkeit, dazu zahlt Strapazierfahigkeit, Scheuerfestigkeit, Haltbarkeit der Verarbeitung, Verrottungsresistenz und Lichtechtheit.

2. bekleidungsphysiologische Eigenschaften, wie Tragekomfort, Hautvertraglichkeit und Hygiene

3. Pflegeeigenschaften, z.B. Wasch- und Reinigungsverhalten und Bugelverhalten.

Heutzutage spielen diese Kriterien aber eher eine untergeordnete Rolle beim Kaufverhalten. Verbraucher achten meistens nur noch darauf, wenn es sich um Sport- oder Arbeitsbekleidung handelt. Ebenso zweitrangig ist die Kleiderpflege, was uns ein Blick in die Altkleidersammlung verrat. Hier finden sich kaum beschadigte Sachen wieder. Haufig sind die Kleidungsstucke noch vollkommen intakt, sie sind lediglich nicht mehr im Trend.9

Zu den Reprasentationseigenschaften gehoren asthetische und modische Merkmale der Kleidung wie:

1. Farbe

2. Musterung

3. Schnittgestaltung, Formgebung

4. Material, Materialeigenschaften wie Griff, Fall und Formbestandigkeit

Wie stark jeder einzelne Verbraucher nach diesen Kriterien seine Kleidung aussucht, kann man nicht genau messen. Es gehort zu den Personlichkeitsmerkmalen eines Individuums, seiner Stelle in der Gesellschaft, seinem Selbstwertgefuhl, seiner Lebenserhaltungsvorstellung und welchen Stellenwert er Kleidung entgegenbringt.10

Sind die Kaufer also mundige Verbraucher? Diese Frage ist nicht ganz so leicht zu beantworten, da in mehreren Bereichen immer wieder ein Wandel stattfindet. Die Anlasse des ..Shoppings" sind auBerdem sehr vielfaltig. Heutzutage geht ein GroBteil der Kaufer kaum noch Bekleidung kaufen, weil ein Bedarf besteht, viel mehr treibt es ihn in die Geschafte, weil er sich etwas Gutes gonnen mochte oder Frust bewaltigen will. Der starkste Reiz beim Kleidungskauf geht, wie oben schon genannt, von den Reprasentationseigenschaften aus. Hierbei stehen Farbe und Muster an erster Stelle. GroBe, Schnittgestaltung oder Preis sind eher sekundares Entscheidungskriterium. In den letzten Jahren hat sich jedoch ein weiteres, sehr wichtiges, Entscheidungskriterium entwickelt. So hat mittlerweile jeder groBe Bekleidungshersteller seiner Ware, ein unverwechselbares Zeichen hinzugefugt - sein Logo. Vom Krokodil von Lacoste uber Diesel, Levis, Boss, Cartier bis Armani, Adidas oder Nike werden diese Marken haufig gruppenspezifisch gekauft, da man von ihnen Qualitat, Reprasentationseigenschaften, ein besonderes Lebensgefuhl oder einen bestimmten Geschmack erwunscht. Aber immer wieder werden Marken gekauft, um Gruppenzugehorigkeit zu symbolisieren. Dieser Effekt ist besonders bei Kindern und Jugendlichen zu beobachten. Jede Peergroup reprasentiert sich durch ihre Marke und Nicht-Markentrager geraten ins Abseits und werden von der Gruppe verstoBen. Dieses Verhalten fangt in der heutigen Zeit leider schon im Kindergartenalter an. Im Alter legt sich bei Erwachsenen dieser Markenfetischismus etwas, oftmals findet ein Umdenken statt. Viele wollen nicht als lebende Reklame missbraucht werden oder sie sind verargert uber die Verramschung einst exklusiver Marken. Hier sind immer mehr Unikate gefragt.11

Immer mehr Verbraucher leisten sich heute etwas Besonderes, wobei jeder sein individuelles Gebiet dafur hat. Im Bereich der Mode nehmen die Kaufer immer mehr zu, die sich Luxusartikel gonnen, um ihr Selbstwertgefuhl damit auf zu polieren. Bei anderen Dingen wird dann aber zu Billigprodukten gegriffen. Auch die Jugendforschung muss anhand des Einkaufsverhaltens feststellen, dass sich eine Veranderung in der Wertorientierung vollzieht.12 „ ,Born to shop‘ umschreibt Konsumdrang und Kaufrausch bei vielen Jugendlichen heute als Selbstzweck. Nach einer B.A.T. Studie des Freizeitforschungsinstitutes, Hamburg ist der AnlaB in der Regel Langeweile, wobei selbst der Erwerb schicker Klamotten kein Glucksgefuhl mehr auszulosen vermag. Kaufrausch ist zu einem neuen Suchtproblem geworden."13

Es ist also deutlich zu sehen, dass vor allem Jugendliche keine mundigen Verbraucher sind, sondern haufig nur nach ihrer Gruppenzugehorigkeit oder Trends einkaufen. Sie lassen sich von groBen Modehausern und deren Werbekampagnen beeinflussen. Diese Einflussfaktoren erzeugen den vorliegenden Kaufrausch, der der Umwelt noch mehr Schaden zufugt.

2.1.2 Grune Mode - Wie sieht sie aus?

Wenn wir an „Bio" bei Kleidung denken, assoziieren wir meistens damit einen „Musli- Schlabberlook" mit unattraktiven Schnitten und Formen. Wir denken an blasse Farben und an Jutebeutel-ahnliche Stoffe. Doch woher kommt diese Assoziation?14

2.1.2.1 Drei Phasen der Oko-Bewegung

Die Okobewegung lasst sich in drei Phasen unterteilen, die in den 1970/80er Jahren begonnen hat. Den Anfang machte die „Musli-Look-Phase“, welche sich auf den GroBdiskurs der 70er/80er Jahre mit Studenten-, Umwelt-, Frauen-, AKW- und Friedensbewegung zuruckfuhren lasst. Schon in den 60ern waren Zuge einer solchen Bewegung sichtbar, die sich kritisch mit der Gesellschaft, dem Staat und der Industrie auseinander setzte. Im Zentrum dessen stand die Konsum- und Kulturkritik, die sich gegen GroBtechnologien und Industrialismus wandte. Die Begrunder dieser Bewegung wollten mit ihren moralischen und ethischen Vorstellungen die Welt verbessern und bekehren. Alternative Lebensformen wurden ausprobiert, was sich ebenfalls in der Kleidung widerspiegelte.15

Die zweite Phase folgte gleich im Anschluss in den 1990er Jahren und kann als „Eco- goes-Fashion-Phase" bezeichnet werden. Es fand eine Veranderung in den unterschiedlichen Bevolkerungsschichten statt. Nicht nur Erscheinungsformen anderten sich, sondern auch die Tragergruppen der Grunen Mode. Die vorherrschende sozial-politische Bewegung loste sich langsam auf und verfiel eher in einen Mainstream. Die Veranderung soll keine Gegensatze mehr zwischen Konsum und Okologie darstellen, ganz im Gegenteil sollen beide Komponenten mit einander einhergehen. „Oko“ soll SpaB machen.16

Die letzte Phase, ist die „High-Eco-Fashion-Phase", die seit Anfang des 21. Jahrhunderts zu finden ist. Diese Phase wurde durch die LOHAS-Bewegung ( Lifestyle of Health and Substainability) gepragt. Vertreter dieser Bewegung wurden auch Neon- Okos genannt. Merkmale waren Luxus und Genuss, aber trotzdem wurden Werte wie Solidaritat, soziale Verantwortung, Eigeninitiative und Kreativitat in den Fokus gestellt. Dies ist kein Kontrast zur Phase der 70er/80er, sondern soll gleiche Werte von damals integrieren. Genuss soll nicht ausgeschlossen werden, aber Gesundheit ist genauso wichtig. Ein ahnliches Bild spiegelte sich in der Mode wieder. Gesundheit ist wichtig, aber Mode und Trends sollen dabei nicht auBer Acht gelassen werden.17

2.1.2.2 Grune Mode heute

„ Der Kartoffelsack hat endgultig ausgedient."18 Die heutige Grune Mode ist nicht nur schon, sondern kann auch anziehend, elegant und sexy sein. Viele bekannte Designer arbeiten immer mehr mit Okomode. Nicht nur in der Haute Couture lasst sich „Oko" finden, auch in der Freizeitbekleidung stoBt man immer wieder auf die Grune Mode.19

2.1.2.2.1 Inka Koffke - Die Jil Sander der Grunen Mode

Die schwarzen Abendkleider der Designerin sind so weiblich und luxurios, dass man sie glatt auf dem roten Teppich tragen konnten, dabei sind sie aus Okoseide hergestellt. Ihre Kollektion umfasst nicht nur schicke Abendgarderobe, sondern auch bunte Sommerkleider aus Biobaumwolle. „ ,Kaum einer kann sich vorstellen, dass man solche Optik auch mit okologisch produzierten und gefarbten Stoffen erreichen kann.‘ sagt Koffke, die ihre Kollektion unter dem Namen Organic Couture vermarktet, um bewusst in einer anderen Liga zu spielen als die anderen Streetwear-Labels, die sonst den Markt der Okomode bevolkern. Um deutlich zu signalisieren, dass okologische Mode auch hochmodisch und schick sein kann."20 Koffke ist gelernte Schneiderin, hat einen Designabschluss und ist nebenbei noch uberzeugte Umweltaktivistin. Fur sie ist die Grune Mode keine Marketingmasche, sondern sie entwirft aus Uberzeugung Okomode. Sie experimentiert gerne mit Stoffgemischen, farbt Teile ihrer Herbstkollektion selber mit Pflanzenfarbe und sucht robuste ReiBverschlusse aus recyceltem Plastik. Auch auf dem Stoffmarkt habe sie nicht mehr so viele Probleme, erschwingliche Stoffe in kleinere Mengen zu bekommen, sagt Inka Koffke, denn die Riesen der Branche wurden langsam in den rasant wachsenden Markt einsteigen. Die klassischen Okosiegel verwendet die Designerin aber nicht bei ihren Kollektionen, sondern setzt auf das Etikett „New Ethics", das Unternehmen auszeichnet, die mit nachhaltiger Philosophie arbeiten. Das bedeutet aber nicht, dass ihre Mode nicht sauber und sozialvertraglich hergestellt wird. Ein schickeres Etikett erzeuge aber eine andere Stimmung bei den Kundinnen.21

2.1.2.2.2 Armedangels - wie Moral zu Mode passt

Die Kolner Martin Hofeler und Anton Jurina sind die neuen Shootingstars der Branche, obwohl beide eigentich BWL studiert haben und mit Mode vorher nichts zu tun hatten. Bevor die Jungunternehmer uberhaupt ein einziges Kleidungsstuck auf den Markt gebracht hatten, gewannen sie schon fur ihre Idee den „Social Fashion Grundungspreis" in Hohe von 250 000 Euro. Die BWL-Studenten waren davon uberzeugt, dass eine soziale Moderevolution stattfinden muss, ihnen war aber auch klar, dass die Menschen nicht in den Laden gehen, um die Welt zu retten. Also setzten sie auf coole Aufdrucke und klare Schnitte. Au&erdem uberlegten sie sich ein Markenzeichen, welches ein Engel mit Pfeil und Bogen ist. Ihr Firmenname Armedangels verkauft sich am besten mit dem Logo als Druck auf einem Shirt. Alle Shirts die unter diesem Label verkauft werden, sind fair gehandelt und bestehen aus Biobaumwolle. Die verwendete Biobaumwolle steht fur Umwelt und Gesundheit. Die Shirts sind alle mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet. Das Unternehmerpaar stellt sich neuen Herausforderungen, designt Schnitte und Motive und verbessert die Druckfarben, die auf Wasserbasis hergestellt werden. Werbung bekommt das Label durch Prominente wie Sanger Thomas D. von den Fantastischen Vier oder Schauspieler Jurgen Vogel. Beide sind Fursprecher fur die Firmenphilosophie. Aber auch Versandhauser wie „Otto" oder Firmen wie „Joop" sind auf das Label aufmerksam geworden und wollen Teile in ihr Sortiment aufnehmen. Ein Shirt der Marke Armedangels kostet 30 Euro und liegt somit bei dem dreifachen Preis, den man in Modehausern wie „H&M" oder „C&A" ausgibt. Jedoch kann man diese Shirts mit gutem Gewissen tragen und von jedem verkauften Teil wird ein Euro an ein Hilfsprojekt gespendet.22

2.1.2.2.3 Slowmo - abwechslungsreiche und zeitlose Modehauser

Das Berliner Geschwisterpaar Moss steht eher fur zeitlose Mode und hat sich damit im Bereich der Okomode einen Namen gemacht. Den Geschwistern war klar, dass der Trend der heutigen Wegwerfgesellschaft uberhaupt nicht umweltvertraglich ist und wollte etwas dagegen tun. Deshalb besteht ihre Modelinie nicht nur aus biologisch angebauten Fasern, sondern ist zeitlos und somit lange tragbar. Ihr absolutes Highlight ist ein Kleid, das multifunktional und vielseitig tragbar ist. Je nachdem, wie man in das Kleid schlupft, kann man es oben schnuren oder unten gurrten. So taugt das Kleid nicht nur fur die StraBe, sondern auch mal fur eine Party oder einen Empfang. Dieses Kleidungsstuck kann also die Lust der Abwechslung befriedigen und ist trotzdem lange und in vielen Situationen tragbar. Die Beiden wollen ihre Kollektion in nachster Zeit noch erweitern. Ideen gibt es schon, nur leider noch keine Stoffe, die dem okologischen Standard entsprechen und gleichzeitig wasserfest sind und als Regenmantel taugen. Wir konnen jedoch auf weitere innovative und grune Ideen gespannt sein.23

2.1.3 Der Markt der Grunen Mode

Wenn man sich die Grune Mode betrachtet, muss man sich auch den zugehorigen Markt angucken, um zu wissen, wo man die passenden Teile findet. Der heutige Markt der Okomode hat sich in kurzester Zeit rasant entwickelt. Was bisher nur schwer uber das Internet zu bekommen war, findet man heute in den Shoppingmeilen der Stadte. Viele der groBen Modehauser sind mittlerweile in die Okobranche eingestiegen und haben Teile in ihr Sortiment aufgenommen. Wenn man vor dem Schaufenster einer „C&A" Filiale steht, springen einem die groBen Werbebanner mit der Aufschrift „Bio Cotton" in UbergroBe in die Augen. „Bio Cotton" ist das firmeneigene Label der Modekette. „C&A" unternimmt einen Versuch in die Okomode Eintritt zu finden, schafft dies aber nicht ganz. Denn bei ihrem Label wird zwar Biobaumwolle verarbeitet, aber die Ware wird nicht ohne Chemie hergestellt. Vom Design und den Schnitten unterscheidet sich die Ware nicht im geringsten von der herkommlichen. Wenn man jedoch die Filiale betritt, sollte einem bewusst werden, dass in den anderen Regalen auch Kleidung liegt, die keine weiBe Weste hat. Neben „C&A" haben sich auch andere Modehauser wie „H&M", „Otto", „Levi's", „Adidas" oder „Nike" in die Branche eingefugt, aber „C&A" hat die groBte Entwicklung von billig zu grun gemacht. Jedoch ganz auf grun, d.h. zu Okomode bekannt, hat sich noch keines, der eben genannten Modehauser, da alle immer nur eine geringe Stuckzahl an okologischer Kleidung anbieten.24

Beispielweise „Levi's" verkauft nur einige, wenige Modelle okokorrekter Jeans aus Okobaumwolle, alle anderen werden weiterhin mit konventioneller Baumwolle und den ublichen Chemikalien behandelt, um den gewunschten Look zu erhalten. Ahnlich sieht es bei „Adidas" aus. Die grune Adidaslinie ist nur in speziellen Filialen zu bekommen und ist oftmals auch schnell vergriffen. Im Gegensatz zu „C&A" halt sich das Versandhaus „Otto" mit seiner Werbung fur ihre Biokollektion „Pure Wear" mit der Werbung und Vermarktung in ihrem Kataloge zuruck. Denn wer zu offensichtlich zeigt, wie sauber seine grune Ware ist, riskiert, dass okobewusste Kunden sich daruber Gedanken machen oder nachhaken. Auch der Moderiese „H&M" bleibt eher zuruckhaltend, obwohl er 2007 den Markt mit okologischen Hangekleidchen und Leggins belebte. Im Winter 2008/2009 gab es erstmals moderne Tulpenrocke und Reiterhosen aus Recycling-Wolle und Jacken aus Recycling-Polyester. Dies zeigt, dass „H&M" innovativ ist und ihre Designer mit der Zeit gehen wollen. Aber auch sie bieten nur einen Bruchteil ihrer Mode in der Okoversion an. „H&M" ist noch weit davon entfernt, mit einer Selbstverstandlichkeit ihr gro&es Sortiment in okologischer Variante anzubieten.25

2.1.4 Grune Mode und Stars

Die Rolle der Prominenten spielt eine wichtige Rolle in der Modewelt und Stars sind, vor allem fur junge Verbraucher, ein gro&es Vorbild in Sachen Mode. Das gilt dann ebenso fur die Okomode. Es gibt jedoch in Deutschland kaum Promis, die sich zu ihrem Okolifestyle bekennen. Nicht mal der Umweltminister wirbt mit Okokleidung, sondern glanzt lieber mit innovativen Ideen fur den Klimaschutz. Doch durch die Internetplattform „Utopia" kamen ein paar deutsche Prominente in den Fokus der Offentlichkeit mit ihrem Okolifestyle. Dort probierte TV-Moderatorin Sandra Maischberger Oko-Windeln aus und Tatort-Kommissar Axel Milberg pladierte fur bewusstes Einkaufen. Schauspieler Jurgen Vogel und Musiker der Band „2raumwohnung" oder Thomas D. von den „Fantastischen Vier" tragen fair gehandelte Shirts der Marke „Armedangels". Das Cover des Otto-Katalogs ziert das Super-Model Tatjana Patitz in einem Biobaumwollshirt, da sie bekennende Umweltaktivistin ist. Aber dann hort es mit der deutschen Prominenz und ihrem bekennenden Okobewusstsein auf.26

Einen sehr grower Einflussfaktor war dagegen die grune Welle aus Richtung Amerika, die von Stars wie Leonardo DiCaprio, der einen kritischen Dokumentarfilm „11th Hour" drehte, Brad Pitt mit seinen Okohausern in New Orleans oder Daryl Hannah, die mit Aktionen gegen Olverschmutzungen protestierte. Magazine und Zeitungen wie „Vanity Fair", „Times" oder .Newsweek" brachten grune Ausgaben mit Al Gore, George Clooney oder Julia Roberts auf der Titelseite heraus. Das deutsche Magazine „Ivy" aus dem Burda-Verlag musste leider nach zwei Ausgaben wieder eingestellt werden. Der Verlag musste feststellen, dass die Leser eher Trends folgen, die durch Musiker wie Jack Johnson, der vor Klassen uber Recycling spricht oder der Schauspielerin Alicia Silverstone, die nackt auf einem Cover gegen Pelze warb, beworben worden sind. Die Stars haben der grunen Bewegung ein Gesicht und eine Stimme gegeben. ./Celebrities konnen den Konsumenten Muster vorgeben‘, glaubt auch der Okonom Birger Pridat, ,vorausgesetzt, man nimmt ihnen den nachhaltigen Lebensstil auch wirklich ab‘."27 Die Sorge um den Klimawandel hat viele Promis dazu bewegt, sich zu engagieren und das spatestens seit dem US-Politiker Al Gore und der Weltklimarat IPCC 2007 den Friedensnobelpreis bekamen.28

Doch die grune Welle schwappt nicht nur aus Amerika heruber, sondern auch aus England. GroBbritannien wurde in den vergangenen Jahren immer mehr zur „grunen Insel". Sie sind nicht nur Vorreiter beim Umweltschutz, sondern auch sehr popular in der grunen Modewelt. Mittlerweile hat sogar der konservative Sender „BBC" das weltweit erste Online-Magazin uber „green fashion" in ihrem Programm. Das Motto des Magazins ist „Mode ohne Opfer" und dieser Trend wird ganz ohne Werbung dargestellt. Doch auch diesem Magazin gab eine Beruhmtheit ihr Gesicht, und zwar Ex-Model Twiggy, die eine Mode-Tausch-Party organisierte, damit sich 100 Frauen neu einkleiden konnten ohne Geld dafur auszugeben. Doch der britische Trend hat den Erfolg nicht diesem Magazin zu verdanken, sondern lasst sich eher durch die Tierschutz- und Veganerszene erklaren, die in England eine lange Tradition hat. Die Szene suchte schon lange nach Alternativen, bevor der grune Trend uberhaupt erfunden war. Die prominenteste Vertreterin ist die Designerin Stella McCartney, die vegane Mode ohne Leder und Pelze entwirft. Ihr beruhmter Vater Paul McCartney unterstutzt sie bei diesem Vorhaben und hat sich ebenfalls als Umweltschutzer zu erkennen gegeben. Die grune Insel England bringt noch weitere Promis hervor, die fur Aufsehen in der Okomodewelt sorgen. Die Ehefrau Ali Hewson von Popstar und Afrika- Aktivist Bono grundete ihr eigenes Modelable, welches Mode mit okologischem Bewusstsein vertreibt. Ali Hewson zeigt sich auch gerne selber in ihrer femininen Modelinie von ihrem Label „edun". Die Mode des Labels soll rein wie ein nacktes Kind sein, was sich auch im Namen widerspiegelt. Denn „edun" ist ruckwarts gelesen „nude", was im englischen nackt bedeutet. Es zeigt sich also deutlich, dass die grune Mode in England langst salon-fahig ist und ein absolutes „Must-have" ist.29

Die Hippness ist auch auf den Laufstegen ganz klar zu sehen und damit ebenfalls ein grower Einflussfaktor. Die Londoner Fashion-Week war eine der ersten, die mit ihrer Show „Esthetica" grune Mode prasentierte. London ist eben ganz klar Spitzenreiter, was die grune Mode angeht, aber warum ist dieser Trend in Deutschland noch nicht angekommen? Deutschland ist zwar ganz oben mit dabei, wenn es um Energiesparen oder Mulltrennung geht, aber warum tragt unsere Bundeskanzlerin nicht mal bei der nachsten Opernpremiere oder einem Empfang ein Kleidungsstuck aus dem Sortiment eines Okodesigners? Oder warum tragt kein weiblicher deutscher Filmstar bei der Verleihung des Bundesfilmpreises oder bei den Filmfestspielen in Cannes eine Korsage aus Hanf oder ein Kleid aus Okoseide? Es mussen sich noch mehr deutsche Beruhmtheiten zur Okomode bekennen und die jungen Designer mussen noch mutiger werden. So konnen wir die okologisch gefertigte und fair gehandelte Mode weiter voran bringen und sie zum Trend mutieren lassen. Die dunklen Seiten sollten aber nicht vergessen werden und genauso angesprochen und in das Licht geruckt werden, da es in der Okobranche immer noch schwarze Schafe gibt, die menschenunwurdige Arbeitsbedingungen bieten und viele Produkte mit Chemikalien herstellen und damit die Gesundheit der Verbraucher , ihrer Arbeiter schadigen und die Umwelt verschmutzen. Hierfur sollten sich Promis ebenso einsetzen, wie fur die Werbung fur Okomode, damit sie Vorbild sind und wir so alle gemeinsam unsere Umwelt schutzen konnen.30

2.2 Textile Okolabels

„Nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Dhaka, Bangladesch, sind uber 1.000 Menschen gestorben. Das Ungluck brachte deutschen Verbrauchern zu Bewusstsein, dass Textilarbeiterinnen in Asien haufig in ungesicherten und maroden Gebauden schuften, bis zu 16 Stunden am Tag, und dass sie trotzdem nicht genugend verdienen, um ihre Familie ernahren zu konnen. Nach der jungsten Katastrophe kam vieles ins Rollen: Etliche Modekonzerne reagierten auf den offentlichen Druck mit der Unterzeichnung eines ,Brand- und Gebaudeschutzabkommens fur Bangladesch‘ Unsere Expertin, Dr. Gisela Burckhardt von femnet e. V., bezeichnet das als einen guten Anfang. Doch sichere Gebaude in solchen Landern bedeuten noch immer nicht, dass Arbeiterinnen von ihrer Arbeit auch leben konnen. Was konnen Verbraucher tun, um sicherzustellen, dass die Kleidung, die sie kaufen, nicht unter menschenunwurdigen oder ausbeuterischen Bedingungen hergestellt wurden?"31

„Ist ,Made in Germany‘ also sozialvertraglicher als ,Made in Bangladesch'? Nicht unbedingt. Die ,Made-in‘-Kennzeichnung ist namlich nicht geschutzt. Das Textilkennzeichnungsgesetz schreibt lediglich vor, die verwendeten Fasern aufzufuhren. Nicht selten kaufen Firmen die Baumwolle zum Beispiel in Usbekistan, das fur Kinderarbeit bekannt ist, lassen sie in Bangladesch verarbeiten und in Deutschland mit Etiketten versehen - und schon ist es erlaubt, die Angabe ,Made in Germany‘ zu verwenden."32

„Aber ist teuer gut? Experten sind sich einig: Wer ein T-Shirt fur 3,99 oder eine Jeans fur 15 Euro kauft, kann sich sicher sein, dass solche Ware unter sehr schlechten Bedingungen fur die Arbeiterinnen hergestellt worden ist. Jedoch ist ein hoher Preis keine Garantie dafur, dass das Existenzminimum der Arbeiterinnen gesichert ist. In der eingesturzten Fabrik in Dhaka lie&en nach Recherchen von ARD-Reportern Billigmarken wie Kik oder Primark produzieren, aber auch Produkte von Mango und Benetton wurden in den Trummern gefunden. Wer sicher sein will, ob seine ,Lieblingsmarke‘ fair produziert, muss sich uber die Marke selbst erkundigen."33

Da es ziemlich schwierig ist sich uber jede Marke auf dem Textilmarkt zu informieren, verlassen sich die Verbraucher haufig auf die Okoetiketten an unserer Kleidung. Doch wenn man heutzutage mal durch die Geschafte schlendert, findet man sich im Etikettendschungel kaum noch zurecht. Durch Schlagzeilen, wie z.B. oben genannt oder uber gesundheits- oder umweltschadlicher Stoffe, haben immer mehr Textilhersteller mit einer Flut an Oko-Labels reagiert. Diese Vielzahl an Etiketten stiftet starke Verwirrung bei den Kunden.

Der Eindruck von Natur und einer wei&en Weste der Kleidung wird gewinnbringend mit der Vorsilbe „Oko-" oder „Bio-" verkauft. Die Begriffe sind bis heute jedoch nicht gesetzlich definiert und so kann jeder Hersteller selber entscheiden, wie viel Natur hinter seinem Etikett stecken soll. Die Okokennzeichnungen sind keines Falls mit denen von Lebensmitteln oder Kosmetika zu vergleichen, da diese genau gesetzlich geregelt sind. Die Textilhersteller mussen also nicht deutlich machen, welche

Inhaltsstoffe in ihrer Kleidung verwendet worden sind, dazu zahlt nicht nur die Faser an sich, die im Rohstoffgehalt angezeigt werden muss, es zahlen unter anderem auch Chemikalien. Verbraucher schenken also haufig sehr aufwendig designten, blumigen Okoetiketten glauben, ohne genau zu wissen, was dahinter steht.34

Damit man Etiketten und Label uberhaupt richtig einordnen und bewerten kann, bedarf es erst einmal einer Definition: „Label ist als eine umfassende Bezeichnung fur die unterschiedlichsten Wort- und/oder Bildzeichen zu verstehen, die auf einem Produkt oder seiner Verpackung zu sehen sind. Bekannte Label sind z.B. der Blaue Engel, das ,Bio‘- oder das ,FairTrade‘- Label. Label sollen auf besondere Qualitaten von Produkten und Dienstleistungen, z.B. gesundheitliche, soziale oder okologische Eigenschaften, hinweisen. Damit dienen sie der Abgrenzung gegenuber anderen Produkten und Dienstleistungen mit gleichem Gebrauchszweck, die diese Eigenschaften nicht aufweisen. Label sind heute ein wichtiges Marktinformationsinstrument - doch im Label-Dschungel fallt es manchen Konsumenten schwer, den Uberblick zu behalten."35

Es gibt verschiedene Label, die alle eine andere Funktion haben und uber unterschiedliche Sachen informieren sollen, z.B. unter einer Eigenmarke versteht man „unternehmenseigene Label; d.h. sie befinden sich im Besitz von (Handels-) unternehmen und kennzeichnen mindestens eine bestimmte Produktlinie. Sie werden oft auch als Handelsmarke bezeichnet. Verbraucher begegnen Eigenmarken haufig in Supermarkten und bei Discountern, die traditionell eher Eigenmarken im Sortiment haben. Eigenmarken zeichnen sich dort haufig durch ein besonders gunstiges Preis- Leistungs-Verhaltnis aus. Im Discounter-Bereich werden manche Produkte von etablierten Herstellern geliefert und unter veranderter Verpackung als Eigenmarke verkauft. Teilweise werden Eigenmarken jedoch auch in eigenen Produktionsanlagen hergestellt."36

Des Weiteren gibt es noch Gutezeichen, dies sind „spezielle Label, die nach einem Prufverfahren vom Deutschen Institut fur Kennzeichnung und Gutesicherung e.V. (RAL genannt) anerkannt worden sind. Bei den RAL-Gutezeichen steht die Qualitatssicherung im Vordergrund - etwas altmodisch spricht man auch von der ,Gute‘ eines Produktes. Die Vergabe und Verwaltung der Gutezeichen obliegt den Gutegemeinschaften - meist Zusammenschlusse von Herstellern. Sie vergeben das

Nutzungsrecht fur ihr Gutezeichen fur einen begrenzten Raum an die Gutezeichenbenutzer und uberwachen die Einhaltung der Gutebedingungen. Fallen bei einer Kontrolle VerstoBe dagegen auf, kann das Nutzungsrecht entzogen werden. Als Kontrollorgan uberwacht RAL die Gutegemeinschaften. Der Begriff RAL-Gutezeichen ist wettbewerbsrechtlich geschutzt und findet sowohl bei Produkten wie bei Dienstleistungen Verwendung. Alle RAL-Gutezeichen mussen den ,Grundsatzen fur Gutezeichen‘ entsprechen. Diese orientieren sich vor allem an gesetzlichen Grundlagen, teilweise gehen sie daruber hinaus. Derzeit existieren uber 160 Gutezeichen, die viele tausende Produkte und Dienstleister kennzeichnen. Hinter bekannten Labeln wie ,Deutsches Weinsiegel‘ oder ,Urlaub auf dem Bauernhof‘ verbirgt sich ein RAL-Gutesiegel. Ubrigens: Der Name RAL ist historisch begrundet. 1925 grundeten Spitzenverbande der deutschen Wirtschaft mit staatlicher Unterstutzung den ,Reichsausschuss fur Lieferbedingungen‘ - kurz RAL. "37

In den Warenhausern sind auch Prufzeichen zu finden, „als Prufzeichen werden die Label bezeichnet, die von wissenschaftlich-technischen Instituten vergeben werden. Es wird hierbei gepruft, ob das Produkt die sicherheitstechnischen Anforderungen erfullt und gebrauchstauglich ist. Etwa, wie stark sich ein Haarfon erhitzt. Bei den Prufungen kann es sich sowohl um aufwendige Laboruntersuchungen wie auch um stichprobenhafte Kontrollen der Produkte handeln. Bekannte Prufzeichen sind z.B. TUV, VDE oder GS. Okolable- Definition."38

Man unterscheidet bei den Etiketten ebenfalls noch nach Regionalzeichen, welche auch Herkunftszeichen genannt werden, ihre Funktion besteht im „[W]erben fur Produkte, die in einer bestimmten Region hergestellt wurden. Dabei kann es sich um Lander, Stadte, Bundeslander oder Landstriche handeln. Regionalzeichen spielen bisher vor allem in der Lebensmittelkennzeichnung eine Rolle. "39

Unter den Labels an unserer Kleidung findet man auch Test-Label, diese „werden von Institutionen wie der STIFTUNG WARENTEST oder OKO TEST vergeben. Sie weisen Verbraucher auf Testergebnisse zu einer bestimmten Produktreihe (z.B. Digitalkamera,

Handcreme) oder Dienstleistung (z.B. Stromanbieter) hin. Oft ist bei einem Test-Label das Qualitatsurteil in Form einer Note ( ,sehr gut‘ bis ,mangelhaft‘) ausgedruckt. Manchmal wird auch der Aufdruck ,Testsieger‘ hinzugefugt. Dies bedeutet, dass ein Produkt oder ein Dienstleistungsangebot innerhalb einer Testreihe mit der Bestnote abgeschnitten hat. Wahrend Hersteller aus Marketinggrunden nur positive Testergebnisse auf ihre Waren drucken, konnen Verbraucher die Testergebnisse aller getesteten Produkt in der Regel beim Testinstitut erfahren (teilweise in Zeitschriften wie ,test‘, ,Finanztest‘, ,OKO-TEST‘).”40

Das wohl wichtigste Label fur die Bekleidungsokologie ist das Umweltzeichen. „Umweltzeichen, auch Oko-Label genannt, sind produktbezogene Kennzeichnen, die sich auf die Umwelteigenschaften eines Produktes beziehen. Sie finden sich auf Produkten, die umweltschonend hergestellt wurden, deren Inhaltsstoffe sich durch geringe Schadstoffbelastungen auszeichnen oder die besonders umweltfreundlich entsorgt werden konnen. Umweltzeichen finden Sie z.B. auf Bio-Lebensmitteln, Naturkosmetik oder Recycling-Papier. Dabei gibt es sowohl Umweltzeichen, die sich nur auf Einzelaspekte konzentrieren (z.B. chlorfrei gebleicht, FCKW-frei) als auch solche, die sich auf den gesamten Lebenszyklus eines Produktes beziehen. Sie zielen darauf ab, Angebot und Nachfrage umweltfreundlicher Produkte zu fordern. Zu den bekanntesten Umweltzeichen zahlen die verschiedenen Siegel fur okologische Lebensmittel und das weltweit alteste Umweltzeichen, der Blaue Engel.”41

2.2.1 Was prufen textile Okolabels?

Gepruft und fur gut befunden! Doch was hei&t das eigentlich? Deutschland ist Vorreiter beim Umweltschutz und bei Biolebensmitteln in Europa, wenn nicht sogar in der Welt! Fur Brot, Gemuse aus okologischem Anbau oder Fleisch von Tieren aus artgerechter Haltung wurden Standards entwickelt und werden standig kontrolliert. Die Kunden schenken den sechseckigen EU-Biosiegeln ihr Vertrauen.42

Doch wie kann man den Textilen Okolabels Vertrauen schenken, wenn es keine einheitlichen und gesetzlich geregelten Zeichen gibt? Bevor es zu einem Vergleich der Labels kommt, wird erst durchleuchtet, was uberhaupt gepruft werden kann.

2.2.1.1 Moderne Sklavenarbeit

Das Elend beginnt schon auf dem Acker. 450 000 Kinder mussen jahrlich auf Usbekistans Feldern arbeiten und Baumwolle ernten. Diese Arbeit wird von den Kindern keines Falls freiwillig verrichtet, sondern sie werden von dem autoritaren Regime ihres Staates gezwungen. Sogar die Schulen werden fur dieses Zweck geschlossen. Die Kinderarbeit fangt meist im Alter von sieben Jahren an, wenn die Kleinen das erste Mal fur bis zu drei Monate als Erntehelfer missbraucht werden. Je nach Alter wird von einem Kind pro Tag zehn bis funfzig Kilo Baumwolle geerntet. Die Bezahlung fur die harte Arbeit ist in keinster Weise gerechtfertigt: etwa drei Cent werden pro Kilogramm bezahlt, andere bekommen gar nichts fur ihre Arbeit. Wenn die angestrebten Zahlen nicht von den Kindern erreicht werden, werden sie bestraft oder es werden ihnen mit Schulverweisen gedroht. Die jungen Erntehelfer mussen haufig auch schon vor Beginn des neuen Schuljahres auf den Feldern mithelfen, um z.B. die Baumwolle mit Pestiziden zu behandeln oder um Unkraut zu jaten.43

„ Anfang 2008 berichtete die britische Environmental Justice Foundation (EJF) uber die staatlich verordnete Kinderarbeit. Usbekistan ist der zweitgroBte Exporteur von Baumwolle weltweit; der Verkauf des Rohstoffes sorgt fur etwa 20 Prozent der Deviseneinnahmen des Landes. Prasident Karimov behauptet, die Kinder wurden aus Patriotismus ackern. Bisher weigert er sich, die Kinderrechtskonvention der ILO, der Internationalen Arbeitsorganisation der UN, zu unterschreiben. Europa ist einer der groBten Abnehmer usbekischer Baumwolle."44

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kinderarbeit weltweit45

Usbekistan ist nicht das einzige Land, das schamlos Kinder zur kostengunstigen Arbeit einsetzt. Auch andere groBe Anbaulander bedienen sich an Kinderarbeit. Die Aktivisten der EJF versuchen uber die Zustande aufzuklaren und fordern soziale Standards vom Acker bis zum Kleiderschrank. Das Drama um die billig und schlecht behandelten Arbeitskrafte hort nicht auf dem Acker auf. Uberall in der Textilindustrie, wo viel Handarbeit benotigt wird, setzen die Textilproduzenten Kinder oder andere BiMigarbeiter ein. Laut Berichten des „Stem“ Anfang und Mitte 2007, wurden durch die Firmen „Heine“ und „Esprit“ tausende Blusen und Tops mit Perlen bestickt verkauft, die von Kindern unter erbarmlichen Bedingungen hergestellt worden sind. Die Kinder schildern in diesem Bericht sehr ausfuhrlich, wie sie von ihren Eltern verkauft worden sind, in Zuge geschleppt worden und in „Hinterhofklitschen“ in die indische Metropole Neu-Delhi verfrachtet worden sind. Dort haben sie taglich Hunderte von kleinen Perlen und Pailletten auf Kleidungsstucke per Hand nahen mussen. Und dabei ist in Indien seit 1986 Kinderarbeit fur Kinder unter 14 Jahren verboten. In den Textilfirmen ist jedoch nicht nur die verbotene Kinderarbeit zu finden, sondern auch die Rechte der Beschaftigten werden verletzt. Lange Arbeitstage, keine Pausen, Niedriglohne oder soziale Missstande sind an vielen Stellen zu finden. Praktisch rechtlose ArbeiterInnen werden in den meisten Textilfabriken angetroffen und die Zustande in denen dort gearbeitet und oft auch gelebt wird, sind menschenverachtend. Die ArbeiterInnen haben haufig eine sieben Tage Woche und mussen Uberstunden machen, wenn sie ihre Arbeit nicht in der vorgegebenen Zeit schaffen. Diese harten Arbeitstage mussen in den meisten Fallen sogar ohne Pausen uberstanden werden. Wenn Interviewer oder Kontrolleure kommen, durfen die ArbeiterInnen nichts uber die Verhaltnisse sagen und mussen sagen, dass sie den Mindestlohn erhalten, was oftmals eine Luge ist. Wenn sie nicht gehorchen und die Wahrheit sagen, drohen ihnen Lohnkurzungen, Entlassung oder weitere Uberstunden.46 Der Mindestlohn ist ein gro&es Thema, bei denen die Moderiesen immer wieder in Erklarungsnot geraten. Denn ihre ArbeiterInnen bekommen haufig nicht einmal den Mindestlohn, obwohl sie das Geld brauchen, da sie schon in Armut leben. Da sie aber auf den minimalen Lohn angewiesen sind, um ihre Familien zu ernahren, arbeiten sie unter solchen schrecklichen Bedingungen. Was ein Arbeiter an, z.B. einer Jeans, verdient, hat die Kampagne „Saubere Kleidung" im folgenden Schaubild sehr deutlich und gut dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten47

Nehmen wir an, die Jeans kostet 49,90 Euro, also gehen wir von ungefahr 50 Euro aus. Lediglich 1% des Preises der Jeans geht an alle Arbeiterinnen und Arbeiter, die an der Entstehung beteiligt waren. Das bedeutet, dass alle, die an der Jeans beteiligt waren, nur zusammen 50 Cent erhalten. 13% der Summe gehen fur die Materialkosten drauf. Stoff, Farbe, Nieten, Knopfe. Bei einem Preis von 50 Euro sind das dann 6, 50 Euro. Jetzt kommen noch die ganzen Reisekosten hinzu. 11 % vom Preis jeder Jeans machen die Transportkosten aus, das waren 5,50 Euro. Das Modedesign, die Werbung und Forschung kosten 25% des Preises. 25% entsprechen dabei 12,50 Euro. Es bleibt also noch die Halfte des Preises. Diese 50 % von jeder Jeans verdient das Geschaft bzw. der Hersteller. Davon muss zwar auch die Ladenmiete und der Lohn fur das Personal bezahlt werden. Aber es bleibt trotzdem ein grower Gewinn. Der Hersteller verdient also an jeder verkauften Jeans ca. 25 Euro. Die Verteilung ist dabei nicht gerecht und man sieht deutlich, wie wenig doch die Arbeiterinnen und Arbeiter fur ihren Verdienst an einer Jeans erhalten.48

2.2.1.2 Gifte auf dem Acker

Bei Baumwolle ist von Natur kaum noch eine Spur uber. Man denkt gerade bei Baumwolle an Natur, doch wie gefahrlich die Bearbeitung der Acker mit Pestiziden ist, lassen die meisten Verbraucher dabei auBer Acht. Die Weltgesundheitsorganisation geht von ca. 20 000 Menschen aus, die jahrlich an Vergiftung durch Pestizide wie z.B. Endosulfan sterben. Diese Spritzmittel sind wahre Killer, schon einige wenige Tropfen genugen, um einen Erwachsenen zu toten. Eigentlich nicht verwunderlich, da gerade Insektenbekampfungsmittel fur das Abtoten von lebenden Organismen wie Kafer Raupen oder Wurmer entwickelt worden ist. Durch das Gift soll das Nervensystem lahm gelegt werden und die Fortpflanzung unterbunden werden. Pestizide beinhalten zwar alle Ackergifte, also auch Spritzmittel gegen unerwunschte Krauter und Pilze, aber in den armeren Baumwollanbaugebieten spielen die Insektenbekampfungsmittel eine viel tragendere Rolle. Die Baumwollfaser wird in der Halfte unserer gesamten Kleidung verwendet und spielt somit eine sehr wichtige Rolle in der Bekleidungsindustrie. Die Kafer und Wurmer, vor allem der Baumwollkapselwurm, werden von der Baumwolle quasi angezogen. Den Insekten und unseren vollen Kleiderschranken verdanken wir deshalb die Massen von Chemie auf unseren Feldern. Fast ein Viertel aller Insektizide werden jahrlich auf den Ackern der Welt alleine auf Baumwollfelder gespruht und das, obwohl nicht einmal drei Prozent der Weltanbauflachen Baumwollanbaugebiet ist. Schatzungen nach, soll auf jedem Hektar Baumwolle ein Kilogramm Spritzmittel verspruht werden. Das bedeutet, dass die Menge Baumwolle, aus der ein T-shirt gemacht wird, rund 150 Gramm von diesen Pestiziden beinhaltet. Hinzu kommt noch Mineraldunger, der den Boden auslaugt und gleichzeitig mit zu viel Nitrat anreichert. Im GroBen und Ganzen bedeutet das, dass

[...]


1 Vgl. Anne-Marie Grundmeier; Dirk Hofer: Gesundheit und Bekleidung. In: Unterricht Biologie: Gesundheit & Kleidung, 2010, S. 2

2 Vgl. egd. S. 2

3 Vgl. Eva Schmidt; Bernhard Rosenkranz: Kleidung: Okologie& Gesundheit:Eine Betrachtung der textilen Kette von der Produktion bis zur Entsorgung. Berlin,1995. S. 5

4 Vgl. egd. S. 5

5 Vgl. Eva Schmidt; Bernhard Rosenkranz: Kleidung: Okologie& Gesundheit:Eine Betrachtung der textilen Kette von der Produktion bis zur Entsorgung. Berlin,1995. S. 5 f.

6 Brockhaus Enzyklopadie, 13. Band, Wiesbaden, 1971. S. 700

7 Brockhaus Enzyklopadie, 10. Band, Wiesbaden, 1971. S. 230

8 https://www.oeko-tex.com/de/manufacturers/textile ecology/textile ecology start.html, Stand:30.08.2013

9 Vgl. Eva Schmidt; Bernhard Rosenkranz: Kleidung: Okologie& Gesundheit:Eine Betrachtung der textilen Kette von der Produktion bis zur Entsorgung. Berlin,1995. S. 8

10 Vgl. egd. S. 8

11 Vgl. Eva Schmidt; Bernhard Rosenkranz: Kleidung: Okologie& Gesundheit:Eine Betrachtung der textilen Kette von der Produktion bis zur Entsorgung. Berlin,1995. S. 11 f.

12 Vgl. egd. S. 12

13 Egd. S. 12

14 Vgl. Kirsten Diekamp; Werner Koch: Eco Fashion: Top-Labels entdecken die Grune Mode. Munchen, 2010. S.10

15 Vgl. egd. S. 10

16 Vgl. egd. S. 11

17 Vgl. Kirsten Diekamp; Werner Koch: Eco Fashion: Top-Labels entdecken die Grune Mode. Munchen, 2010. S.12

18 Vgl. egd. S.12

19 Kirsten Brodde: Saubere Sachen: Wie man grune Mode findet und sich vor Etikettenschwindel schutzt.Munchen, 2009. S. 109

20 Egd. S. 122

21 Kirsten Brodde: Saubere Sachen: Wie man grune Mode findet und sich vor Etikettenschwindel schutzt.Munchen, 2009. S.122 ff.

22 Vgl. egd. S. 125 f.

23 Vgl. Kirsten Brodde: Saubere Sachen: Wie man grune Mode findet und sich vor Etikettenschwindel schutzt.Munchen, 2009. S. 126 f.

24 Vgl. egd. S. 128 f.

25 Vgl. Kirsten Brodde: Saubere Sachen: Wie man grune Mode findet und sich vor Etikettenschwindel schutzt.Munchen, 2009. S. 129 ff.

26 Vgl. egd. S.33 f.

27 Kirsten Brodde: Saubere Sachen: Wie man grune Mode findet und sich vor Etikettenschwindel schutzt.Munchen, 2009. S. 35

28 Vgl. egd. S. 34 f.

29 Vgl. Kirsten Brodde: Saubere Sachen: Wie man grune Mode findet und sich vor Etikettenschwindel schutzt.Munchen, 2009. S. 36 f.

30 Vgl. egd. S. 38 ff.

31 http://www.wdr.de/tv/servicezeit/sendungsbeitraege/2013/kw24/0612/01 faire kleidung.jsp Stand: 18.09.2013

32 Egd.

33

34 Vgl. Eva Schmidt; Bernhard Rosenkranz: Kleidung: Okologie& Gesundheit:Eine Betrachtung der textilen Kette von der Produktion bis zur Entsorgung. Berlin,1995. S.68

35 http://www.label-online.de/ueber-label-onlinede/artikel32 , Stand: 30.08.2013

36 http://www.label-online.de/ueber-label-onlinede/was-sind-label/eigenmarken/eigenmarken2 , Stand: 19.09.2013

37 http://www.label-online.de/ueber-label-onlinede/was-sind-label/guetezeichen/guetezeichen2 , Stand: 19.09.2013

38 http://www.label-online.de/ueber-label-onlinede/was-sind-label/pruefzeichen/pruefzeichen2 , Stand: 19.09.2013

39 http://www.label-online.de/ueber-label-onlinede/was-sind- label/regionalzeichen/regionalzeichen2 , Stand: 19.09.2013

40 http://www.label-online.de/ueber-label-onlinede/was-sind-label/test-label/test-label2 , Stand: 19.09.2013

41 http://www.label-online.de/ueber-label-onlinede/was-sind- label/umweltzeichen/umweltzeichen2 , Stand 30.08.2013

42 Vgl. Kirsten Brodde: Saubere Sachen: Wie man grune Mode findet und sich vor Etikettenschwindel schutzt.Munchen, 2009. S.143

43 Vgl. Kirsten Brodde: Saubere Sachen: Wie man grune Mode findet und sich vor Etikettenschwindel schutzt.Munchen, 2009. S. 45 f.

44 Eva Schmidt; Bernhard Rosenkranz: Kleidung: Okologie& Gesundheit:Eine Betrachtung der textilen Kette von der Produktion bis zur Entsorgung. Berlin,1995. S.46

45

http://www.younicef.de/fileadmin/Medien/PDF/Kinderarbeit weltweit 08 in Info.jpg, Stand: 04.10.2013

46 Vgl. Eva Schmidt; Bernhard Rosenkranz: Kleidung: Okologie& Gesundheit:Eine Betrachtung der textilen Kette von der Produktion bis zur Entsorgung. Berlin,1995 S.46 ff.

47 http://www.kindermissionswerk.de/magazin/2008-02/Subsites/was-kostet.html , Stand 05.10.2013

48 Vgl. http://www.kindermissionswerk.de/magazin/2008-02/Subsites/was-kostet.html , Stand 05.10.2013

Ende der Leseprobe aus 101 Seiten

Details

Titel
Textil- und Bekleidungsökologie und deren Sachanalyse
Untertitel
Entwicklung von Lernsituationen für die Schulform HReGe im Rahmen eines Lernfeldkonzeptes: Kleidung und Gesundheit
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,3
Jahr
2013
Seiten
101
Katalognummer
V429664
ISBN (eBook)
9783668809536
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Textilunterricht, Bekleidungsökologie, Green clothes
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Textil- und Bekleidungsökologie und deren Sachanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429664

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