Die UN-Kinderrechtskonvention (kurz: KRK) wurde am 20.11.1989 einstimmig auf der 44. Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet. Bisher haben 193 Staaten die Konvention ratifiziert. Der KRK ging eine lange Kinderrechtsbewegung voraus. Über die Jahre kam es immer wieder zu kontroversen Diskussionen über die Kinderrechte. Doch auch, wenn heute niemand mehr bestreitet, dass Kindern Rechte zustehen, sind die Diskussionen nicht weniger geworden. Ein Beispiel hierfür ist die strittige Diskussion darüber, die Kinderrechte in das Grundgesetz aufzunehmen.
Doch was bedeuten den Kindern ihre Rechte? Bei der Beantwortung dieser Frage ist zu beachten, dass Kindern das Denken in Kategorien von kodifizierten Rechten fremd ist, so Liebel 2013. „Sie stehen sogar allem, was mit Recht und Gesetzen zu tun hat, meist skeptisch gegenüber oder zeigen wenig Interesse daran.“ (Liebel, 2013). Aufgabe von Schule ist es daher, Kindern den Umgang mit Gesetzen und Rechten vertraut zu machen sowie die Kinderrechte bekannt zu machen.
In der Arbeit sollen die Kinderrechte und deren Umsetzung in der Schule betrachtet werden. Dazu werden die UN-Kinderrechtskonvention sowie die 10 wichtigsten Kinderrechte kurz vorgestellt. Anschließend werden der Kinder- und Jugendreport 2010 und der Nationale Aktionsplan „Für ein kindgerechtes Deutschland 2005 -2010“ (kurz: NAP) hinsichtlich des Themas Kinderrechte und Schule eingeführt. Mit Hilfe einer kritischen Betrachtung soll, dann geklärt werden, ob Kinderrechte mehr als nur Unterrichtsinhalt in Schule in Unterricht sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die UN-Kinderrechtskonvention
3. Zur Umsetzung der Kinderrechte in der Schule
3.1 Der Kinder- und Jugendreport 2010
3.2 Der Nationale Aktionsplan „Für ein kindgerechtes Deutschland“
3.3 Eine kritische Betrachtung – Die Umsetzung der Kinderrechte in Schule
4. Abschließende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern Kinderrechte über den bloßen Status als Unterrichtsinhalt hinaus in der schulischen Praxis in Deutschland verankert sind und gelebt werden. Dabei wird analysiert, wo Diskrepanzen zwischen völkerrechtlichen Anforderungen und der Lebensrealität von Schülerinnen und Schülern bestehen.
- Historische Entwicklung der Kinderrechtsbewegung
- Struktur und Kernartikel der UN-Kinderrechtskonvention
- Analyse des Kinder- und Jugendreports 2010
- Evaluierung des Nationalen Aktionsplans (NAP)
- Kritische Reflexion der Partizipations- und Versorgungsrechte an Schulen
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Kinder- und Jugendreport 2010
Der Kinder- und Jugendreport 2010 dient der Berichterstattung über die Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland vor dem UN – Ausschuss über die Rechte des Kindes. Der Report wurde bisher einmalig 2010 durchgeführt und veröffentlicht. Der Report setzt sich aus drei verschiedenen Bausteinen zusammen, um ein möglichst umfassendes Gesamtbild zu erzielen (siehe Abbildung 2).
Der Kinder- und Jugendreport verfolgt 4 unterschiedliche Ziele, welche kurz zusammengefasst vorgestellt werden (vgl. S. 8):
• Ziel 1: Durch die Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen als Experten und Expertinnen für ihre Lebenswelt, wird erst der Subjektstatus erfüllt.
• Ziel 2: Der Kinder- und Jugendreport dient als Instrument für Beteiligungsrechte und soll ein gesellschaftliches sowie jugendpolitisches Signal für politische Partizipation darstellen.
• Ziel 3: Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Ergebnissen unter der Berücksichtigung des Kindeswillens, soll die gesellschaftliche Diskussion befördern.
• Ziel 4: Die Kinderrechte sollen durch den Report eine Beförderung auf lokaler Ebene sowie auf Landes- und Bundesebene erreichen.
Die Projekte und die Erhebung der Fragebögen erfolgten über eine Dauer von acht Monaten. Dazu entwickelten insgesamt 27 junge Menschen im Alter zwischen 11 und 18 Jahren in zwei Arbeitstreffen eigene Forschungsprojekte und diskutierten die Ergebnisse. Zur Erhebung der Daten wurden über 3500 Fragebögen ausgefüllt und ausgewertet. Ein Teil dieser Ergebnisse soll im Folgenden vorgestellt werden, wobei der Fokus auf die Ergebnisse im Bereich Schule gerichtet gelegt wird, die anderen Bereiche Wohnort, Familie und Freizeit sollen nicht näher betrachtet werden.
Die Befragung wurde breitflächig durchgeführt, um ein möglichst objektives Bild zu erlangen. 42% der befragten Kinder und Jugendlichen waren männlichen Geschlechts und 58% weiblich (vgl. S.10) somit sind beide Geschlechter hinreichend vertreten. Die Ergebnisse des Fragebogens repräsentieren verschiedene Altersgruppen, die kleinste Gruppe stellen die 19-Jährigen mit 1% dar, gefolgt von den 5 – 9 Jährigen, mit 9%. Die Gruppe der 10 – 13 Jährigen umfasst 46 % und die Gruppe der 14 – 18 jährigen umfasst 44%:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung der Kinderrechte ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Umsetzung von Kinderrechten im schulischen Alltag kritisch zu hinterfragen.
2. Die UN-Kinderrechtskonvention: Dieses Kapitel erläutert den völkerrechtlichen Rahmen und die Systematik der 54 Artikel der UN-Kinderrechtskonvention anhand des Modells des „Gebäudes der Kinderrechte“.
3. Zur Umsetzung der Kinderrechte in der Schule: Das Kapitel befasst sich mit der empirischen Erhebung durch den Kinder- und Jugendreport sowie den staatlichen Vorgaben durch den Nationalen Aktionsplan, ergänzt durch eine kritische Analyse der bestehenden Defizite.
4. Abschließende Betrachtung: Hier werden die Ergebnisse zusammengeführt und die Schlussfolgerung gezogen, dass Schule über die reine Wissensvermittlung hinaus als Ort der gelebten Demokratie und Partizipation gestaltet werden muss.
Schlüsselwörter
Kinderrechte, UN-Kinderrechtskonvention, Schule, Mitbestimmung, Partizipation, Versorgungsrechte, Kinder- und Jugendreport, Bildungsrecht, Kindeswohl, Chancengerechtigkeit, Nationale Aktionsplan, Schulentwicklung, Partizipationsrechte, Schutzrechte, Schulalltag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob und wie Kinderrechte im schulischen Kontext in Deutschland umgesetzt werden und ob sie lediglich als theoretischer Unterrichtsinhalt existieren oder aktiv gelebt werden.
Welche thematischen Schwerpunkte werden in der Arbeit gesetzt?
Die Schwerpunkte liegen auf der UN-Kinderrechtskonvention, der Auswertung des Kinder- und Jugendreports 2010, dem Nationalen Aktionsplan für ein kindgerechtes Deutschland sowie einer kritischen Analyse der schulischen Partizipations- und Versorgungsrechte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob Kinderrechte in deutschen Schulen mehr als nur ein theoretischer Unterrichtsinhalt sind und wo aktuell Handlungsbedarf für eine bessere Integration in den Schulalltag besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung empirischer Daten, insbesondere des Kinder- und Jugendreports 2010, um die pädagogischen und bildungspolitischen Defizite in der Umsetzung der Kinderrechte aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Struktur der UN-Kinderrechtskonvention, die Ergebnisse des Kinder- und Jugendreports bezüglich der Wahrnehmung von Schülerinnen und Schülern sowie die Zielsetzungen und Maßnahmen des Nationalen Aktionsplans für Bildung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Wesentliche Begriffe sind Kinderrechte, Mitbestimmung, Chancengerechtigkeit, Partizipation, Kindeswohl und Schulrealität.
Welche Rolle spielt die Mitbestimmung laut dem Kinder- und Jugendreport 2010?
Der Report zeigt, dass ein erheblicher Teil der befragten Jugendlichen (49%) ihr Recht auf Mitbestimmung in der Schule als verletzt ansieht, was auf einen Mangel an demokratischen Strukturen in der Schule hinweist.
Warum wird die Rolle der Lehrkräfte in der Arbeit thematisiert?
Die Arbeit weist darauf hin, dass 24% der befragten Kinder angeben, dass Kinderrechtsverletzungen durch mangelnde Wertschätzung und Ungleichbehandlung seitens der Lehrkräfte geprägt sind.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur schulischen Partizipation?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Schule ein Ort sein sollte, an dem sich Kinder demokratisch ausprobieren können, doch derzeit oft an einem Mangel an demokratischen Organisationsstrukturen leidet.
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- Sandra Koplin (Author), 2018, Kinderrechte in Schule und Unterricht. Kinderrechte mehr als nur Unterrichtsinhalt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430200