Wie konnte der Protestbewegung "PEGIDA" die Mobilisierung gelingen?

Anhand des Framing-Ansatzes


Hausarbeit, 2018
18 Seiten, Note: 1,3
Fenja Cheisy (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziale Bewegung nach F. Nullmeier und J. Raschke

3. Die Protestbewegung ״PEGIDA“

4. Mobilisierung durch Framing
4.1. Framing und Collective Action Frames nach R. Benford und D. Snow
4.1.1 Core Framing Tasks
4.2. Anwendung der Theorie an ״PEGIDA“

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Dass es nach wie vor auch in Deutschland noch rechte soziale Bewegungen gibt, ist in dem Sinne ״nichts neues“, so richtig weg waren sie nie - dennoch waren sie selten so laut, groß und erfolgreich wie die der ״Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA), Der gewaltige Erfolg der PEGIDA-Bewegung in Deutschland ließ so manche deutsche Bürger mit den Köpfen schütteln, andere waren entsetzt und wieder andere fanden die patriotische Bewegung gerechtfertigt und notwendig. Als leitende Frage dieser wissenschaftlichen Arbeit möchte ich deswegen untersuchen, wie es dazu kam, dass die PEGIDA so viel Anklang in Zeiten der Krise fand und so viele Anhänger mit sich gezogen hat.

Elm meiner Fragestellung nachzugehen, möchte ich zuerst den Begriff der sozialen Bewegung nach F. Nullmeier und J. Raschke erklären. Darauf folgt eine kurze Vorstellung der Protestbewegung PEGIDA, in der ich auf die Gründung und ihren Namen eingehe. Es folgt dann der theoretische Teil dieser Hausarbeit, in dem ich zuerst den konstruktivistischen Framing-Ansatz nach R. D. Benford und D. A. Snow vorstelle mit der allgemeinen Definition des Begriffs ״framing“ und den untergestellten ״Core Framing Tasks“. Fortlaufend wird ein definierender Blick auf die ineinandergreifenden Prozesse des Diagnostic-, Prognostic-, und Contested-Processes geworfen. Um meine Forschungsfrage zu beantworten, möchte ich dann die Theorie versuchen auf die PEGIDA anzuwenden. Abschließend folgt mein Fazit zu der ich eine Stellungnahme zur Beantwortung meiner Forschungsfrage nehmen möchte.

2. Soziale Bewegung nach Frank Nullmeier und Joachim Raschke

Angefangen mit einer kurzen Begriffserklärung zur sozialen Bewegung selbst. Es gibt viele verschiedene Defmitionsansätze der sozialen Bewegung, ich beziehe mich in meiner Arbeit auf die Definition nach Frank Nullmeier und Joachim Raschke. Soziale Bewegung wird unter genanntem folgend definiert: ״Soziale Bewegung ist ein mobilisierender kollektiver Akteur, der mit einer gewissen Kontinuität auf der Grundlage hoher symbolischer Integration und geringer Rollenspezifikation mittels variabler Organisations- und Aktionsfonnen das Ziel verfolgt, grundlegenderen sozialen Wandel herbeizuführen, zu verhindern oder rückgängig zu machen. (Nullmeier/Raschke, 1989: 251)

Diese Definition wird weiter ausgeführt und es wird erklärt, dass um die soziale Bewegung aufrecht zu erhalten, bedarf es an einer Mobilisierung von Unterstützungen, die als Existenzbedingung angesehen wird. Nullmeier deutet hier: ״Die aktive permanente Suche nach Unterstützung, das In-Bewegung-Bleiben, ist deshalb ein Merkmal sozialer Bewegung.“ (ebd.: 251) Des weiteren wird eine gewisse Kontinuität vorausgesetzt, welche die soziale Bewegung von einer ״Phase“ abheben soll, (ebd.: 252) Außerdem bestärkt die soziale Bewegung ein hoher Gemeinschaftswert und eine positive Zusammengehörigkeit unter den Mitgliedern selbst, (ebd.: 251) Ein wichtiges Merkmal der sozialen Bewegung ist die geringe Rollenspezifikation, die sich nach Nullmeier erst durch das Wachstum der Bewegung selbst verstärkt sichtbar macht, das heißt, dass eine formelle Mitgliedschaft nicht notwendig ist, um an einer sozialen Bewegung teilnehmen zu können, (ebd.: 251) Zur Zielsetzung einer sozialen Bewegung definiert Nullmeier, das Ziel ״soll angestrebte strukturelle Veränderungen von Staat und/oder Gesellschaft als für soziale Bewegung charakteristisch herausheben.“ (ebd.: 252) Wichtig ist hierbei, dass das Ziel nicht das ganze System hinterfragt bzw. eine komplette Veränderung das Ziel ist, sondern nur bestimmte Faktoren, die durch die soziale Bewegung spezifiziert werden, (ebd.: 252) Mitglieder einer sozialen Bewegung werden weiter definiert als kollektiv handelnde Akteure des sozialen Wandeins und es folgt dazu: ״Zielorientierung und Aktivität kennzeichnen diese kollektiven Handlungszusammenhänge ebenso wie Heterogenität, Offenheit und eine bedingte Kontingenz. Organisation definiert nicht die Bewegung, sondern die soziale Bewegung ist immer mehr als die Organisationen, die sie umfaßt.“ (ebd.: 252)

3. Die Protestbewegung PEGIDA

Wer oder was steckt hinter der sozialen Bewegung PEGIDA, die mehr oder weniger aus dem Nichts auftauchte und so viele Menschen für sich gewann? In diesem Kapitel möchte ich kurz auf die Gründung der PEGIDA eingehen, und wofür sie steht.

Hinter der selbsternannten Abkürzung für PEGIDA steht der Name ״Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. (Vorländer, 2016: 1) Für alle Außenstehenden trat die Gruppe als islam- und asylkritisch, als ausländer- und fremdenfeindliche Bewegung in die Öffentlichkeit auf, sie selbst sahen sich aber nicht so und bestritten diese Ansicht. Den größten Erfolg hatte die PEGIDA in Dresden, hier haben sie die meisten Anhänger bewegt. Es folgten auch andere Städte in Deutschland mit PEGIDA Bewegungen, jedoch ohne diesen großen Erfolg, (ebd.: 1) Man konnte länger nicht genau sagen, wer als Organisator dieser Gruppe fungierte, da sie sich den Medien gegenüber sehr zurückhaltend zeigten, (ebd.: 2) Später erklärte sich Lutz

Bachmann als Initiator. Gegründet hat sich die Gruppe 2014 in Facebook, hier wurde von Gründern auch das erste mal ein Auftreten geplant. Von dort gelang es der Gruppe, im Verlaufe ihrer Strategie, tausende von Anhängern zu gewinnen.(ebd.: 5) Zu den bekanntesten Demonstrationen gehören die von der PEGIDA an jedem Montag durchgeführten Montagsdemonstrationen, (ebd.: 1)

4. Mobilisierung durch Framing

Um der Argumentation meiner Forschungsfrage nachzugehen, möchte ich in meiner Arbeit den konstruktivistischen Framing-Ansatz nach Robert D. Benford und David A. Snow anwenden. Im folgenden Kapitel werde ich zum einen den Framing-Ansatz erläutern, auf die der Wissenschaftler erarbeiteten Core Framing Tasks eingehen und im 2. Teil dieses Kapitels, versuchen ihn auf meine Forschungsfrage, nämlich wie es der PEGIDA gelang so viele Anhänger zu erreichen, anzuwenden.

Der Framing Prozess besitzt eine sehr große Historie an Untersuchungen bezüglich der sozialen Bewegung und wie diese abläuft bzw. organisatorisch funktioniert. So wird der theoretische Ansatz der ״collective action frames“ (dazu später) mittlerweile als eine zentrale Forschung zum Verstehen des Charakters und Verlaufes einer sozialen Bewegung angewendet. (Benford/Snow, 2000: 612)

4.1. Framing-Ansatz nach Robert D. Benford & David A. Snow

Bis in die späten 1980er Jahre wurde in den Forschungen zum Thema soziale Bewegungen oft der Faktor der meaning work: ״the struggle over the production of mobilizing and countermobilizing ideas and meanings“, (ebd.: 613) nicht beachtet. Benford sagt zu der meaning work in sozialen Bewegungen: ״Movements function as carriers and transmitters of mobilizing beliefs and ideas, to be sure; but they are also actively engaged in the production of meaning for participants, antagonists, and observers. Tilis productive work may involve the shaping and structuring of existing meanings.“ (Benford/Snow, 1988: 198)

Der Begriff framing bedeutet nach Benford, dass die meaning work durch aktive Вewegungs-Akteure geschieht, welche ihren wichtigen Events eine Bedeutung Zuteilen, ihnen eine Interpretation liefern, die dazu dienen soll, mögliche neue Anhänger zu mobilisieren, neue Unterstützung durch Zuschauer zu erlangen und Gegenbewegungen zu unterwerfen. Diese bedeutende Arbeit der sozialen Bewegung fällt unter das zugeschriebene Verb ״framing“, (ebd.: 198) Framing stellt einen aktiven Prozess dar, aktiv im Sinne davon, dass ständig etwas gemacht wird und der Prozess ist erkennbar dadurch, dass die Bewegung sich mit der Zeit immer weiter rasant entwickelt und sich somit auch die meaning work entwickelt. Die meaning work einer sozialen Bewegung entwickelt sich weitestgehend, dass je größer die Bewegung wird, desto mehr organisatorische Fähigkeit benötigt sie durch ihre Akteure. Laut Benford ist der gesamte Prozess jedoch auch strittig in dem Sinne, dass es die Erzeugung von interpretativen frames beinhaltet, die sich nicht nur von existierenden unterscheiden, sondern sie auch herausfordern können. Die resultierenden Produkte dieser framing activity nennt man ״collective action frames“. (Benford, 2000: 614) Zu den Eigenschaften der collective action frames sagt Benford: ״Thus, collective action frames are action-oriented sets of beliefs and meanings that inspire and legitimate the activities and campaigns of a social movement organization (SMO)“ (ebd.: 614)

Collective action frames werden nach zwei charakteristischen Eigenschaften eingeteilt: zum einen betrachtet man die aktiv-handelnde Funktion der sozialen Bewegung, die sogenannten ״core framing tasks“ und die zweite Eigenschaft bezieht sich auf die interaktiven, diskursiven Prozesse, welche sich den Kemaufgaben widmen und somit collective action frames erzeugen.

4.1.1 Core Framing Tasks

Benford et. al. stellen dem Begriff framing drei core framing tasks unter, welche die spezifischen Hauptaufgabenbereiche des framings wiedergeben sollen. Beginnend mit der ersten Aufgabe des (1) Diagnostic Framing- die Diagnose eines Events oder Aspektes des sozialen Lebens, welches als problematisch anerkannt wird und eine Änderung benötigt; die zweite (2) Prognostic Framing- als ein Vorschlag zur Lösung des genannten Problems, welcher beinhaltet, was gemacht werden muss um dies zu beseitigen und drittens (3) Motivational Framing- der Aufruf zum Handeln bzw. eine Handlungsbewegung wird durchgeführt, mit Begründung des Bedarfs von Verbesserungs- oder Korrekturmaßnahmen. (Benford, 1988: 199) Sie gehen davon aus, dass der Erfolg der Mobilisierung der Teilnehmer von sozialen Bewegungen davon abhängt, sowohl in der Bewegung selbst als auch zwischen Bewegungen allgemein, inwieweit diese drei genannten core framing tasks wahrgenommen werden, (ebd.: 199) Zum diagnostic framing sagen Benford & Snow definierend: ״Diagnostic framing involves identification of a problem and the attribution of blame or causality.“ (ebd.: 200) Sie behaupten, dass es oft einen hohen Zustimmigkeitsgrad zwischen den Mitgliedern bei der Feststellung des zu lösenden Problems gibt, jedoch liegt die

Schwierigkeit darin, das Problem jemanden/etwas bestimmten zuzuschreiben bzw. klar auszuformulieren wer/was genau an dem Problem ״Schuld hat“, (ebd.: 200) Meistens gibt es mehr als einen Faktor, welche an dem festgestellten Problem schuld sind und somit führt dies in den verschiedenen Teilen einer Bewegung und ihren Mitgliedern dazu, dass sich die Mitglieder auf einen Faktor einigen, der über den anderen hervorsteht. Benford & Snow bezeichnen diesen Faktor als: ״(...)the most salient or primary one“ (ebd.: 200) In ihren Forschungen zeigte sich, dass der Fokus in den verschiedenen Teilen einer sozialen Bewegung sich jeweils auf einen Hauptfaktor fokussieren und somit mehrere dieser Hauptfaktoren bei der Feststellung des Problemes Zusammenkommen, (ebd.: 200) Zu der Ansammlung der Faktoren sagen Benford &

Snow abschließend: ״In sum, a variety of general and specific factors have been offered by disarmament advocates as the single most important cause of the threat, and each factor has implications for the prognostic aspect of consensus mobilization.“ (ebd. : 200)

Bei dem prognostic framing, welche die zweite der core framing tasks darstellt, geht es nicht nur darum, eine Lösung für das im diagnostic framing festgestellte Problem vorzuschlagen, sondern es geht darum, bestimmte Strategien und Taktiken für ausgewählte Ziele aufzustellen und zu erarbeiten. In diesem Aufgabenbereich geht es also darum, was gemacht werden muss, damit die soziale Bewegung erfolg hat. (ebd.: 201) Benford et. al. sagen außerdem, dass vorgeschlagene Lösungen zur Bewältigung des Problems nicht unbedingt aus einem bestimmten Segment der Bewegung kommen, es besteht dennoch meistens eine direkte Übereinstimmung zwischen den diagnostic und prognostic framing-efforts einer Bewegung, (ebd.: 201) Die Schlussfolgerung zu dem prognostic framing ist, dass die Mobilisierung der Bewegung nicht nur vielseitig ist, sie zeigt auch, dass es verschiedene Dimensionen gibt, die sie im prognostic framing durchläuft und dass diese vielen Dimensionen aufbauend miteinander verbunden sind. Durch diese ständige Verbindung kommt es dazu, dass sich jede aufeinanderfolgende Dimension, durch die vorhergehenden Dimensionen einschränkt, (ebd.: 201 f.) Eine weitere Aussage hierzu von Benford lautet: ״(...) the identification of specific problems and causes tends to constrain the range of possible ״reasonable“ solutions and strategies advocated.“

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Wie konnte der Protestbewegung "PEGIDA" die Mobilisierung gelingen?
Untertitel
Anhand des Framing-Ansatzes
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V432251
ISBN (eBook)
9783668746572
ISBN (Buch)
9783668746589
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
PEGIDA, Framing, Mobilisierung, Protestbewegung, Alternative für Deutschland, AFD, Soziale Bewegung, Nullmeier, Raschke, Collective Action Frames, Benford, Snow
Arbeit zitieren
Fenja Cheisy (Autor), 2018, Wie konnte der Protestbewegung "PEGIDA" die Mobilisierung gelingen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432251

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