Der Geschichtsunterricht im Dritten Reich. Analyse dreier Schulbücher


Hausarbeit, 2004

18 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Geschichtsbuch ab 1933
2.1 Inhalt und Ideologie
2.2 Die Quellen
2.3 Fazit

3. Das Geschichtsbuch ab 1938
3.1 Inhalt und Ideologie
3.2 Die Quellen
3.3 Fazit

4. Das Geschichtsbuch ab 1941
4.1 Inhalt und Ideologie
4.2 Die Quellen
4.3 Fazit

5. Schlussbetrachtung

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1.Einleitung:

>>Wer die Jugend hat, hat die Zukunft.<<[1]

Dies war der Leitspruch der Nationalsozialisten, nach dem sie ihre Pädagogik ausrichteten. Die Zukunft der Jugend selbst spielte hierbei jedoch weniger eine Rolle. Vielmehr beabsichtigte man die Zukunft des Nationalsozialismus durch die Instrumentalisierung des Nachwuchses zu sichern.[2]

Die Erziehung der Jugend wurde im ’Dritten Reich’ auf verschiedene Pfeiler gestützt. Neben HJ/BDM und der Familie war die Schule die dritte wichtige Erziehungsinstanz. Einige Fächer, wie Biologie, Deutsch und vor allem den Geschichtsunterricht hielt man für besonders geeignet, um nationalsozialistisches Gedankengut weiterzugeben.

In der folgenden Arbeit soll die Frage geklärt werden, welche Rolle der Geschichtsunterricht tatsächlich bei der Instrumentalisierung der Jugend gespielt hat. Wurde er zu Propaganda- und Indoktrinationszwecken genutzt? Anhand von drei Schulbüchern, die zwischen 1933 und 1941 erschienen sind, soll das gezeichnete Geschichtsbild rekonstruiert werden. Die Bücher können Unterschiede aufweisen, welche die Weiterentwicklung der Instrumentalisierung des Unterrichts darlegen. Daran schließt sich die Frage an, ob die Veränderungen der Schulbücher auch zwangsläufig eine Veränderung für den Schulalltag bedeuteten, oder ob andere Instanzen möglicherweise ein wirksameres Instrument zur politischen Indoktrination darstellten.

Die Geschichtsdidaktik im ’Dritten Reich’ ist gut erforscht. Es sind zahlreiche Schulbücher verschiedenster Schulformen und Jahre erhalten. Zunächst wird in Punkt 2 der Geschichtsunterricht ab 1933 an den Höheren Schulen untersucht. Dass sich schon zum Ende der Weimarer Republik spezifisch nationalsozialistische Einflüsse nachweisen lassen, ist unwahrscheinlich. Dennoch kann das Lehrbuch als Quelle für die Ansatzpunkte dienen, auf welche die Nationalsozialisten ihre Pädagogik aufbauten.

Danach wird in Punkt 3 ein Schulbuch aus dem Jahr 1938 untersucht, das in der Volksschule eingesetzt wurde. Wie sieht das Geschichtsbild aus, das fünf Jahre nach der Machtergreifung in den Lehrbüchern abgebildet wird?

Darauf folgt in Punkt 4 die Analyse eines Schulbuches von 1941, das wiederum in den Höheren Schulen zum Einsatz kam. Der Nationalsozialismus stand zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt seiner zweifelhaften Machtentfaltung. Ein maßgebliches Ziel war es, diese Macht auch in Zukunft zu erhalten. Das Schulbuch von 1941 kann möglicherweise einen Anhaltspunkt dazu liefern, inwiefern man das Fortbestehen des Nationalsozialismus durch Geschichtsunterricht zu sichern versuchte.

Alle Bücher werden im Unterpunkt 1 in Bezug auf ihre Inhalte und die möglicherweise abgebildeten Ideologien hin untersucht. Außerdem soll im Unterpunkt 2 jeweils die Rolle der Quellen im Schulbuch analysiert werden. Abschließend stellt im Unterpunkt 3 ein kurzes Fazit die Qualität des jeweiligen Buches und seinen möglichen Einfluss auf den Geschichtsunterricht dar. Neben zeitlichen Unterschieden sollen auch mögliche Unterschiede zwischen der Höheren Schule und der Volksschule aufgezeigt werden. Abschließend wird zusammengefasst, ob der Geschichtsunterricht tatsächlich einen Anteil an der Instrumentalisierung der Jugend haben konnte und ob die Herstellung neuer Bücher den Unterricht zwangsläufig beeinflussen musste.

Aus Platzgründen werden lediglich die aufgeführten Fragestellungen bearbeitet. Weiterführend wäre es interessant zu untersuchen, welche weiterführenden Veränderungen im Schulsystem vorgenommen wurden, um die Schule für nationalsozialistische Zwecke zu nutzen. Außerdem könnte man das Zusammenwirken von Schule und HJ/BDM analysieren, um so dem Alltag der Jugend etwas näher zu kommen.

1. Das Geschichtsbuch ab 1933:

Das erste zu untersuchende Lehrbuch ist 1933 erschienen, also im Jahr der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten.[3] Der vorliegende Band ist für den Unterricht in der Oberstufe der Höheren Schulen gedacht. Da dieses Buch zeitgleich mit dem Amtsantritt Adolf Hitlers in den Schulen eingeführt wurde, kann hier noch nicht von einer Verfärbung durch nationalsozialistisches Gedankengut ausgegangen werden. Zu Beginn der Machtübernahme setzten die Nationalsozialisten zunächst auf Maßnahmen, die sich in kürzerer Zeit durchführen ließen. Durch die Einführung von nationalen Feiern und Rundfunkübertragungen in den Schulen sollten die Kinder für den Nationalsozialismus gewonnen werden.[4] Man griff noch nicht direkt in den Unterricht ein, sondern schuf vorab ein Umfeld, auf dem man die NS-Propaganda aufbauen konnte. Außerdem sollten kommunistische Betätigungen von Lehrern und Schülern unterdrückt und bestraft werden.[5] In kurzer Zeit wurden viele Lehrer entlassen, weil sie anderen Parteinen angehörten, mit Juden verheiratet oder selbst jüdischer Abstammung waren.[6] Die übrigen Lehrer wurden dazu aufgefordert, ihre Schüler genauestens zu überwachen und den Hitlergruß zu Beginn jeder Unterrichtsstunde einzuführen.[7] Eine der ersten Maßnahmen war auch die „Säuberung“[8] der Schulbibliotheken von unerwünschten Büchern. Erst nachdem diese Schritte eingeleitet wurden, kamen nach und nach die neuen Schulbücher.[9]

Dennoch kann das vorliegende Schulbuch einen Hinweis darauf geben, auf welchem Gedankengut die Nationalsozialisten ihre Propaganda aufbauten. Einen ersten Eindruck vermitteln durch eine größere Schreibweise graphisch hervorgehobene Merkbegriffe. Solche Merkbegriffe sind beispielsweise „Das stehende Heer“[10], „Ermattungsstrategie“[11], „innere Kolonisation“[12] und verschiedene Städte- und Personennamen. Durch die graphische Hervorhebung wird den Schülern verdeutlicht, dass diese Begriffe von zentraler Bedeutung sind und besonders eingeprägt werden sollen. Die hervorgehobenen Begriffe weisen größtenteils einen national-konservativen und kriegerischen Charakter auf, der noch aus der Weimarer Republik übernommen worden ist.

2.1 Inhalt und Ideologie:

Inhaltlich befasst sich das Buch mit der Zeit vom Westfälischen Frieden bis zum Wiener

Kongress. Die Verfasser geben im Vorwort die Aufgabe des Buches an:

„Dem Schüler eine Vorstellung von der mannigfaltigen Ausstrahlung geschichtlicher Kräfte auf den verschiedenen Gebieten, in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, dem gesamten Geistesleben, in Literatur und bildender Kunst zu geben, ihm zu zeigen, wie bei aller scheinbaren Verschiedenheit doch ein einheitliches Band alles einzelne zusammenhält erstrebt das ganze Buch.“[13]

Alles wird geschichtlich gesehen und diesem Gesichtspunkt untergeordnet. Die darstellenden Texte sind zumeist in begeisternder und spannender Art geschrieben:

„Deutschland ist zersplittert und ohnmächtig; in den Einzelstaaten liegt seine Zukunft. Die kaiserlichen Staaten gewinnen eine neue große Aufgabe im Osten und beginnen, sich eine selbständige Großmachtstellung zu erringen. Sachsen, Bayern, Brandenburg-Preußen und bald auch Hannover kommen empor und scheinen auf dem Wege zur Großmacht zu sein. Wer wird die anderen überflügeln? Der Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland kündigt sich bereits an.“[14]

[...]


[1] Flessau, K.-I., Schule der Diktatur, Lehrpläne und Schulbücher des Nationalsozialismus, München 1977, S. 9.

[2] Ebd., S. 9.

[3] Gerstenberg, K./Krüger, E., Die Zeit von 1648 – 1815 (Geschichtswerk für höhere Schulen, Bd. 8), München und Berlin 1933. Das Buch ist ein Band aus einer neunteiligen Schulbuchreihe und stellt ein „ausführliches Lehr- und Arbeitsbuch für die Einzelklassen“ dar.

[4] Andrich, M./Martin, G., Schule im 3. Reich, Die Musterschule, Ein Frankfurter Gymnasium 1933-39, Frankfurt 1983, S. 30.

[5] Ebd., S. 34.

[6] Ebd., S. 35.

[7] Ebd., S. 36.

[8] Ebd., S. 44.

[9] Ebd., S. 45.

[10] Gerstenberg, S. 5.

[11] Ebd., S. 6.

[12] Ebd., S. 92.

[13] Ebd., Vorwort.

[14] Ebd., S. 3.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Geschichtsunterricht im Dritten Reich. Analyse dreier Schulbücher
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,0
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V43237
ISBN (eBook)
9783638410816
ISBN (Buch)
9783668148208
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichtsunterricht, Dritten, Reich
Arbeit zitieren
Anonym, 2004, Der Geschichtsunterricht im Dritten Reich. Analyse dreier Schulbücher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43237

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