Eine kurze Zusammenfassung der Hilfen zur Erziehung


Zusammenfassung, 2017
6 Seiten, Note: 2

Leseprobe

1. Die ambulante Erziehungshilfe in Form der SPFH

1.1 Rechtliche Grundlage

§ 31 SGB VIII:

Sozialpädagogische Familienhilfe soll durch intensive Betreuung und Begleitung Familien in ihren Erziehungsaufgaben, bei der Bewältigung von Alltagsproblemen, der Lösung von Konflikten und Krisen sowie im Kontakt mit Ämtern und Institutionen unterstützen und Hilfe zur Selbsthilfe geben. Sie ist in der Regel auf längere Dauer angelegt und erfordert die Mitarbeit der Familie.

1.2 Adressaten/innen

- richtet sich an das gesamte Familiensystem
- Die Lebenslagen der Adressaten/innen sind oft durch finanzielle Schwierigkeiten, Überforderung der Eltern, Erkrankung der Eltern, fehlende Unterstützung durch ihr Umfeld sowie Verhaltensauffälligkeiten der Kinder charakterisiert.

à Merkmale der Adressaten/innen

Schmidt beschreibt, dass die Adressaten/innen bzw. Familien, die eine SPFH in Anspruch nehmen in folgenden Merkmalen übereinstimmen:

- Großfamilien, wobei die Mutter bei der Geburt des ersten Kindes häufig sehr jung war
- Alleinerziehende (v.a. Mütter)
- Armut (beziehen von Sozialleistungen)
- fehlender Schul- und/oder Berufsausbildung
- psychische und/oder Suchterkrankung

1.3 Ziele

- Förderung und Sicherung der Erziehungsfähigkeit der Eltern
- Hilfe zur Selbsthilfe
- Stärkung/Aktivierung von Ressourcen
- Sicherung des Kindeswohls innerhalb der Familie
- Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben
- Erarbeitung von Konfliktlösungspotential
- Aufbau eines sozialen Netzwerkes, Außenkontakte

1.4 Phasen eines SPFH-Einsatzes

1.4.1 Eingangsphase

- Fachkraft muss Vertrauen zu den Adressaten/innen bzw. zur Familie aufbauen

à Grundvoraussetzung für einen gelingenden Hilfeprozess

- Zu Beginn der HzE lässt sich vermuten, dass der Wunsch nach Unterstützung von Seiten der Familie relativ groß ist, da sie zu diesem Zeitpunkt die Hilfe zur Erziehung beantragt haben (wenn die HzE auf freiwilliger Basis in Anspruch genommen wird)

àDie Erstkontakte zwischen Fachkraft und der Familie beinhalten diesbezüglich teilweise eine Krisenintervention. Dies kann dazu führen, dass der Vertrauensaufbau und die Beziehung zwischen der Fachkraft und der Familie durch das hohe Konfliktpotential negativ beeinflusst werden. Die Fachkraft ist in der Eingangsphase besonders gefordert, individuell je nach Situation zu handeln. In der Eingangsphase kann ein Abbruch der Hilfe zur Erziehung erfolgen.

1.4.2 Hauptphase

- Bearbeitung von sozioökonomischen sowie innerpsychischen Faktoren
- Anwendung unterschiedlicher Methoden
- Ziel des SPFH-Einsatzes: Hilfe zur Selbsthilfe Um zu verhindern, dass die Familie nach Beendigung der Erziehungshilfe auf alte Verhaltensweisen zurückgreift, ist die Übertragung der erlernten Methoden in den Alltag unabdingbar.
- Überlegungen, inwieweit eine Reduzierung bzw. teilweise auch eine Erhöhung der Kontakte zwischen der Fachkraft und der Familie sinnvoll erscheint

1.4.3 Schlussphase

- zunehmend durch die Hilfe zur Selbsthilfe charakterisiert
- Abnahme der Betreuungsstunden
- Ziel: Kompetenzerweiterung der Familie und selbstständiges Handeln
- Vorbereitung auf die Beendigung der HzE durch eine geringe wöchentliche Betreuung.

2. Diagnostische Instrumentarien

2.1 Professionelles Nähe-Distanz-Verhältnis

- Die Familie vertraut der Fachkraft im Idealfall ihre Problemlagen und ihre Ängste an. Von Seiten der Familie kann sich der Wunsch entwickeln, die Fachkraft in das Familiensystem aufzunehmen.
- Nimmt die Fachkraft eine Rolle innerhalb des Familiensystems ein, entwickelt sich eine sehr große Nähe zu der Familie.
- Die Fachkraft ist nicht mehr in der Lage, professionell zu handeln und hat dadurch
keinen Außenblick mehr auf die Familie àerkennt ggf. die notwendigen Veränderungsprozesse nicht
- Begegnet die Fachkraft der Familie hingegen mit einer großen Distanz kann es dazu führen, dass die Familie zur Fachkraft kein Vertrauen aufbauen kann, da sie sich mehr Nähe wünschen würde.

Es ist daher bedeutend, dass die Fachkraft situationsspezifisch professionelle Distanz und Nähe zur Familie eingeht.

2.2 Der Familienlageplan und das Soziogramm

- Der Familienlageplan ermöglicht das bildliche Darstellen von Beziehungsmustern innerhalb der Familie und deren Außenkontakte.
- Nach der Erstellung des Familienlageplans können mithilfe des Soziogramms die emotionale Verbundenheit und die Beziehungen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern abgebildet werden.
- Die Fachkraft sollte das Soziogramm mit der Familie bzw. und/oder in der Supervision in einem regelmäßigen Abstand erneut darstellen. Dadurch kann aufgezeigt werden, ob sich Prozesse im Bereich der Kommunikation und der Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern entwickelt haben und ob sich Veränderungen ergeben haben.

3. Das umfeldorientiere Modell- das Soziotop

- Das Soziotop stellt die Lebens- und Umweltbedingungen der Familien in der aktuellen Situation dar
- orientiert sich an den Ressourcen des Gemeinwesens
- Der Familienlageplan kann ergänzend zum Soziotop verwendet werden
- Fragestellung der Soziotopanalyse:

Welche Ressourcen können innerhalb der Familie und im Gemeinwesen aktiviert werden?

3.1 Aufbau des Soziotops

- vier ineinander liegende Kreise
- äußerster Kreis: regionale Faktoren

(z.B. Wohngebiet der Familie, soziales Netzwerk, Zugang zu gesellschaftlichen Institutionen etc.).

- zweiter Kreis: sozioökonomisches System

(z.B. Wohnsituation, d.h. die Größe der Wohnung, Grünflächen um die Wohnung, Schul- und Ausbildungssituation der Kinder und deren Eltern, gesundheitliche Situation etc.)

- dritter Kreis Familiendynamik

(z.B. Beziehungen der einzelnen Familienmitgliedern untereinander, d.h. die Partner-Beziehung, die Eltern-Kind-Beziehung, die Familien-Beziehung sowie die Geschwister-Beziehung).

- innenliegender Kreis: Kind-System

(z.B. vorhanden Fähigkeiten, Einhaltung und Anwendung von Normen sowie Motivation des Kindes).

3.2 Der Nutzen des umfeldorientieren Modells

- Ziel: die Familie bzw. einzelne Familienmitglieder langfristig in Angebote des Gemeinwesens zu integrieren
- Teilweise benötigen einzelne Familienmitglieder eine Unterstützung und Begleitung der Fachkraft, um sich beispielsweise zu überwinden und an einem Gruppenangebot des Gemeinwesens teilzunehmen.
- Im Idealfall wird das Soziotop mit allen Familienmitgliedern erarbeitet. Dementsprechend können die einzelnen Soziotops miteinander verglichen werden und es wird deutlich, welche Außenkontakte die einzelnen Familienmitglieder haben. Eine positive Voraussetzung der Integration der Kinder in ein Angebot einer Institution stellen gemeinsame Interessen der Familienmitglieder und übereinstimmende positive Kontakte zu Institutionen.

4. Quellen:

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Sozialpädagogische Familienhilfe in der Bundesrepublik Deutschland: Abgrenzung der SPFH zu den anderen ambulanten Hilfen zur Erziehung, verfügbar unter:

http://www.bmfsfj.de/doku/Publikationen/spfh/2-Sozialpaedagogische-familienhilfe-im-system-der-hilfen-zur-erziehung/2-5-abgrenzung-der-spfh-zu-den-anderen-ambulanten-hilfen-zur-erziehung.html, 29.06.2016.

Destatis, Statistisches Bundesamt, Kinder- und Jugendhilfe, Hilfe zur Erziehung,

Ambulante erzieherische Hilfen-nach Jahren, verfügbar unter: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Soziales/Sozialleistungen/KinderJugendhilfe/Tabellen/AmbulanteHilfen.html, 13.06.2016.

Zentrum Bayern, Familie und Soziales, Bayrisches Landesjugendamt, Fachliche Empfehlungen für Fachkräfte der Sozial­pädagogischen Familienhilfe (SPFH) gemäß § 31 SGB VIII, verfügbar unter: http://www.blja.bayern.de/service/bibliothek/fachliche-empfehlungen/spfh.php, 24.05.2016.

Literaturverzeichnis

- Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend: Kinder- und Jugendhilfe. Achtes Sozialgesetzbuch 2014.
- Krone, Sirikit/Langer, Andreas/Mill, Ulrich/Stöbe-Blossey,Sybille: Jugendhilfe und Verwaltungsreform. Zur Entwicklung der Rahmenbedingungen sozialer Dienstleistungen, Wiesbaden 2009.
- Rothe, Marga: Sozialpädagogische Familien- und Erziehungshilfe. Eine Handlungsanleitung, 7. Auflage, Heidelberg 2013.
- Schmidt, Martin: Sozialpädagogische Diagnose. Die SPFH und andere ambulante Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, Altenberge 2007.
- Wolf, Klaus: Sozialpädagogische Interventionen in Familien, Weinheim/Basel 2012.

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Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Eine kurze Zusammenfassung der Hilfen zur Erziehung
Hochschule
Fachhochschule Sozialpädagogik
Note
2
Autor
Jahr
2017
Seiten
6
Katalognummer
V433443
ISBN (eBook)
9783668755680
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
SPFH, Soziotop, Soziogramm, Nähe Distanz Verhältnis, Nähe Distanz, Soziale Arbeit, SGB, SGB VIII, §31 SGB VIII
Arbeit zitieren
Marimilian Kerber (Autor), 2017, Eine kurze Zusammenfassung der Hilfen zur Erziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433443

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