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"Ich komme von der Sprache her." - Das Neue Theater der Elfriede Jelinek und seine Konfrontation mit dem herrschenden Code

Title: "Ich komme von der Sprache her." - Das Neue Theater der Elfriede Jelinek und seine Konfrontation mit dem herrschenden Code

Seminar Paper , 2005 , 21 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Henriette Kunz (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit wird versuchen, Reibungspunkte zwischen dem Neuen Theater Elfriede Jelineks und dem traditionellen herrschenden Code, deren Nichtbeachtung einige wichtige Initiativen ihrer theatralischen Texte vereinnahmend schluckt, anhand des Beispiels "Krankheit oder Moderne Frauen" [Jelinek, Elfriede: Krankheit oder Moderne Frauen. In: dies.: Theaterstücke. Herausgegeben von Regine Friedrich. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2004, S. 192-265] aufzuzeigen. Dazu werden in den ersten beiden Kapiteln des Hauptteils vorerst beide Theaterentwürfe einander theoretisch gegenübergestellt.
Daran anschließend finden ausgewählte Elemente der neuen Dramatik bezüglich des erwähnten Stückes exemplarische Darstellung, was schließlich in die ebenso exemplarische Illustration der Schwierigkeiten bei der szenischen Umsetzung dieses speziellen Textes nach herkömmlichen Methoden mündet. Ein wiederum allgemeingültig gehaltenes Kapitel behandelt schlussendlich mögliche Lösungen der angesprochenen Problematik.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der gegenwärtige Theatercode

3. Das Neue Theater der Elfriede Jelinek

4. Das Beispiel KRANKHEIT ODER MODERNE FRAUEN

4.1. Die Elemente des Neuen Theaters im Stück

4.2. Die Reibungspunkte mit dem herrschenden Code

5. Mögliche Lösungen

6. Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Spannungsfelder zwischen den radikalen theaterästhetischen Entwürfen Elfriede Jelineks und den konventionellen Strukturen des herrschenden Theaterbetriebs. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Jelineks Texte die traditionelle Einheit von Schauspielkörper, Sprache und Bild aufbrechen und welche Herausforderungen dies für eine szenische Umsetzung mit sich bringt.

  • Kritische Analyse des traditionellen, illusionistischen Theatercodes.
  • Untersuchung der metatheatralischen Konzepte und der Sprachästhetik Jelineks.
  • Exemplarische Anwendung der Untersuchungsergebnisse auf das Stück „Krankheit oder Moderne Frauen“.
  • Reflektion über die Unmöglichkeit der Rollenidentifikation und der Entpersonalisierung in Jelineks Figurenkonzeption.
  • Diskussion über alternative Inszenierungsmöglichkeiten und den Einsatz moderner Medientechnologien.

Auszug aus dem Buch

3. Das Neue Theater der Elfriede Jelinek

In ihrem metatheatralischen Text „Ich möchte seicht sein“, der 1990 vollständig erschien, bringt Elfriede Jelinek ihre Abneigung gegen die bestehenden Strukturen des gegenwärtigen Theaters und insbesondere gegen den Schauspieler als zentrales Element der theatralischen Produktion deutlich zum Ausdruck.

Ihre Position beschreibt den lebendigen, dreidimensionalen Schauspielkörper und dessen Ausdruck als „unnötig“ und „ohne Sinn“. Dessen Charakteristikum, sich fremde Personen im Sprechen und Spielen anzueignen und ihnen damit Leben einzuhauchen, ist für die Autorin die Darstellung einer „falschen Einheit“, die es zu unterlaufen gilt, indem „Unbelebtes erzeug[t]“ beziehungsweise „dem Theater das Leben“ ausgetrieben wird.

Die Autorin stellt ihre Stücke dadurch dem psychologischen Theater entgegen, da sie sich dem Leben, „der Einheit von körperlicher Gebärde, Bild und Wort“ verweigern, denn dem Zuschauer soll, indem er auf der Bühne nicht sieht, „was er hört“, die Möglichkeit des autonomen Assoziierens vorbehalten werden.

Damit führt Elfriede Jelinek die Tradition von Brechts epischem Theater weiter, die sie aber an einem wichtigen Punkt zuspitzt: Statt einheitlich fremdes Leben auf der Bühne zu verkörpern, soll der Schauspieler „sagen, was sonst kein Mensch sagt, denn es ist ja nicht Leben“. Wo Brecht die verfremdenden Desybolisierungsleistungen – gerichtet gegen jede Art der Einfühlung auf dem Theater – vorrangig erst in der körperlichen Darstellungsebene realisierte, leistet Jelinek diese schon auf literarischer Stufe.

Jelineks Gestalten werden dadurch entpersonalisiert und von jeder körperlichen, individuellen menschlichen Regung entbunden, etablieren sich so als reine, „überdimensionale Sprachmaschinen“, die nur während des Sprechens selbst explizit existieren und sonst völlig verschwunden sind.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die schwierige Rezeption von Jelineks Stücken und umreißt das Spannungsfeld zwischen ihrer destruktiven Ästhetik und dem existierenden Theaterapparat.

2. Der gegenwärtige Theatercode: Dieses Kapitel analysiert das illusionistische Theater, welches auf einer symbolischen Einheit von Schauspielkörper, Sprache und Bedeutung beruht.

3. Das Neue Theater der Elfriede Jelinek: Der Abschnitt arbeitet Jelineks radikale Absage an das psychologische Theater und ihre Konzeption der Figur als reine „Sprachmaschine“ heraus.

4. Das Beispiel KRANKHEIT ODER MODERNE FRAUEN: Das Kapitel wendet die theoretischen Erkenntnisse auf das konkrete Stück an und untersucht die filmisch anmutende Montagetechnik sowie die Konfliktlinien zwischen Text und Regie.

5. Mögliche Lösungen: Es werden alternative Umsetzungsformen wie der Einsatz technischer Medien diskutiert, um die „organische Ganzheit“ des Schauspielers zu umgehen.

6. Zusammenfassung: Das Fazit resümiert die Unvereinbarkeit zwischen Jelineks Theaterkonzept und traditionellen Erwartungen und betont die Notwendigkeit avantgardistischer Freiräume.

Schlüsselwörter

Elfriede Jelinek, Theatercode, Postdramatik, Schauspielkörper, Sprachmaschine, Krankheit oder Moderne Frauen, Illusionistisches Theater, Desymbolisierung, Theaterapparat, Metatheatralik, Entpersonalisierung, Regieanweisung, Moderne Medien, Dramaturgie, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Elfriede Jelinek mit ihrer spezifischen Theaterästhetik gegen die Konventionen des klassischen, auf Psychologie und Identifikation basierenden Theaters anschreibt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Im Zentrum stehen die Kritik am herrschenden „Theatercode“, die Rolle des Schauspielers als Signifikant sowie die Analyse von Jelineks Sprachästhetik und ihrer theatralischen Montagetechnik.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Ziel ist es, die systematische Destruktion traditioneller theatraler Einheiten durch Jelinek theoretisch zu fundieren und an einem konkreten Beispiel die Reibungspunkte mit dem Produktionsapparat aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer literatur- und theaterwissenschaftlichen Analyse von Primärtexten der Autorin sowie einer Auswertung der einschlägigen Sekundärliteratur und zeitgenössischen Theaterkritik.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung zum gegenwärtigen Theater, eine Analyse des Konzepts von Jelineks „Neuem Theater“ und eine praktische Fallstudie zu „Krankheit oder Moderne Frauen“.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Postdramatik, Theatercode, Desymbolisierung, Entpersonalisierung und die Sprachästhetik als Widerstand gegen den herrschenden Diskurs.

Wie bewertet Jelinek laut der Arbeit die Rolle des Regisseurs?

Jelinek kritisiert den Regisseur, der durch seine ahistorische Inszenierungspraxis den Theaterapparat künstlich am Leben erhält und dabei ästhetische Innovationen durch ein Festhalten an althergebrachten Mustern verhindert.

Warum spielt der Film eine wichtige Rolle für Jelineks Theaterkonzept?

Der Film wird als technisches Mittel betrachtet, um den „echten“ Bühnenschauspieler und die damit verbundene psychologische Einfühlung zu verbannen, wodurch Jelineks Wunsch nach der Trennung von Bild, Gebärde und Sprache idealer umgesetzt werden kann.

Wie soll das Publikum auf die Stücke reagieren?

Durch den Verzicht auf psychologische Identifikation und die Zersetzung des Handlungsstrangs soll der Zuschauer zur eigenständigen, autonomen Assoziation angeregt werden, anstatt sich in ein bürgerliches Identitätstheater einzufühlen.

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Details

Title
"Ich komme von der Sprache her." - Das Neue Theater der Elfriede Jelinek und seine Konfrontation mit dem herrschenden Code
College
Dresden Technical University  (Germanistik)
Course
Seminar III: Literarische Lust oder literarischer Frust? Die Anatomie der ästhetischen Destruktion in Elfriede Jelineks Werken
Grade
1,7
Author
Henriette Kunz (Author)
Publication Year
2005
Pages
21
Catalog Number
V43347
ISBN (eBook)
9783638411684
ISBN (Book)
9783638596879
Language
German
Tags
Sprache Neue Theater Elfriede Jelinek Konfrontation Code Seminar Literarische Lust Frust Anatomie Destruktion Elfriede Jelineks Werken
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Henriette Kunz (Author), 2005, "Ich komme von der Sprache her." - Das Neue Theater der Elfriede Jelinek und seine Konfrontation mit dem herrschenden Code, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43347
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