Handel und Technologie. Das Ricardo-Modell

Auswirkungen des internationalen Handels auf die Löhne, relativer Weltpreis, Hauptprofiteure des internationalen Handels


Seminararbeit, 2017
35 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Absoluter und komparativer Vorteil

3. Das Ricardo-Modell
3.1 Das Heimatland
3.2 Das Ausland
3.3 Internationaler Handel

4. Die Auswirkungen des internationalen Handels auf die Löhne

5. Der relative Weltpreis
5.1 Heimat-Exportangebotskurve
5.2 Auslands-Importnachfragekurve
5.3 Internationales Handelsgleichgewicht
5.3.1 Das internationale Tauschverhältnis

6. Die Hauptprofiteure des internationalen Handels

7. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - PMG des Heimatlandes

Abbildung 2 - "no-trade"-Gleichgewicht des Heimatlandes

Abbildung 3 - PMG des Auslandes

Abbildung 4 - "no-trade"-Gleichgewicht des Auslandes

Abbildung 5 - Internationales Handelsgleichgewicht im Heimatland

Abbildung 6 - Internationales Handelsgleichgewicht im Ausland

Abbildung 7 - Heimat-Exportangebotskurve

Abbildung 8 - Auslands-Importnachfragekurve

Abbildung 9 - Internationales Handelsgleichgewicht

Abbildung 10 - Internationales Handelsgleichgewicht im Heimatlandnach Expansion

Abbildung 11 - Heimat-Exportangebotskurve nach Expansion

Abbildung 12 - Sinkender relativer Weltpreis nach Expansion

Abbildung 13 - Wohlfahrtszunahme des Auslandes nach Expansion

1. Einleitung

Ende das 18. Jahrhunderts folgten viele Ökonomen der Lehre des Merkantilismus. Die Merkantilisten vertraten die einfache Ansicht, dass der Export von Gütern erstrebenswert ist und der Import von Gütern zu vermeiden sei. Diese Aussage begründeten sie damit, dass durch die Exporte Gold und Silber im Austausch gegen die exportierten Güter dem inländischen Fiskus zufließen. Entsprechend führen Importe dazu, dass der inländische Bestand an Gold und Silber abnimmt, was als nicht erstrebenswert angesehen wurde. Um die Importe eines Landes zu begrenzen, wollten die Merkantilisten Importzölle erheben.

Diese Lehre griff der britische Ökonom David Ricardo auf und wollte beweisen, dass Länder sowohl von Ex- als auch Import profitieren können, ohne dass die Höhe der Importe mittels Zöllen unter der Höhe der Exporte gehalten werden muss. Im Gegenteil entsprach in Riccardos Annahmen sogar die Höhe der Exporte denen der Importe. Ricardo behauptete, dass jedes Land von zollfreiem internationalen Handel profitieren könnte, solange es die richtigen Güter exportiert.

Internationaler Handel kann verschiedene Gründe haben. Neben Unterschieden im Vorliegen von Ressourcen, der Nähe der handelnden Länder untereinander und den Kosten des Offshorings beeinflussen auch die unterschiedlichen Produktionstechnologien der handelnden Länder deren Handel. Mit letzterem beschäftigt sich das Ricardo-Modell.

Diese Arbeit hat das Ziel, dieses Modell vorzustellen, seine wesentlichen Charakteristika herauszuarbeiten und verbal und mathematisch nachzuweisen, dass David Ricardo entgegen der Lehren des Merkantilismus bewiesen hat, dass von internationalem Handel sowohl Ex- als auch Importeure profitieren können. Die unterschiedlichen Technologien in den Ländern und deren Einfluss auf deren Handel stehen dabei im Fokus.

Bezogen auf die Werke „International Trade (2014)“ von Robert C. Feenstra und Alan M. Taylor sowie „International Trade (1995)“ von James R. Markusen, James R. Melvin, William H. Kaempfer und Keith E. Maskus werde ich mit der Erklärung der Begriffe absoluter und komparativer Vorteil diese Arbeit beginnen. Anschließend werde ich, am Beispiel zweier Länder, die Entwicklungen eines jeden Landes ohne und mit der Teilnahme am internationalen Handel und deren Auswirkung auf die Arbeitslöhne in jedem der beiden Länder darstellen. Ich werde aufzeigen, dass sich ein internationales Handelsgleichgewicht einstellt, zu welchem relativen Weltpreis sich dieses ergibt und dass auch ökonomisch kleinere Länder von internationalem Handel profitieren können.

2. Absoluter und komparativer Vorteil

Das Verständnis der Begriffe absoluter und komparativer Vorteil ist für die weitere Erklärung des Ricardo-Modells von großer Bedeutung. Daher werde ich in diesem Kapitel genauer auf diese eingehen.

Als absoluter Vorteil wird es bezeichnet, wenn ein Land über relativ bessere Technologie gegenüber einem anderen Land verfügt, um ein Handelsgut zu produzieren. Anders ausgedrückt kann dieses Land unter Aufwendung einer Arbeitseinheit mehr des Gutes produzieren, verglichen mit einem anderen Land, welches für eine aufgewandte Arbeitseinheit einen geringeren Output erzielt.

Der Handel auf der Welt zeigt jedoch, dass viele hoch technologisierte Länder wie Deutschland oder die USA Güter aus anderen Ländern importieren, welche weniger gute Technologien in der Produktion dieser Güter aufweisen.

Der Grund hierfür liegt im komparativen Vorteil dieser Länder. Das Handelsgefüge wird nicht durch den absoluten, sondern durch den komparativen Vorteil bestimmt, den ein Land bei der Produktion eines Gutes hat. Ein Land hat einen komparativen Vorteil bei der Produktion, wenn es ein Gut günstiger produzieren kann im Verhältnis zur Produktion eines anderen Gutes. Anders ausgedrückt hat dieses Land geringere Opportunitätskosten für ein Gut, gemessen in den Einheiten eines anderen Handelsgutes. David Ricardo brachte hier folgendes Beispiel an:

Er verglich die Länder England und Portugal in ihrer Produktion von Wein und Leinen. Dabei stellte er fest, dass England zwar die Möglichkeit des Weinanbaus habe, dieser jedoch allein aufgrund der klimatischen Bedingungen in England deutlich schwerer ist als die Produktion von Leinen. England hatte somit einen komparativen Vorteil in der Leinenproduktion gegenüber dem Weinanbau. Nach Ricardo sollte England daher Leinen produzieren und exportieren. Portugal hingegen hatte einen komparativen Vorteil im Weinanbau gegenüber der Leinenproduktion und sollte daher Wein exportieren. Es ist somit bei der Analyse des Exportgutes nicht von Bedeutung, ob eines der Länder einen absoluten Vorteil gegenüber dem anderen hat. So gestand Ricardo Portugal einen absoluten Vorteil zu, indem er annahm, dass Portugal gegenüber England sowohl besser in der Produktion von Wein als auch von Leinen war.

Durch die Spezialisierung auf die Produktion des Gutes, welches zu geringeren Opportunitätskosten hergestellt werden kann und somit einen komparativen Vorteil aufweist, ist es für beide Länder möglich, profitabel zu produzieren. Der internationale Handel ermöglicht es also die Wohlfahrt der Konsumenten beider Länder, zu maximieren. Im folgenden Verlauf dieser Arbeit werde ich auf diese Erkenntnis genauer eingehen.

3. Das Ricardo-Modell

In diesem Kapitel werde ich das Ricardo-Modell anhand der Handelsgüter Leinen und Weizen sowie eines Heimat- und eines Auslandes genauer erklären.

Unter der Annahme, dass die einzige Produktionsbeschränkung der Faktor Arbeit ist, können die Produktionsfunktionen der beiden Güter und die Produktionsbeschränkung wie folgt geschrieben werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zudem wird das Arbeitsangebot als konstant angenommen. Da die Faktoren Land und Kapital im Modell nicht berücksichtigt werden, weisen diese Produktionsfunktionen konstante Skalenerträge auf, welche den Grenzprodukten der Arbeit des jeweiligen Landes entsprechen. Sie geben also den zusätzlichen Ertrag, an welcher durch eine Arbeitseinheit gewonnen werden kann. Diese konstanten Skalenerträge erlauben eine vereinfachte Darstellung der Formeln:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Da wir annehmen, dass die Produktionsfunktionen der beiden Länder unterschiedlich sind, weisen auch α und β unterschiedliche Höhen auf.

3.1 Das Heimatland

Um das Ricardo-Modell genauer erklären zu können, treffe ich folgende Annahmen: Ein Arbeiter des Heimatlandes kann mit seiner Arbeitskraft entweder vier Scheffel Weizen oder zwei Yards Leinen produzieren.

Aus diesen Daten lassen sich die Grenzprodukte des Faktors Arbeit für die beiden Güter Leinen und Weizen ableiten. Entsprechend ist = α = 4 und = β = 2.

Dies lässt sich ebenfalls grafisch verdeutlichen in Form einer PMG des Heimatlandes, wie in Abbildung 1 gezeigt wird. Hierzu werden zunächst die Grenzprodukte der Arbeit der beiden Handelsgüter mit dem Arbeitsangebot multipliziert. Vereinfacht nehmen wir an, dass im Heimatland ein Arbeitsangebot von 25 Arbeitern vorherrscht.

Somit ergeben sich die beiden maximalen Produktionsmengen, angenommen das gesamte Arbeitsangebot produziert ausschließlich Weizen oder Leinen, folgendermaßen: = 4 * 25 = 100 Scheffel Weizen und = 2 * 25 = 50 Yards Leinen.

Verbindet man diese beiden Punkte in der Grafik, ergibt sich die PMG als eine Gerade, welches ein besonderes Merkmal des Ricardo-Modells ist![1]

Abbildung 1 - PMG des Heimatlandes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(angelehnt an FEENSTRA, TAYLOR (2014),S. 34)

Die Darstellung als Gerade rührt von dem Umstand her, dass das Arbeitsangebot und somit auch die Grenzprodukte der Arbeit und die Skalenerträge konstant sind, ungeachtet dessen, wie viele Güter bereits produziert wurden. Mittels der bereits erarbeiteten Daten lässt sich zudem noch die Steigung der PMG berechnen. Sie wird durch das negative Verhältnis von und definiert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der absolute Wert der Steigung der PMG entspricht dem Verhältnis der Grenzprodukte beider Handelsgüter.[2] „Die Steigung der PMG entspricht somit auch den also der Menge an Leinen, auf die verzichtet werden muss, um einen weiteren Scheffel Weizen zu erhalten.“[3] Im Heimatland muss also Yard Leinen aufgebracht werden, um einen Scheffel Weizen zu erhalten. Soll also um einen Scheffel Weizen erhöht werden, muss der Arbeitszeit aus der Leinenindustrie entnommen und in die Weizenindustrie verschoben werden. Die Leinenproduktion sinkt also um Yard unter Aufwendung von der Arbeitszeit.[4] Die entsprechen dem Kehrwert der . Sie haben im Heimatland also eine Höhe von zwei.

Im Folgenden stellt sich nun die Frage nach der Produktionskombination von Weizen und Leinen für das Heimatland unter Berücksichtigung der errechneten PMG. Zur Beantwortung dieser Frage muss die Nachfrage nach jedem der beiden Handelsgüter berücksichtigt werden. Diese Nachfrage lässt sich mittels Indifferenzkurven darstellen, wie in Abbildung 2 gezeigt wird. Jede Indifferenzkurve gibt eine Kombinationsmöglichkeit des Konsums von Weizen und Leinen an, die einer Person den gleichen Nutzen bringt.[5]

Je weiter eine Indifferenzkurve vom Ursprung des Graphen entfernt ist, desto höher ist ihr Nutzenlevel. In Punkt C ist dieses somit höher als in den Punkten B und D.

Abbildung 2 - "no-trade"-Gleichgewicht des Heimatlandes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(angelehnt an FEENSTRA, TAYLOR (2014),S. 35)

Ohne die Einbeziehung internationalen Handels entspricht die PMG der Budgetbeschränkung des Heimatlandes. Unter vollkommenem Wettbewerb wird die Produktion mit dem höchsten Nutzen unter Berücksichtigung der Budgetbeschränkung gewählt. Grafisch ist dies der Punkt A, in dem eine Indifferenzkurve die Budgetgerade tangiert. Punkte unter diesem Punkt würden einen geringeren Nutzen ergeben und Punkte darüber würden aufgrund der Budgetbeschränkung nicht realisiert werden können. Da kein internationaler Handel betrieben wird, werden sämtliche produzierten Güter im heimischen Markt konsumiert. Dass sich dies unter internationalem Handel ändern wird, zeige ich in den folgenden Kapiteln auf.

Den Punkt, in dem die Indifferenzkurve die Budgetgerade tangiert, nennt man „no-trade“[6] - oder „pre-trade“[7] -Gleichgewicht.

Nun untersuche ich die Auswirkungen der bisherigen Erkenntnisse auf die Löhne der Arbeiter des Heimatlandes. Auf wettbewerbsfähigen Arbeitsmärkten stellen Firmen so lange Arbeiter ein, bis die Kosten einer zusätzlichen Arbeitsstunde, also der Lohn, dem Wert einer zusätzlichen Stunde Produktion entsprechen. Man kann also sagen, dass der Wert einer zusätzlichen Arbeitsstunde dem Wert der Güter, die in dieser Stunde produziert werden, also dem Grenzprodukt der Arbeit, entspricht. Der Wert der Arbeitsstunde wird dann im Preis des Gutes bemessen.[8]

Da der Faktor Arbeit zwischen den Produktionen von Weizen und Leinen frei getauscht werden kann und die Arbeitskräfte entsprechend dort arbeiten werden, wo sie den höchsten Lohn erhalten, lässt sich die Beziehung von Löhnen und zusätzlicher Produktion folgendermaßen mathematisch ausdrücken:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ich nehme an, dass = 3 und = 6 sind. Die linke Seite der umgeformten Gleichung gibt dabei = = = an. entspricht . Ein Scheffel Weizen hat also einen Preis von Yard Leinen. Auch hier entspricht dem Kehrwert von . Er hat im Heimatland also wie eine Höhe von zwei.

3.2 Das Ausland

Nachdem ich mich im vorherigen Abschnitt mit dem Heimatland befasst habe, werde ich mich im folgenden Abschnitt mit der Rolle des Auslandes beschäftigen. Ich werde aufzeigen, dass das Ausland einen absoluten Nachteil gegenüber dem Heimatland bei der Produktion von Leinen und Weizen hat und trotzdem Handel mit dem Heimatland ausüben sollte.

Wie bereits beim Heimatland treffe ich auch hier folgende Annahmen, um das Ricardo-Modell genauer erklären zu können: Ein Arbeiter des Auslandes kann mit seiner Arbeitskraft entweder einen Scheffel Weizen oder einen Yard Leinen produzieren, entsprechend sind = = 1 und = = 1 und = 1 Scheffel Weizen bzw. = 1 Yard Leinen. Das Arbeitsangebot im Ausland beträgt 100 Arbeiter. Somit ergeben sich die beiden maximalen Produktionsmengen folgendermaßen: = 1 * 100 = 100 Scheffel Weizen und = 1 * 100 = 100 Yards Leinen. Auch hier ergibt die PMG eine Gerade, wie in Abbildung 3 gezeigt wird. Deren Steigung errechnet sich wie im Heimatland zu - = - = - = - = - 1.

Abbildung 3 - PMG des Auslandes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(angelehnt an FEENSTRA, TAYLOR (2014),S. 38)

Wie eingangs dieses Abschnittes erwähnt, hat das Ausland einen absoluten Nachteil gegenüber dem Heimatland bzw. das Heimatland einen absoluten Vorteil gegenüber dem Ausland bei der Produktion von Leinen und Weizen. Dies ist anhand der Produktionsmenge von Weizen bzw. Leinen mittels einer Arbeitseinheit erkennbar. Während das Heimatland mit einer Arbeitseinheit vier Scheffel Weizen produzieren kann, hat das Ausland lediglich einen Output von einem Scheffel. Entsprechend verhält es sich bei der Leinenproduktion. Hier erwirtschaftet das Heimatland mit einer Arbeitseinheit zwei Yards Leinen, das Ausland jedoch nur einen Yard. Eine Erklärung hierfür ist die minderwertige Technologie des Auslandes bei der Produktion beider Güter verglichen mit dem Heimatland. Diese führt zu den in Kapitel 3 angenommenen unterschiedlichen Produktionsfunktionen und damit zu unterschiedlich hohen Skalenerträgen in beiden Ländern.

Grafisch ist der absolute Vorteil durch die Entfernung der PMG eines Landes vom Ursprung erkennbar.[9] Ein Land, dessen PMG weiter vom Ursprung entfernt liegt, hat einen absoluten Vorteil gegenüber einem Land, dessen PMG näher am Ursprung liegt.

Es stellt sich nun die Frage, warum das Heimatland dann überhaupt Weizen und Leinen importieren sollte, statt diese Güter selbst zu produzieren? Vorwegnehmend kann diese Frage beantwortet werden, indem man den komparativen Vorteil von Heimat- und Ausland näher untersucht, was ich im Folgenden tun werde.

Um einen komparativen Vorteil zu ermitteln, vergleichen wir zunächst die Opportunitätskosten beider Länder für beide Handelsgüter. Wie bereits im vorangegangenen Abschnitt ermittelt, beträgt Yard Leinen und Scheffel Weizen.

Auch hier entspricht der absolute Wert der Steigung der PMG den Opportunitätskosten. Daher ist = 1 und entsprechend dem Kehrwert von ist = 1. Somit ergeben sich = = 1. Hieraus kann ich ableiten, dass und die gleiche Höhe haben müssen, welche ich auf zwei annehme. Ich habe nun festgestellt, dass das Ausland geringere Opportunitätskosten für die Herstellung von Leinen hat. Es hat somit einen komparativen Vorteil bei der Produktion von Leinen. Im Gegenzug hat das Heimatland geringere Opportunitätskosten für die Produktion von Weizen und somit einen komparativen Vorteil bei der Produktion von Weizen.

Betrachtet man nun die Indifferenzkurven des Auslandes, wie in Abbildung 4 gezeigt wird, stellt man fest, dass wie im Heimatland durch das Produkt der Division von durch gebildet wird. Er ist also = 1, und damit höher als im Heimatland, wo = ist. Dies liegt begründet in der steileren Steigung der PMG im Ausland. Entsprechend liegt unter .[10] „Diese Differenz zwischen den relativen Preisen spiegelt den komparativen Vorteil wieder, den das Heimatland bei der Produktion von Weizen bzw. das Ausland bei der Leinenproduktion hat.“[11] Das Ausland sollte sich somit auf die Leinenproduktion und das Heimatland auf die Weizenproduktion spezialisieren. Da kein internationaler Handel betrieben wird, werden sämtliche produzierten Güter im heimischen Markt konsumiert. Dass die Güter, auf deren Produktion sich ein Land spezialisiert hat, unter internationalem Handel exportiert werden sollten, werde ich im nächsten Kapitel behandeln.

Abbildung 4 - "no-trade"-Gleichgewicht des Auslandes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(angelehnt an FEENSTRA, TAYLOR (2014),S. 39)

3.3 Internationaler Handel

In den Abschnitten 3.1 und 3.2 habe ich das Heimat- und das Ausland in der Abwesenheit von Handel untersucht und die Differenzen der relativen Preise und der Opportunitätskosten aufgezeigt. Nun werde ich untersuchen, welche Auswirkungen es hat, wenn beide Länder miteinander in Handel treten und wie diese Differenzen und die komparativen Vorteile genutzt werden können.

Generell lässt sich sagen, dass ein Land Interesse daran hat, ein Gut in ein Land zu exportieren, in dem der relative Preis des Gutes höher ist als im eigenen Land. Es exportiert also das Gut, bei dessen Produktion es einen komparativen Vorteil hat.[12] Die gesamte Produktion unter internationalem Handel wird nun nicht mehr nur konsumiert, sondern zum Teil auch exportiert.

Es ergibt sich daher, dass Handel nur sinnvoll ist, wenn die relativen Preise der Exportgüter in den beiden Ländern unterschiedliche Höhen aufweisen.[13]

In unserem Beispiel wird somit das Heimatland Weizen exportieren wollen, da = 1 > = . Dies führt zu einer Abnahme von und das wiederum zu einem Anstieg von . Im Ausland erhöht sich durch die Weizenimporte, was fallen lässt. Ebenso verhält es sich mit dem Gut Leinen. Das Ausland exportiert Leinen, da = 1 < = 2. Dies führt zu einer Abnahme von und das wiederum zu einem Anstieg von . Im Heimatland erhöht sich durch die Leinenimporte, was fallen lässt.

Es ergibt sich dann ein internationales Handelsgleichgewicht, wenn der relative Preis des Gutes in beiden Ländern die gleiche Höhe erreicht.[14] Es herrscht dann = und = .

Im Folgenden werde ich zwei Aspekte untersuchen: Zum einen wie sich der relative Preis eines Gutes im internationalen Handelsgleichgewicht ergibt und zum anderen wie sich die Verlagerung vom „no-trade“-Gleichgewicht zum internationalen Handelsgleichgewicht auf die Produktion und den Konsum beider Länder auswirkt.[15]

Ich habe bereits aufgezeigt, dass die Exportpreise ansteigen bei einem gleichzeitigen Abfall der Importpreise. Entsprechend muss sich bei einer Höhe einpendeln, welche zwischen = 1 und = liegt. Da die Herleitung von weitere Grafiken erfordert, werde ich seine Höhe zunächst mit annehmen.[16] In Kapitel 5 werde ich die Entstehung dieses Preises genauer erklären.

= ist höher als = und somit auch höher als . Dies bedeutet einen Anreiz für die einheimischen Weizenproduzenten, ihr Produkt ins Ausland zu exportieren, da dort ein höherer Gewinn erzielt werden kann. Entsprechend wird das Heimatland seine Arbeitskräfte in die Weizenproduktion verlagern wollen, um mehr Weizen für den Export produzieren zu können. Dies ist auch mathematisch nachvollziehbar. Die Güterpreise unter Handel im Heimatland sind nun = 2 und = 3. Setzt man diese und die bereits bekannten Werte für die Grenzprodukte in die Lohnformeln * und * ein und setzt diese ins Verhältnis, ergibt sich folgendes: = > 1. Umgeformt zeigt sich, dass * > * . Es ist somit ersichtlich, dass die Löhne in der Weizenindustrie höher sind als jene in der Leinenindustrie. Entsprechend wollen alle einheimischen Arbeiter in der Weizenindustrie arbeiten, womit die Leinenproduktion zum Erliegen kommt. In Abbildung 5 entspricht dies Punkt B.

Nimmt man diesen Punkt nun als Ausgangspunkt der neuen Weizenproduktion, kann das Heimatland Weizen zu einem relativen Preis von exportieren.[17] Die neue PMG hat nun eine Steigung von - , womit sie über der ursprünglichen Budgetgeraden liegt. Dies erhöht die Konsummöglichkeiten des Heimatlandes. Wir nennen diese neue Gerade WPL. Sie gibt die Spanne der Konsummöglichkeiten eines Landes an, wenn es nur ein Gut exportiert. In unserem Beispiel exportiert das Heimatland ausschließlich Weizen und importiert im Gegenzug Leinen und kann zudem noch auf jedem Punkt der neuen WPL konsumieren. Der maximale Nutzen entsteht im Schnittpunkt der WPL und der höchsten Indifferenzkurve, hier in Punkt C. Auch dieser ist höher als im „no-trade“-Gleichgewicht.

[...]


[1] Vgl. FEENSTRA, TAYLOR International Trade (2014), S. 33

[2] Vgl. FEENSTRA, TAYLOR International Trade (2014), S. 34

[3] FEENSTRA, TAYLOR International Trade (2014), S. 34

[4] Vgl. FEENSTRA, TAYLOR International Trade (2014), S. 34

[5] Vgl. FEENSTRA, TAYLOR International Trade (2014), S. 35

[6] „Pre-trade“ – vor dem Handel

[7] „No-trade“ – ohne Handel

[8] Vgl. FEENSTRA, TAYLOR International Trade (2014), S. 36

[9] Vgl. MARKUSEN, MELVIN, KAEMPFER, MASKUS International Trade (1995), S. 88

[10] Vgl. FEENSTRA, TAYLOR International Trade (2014), S. 38

[11] FEENSTRA, TAYLOR International Trade (2014), S. 38

[12] Vgl. FEENSTRA, TAYLOR International Trade (2014), S. 41

[13] Vgl. FEENSTRA, TAYLOR International Trade (2014), S. 41

[14] Vgl. FEENSTRA, TAYLOR International Trade (2014), S. 41

[15] Vgl. FEENSTRA, TAYLOR International Trade (2014), S. 41

[16] Vgl. FEENSTRA, TAYLOR International Trade (2014), S. 41

[17] Vgl. FEENSTRA, TAYLOR International Trade (2014), S. 43

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Handel und Technologie. Das Ricardo-Modell
Untertitel
Auswirkungen des internationalen Handels auf die Löhne, relativer Weltpreis, Hauptprofiteure des internationalen Handels
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
35
Katalognummer
V433611
ISBN (eBook)
9783668757097
ISBN (Buch)
9783668757103
Dateigröße
1293 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
handel, technologie, ricardo-modell, auswirkungen, handels, löhne, weltpreis, hauptprofiteure
Arbeit zitieren
Dirk Zaluski (Autor), 2017, Handel und Technologie. Das Ricardo-Modell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433611

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