Die Lehrkraft steht seit der Aufklärung, seit dieser Bereich als offizieller Beruf anerkannt wird, im kritischen Blick der Öffentlichkeit. Sie verbringt die meiste Zeit mit dem wichtigsten Gut, welches eine Gesellschaft zu bieten hat: den Kindern bzw. Jugendlichen. Besonders in den westlichen Gesellschaften verbringen nicht die Eltern, sondern die Lehrer in der Schule die meiste Zeit mit den Kindern. Eine Lehrkraft soll dabei ihren Schülern nicht nur Wissen vermitteln, sondern sie soll neben dem Lehren auch erziehen, beraten und den Schüler auf das vorbereiten, was ihn nach der Schule erwartet. „Das Ziel des Lehrerhandelns ist die Bildung der Schüler angesichts der gesellschaftlichen Erwartungen.“
Diese Arbeit befasst sich mit der Darstellung des Lehrers in ausgewählten zeitgenössischen Filmen. Da dem Lehrer so viel Verantwortung übertragen wird, schaut die Gesellschaft auch sehr kritisch auf alles, was ein Lehrer vollbringt. Viel öfter steht jedoch das im Mittelpunkt der Diskussionen, was er unterlässt. Die neuere Kritik richtet sich „[…] gegen den Lehrer an sich und das Lehren überhaupt.“ Oft hört man ältere Jahrgänge klagen, dass es der jungen Generation an Manieren, Wissen und Ähnlichem mangelt. Der erste, der bei solchen Urteilen verantwortlich gemacht wird, ist der Lehrer.
Das Wissen unserer Zeit ist enorm, fast unbegrenzt und die Lehrer sollen jenes lückenlos und möglichst schnell vermitteln. Die Zeit wiederum ist in unserer Gesellschaft oft sehr begrenzt. Dies wirkt sich natürlich auch auf das Familienleben und auf die Rolle der Eltern in der Erziehung ihrer Kinder aus. Es fehlt die Zeit, um Kindern wichtige zwischenmenschliche Dinge, wie zum Beispiel die Interaktion mit anderen Menschen oder das Verhalten in der Gesellschaft, mit auf den Weg zu geben. Dies soll nun verstärkt in der Schule passieren. Dass ein Lehrer hierbei sehr schnell „[…] vom Hoffnungsträger zum Prügelknaben […]“ wird, wie Angelika Wenger – Hadwig schreibt, bleibt dabei nicht aus.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung:
¾ Dr. Bökh + ¾ Professor McGonagall – ¾ Herr Schober + ¼ Simon = Die ideale Lehrkraft?
2. Die Lehrkraft – eine Definition
2.1 Der Beruf des Lehrers – ein Exkurs in die Geschichte
2.2 Aufgaben einer Lehrkraft
2.3 Was ist ein ‚guter’ Lehrer?
2.4 Die Realität in Der Spiegel, Time und Newsweek
2.4.1 Probleme, denen sich eine Lehrkraft stellen muss
2.4.2 Darstellung des Lehrers in der Öffentlichkeit
3. Wahrnehmung und Stereotype – Theorien
3.1 Definition Wahrnehmung
3.2 Definition Stereotype
4. Die Lehrkraft im zeitgenössischen Film
4.1 Ausgewählte zeitgenössische Filme
4.1.1 Das fliegende Klassenzimmer
4.1.2 Harry Potter and the Philosopher’s Stone
4.1.3 Schule
4.1.4 Teachers
4.2 Der Lehrkraft als Individuum
4.3 Lehrer im Kollegium
4.4 Die Lehrkraft im Umgang mit den Schülern
4.5 Konfrontation mit Problemen
5. Stereotype
5.1 Bevorzugt dargestellte Lehrertypen
5.1.1 Die Macht der filmischen Mittel
5.2 Unterschiede in Geschlecht, Alter und Charakter
5.2.1 Lehrerinnen und Lehrer
5.2.2 Alte und junge Lehrkräfte
5.2.3 Der ‚liebe’ Lehrer und sein Gegenspieler
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welches Bild von Lehrkräften in zeitgenössischen Medien – speziell in Filmen und Nachrichtenmagazinen – vermittelt wird und inwieweit diese Darstellungen durch Stereotype geprägt sind. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, ob filmische Inszenierungen ein realistisches Lehrerbild entwerfen oder durch die Nutzung von Klischees zur negativen Wahrnehmung des Lehrerberufs in der Gesellschaft beitragen.
- Analyse der historischen Entwicklung des Lehrerberufs als Grundlage der modernen Lehrerrolle.
- Untersuchung der öffentlichen Wahrnehmung des Lehrerberufs in den Nachrichtenmagazinen Der Spiegel, Time und Newsweek.
- Kritische Filmanalyse von ausgewählten Werken ("Das fliegende Klassenzimmer", "Harry Potter and the Philosopher’s Stone", "Schule", "Teachers").
- Theoretische Fundierung der Begriffe Wahrnehmung und Stereotypisierung.
- Vergleichende Untersuchung zur filmischen Darstellung von Lehrertypen, Geschlechterrollen und dem Umgang mit Krisensituationen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Beruf des Lehrers – ein Exkurs in die Geschichte
Die Sophisten Protagoras (480 v.Chr. – 410 v.Chr.) und Gorgias (485 v.Chr. – 380 v.Chr.) waren in der griechischen Antike die ersten professionellen Lehrer. Sie boten gegen Bezahlung ein Lehrangebot an und schufen durch die Formulierung der ‚septem artes liberales’ den ersten Lehrplan des Abendlandes. Diese Konzeption bildet noch heute die Grundlage für den gymnasialen Lehrplan.
Nachdem die Sophisten für ihren Pragmatismus bereits von ihren unmittelbaren Nachfolgern Sokrates (469 v.Chr. - 399 v.Chr.) und Platon (427 v.Chr. – 347 v.Chr.) Kritik ernteten, wurde der Lehrer im Verlauf der Geschichte sehr unterschiedlich gesehen. So sah Sokrates die Aufgabe des Lehrers nicht darin, fertiges Wissen zu vermitteln, sondern er sollte den Lernenden zum eigenen kritischen Denken anregen. Nur kluges Fragen kann den Lerner zur eigenen Erkenntnis führen.
Sokrates’ Schüler Platon sah die Voraussetzung jeden Lernens in der Erkenntnis des Nichtwissens. Erst durch diese Einsicht sei es möglich Wissen zu erwerben; für Sokrates das Maß aller Dinge. Platons Schüler Aristoteles (384 v.Chr. – 322 v.Chr.) war der letzte Vertreter der klassischen Epoche der Griechen. Seine Idee von einer Lehranstalt wird heute als das Vorbild der Hochschulen im Abendland gesehen.
Während der Lehrer von den Griechen als Philosoph gesehen wurde, war er zu Zeiten Ciceros (106 v.Chr. – 43 v. Chr.) ein Redner, denn „[…] nur die Sprache erlaubt, mit anderen ‚menschlich’ zu verkehren […]“. Die Fähigkeit sich auszudrücken und zu präsentieren war Inhalt allen Lernens dieser Epoche.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die kritische öffentliche Wahrnehmung des Lehrerberufs ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Darstellung von Lehrkräften in zeitgenössischen Filmen zu untersuchen.
2. Die Lehrkraft – eine Definition: Dieses Kapitel gibt einen geschichtlichen Überblick über die Entwicklung des Lehrerberufs und definiert die vielschichtigen Aufgaben, die an moderne Lehrkräfte gestellt werden.
3. Wahrnehmung und Stereotype – Theorien: Hier werden die wissenschaftlichen Grundlagen der Personwahrnehmung und die Entstehung von Stereotypen als kognitive Schemata erläutert, die für die Analyse relevant sind.
4. Die Lehrkraft im zeitgenössischen Film: Dieser Hauptteil analysiert die konkrete Darstellung von Lehrpersonen in den ausgewählten Filmen hinsichtlich ihres Auftretens, ihres Kollegiums und ihres Umgangs mit Problemen.
5. Stereotype: Das Kapitel untersucht, inwiefern die im Film dargestellten Lehrertypen mit gesellschaftlich verankerten Stereotypen – wie dem strengen Direktor oder dem jugendlichen Lehrer – übereinstimmen.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Filme primär auf Stereotype zurückgreifen, keine realistischen Lehrerbilder schaffen und oft zur Verharmlosung schulischer Probleme beitragen.
Schlüsselwörter
Lehrerbild, Filmtheorie, Stereotype, Personwahrnehmung, Schulpädagogik, Medienanalyse, Lehrerrolle, Lehrerdarstellung, gesellschaftliche Erwartungen, Schulwirklichkeit, Berufsethik, Professionalisierung, Filmanalyse, Erziehung, Bildungsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Bild, das zeitgenössische Filme von Lehrern vermitteln, und vergleicht dieses mit der gesellschaftlichen Realität, wie sie in Nachrichtenmagazinen beschrieben wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Pädagogik, die wissenschaftliche Definition von Wahrnehmung und Stereotypen sowie eine detaillierte Filmanalyse unter besonderer Berücksichtigung der Rollenbilder von Lehrkräften.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob filmische Darstellungen von Lehrkräften eher auf Stereotype setzen oder ein realistisches Berufsbild zeichnen und ob sie die öffentliche Wahrnehmung des Lehrerberufs beeinflussen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Analyse, die historische Literatur, Zeitschriftenartikel (Der Spiegel, Time, Newsweek) und eine strukturierte Filmanalyse (unter Einbeziehung von Aspekten der Filmtheorie) kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Lehrer in den Filmen "Das fliegende Klassenzimmer", "Harry Potter", "Schule" und der Serie "Teachers" als Individuen, im Kollegium und im Umgang mit Schülern inszeniert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lehrerbild, Stereotype, Personwahrnehmung, Medienanalyse, Lehrerdarstellung und Schulpädagogik.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Lehrern in "Harry Potter" von der Serie "Teachers"?
In "Harry Potter" wird das Lehrerbild stark durch das Internatsmilieu und die Rolle der Lehrer als Respektspersonen oder Mentoren geprägt, während "Teachers" auf komödiantische Weise eine "Lehrer-Clique" zeigt, die oft im Konflikt mit ihrem beruflichen Anspruch und ihrem jugendlichen Privatleben steht.
Welche Rolle spielen filmische Mittel wie die Kameraeinstellung bei der Beurteilung der Lehrer?
Die Kameraeinstellungen (z.B. Untersicht für Dominanz, Totale für Distanz) werden genutzt, um die Machtverhältnisse zwischen Lehrern und Schülern sowie die Strenge oder Verletzlichkeit der Lehrkräfte für den Zuschauer gezielt zu manipulieren.
Wird die These unterstützt, dass Lehrer in den Medien ein positives Ansehen gewinnen?
Nein, das Fazit der Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Filme durch ihre oberflächliche und oft verharmlosende Darstellung den Lehrberuf eher in ein negatives Licht rücken und das Klischee des "Prügelknaben der Gesellschaft" bestärken.
- Quote paper
- Tina Zimmermann (Author), 2005, Zur Wahrnehmung von Schule in der Gesellschaft - Die Darstellung von Lehrkräften in ausgewählten zeitgenössischen englischen und deutschen Filmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43375