Die vorliegende Arbeit setzt sich eingehend mit der Frage auseinander, welche Rolle der Familie bei der Sozialisation, Erziehung und Bildung des Nachwuchs in unserer heutigen modernen Gesellschaft zukommt. Dazu soll zunächst darauf eingegangen werden, in welcher Gesellschaft wir eigentlich derzeit leben. Daran anknüpfend soll näher auf die Familie und ihre gesellschaftlichen Aufgaben, d.h. der Sozialisation, der Erziehung und der Bildung eingegangen werden. Den Abschluss der Arbeit bildet eine Zusammenfassung der genannten Aspekte und ein Ausblick auf weitere Herausforderungen, welche die moderne Gesellschaft an die Familie heute stellt bzw. in Zukunft stellen wird.
„Das erste, was der Mensch im Leben vorfindet und das Letzte, wonach er seine Hand ausstreckt, und das Kostbarste, was er besitzt, auch wenn er es nicht achtet oder wahrhaben will, ist seine Familie.“ Dieser Satz des katholischen Priesters Adolph Kolping (1813-1865) gibt Anlass über etwas nachzudenken, was für die meisten Menschen ein fester, wichtiger und selbstverständlicher Bestandteil ihres Lebens ist: die Familie. Warum ist für mich die Familie das Kostbarste, was ich besitze? Und wer zählt denn zum Kreis meiner Familie? Diese und ähnliche Fragen stellen sich, wenn man sich mit der eigenen Familie auseinandersetzt. Papst Franziskus begründet den Wert der Familie für einen Menschen durch „[…] die gegenseitige Hilfe, die erzieherische Begleitung, die Beziehungen, die mit den Menschen mitwachsen, das Teilen der Freuden und der Schwierigkeiten […].“ Für ihn gründet sich die Bedeutung der Familie für den Menschen auf der Hilfe, welcher er erfährt, durch die Begleitung, sowohl in Form von Erziehung als auch durch das Teilen von positiven und negativen Erfahrungen sowie den Beziehungen zu den anderen Mitgliedern der Familie. Über diese individuellen Fragestellungen und Begründungen hinaus lässt sich auch nach dem Wert der Familie für die Gesellschaft fragen. Welche Aufgaben muss die Familie bewältigen, um die nachfolgende Generation auf ein Leben in der Gesellschaft vorzubereiten? Und welchen Wert hat sie dementsprechend für die Gesellschaft? Den individuellen Wert der Familie mit dem gesellschaftlichen verknüpft Papst Franziskus, der konstatiert: „Die Familien sind der erste Ort, an dem wir uns als Person heranbilden, und zugleich sind sie die „Bausteine“ für den Aufbau der Gesellschaft.“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. In welcher Gesellschaft leben wir?
3. Merkmale der Wissensgesellschaft
4. Die Familie und ihre gesellschaftlichen Aufgaben
4.1. Die Rolle der Familie bei der Sozialisation
4.2. Die Rolle der Familie bei der Erziehung
4.3. Die Rolle der Familie bei der Bildung
5. Schluss und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung der Familie als primäre Sozialisationsinstanz im Kontext der modernen Wissensgesellschaft. Dabei steht die Forschungsfrage im Vordergrund, welche spezifischen Aufgaben und Herausforderungen sich für Familien bei der Sozialisation, Erziehung und Bildung ihrer Kinder ergeben, wenn diese auf die Anforderungen einer sich stetig wandelnden, wissensbasierten Gesellschaft vorbereitet werden sollen.
- Soziologische Analyse des Begriffs Gesellschaft
- Charakteristika und Anforderungen der Wissensgesellschaft
- Die Rolle der Familie bei der primären Sozialisation
- Erziehungsziele im Kontext der Wissensgesellschaft
- Bildung als Akkumulation von kulturellem Kapital nach Bourdieu
Auszug aus dem Buch
4.1. Die Rolle der Familie bei der Sozialisation
Als erster zentraler Untersuchungsgegenstand soll genauer auf die Rolle der Familie bei der Sozialisation der nachfolgenden Generation eingegangen werden. Dazu ist es erforderlich, zunächst den Begriff Sozialisation näher zu erläutern. Eine allgemein anerkannte Definition von Sozialisation gibt es nicht. Dennoch konstatiert Nave-Herz, dass „alle Autoren und Autorinnen darin überein[stimmen], dass Sozialisation den Prozess einen Menschen zum Mitglied-Werden in einer Gesellschaft bezeichnet.“ Sozialisation ist gleichzeitig auch ein lebenslanger Prozess, in dessen Zentrum „die Entwicklung und Veränderung der menschlichen Persönlichkeit“ steht. Daher erscheint es sinnvoll, diesen in Phasen einzuteilen und anschließend „darzulegen, in welchen Altersabschnitten typischerweise welche Entwicklungsaufgaben zu bewältigen sind.“ Hierbei lassen sich im wesentlichen drei Phasen unterscheiden: die primäre, die sekundäre und die tertiäre Sozialisation. Während „die frühe Sozialisation allein in der Familie (primär)“ geleistet wird, sind es bei der nachfolgenden Sozialisation neben der Familie auch die Schule und Gleichaltrige (sekundär). Unter dem Begriff tertiär wird „die Sozialisation im Erwachsenenalter“ verstanden. Im Kontext dieser Betrachtung ist vor allem die primäre Sozialisation innerhalb der Familie interessant. Aufgrund der zeitlichen Dauer und der Intensität der primären Sozialisation, kann die Familie als „die wichtigste Sozialisationsinstanz [bezeichnet werden], die auch maßgeblich die Weichen für die spätere soziale Platzierung des Individuums stellt.“ Ebenso wichtig wie vielfältig sind daher die Aufgaben, welche von der Gesellschaft an die Familie gestellt werden. Im Folgenden sollen nun einige familiare Aufgaben bei der Sozialisation genannt und beschrieben werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Familie als primäre Instanz für die Entwicklung des Kindes ein und verknüpft individuelle Perspektiven mit dem gesellschaftlichen Schutzauftrag des Grundgesetzes.
2. In welcher Gesellschaft leben wir?: Dieses Kapitel beleuchtet die Schwierigkeit einer einheitlichen Gesellschaftsdefinition und diskutiert verschiedene soziologische Theorien zur Beschreibung moderner Gesellschaftsformen.
3. Merkmale der Wissensgesellschaft: Das Kapitel identifiziert Wissen und Bildung als zentrale Produktionsfaktoren und treibende Kräfte der deutschen Wirtschaft im Kontext der Wissensgesellschaft.
4. Die Familie und ihre gesellschaftlichen Aufgaben: Dieser Hauptteil analysiert die Funktionen der Familie, insbesondere die Bedeutung von Sozialisation, Erziehung und Bildung für die Platzierung des Nachwuchses in der Gesellschaft.
4.1. Die Rolle der Familie bei der Sozialisation: Hier wird der Prozess des Hineinwachsens in die Gesellschaft als primäre Aufgabe der Familie in der frühen Kindheit dargestellt.
4.2. Die Rolle der Familie bei der Erziehung: Der Fokus liegt auf der gezielten Beeinflussung der Persönlichkeitsentwicklung durch die Eltern zur Förderung von Selbstständigkeit und spezifischen Kompetenzen.
4.3. Die Rolle der Familie bei der Bildung: Dieses Kapitel erläutert den Zusammenhang zwischen Bildung, Habitus und kulturellem Kapital sowie die zentrale Rolle der Familie bei der Vorbereitung auf den schulischen Markt.
5. Schluss und Fazit: Die Arbeit endet mit einer Reflexion über den gesellschaftlichen Wandel und stellt kritische Fragen zu den zukünftigen Anforderungen an Bildungseinrichtungen und die Rolle der Eltern.
Schlüsselwörter
Familie, Sozialisation, Wissensgesellschaft, Bildung, Erziehung, Gesellschaft, kulturelles Kapital, Habitus, primäre Sozialisation, Bildungsaspirationen, individuelle Entwicklung, soziale Platzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rolle der Familie bei der Sozialisation, Erziehung und Bildung von Kindern in unserer modernen, wissensbasierten Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit thematisiert die Definition von Gesellschaft, die spezifischen Merkmale der Wissensgesellschaft sowie die vielfältigen Aufgaben, die Familien in Bezug auf die Vorbereitung ihrer Kinder auf das Leben und den Arbeitsmarkt übernehmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Familien die Sozialisations- und Bildungsanforderungen der Wissensgesellschaft umsetzen und welchen Stellenwert diese Prozesse für die soziale Positionierung des Nachwuchses haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse soziologischer und pädagogischer Fachliteratur, um die Funktionen von Familie und Gesellschaft wissenschaftlich zu begründen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Wissensgesellschaft als gesellschaftlicher Rahmen und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Rolle der Familie in den Bereichen Sozialisation, Erziehung und Bildung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Sozialisation, Wissensgesellschaft, kulturelles Kapital, Habitus, Erziehungsziele und die Rolle der Familie als Bildungsinstitution.
Welche Bedeutung hat Bourdieus Habitustheorie für die Arbeit?
Bourdieu liefert das theoretische Fundament, um Bildung nicht nur als Wissenserwerb, sondern als inkorporiertes kulturelles Kapital zu verstehen, welches in der Familie grundgelegt wird.
Wie bewertet der Autor die Herausforderungen durch die Wissensgesellschaft?
Der Autor weist darauf hin, dass der Fokus auf Bildung zu einer "Bildungspanik" führen kann und betont die Notwendigkeit staatlicher Unterstützung, da nicht alle Familien über das gleiche Kapital verfügen.
- Arbeit zitieren
- Dominik Zoller (Autor:in), 2018, Die Rolle der Familie bei der Sozialisation in unserer modernen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433797