Einführung in die Musik der Schamanen am Beispiel des Nordasiatischen, Sibirischen Schamanismus


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
14 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung – Aufgabenstellung und Ziel der Arbeit 3

2. Zum Begriff des Schamanismus und des Schamanen

3. Einführung in die Musik der Schamanen am Beispiel des Nordasiatischen (sibirischen) Schamanismus
3.1 Die Schamanentrommel
3.2 Vokal- und Gesangsformen

4. Fazit

5. Anhang
I. Abbild Schamanentrommel
II. Schamane der Negidal-Tungusen
III. Karte des Verbreitungsgebietes des Schamanentums
in Nord- und Mittelasien

Literaturverzeichnis

1. Einführung – Aufgabenstellung und Ziel der Arbeit

Diese Arbeit stellt den Versuch dar, eine Einführung in den nordasiatischen, sibirischen Schamanismus und das Auftauchen musikalischer Elemente zu geben. Eine kurze Begriffsklärung des Schamanismus und des Schamanen als ausführender Person dieses Kultes sollen helfen, ein Basiswissen zu schaffen und mit der Bedeutung von Musikalität in dieser Kultur besser umgehen zu können. Besondere Betrachtung finden die Schamanentrommel und die Vokal- und Gesangsformen.

Sibirien gilt als die „originäre Region“[1] des Schamanentums und ist deshalb der Ort, auf den sich die in dieser Arbeit gesammelten Fakten und Berichte beziehen. Damit gibt diese Arbeit einen ortsgebundenen Einblick und steht keineswegs exemplarisch für den Schmanismus in seiner Gesamtheit. Bis heute bestehen 70 bis 100 Völker und Sprachen in diesem Teil der Welt, deren Überlieferungen hauptsächlich mündlich überlebt haben.[2]

2. Zum Begriff des Schamanismus und des Schamanen

Eine klare Definition des Begriffes „Schamanismus“ gibt es auf Grund der vielen verschiedenen Ausprägungen nicht. Vielmehr gibt es Versuche, Inhalt und Charakter zu erklären, die oft anhand von Reiseberichten entstanden sind. Auf Grund ihrer sich überschneidenden Punkte ist es so möglich, ein ungefähres Abbild erstellen zu können, immer unter Vorbehalt, da Berichte zumeist sehr subjektiv und von eigenen religiösen Ansichten geprägt sind. Gut zusammengefasst hat es Schröder: „Ohne Ekstase kein Schamanismus. Der Schamanismus ist eine institutionelle, formgebundene ekstatische Verbindung des Menschen mit dem Jenseits im Dienste der Gemeinschaft“[3].

So wird der Schamanismus als „eine ausgesprochen spiritistische Religion“[4] bezeichnet. Bastian beschreibt ihn wie folgt:

„Der Schamanismus ist bei den Jakuten nicht ein Glaube oder eine Religion, sondern ein Akt, der bei gewissen Gelegenheiten vollzogen wird, wie z.B. bei verschiedenen Krankheiten, bei Seuchen unter dem Vieh, bei Belustigungen, bei denen die Schamanen verschiedene Kunststücke und Prophezeiungen zum besten geben, bei Menschen, die dem Wahnsinn verfallen sind“[5].

Ziel ist es, „eine unmittelbare Verbindung mit den Geistern herzustellen […] damit der Schamane die ihn und die Anwesenden interessierenden Fragen zu lösen vermag, […] damit er bei den Geistern Hilfe oder Erfüllung der Wünsche erflehen und […] endlich auch , [sic] damit er sich die Geister mit Gewalt dienstbar machen kann“[6].

Im nordasiatischen, also sibirischen Schamanismus herrscht der Glaube, dass „alles Unheil des Lebens als durch böse Geister verursacht“[7] gilt.

Auch gibt es Theorien, es handle sich beim Schamanismus um eine Art psychischer Krankheit mit regionalem Bezug. So spricht Ohlmarks von der arktischen Hysterie; „ein durch nervöse oder psychopathische Prädisposition der Volkspsyche bedingtes und in eine für das ganze Leben vitale, halb religiöse Sphäre erhobenes Brauchtum“[8].

Der Schamane selbst, als ausführende, im Zentrum stehende Person, wird bei Mankowski wie folgt charakterisiert:

„Der Schamane ist eine Ritualperson, die kraft [sic] ihrer außergewöhnlichen Anlagen fähig ist, sich willentlich und zum bestimmten Zeitpunkt in einen psychischen Ausnahmezustand (Ekstase) zu versetzen und mit der transzendenten Welt zum Wohle der Gemeinschaft in Verkehr zu treten. Der Schamane ist wesentlich Heiler und Psychopomp (Seelengeleiter)“[9].

Des Weiteren beschreibt Mankowski den Schamanen als einen durch einen Geist zu seinem Amt berufenen, oft schon von Geburt an dazu bestimmten Menschen, der hoch angesehen ist und eine Sonderstellung in seinem Volk genießt[10]. Ein Schamane „ist Priester, Arzt, Dichter, Sänger, Politiker, Unterhalter und Zauberer in einer Person und wird von den meisten Völkern höher angesehen als der Häuptling“[11].

Während der Ausübung seines Amtes trägt der Schamane eine Tracht und benutzt spezielle Instrumente wie die Schamanentrommel. Er ist nicht ortsgebunden und muss seine Funktion nicht bis zu seinem weltlichen Tod weiterführen. Wenn Krankheit oder Alter zu einer Behinderung werden, kann er seine Tätigkeit beenden[12].

Ihren Lebensunterhalt bestreiten die sibirischen Völker durch die Jagd und diese bestimmt Alltag und Weltanschauung. Daher haben Tiere im Schamanismus große Bedeutung und tauchen nicht nur in Ritualen, sondern auch bildlich auf ihren Utensilien auf. Findeisen bezeichnet das als „Jägerkultur“[13].

Auch das Gewand, das der Schamane bei der Ausübung seiner Tätigkeiten trägt ist an die Gestalt eines Tieres angelehnt, besteht oft auch aus tierischem Material und stellt einen tierischen Hilfsgeist da (Geister erscheinen oft in tierischer Gestalt)[14]. Der Schamane stellt einen Mittler zwischen Tier und Mensch dar und passt auch deshalb sein Erscheinungsbild an. Er weiß, „daß [sic] der Ursprung aller Dinge im Tier liegt“[15].

3. Einführung in die Musik der Schamanen am Beispiel des Nordasiatischen (sibirischen) Schamanismus

Zwei Merkmale, die das Schamanentum und Musik unmittelbar verbinden, sollen nun besonders hervorgehoben werden und exemplarisch zeigen, dass Musikalität fester Bestandteil der Rituale und des Praktizierens des Schamanen ist. Sowohl die Schamanentrommel als auch Gesänge und Vokalformen dienen zum Eintritt in die transzendente Welt und stellen so beinahe eine eigene Sprache dar, derer sich der Schamane bedient, um mit der Geisterwelt in Kontakt zu treten. Auch andere Instrumente, Saiteninstrumente wie die Zither, Rasseln oder die Maultrommel, gehören zu der schamanistischen Kultur[16].

„Respekt vor der Natur, Vertrautheit mit der Fauna, die Jahrtausende alte Erfahrung der Selbstbehauptung in einer übermächtigen und grausamen Umgebung sind bestimmende Momente dieser Kulturen und spiegeln sich in ihrer Musik“[17].

Oft verschwimmt die Grenze zwischen Sprache und Gesang, Improvisation und einstudierten Stücken.

[...]


[1] http://www.hulu.de/schamanismus/schamanismus.html Stand: 21.07.2013, 12:42h.

[2] Ebd.

[3] Schröder, 1955, S. 852ff.

[4] Findeisen, 1960, S. 213.

[5] Samokwassow, zit. n. Nioradze, 1925, S.4.

[6] Nioradze, 1925, S.90.

[7] Mankowski, 1988, S. 184.

[8] Ohlmarks, 1939, S. 5.

[9] Mankowski, 1988, S. 99.

[10] Vgl. Ebd., S. 109.

[11] Jeier, 1985, S. 12.

[12] Vgl. Mankowski, 1988, S. 110.

[13] Findeisen, 1957, S. 19.

[14] Vgl. Ebd. S. 32f.

[15] Roux, Antaios, 1968/69, X, 375ff.

[16] Vgl. http://www.hulu.de/schamanismus/schamanismus.html Stand: 21.07.2013, 12:42h.

[17] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Einführung in die Musik der Schamanen am Beispiel des Nordasiatischen, Sibirischen Schamanismus
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (Institut für Musik und Musikwissenschaft)
Veranstaltung
Musikethnologie
Note
1,3
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V434817
ISBN (eBook)
9783668770850
ISBN (Buch)
9783668770867
Dateigröße
734 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Musik, Schamanismus, Schamane, Nordasiatisch, Sibirisch, Schamanentrommel, Negidal, Tungusen, Schmanentum, Vokalformen, Gesangsformen, Ethnologie, Musikethnologie, Mythologie, Religion, Glaube, Ritual, Heiler, Trance, Besessenheit, Sibirien, Geister, Völker, Folklore, Spiritismus
Arbeit zitieren
Anonym, 2010, Einführung in die Musik der Schamanen am Beispiel des Nordasiatischen, Sibirischen Schamanismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434817

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