Freude im Leiden? Die Bedeutung der "Prüfungen" im christlichen Leben in Bezug auf 1 Petr. 1,6 und Jak. 1,2-18


Essay, 2018
9 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Kann denn ein liebender Gott uns prüfen?

3 Sinn und Zweck der Prüfungen und Leiden –„Wer nicht gekämpft, trägt auch die Kron des ewgen Lebens nicht davon“

4 Die sechste Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung“ Mt 6,3 – Was soll uns dies sagen?

5 Literaurverzeichnis

1 Einleitung

Ab der Grundschule geht es los: Der Ernst des Lebens mit seinen Prüfungen. Überall begegnen uns Prüfungen, nicht nur in der Schule, der Ausbildung und im Studium, sondern auch in alltäglichen Lebenssituationen. Ist nicht das ganze Leben eine einzige große Prüfung? Man denkt sich oft, womit habe ich das jetzt schon wieder verdient?

Vor allem für die Gläubigen stellt sich oft die Frage: „Ist diese Lebensprüfung gerade gottgewollt? Ist es ein „pädagogisches Mittel“ Gottes, um mir als Gläubigen den Weg zu weisen oder meinen Glauben, mein Vertrauen auf Gott unter Beweis zustellen?“

In der Bibel begegnen uns verschiedene Texte, die diese Frage, die Menschen schon immer bewegte, aufgreifen. Zu nennen sind hier im altestamentlichen Kontext vor allem das Buch Hiob. Im neutestamentlichen greifen die Briefe des Jakobus und der Erste Brief des Petrus das Thema auf; aber auch das Matthäusevangelium ist als ein Beispiel zu nennen.

Im ersten Abschnitt beschränken wir uns jedoch auf den Brief des Jakobus und dem Ersten Brief des Petrus. Es sollen die verschiedenen Positionen der Verfasser beleuchtet werden, besonders im Hinblick auf die Fragestellungen, ob es zu dem christlichen Gottesbild passt, dass ein liebender Gott die Menschen prüft und welchen Sinn und Zweck diese Prüfungen erfüllen. Denn dies ist doch wohl die quälendste Frage, die sich heutige Leser/-innen stellen werden.

Am Schluss des Essays soll ein kleiner Exkurs zur sechsten Bitte des Vaterunser ausgeführt werden. Denn die aktuelle Diskussion um die Änderung der Formulierung „Und führe uns nicht in Versuchung“ in „Lass uns nicht in Versuchung geraten“, bietet sich für den Anschluss an die Fragestellung nach dem Gottesbild an. Dabei soll weniger auf die semantischen Gesichtspunkte geschaut werden, als mehr auf den Zusammenhang zu den Briefen des Jakobus und des Petrus und deren theologischen Deutungen der Prüfungen und Leiden in den Diasporagemeinden.

2 Kann denn ein liebender Gott uns prüfen?

3 Jak 1,2 – 18 und 1 Petr 1,6 – 7

Die beiden Autoren der oben genannten Briefe geben der Thematik der Prüfungen und Leiden gleich zu Beginn ihres Briefes den Raum. Die Verfasser Pseudo-Petrus und Pseudo-Jakobus wissen, dass einige Gemeinden in der Diaspora unter Anfechtungen des Glaubens zu leiden haben. Diese Problematik reflektieren die beiden Verfasser in ihren Briefen und stellen sie, wie Thorsten Klein es nennt, als „Großwetterlage der kirchlichen Gemeinden“[1] dar.

Auch die Adressaten in den Gemeinden, vor allem in der Diaspora, stellten sich die Frage, wer für die Leiden und die Anfechtungen verantwortlich sei und wie sie diese verstehen können. Genau dieselbe Frage, können auch Menschen heute in unseren Gemeinden stellen, denn die Anfechtungen gegenüber dem christlichen Glauben werden immer größer. Deshalb versuchen die beiden Verfasser die Erfahrungen der Menschen in den Gemeinden in einen theologischen Gesamtzusammenhang zu bringen und so eine positive Deutung ihres christlichen Glaubens zu ermöglichen.[2] So sieht Pseudo-Jakobus in den Anfechtungen eine Chance für den Glauben! Es ist sozusagen ein Geschenk, sich im Glauben bewähren zu dürfen, denn eine Standhaftigkeit im Glauben ist unerlässlich. Dem Verfasser des Jakobusbriefes geht es darum, dass die Prüfungen dem Glauben dienen und den Menschen zu seiner Vollkommenheit führen. Der Glaube an Jesus Christus darf nicht bloß eine fromme Gesinnung sein, sondern verwirklicht sich erst im aktiven christlichen Handeln. Christusnachfolge heißt, sein eigenes Kreuz auf sich zunehmen und ihm nachzufolgen.

Gerade den Anfechtungen kann nur durch konsequentes, aktives christliches Handeln entgegen getreten werden. Die Adressaten des PsJakobus klammerten vielleicht sogar die tätige „Liebe“ aus ihrem Glauben aus, was den Verfasser zum Eingreifen durch seinen Brief bewegte.[3] Reiner Bekenntnisglaube ist nicht erkennbar (Jak 2,18), ist tot (2,19) und dazu unnütz (2,20); es ist ein Glaube, der nicht rettet.[4] Alles dreht sich um den zentralen Satz des Briefes:

„So ist auch der Glaube für sich alleine tot, wenn er nicht Werke vor zu weisen hat.“

(vgl. Jak 2,17)

Pseudo-Jak zieht sogar einen Vergleich mit dem Gottesbekenntnis der Dämonen (vgl. Jak 2,19), die zwar an ihn glauben, aber vor ihm zittern. Ein Sprung kann hier auch zu den Bekenntnissen der Dämonen im Markus-Evangelium (z.B. Mk 1,24-25) vollzogen werden, die Jesus mit dem Schweigegebot aber aufhebt.

Wenn der Glaube durch die Anfechtungen auf Standhaftigkeit „geprüft“ werden soll und dadurch erst Standhaftigkeit erlangt, muss doch klar sein, dass Gott der Urheber dieser ganzen Anfechtungen ist, oder? PsJak geht in 1,13–15 auf die Herkunft und Gefahren der Anfechtungen ein. Der Verfasser entlastet Gott eindeutig mit den Worten: „Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott lässt sich nicht zum Bösen versuchen, er führt aber auch selbst niemanden in Versuchung.“ (vgl. Jak 1,13). Es ist die Sünde, die zur Sünde verleitet! Aus einer Sünde entsteht eine weitere Sünde. Nicht die äußerlichen Zustände (Spott, Hohn, Leid, Macht, Geld...) an sich sind es, die die Anfechtung darstellen und eine Gefahr sind, sondern der Mensch mit seiner Begierde. Anfechtung ist ein innerpsychischer Vorgang; der Mensch wird durch die Anfechtungen „gereizt“ einen persönlichen Vorteil durch die ἐπιθυμία (Sehnsucht, Wunsch, Gelüst, Begierde) einen persönlichen Vorteil zu erlangen und erst dadurch wird die Anfechtung zur Versuchung.[5]

Es ist menschlich, dass der Mensch ἐπιθυμία (Begierde) erfährt, und deshalb lassen sich auch die Anfechtungen nicht vermeiden, aber PsJak ruft dazu auf, im Glauben sich gegen die Begierde zu stellen und eben nicht nur einen persönlichen Vorteil in den Blick zu nehmen.

Auch für Pseudo-Petrus dienen die Prüfungen dazu, die Echtheit des Glaubens unter Beweis zustellen. Die negativen Erfahrungen, das Leiden der Adressaten zeugen von der Zugehörigkeit zu Gott. In der negativen Erfahrung steckt aber auch die Freude! Die Freude ist versteckt. Denn die Zugehörigkeit zu Gott bedeutet auch, dass Gott die Gläubigen in dieser Zugehörigkeit bewahrt. Hier passt schön der meditative Trostspruch von der heiligen Theresia v. Avila: „Nichts soll Dich ängstigen, Nichts Dich erschrecken, Alles vergeht, Gott bleibt derselbe, Geduld erreicht alles, Wer Gott besitzt, dem kann nichts fehlen, Gott allein genügt.“

Diese Tatsache lässt die Gläubigen „jubeln“. Pseudo-Petrus färbt damit das Leiden, genau wie der Verfasser des Jakobusbriefes, positiv. Die Adressaten wissen, welche Freude sie am Ziel erhalten - gewissermaßen als ein „Vorgeschmack“ - und darum können sie schon jetzt jubeln, so wie sie am Tag der Rettung jubeln werden.[6] Es ist ein eschatologischer Vorgriff, den der Verfasser hier vornimmt, und dieser spendet den Adressaten Hoffnung, die wiederrum die Gegenwart bestimmt. Mit anderen Worten gesagt: wir können als ein nachösterliche Menschen leben. Die Adressaten stehen in der Spannung von „schon jetzt“ und „noch nicht“.[7]

Im Gegensatz zu dem Verfasser des Jakobusbriefes sieht der Verfasser des ersten Petrusbriefes, Gott schon als denjenigen, der hinter diesen Leiden in der Fremdheit steht, denn sie sind eine Konsequenz aus dem erwählenden Handlen Gottes, die dann aber als Prüfungen gedeutet werden können.[8] Wer zu Gott gehört, muss auch Prüfungen erdulden und in sich in seinem Glauben angefochten wissen. So kann eine Brücke zu altestamentlichen Hiobs-Erzählung geschlagen werden, in der Gott, Satan die Versuchung des Hiob erlaubt. Ist die Versuchung mit ihren negativen Einflüssen so stark, dass sie die Beziehung des Menschen mit Gott zerstört? Darin besteht die Gefahr der Versuchung. Gefahr? Was ist mit einer Chance!? Es ist die Chance, auf das Geborgensein in Gott und seinem erwählenden Handeln zu vertrauen und so seinen Glauben zu stärken, der ewiges Heil als Ziel hat. Somit widerspricht sich die Prüfung der Gläubigen nicht mit dem Gottesbild des liebenden und barmherzigen Gottes, solange er doch in den Prüfungen ihnen beisteht und die Prüfungen dem Sinn der Heils-Erlangung dienen.

[...]


[1] Vgl. KLEIN: Bewährung und Anfechtung 275.

[2] Vgl. KLEIN: Bewährung und Anfechtung 276.

[3] Vgl. KLEIN: Bewährung und Anfechtung 290.

[4] Vgl. KLEIN: Bewährung und Anfechtung 290.

[5] Vgl. KLEIN: Bewährung in Anfechtung 298.

[6] Vgl. VAHRENHORST: Der erste Brief des Petrus 78.

[7] Vgl. VAHRENHORST: Der erste Brief des Petrus 78.

[8] Vgl. VAHRENHORST: Der erste Brief des Petrus 78.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Freude im Leiden? Die Bedeutung der "Prüfungen" im christlichen Leben in Bezug auf 1 Petr. 1,6 und Jak. 1,2-18
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Katholische Fakultät - Seminar für Exegese des Neuen Testaments)
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
9
Katalognummer
V435312
ISBN (eBook)
9783668766327
ISBN (Buch)
9783668766334
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
"Ein gut zu lesendes Essay über eine zentrale Frage des christlichen Glauben."
Schlagworte
freude, leiden, bedeutung, prüfungen, leben, bezug, petr, Petrus, Jakobus, Neues Testament, Theodizee
Arbeit zitieren
Alexander Grüder (Autor), 2018, Freude im Leiden? Die Bedeutung der "Prüfungen" im christlichen Leben in Bezug auf 1 Petr. 1,6 und Jak. 1,2-18, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435312

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