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Kinderkriegen als rationale Entscheidung

Title: Kinderkriegen als rationale Entscheidung

Seminar Paper , 2005 , 12 Pages , Grade: 2,5

Autor:in: Tilman Scheipers (Author)

Politics - Miscellaneous
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In einer Fernesehansprache sprach Bundespräsident Horst Köhler von „gewaltigen Aufgaben“, denen „unser Land“ gegenübersteht: „Wir haben zu wenig Kinder, und wir werden immer älter.“1

Damit hat er eines der wichtigsten und aktuellsten Themen angesprochen. Denn dadurch entsteht eine ungleichgewichtige Alterstruktur, die die Ursache für viele Probleme ist, die derzeit diskutiert werden: Renteneintrittsalter, Krankenversorgung, Generationenvertrag, das Sozialsystem der Bundesrepublik Deutschland. Allgemein gehen die durchschnittlichen Kinderzahlen in modernen Industrienationen zurück. In den kommenden 30 bis 50 Jahren wird das auch auf alle anderen Länder der Welt zutreffen. Die relativen Geburtenraten werden dann überall unter das Bestandhaltungsniveau von durchschnittlich 2,1 Kindern pro Frau fallen. 2 In Deutschland nehmen die Geburtenraten schon seit 1875 ab, nach einer Erholung nach dem Zweiten Weltkrieg sind sie seit Mitte der 1960er Jahre drastisch gefallen und seit ungefähr zehn Jahren haben sie sich auf einem niedrigen Niveau von 1,4 Kindern pro Frau eingependelt. Und dieser Verlauf verhält sich in anderen westlichen Industrienationen kaum unterschiedlich. 3

Stellt sich also die Frage, wo die Ursachen liegen, dass immer weniger Kinder zur Welt kommen: Warum werden immer weniger Schwangerschaften herbeigeführt? Warum entscheiden sich die Menschen dazu, weniger Kinder zu bekommen? Aus welchen Gründen entscheiden sich Menschen überhaupt, sich zu reproduzieren? Zu diesem Thema haben sich viele Soziologen Gedanken gemacht. Aber auch Ökonomen haben sich dieser Fragestellung angenommen, denn möglicherweise ist die Entscheidung ein Kind zu bekommen ja eine rational nachvollzieh- und begründbare. So wird im Rahmen dieser Hausarbeit zunächst auf die Grundidee des Rational-Choice- Modells eingegangen, um sich dann mit der Fertilitätsökonomie wie Gary S. Becker4 sie unter anderen formulierte zu beschäftigen.

Sodann soll geprüft werden, ob nicht unter Umständen auch andere, soziologische Theorien das Entscheidungsmuster zur Reproduktion ergänzen können oder ob sie dies zu erklären sogar besser in der Lage sind. Abschließend wird die Entwicklung der Fertiliät dargestellt sowie empirische Befunde über den Zusammenhang zwischen selbiger und rational messbarer Größen wie Einkommen oder formaler Bildungsgrad angeführt, um diese Erkenntnisse in Relation zu den zuvor vorgestellten Theorien zu stellen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Erklärungsansätze

1. Der ökonomische Ansatz

a. Das Rational-Choice-Modell

b. Die Fertilitätsökonomik

2. Der soziologische Ansatz

III. Empirische Befunde

1. Historische Entwicklung der Fertilität

2. Zusammenhänge zwischen Bildung bzw. Einkommen und Fertilität

IV. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Frage, ob die Entscheidung für ein Kind als rationale Handlung im Sinne ökonomischer Modelle betrachtet werden kann, oder ob soziologische Faktoren eine entscheidende Rolle spielen. Hierbei wird analysiert, wie sich ökonomische Kosten-Nutzen-Erwägungen und gesellschaftliche Normen auf das Fertilitätsverhalten auswirken.

  • Grundlagen des Rational-Choice-Modells
  • Die ökonomische Theorie der Fertilität nach Gary S. Becker
  • Soziologische Erklärungsansätze für Geburtenraten
  • Historische Entwicklung der Fertilität in Deutschland
  • Einflussfaktoren von Bildung und Einkommen auf das Kinderkriegen

Auszug aus dem Buch

b. Die Fertilitätsökonomik

Während Malthus versuchte die Bevölkerungsentwicklung mittels der Variablen ‚Heiratsalter’ und ‚durchschnittliche Koitushäufigkeit in Ehen’ zu errechnen, stellte Becker fest, dass in einer modernen Gesellschaft zwei Entwicklungen diese Formel unbrauchbar gemacht hatten. Da zum einen die Säuglingssterblichkeitsrate vernachlässigbar gering und zum anderen das Wissen um Empfängnisverhütung immer allgemeiner und verbreiteter geworden war, ist Familienplanung eine Entscheidungsgröße geworden. So kann idealerweise davon ausgegangen werden, dass die Entscheidung über die Geburtenkontrolle unabhängig geworden ist von der über die Koitushäufigkeit. Somit ist die Herbeiführung einer Schwangerschaft automatisch die Entscheidung für das Bekommen des Kindes. Es lässt sich also mit Fug und Recht behaupten, dass diese Entscheidung dann eine rationale ist. Die Übertragung auf ein Kosten-Nutzen-Modell drängt sich daher auf.

Als Kosten eines Kindes werden die Aufwendungen für zum Beispiel Ernährung, Kleidung, Ausbildung, etc. verstanden. Der Nutzen wird aufgefächert in Konsum-, Arbeits- und Vorsorgenutzen. Jedoch sind die Dimensionen des Nutzens von Kindern zumindest in modernen Gesellschaften bis auf den Konsumnutzen – das Kind als Objekt der Freude – nicht mehr zeitgemäß. Dagegen sind die Kosten des Kinderaufziehens gestiegen, vor allem in Hinblick auf die Opportunitätskosten, die mit Verzicht oder Teilverzicht auf Beruftätigkeit durch den damit verbundenen Wegfall von Einkommen entstehen.

Eine rationale Entscheidung muss diejenige Alternative wählen, die verspricht, mit ihrem Nutzen ihre Kosten zu übertreffen, bei welcher somit die Nettokosten negativer Ausprägung sind. Sind die Nettokosten jedoch positiv, so wird in der gleichen Kategorie ein Gut minderwertiger Stellung gewählt. Es sei denn, es ist ein Luxusgut, das die positiven Nettokosten durch seinen psychischen Nutzen wieder ausgleicht.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle demografische Situation in Deutschland, charakterisiert durch sinkende Geburtenraten und eine alternde Gesellschaft, und führt in die Fragestellung ein, ob die Entscheidung für Kinder rational begründbar ist.

II. Erklärungsansätze: Dieses Kapitel stellt sowohl den ökonomischen Ansatz, insbesondere das Rational-Choice-Modell und Gary S. Beckers Fertilitätsökonomik, als auch ergänzende soziologische Perspektiven vor.

III. Empirische Befunde: Hier wird die historische Entwicklung der Geburtenraten dargestellt und der Zusammenhang zwischen sozioökonomischen Variablen wie Bildung und Einkommen sowie der Fertilität analysiert.

IV. Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen und empirischen Erkenntnisse zusammen und stellt die rationale Entscheidungsgrundlage kritisch in Frage.

Schlüsselwörter

Fertilität, Geburtenrate, Rational-Choice-Modell, Ökonomie, Soziologie, Kosten-Nutzen-Analyse, Opportunitätskosten, Bildung, Einkommen, Demografie, Familienplanung, Homo Oeconomicus, industrielle Gesellschaft, demografischer Wandel, Kinderwunsch

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Entscheidung zum Kinderkriegen aus zwei wissenschaftlichen Perspektiven: der ökonomischen Rationalitätstheorie und soziologischen Erklärungsmodellen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Kosten-Nutzen-Struktur von Kindern, die Auswirkungen der Industrialisierung auf die Familienplanung sowie den Einfluss gesellschaftlicher Normen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu prüfen, inwieweit das Bekommen von Kindern als rationale, nutzenmaximierende Handlung im Sinne ökonomischer Modelle (z.B. nach Becker) erklärt werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse ökonomischer und soziologischer Modelle, ergänzt durch eine Betrachtung historischer und empirischer Daten zur Fertilität.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung theoretischer Erklärungsansätze (Rational-Choice) und die Analyse empirischer Fakten hinsichtlich der Entwicklung von Geburtenraten und deren Korrelation mit Bildung und Einkommen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Fertilität, Rational-Choice, Opportunitätskosten, Familienplanung und sozioökonomische Faktoren.

Wie unterscheidet sich der ökonomische Ansatz vom soziologischen Ansatz in Bezug auf Kinder?

Während der ökonomische Ansatz Kinder als Investitions- oder Konsumgut mit expliziten Kosten und Nutzen betrachtet, fokussiert der soziologische Ansatz stärker auf soziale Normen, Erwartungen und strukturelle Lebensbedingungen.

Warum gelten Kinder laut der ökonomischen Theorie oft als "Luxusgüter"?

Aufgrund der hohen Opportunitätskosten und des notwendigen finanziellen Aufwands für ihre Erziehung sind die Nettokosten hoch, weshalb sie ökonomisch als Luxusgut klassifiziert werden, dessen Anschaffung eine bewusste Entscheidung erfordert.

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Details

Title
Kinderkriegen als rationale Entscheidung
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Grundseminar
Grade
2,5
Author
Tilman Scheipers (Author)
Publication Year
2005
Pages
12
Catalog Number
V43650
ISBN (eBook)
9783638413992
ISBN (Book)
9783640330355
Language
German
Tags
Kinderkriegen Entscheidung Grundseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tilman Scheipers (Author), 2005, Kinderkriegen als rationale Entscheidung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43650
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