Resilienz und Präventionsarbeit bei sexuellen Übergriffen auf Kinder


Hausarbeit, 2014
27 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriffsklärung

2. Wofür ist Resilienz wichtig?

3. Zum Schutze des Kindes

4. Die Resilienzfaktoren
4.1 Selbst- und Fremdwahrnehmung
4.2 Die Selbststeuerung
4.3 Selbstwirksamkeit
4.4 Soziale Kompetenz
4.5 Umgang mit Stress
4.6 Problemlösen

5. Krisen und Belastungen
5.1 Entwicklungskrisen
5.2 Akute Belastungssituationen
5.3 Kritische Lebensereignisse
5.4 Traumatische Krisen.

6. Eine besondere Form der seelischen und körperlichen Belastung
6.1 Sexuelle Übergriffe auf Kinder
6.2 Fakten der Gewalt

7. Mögliche Folgen sexueller Übergriffe auf Kinder
7.1 Die stumme Suche nach Hilfe

8. Möglichkeiten der Prävention
8.1 Möglichkeiten der Prävention in Kindertageseinrichtungen

Resümee

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Einleitung

In der folgenden Hausarbeit möchte ich zunächst mein Hauptaugenmerk auf das Thema „Resilienz“ legen. Der Bereich der Resilienz meint, dass Kinder in der Lage sind, Krisen und Widrigkeiten des Lebens erfolgreich zu meistern. Resilienz ist nicht angeboren, sondern erlernbar. Aber die Resilienz kann auch mit der Zeit und unter verschiedenen Umständen variieren und ist immer von der Persönlichkeit eines Menschen und dessen Lebensumwelt abhängig.[1] In der täglichen Arbeit als Pädagoge trifft man immer wieder Kinder, die unter außerordentlich schlechten Bedingungen aufgewachsen sind wie z. B. Armut, Arbeitslosigkeit der Eltern oder Gewalterfahrungen, sich jedoch entgegen aller Erwartungen positiv entwickeln. Welche Faktoren sich stärkend auf die Widerstandsfähigkeit der Seele auswirken können, werde ich im ersten Teil meiner Hausarbeit aufzeigen. Dennoch möchte ich auch auf mögliche Krisen und Belastungen eingehen, welche auf Kinder und Erwachsene gefährliche Auswirkungen haben können.

Im zweiten Teil meiner Hausarbeit möchte ich mich der kindlichen Sexualität, genauer dem Bereich der sexuellen Übergriffe auf Kinder, widmen.

Jedes fünfte Mädchen und jeder zwölfte Junge in Deutschland erlebt sexuelle Gewalt. Durch diese erschreckend hohe Anzahl an betroffenen Kindern muss sich jede pädagogische Fachkraft mit diesem Thema auseinandersetzen, da sie potenziell mit Opfern bei ihrer Arbeit zu tun hat. Somit befasst sich dieses Portfolio mit der sexuellen Gewalt gegen Kinder und mögliche Interventionen in der Kita. Die Ziele, Kinder zu stärken, Fachkräfte zu sensibilisieren und somit sexuelle Gewalt zu vermindern, werden angestrebt. Als erstes wird sexuelle Gewalt definiert, da durch das Verstehen (der Begrifflichkeit) in der pädagogischen Arbeit angesetzt werden kann.

1. Begriffsklärung

Da das Wort Resilienz immer wieder in meiner Hausarbeit auftauchen wird, halte ich es für sinnvoll, den Begriff zu Beginn zu definieren:

„Der Begriff „Resilienz“ leitet sich ab vom Lateinischen „resiliere“= abprallen, nicht anhaften. Der aus dem Englischen entlehnte Begriff, „resilience“, der mit Elastizität, Strapazierfähigkeit oder auch Zähigkeit übersetzt werden kann, beschreibt die Fähigkeit von Menschen, sich von den negativen Folgen früherer Erfahrungen schnell zu erholen oder erfolgreich mit belastenden Lebenssituationen (z. B. Unglücken, traumatischen Erfahrungen, Misserfolgen, Risikobedingungen) und negativen Folgen von Stress umgehen zu können, sich nicht ‚unterkriegen zu lassen‘ bzw. nicht daran zu zerbrechen.“[2] Resilienz ist nicht als angeborenes und generell einsetzbares Merkmal der eigenen Persönlichkeit anzusehen. Sie entwickelt sich vielmehr in der Auseinandersetzung mit besonderen Lebenssituationen und im Austausch mit den Schutzfaktoren.[3] Im Wesentlichen betrachtet die Resilienzforschung drei Punkte, welche die wichtigsten Merkmale von Resilienz darstellen:

- Die ständige Kompetenz in akuten Stresssituationen
- Eine schnelle bzw. erfolgreiche / positive Rehabilitation nach traumatischen Erlebnissen
- Eine positive, gesunde Entwicklung trotz anhaltendem Risikostatus.[4]

2. Bedeutung der Resilienz

Es gibt unterschiedliche Arten von Krisen und Belastungen, welche Kinder schon in jungen Jahren treffen können. Diese Belastungen sind aber nicht nur als bedrohlich anzusehen, sondern auch als Wegweiser für Veränderungen und Herausforderungen, an welchen das Kind wachsen kann. Resiliente Kinder lassen sich trotz massiver Beeinträchtigungen nicht von ihrem Lebensweg abbringen, altersspezifische Entwicklungsaufgaben müssen Schritt für Schritt gemeistert werden.[5] Kinder sollten im Allgemeinen in der Lage sein, Widrigkeiten und auch Krisen des Lebens zu ertragen und überwinden zu können. Um aus manchen Veränderungen oder Unregelmäßigkeiten in ihrer Entwicklung positiv gestärkt gehen zu können, benötigen Kinder diese seelische Widerstandsfähigkeit.[6] Kinder, welche eine starke seelische Widerstandsfähigkeit besitzen, haben Vertrauen in sich selbst, ihre Umwelt und verfügen über ein positives Selbstbild. Kinder mit einer hohen Resilienz haben realistische Ansprüche an sich selbst und können ihre gesetzten Ziele erreichen. Ebenfalls sind resiliente Kinder in der Lage, anderen Kindern / Erwachsenen Hilfestellung zu geben, aber auch in Problemsituationen Hilfe von außerhalb anzunehmen. Die wichtigsten Faktoren für die Entstehung von Resilienz sind die sogenannten Resilienz,- und Schutzfaktoren. In meiner Arbeit werde ich beide Faktoren ausgiebig darstellen, um ihre Wichtigkeit zu verdeutlichen.[7]

3. Zum Schutze des Kindes

Es ist möglich, das Kind als Individuum in seinen eigenen Fähigkeiten, seinem Handeln und seinem Optimismus in Bezug auf Stresssituationen zu stärken. Jedoch kann man Kindern auch durch ihr Lebensumfeld und ihre Familie stützende Bedingungen schaffen. Durch das Erzeugen von Schutzfaktoren auf mehreren Ebenen kann man gute Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich das Kind positiv entwickelt, Problemstellungen flexibel entgegen treten kann und auch Selbstbewusstsein entwickelt.[8]

Nun werde ich einige Schutzfaktoren der 3 wichtigen Bereiche aufzählen:

Schutzfaktoren beim Kind

- Grenzen einschätzen und Hilfe holen können
- Wahrnehmen, Mitteilen und Ausdrücken von Gefühlen
- Aktive Problembewältigung, mit Belastungen nicht ausweichend umgehen
- Kognitive Kompetenzen: durchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten
- Freizeitinteressen und gute Schulleistungen
Schutzfaktoren in der Familie
- Dauerhafte, feste Bindung zu mindestens einer primären Bezugsperson
- Niedriges Konfliktniveau in der Familie sowie zwischen den Eltern
- Emotional warmes, aber Grenzen setzendes / strukturiertes Erziehungsverhalten
- Dosierte Mitverantwortung und Mithilfe im Haushalt / Partizipation
- Psychische Stabilität der wichtigsten Bezugspersonen[9]
Schutzfaktoren im Lebensumfeld
- Unterstützende Personen außerhalb der Kernfamilie, z. B. Verwandte, Lehrer, Tagesmütter
- Soziale Vernetzung und Integration in Kindergarten / Schule
- Orientierung an Normen und Werten in Gemeinschaften
- Soziale Modelle für konstruktive Konflikt- und Problemlösungen
- Positive Freundschaftsbeziehungen

Oftmals genügen schon wenige Entlastungen und Verbesserungen, um aus den Risikofaktoren, die ich im Anschluss aufzeigen werde, Schutzfaktoren zu machen. Die Schutzfaktoren werden nicht als einzelne Säulen gesehen, welche das Kind stützen. Vielmehr bilden sie eine Einheit, in dem ein Bereich in den anderen greift und die unterstützenden Faktoren sich gegenseitig noch stärker machen.[10] Außer Acht lassen darf man jedoch nicht, dass sich die Schutzfaktoren auch ganz schnell zu Risikofaktoren umwandeln können, z. B. in der Familie: Bei Trennung der Eltern, dem plötzlichen Tod eines Elternteils oder Umzug in eine andere Stadt.[11] Gerade in einer Zeit, in der ca. 50% aller Eheschließungen rückgängig gemacht werden bzw. sich die Eltern räumlich voneinander trennen, sind Familien zunehmenden Belastungen ausgesetzt.

4. Die Resilienzfaktoren

„Eigenschaften, die das Kind in der Interaktion mit der Umwelt sowie durch die erfolgreiche Bewältigung von altersspezifischen Entwicklungsaufgaben im Verlauf erwirbt; diese Faktoren haben bei der Bewältigung von schwierigen Lebensumständen eine besondere Rolle.“[12]

In der Resilienz- und Schutzfaktorenforschung konnten einige Faktoren aufgezeigt werden, welche Kindern helfen, ihre eigene seelische Widerstandsfähigkeit zu entwickeln. Maike Rönnau-Böse sowie Klaus Fröhlich-Gildhoff konnten aus einer Vielzahl an Studien die wichtigsten Elemente zusammentragen und aus ihnen 6 zentrale Resilienzfaktoren herausarbeiten. Diese Faktoren kommen den Kindern in dem Moment zu Gute, in dem sie Belastungen oder Gefahren ausgesetzt sind. Die Resilienzfaktoren gehören zu den personalen Schutzfaktoren. Die 6 Faktoren, die als Grundlage für eine gezielte Resilienzförderung dienen, werden wie folgt beschrieben:[13]

4.1 Selbst- und Fremdwahrnehmung

Die ganzheitliche Wahrnehmung der eigenen Emotionen und Gedanken stehen hier an erster Stelle. Das eigene Verhalten im Gegensatz zu anderen Mitmenschen einzuordnen und zu reflektieren ist ein weiterer wichtiger Grundsatz. Der Bereich der Selbstwahrnehmung umfasst 3 wichtige Teilbereiche:

1) Das Selbst-Konzept
2) Die Selbst-Wahrnehmung im engeren Sinne
3) Die Selbst-Reflexivität

Die Fremdwahrnehmung meint, dass Menschen in der Lage sind, das Verhalten anderer Personen richtig zu deuten, wahrzunehmen und nachvollziehen zu können.[14]

4.2 Die Selbststeuerung

Hiermit sind die Kontrollen der eigenen inneren Zustände, also Emotionen und Spannungszustände, gemeint. Um diese Kontrolle zu besitzen, müssen Kinder / Erwachsene wissen, wie sie ihren Erregungszustand zur Selbstberuhigung gestalten können. Kleinkinder und Säuglinge benötigen dafür noch ihre Bezugspersonen. Ab dem 5. Lebensjahr können Kinder dann ihre Emotionen in der Regel selbst kontrollieren. Wenn Menschen die Fähigkeit der Selbststeuerung erworben haben, sind sie in der Regel auch in der Lage, Empathie zu empfinden und eine Perspektivenübernahme auf emotionaler Ebene vorzunehmen.[15]

4.3 Selbstwirksamkeit

Die Selbstwirksamkeit meint die Fähigkeit, in sich selbst ein grundlegendes Vertrauen aufzubauen mit der Überzeugung, ein bestimmtes Ziel auch durch das Überwinden von verschiedenen Hindernissen erreichen zu können. Die Selbstwirksamkeitserfahrung wird dann gestärkt, wenn Handlungen Erfolg haben. Durch Misserfolge wird die Selbstwirksamkeit geschwächt. Mit steigender Selbstwirksamkeit erlangen Kinder ein Gefühl, Situationen und Geschehnisse kontrollieren zu können und nicht völlig ausgeliefert zu sein.[16]

4.4 Soziale Kompetenz

Im Konkreten geht es in diesem Punkt um die Fähigkeit, mit anderen Menschen in sozialen Situationen adäquat umzugehen und sich auch emphatisch in andere Menschen hineinversetzen zu können. Es geht aber auch darum, aus der eigenen Aktivität heraus auf Menschen zuzugehen und einen sozialen Kontakt herzustellen. Sich Unterstützung zu holen, wenn diese notwendig ist und auch zwischenmenschliche Kommunikation aufzubauen sowie aufrechtzuerhalten, zählen ebenfalls zu den sozialen Kompetenzen.

4.5 Umgang mit Stress

Am wichtigsten sind das aktive Zugehen in Stresssituationen und der angemessene Einsatz von Bewältigungsstrategien. Damit ist aber auch die Fähigkeit zur Realisierung und Umsetzung vorhandener Kompetenzen in der Situation gemeint. Laut der Kauai Studie[17] können resiliente Kinder stresserzeugende Situationen besser erkennen und haben ein vielfältigeres Repertoire an Bewältigungsmaßnahmen, welche ihnen zur Verfügung stehen. Dennoch ist es in Stresssituationen elementar, seine eigenen Grenzen zu kennen und zu erkennen, ab welchem Punkt es wichtig ist, Hilfe bei anderen Personen zu suchen.[18]

4.6 Problemlösen

„Unter Problemlösen wird die Fähigkeit verstanden, „komplexe, fachlich nicht eindeutig zuzuordnende Sachverhalte gedanklich zu durchdringen und zu verstehen, um dann unter Rückgriff auf vorhandenes Wissen Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, zu bewerten und erfolgreich umzusetzen“[19]

Diese 6 Faktoren sind jedoch nicht unabhängig voneinander zu betrachten. Sie stehen in einem engen Zusammenhang zueinander.

5. Krisen und Belastungen

In dem nun folgenden Punkt werde ich spezifisch auf die Belastungssituationen für Kinder eingegangen. Interessant wäre es gewesen, sowohl die Belastungen im Jugendalter als auch jene im Erwachsenenalter zu untersuchen. Jedoch bietet diese Hausarbeit nicht den Rahmen, die seelische Widerstandsfähigkeit und ihre Krisen während des gesamten Lebens zu untersuchen.

Die Krisen und Belastungen sind für die Kinder nicht nur als bedrohlich anzusehen, sondern vielmehr als etwas, das zum Leben dazugehört und auch Wegweiser für etwas Neues sein kann. Dennoch gibt es unterschiedliche Arten und Abstufungen kindlicher Krisenerfahrungen, die sich mit Blick auf mögliche soziale, psychische und körperliche Risikofaktoren wie folgt charakterisieren:

[...]


[1] Vgl. http://gesundheitsfoerderung.bildungrp.de/fileadmin/user_upload/gesundheitsfoerderung. bildung-rp.de/Psychische_Gesundheit/Leitfaden_Resilienz.pdf

[2] Kipker, 2008, S.21 zitiert nach: Vgl. Niebank & Petermann, 2000, S.82; Vgl. Gabriel, 2005, S.207; Vgl. Wustmann, 2005, S.192

[3] Vgl. Fingerle, 2007, S.159

[4] Vgl. Fröhlich-Gildhoff, 2012, S.8 zitiert nach: Wustmann, 2004, S.19

[5] Vgl. Kipker, 2008, S.27

[6] Vgl. Jaede, 2007, S.1

[7] Vgl. Fröhlich-Gildhoff, 2005, S.6f

[8] Vgl. Jaede, 2007, S.44

[9] Vgl. Jaede, 2007, S.45

[10] Vgl. Jaede, 2007, S.45ff

[11] Vgl. Hurrelmann, 1988, S.51ff

[12] Fröhlich-Gildhoff, 2012, S.10, zitiert nach: Wustmann, 2004, S.46

[13] Vgl. Fröhlich-Gildhoff, 2012, S. 10f

[14] Vgl. Fröhlich-Gildhoff, 2012, S.10

[15] Vgl. Fröhlich-Gildhoff, 2012, S.10

[16] Vgl. Fröhlich-Gildhoff, 2012, S.10

[17] Eine Längsschnittstudie, welche auf der Hawaiianischen Insel Kauai durchgeführt wurde. In der Studie ging es um Risikofaktoren

[18] Vgl. Fröhlich-Gildhoff, 2012, S.11

[19] Fröhlich-Gildhoff, 2012, S.11, zitiert nach: Leutner et al., 2005, S.125

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Resilienz und Präventionsarbeit bei sexuellen Übergriffen auf Kinder
Hochschule
Evangelische Fachhochschule Freiburg  (Pädagogik der frühen Kindheit)
Veranstaltung
Seelische und körperliche Gesundheit
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
27
Katalognummer
V437009
ISBN (eBook)
9783668784833
ISBN (Buch)
9783668784840
Sprache
Deutsch
Schlagworte
resilienz, präventionsarbeit, übergriffen, kinder
Arbeit zitieren
Fabian Titsch (Autor), 2014, Resilienz und Präventionsarbeit bei sexuellen Übergriffen auf Kinder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437009

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