Veganismus. Einstiegsdroge für Bulimie und Anorexie?


Bachelorarbeit, 2018
33 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Veganismus
2.1 Medienwirkung
2.2 Motivation des Veganismus
2.3 Die Gefahren des Veganismus

3. Essstörungen
3.1 Essverhalten
3.1.1 Faktoren für eine Ernährungsentscheidung
3.1.2 Gestörtes Essverhalten
3.2 Geschichtliche Hintergründe des Schlankheitsideals
3.3 Einflussfaktoren zur Entstehung von Essstörungen
3.3.1.Indiviuelle Faktoren einer Essstörung
3.3.2 Familiär
3.3.3 Kulturell
3.3.4 Essen (Droge)

4. Bulimia nervosa
4.1 Geschichtlicher Hintergrund
4.2 Merkmale
4.3 Folgen

5. Anorexia nervosa
5.1. Geschichtlicher Hintergrund
5.2 Untergewicht erkennen
5.3 Merkmale
5.4 Folgen

6. Die Verbindung zwischen Orthorexie, Veganismus, Bulimie und Anorexie

7. Veganismus und Essstörung - gibt es Zusammenhänge?
7.1 Abnehmen durch Veganismus:
7.2 Nährstoffmangel:

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

10. Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Wenn es um Schmerz, Liebe, Freude, Einsamkeit und Angst geht, ist eine Ratte gleich einem Schwein, einem Hund, einem Jungen. Jeder von ihnen schätzt sein Leben und kämpft dafür.“ [1]

Dieses Zitat stammt von Ingrid Newkirk, der Gründerin von „People for the Ethical Treatment of Animals“ (PETA), einer Tierschutzorganisation, die für das Recht der Tiere kämpft. PETA möchte der Tierquälerei ein Ende setzen und appelliert an die Gesellschaft, sich für eine vegetarische oder eine vegane Ernährungsweise zu entscheiden.[2]

Aufgrund meiner engen Verbundenheit zu Tieren lebe ich selbst seit 17 Jahren vegetarisch.

Für eine rein vegane Ernährungsweise könnte ich mich hingegen noch nicht entscheiden, da sie die Vielfalt meiner Ernährung zu stark einschränken würde.

Angesichts der Relevanz des Veganismus in jüngster Zeit und dem enormen Zuwachs dieser Ernährungsform interessiere ich mich sehr für die Hintergründe einer veganen Lebensweise. Es hilft nicht nur den Tieren, die durch die eigene Ernährungsweise verschont werden, sondern ist zudem Trend geworden. Immer mehr Menschen schließen sich dieser Ernährungsform an und wollen dazugehören.[3] Der Veganismus wird daher sowohl mit einer ethisch-moralischen Komponente gekoppelt, die für das Zusammengehörigkeitsgefühl, für gesundheitliche Aspekte als auch das Erzielen der eigenen „Wunschfigur“ genutzt. Dieser Abnehmwunsch findet sich auch in den Krankheiten Bulimie und Anorexie wieder.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) stellt eine repräsentative Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) vor.

Nach dieser Studie leiden in Deutschland 1,1 % der Frauen und 0,3 % der Männer im Alter von 18 bis 79 Jahren unter Magersucht und 0,3 % der Frauen und 0,1 % der Männer unter Bulimie.[4] Für Mädchen und Jungen wurde bisher keine repräsentative Studie erhoben. Jedoch besagt der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert Koch-Instituts, dass bei etwa einem Fünftel aller 11 bis 17 Jährigen in Deutschland der Verdacht für eine Ess­störung besteht.[5] Diese Zahlen sind ein Alarmzeichen und es stellt sich mir die Frage, welche Bedeutung in diesem Kontext die Selektierung von Nahrung für den Menschen hat und inwieweit diese mit Essstörungen zusammenhängt. Daher entschied ich mich bewusst für diese Thematik und wollte gezielt die Kernfrage untersuchen, ob Veganismus eine Einstiegsdroge für Bulimie und Anorexie sein kann. Ferner möchte ich mich damit beschäftigen, welche Symptome in einer veganen Ernährung durch Mangelerscheinungen auftreten und wie diese mit Essstörungen zusammenhängen können. In dieser Arbeit werden daher primär die Essstörungen „Bulimie“ und „Anorexie“ beleuchtet.

Zu Beginn meines Hauptteils werde ich zum besseren Verständnis auf den Veganismus im Allgemeinen und seine möglichen Gefahren eingehen. Hierbei werde ich auch die Motivation und die Medienwirkung in Bezug auf den Veganismus verdeutlichen. Im nächsten Schritt werde ich das Thema Essstörungen behandeln und speziell auf das Essverhalten unserer heutigen Zeit eingehen und zusätzlich die geschichtliche Entwicklung des Schlankheitsideals und auf die Einflussfaktoren aufzeigen, die eine Essstörung hervorrufen können.

Anschließend werde ich die Krankheitsbilder „Bulimia nervosa“ und „Anorexia nervosa“ näher untersuchen und geschichtliche Hintergründe, Merkmale und Folgen der beiden Symptome herausarbeiten; da sich diese überwiegend bei Frauen zeigen, werde ich mich in meiner Arbeit ausschließlich auf Frauen, bzw. Mädchen beziehen.

Dazu werde ich auch kurz auf die Essstörung Orthorexie eingehen, da sie meiner Meinung nach in einer engen Verbindung mit dem Veganismus als auch mit der Bulimie und Anorexie steht. Folglich werde ich aufzeigen, inwieweit Veganismus vielleicht mit Essstörungen im Zusammenhang steht. Hierbei untersuche ich insbesondere den Aspekt dieser Diät und einen möglichen Nährstoffmangel. Zum Schluss meiner Betrachtung, werde ich die Kernfrage beantworten und daraus ein Fazit ableiten.

2. Veganismus

Laut ProVeg., der größten internationalen Ernährungsorganisation für Vegetarier und Veganer, leben in Deutschland rund 8 Millionen Menschen vegetarisch und 1,3 Millionen vegan, wobei die Zahlen stetig steigen.[6]

Der Veganismus ist eine Ernährungsform, die sich auf der Grundlage des Vegetarismus gebildet hat. Im Vegetarismus wird auf das Essen von Fleisch und Fisch komplett verzichtet.

Aus dem Vegetarismus bildeten sich verschiedene Formen, u. a. der Pescetarier, der zwar auf Fleisch nicht aber auf Fisch verzichtet. Der Veganismus, welcher sich wie der Vegetarismus in unterschiedlichen Kostformen gespaltet hat, wie bspw. die Rohköstler, die jegliche Art von gekochter Nahrung vermeiden und überwiegend pflanzliche Nahrungsmittel essen, wird oft als strenge oder strikte Form des Vegetarismus bezeichnet. Es handelt sich hierbei um die strengste Form, da ein Veganer sich ausschließlich pflanzlich ernährt, also weder Fleisch noch Fisch und zudem auch keine Lebensmittel zu sich nimmt, die vom Tier abstammen, wie bspw. Milch oder Eier. Vegan zu leben oder zu sein ist aber mehr als ein Ernährungsstil, ja es ist ein „Lebensstil“ und umfasst neben der Ernährung auch den Umgang mit allen Produkten tierischen Ursprungs oder entsprechenden „Spaßveranstaltungen“, wie Zoo- oder Zirkusbesuche.[7]

Der Veganer empfindet sich in der heutigen Gesellschaft im Vergleich zum „Mainstream“ tendenziell überlegen, da er ja mit seiner Lebensweise einen nachhaltigen Beitrag für die Welt leistet. Veganismus existiert, weil wir in einer Gesellschaft des Überflusses leben. Die Fülle von Lebensmitteln und die resultierende Entscheidungsvielfalt sind durch die Lebensmittelindustrie angetrieben.[8]

Daher machen sich Menschen immer mehr Gedanken darüber, was sie noch essen können. Der Veganismus schafft hier Abhilfe, da er strikte Regeln vorgibt, an die es sich nur zu halten gilt. Diese Regeln schaffen dem Veganer Sicherheit und Vertrauen, weil er etwas gefunden hat, an das er sich halten kann, und zudem einen respektvollen Umgang mit der Tierwelt pflegt.

Es gibt jedoch unterschiedliche Intentionen, wieso sich Menschen dem Veganismus anschließen. Diese werden nachfolgend genauer betrachtet, um weitere Verbindungen zwischen dem Veganismus und einer Essstörung zu untersuchen.

2.1 Medienwirkung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Deckblatt einer Zeitschrift von „Vegan für mich“.

Diese Abbildung zeigt ein Deckblatt der Zeitschrift „Vegan für mich“. Abgebildet ist ein Salat aus reiner Pflanzenkost. Es wird damit geworben, dass man schnell 5 Pfund

verliert, ohne eine Diät zu machen. Allein die vegane Kost soll helfen schlank und fit zu sein. Dies ist nur eins der wenigen Beispiele, in dem eine vegane Kostform angepriesen wird.

Dazu werben auch berühmte Persönlichkeiten mit einem veganen Leben und erhalten durch die Medienentwicklung vermehrt Aufmerksamkeit. Sie nehmen so starken Einfluss auf ihre Anhänger, also bestimmte Teile der Gesellschaft. In der heutigen Zeit ist Werbung kaum mehr aufzuhalten oder wegzudenken. Überall begegnet sie uns, ob im Fernsehen, in Zeitschriften oder auch auf der Straße, in Form von Oldschool-Litfasssäulen, Plakaten oder Großbildleinwänden. Auffällig hier ist das präsentierte Schlankheitsideal, welches fast ausschließlich jung, dynamisch und mager präsentiert wird. Doch wie schaffen es diese Menschen der Werbung, eine solche Figur zu haben? Die Antwort der Schönheitsindustrie sind zahlreiche Diäten. Diese lassen sich gut vermarkten und versprechen enorme Umsätze.

Der Veganismus findet hier seinen Anklang. „Die Super Vegan Diät – Schnell schlank: 4 Kilo in 1 Woche.“[9] lautet der Titel eines Buches, welches verspricht, mit einer veganen Ernährungsform schnell abnehmen zu können. Natürlich sollen Veganer nicht auf Leckereien verzichten müssen, sodass zahlreiche Ersatzprodukte den Markt bestimmen. Vom veganem Ei, Joghurt bis zum Käse oder auch veganen Fischstäbchen - alles wird angeboten. Die so verarbeiteten Rohstoffe sind nun zu Genussmitteln „veredelt“ und haben ihren Preis, sodass diese um ein Vielfaches mehr kosten können als das herkömmliche Produkt.

Wichtig in dieser Arbeit ist es herauszufinden, ob durch die Selektion von Nahrung der Veganismus als Einstiegsdroge für Essstörungen fungieren kann und somit auch eine Gefahr für Veganer darstellt. Hierfür ist es wichtig, die Motivation des Veganismus näher zu beleuchten.

2.2 Motivation des Veganismus

Die Motivationen vegan zu leben sind sehr vielfältig. Neben der ethischen Moral, den Tieren nicht zu Schaden und sie nicht auszubeuten, sondern als ein leidfähiges Wesen wahrzunehmen, werden vorrangig

- Gesundheitsaspekte,
- religiöse Gründe, und/oder
- Umweltaspekte

angeführt.

Der durch Massentierhaltung entstehenden Umweltbelastung wird durch eine vegane Ernährungsweise grds. etwas entgegengesetzt. Doch auch der Glaube an gesundheitliche Aspekte prägt den „veganen Lebensstil“, der die Lebenszufriedenheit, Vitalität und das Wohlbefinden jedes Einzelnen steigern soll.[10]

Der Aspekt der Gesundheit stellt somit eine wichtige Komponente auch für diese Arbeit dar. Die vegane Ernährung wird u. a. als Diät zum Abnehmen genutzt. Immer mehr Prominente folgen dem Trend vom veganen Leben und werben mit den Vorteilen des Veganismus, eben seine „Traumfigur“ zu erreichen. Dadurch erhalten sie viel Aufmerksamkeit, weil sie sich zudem für den Tier- bzw. den Umweltschutz stark machen und ein anerkanntes Statement für die Gesellschaft abgeben.[11]

Immer mehr Menschen eifern diesem Bild nach und entscheiden sich dafür vegan zu leben. In Form des Wunsches abzunehmen, kann dieses jedoch unter näher zu betrachtenden Umständen ein Risiko sein.

2.3 Die Gefahren des Veganismus

Die Gefahren, die der Veganismus mit sich bringt, werden häufig unterschätzt. Denn mittlerweile ist es auch anerkannt, dass, wenn die Ernährung z. B. um tierische Eiweiße eingeschränkt wird, im besonderen Maße darauf geachtet werden sollte, dass Nährstoffe wie Vitamin B12 gesondert zugeführt werden müssen, damit sich keine Mangelerscheinungen einstellen. Im Veganismus kann es somit zu Mangelerscheinungen kommen, da vorwiegend in tierischen Produkten Nährstoffe enthalten sind, die mit einer pflanzlichen Ernährung nicht in ausreichendem Maße zugeführt werden. Daher müssen Veganer häufig zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen, deren behauptete Effekte nicht verlässlich nachgewiesen sind und die bei übermäßiger Einnahme sogar gefährlich für den menschlichen Organismus werden können. Diese Gefahr wird von Veganern häufig unterschätzt, da eben damit geworben wird, dass die vegane Ernährung zu mehr Gesundheit führen soll und nicht von Mangelerscheinungen die Rede ist. Vor allem Kinder und Jugendliche, die noch in der Entwicklung ihres Wachstums stecken, sind sehr gefährdet, da ihr Körper Lebensmittel mit einer hohen Nährstoffdichte benötigt. Hierzu gehört ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Energiereichtum, Mineralstoffen und Vitaminen. Daher sollten sie sich ausgewogen ernähren durch Obst, Gemüse, Kartoffeln, Getreide aber eben auch durch tierische Produkte. Gleichzeitig entwickelt sich ihr Geschmackssinn noch, sodass sie nicht unbedingt das essen wollen, was in einer veganen Ernährung wichtig ist, wie bspw. Kartoffeln mit Leinöl oder eine Rote Bete Suppe.[12]

Trotz alledem ist es kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen dem Veganismus anschließen, es scheint durch Ersatzprodukte keine Einschränkungen zu geben und eben nur Vorteile zu bringen. Veganismus könnte jedoch in Verbindung mit einem Abnehmwunsch zu einer Essstörung führen.

3. Essstörungen

Nahezu jedes zweite Mädchen über 15 Jahre empfindet sich nach entsprechenden Umfragen als zu dick.[13] Die meisten sind mit ihrem Körpergewicht und ihrem Bauch, den Beinen, den Armen, dem Po unzufrieden. Der Druck, schlank sein zu wollen, zeigt sich vor allem bei jungen Menschen als sehr ausgeprägt. Durch die Medien werden sie entsprechend beeinflusst.

In meiner Generation war uns das Gewicht als Kinder nicht wichtig - ob jemand dick oder dünn war, habe ich nicht als etwas Bedeutsames wahrgenommen, sondern die Mitschülerin oder den Mitschüler an sich.

In meiner Familie hatten wir damals nur einen Standcomputer, den ich sehr selten nutzte. Die Schönheitsideale waren viel später erst Thema. Meine sieben Jahre jüngere Schwester hingegen hatte in der 1. Klasse ein Mädchen, was dicker war und bereits gemobbt wurde. Das hat mich damals sehr schockiert, weil ich nicht fassen konnte, dass sich sechsjährige Mädchen bereits für so etwas interessieren.

„Size Zero“ zu erreichen scheint das Ziel für viele junge Frauen zu sein. „Size Zero“ entspricht der Kleidergröße 32, welche der eines 12-jährigem Mädchens nahekommt. Die Bezeichnung wird jedoch auch für Diät Programme verwendet, um die Mädchen direkt anzusprechen, ihre Traummaße zu erreichen, ohne darüber aufzuklären, wie gefährlich dieser Wunsch ist, sondern dieser wird noch unterstützt.[14] Die Models, die diese Maße präsentieren, kursieren als Vorbilder mit ihren perfekten, schlanken Körpern und keinem Gramm Körperfett zu viel.

Durch Bildbearbeitungsprogramme wird dieses Konstrukt noch unrealistischer und ein Model scheint „göttlich“, unfehlbar und makellos zu sein. Dieses Schönheitsideal scheint unerreichbar und die jungen Frauen werden frustriert und werten sich selbst ab. Gegenwärtig wird versucht, diesem Ideal mehr Einhalt zu bieten, sodass es immer mehr normalgewichtige Models gibt, die wieder zurück in die Realität führen und dem entsprechen, wie „echte Frauen“ aussehen sollten. Leider überwiegen als Vorbilder jedoch immer noch abgemagerte Models, die bei der Nachstellung dieses Aussehens eine Essstörung gerade bei jungen Frauen begünstigen[15]

Eine Essstörung beschreibt ein Phänomen, bei dem die Menge der Nahrungsaufnahme bzw. des daraus resultierenden Körpergewichts als krankhaft gilt. Die „Bulimie“ und die „Anorexie“, die in dieser Arbeit untersucht werden, gehören zu den Hauptvertretern von Essstörungen und zählen zu den häufigsten kinder- und jugendpsychiatrischen Erkrankungen.[16]

Das Wort „Bulimia“ leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet „Heißhunger“, was einen wichtigen Teil dieses Krankheitsbildes beschreibt.

„Anorexia“, wird mit „Appetitlosigkeit“ übersetzt, was in diesem Fall unpassend ist, da Anorektiker nicht an einer psychisch bedingten Appetitlosigkeit leiden. Sie essen sogar gerne und beschäftigen sich permanent mit Nahrungsmitteln, können diese jedoch nicht essen, weil sie sonst nicht abnehmen und somit die Kontrolle über ihr Konstrukt verlieren würden.[17]

Fast ausschließlich Frauen entwickeln eine Mager – oder Ess-Brech-Sucht, welches für die geschlechterspezifischen Rollen verstärkt.[18]

„Man wird nicht als Frau geboren, man wird es.“ [19], sagte schon Simone de Beauvoir, die eine feministische Hauptvertreterin des 20. Jahrhundert der Frauenbewegung war.[20]

Gegenwärtig hat sich das Schlankheitsideal gefestigt, sodass vor allem Frauen einem großen Druck ausgesetzt sind schlank zu sein. In der Pubertät suchen sich Mädchen ihre Idole aus den Medien, die in fast allen Fällen eine „Top Figur“ haben. Um dem Idol zu entsprechen, wird alles in Kauf genommen. Dazu gehört eine schöne Figur, die in der heutigen Zeit immer noch vor allem schlank zu sein hat. Sendungen wie „Germanys Next Topmodel“ unterstreichen dieses Bild und viele Mädchen eifern diesem Schönheitsideal nach. Dieses kann dann schnell in die falsche Richtung gehen und von mehreren Diäten, die fast jede Frau durchgemacht hat, kann das natürliche Essverhalten schwinden und einer Essstörung Vorschub leisten. Diese führt dann zur Störung des eigenen Körperbildes, da sich die Person selbst bei Normal- oder Untergewicht als zu dick empfindet. Das Selbstwertgefühl sinkt unermesslich und die Unsicherheit steigt. Der Wunsch nach Macht entsteht und eine zum Teil kalkulierte Essstörung scheint der Ausweg zu sein.[21]

„Ich getraute mir nicht mehr, kurze Pullis oder so anzuziehen, weil ich annahm, dass dann alle meinen „dicken“ Hintern und Beine sehen mussten. Ich konnte mich einfach nicht mehr sehen im Spiegel. Überall war zuviel.“ schrieb Luisa die unter einer Essstörung leidet.[22]

3.1 Essverhalten

„Der Mensch ist, was und wie er isst.“[23]

Ein gesundes Essverhalten ist ein Faktor im Dasein, um sich wohl zu fühlen. Dabei wird unser Essverhalten von verschiedenen Motiven gelenkt.

Primär ist Essen als Vermeidung von Hunger einzusetzen, welcher grundsätzlich durch angeborene Hunger-und Sättigungsmechanismen gesteuert wird. Darüber hinaus gibt es auch soziokulturelle Lernprozesse, die sich auf unser Essverhalten auswirken, getreu dem Motto:

„Wir essen nicht, was uns schmeckt, sondern wir lernen zu mögen, was wir essen.[24]

Durch unsere Überflussgesellschaft, in der das vielfältige Angebot von Nahrung jederzeit verfügbar ist, essen wir kaum mehr aus unserem tatsächlichen Hunger heraus. In den Vordergrund schiebt sich hierbei der „Appetit“, der ein angenehmes Gefühl in uns auslöst, im Gegensatz zur Hunger orientierten Nahrungsaufnahme – schöne neue Welt. Hierbei wird das Essen als ein „purer Genuss“ erlebt und nicht als ein Mangelausgleich.

Eine essgestörte Person erlebt diesen Genuss nicht mehr, weil das Essen von dieser grundsätzlich als verwerflich angesehen wird. Das Hungergefühl wird als sehr unangenehm empfunden, weil es versucht, zum Essen zu zwingen. Erlangt sie jedoch die Kontrolle über den Körper und eben nicht der Hunger, empfindet die Betroffene ein Zufriedenheitsgefühl.

Hunger- und/oder Sättigungsgefühle sind reine physiologische Prozesse, wohingegen Appetit auf einer psychologischen Befindlichkeitsebene stattfindet. Essen dient daher auch der Beziehungsgestaltung, da das gemeinsame Essen etwas Soziales ist, wo Menschen zusammenkommen. Gemeinsam mit der Familie, in einer Beziehung oder auch mit dem Geschäftspartner, all diese Situationen beinhalten wichtige Beziehungsaspekte, da neben der reinen Nahrungsaufnahme auch verbale und nonverbale Kommunikation stattfindet und das schafft zumeist ein wohliges Befinden.

Das Essen kann jedoch auch als ein Machtmittel genutzt werden. Es gibt Kinder, die versuchen, sich durch das Nichtessen gegen ihre Eltern durchzusetzen, und manipulieren diese damit. Sie versuchen schon im frühen Kindheitsalter, das Hungergefühl zu übergehen. Solch ein Verhalten kann ebenfalls ein Grund dafür sein, dass sich im extremen Fall zu einem späteren Zeitpunkt eine Essstörung entwickelt. Menschen mit Essstörungen sehen das gemeinsame Essen oft als eine Art Folter an. Sie essen am liebsten alleine, wo sie niemand beobachten kann. Dadurch fehlt ihnen ein wichtiger Beziehungsaspekt und sie grenzen sich aus.[25] Das Verlangen nach Gemeinsamkeit besteht zwar, wird aber genauso wie das Hungergefühl versucht zu unterdrücken.

In einer Zeit, die aber immer mehr auf Isolation spielt und wo Gemeinsamkeit durch digitale Medien ausgeglichen wird, fallen diese Entwicklungen immer weniger auf; doch bleibt zu hoffen, dass die gesunde Sehnsucht zurück in die Mitte führt.

3.1.1 Faktoren für eine Ernährungsentscheidung

Welche Ernährungsformen wir ansprechend finden, wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Die Kultur spielt hierbei eine sehr große Rolle. Nicht unwesentlich sind auch die Gesellschaftsform und die Religion. Durch die genannten Komponenten und die Erziehung des Kindes werden Ernährungsgewohnheiten geschaffen.

„Erfahrung, Erziehung, Tradition, Tisch- und Ess-Sitten, aber auch Nahrungsverfügbarkeit, Preis, Aussehen, Abneigung und Stimmungslage beeinflussen unser Essverhalten.“[26]

Essgestörte Person entwickeln sehr strenge Ernährungsgewohnheiten und ordnen Lebensmittel entsprechend ein.

3.1.2 Gestörtes Essverhalten

Essen ist wie ein verborgenes Suchtmittel, welches uns in beliebiger Menge „rund um die Uhr“ überall zur Verfügung steht und das auch noch schnell und problemlos. Essen wird auch zur Bedürfnisbefriedigung genutzt. Schokolade z. B. wird von den meisten geliebt und als Trostpflaster zum wieder glücklich sein genutzt.[27] Dieser Überfluss kann schnell dazu führen, dass wir zunehmen, da wir über unseren Bedarf hinaus immer weiter essen könnten. Daher wird das Essen für viele zum Suchtmittel, was wiederum durch eine Kontrollausübung darüber zu einer Essstörung führen kann. Wäre uns ein wohlig geformter Körper das Vorbild der gegenwärtigen Zeit, wäre das Zunehmen nicht so ein großes Problem für viele. Daher möchte ich kurz auf die Geschichte des Schlankheitsideals eingehen und das Ideal der gegenwärtigen Zeit herausarbeiten.

3.2 Geschichtliche Hintergründe des Schlankheitsideals

Im Laufe der Geschichte hat sich das Schlankheitsideal immer wieder verändert. Zeiten der mageren Gestalt wechselten mit wohlig genährten Körpern, wobei ein fülliger Körper stets und zum Teil auch noch heute für Gesundheit und Wohlstand steht.

1960 gab es einen Umschwung und Frauen sollten eine schlanke, sportliche Figur haben. Das heutzutage eingebürgerte Schönheits- bzw. Schlankheitsideal scheint jedoch für viele unerreichbar geworden zu sein. Eine Frau soll die Figur eines 14-jährigen, schlanken Mädchens aufweisen.[28]

Frauen hungern sich zu Tode, um endlich so auszusehen wie die Magermodels.

Dem Schlankheitsideal körperlich nicht entsprechen zu können, wird zu einer hohen psychischen Belastung. Wer von dieser Norm abweicht oder gar übergewichtig ist, wird von vielen Menschen als „faul“, „unsportlich“ und „willensschwach“ eingestuft, da dick sein heutzutage meist als etwas Negatives gewertet wird, wohingegen schlanke Menschen meistens Komplimente für ihre „tolle“ Figur erfahren.[29]

3.3 Einflussfaktoren zur Entstehung von Essstörungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: „Magersucht - Die Ursachen.

Bild gemalt von einer Betroffenen

Das Bild, welches Ursachen der Magersucht bildlich beschreibt, beinhaltet auch Einflussfaktoren für die Bulimie, welche individuell, familiär oder auch kulturell eine Essstörung begünstigen können und die ich in diesem Kapitel beschreiben möchte. Ein weiterer wichtiger Faktor für mich, der eine Essstörung auslösen kann, ist die Sucht nach Essen, in einer Situation, in der das Essen gleichermaßen zu einer Droge für den Süchtigen wird und sich die Gedanken ständig um Nahrung kreisen.

Bei Essstörungen handelt es sich um eine psychogene Erkrankung, wobei Bulimie eher die physische und Anorexie die psychische Form der Essstörung ist.[30]

[...]


[1] http://www.peta.de/tierrechte.

[2] Vgl. ebd.

[3] https://dr-barbara-hendel.de/blog/abnehmen-als-vegetarier/.

[4] Vgl. Jacobi, Frank 2013. S. 77-87.

[5] https://www.bzga-essstoerungen.de/lehr-und-fachkraefte/zahlen-zur-haeufigkeit/.

[6] https://vebu.de/veggie-fakten/entwicklung-in-zahlen/vegan-trend-fakten-zum-veggie-boom/.

[7] Vgl. Leitzmann, Claus 2001, S. 12.

[8] Vgl. Klotter, Christoph 2016, S.13.

[9] Vgl. Oberbeil, Klaus 2014.

[10] http://www.tier-im-fokus.ch/info-material/info-dossiers/veganismus.

[11] http://www.gofeminin.de/abnehmen/prominente-veganer-d49849c582238.html.

[12] Vgl. Kofrányi, Ernst; Wirths, Willi.2013. S.169.

[13] https://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Deutsche-Kinder-fuehlen-sich-zu-dick-zu-Recht- id20152951.html.

[14] https://www.stern.de/lifestyle/mode/myla-dalbesio--was-ist-size-zero---und-wann-bin-ich-plus-size-- 3258782.html.

[15] http://www.gofeminin.de/abnehmen/prominente-veganer-d49849c582238.html.

[16] Vgl. ebd., S. 24.

[17] Vgl. Ettrich, Christine; Pfeiffer, Ulrike. 2001, S. 7.

[18] Vgl. Kremser, Bettina 2011, S. 59.

[19] https://www.emma.de/artikel/wer-hat-je-ein-buch-geschrieben-das-das-schicksal- aller-menschen-veraendert-265507-.

[20] https://derstandard.at/916421/Simone-de-Beauvoir-Leitfigur-des-Feminismus.

[21] Vgl. Hornbacher, Marya 1999, S. 83.

[22] Vgl. Ettrich, Christine; Pfeiffer, Ulrike. 2001, S. 7.

[23] Vgl. Kinzl, Johann; Kiefer, Ingrid; Kunze Michael 2004, S.7.

[24] Vgl. ebd., S. 7.

[25] Vgl. ebd., S. 7ff.

[26] Vgl. ebd., S. 8.

[27] Vgl. ebd., S. 24.

[28] https://www.br.de/puls/themen/leben/geschichte-der-schoenheit-mode-trends-durch-die-jahrhunderte- 100.html.

[29] Vgl. Langsdorff, Maja 2011, S. 126.

[30] Vgl. Hornbacher, Marya 1999, S. 232.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Veganismus. Einstiegsdroge für Bulimie und Anorexie?
Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
33
Katalognummer
V437614
ISBN (eBook)
9783668778290
ISBN (Buch)
9783668778306
Sprache
Deutsch
Schlagworte
veganismus, einstiegsdroge, bulimie, anorexie
Arbeit zitieren
Laila Römling (Autor), 2018, Veganismus. Einstiegsdroge für Bulimie und Anorexie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437614

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