Die Erkenntnis im Bild. Caravaggios "Das Emmausmahl" und "Der ungläubige Thomas"


Term Paper (Advanced seminar), 2010
17 Pages, Grade: 1,7

Excerpt

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Michelangelo Merisi da Caravaggio – Kurzbiografie

3. Beschreibung der Gemälde
3.1 „Das Emmausmahl“
3.2 „Der ungläubige Thomas“

4. Vergleich der Gemälde mit den Textstellen der Bibel

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Kunst vor 1800“ wurde das Thema Religion und Vision in der Kunst behandelt. Im Œuvre des italienischen Malers Caravaggio, welcher dem Frühbarock zuzuordnen ist, spielt diese Thematik eine besondere Rolle. Die vorliegende Arbeit behandelt die Gemälde „Das Emmausmahl“[1] und „Der ungläubige Thomas“. In einem Vergleich soll herausgearbeitet werden, inwieweit der Maler bei der Darstellung der religiösen Sujets die textuelle Vorlage der Bibel umsetzte.

Zu den umstrittensten Fragen der jahrzehntelangen Caravaggio-Forschung zählt neben der Kriminalität und der Homosexualität auch die Religiosität des Malers. Bis heute ist unklar, wie ausgeprägt der Glaube des Malers war und welchen Einfluss dieser auf sein Werk ausübte. Diese Ausarbeitung kann zur Aufklärung dieses Rätsels keine neuen Quellenfunde beisteuern. Mit der Analyse zweier religiös geprägter Gemälde Caravaggios kann sich der Thematik jedoch angenähert werden. Die Zweifel zur Kriminalität und Homosexualität sollen hierbei jedoch unberührt bleiben.

Im Anschluss an diese Einleitung wird der Leser mit dem Maler Michelangelo Merisi da Caravaggio vertraut gemacht. Eine Kurzbiographie informiert über die wesentlichen Ereignisse in seinem Leben und stellt den Maler vor.

Das dritte Kapitel widmet sich ausführlich der Beschreibung und Interpretation der beiden Gemälde. Zunächst wird „Das Emmausmahl“ in Abschnitt 3.1 behandelt. Das etwas später entstandene Werk „Der ungläubige Thomas“ wird im darauf folgenden Punkt 3.2 beschrieben. Der begrenzte Umfang der Seminararbeit erlaubt keine allumfassende Analyse der beiden Gemälde. Eine Beschränkung auf die aus Sicht der Autorin wichtigsten Aspekte wird notwendig sein. In Kapitel 4 wird dann der Vergleich vorgenommen. Die Textstellen aus der Bibel werden wiedergegeben und mit der Darstellung der beiden jeweiligen Gemälde abgeglichen. Ein abschließendes Fazit fasst die Erkenntnisse der Arbeit zusammen und hinterfragt schlussendlich den gewählten Titel dieser Hausarbeit: Stellen die ausgewählten Gemälde tatsächlich die Erkenntnis dar?

2. Michelangelo Merisi da Caravaggio – Kurzbiografie

Am 29. September 1571 wurde Michelangelo Merisi in Mailand geboren. Seine Eltern Fermo Merisi und Lucia Aratori gehörten dem Mittelstand an und kamen aus angesehenen Familien. Wahrscheinlich wuchs Michelangelo in Caravaggio bei seinen Großeltern auf (vgl. Ebert-Schifferer 2009, S. 29f.). Dem Wohnort seiner Familie verdankt er auch seinen Rufnamen: Caravaggio. Nach dem Tod des Vaters begab er sich 1584 mit 13 Jahren nach Mailand, um dort in der Werkstatt von Simone Peterzano einer Ausbildung zum Maler nachzugehen (vgl. Held 1996, S. 21). Der Meister lehrte ihn die Elemente der venezianischen Schule, die sich später in seinen Werken wiederfinden lassen (unter anderem das Querformat und die Darstellung nahsichtiger Halbfiguren) (vgl. Ebert-Schifferer 2009, S. 32). Nach der vier Jahre andauernden Ausbildung kehrte Merisi zunächst nach Caravaggio zurück, um dann 1592 in Rom Arbeit zu finden. Es ist nicht ganz eindeutig, für welche Werkstatt er zu Beginn arbeitete, die Quellen wiedersprechen sich an dieser Stelle. Übereinstimmung findet sich jedoch dazu, dass Caravaggio für einige Monate bei dem Maler Giuseppe Cesari Anstellung fand (vgl. Ebert-Schifferer 2009, S. 52). Aus dieser Zeit stammt eines der frühesten und heute noch erhaltenen Gemälde des Malers, der „Bacchino malato (Kleiner kranker Bacchus)“ von 1593[2]. Ebenfalls um 1593/94 entstand das Werk „Knabe mit Früchtekorb“, welches durch die auffallend präsente und detaillierte Darstellung des Früchtekorbes brilliert. Der Früchtekorb wird in Caravaggios Werk noch häufiger auftauchen. Zur selben Zeit entstand der „Jüngling, von Eidechse gebissen“, dessen interessante, überaus ausdrucksstarke und beinahe übertriebene Reaktion uns in dieser Arbeit bei der Beschreibung des Gemäldes „Ungläubiger Thomas“ noch einmal begegnen wird.

In Rom lernte Caravaggio Prospero Orsi kennen, welcher ihm zu seinem ersten Auftrag für religiöse Bilder verhalf. Orsis Schwager war der stellvertretenden päpstliche Kämmerer Gerolamo Vittrici, für ihn fertigte Merisi 1594 die Werke „Reuige Magdalena“ und „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ an (vgl. Ebert-Schifferer 2009, S. 65).

Vermutlich Ende 1595 wurde Caravaggio Mitglied des Haushaltes (der famiglia) von Kardinal Francesco Maria Bourbon Del Monte (vgl. Ebert-Schifferer 2009, S. 90). Dies brachte ihm neben diversen neuen Aufträgen auch freie Kost, Logis und hohe Protektion ein. Während seiner Zeit bei Del Monte entstanden diverse Gemälde, unter anderem „Die Musiker“ (1595), „Früchtekorb“ (1595/96), und „Judith und Holofernes“ (1598/99). Dem Einfluss und der Beziehungen Del Montes verdankt Caravaggio auch die Aufträge für die Contarelli-Kapelle. Für den Altar erstellte er zunächst ein Provisorium, da Giuseppe Cesari, welcher eigentlich für das Bild beauftragt wurde, nicht liefern konnte. Der gelehrte theologische Inhalt des Gemäldes „Hl. Matthäus“ von 1599 deutet auf eine intensive Beratung durch Kardinal Del Monte hin (vgl. Ebert-Schifferer 2009, S. 119ff.). Das Werk gefiel, entsprach die Darstellungstradition (nackte, schmutzige Füße) doch der Debatte der Armut der Apostel zu der Zeit. Es folgt der Folgeauftrag für die Seitenbilder der Kapelle, den Caravaggio in „Martyrium des hl. Matthäus“ (1599/1600) und „Berufung des hl. Matthäus“ (1600) umsetzte. 1602 erhielt er zusätzlich den Auftrag für das Altarbild, die Statue des Bildhauers Cobaerts gefiel den Auftraggebern nicht (vgl. Ebert-Schifferer 2009, S. 131). So kam es zu der Entstehung des „Hl. Matthäus“. Die Arbeiten für die Contarelli-Kapelle brachten Caravaggio viel Ruhm, woraus sich neue Bestellungen und neue Kontakte ergaben, zu denen auch Ciriaco Mattei gehörte (vgl. Ebert-Schifferer 2009, S. 141). Für den wohlhabenden und noblen Römer malte Caravaggio „Das Emmausmahl“, welches in Kapitel 3.1 dieser Arbeit detailliert vorgestellt wird. Nach einer der künstlerischen Anfangsphase, welche durch die Produktion von Stillleben, Früchten und heiteren Gesellschaftszenen dominiert wurde, spezialisierte sich der Maler auf die Darstellung religiöser Motive. Ebert-Schifferer schreibt hierzu:

„Nach 1602 erhielt er, soweit wir das am erhaltenen Œvre ersehen können, mit Ausnahme einiger Portraits und des Schlafenden Amors, nur Aufträge für religiöse Bilder oder nahm nur noch solche an. Insbesondere, wenn es sich dabei um Altarbilder handelte, bewegte er sich damit im angesehensten und am härtesten umkämpften Marktsegment.“ (Ebert-Schifferer 2009, S. 166).

Caravaggio hatte den Durchbruch geschafft, er war einer der gefragtesten Maler Roms, arbeitete für wohlhabende Auftraggeber und stellte diverse Bilder für Kirchen und Kapellen her. In dieser äußerst produktiven Zeit entstand auch das Gemälde „Ungläubiger Thomas“, welches in Kapitel 3.2 beschrieben wird. 1606 wurde Caravaggio in eine gewalttätige Auseinandersetzung mit Todesfolge verwickelt, woraufhin er nach Paliano und Zagarolo flüchtet, wo er auf Begnadigung wartete, um nach Rom zurückkehren zu dürfen. Im September/Oktober 1606 begab er sich nach Neapel, hier entstand neben dem Werk „Die sieben Werke der Barmherzigkeit“ (1606) auch ein „David und Goliath“ (1606/07). Das abgeschlagene Haupt Goliaths ist ein Selbstbildnis des Malers, vermutlich sollte diese Darstellung seine Begnadigung in Rom vorantreiben (vgl. Ebert-Schifferer 2009, S. 213). Im Sommer 1607 fuhr Caravaggio nach Malta und wurde dort Ritter des Malteserordens. Als Ersatz für die Aufnahmegebühr des Ordens schuf Caravaggio 1608 die „Enthauptung Johannes‘ des Täufers“, welches für das Oratorium in der Johanneskathedrale in Valletta bestimmt war. Weil er in einen Tumult beteiligt war, sperrte man den Maler jedoch ins Gefängnis, nach kurzer Zeit brach er aus und flüchtete von der Insel, was ihm den Ausschluss aus dem Orden einbrachte (vgl. Ebert-Schifferer 2009, S. 221ff.). Seine Flucht führte Merisi nach Sizilien, hier hielt er sich in unterschiedlichen Städten auf und führte seine künstlerische Produktion in den Werken „Begräbnis der hl. Lucia“(1608) und „Auferweckung des Lazarus“ (1609) fort. Im Jahr 1610 kehrte Caravaggio nach Neapel zurück. Das „Martyrium der hl. Ursula“ zählt vermutlich zu seinen letzten Werken. In Neapel hielt sich der Maler nicht lange auf, im Juli des gleichen Jahres machte er sich zurück auf den Weg nach Rom, seine Begnadigung erwartend. Im Krankenhaus von Porto Ercole stirbt er schließlich am 18. Juli 1610, die Todesursache bleibt wie so vieles im Leben Caravaggios ungeklärt.

So wild und ungeordnet das Leben des Malers erscheinen mag, es gab eine Konstante, die sich wie ein roter Faden durch sein Leben zog: die Religion. Viele Verwandte Merisis schlossen sich in Caravaggio einer religiösen Bruderschaft an, welche zur Laienbruderschaft Arciconfraternità della SS. Trinità gehörte.

„Das religiöse Engagement seiner Familie kann Caravaggio […] nicht entgangen sein, ja es hat ihn oder zumindest seine religiösen Bilder augenscheinlich zutiefst geprägt. Viele von seinen späteren Auftraggebern waren zudem Mitglieder der römischen Bruderschaft.“ (Ebert-Schifferer 2009, S. 35)

Wie und wo sich der rote Faden der Religion in den Gemälden Caravaggios wiederfinden lässt, wird im nächsten Kapitel ausführlich analysiert.

[...]


[1] “Das Emmausmahl” ist je nach Quelle auch unter dem Titel “Abendmahl in Emmaus” oder “Gastmahl in Emmaus” bekannt.

[2] Die Datierung der Gemälde ist je nach Quelle unterschiedlich. Aufgrund der Einheitlichkeit und der Aktualität werden die Angaben von Sybille Ebert-Schifferer 2009 verwendet.

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Details

Title
Die Erkenntnis im Bild. Caravaggios "Das Emmausmahl" und "Der ungläubige Thomas"
College
Leuphana Universität Lüneburg
Grade
1,7
Author
Year
2010
Pages
17
Catalog Number
V437874
ISBN (eBook)
9783668783881
ISBN (Book)
9783668783898
Language
German
Tags
erkenntnis, bild, caravaggios, emmausmahl, thomas
Quote paper
Rebecca Bräutigam (Author), 2010, Die Erkenntnis im Bild. Caravaggios "Das Emmausmahl" und "Der ungläubige Thomas", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437874

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