Smart Contracts bieten als Teil der Blockchain-Technologie die Möglichkeit, Verträge automatisch zu erfüllen und durchzusetzen. Dies ist für Versicherungsanwendungen relevant, da sich hieraus möglicherweise Kostensenkungspotentiale und Geschwindigkeitsgewinne in der Vertragsbearbeitung ergeben. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, welche Anforderungen Blockchain-basierte Smart Contracts erfüllen müssen, um für komplexe Sachversicherungen geeignet zu sein und ob diese Anforderungen durch die derzeit bestehenden Blockchain-Technologien erfüllt werden. Der erste Teil der Forschungsfrage wird durch die Erstellung eines Anforderungskataloges auf Grundlage einer SWOT-Analyse von Smart Contracts beantwortet. Zur Beantwortung des zweiten Teils wird ein Versicherungsprodukt entwickelt, das versucht, die aus der SWOT-Analyse abgeleiteten Anforderungen umzusetzen. Das vorgestellte Produkt ist nicht vollkommen dezentral aufgebaut. Dies ist darin begründet, dass ein komplett dezentrales Konzept mit rechtlichen Unsicherheiten verbunden wäre, die aus der automatischen Durchsetzung der Verträge resultieren. Außerdem kann eine dezentrale Regulierung komplexer Schäden mit der aktuellen Blockchain-Technologie noch nicht umgesetzt werden. Die formalrechtlichen Anforderungen an ein Versicherungsprodukt werden jedoch durch das entwickelte Konzept erfüllt. Diese Arbeit kommt deshalb zu dem Ergebnis, dass Smart Contracts gegenwärtig die Voraussetzungen für die Nutzung für komplexe Sachversicherungen nur teilweise erfüllen. Ein Produkt, das die bestehenden Einschränkungen berücksichtigt, kann für Versicherungsunternehmen aber dennoch einen Mehrwert bieten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einleitung
1.1.1 Eingrenzung des Untersuchungsgebiets
1.1.2 Forschungsfrage
1.1.3 Vorgehensweise
2 Grundlagen Blockchain und Smart Contracts
2.1 Literatur
2.2 Smart Contracts
2.3 Blockchain
2.3.1 Entstehungsgeschichte
2.3.2 Bitcoin
2.3.2.1 Grundlagen
2.3.2.2 51%-Attacken
2.3.2.3 Asymmetrische Kryptographie
2.3.2.4 Hashfunktionen
2.3.3 Ethereum
2.3.3.1 Grundlagen
2.3.3.2 Transaktionen
2.3.3.3 Smart Contracts
2.3.3.4 Gas
2.3.3.5 Ethereum Virtual Machine (EVM)
2.3.4 Differenzierung von Blockchains nach Lese- und Schreibrechten
2.3.5 Hyperledger
2.4 Orakel
2.5 Bestehende Produkte Smart Contract-basierte Produkte
2.5.1 Etherisc
2.5.2 B3i Catastrophe XoL Reinsurance
2.5.3 Axa Fizzy
3 Anforderungen an Smart Contracts für Versicherungsprodukte
3.1 SWOT-Analyse
3.1.1 Hintergrund
3.1.2 Chancen und Risiken
3.1.2.1 Politische Faktoren
3.1.2.2 Ökonomische Faktoren
3.1.2.3 Soziokulturelle Faktoren
3.1.2.4 Technologische Faktoren
3.1.2.5 Ökologische Faktoren
3.1.2.6 Rechtliche Faktoren
3.1.2.7 Zusammenfassung
3.1.3 Stärken und Schwächen
3.1.3.1 Vorgehensweise
3.1.3.2 Marketing
3.1.3.3 Product Development / Produktentwicklung
3.1.3.4 Sales / Vertrieb
3.1.3.5 Underwriting
3.1.3.6 Contract Administration & Customer Service / Vertragsverwaltung und Kundenservice
3.1.3.7 Claims Management / Schadenregulierung
3.1.3.8 Asset & Risk Management
3.1.3.9 Unternehmensführung
3.1.3.10 IT
3.1.3.11 Human Resources / Personalabteilung
3.1.3.12 Controlling
3.1.3.13 Legal Department / Rechtsabteilung
3.1.3.14 Public Relations
3.1.3.15 Zusammenfassung
3.1.4 SWOT-Strategien
3.2 Zwischenfazit
4 Entwurf eines Versicherungskonzeptes auf Basis von Smart Contracts
4.1 Grundsätzlicher Aufbau und Vorgehensweise
4.2 Smartphoneversicherung auf Basis von Ethereum
4.2.1 Administrative Funktionen
4.2.2 Verwendetes Orakel
4.2.3 Einschränkungen des Programms
4.3 Lösungsansätze
4.3.1 Sicherheit des Programms
4.3.2 Dezentrale Versicherung und Schadenregulierung
4.3.2.1 Moral Hazard durch fehlende Durchgriffsmöglichkeiten des Versicherers
4.3.2.2 Beteiligung des Versicherungsnehmers
4.3.2.3 Ausschnittsdeckungen
4.3.2.4 Schadenregulierung durch dezentrale Orakel
4.3.2.5 Kooperation mit Erst- oder Führungsversicherer
5 Diskussion
5.1 Dunkelverarbeitung
5.2 Rechtliche Rahmenbedingungen
5.2.1 Versicherungsaufsichtsgesetz
5.2.2 Versicherungsvertragsgesetz
5.2.3 Kreditwesengesetz
5.2.4 Datenschutz
5.2.5 Geldwäschegesetz
5.3 Umgang mit rechtlichen Unsicherheiten
5.4 Ausblick
6 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Masterthesis untersucht die Machbarkeit, komplexe Sachversicherungen durch den Einsatz von Smart Contracts auf Basis der Blockchain-Technologie zu realisieren. Das primäre Ziel ist es, Anforderungen an diese Smart Contracts zu definieren, zu prüfen, ob derzeitige Technologien diese erfüllen können, und ein entsprechendes Versicherungskonzept zu entwickeln.
- Analyse der Blockchain-Technologie und Smart Contracts als Grundlage für Versicherungslösungen.
- Durchführung einer SWOT-Analyse zur Identifikation von Anforderungen, Stärken und Schwächen.
- Entwurf eines konkreten Versicherungskonzeptes für eine Smartphone-Versicherung auf Ethereum-Basis.
- Diskussion rechtlicher Rahmenbedingungen und regulatorischer Herausforderungen.
- Bewertung des erstellten Proof of Concept hinsichtlich Automatisierung und Kosteneffizienz.
Auszug aus dem Buch
2.2 Smart Contracts
Der Begriff Smart Contract wurde 1994 von Nick Szabo im gleichnamigen Artikel geprägt. Darin beschreibt er einen Smart Contract als computerbasiertes Transaktionsprotokoll, das den Inhalt eines Vertrages ausführt. Der Smart Contract soll in dieser Hinsicht alle relevanten Vertragsbestandteile enthalten und automatisch umsetzen. Unvorhergesehenes Verhalten durch technische Fehler muss dazu ausgeschlossen werden. Durch die automatische Umsetzung haben die Vertragsparteien keine Möglichkeit, den Vertrag durch betrügerische Handlungen zu missachten. Außerdem verringert sich der Bedarf nach vertrauenswürdigen Dritten (Trusted Third Parties, TTP), die zwischen den Vertragsparteien vermitteln (vgl. Szabo, 1994). Diese Definition entspricht relativ genau Transaktionen von Kryptowährungen, die im folgenden Abschnitt beschrieben werden und von Szabo als mögliches Einsatzgebiet von Smart Contracts identifiziert wurden.
Eine weitere relevante Definition lieferte Grigg 2004 mit dem Begriff „Ricardian Contracts“, die Smart Contracts ähneln, da sie ebenfalls von Computer ausgeführt werden können. Im Gegensatz zu Smart Contracts ist deren Ansatz allerdings nicht, mittels Programmen Vertragsbestandteile abzubilden, sondern klassische Verträge für Maschinen les- und umsetzbar zu machen (vgl. Szabo, 1994).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Blockchain-Technologie und das Konzept von Smart Contracts ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach deren Eignung für komplexe Sachversicherungen.
2 Grundlagen Blockchain und Smart Contracts: Dieses Kapitel erläutert die technischen Grundlagen von Blockchains, wie Bitcoin und Ethereum, sowie das Konzept und die Anwendungsbereiche von Smart Contracts und Orakeln.
3 Anforderungen an Smart Contracts für Versicherungsprodukte: Hier werden mittels SWOT-Analyse Anforderungen an Smart Contracts abgeleitet, wobei ökologische, ökonomische, soziale und insbesondere rechtliche Rahmenbedingungen analysiert werden.
4 Entwurf eines Versicherungskonzeptes auf Basis von Smart Contracts: In diesem Kapitel wird ein konkretes Konzept für eine Smartphone-Versicherung entworfen und mittels Ethereum-basierter Smart Contracts implementiert.
5 Diskussion: Das entwickelte Konzept wird kritisch anhand der zuvor definierten Kriterien hinsichtlich Dunkelverarbeitung, rechtlicher Rahmenbedingungen und Unsicherheiten bewertet.
6 Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Smart Contracts gegenwärtig die Voraussetzungen für komplexe Versicherungen nur teilweise erfüllen, aber dennoch ein erhebliches Potenzial zur Kostenreduktion bieten.
Schlüsselwörter
Blockchain, Smart Contracts, Sachversicherung, Ethereum, SWOT-Analyse, Dunkelverarbeitung, Orakel, Versicherungsaufsichtsgesetz, Datenschutz, Solvenzkapital, Digitalisierung, Transparenz, Smart Contract-basierte Produkte, Versicherungsrecht, Automatisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit ist eine Machbarkeitsstudie, die bewertet, inwieweit komplexe Sachversicherungen mithilfe von Smart Contracts auf Blockchain-Basis realisiert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Blockchain-Technologie, Smart Contracts, die Wertschöpfungskette in der Versicherungsbranche und die Analyse rechtlicher sowie regulatorischer Anforderungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu ermitteln, welche Anforderungen an Smart Contracts gestellt werden müssen, um für komplexe Sachversicherungen geeignet zu sein, und ob aktuelle Technologien diese bereits erfüllen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig die SWOT-Analyse zur strategischen Einordnung und Anforderungen-Definition sowie einen Proof-of-Concept-Ansatz zur Entwicklung und Prüfung eines Versicherungskonzeptes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Grundlagen der Blockchain, der Erstellung eines Anforderungskatalogs durch eine SWOT-Analyse und dem Entwurf einer Ethereum-basierten Smartphone-Versicherung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Blockchain, Smart Contracts, Sachversicherung, Dunkelverarbeitung, Versicherungsaufsicht und Datenschutz.
Wie unterscheidet sich dieses Versicherungskonzept von bisherigen Ansätzen?
Das Konzept zielt auf die Abbildung einer komplexeren Sachversicherung ab, im Gegensatz zu rein parametrischen Versicherungen, die bisher meist nur Wetterdaten oder Flugverspätungen absichern.
Welche Rolle spielen Orakel in diesem Konzept?
Orakel bilden die kritische Schnittstelle, um externe Informationen aus der realen Welt in die Blockchain zu übermitteln, damit Smart Contracts auf versicherungsrelevante Ereignisse reagieren können.
- Arbeit zitieren
- Robert Mickel (Autor:in), 2018, Machbarkeitsstudie zur Verwendung von Smart Contracts zur Realisierung komplexer Versicherungsprodukte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438655