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Was passiert im Waldkindergarten?

Eine ethnographische Analyse

Titel: Was passiert im Waldkindergarten?

Diplomarbeit , 2014 , 114 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Lisa Hartmann (Autor:in)

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Es wurde eine Feldforschung mit Teilnehmender Beobachtung in der Waldgruppe einer Kindertagesstätte durchgeführt. Ausgangspunkt der Forschung ist eine offene und undogmatische Fragestellung, die vorerst keine Prüfung theoretischer Hypothesen verlangt, aber eine erste Orientierung in der Feldforschung bietet und durch das theoretische Vorwissen spezifiziert wird. Das Vorgehen der Arbeit folgt der Spezifikation der Fragestellung.

Da das Forschungsdesign in Anlehnung an die Grounded Theory Methodologie entstand, liefert der erste Teil der Arbeit die wichtigsten Theoriebausteine. Hierzu wird bestimmt, was Kindertageseinrichtungen sind und welche Aufgabe sie zu erfüllen haben. Durch die Begriffsbestimmung von Betreuung, Erziehung und Bildung werden diese voneinander abgegrenzt. Durch die Definition der differenten Arten von Bildung kann explizit verdeutlicht werden, welche Art von Bildung in Kindertageseinrichtungen implementiert werden soll und welche nicht.

Die Notwendigkeit von Kindertageseinrichtungen für Kinder werden durch einen historischen Exkurs dargestellt. In diesem Rückblick wird auch der Situationsansatz knapp umrissen. Die heutige Bildungsdiskussion weist auf die Wichtigkeit frühkindlicher Bildung hin. Der hieraus entstandene Bildungsplan sowie der Bildungsauftrag an den Kindergarten werden deshalb ebenfalls dargestellt. Gemeinsam mit der Annahme über Bildungsprozesse im kindlichen Spiel bilden Selbstbildung und Ko-Konstruktion in dieser Arbeit als Bildungskonzepte den Ausganspunkt für Bildung. Alle diese Konzepte werden vorgestellt und der theoretische Rahmen geschlossen.

Das Forschungsdesign in Anlehnung an die Grounded Theory Methodologie sowie das exakte Forschungsvorgehen werden im zweiten Teil der Arbeit dargestellt. Dort findet sich auch eine erste Präsentation der Ergebnisse.

Eine ausführliche Darstellung und Diskussion der Ergebnisse mit Rückbezug auf die Theoriebausteine ist im dritten Teil der Arbeit zu finden. Dort werden die durch die Kodier-Arbeiten im Zuge der Grounded Theory Methodologie herausgearbeiteten Kategorien auf dem Hintergrund der „Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz“ dargestellt und im Hinblick die Forschungsfrage diskutiert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

I Theoretischer Rahmen

2. Zentralen Begriffe

2.1 Kindertageseinrichtung

2.2 Betreuung

2.3 Bildung

2.3.1 Formelle Bildung

2.3.2 Informelle Bildung

2.3.3 Non-formelle Bildung

2.4 Erziehung

3. Die Geschichte des (Wald)-Kindergartens

3.1 Die Erfindung des Kindergartens

3.2 Die Bildungsdiskussion 1960/1970

3.3 Der Situationsansatz

3.4 Der Waldkindergarten

4. Frühkindliche Bildung heute

4.1 Bildungspläne in Kindertageseinrichtungen

4.2 Bildungskonzepte

4.2.1 Selbstbildung

4.2.2 Ko-Konstruktion

4.3 Bildungsprozesse im Spiel

4.4 Bildungsraum

5. Zwischenfazit und Entwicklung der Forschungsfrage

II Empirie und Forschungszugang

6. Darlegung und Begründung der Methodenwahl

6.1 Rahmenkonzept: Die Grounded Theory Methodologie

6.1.1 Untersuchungskonzept: Deskriptive Feldforschung

6.1.2 Erhebungsverfahren: Die Teilnehmende Beobachtung

6.1.3 Aufbereitungs- und Auswertungsverfahren: Kodes und Kategoriensysteme

6.2 Spezifikation der Fragestellung

III Darstellung und Diskussion der Ergebnisse

7. Aufbau der Ergebnisdarstellung

7.1 Erläuterung des theoretischen Modells

7.2 Darstellung und Diskussion der Kategorien

7.2.1 Bewegung

7.2.2 Wahrnehmung

7.2.3 Sprache

7.2.4 Gemeinschaft und soziales Verhalten

7.2.5 Fantasie und Kreativität

7.2.6 Naturerfahrung und Ökologie

7.2.7 Mathematik und Naturwissenschaft

8. Fazit und Weiterführende Gedanken

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwiefern der staatliche Bildungsauftrag in einem Waldkindergarten umgesetzt wird und welche Rolle dabei informelle Bildungsprozesse sowie das natürliche Umfeld spielen. Im Fokus steht die explorative Analyse der Alltagspraxis, um zu verstehen, wie Kinder durch Selbstbildung und Ko-Konstruktion in naturnahen Räumen lernen.

  • Analyse der Umsetzung des Bildungsauftrags in Waldkindergärten.
  • Untersuchung von Bildungsprozessen (Selbstbildung und Ko-Konstruktion) im Spiel.
  • Bedeutung der Umwelt (Wald) als Bildungsraum.
  • Anwendung der Grounded Theory Methodologie zur ethnographischen Analyse.
  • Vergleich der Alltagspraxis mit den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Erfindung des Kindergartens

Vereinzelt gab es Einrichtungen der außerfamiliären Betreuung für Kinder schon vor 1770, in Form von kirchlichen Kleinkindschulen. Selbst im Mittelalter wurde mitunter protokolliert, dass mehrere Kinder beim Spielen von Frauen beaufsichtigt wurden (vgl. Schäfer, 1987, S. 29). Um 1800, als die Industrialisierung einsetzte und das traditionelle Gesellschaftsgefüge erschütterte und die meisten Lebensbereiche von Grund auf umformte, stieg als Konsequenz die Nachfrage nach öffentlichen Einrichtungen der Kleinkindbetreuung. Durch den Wirtschaftswandel änderte sich auch die Lebensweise. Aus einer landwirtschaftlich basierten Lebensweise, in welcher Haus und Arbeit eine Einheit bildeten, wurde eine industriell orientierte Lebensweise (vgl. ebd., S. 47). Dabei kam es zur Verstädterung und zur Trennung von Wohnen und Arbeiten. Zur Zeit der deutschen industriellen Revolution (ca. 1830 - 1870) wurden die ersten als „Kleinkindbewahranstalten“ bezeichneten Einrichtungen gegründet (vgl. Wehrmann, 2004, S. 136). Dies war vor allem zurück zu führen auf die für die Familie überlebensnotwendige Erwerbstätigkeit beider Elternteile, vor allem in sozial niedrig gestellten Schichten (vgl. Schäfer, 1987, S. 47). Die Einrichtungen hatten die Funktion der Betreuung im Sinne von Bewahrung und Versorgung der Kinder, als auch jene der Entlastung der Eltern (vgl. Hocke, 2007, S. 35). Doch auch ökonomische Faktoren spielten in das Entstehen dieser Bewahranstalten mit hinein. Denn die Zahl und der Gesundheitszustand der nachwachsenden Arbeitergeneration verringerten sich, bedingt durch die Frauen- und Kinderarbeit, so war die Reproduktion von Arbeitskraft gefährdet (vgl. Aden-Grossmann, 2011, S. 16). Der Ausbau der Kinderbewahranstalten und die damit einhergehende Verbesserung der Gesundheit, sowie Steigerung der Überlebenschancen hatten demnach wirtschaftliche und politische Gründe (vgl. Dammann, 1987, S. 21).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel und dessen Auswirkungen auf den Lebensraum von Kindern, führt in das Konzept des Waldkindergartens ein und formuliert die Forschungsfrage zur Umsetzung des Bildungsauftrags.

2. Zentralen Begriffe: In diesem Kapitel werden die sozialpädagogischen Kernbegriffe Betreuung, Bildung (in ihren drei Ausprägungen) und Erziehung theoretisch definiert und in den Kontext von Kindertageseinrichtungen gestellt.

3. Die Geschichte des (Wald)-Kindergartens: Das Kapitel bietet einen historischen Exkurs über die Entstehung institutioneller Kinderbetreuung, den Situationsansatz und die spezifische Entwicklung der Waldkindergarten-Idee.

4. Frühkindliche Bildung heute: Hier wird die aktuelle Bildungsdiskussion (u.a. PISA-Kontext) und der Stellenwert von Bildungsplänen sowie moderne Bildungskonzepte wie Selbstbildung und Ko-Konstruktion erörtert.

5. Zwischenfazit und Entwicklung der Forschungsfrage: Dieses Kapitel synthetisiert die theoretischen Erkenntnisse und leitet daraus die Notwendigkeit und Ausrichtung der ethnographischen Untersuchung ab.

6. Darlegung und Begründung der Methodenwahl: Es wird der methodische Zugang über die Grounded Theory Methodologie sowie die deskriptive Feldforschung mittels teilnehmender Beobachtung begründet und das spezifische Vorgehen erläutert.

7. Aufbau der Ergebnisdarstellung: Dieses Kapitel liefert das theoretische Modell basierend auf den erhobenen Daten und diskutiert die Kategorien (Bewegung, Wahrnehmung, Sprache, etc.) unter Rückbezug auf die Bildungsaufträge.

8. Fazit und Weiterführende Gedanken: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Studie zusammen und bestätigt, dass der Waldkindergarten den staatlichen Bildungsauftrag durch seinen spezifischen Alltag in der Natur erfüllt.

Schlüsselwörter

Waldkindergarten, Frühkindliche Bildung, Ethnographische Analyse, Grounded Theory, Bildungsauftrag, Selbstbildung, Ko-Konstruktion, Kindertageseinrichtung, Teilnehmende Beobachtung, Spielpädagogik, Naturerfahrung, Bildungsraum, Sozialpädagogik, Situationsansatz, Lernprozesse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit untersucht ethnographisch, wie der staatliche Bildungsauftrag in einer Waldgruppe einer Kindertagesstätte in der Praxis umgesetzt wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse frühkindlicher Bildungsprozesse, dem Konzept des Waldkindergartens, dem Zusammenspiel von Betreuung, Erziehung und Bildung sowie der Rolle der natürlichen Umgebung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, in Erfahrung zu bringen, was in einem Waldkindergarten tatsächlich passiert und ob und wie dort Bildung und der gesetzliche Bildungsauftrag eine Rolle spielen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt die Grounded Theory Methodologie im Rahmen einer qualitativen, deskriptiven Feldforschung, basierend auf der Methode der teilnehmenden Beobachtung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden theoretischen Rahmen zu Bildungskonzepten und eine empirische Analyse, in der das Handeln im Waldkindergarten anhand von Kategorien wie Bewegung, Sprache und Wahrnehmung diskursiv aufgearbeitet wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Waldkindergarten, Bildungsauftrag, Selbstbildung, Ko-Konstruktion und qualitative Sozialforschung.

Warum wird gerade der Wald als Bildungsort untersucht?

Der Waldkindergarten wird als Gegenpol zur "Verhäuslichung der Kindheit" und Mediatisierung betrachtet, wobei die Arbeit analysiert, wie diese Umgebung als natürlicher Erfahrungs- und Bildungsraum fungiert.

Welche Rolle spielt die Erzieherin im Wald?

Die Erzieherinnen fungieren als Begleiterinnen, Vorbilder und Stabilitätsgaranten, die Lernsituationen nicht durch starre Curricula vorgeben, sondern durch die Ko-Konstruktion das Selbstbildungspotential der Kinder unterstützen.

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Details

Titel
Was passiert im Waldkindergarten?
Untertitel
Eine ethnographische Analyse
Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Autor
Lisa Hartmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
114
Katalognummer
V438758
ISBN (eBook)
9783668795952
ISBN (Buch)
9783668795969
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungsauftrag Waldkindergarten Waldgruppe Sozialisation Bildung Ethnograpie ethnographische Analyse Analyse formelle Bildung informelle Bildung non-formelle Bildung Erziehung Kindergarten Situationsansatz Selbstbildung Ko-Konstruktion Bildungskonzept Bildungsraum Spiel Bildung im Spiel Grounded Theory Deskriptive Feldforschung Teilnehmende Beobachtung Kodes Kategorieen Kategoriensysteme Bewegung Wahrnehmung Naturerfahrung Fantasie Ökologie Kreativität Sprache Gemeinschaft soziales Verhalten Sinneswahrnehmung Sinne Sinnesbildung Riechen Schmecken Sehen Fühlen Hören Tagesablauf Urbanisierung Wald Gruppe Frühkindliche Bildung frühkindlich Erfahrung Selbsterfahrung Konzept spielen Grounded Theory Beobachtung teilnehmend deskriptiv Feldforschung Forschung Feld Teilnehmer Beschreibung kategorisieren
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Lisa Hartmann (Autor:in), 2014, Was passiert im Waldkindergarten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438758
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